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James Cooks Reisen und ihre visuelle Dokumentation

Lanschaftsmalerei, Dimensionen des Visuellen in der Geographie

Hausarbeit 2007 23 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. James Cook und sein Verdienst

2. Landschaftsmalerei unter dem Einfluss gesellschaftlicher Veränderungen

3. Vorbereitung der visuellen Dokumentation
3.1 Cooks Aufträge für die Expeditionen
3.2 Künstler und Wissenschaftler

4. Die praktische Arbeit
4.1 Leistungen der Künstler
4.2 Ästhetik versus Wissenschaft

5. Zusammenfassung

6. Quellen

1. James Cook und sein Verdienst

Der berühmte Seefahrer James Cook wurde als Sohn eines Tagelöhners geboren und hatte nur bis zu seinem dreizehnten Lebensjahr eine Schulbildung genossen. Kurze Zeit später verdiente er sein Geld als Schiffsjunge auf einem Kohlenschiff. Cook brachte zu diesem Zeitpunkt keinerlei theoretisches Wissen über die Seefahrt mit. (Hennig 1952: 3) Mit Hilfe seines Ersparten finanzierte er sich Unterricht in höherer Nautik und erwarb wertvolles Wissen vor allem im Selbststudium, denn Cook war ein großer Autodidakt. So gewann er im Laufe der Jahre das Vertrauen und die Hochachtung seiner Vorgesetzten und knüpfte wichtige Freundschaften, die ihm den Weg zur ersten Expedition ebneten. (Hennig 1952: 4, 5) Als der Venusdurchgang als astronomisch bedeutendes Ereignis 1769 bevorstand, brauchte die englische Regierung einen geeigneten Mann, der mit Hilfe von Astronomen bei dieser Gelegenheit das Ereignis von Tahiti aus beobachten sollte. Cook, der mittlerweile vierzig Jahre alt war und seit seiner Jugend Erfahrungen auf der See gesammelt hatte, vereinte astronomisches Wissen und seefahrerisches Können in sich und wurde 1768 zum Kapitän des Expeditionsschiffes „Endeavour“ ernannt. Die Entdeckungen, die er machte, überzeugte die Herren der Royal Navy, so dass er für zwei weitere Expeditionen von 1772 bis 1775 und von 1776 bis 1779 engagiert wurde. (Hennig 1952: 12, 16, 76)

Als James Cook 1768 erstmals im Auftrag der Royal Society in See stach, machte er nicht nur bedeutende Entdeckungen geographischer Art, er setzte auch hohe Standards für spätere wissenschaftliche Expeditionen. Einer besonders guten Planung ist es zu verdanken, dass Cook den Kampf gegen Skorbut gewonnen hat. Auf seinen Reisen erkrankten weitaus weniger Matrosen an der Krankheit als auf anderen vergleichbaren Seereisen. Seine Reisen wurden neben äußerst fähigen Zeichnern zusätzlich von wissenschaftlichen Experten wie Botanikern, Astronomen und Zoologen begleitet. Erstmals konnten die Seemänner relativ genau ihren Standpunkt bestimmen: den Breitengrad mit Hilfe eines Sextanten und den Längengrad mit Hilfe des Mondes und des Seealmanachs von dem Astronomen Nevil Maskelyne, das ein Jahr vor der ersten Reise Cooks erschienen war. Das hatte zur Folge, dass bisher unbekannte Küstenlinien sehr genau karthographiert und deren Lage auf der Weltkarte sehr genau bestimmt werden konnten. (Smith 1992: 41) Zudem gehörte er einer neuen Generation von Entdeckern an, die der visuellen Dokumentation einen mindestens ebenso hohen Stellenwert einräumten wie der verbalen. (Smith 1985a: ix) Im Laufe des achtzehnten Jahrhunderts war das Interesse an einem empirischen Studium der Natur gewachsen, was nicht ohne Folgen für die Landschaftsmalerei geblieben war. Durch den Bedarf an wissenschaftlich korrekten Darstellungen wurden Landschaftsmaler nun selbst zu Wissenschaftlern, die ihr Wissen in Botanik, Geologie oder Meteorologie in ihren Bildern einbrachten und so ihre Aufmerksamkeit auf bestimmte Merkmale ihres Motivs richteten. Die Künstler trainierten in Akademien ihr Können und versuchten stetig mit Hilfe neuer Techniken ihre Darstellungen zu perfektionieren. (Smith 21985: 2, 3). Diese Veränderung zur empirisch beeinflussten Landschaftsmalerei hat sicherlich entscheidend dazu beigetragen, dass die zeichnerische Dokumentation bei Cooks Entdeckungen von vornherein als so wichtig erachtet wurde. Die Veränderungen, denen diese Kunstform unterlag, sind häufig komplementär zu gesellschaftlichen Umbrüchen zu sehen. Daher werde ich im ersten Kapitel diese Veränderungen näher beleuchten und gesellschaftliche Einflüsse verdeutlichen. Nur wenn geklärt ist, in welcher Situation sich die Landschaftsmalerei im achtzehnten Jahrhundert befand und wie sie sich bis dato verändert hatte, ist nachvollziehbar, welche Rolle sie in den Expeditionen Cooks einnahm. Dies aufzuzeigen, soll Aufgabe meiner Arbeit sein. Ich möchte darstellen, welche Bedeutung die Landschaftsmalerei auf den Seereisen von James Cook hatte. Um zu begreifen, welchen Einflüssen die Dokumentationen unterlagen, werde ich die individuellen Fähigkeiten der Künstler beleuchten und deren Leistungen und Probleme an Hand einiger ausgewählter Beispiele diskutieren.

