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Der Demographische Wandel im Gesundheitswesen

Reformen von GKV und PKV im Vergleich - Was kann die GKV von der PKV lernen?

Hausarbeit 2010 18 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Grundlagen
2.1.1 Die Finanzierung des Gesundheitswesens
2.1.1.1 Die Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung
2.1.1.2 Die Finanzierung der Privaten Krankenversicherung
2.1.2 Der Demographische Wandel
2.2 Auswirkungen des Demographischen Wandels auf das Gesundheitswesen
2.3 Reformen der Gesetzlichen Krankenversicherung
2.3.1 Rot-Grün und die Zuzahlungen
2.3.2 Der Gesundheitsfonds der Großen Koalition
2.4 Reformen der PKV als Antwort auf den Demographischen Wandel
2.4.1 Altersrückstellungen

3. Fazit / Handlungsempfehlungen für die GKV

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Am 15. September 2010 erlebte der Deutsche Bundestag mit der Generaldebatte zum Kanz­leretat im Rahmen des Haushalts für 2011 „eine der schärfsten Parlamentsdebatten seit lan- gem"(ARD Tagesschau vom selben Tag). Verschiedene Oppositionspolitiker stritten darin mit Kanzlerin Merkel um die Probleme der Zeit und vor allem auch um Weichenstellungen für die Zukunft. Bundeskanzlerin Angela Merkel wies in ihrer Rede vier tiefgreifende Probleme aus. Eines dieser Grundprobleme unserer Zeit seien „die Veränderungen im Altersaufbau". Als eine Reaktion auf diese veränderte Alterspyramide der Gesellschaft nennt Angela Merkel die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre bis 2029. Die Gesetzliche Rentenversi­cherung soll dadurch auf ein verändertes Verhältnis zwischen den Altersgruppen vorbereitet werden. Doch auch die Gesetzliche Krankenversicherung hat negative Auswirkungen des veränderten Altersaufbaus zu tragen. Verstärkt durch medizinisch-technischen Fortschritt werden starke Anstiege der Kosten im Gesundheitsbereich erwartet.

Die Bundeskanzlerin spricht damit ein Thema an, das bereits den ganzen Sommer in ver­schiedensten Medien präsent war. Sandra Maischberger diskutierte in ihrer Sendung „Men­schen bei Maischberger" vom 24. August in der ARD den Demographischen Wandel vor al­lem im Zusammenhang mit der Rente und am 25. Juni die Kostensteigerungen im Gesund­heitswesen. Maybrit Illner diskutierte in ihrer gleichnamigen Sendung im ZDF am 08. Juli die Gesundheitsreformen der Bundesregierung zur Kostensenkung im Gesundheitswesen.

Auch die Printmedien nehmen sich des Themas an. „Der Spiegel" diskutierte am 12. Juli die erhöhten Kosten im Gesundheitswesen und das „manager-magazin" befürchtet am 15. Sep­tember Beitragssteigerungen in der GKV bis auf 30%, „Focus-online" spricht am selben Tag gar von über 50% für 2060.

Angesichts solch alarmierender Prognosen sind Reformen gefragt, die Kosten senken und die Effekte der demographischen Entwicklung zumindest abmildern. Im Ringen um solche Re­formen ist es hilfreich, sich vorhergegangenen Beispielen zu bedienen. Da es in all diesen Diskussionen vor allem um den Bereich der Gesetzlichen Krankenversicherung geht, möchte ich untersuchen, wie die Privaten Krankenversicherer mit den Problemen des Demographi­schen Wandels umgehen. Auch die PKV ist von einer sich ändernden Altersstruktur betroffen und hat mit steigenden Kosten umzugehen. Ich möchte daher untersuchen mit welchen Mit­teln die PKV dem demographischen Wandel entgegen tritt und ob die Gesetzliche Kranken­versicherung in einigen Punkten von ihrer privaten Konkurrenz lernen kann.

Dazu beginne ich einführend die Finanzierung in beiden Versicherungsmodellen zu erklären. Außerdem gebe ich Definitionen und Fakten zum demographischen Wandel. Dann gehe ich auf die Reformen in GKV und PKV der letzten Jahre ein und versuche Möglichkeiten für die Zukunft aufzuzeigen, in denen verschiedene Strategien beleuchtet und auf ihre Realisierbar­keit hin überprüft werden. Abschließend möchte ich die Forschungsfrage nach den Möglich­keiten der GKV von der PKV zu lernen mit eigenen Einschätzungen beantworten.

