Lade Inhalt...

Wiederbelebung des entwässerten Fettseemoores

Vegetationsentwicklung vor und nach der Renaturierung, Erfolgsbewertung und Maßnahmenvorschläge

Diplomarbeit 2007 90 Seiten

Landschaftsarchitektur, Landespflege, Gartenbau

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Bedeutung naturnaher, funktionsfähiger Moore
1.2 Zielsetzung

2 Beschreibung des Untersuchungsgebietes
2.1 Lage des Untersuchungsgebietes
2.2 Klima
2.3 Landschaftsgenese und Geologie
2.4 Böden
2.5 Hydrologische Situation
2.6 Nutzungsgeschichte
2.7 Schutzstatus

3 Methodik
3.1 Wahl des floristischen Klassifikationskonzepts
3.2 Bestimmung der Pflanzenarten
3.3 Pflanzenformationen
3.4 Vegetationsformen
3.5 Bestimmung wichtiger Standortparameter
3.6 Auswertung der historischen Daten
3.7 GIS- Auswertung
3.7.1 Kartenerstellung
3.7.2 Flächenanteile

4 Ergebnisse
4.1 Auswertung historischer Daten
4.1.1 Aufnahmen aus den Jahren 1978 und 1979
4.1.1.1 Zustand des Moorsubstrates
4.1.1.2 Vegetationsausbildung
4.1.2 Antrag auf Ausweisung zum Naturschutzgebiet 1989
4.1.3 Aufnahmen im Jahr 1991
4.1.4 Luftbild aus dem Jahr 1993
4.1.5 Biotopkartierung in den Jahren 1994 und 1996
4.1.6 Orthophoto aus dem Jahr 2001
4.2 Beschreibung der aktuellen Vegetationsausbildung
4.3 Aktuelle Standortparameter
4.3.1 Wasserstände
4.3.2 pH-Werte

5 Diskussion der Ergebnisse
5.1 Vegetationsentwicklung vor der Wiedervernässung
5.2 Vegetationsentwicklung seit Wiedervernässungsbeginn
5.2.1 Allgemeine Tendenzen
5.2.2 Entwicklungstendenzen in den heutigen Vegetationseinheiten
5.3 Einschätzung des Wiedervernässungserfolges
5.4 Maßnahmenvorschläge

6 Zusammenfassung

7 Danksagung

8 Literatur

Anhang Fotos

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Titelbild (Foto: Y. Panzer)

Abbildung 2: Schutzzonen im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin

1 Einleitung

Anlass für die Untersuchung des Fettseemoores war die Tatsache, dass das Ergebnis der seit 1987 im Fettseemoor schrittweise eingeleiteten Wiedervernässung noch nicht beurteilt wurde. Für mich klang es verlockend, ein Moor genauer zu erforschen, welches in der aktuellen Ausprägung bisher nicht untersucht worden war. Gehaltvolles Material, mit dem ich meine Aufnahmen vergleichen würde, war aus früheren Zeiten vorhanden.

In den Jahren 1978 und ´79 wurden im Fettseemoor Geländeaufnahmen durchgeführt, bei denen die Ermittlung von Moorgenese und Aufbau im Mittelpunkt stand. Dabei ist der Nordteil als mesotroph-subneutrales Verlandungsmoor mit abgeschlossener Verlandung und Entwicklung zum Durchströmungsmoor ausgewiesen worden. Den südlichen Teil nimmt ein mesotroph-saures Verlandungsmoor auf subneutralem Verlandungsmoor mit noch nicht abgeschlossener Verlandung ein. Das Untersuchungsgebiet als besonders charakteristisches Beispiel eines Verlandungsmoores diente der Erläuterung von Beschaffenheit und Entwicklungsgeschichte von Mooren dieses hydrogenetischen Typs in SUCCOW (1988) sowie SUCCOW (a, 2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.).

Innerhalb der seit 1987 eingeleiteten Wiedervernässungsphase wurde die Vegetationsausprägung mehrfach mit unterschiedlichem Anliegen dokumentiert. Im Rahmen der Beantragung zum Naturschutzgebiet im März 1989 wurden gefährdete Pflanzengesellschaften und seltene Arten erfasst. Vier Jahre nach begonnener Wiedervernässung erfolgten im Juni 1991

Untersuchungen, um die Zusammenhänge zwischen hydrologischen Gegebenheiten und Vegetation im Fettseemoor im Vergleich mit dem noch drainierten Durchströmungsmoor Lieper Posse aufzuzeigen. Die Ergebnisse wurden in Anlehnung an die Aufnahmen vor der Wiedervernässung von 1978/´79 mit dem Ziel ausgewertet, Maßnahmen zur effektiven Renaturierung von Mooren abzuleiten, woraufhin eine Veröffentlichung in GROOTJANS ET AL. (1992) erfolgte.

Im August 1994 sowie Februar 1996 fand eine Biotopkartierung durch die Verwaltung des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin statt.

