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Auseinandersetzungen mit der Darstellungsweise der Frau im Werk Edgar Degas`

Hausarbeit 2009 26 Seiten

Kunst - Malerei

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Frauender Arbeit
II.I Die Büglerinnen
II.II Die Wäscherinnen
II.III Die Prostituierten

III. Frauen der Bühne
III.I Balletttänzerinnen
III.II Sängerinnen

IV Frauen im Alltag
IV.I Augenblicke der Freude
IV.II Melancholische Momente

V. Frauen bei der Toilette

VI. Fazit

VII. Erklärung

VIII. Literaturverzeichnis

IX. Bildverzeichnis

I. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit wurde im Rahmen des Hauptseminars Impressionismus unter der Leitung von Dr. phil. habil. Beatrix Nobis erarbeitet. Ich habe mich entschieden, meine Hausarbeit über das Frauenbild bei Degas zu schreiben, weil es mir gefällt, dass er nie versuchte, die Porträtierte in ihren Goldstunden zu zeigen, sondern vielmehr den gewissen Moment der vermeintlichen Unbeobachtetheit, den Moment vor dem eigentlichen Ereignis zu zeigen. Er versucht nicht, ein Individuum in der Perfektion seiner selbst zu zeigen, er zeigt sie vielmehr die ehrliche, ungeschliffene Wahrheit, die vielerlei Ebenen besitzt. Der Maler wollte seine individuelle Sicht der Wirklichkeit zum Ausdruck bringen. Es war die Zeit, als der Impressionismus aufkam, als Degas seine künstlerische Tätigkeit begann. Er ließ sich von dieser Stilrichtung zwar beeinflussen, jedoch entwickelte er eine eigene Bildkomposition, die er insbesondere durch Farb- und Lichtwirkungen auslegte. Er stellte sich gegen alte Kompositionsschemata und wollte sich keinen gewohnten Konventionen beugen. Sein Ziel war es, dass Flüchtigkeit und Konstruktion, Schein und Wahrheit, Fiktion und Desillusion ununterscheidbar werden[1]. Degas war ein Großstadtmensch. Es war sein Bedürfnis, von Menschen, vom urbanen Leben umgeben zu sein, stets musste er, der Psychologe, Menschen beobachten können.[2] Insbesondere Frauen stellte er mit Vorliebe dar, sie waren für ihn ein ideales Studienobjekt, obgleich er selbst nie verheiratet war. Warum ich selbst nie geheiratet habe? (...) Da ist die Liebe und da die Malerei. Und wir haben doch nur ein Herz.[3] Das leidenschaftliche Verhältnis zu Frauen beschränkt sich auf seine künstlerische Auseinandersetzung mit ihnen. Auf die bei den Impressionisten gebräuchlichen Naturdarstellungen verzichtete er fast ausschließlich. Zwar bediente er sich der Pleinair-Malerei, doch liegt der Fokus in der menschlichen Interaktion.

Die Langeweile überkommt mich rasch beim Betrachten der Natur. - Ich habe kein Verlangen, nach der Natur zu zeichnen.[4] Der Augenmerk dieser Arbeit liegt auf der subtilen Beobachtungsgabe, die Edgar Degas bei der Frauen-Darstellung zugrunde legt. Da der Schwerpunkt auf seinem künstlerischen Schaffen liegt, werden biografische Daten nur peripher behandelt, bzw. lediglich dann erwähnt, wenn es für die Auseinandersetzung eines bestimmten Werkes relevant erscheint.

II. Frauen der Arbeit

II.I Die Büglerinnen

Degas' erstes Bild, welches sich mit dem Sujet der Büglerin beschäftigt, entstand 1869. Es zeigt das Berufsmodell Emma Daubigny, welche mitten in der Bewegung inne hält und den Betrachter anschaut. Ihr Blick wirkt müde und leer. Die unvollendeten Linien der skizzierten Arme verdeutlichen, dass der kurze Moment des Ausspannens im nächsten Augenblick durchbrochen werden kann. Das Gesicht der Büglerin ist als einziges Bildelement en detail ausgeführt, Körper, Bügeltisch und die Wäschelaken wirken verschwommen, der Fokus liegt ihrem Gesichtsausdruck. In Die Büglerin wird nichts beschönigt, die hängenden Wäschestücke im Hintergrund zeigen ihr Arbeitsumfeld, die anstrengende Welt einer Büglerin im Paris des endenden 19. Jahrhunderts. Sie wird quasi von ihrer Welt umrahmt und eingenommen, die Reinigung der Wäsche bestimmt ihren Lebensunterhalt. Edgar Degas sucht in Bildern wie diesen hintergründige Einblicke in einen die Grenzerfahrungen eines fremden Alltags, er ist interessiert an den Nachtseiten des großstädtischen Lebens.[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Büglerin, um 1869