2. Landschaftsmalerei unter dem Einfluss gesellschaftlicher Veränderungen

Die Landschaftsmalerei ist eine Gattung der Malerei, die einen Ausschnitt eines Naturraums darstellt, der von der Natur oder dem Menschen geschaffen worden ist. Dabei kann der abgebildete Ausschnitt durch die Wahrnehmung des Landschaftsmalers und seine zeichnerischen Fähigkeiten stark individualisiert sein. Zudem kam es besonders in späteren wissenschaftlich beeinflussten Bildern darauf an, worauf der Künstler sein Hauptaugenmerk richtete. Im Kopf filterte der Maler das Gesehene und trennte Wichtiges von Unwichtigem und selektierte so, was er zu Papier brachte. Somit ist Landschaft nicht nur Wahrnehmung der Oberfläche sondern auch Interpretation. Schneider drückt es folgendermaßen aus: „Landschaft ist somit, vereinfacht gesagt, Natur gesehen durch ein Temperament, niemals die Natur an sich, als Ontisches.“ (Schneider 1999: 10) Dieses Faktum sollten wir bei der Betrachtung der visuellen Dokumente von Cooks Seereisen stets im Hinterkopf behalten.

Wie jede andere Form der Kunst unterlag, wie in der Einleitung bereits erwähnt, auch die Landschaftsmalerei gesellschaftlichen Veränderungen. Doch diese Veränderungen verliefen keinesfalls einseitig; während veränderte Sichtweisen des Künstlers die Malerei und das Motiv beeinflussten, beeinflusst das Bild wiederum den Betrachter. So zeigt ein Bild nicht etwa nur eine Landschaft, sondern transportiert immer auch Stimmungen und somit Emotionen, die beim Betrachter individuelle Gefühle hervorrufen können. Besonders Werke, die exotische und unbekannte Landschaften zeigten, wie es bei den Zeugnissen von Cooks Seereisen der Fall war, ließen in den Köpfen der Europäer eine neue Sicht auf die Welt entstehen. Zum Einen stand - stärker als bei vorherigen Entdeckungsreisen - die präzise und detailgetreue Wiedergabe des Gesehenen im Vordergrund, zum Anderen wurden gerade bedingt durch diese Detailgenauigkeit den Abbildungen so viel Bedeutung zugemessen, dass die Gefahr bestand, der Betrachter könne diese zu kritiklos als Abbildungen der Wirklichkeit hinnehmen.

Um die Wechselwirkung zwischen Gesellschaft und Kunst besser verstehen zu können und zu verdeutlichen, welche Bedeutung die Landschaftsmalerei bei der Visualisierung von Cooks Seereisen hatte, werde ich im Folgenden einen geschichtlichen Abriss bis zur ersten Reise Cooks über diese besondere Gattung der Malerei liefern.

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Die Ursprünge der Landschaftsmalerei reichen bis in die Antike zurück. In Rom und Griechenland dienten Landschaften hauptsächlich

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zur Verschönerung von Wänden, jedoch lässt sich von einer Landschaftsmalerei nach der oben genannten Definition erst ab dem Hoch- beziehungsweise dem Spätmittelalter sprechen. Den Künstlern dieser Zeit genügte die Andeutung von Natur in Form von schematisierten Pflanzen, die nicht etwa empirisch untersucht, sondern als vereinfachte Elemente deduktiv in das Bild eingesetzt worden waren. Natürliche Elemente wurden abstrahiert dargestellt. Im nebenstehenden Beispiel deuten schematische Wellen Bodenunebenheiten an, Bäume haben den Charakter von Ornamenten und die Baumkronen

werden teilweise nur durch ein großes Blatt dargestellt. Tiere dagegen wurden sehr viel differenzierter gezeichnet, so dass die Vermutung nahe liegt, dass die detailgenauere Fauna einerseits und die abstrakte Flora andererseits auf eine selektive Wahrnehmung des Künstlers zurückzuführen ist. Norbert Schneider sieht das mangelnde Interesse an der Natur in der aufwändigen und entbehrungsreichen Subsistenzwirtschaft dieser Zeit begründet. In einer Zeit, in der Gewinnerzielung und -maximierung keine greifbaren Ziele waren, erfuhren Bestandteile und Beschaffenheit von natürlichen Gegenständen kein Interesse und folglich spielte die visuelle Dokumentation dieser keine Rolle. (Schneider 1999: 15, 17)