Anhand dieser Daten sowie durch die Auswertung eines Luftbildes und eines Orthophotos aus den Jahren 1993 und 2001 sowie der Ermittlung der aktuellen Vegetations- und Standortsgegebenheiten war die Dokumentation des Vegetationswandels möglich. Die Rekonstruktion der Entwicklungen und die Erfolgseinschätzung sind in sofern relevant, als dass ein geringer Erfahrungsschatz hinsichtlich der komplexen Wirkung von Wiedervernässungsmaßnahmen vorhanden ist, da diese erst in den letzten fünfzehn Jahren verstärkt Anwendung fanden (vgl. LUTHARDT 1999).

1.1 Bedeutung naturnaher, funktionsfähiger Moore

Mooren kommt eine vielfältige ökosystemare Bedeutung zu. Zum einen wirken intakte Moore stabilisierend auf den Landschaftswasserhaushalt, da sie zur Aufnahme und Retention von überschüssigem Wasser fähig sind. Damit tragen sie zur Verlangsamung des Oberflächenabflusses bei, wodurch beispielsweise Hochwasserspitzen verringert werden. Die Wasserrückhaltung in der Landschaft gewährleistet außerdem die stabile Wasserspeisung der Vorfluter in Niedrigwasserphasen (Landesumweltamt Brandenburg 2004).

Die Bedeutung des Ökosystems Moor liegt zum anderen in der Funktion als Senke für Nähr- und Schadstoffe. Im einfließenden Wasser gelöste Substanzen werden dem Stoffkreislauf entzogen und dauerhaft in den Torfen gespeichert. So liegt diesem Ökosystem im Gegensatz zu anderen Lebensräumen eine negative Stoffbilanz zugrunde, weil die gebildete Phytomasse nur unvollständig abgebaut wird. Neben der Verbesserung des Landschaftswasserhaushaltes dienen Moore auch als Stabilisierungsraum für das Klima, da sie in ihrer unmittelbaren Umgebung für Kühlung und Erhöhung der Luftfeuchte sorgen. Ferner wird Kohlenstoffdioxid in den Torfen gebunden, der daraufhin seine klimaschädigende Wirkung in der Atmosphäre verliert. Als Archiv der Erdgeschichte ist dem Ökosystem Moor eine weitere Bedeutung zuteil, da anhand des Mooraufbaus Rückschlüsse auf Genese sowie die Nutzungsgeschichte der Landschaft und die klimatischen Verhältnisse seit Beginn der Torfablagerung möglich sind.

Ferner stellen Moore einen Lebensraum für speziell angepasste Arten und Lebensgemeinschaften dar, die heute zunehmend vom Aussterben bedroht sind. Zu begründen ist der Rückgang dieser Arten durch die Melioration, die fast den Gesamtteil der Moore Brandenburgs erreichte. Laut Landesumweltamt Brandenburg (2004) sind derzeit noch 10% der Moorflächen des Bundeslandes in einem naturnahen Zustand, wobei wiederum 10% von diesen wachsende Moore darstellen. Der Kontrast zwischen umfassender Bedeutung der Moore für das Ökosystem und dem verschwindend geringen Anteil unbeeinträchtigter und funktionsfähiger Moore bedingt die Notwendigkeit der Moorrenaturierung.

1.2 Zielsetzung

Diese Diplomarbeit wurde mit dem Ziel erarbeitet, die aktuelle Vegetationsausbildung des Fettseemoores vor dem Hintergrund abgelaufener Entwicklungen darzustellen. Dafür wurde weitgehend das Vegetationsformenkonzept nach KOSKA ET AL. (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.) verwendet. Neben vorgenommener Messungen der Parameter pH-Wert und Wasserstand im Gelände war es dank der ermittelten Vegetationsformen möglich, gegenwärtige Standortverhältnisse abzuleiten, um Aussagen über die Veränderung des Untersuchungsgebietes fünfzehn Jahre nach Abschluss der Wiedervernässung zu treffen. Die derzeitige Vegetationsausprägung wurde in Bezug zur Entwicklung der Vegetation vor und nach der Renaturierung gesetzt. Daran konnte der Erfolg eingeschätzt und notwendige Maßnahmen empfohlen werden.

So ergeben sich für diese Arbeit die Hauptanliegen der Erfassung der aktuellen Vegetationsausprägung, der Darstellung der Vegetationsveränderungen durch Auswertung früherer Untersuchungen und der Bewertung der Wiedervernässungsergebnisse mit anschließenden Maßnahmenvorschlägen. Aufgrund des starken anthropogenen Einflusses auf das Fettseemoor kommt außerdem der Dokumentation der Nutzungsgeschichte hohe Bedeutung zu.