Das Ölgemälde Büglerinnen zeigt zwei kontrastierende Haltungen der Arbeiterinnen. Während die eine voller Kraft das Bügeleisen auf die Wäsche presst, gähnt die zweite ausgiebig und hält eine Flasche Rotwein in der Hand.[6] Degas interessiert sich in diesem Werk für die großstädtischen Seiten, fernab vom Prunk der Boulevards. Es bleibt erahnen, ob er die beiden Damen porträtierte oder ob er sie aus dem Gedächtnis malte. Seinen Bildern gingen zahlreiche Skizzen und Studien vorweg. Als Perfektionist, der Degas war, überließ er nichts dem Zufall.

Keine Kunst ist weniger spontan als die meine. Inspiration, Spontaneität und Temperament sind mir unbekannt. Das gleiche Sujet muss man hundertmal wiederholen. Nichts in der Kunst darf einem Zufall gleichen, nicht einmal die Bewegung.[7]

Bereits als Zeichenschüler kopierte Degas immer wieder Werke alter Meister, seine Genauigkeit und sein hoher Anspruch an sein eigenes Schaffen entstand vermutlich während dieser Zeit.

Das Bild Büglerinnen geht über eine reine Milieustudie hinaus, er sucht die visuelle Erkundung der Entfremdung.[8] Es wirkt auf den ersten Blick wie eine Allegorie zu Müßiggang und Fleiß. Die Fleißige, die gewissenhaft ihrer Aufgabe nachgeht und die Faule, die ihre Langeweile im Alkohol zu vertreiben sieht. Doch wird in diesem Werk nur ein einzelner Moment festgehalten. Wir wissen nicht, ob die beiden Frauen im nächsten Augenblick die Rollen tauschen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Büglerinnen, um 1884-86

II.II Die Wäscherinnen

In Degas' Panorama der Pariserin steht Wäscherin für den verbrauchten, in der Arbeit verschlissenen Körper.[9] Zwei Wäscherinnen tragen Wäsche in die Stadt zeigt zwei Frauen, denen die körperliche Last ihrer Arbeit im Gesicht geschrieben steht. Die schweren Wäschebündel müssen sie regelrecht vom Stapel wuchten. Auch hier wird nichts beschönigt. Die Wäscherin am linken Bildrand muss die Last des Bündels mit der Oberkörper auffangen, ihren Kopf legt sie angestrengt zur Seite. Die andere Frau stützt das Bündel mit der Hüfte ab. Beide scheinen für derlei Arbeit körperlich überfordert. Auch hier zeigt sich Degas', wenn auch nicht beabsichtigte, Zeitgeist­Dokumentation. Die Abbildung der Wäscherinnen gibt Informationen preis über ihren Alltag, sie lässt uns teilhaben am Geschehen und gibt Aufschluss auf die harte Arbeit, die diese Frauen zu verrichten angewiesen waren. Degas hatte eine ungewöhnliche Begabung, die wahre Natur einer Sache zu erkennen.[10] Dieses Bild gilt als eine von Degas' schönsten Farbstudien. Ein Meisterwerk, in dem die Frauen mit ihren Körben vor dem orangefarbenen mit einer harmonischen Anmut dargestelltsind, die an hellenistische Skulpturen denken lässt.[11]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zwei Wäscherinnen tragen Wäsche in die Stadt, 1876-78