2. Hauptteil

2.1 Grundlagen

2.1.1 Die Finanzierung des Gesundheitswesens

Die Grundidee der Krankenversicherung ist es den Versicherten vor den nachteiligen wirt­schaftlichen Folgen von Krankheit zu schützen. Der Versicherer tut dies indem er geeignete Präventionsmaßnahmen finanziell unterstützt, die durch Krankheit entstandenen Kosten übernimmt und eine Entschädigung für entgangenes Arbeitsentgelt zahlt (Bürger 2005: 5). In Deutschland wird die Aufgabe der Krankenversicherung von 440, eigens hierfür gegründe­ten, Unternehmen wahrgenommen. Diese lassen sich jedoch klar in zwei Gruppen einteilen. 391 dieser Unternehmen zählen zu den Gesetzlichen Krankenversicherungen. Diese stehen unter staatlicher Aufsicht und nehmen öffentliche Aufgaben wahr. Sie sind somit als para­staatliche Organisationen zu werten. Ihnen gegenüber stehen 47 Krankenversicherungsun­ternehmen des privaten Rechts, die als Aktiengesellschaft oder Versicherungsverein auf Ge­genseitigkeit organisiert sein können und im Verband der Privaten Krankenversicherung or­ganisiert sind. (Bäcker 2008:128) Die Krankenversicherung der Bahn- und Postbeamten nimmt eine Sonderstellung ein. Da sich Gesetzliche und Private Krankenversicherung auf sehr unterschiedliche Weise finanzieren und verschiedene rechtliche Grundlagen vorweisen, ist es nötig sie getrennt zu betrachten.

2.1.1.1 Die Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung

Die Gesetzliche Krankenversicherung ist Teil der Gesetzlichen Sozialversicherung und wird im Sozialgesetzbuch Buch V (SGB V) geregelt. Die Finanzierung geschieht durch einkommensbe­zogene Beiträge der Versicherten. Die Beiträge werden paritätisch gleichsam durch Arbeit­geber und -nehmer gezahlt, wodurch die Versicherung eng an Erwerbsarbeit gekoppelt ist. Die eingenommenen Beiträge werden, wie für die Sozialsysteme üblich, direkt im Umlage­verfahren für entstehende Kosten verwand. Eine Finanzierung durch Sparvermögen existiert nicht. Die Versicherungsleistung wird in der Regel durch die Gewährung von Sachleistungen erbracht, Barmittel werden nur höchst selten ausgegeben.

Als Bestandteil der sozialen Sicherungssysteme setzt die Gesetzliche Krankenversicherung stark auf einen sozialen Ausgleich zwischen den Versicherten. Die Beiträge werden prozen­tual zum Einkommen erhoben. Für Familienangehörige ohne Einkommen werden keine zu­sätzlichen Beiträge fällig (§3, SGB V). So entsteht ein Solidarausgleich zwischen Gesunden und Kranken, zwischen verschiedenen Einkommensgruppen, zwischen Alleinstehenden und (kinderreichen) Familien und implizit auch zwischen Alten und Jungen. (Sehlen 2002: 65f.)

Mit rund 90% der Bundesbürger trägt die GKV den größten Teil des Gesundheitswesens. Versichert sind alle Arbeiter und Angestellte bis zu einem Monatseinkommen von 3.975€ (in 2007) mit ihren Familien. Außerdem alle Rentner der Gesetzlichen Rentenversicherung, die bereits in ihrem Erwerbsleben gesetzlich krankenversichert waren. Auch Arbeitslose, Land­wirte, Künstler, Studenten und Bezieher von Elterngeld gehören zum Kreis der Pflichtversi­cherten. Angestellte und Selbstständige über der Versicherungspflichtgrenze von 3.975€, sowie andere nicht von der Versicherungspflicht erfasste, können sich freiwillig in der GKV versichern lassen. So ergibt sich insgesamt, dass die GKV 28,7 Mio. Pflichtmitglieder, 16,9 Mio. Rentner, 4,8 Mio. freiwillig Versicherte und 20,1 Mio. Familienversicherte für den Krankheitsfall absichert (Bäcker 2008:127). Versicherte mit einem hohen Einkommen zahlen den festen Beitragssatz nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze, die in der Regel leicht unter der Versicherungspflichtgrenze liegt (3.562,50€ in 2007). Der Anteil des Bruttolohns, der diese Grenze übersteigt, wird zur Beitragsberechnung nicht herangezogen. (Wimmer 2008: 59)

Im Jahr 1994 wurde außerdem ein Risikostrukturausgleich (RSA) zwischen den Kassen der Gesetzlichen Krankenversicherung eingeführt. Kassen, die auf Grund vieler Familienversi­cherter und Rentner, niedriger Einkommen und hohen Krankheitsvorbelastungen eine un­günstige Risikostruktur haben, werden von Krankenkassen mit günstigeren Strukturen unter­stützt. Die höchsten Risiken aller Kassen werden in einem Risikopool aller Kassen zusam­mengefasst. Die Regierung Kohl wollte damals die Solidarität der Kassen untereinander stär­ken und die Beiträge der Kassen angleichen. Die hohen Risiken sollten gleichsam durch alle gesetzlich Krankenversicherte getragen werden.

Alle so erzielten Einkünfte der Gesetzlichen Krankenversicherung werden dann dazu ver­wand, entstehende Gesundheitskosten nach dem Bedarfsprinzip zu decken. Jeder Versicher­te hat dabei einkommensunabhängig die gleichen Rechte auf Kostenübernahme. Sie werden im Leistungskatalog der GKV festgeschrieben.