2 Beschreibung des Untersuchungsgebietes

2.1 Lage des Untersuchungsgebietes

Das Fettseemoor hat eine Nord-Süd-Ausdehnung von etwa 600 m und eine Ost-West- Ausdehnung von im Mittel 200 m, woraus sich eine Gesamtfläche von 9 ha ergibt. Es liegt anderthalb Kilometer nördlich der Stadt Eberswalde (Landkreis Barnim) im Nordosten Brandenburgs und ist über das 300 m entfernte Dorf Neuehütte durch einen Waldweg zu erreichen. Die von Hügeln geprägte Landschaft nahe dem Fettseemoor ist zum Großteil mit Buchen-Mischwald bestockt, der zum Revier Kahlenberg in der Oberförsterei Chorin des Amtes für Forstwirtschaft Eberswalde gehört. In unmittelbarer Umgebung schneidet sich parallel zur Bundesstraße 2 das Ragöser Fließ tief ins Gelände. Nördlich des Gebietes liegt die Siedlung Polenzwerder. Im Westen führt ein Weg mit dem Namen Kahlenberger Pflaster durch den Wald und im Süden befindet sich der Bachsee.

2.2 Klima

Das Untersuchungsgebiet liegt großklimatisch in der mecklenburgischbrandenburgischen Übergangszone zwischen atlantisch und kontinental geprägtem Klima. Genauer betrachtet befindet es sich am Südrand der Zone des nordbrandenburger Übergangsklimas an der Grenze zum subkontinentalen Klima des Oderbruchs.

Die Jahresdurchschnittstemperatur an der nächstgelegenen Wetterstation zwischen Sandkrug und Liepe lag im Mittel der Jahre 1995 bis 1999 bei 8,4°C. Bei der Beobachtung des Verlaufs der Sommertemperatur seit Beginn des 20. Jahrhunderts bis 1999 an der Wetterstation Angermünde ist ein kontinuierlicher Temperatur-Anstieg von circa 3,5°C zu erkennen (MÜLLER 2002).

An der Wetterstation Britz wurde im Zeitraum zwischen 1993 und 1999 eine Jahressumme von 607,7 mm Niederschlag gemessen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Sommerliche Mitteltemperaturen und Niederschlagssummen

seit Beginn des 20. Jh. Wetterstation Angermünde; (nach MÜLLER 2002) Bei Betrachtung der Summe der Sommerniederschläge von 1902 bis 1998 an der Wetterstation Angermünde ist zwar keine langzeitige Tendenz einer Niederschlagsveränderung zu verzeichnen. Jedoch ist bei der Verteilung der Sommer- und Winterniederschläge die Zunahme von trockeneren Sommern festzustellen. Die zwischen Mai und Juni auftretende Vorsommertrockenheit ist charakteristisch für das Klima der Region und führt zum Wassermangel am Anfang der Vegetationsperiode. Die klimatologische Wasserbilanz ist im langjährigen Mittel negativ (MÜLLER 2002), da die Landschaftsverdunstung höher ausfällt als das Niederschlagsaufkommen.

Infolgedessen konnten sich im Nordosten Brandenburgs keine Hochmoore bilden (TIMMERMANN 1999).

Aufgrund der obligat feuchten Ausprägung und der Senkenlage des Fettseemoores ist von einer erhöhten Frostgefahr auszugehen. Der lockere Torfboden zeichnet sich durch eine geringe Wärmeleitfähigkeit aus und bleibt deshalb bis in den Sommer hinein gefroren oder zumindest sehr kalt (ELLENBERG 1996). Möglich sind Nachtfröste noch bis Mitte Juni und schon ab September (SCHRÖDER 1994). Im umgebenden Wald ist Spätfrost, der zur Gefahr für Buchen-Naturverjüngung werden könnte, allerdings selten, da die dichte Beschirmung vor starker Auskühlung schützt.

2.3 Landschaftsgenese und Geologie

Die Umgebung des Untersuchungsgebietes verdankt wie das gesamte Norddeutsche Tiefland seine gegenwärtige Geländebeschaffenheit dem Wirken der Inlandvereisung im Pleistozän. Das Fettseemoor liegt im Bereich der Weichseleiszeit, die vor etwa 15.000 Jahren eine Jungmoränenlandschaft hervorbrachte, die in der Gegend um Eberswalde durch einen kleinräumigen Wechsel des Reliefs und des geologischen Substrates geprägt ist.

In den hinterlassenen Sandern und Endmoränen dieser jungpleistozänen Landschaft kam es laut SUCCOW (1988) vornehmlich zur Ausbildung von Verlandungs-, Kessel-, Quell- und Durchströmungsmooren. Das Fettseemoor als Beispiel eines Verlandungsmoores war in seiner Entstehung ebenfalls an die Jungmoränenlandschaft gebunden. Der Anteil naturnaher, funktionsfähiger Verlandungsmoore ist noch verhältnismäßig hoch, jedoch verstärkt in Entwicklung zu eutroph und polytrophen Ausbildungen begriffen. Verlandungsmoore mesotroph-saurer Standorte, welche der Ausprägung im Südteil des Untersuchungsgebietes gleichkommen, sind heute nur noch in ehemaligen Torfstichgebieten häufig. Unbeeinflusste Ausbildungen mesotrophsubneutraler Verlandungsmoore, die der Nährkraft im Nordteil entsprechen, sind gegenwärtig sehr selten (vgl. SUCCOW, b 2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.). Durch den zweiten Vorstoß des weichselkaltzeitlichen Inlandeises wurde die Pommersche Endmoräne, von Nordwest nach Südost verlaufend, geschaffen. Diese Endmoräne erstreckt sich nordöstlich des Untersuchungsgebietes. Die Schmelzwässer lieferten Sande und Kiese, die sich im Vorland der Haupteisrandlage zu Sandern auftürmten.