II.III Die Prostituierten

Der Alltag in den Bordellen hat ebenfalls einen hohen Anteil in Degas' Œuvre. Das Pastell über Monotypie Drei Dirnen auf einem Kanapee von 1879 führt uns drei Prostituierte vor Augen, die auf ihre Freier warten. Die abgestumpfte Passivität der Frauen kommt hier zum Vorschein.[12] Die mittlere Frau hat einen starren Blick, ihr Körper wirkt schlaff, ausgemergelt und verbraucht. Ihre linke Nachbarin schlägt die Augen nieder, als hätte sie jede Hoffnung auf ein besseres Leben verloren, während die Frau auf der rechten Seite ihren Körper unter einer Decke verborgen hält und gleichmütig mit leicht geschürzten Lippen Ausschau hält. Degas möchte nicht die Höhen und Tiefen, die psychologischen Abgründe des Hurenlebens aufzeigen, sondern dessen leeren Stillstand, die das abseitige Reservat des Bordells lähmende Monotonie.[13]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Drei Dirnen auf einem Kanapee, 1879

III. Frauen der Bühne

III.I Balletttänzerinnen

Degas' Interesse an der Darstellung von Ballettszenen wurde durch seine schon früh vorhandene Freude am Porträt geweckt; in seinem ersten Ballettbild Mademoiselle Fiocre in dem Ballett La Source, das 1866 entstand, gibt es keinerlei Bewegung. Seine Gemälde von Orchestern und Zuschauern (...), sind ein Auftakt für die Darstellung des Tanzes.[14] Degas begeisterte sich jedoch nicht ausschließlich für die Darstellung perfekt dargebotener Ballettfiguren, er blickt gern auch hinter die Kulissen. So zeigt die Zeichnung Ihren Schuh richtende Tänzerin von 1874 eine junge Balletttänzerin in einer für ihren Status untypischen Position, sitzend und in ungraziöser Haltung zieht sie die Schnürung ihres Schuhs zurecht. Er ersetzt das vorherrschende Bild einer stolzen, in aufrechter Haltung stehenden Ballerina in eine Sitzende mit gebückter Haltung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ihren Schuh richtende Tänzerin, 1874

Degas zeigt die junge Frau in einem privaten, intimen Moment, vor einem Publikum würde sie eine solche Bewegung niemals ausführen. Degas betrachtete sie nicht nur als schwerelose Feengestalt, (...), sondern ebenso oft entkleidet alles poetischen Reizes, (...) müde und erschöpft von der Vorstellung, hinter den Kulissen.[15]

Ähnlich verhält es sich in dem Gemälde Ballettprobe auf der Bühne, welches im selben Jahr entstand. Zwar sehen wir drei junge Tänzerinnen, die ihre eleganten Figuren ausführen, doch sind diese eher im Hintergrund abgebildet. Die Tänzerinnen im Vordergrund, auf denen der Fokus liegt, besitzen nicht diese Anmut. Würden sie kein Tutu tragen, so könnte man sie für gewöhnliche Schulmädchen halten. Das eine Mädchen steht mit dem Rücken zum Betrachter, ein anderes streckt stöhnend ihre Arme, eine Weitere kratzt sich am Nacken.

Degas zeigt uns Einblicke, die dem Opernbesucher verwehrt bleiben, welcher allein das makellose Resultat harten Trainings zu Gesicht bekommt. Die Studien, die Degas zu den Ballettproben und hinter den Kulissen fertigte, zeigen seine ausgesprochene Sympathie, die er den Frauen entgegen bringt.[16] Indem er sie in keinerlei glamourösen Posen zeigt, beweist ein ein tiefes Verständnis für die Frau, die sich hinter der Maske einer Tänzerin verbirgt.

Ferner arbeitet er gezielt mit der Wirkung von Licht und Schatten. Das grelle Kunstlicht bildet einen starken Kontrast zum dunklen Bühnenvorhang, die Schattierungen in Gesicht und Körper der Tänzerinnen treten deutlich hervor. Das Bild wirkt dadurch sehr atmosphärisch. Der Reiz liegt darin, nicht die Lichtquelle zu zeigen, sondern die Wirkung des Lichts.[17]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ballettprobe auf der Bühne, 1874