2.1.1.2 Finanzierung der Privaten Krankenversicherung

Die Bedeutung der Privaten Krankenversicherung ist in den letzten Jahrzehnten gewachsen. Sowohl die Zahl der Vollversicherungen als auch die Zusatzversicherungsverträge haben stark zugenommen. Die private Krankheitskostenvollversicherung (oder auch substitutive private Krankenversicherung) hat sich zwischen 1973 und 2005 von 4,2 auf 8,4 Mio. Mitglie­der verdoppelt. Hinzu treten 7,9 Mio. Zusatzversicherungsverträge. Ich möchte mich im Fol­genden jedoch allein auf den substitutiven Teil der PKV beziehen. (Bäcker 2008: 143)

Die Private Krankenversicherung basiert auf dem Versicherungsvertragsgesetz von 1908. Es wird ein privatwirtschaftlicher Vertrag zwischen dem Versicherten und dem Versicherer ge­schlossen. In diesem Vertrag wird sowohl die Kostenpauschale als auch der Leistungskatalog festgelegt. Die Grundlage bildet hier das Äquivalenzprinzip, das heißt bei Abschluss des Ver­trages wird nach Geschlecht, Alter und Vorerkrankungen das individuelle Risiko des Versi­cherten kalkuliert und die Prämie danach und nach Leistungsumfang festgelegt. Prämien­steigerungen aufgrund veränderten Risikos sind danach jedoch nicht mehr individuell mög­lich. Familienangehörige sind nicht beitragsfrei mitversichert. Es besteht kein Kontrahie­rungszwang, danach jedoch ein Kündigungsausschluss auf Seiten der Versicherung. Das Ein­kommen des Versicherten, sowie weitere soziale Aspekte, spielen keine Rolle. (Sehlen 2002: 71f.)

Alle Versicherten derselben Risikoeinstufung werden zu einer Gefahrgemeinschaft verbun­den. Sie zahlen die gleiche Prämie und tragen dann das Krankheitsrisiko nur innerhalb der eigenen Gruppe, sodass innerhalb einer Versicherungsgesellschaft mehrere, unabhängige Tarifgruppen entstehen. Anfallende Kosten werden dem Versicherten erstattet, nachdem er sie zunächst selbst getragen hat. Es besteht also in der PKV kein vertragliches Verhältnis zwi­schen Versicherung und Leistungserbringer. (Merkens/Birgelen 1999: 22)

Zur Zielgruppe der Privaten Krankenversicherung gehören vor allem Beamte und Selbststän­dige, sowie Angestellte, die über der Versicherungspflichtgrenze liegen. Diese Angestellten erhalten von ihrem Arbeitgeber einen Zuschuss zur Krankenversicherung und tragen die Kos­ten der PKV dann selbst. Beamte sind ihrem Dienstherrn gegenüber beihilfeberechtigt. Die­ser übernimmt im Krankheitsfall einen Teil der Kosten. Eine private Krankenversicherung kann deshalb für den verbleibenden Teil sehr günstig angeboten werden, weshalb nur weni­ge Beamte sich gesetzlich versichern (Wimmer 2008: 63). Die 8,4 Mio. Versicherten zahlten in 2005 Prämien in der Gesamthöhe von 23,3 Mrd., was eine Durchschnittsprämie von ca. 230€ pro Monat bedeutet. Die tatsächlichen Prämien variieren jedoch sehr stark, sodass eine eindeutige Höhe nicht festgelegt werden kann. (Bäcker 2008: 146)

2.1.2 Der Demographische Wandel

Unter Demographischem Wandel ist die Veränderung der Altersstruktur der Bevölkerung Deutschlands und der meisten westlichen Länder zu verstehen. Der Demographische Wan­del besteht im Wesentlichen aus zwei Komponenten. Zum einen sinkt die Mortalität in allen Altersgruppen, das heißt die Lebenserwartung der Menschen steigt. Zum anderen liegen die Geburtenzahlen seit langem unter der Reproduktionsrate von ca. 2,1 Kindern pro Frau. Da­her kann von einer Überalterung und Schrumpfung der Gesellschaft gesprochen werden. Die Frauen in Deutschland bekommen zurzeit ca. 1,3 Kinder mit erst in den letzten Jahren wie­der ganz leicht steigender Tendenz. Bereits in den letzten Jahren verließen mehr Menschen den Arbeitsmarkt in die Rente als an Nachwuchs zur Verfügung stand. Die Zahl der Erwerbs­tätigen nimmt so ständig ab. Diese Tendenz kann zwar durch ein Abschmelzen der Arbeitslo­sigkeit und eine wachsende Frauenarbeitsquote gebremst werden, wird jedoch weiterhin zunehmen.

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Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640783038
ISBN (Buch)
9783640783212
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v163791
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Institut für Politikwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
GKV PKV Demographie demographischer Wandel gesetzliche Krankenversicherung private Krankenversicherung soziale Sicherungssysteme Sozialversicherungssystem

Autor

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