Naturräumlich wird das Untersuchungsgebiet einem solchen Sander zugeordnet. Nach SCHMIDT (2002) zählt es zur Kleinlandschaft des Mönchsheider Sander, die der Haupteinheit des Eberswalder Tals und des Oderbruchs angehört. An diese Haupteinheit schließen sich im Norden die Kleinlandschaften der Hauptendmoräne (Pommersche Eisrandlage) und der süduckermärkischen Grundmoränen und Sander. Im Süden grenzen die Kleinlandschaften des nördlichen Barnims im Bereich der Ostbrandenburgischen Platten und Niederungen an das Eberswalder Tal. Der Mönchsheider Sander als Ergebnis spätglazial-frühholozäner Entwässerungsentwicklung wurde zuerst durch einschneidendes Schmelzwasser, das von der Angermünder Staffel ins Rückland der Pommerschen Endmoräne floss, von Amtsweg- und Klosterbrücke-Sander abgetrennt. Daraufhin folgte durch periglaziale Klimaverhältnisse im Weichselspätglazial eine Phase starker Einebnung, die von Hangabspülung, Bodenfließen und Flugsandbewegung gekennzeichnet war. Im folgenden Alleröd kam es nach Klimaerwärmung und völliger Entfaltung der Vegetation zu weitgehendem Stillstand der Einebnungsprozesse. Der Anstieg der Temperaturen äußerte sich ferner durch Auftauen von verschüttetem Toteis, woraufhin sich in den verbliebenen Mulden Seen und Moore zu bilden begannen (SCHMIDT 2002). Auch das Untersuchungsgebiet entstand durch Schmelzen eines verschütteten Restes des Inlandeises. Auf das hohe Alter weist das an manchen Stellen nachgewiesene Tephraband, welches auf einen Vulkanausbruch in der Eifel zurückzuführen ist (SUCCOW 1988). Heute ist der Mönchsheider Sander durch ein flachwelliges Relief mit kleinen vermoorten Senken gekennzeichnet (SCAMONI zitiert in: GRÄNITZ, F. & GRUNDMANN, L. Hrsg.). Das Untersuchungsgebiet ist von Hügeln mit steilen Hängen umgeben. Lediglich im Nordwesten steigt das Gelände allmählich an. In Westen schließt sich nahe dem Fettseemoor das Ragösetal an den Mönchsheider Sander an. Es wird mit der Stadtsee-Rinne zu einer Kleinlandschaft zusammengefasst (SCHMIDT 2002).

2.4 Böden

Laut dem Entwurf des Pflege- und Entwicklungsplanes für das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin (1997) ist das Ausgangssubstrat des Mönchsheider Sander von kiesig-sandigen Talablagerungen geprägt, aus denen sich vornehmlich mäßig nährstoffversorgte Sand-Braunerden bilden konnten. Laut Forstlicher Standortskartierung aus dem Jahr 1962 handelt es sich im nördlichen und südlichen Einzugsgebiet sowie auf den Hügeln im Südwesten und Südosten um Jabeler SandBraunpodsol mittlerer Standorte. Im Osten und Westen des Untersuchungsgebietes dominieren hingegen kräftige, lehmigere Standorte auf Sonnenburger BändersandBraunerde. Nach SUCCOW (1988) sind die Böden des Einzugsgebietes im Nordwesten von sehr kalkhaltigen Schluffsanden geprägt.

Die Böden des Fettseemoores sind laut Geologischer Spezialkarte von Preußen aus dem Jahr 1882/´83 im Alluvium (Holozän) entstanden. In der Se]nke konnten sich hydromorphe, organische Moorböden herausbilden. So liegt im Untersuchungsgebiet laut geologischer Karte Torf über Torfuntergrund bei nahem Grundwasser vor. Mittels Flachschurf wurde im Moorzentrum der Moorbodentyp Ried ermittelt, was auf naturnahe, nicht entwässerte Bodenverhältnisse hinweist. Am westlichen Rand des Untersuchungsgebietes wurde mit Hilfe der selben Methode Fenmulm gefunden. Dieser Bodentyp entwickelte sich durch die Entwässerung des Gebietes. In der Auswertung der Geländeaufnahmen 1978/´79 im Kapitel 4.1.1 werden die Bodenverhältnisse im Fettseemoor näher erläutert.

2.5 Hydrologische Situation

In der Weichselkaltzeit fand eine grundlegende Neugestaltung des Gewässernetzes der Region statt, bei der die Ausbildung von Tälern und Seen unabhängig voneinander erfolgte. Die Ausformung der Becken, in denen sich Seen entwickeln konnten, begann bereits unter der Eisdecke. Das Bett der Fließgewässer hingegen wurde durch die Schmelzwasserbahnen mit dem Abschmelzen der Gletscher geschaffen (SCHLAAK & SCHMIDT 2002).