III.II Sängerinnen

Wie bereits erwähnt, liebte Degas den Menschentrubel und das Großstadtleben. Regelmäßig besucht er Showdarbietungen im nächtlichen Paris. Tief beeindruckt zeigte er sich von der Sängerin Thérésa, die er in seinem Werk Cafesängerin verewigte. Einige Jahre zuvor hatte er Thérésa bereits in Das Chanson vom Hund porträtiert. Er war begeistert von ihrer Stimme; Sie öffnet ihren großen Mund, und heraus kommt die roheste, delikateste und aufs geistreich zärtlichste Stimme, die es gibt. Die Seele, der Geschmack, wo könnte man sie besser finden! Bewunderungswürdig![18]

In Cafesängerin huldigt er ihr im wahrsten Sinne. Er schmeichelt ihr, denn die Sängerin hat ihre besten Jahre bereits hinter sich.[19] Das Bild drückt die Leidenschaftlichkeit der Chanteuse aus, man kann schnell erahnen, dass sie sich mit Herzblut dem Gesang hingibt. Degas zeigt sie in dieser Leidenschaftlichkeit, wie sie ihren Arm in die Höhe streckt und den Mund aufreißt, dass es beinah grotesk wirkt, wie man ihr in den Rachen zu schauen vermag. Anders, als bei vielen anderen Arbeiten Degas' wählte er für die Cafesängerin die Untersicht. Das Bild wirkt exemplarisch für die große Bedeutung, die Degas Farben und Lichtwirkung beimaß. Das blasse Inkarnat Thérésas steht in starkem Kontrast zu ihren schwarzen Handschuhen und dem schwarzen Pelzbesatz an Dekolleté und Ärmel. Die Tapete im Hintergrund weist einen Komplementärkontrast zwischen Rot und Grün auf. Zudem unterstreicht der senkrechte Verlauf der farbigen Streifen die Handgeste der Sängerin.

Auch das Licht der Bühnenbeleuchtung strahlt vom Boden aus. Der Schattenwurf im Gesicht wirkt dramatisch, Während das Licht Hals und Wangen direkt bestrahlt, liegen die Augen in tiefen Schattenhöhlen. Die weiße Höhung der Pastellfarbe erzeugt die Plastizität im Bereich der Augenbrauen. Der Fokus wird hier auf den Mund, dem wichtigsten Wesensmerkmal einer Sängerin gelegt. Das Pastell verdrängt in seinem Schaffen immer mehr und schließlich völlig die Ölmalerei, denn diese Technik verband Zeichnen und Malen in einer für Degas idealen Art.[20]

Nachdem ich Porträts von oben gemalt habe, werde ich welche aus der Untersicht machen - ganz nah an einer Frau sitzend und von einem tiefgelegenen Standort zu ihr hinaufschauend.[21]

[...]


[1] Growe, Bernd; Edgar Degas 1834-1917; Köln; 1991; S. 52

[2] Ebd. S. 35

[3] Ebd. S.35

[4] Ebd. S. 9

[5] Growe, Bernd; Edgar Degas 1834-1917; Köln; 1991; S. 71 f.

[6] Hofmann, Werner; Degas und sein Jahrhundert; München 2007; S. 166

[7] Growe, Bernd; Edgar Degas 1834-1911; Köln; 1991; S. 68

[8] Growe, Bernd; Edgar Degas 1834-1911; Köln; 1991; S. 68

[9] Hofmann, Werner; Degas und sein Jahrhundert; München 2001; S. 162

[10] Hofmann, Werner; Degas und sein Jahrhundert; München 2007; S. 200

[11] Ebd. S. 202

[12] Ebd. S. 220

[13] Ebd. S. 220

[14] Sutton, Denys; EdgarDegas; München 1986; S. 160

[15] Griessmaier, Viktor; Impressionismus; Wien; 1956; S. 152

[16] Sutton, Denys; EdgarDegas; München 1986; S. 168

[17] Growe, Bernd ; Edgar Degas 1834-1917; Köln; 1991; S. 47

[18] Hofmann, Werner ; Degas und sein Jahrhundert; München 2007; S. 209

[19] Ebd. S. 210

[20] Griessmaier, Viktor; Impressionismus; Wien; 1956; S. 150

[21] Growe, Bernd ; Edgar Degas 1834-1917; Köln; 1991; S. 57

Details

Seiten
26
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640782413
ISBN (Buch)
9783640782581
Dateigröße
3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v163149
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Note
1,3
Schlagworte
Auseinandersetzungen Darstellungsweise Frau Werk Edgar Degas`

Autor

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