Lade Inhalt...

Lebensbilder berühmter Ökonomen

Karl Marx: Leben, Werk und kritische Würdigung

Wissenschaftlicher Aufsatz 2010 8 Seiten

VWL - Geschichte

Leseprobe

Lebensbilder berühmter Ökonomen

Karl Marx: Leben, Werk und kritische Würdigung

Dipl.-Volkw. Klaus J. vor der Horst, Buchenbach Dezember 2010

Vor einiger Zeit veröffentlichte der Innovations-Experte Stephan Scholtissek (Accenture Deutschland) eine Exklusivstudie im angesehenen Fachblatt „Harvard Business manager“ (vgl. Scholtissek, 2004, S. 178ff.). Die Studie versuchte zu ermitteln, welche Forscher, Manager und Denker das wirtschaftliche Handeln nachhaltig beeinflusst haben. Unter den Wirtschaftstheoretikern schnitt Karl Marx (Rang 5) am besten ab; weit vor bekannten Namen wie Adam Smith (Rang 12), dem Verfasser der „Bibel“ des Kapitalismus (The Wealth of Nations, 1776), John Maynard Keynes (Rang 18), dem „Vater“ der „antizyklischen Konjunkturpolitik“, Milton Friedman (Rang 19), einem der Mitbegründer der monetaristischen Lehre oder Joseph A. Schumpeter (Rang 30), einem der bedeutensten Entwicklungs-, Konjunktur- und Innovationstheoretiker des letzten Jahrhunderts. Im Folgenden werden Marx' Leben und Werk kurz skizziert. Abschließend folgt eine kritische Würdung seiner wesentlichen Thesen.

Leben

Karl Marx wurde am 5. Mai 1818 als Sohn des jüdischen Rechtsanwalts Hirschel Marx in Trier an der Mosel geboren. Karl Marx wuchs in gutbürgerlichen Verhältnissen auf. Der Vater gehörte zu den Honoratioren der Stadt, die Familie beschäftigte Dienstpersonal, darüber hinaus besaß sie (sogar) eigene Weinberge (vgl. Friedenthal, 1983, S. 17). Marx studierte Jura und Philosophie in Bonn und Berlin. Was die eigenen Finanzen betraf, hatte Marx zeitlebens eine unglückliche Hand. So beklagte sich sein Vater bereits zur Studienzeit von Karl Marx, dass sein „Gentleman-Sohn“ entgegen aller Vereinbarung fast 700 Taler im Jahr ausgebe, wohingegen selbst die Reichsten nicht mehr als 500 Taler bräuchten (vgl. Buchholz, 1990, S. 110). Zu den Geldsorgen bemerkt der Marx-Biograph Richard Friedenthal, dass Marx „immerzu und unweigerlich [erwarte], dass seine Lebensführung von anderen irgendwie finanziert wird... Er erwartet unaufhörlich die nächste Revolution, die „mit einem Donnerschlag“ alle Probleme lösen wird“ (Friedenthal, 1983, S. 51).

1836 verlobt sich Marx mit seiner Jugendfreundin Jenny von Westphalen (1814-1881). Jenny war die Tochter des Regierungsrates Ludwig von Westphalen, der dem preußischen Beamtenadel angehörte. Baron von Westphalen war sehr kultiviert und gebildet; er brachte dem jungen Marx die Werke von Shakespeare, Homer und die der Romantiker auf gemeinsamen Spaziergängen nahe. Ironischer Weise war es gerade der aristokratische Baron, der Marx in den klassenlosen, utopischen Sozialismus einführte.

Im Jahr 1841 promoviert Marx in Jena zu einem philosophischen Thema. Obwohl Marx' Heimatuniversität in Berlin war, bevorzugte er das Promotionsverfahren in Jena (1841), da man dort die Doktorwürde auch ohne mündliches Examen - das in Berlin gefürchtet war - erlangen konnte. 1842 wurde Dr. Marx Redakteur und später Chefredakteur der „Neuen Rheinischen Zeitung“ (Köln). Die Zeitung war ein liberales Oppositionsblatt, das soziale Mißstände schonungslos offenlegte (vgl. Starbatty, 1993, S. 80). Da es Marx immer wieder gelang, die preußische Zensur zu umgehen, wurde dem Blatt nach gut einem Jahr von der Regierung die Schließung angedroht. Unter staatlichem Druck quittierte Marx den Dienst und emigrierte im Oktober 1943 mit Jenny, die er kurz zuvor geheiratet hatte, nach Paris. Marx wollte hier ein neues politisches Journal herausgeben. Allerdings war die journalistische Tätigkeit in Paris nur von kurzer Dauer, weil die Zusammenarbeit mit dem Mitherausgeber Arnold Ruge nicht funktionierte.