Das Untersuchungsgebiet hatte bis zur Anlage eines Entwässerungsgrabens laut Urmesstischblatt aus dem Jahr 1844 keinen natürlichen Anschluss an ein Fließgewässer und besaß somit ein eigenes Binneneinzugsgebiet. Durch die Entwässerung, die zwischen 1844 und 1882/´83 einsetzte, wurde es an die nächste Vorflut - die Ragöse - angeschlossen. Seitdem entwässerte das Gebiet, da östlich der Hauptwasserscheide gelegen, in die Ostsee.

Im Jahr 1987 wurde begonnen, diesen Drainagegraben schrittweise zu schließen. Ein schmaler Damm wurde in diesem Jahr am Austritt des Grabens aus dem Fettseemoor errichtet (GROOTJANS ET AL. 1992). Der Oberlauf des Grabens war zudem schon seit längerem durch Pflanzenbewuchs in seiner Funktion eingeschränkt (mündliche Mitteilung Woßmann, ehemaliger Gebietsbetreuer im Biosphärenreservat; Januar 2007).

Am 02.03.1989 wurde die Unterschutzstellung des Fettseemoores beantragt. Die voraussichtliche naturschutzrechtliche Sicherung des Gebietes allein minderte jedoch noch nicht dessen Gefährdung. Deshalb ging die Unterschutzstellung im darauf folgenden Jahr mit einer weiteren Anhebung des Moorwasserspiegels durch stufenweise Erhöhung des Dammes einher. Im Antrag hieß es, dass es nötig sei, den Entwässerungsgraben durch ein einfaches Stau weiter zu schließen, um den „…für ein lebendes Moor notwendigen Wasserstand(…)“ sichern zu können (Rat des Bezirkes Frankfurt/O. 1989). Die Ausweisung des Fettseemoores als Naturschutzgebiet erfolgte mit dem Ziel der Erhaltung eines funktionsfähigen Moorkomplexes. Rings um den See fand zu dieser Zeit noch immer Torfwachstum statt.

Um den Schutzzweck der Ausweisung zum NSG im gesamten Moorkomplex zu erreichen, wurde eine regelbare Stauentwässerung angeordnet. Diese ist umgesetzt worden, indem ein weiterer Anstau in zwei Stufen erfolgte. Im Jahr 1991 erhöhte man den 1987 angelegten Damm mit Bodenaushub sowie Ziegelschutt und hob den Wasserspiegel im Untersuchungsgebiet vorläufig um etwa 30 cm an. Die letzte Pegelerhöhung im Jahr 1996 erhöhte den Wasserstand um weitere 30 cm. So wurde der Wasserspiegel insgesamt um mindestens 60 cm erhöht. Bei Überstau des Gebietes zwischen März und Juni fließt das überschüssige Wasser über eine in den Damm eingebaute Tonröhre ab. In den Monaten September und Oktober fällt der Wasserstand am tiefsten. So variiert das Wasserstandsniveau im Lagg zwischen feuchtem und trockenem Halbjahr um etwa 20 bis 30 cm (mündliche Mitteilung Sakowski, Leiter Revier Kahlenberg, 2006). Die Wasserstandsschwankungen sind im gesamten Lagg an den dunklen Stammansätzen der Schwarz-Erlen (Alnus glutinosa) und daran, dass die Wasserfeder (Hottonia palustris) auf Schlamm aufliegt, zu erkennen.

Der seit 1991 vom Moor abgetrennte Entwässerungsgraben ist stets wassergefüllt, da dieser stromabwärts vom Biber durch Anhäufung von Ästen angestaut wurde. Aufgrund ständiger Wassersättigung des Grabens dringt vermutlich weniger Sickerwasser aus dem Fettseemoor durch den Damm. Hinter der Astanhäufung geht der Graben in einen naturnahen Bachlauf mit Gefälle und Natursteinen über und mündet in die Ragöse.

Aufgrund steil zum Moor abfallender Hänge hat das oberirdische Einzugsgebiet eine geringe Ausdehnung. Das Flächenverhältnis zwischen Moorfläche und oberirdischem Einzugsgebiet beträgt etwa 1:2. Demnach erreicht das oberirdische Einzugsgebiet nicht die Mindestgröße, um den Moorkomplex zu ernähren. Da das Fettseemoor jedoch stets ausreichend mit Wasser versorgt ist, wird neben oberflächennahem Zulauf auch Grundwasser als Speisung eine Rolle spielen. So wiesen GROOTJANS ET AL. (1992) im Juni 1991 den vorhandenen Grundwassereinfluss durch umfassende Untersuchungen der Zusammensetzung des Moorwassers nach. Laut hydrogeologischer Karte aus dem Jahr 1982 liegt das oberste Grundwasserstockwerk mit einer Fließbewegung in Richtung Südwest in einer Höhe von 23 m über NN. Demnach müsste das Fettseemoor, da auf einer Höhe von 21,3 m gelegen, seit Grabenschluss komplett überstaut sein. Es ist jedoch anzunehmen, dass der Grundwasserstand seit 1982 gesunken ist.