Erst als sich gewisse Ansätze kapitalistischer Wirtschaft gegen die vorherrschende feudale Gesellschaft durchsetzten, wuchs der Bedarf nach Visualisierung der Natur und ihren Gesetzen. Bedingt durch die erhöhte Nachfrage nach Luxusgütern im Laufe des 13. Jahrhunderts und dem damit beginnenden Raubbau an der Natur setzt ein Konflikt zwischen Natur und Mensch ein, der sich auch in der Kunst niederschlägt. Das Motiv der Weltflucht, der Flucht einer Person in eine zivilisationsarme Gegend war häufig Gegenstand der Landschaftsmalerei zu jener Zeit. Eine wichtige Neuerung stellte dabei die Trennung von menschlich beeinflusster Kulturlandschaft und unberührter Natur dar, welche ansatzweise Studien empirischer Art bedingten. (Schneider 1999: 15, 17, 23, 26)

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Ausführliche Überlegungen naturwissenschaftlicher Art machte sich Leonardo da Vinci im sechzehnten Jahrhundert. Er beschrieb die Kräfte der Elemente und fertigte eine Reihe

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ausführlicher Zeichnungen an. Nicht nur

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exogene Kräfte wie Wind und Wasser erregten seine Aufmerksamkeit, auch zu geologischen Vorgängen stellte er Theorien auf. Möglicherweise sind im Hintergrund seines berühmten Bildes „Mona Lisa“ geologische Vorgänge zu erkennen: das Bild ist zur gleichen Zeit entstanden, als Leonardo da Vinci Studien zur toskanischen Topographie betrieb. Somit liegt es nahe, dass der Maler die Entwicklung des Arno sowie zweier urzeitlicher Seen dargestellt hat. Jedoch bekamen seine ausführlichen naturwissenschaftlichen Überlegungen nur

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einen geringen Stellenwert in seinen Gemälden eingeräumt. Sie bildeten nach wie vor nur den Hintergrund. (Schneider

1999: 49, 53)

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In der deutschen und niederländischen Landschaftsmalerei des 15. Jahrhunderts nimmt die Landschaft in der Bildkomposition einen neuen Stellenwert ein: abstrahierte, vereinfachte Naturdarstellungen werden überwunden und detaillierter gezeichnet. Ein Werk, an dem dies besonders deutlich wird, ist „Johannes der Täufer in der Wüste“ von Geertgen tot Sint Jans (Abb. 4). Die Natur ist nicht mehr länger Beiwerk für eine bestimmte Szene, sondern nimmt einen weiten Raum ein und besitzt eine eigene Identität. Pflanzen sind differenziert dargestellt, der Betrachter kann sogar unterschiedliche Arten erkennen. Mit Hilfe von Körper- und Schlagschatten wird eine plastische und räumliche Wirkung erzielt. (Schneider 1999: 65)

Im 17. Jahrhundert fand vor allem in der niederländischen Landschaftsmalerei bedingt durch neue Erkenntnisse in der Wissenschaft die Darstellung von atmosphärischen Erscheinungen besondere Aufmerksamkeit. Wolkenbildung, Lichtreflektionen und Gewitter wurden vermehrt in Bildern dargestellt. Die Verbesserung optischer Instrumente sowie die Erfindung des Barometers im Jahr 1660 vereinfachte das Erforschen

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von Witterungsverhältnissen. (Schneider

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1999: 140, 144) Im 17. Jahrhundert wurden vor allem „heroische Landschaften“ mit antiken und mythologischen Szenen gemalt. Immer wieder fanden die Vorstellungen des Paradieses und der Mythos Arkadiens mit seinem Ursprung in der griechischen Antike Ausdruck in verschiedenen Werken, die auf diese Weise hochstilisiert wurden zu idealisierten Landschaften und somit ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit wiedergaben. (Schneider 1999: 9) Diese Werke verdeutlichen Sehnsüchte damaliger Zeit in Harmonie mit der Natur leben zu wollen.

Als sich Cook 1768 auf seine erste Reise begab gab es zwei gegensätzliche Richtungen der Naturbetrachtung. Es gab Künstler, welche die Auffassung vertraten, die Natur müsse vom Künstler geleistet werden. Unzulänglichkeiten müssten ausgeglichen und die Natur in ihren perfekten Formen dargestellt werden. Die Künstler orientierten sich dabei an den Idealen der Renaissance und der Antike. Die Royal Society dagegen war der Meinung, Wissenschaftler sollten zusammen mit Künstlern intensiv beobachten und experimentieren und somit eine empirische Herangehensweise vorziehen. Dennoch begleiteten Künstler der einen sowie der anderen Sichtweise die Reisen Cooks und hinterließen in ihren Werken ihre individuellen Handschriften, entweder stärker wissenschaftlich oder aber klassisch orientiert. (Smith 21985: 1)

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Details

Seiten
23
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640792207
ISBN (Buch)
9783640792375
Dateigröße
9.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v163650
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Geographisches Institut
Note
1,0
Schlagworte
Visuelle Geographie Landschaftsmalerei James Cook Entdecker Expedition

Autor

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Titel: James Cooks Reisen und ihre visuelle Dokumentation