Elektrisiert von der „sozialen Frage“ Frankreichs fand Marx in Paris alsbald einen Freund, den Deutschen Friedrich Engels. Beide Lebenswege sollten fortan eng verknüpft bleiben. Engels war Sohn eines wohlhabenden Textilfabrikanten aus Barmen, der auch in Manchester (England) produzierte. Im Gegensatz zu Marx hatte Engels das Elend der Arbeiterschaft dort mit eigenen Augen gesehen. Als Fabrikantensohn führte Engels eine Art Doppelleben: Einerseits arbeitete er tagsüber in der Firma seines Vaters und erhielt die Bezüge eines Kapitalisten. Andererseits setzte er sich bei Nacht mit Hegel und kommunistischer Lektüre auseinander. Für Marx war Engels nicht nur ein Freund, der seine philosophischen und polit- ökonomischen Ansichten teilte, sondern auch ein wichtiger Financier seiner Analysen. Das politische Hauptwerk der beiden war das Kommunistische Manifest (1848), eine Streitschrift in der die Grundzüge der marxistischen Weltanschauung skizziert wurden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Auszug aus dem Marx'schen Konzept zum „Kommu­nistischen Manifest“. Quelle: R. Friedenthal, 1983, S. 327.

Nach Umwegen über Brüssel verbrachte Marx seinen Lebensabend in London. Im Britischen Museum - der damals wohl weltbesten Bibliothek - studierte er akribisch die Klassischen Ökonomen, inbesondere David Ricardo (1772-1823) und bereitete sein ökonomisches Hauptwerk „Das Kapital“ vor. Der erste Band erschien 1867. Die Bände 2 und 3 wurden erst nach Marx' Tod von Friedrich Engels 18 beziehungsweise 27 Jahre nach Erscheinen des ersten Bandes herausgegeben. Für diese Verzögerung war sicher auch Marx' Handschrift verantwortlich, die mit unleserlich sehr freundlich beschrieben ist (siehe oben). Gesundheitlich angeschlagen entschläft Marx am 14. März 1883 in seiner Londoner Wohnung in einem Lehnstuhl.

Werk

Vor geschichtlichem Hintergrund unternimmt Marx den Versuch, das sozio-ökonomische Bewegungsgesetz in Wirtschaft und Gesellschaft zu enthüllen. Als Instrument dient ihm dabei die Philosophie der „Dialektik“ von Friedrich Hegel (1770-1831). Dialektik ist eine Methode der Erkenntnisgewinnung, bei der Gegensätze und deren Überwindung im Mittelpunkt stehen. Konkret wird einem Satz (These) ein Gegensatz (Antithese) entgegengestellt. Die Problemlösung ergibt sich im Ausgleich beider (Synthese). Die Synthese soll den Widerspruch auflösen und das Wahre vom Falschen trennen. Nach Marx'Auffassung ist die Menschheitsgeschichte eine Geschichte von Klassenkämpfen, wobei die besitzenden Klassen - ihnen gehören die Produktionsmittel - die besitzlosen ausbeuten. Jede Gesellschaftsform entwickelt sich nach Marx aus den Gegensätzen der ihr vorangegangenen. Dabei bleibt eine Gesellschaftsform so lange bestehen, bis sie das für sich ökonomisch Mögliche erreicht hat. Höhere Produktionsverhältnisse - gemeint sind insbesondere die Eigentums-, Rechts- und Herrschaftsverhältnisse, die den Zugang zu den Produktionsmitteln und zu dem naturwissenschaftlich-technologischen Wissen regeln - erfordern einen gesellschaftlichen Übergang (vgl. Tab. 1). Nicht zuletzt weil bestimmte Produktionsverhältnisse den technischen Fortschritt behindern, müssen Umstürze dieses Verhältnisse ändern. Das Gesetz, nach dem die Geschichte unaufhaltsam voranschreitet, wird - so Marx - das Privateigentum früher oder später aufheben und damit die gesellschaftlichen Gegensätze und den Klassenkampf für immer beenden. Die klassenlose Gesellschaft des Kommunismus ist nach Marx das aufgelöste Rätsel der Geschichte (vgl. Schachtschabel, 1967, S. 66ff.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Historische Gesellschaftsformen nach marxistischer Geschichtsauffassung.

Details

Seiten
8
Jahr
2010
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v163513
Schlagworte
Dialektik Mehrwert Unterkonsumtionstheorie Überinvestitionstheorie Marx-Engels-Effekt

Autor

Zurück

Titel: Lebensbilder berühmter Ökonomen