Laut hydrogeologischer Karte von 1965 ist die Versickerungsmöglichkeit in der Umgebung gut. Der Hauptgrundwasserleiter des Mönchsheider Sander liegt unter wechselhaft aufgebauten Sand- und Kiesablagerungen, wodurch anfallender Niederschlag zügig bis ins Grundwasser vordringen kann. Auf den kräftigen teils lehmigen Standorten mit Sonnenburger Bändersand-Braunerde im östlichen sowie westlichen Einzugsgebiet ist die Versickerungsmöglichkeit hingegen geringer. Dort bildet sich kalkhaltiges Grund- und Zwischenabflusswasser, wovon das Fettseemoor und ein Quellmoor östlich des Untersuchungsgebietes durch hohen Wasserzulauf dank der Kessellage gespeist werden. Vor allem am östlichen Rand des Untersuchungsgebietes gelangt verhältnismäßig viel Mineralbodenwasser ins Fettseemoor, wovon Quellaustritte zeugen. Vermutlich ist der erhebliche Zulauf auf ein angrenzendes weit nach Osten gestrecktes Tal mit Gefälle in Richtung des Untersuchungsgebietes zurückzuführen. Der beträchtliche Zufluss von Grundwasser am Ostrand ist mit dem Gefälle des obersten Grundwasserleiters in südwestliche Richtung zu erklären.

Der recht hohe Lehmgehalt der Böden im Einzugsgebiet begründet den Basenreichtum des Randsumpfes sowie der Areale im Nordteil des Fettseemoores. Der Nachweis sehr kalkhaltiger Schluffsande nordwestlich des Untersuchungsgebietes (Succow 1988) erklärt den Zustrom von kalkhaltigem Wasser.

Die überwiegende Bestockung des Waldes der Umgebung mit Rot-Buche (Fagus sylvatica) kommt der Grundwasserneubildung zugute, da diese Baumart sich durch hohen Stammabfluss und insgesamt geringere Verdunstungsraten im Vergleich zur Gemeinen Kiefer (Pinus sylvestris) auszeichnet. Allerdings sind die Hügel des Einzugsgebietes auch teilweise mit Gemeiner Kiefer und Gemeiner Fichte (Picea abies) bestanden. Die hohen Verdunstungsverluste und geringen Versickerungsraten dieser Arten resultieren in einer geringeren Grundwasserneubildung.

Da das Untersuchungsgebiet seit Ende des 19. Jahrhunderts anthropogen beeinflusst wurde, ist die hydrologische Situation des Untersuchungsgebietes eng an die Nutzungsgeschichte gebunden.

2.6 Nutzungsgeschichte

Auf der ältesten vorliegenden Karte, dem Urmesstischblatt aus dem Jahr 1844 ist das Untersuchungsgebiet als einheitliches Bruch mit dem Restsee, jedoch ohne eine erkennbare Drainierung angegeben. Die geologische Karte aus dem Jahr 1882/´83 zeigt erstmals einen durchgehenden Entwässerungsgraben. Dieser ist direkt an den Fettsee angeschlossen und mündet in das Ragöser Fließ. Der Drainagegraben muss demnach zwischen 1844 und 1882/´83 angelegt worden sein.

Ein geradlinig gezogener Graben ist ebenfalls auf dem Messtischblatt von 1890 eingetragen. Allerdings ist zu dieser Zeit keine direkte Anbindung an den See vorhanden. Der Graben beginnt auf dieser Karte erst etwas weiter nördlich des Fettsees. Die direkte Umgebung des Fettsees wurde als ´nasses Ödland mit Buschwerk` ausgewiesen.

Das Untersuchungsgebiet wurde mit dem Ziel der Torfgewinnung trockengelegt. Zum anderen entstanden in Zuge dessen Areale, die für Wiesennutzung geeignet waren. So wurden im Nordwesten wahrscheinlich zwischen Erstem und Zweitem Weltkrieg mehrere Torfstiche angelegt und genutzt (mündliche Mitteilung Woßmann, Januar 2007). Diese sind allerdings in keiner Karte verzeichnet und werden vermutlich von geringem Ausmaß gewesen sein. Der Torf wurde in Form von Rollen gewonnen und mit Hilfe von Loren auf Schienen aus dem Moor transportiert. Anschließend sind die Rollen gepresst worden, woraufhin der Torf zum Heizen Verwendung fand. Die im Nordosten und Westen durch die Absenkung des Wasserstandes entstandenen Wiesen wurden zweimal im Jahr gemäht. Das Schnittgut diente als Viehfutter und Streu (mündliche Mitteilung Woßmann; Januar 2007). Die Sumpf-Segge (Carex acutiformis) beispielsweise wurde früher häufig als Strohersatz für Einstreu in Viehställen genutzt (PFADENHAUER 1993).

Wiesenmahd sowie Torfgewinnung sind bis Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts betrieben worden. Danach wurde das Gebiet nicht mehr genutzt und der Graben begann nahe dem Fettsee zuzuwachsen. In die Zeit der Entwässerung fällt ein Waldumbau, der sich in einer Dezimierung von Eiche (Quercus spec.) und Rot-Buche (Fagus sylvatica) zugunsten der Gemeinen Kiefer (Pinus sylvestris) auswirkte. So ist der Waldbestand auf dem Mönchsheider Sander nach dem Bau des zweiten Finowkanals zwischen 1743 und 1746 stark aufgelichtet worden (ENDTMANN 2002). Während um 1800 der Wald im Westen des Fettseemoores vorwiegend mit Buche und Eiche bestockt war (OLBERG zitiert in: GRÄNITZ, F. & GRUNDMANN, L.; Hrsg.), setzte sich dieser um 1960 aus Kiefer und Buche zusammen (SCAMONI zitiert in: GRÄNITZ, F. & GRUNDMANN, L.; Hrsg.). Einen ähnlichen Umbau lässt die Entwicklung der Baumartenverteilung östlich des Untersuchungsgebietes erkennen, wo um 1800 noch Kiefer und Eiche überwogen (OLBERG ZITIERT IN: GRÄNITZ, F. & GRUNDMANN, L.; Hrsg.) und um 1960 Kiefern die Bestände prägte (SCAMONI zitiert in: GRÄNITZ, F. & GRUNDMANN, L.; Hrsg.). Die Kiefer trägt in geringerem Maße zur Grundwasserneubildung bei als beispielsweise Buche oder Eiche. Die Verschiebung des Baumartenspektrums in der Umgebung wird vermutlich dazu geführt haben, dass dem Fettseemoor weniger Wasser aus dem Einzugsgebiet zur Verfügung stand. Dieser Umstand könnte die Trockenlegung des Untersuchungsgebietes noch verstärkt haben.

In den Waldbestockungen des Moorrandbereiches ist seit der Ausweisung des Fettseemoores als Naturschutzgebiet eine kahlschlaglose Bewirtschaftung festgelegt. Heute erfolgt in der gesamten Umgebung eine naturnahe Waldbewirtschaftung mit dem Ziel einer dem Standort angepassten Bestockung. Die Bewirtschaftung ist neben der Einzelstammentnahme durch Belassen von Solitärbäumen und Altbaumgruppen sowie stehendem und liegendem Totholz gekennzeichnet. Die Verjüngung des Bestandes erfolgt durch Naturverjüngung, die zu einer standortgerechten Artenzusammensetzung der Bestände führt, weshalb regelmäßige Handlungsschritte wie Auflichtung des Kronendachs zur Lichtschaffung nötig sind. Auf den Böden der Umgebung verjüngen sich Buche und Hainbuche, während die hier konkurrenzschwächere Kiefer von der Buche überwachsen wird. Neben Buche- Naturverjüngung mit einem Alter zwischen 2 und 15 Jahren kommen im Einzugsgebiet Kiefern mit einem Alter von bis zu 197 Jahren vor, die als Samenbäume dienen sollen. Es wird versucht diese regelmäßig freizustellen, um allzu starken Konkurrenzdruck durch die Buche zu verhindern (mündliche Mitteilung Sakowski, Januar 2007).

2.7 Schutzstatus

Laut § 20c des Bundesnaturschutzgesetzes stehen zahlreiche Biotoptypen unter einem pauschalen Schutz. Zu diesen zählen Moore, Sümpfe, Röhrichte, Riede, seggen- und binsenreiche Nasswiesen, Verlandungsbereiche stehender Gewässer sowie Bruchwälder, womit alle im Fettseemoor vertretenen Biotoptypen von pauschalem Schutz betroffen sind. Der Schutz von Lebensräumen intakter Moore wird von der Europäischen Union mittels Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG) vorgeschrieben. Damit wurde die Schaffung eines kohärenten Systems von repräsentativen Schutzgebieten mit dem Namen „Natura 2000“ eingeleitet, das den Erhalt von bedeutenden Arten und Lebensräumen gewährleisten soll (vgl. SCHOPP-GUTH 1999). Das Fettseemoor mit seiner Umgebung ist Teil des FFHGebietes „Finowtal - Ragöser Fließ“, womit ein Biotopverbund wertvoller Feuchtgebiete geschützt wird.

Ferner wurde der Moorkomplex mit angrenzenden Arealen am 14.09.1990 als Naturschutzgebiet mit den Hauptanliegen, der „… Dokumentation (…) gefährdeter Biogeozönosen (…) für Forschung und Lehre, Sicherung von Rückzugsgebieten für vom Aussterben bedrohte oder bestandsgefährdete Arten…“ und der „…Sicherung von Untersuchungsobjekten mit vielfältiger Naturausstattung zur Klärung von Naturabläufen und Prozessen …“ (Bezirkstag Frankfurt/O., 1990) ausgewiesen. Das Gutachten, welches in die Beantragung des Schutzgebietes einfloss, wurde damals von Succow erarbeitet. Es wurde eine Fläche von 31,82 ha vorgesehen, die unter dem Schutzziel der „…Erhaltung eines funktionsfähigen mesotrophen Moorkomplexes (…) als Lebensraum stark bedrohter Pflanzengesellschaften und existenzbedrohter Tierarten“ (Bezirkstag Frankfurt/O., 1990) steht. Aufgrund eines Übertragungsfehlers ist jedoch lediglich etwa die Hälfte der als Naturschutzgebiet 1989 beantragten Fläche tatsächlich unter Schutz gestellt worden.

Das Naturschutzgebiet Fettseemoor ist in das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin eingebunden. Innerhalb dieses Landschaftsschutzgebietes von zentraler Bedeutung sind alle Naturschutzgebiete der Schutzzone II zugeordnet, ausgenommen derer, die die Kernzone bilden (Gesetzesblatt der DDR 1990, §3 Absatz 1). So liegt auch das Fettseemoor in der Schutzzone II, die der Pflege- bzw. Pufferzone des Reservates entspricht.

Im Umkreis des Fettseemoores erstreckt sich die Entwicklungszone des Biosphärenreservates, die der Weiterentwicklung naturverträglicher Bewirtschaftungsformen dient. Das Biosphärenreservat wurde am 12.09.1990 mit dem Nationalparkprogramm der letzten DDR-Regierung festgesetzt. In Kraft trat diese Schutzanordnung am 1. Oktober des selben Jahres, woraufhin im Dezember die Anerkennung durch die UNESCO erfolgte (HENNE 2002).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Schutzzonen im Biosphärenreservat Schorfheide- Chorin

(www.schorfheide-Chorin.de/webkarte, besucht am 09.01.07)

Um dem Ziel der Biosphärenreservatsverordnung zur „Erhaltung und Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes“ nachzukommen, wurde es für notwendig erachtet, Pflege- und Entwicklungspläne zu entwickeln. Diese wurden unter anderem mit der Zielsetzung erarbeitet, die ursprünglichen hydrologischen Verhältnisse wiederherzustellen (Gesetzesblatt der DDR 1990, §5 Absatz1).

3 Methodik

Im Gelände erfolgte zuerst die Ausweisung von leicht erkennbaren Pflanzenformationen. Daraufhin wurden innerhalb der Pflanzenformationen Bestände durch das Vorkommen dominanter und indikatorischer Arten voneinander abgegrenzt. In diesen Beständen wurde versucht, die Gesamtheit der vorkommenden Pflanzenarten zu ermitteln. Anhand der Einordnung der Pflanzenarten in Artengruppen ergaben sich Vegetationsformen nach dem Vegetationsformenkonzept von KOSKA ET AL. (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.). Bei unmöglicher Zuordnung eines Bestandes in das Vegetationsformenkonzept wurden andere Klassifikationskonzepte zu Rate gezogen. In jeder Vegetationseinheit wurden dann für die Auswertung bedeutsame Standortparameter stichprobenartig gemessen. Den Vegetationsformen konnten weitere Standortverhältnisse abgeleitet werden.

Anschließend erfolgte die Auswertung von vorhandenen historischen Daten in Hinsicht auf Vegetations- und Standortentwicklung.

Die aktuellen Vegetationsausprägungen sowie die Standortparameter wurden mit Hilfe des GIS-Programms Arc-View 3.3 verarbeitet, um Flächenanteile der Vegetationseinheiten und der Standortverhältnisse berechnen und darstellen zu können.

3.1 Wahl des floristischen Klassifikationskonzepts

Die Darstellung der Pflanzengemeinschaften erfolgte nach dem Vegetationsformenkonzept nach KOSKA ET AL. (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN; Hrsg.). Dieses Konzept lässt im Gegensatz zu anderen floristischen Klassifikationssystemen wie beispielsweise das Charakterartenkonzept nach BRAUN-BLANQUET (1964) aussagekräftige Rückschlüsse auf die ökologischen Standorteigenschaften zu. Die Mitte des letzten Jahrhunderts konzipierten Klassifikationssysteme widerspiegeln die heutigen, vom Menschen überprägten Pflanzengesellschaften unzureichend. Dank des Vegetationsformenkonzeptes lassen sich hingegen recht präzise Aussagen über Wasserhaushalt, Trophieverhältnisse, Bodenreaktion und Oberbodenentwicklung machen. Anhand der aus den Vegetationsformen gewonnenen Ergebnisse über die ökologischen Standortverhältnisse können Schlussfolgerungen über die Funktionsfähigkeit des Moores gezogen werden.

Mit Hilfe des Vegetationsformenkonzeptes war es allerdings nicht möglich, alle Pflanzenbestände zu determinieren. Dann wurden andere Klassifikationsmodelle aus jüngerer Zeit zur Einordnung genutzt. Dies traf für Vegetationsausbildungen auf dem Restsee und an dessen Rand sowie für ein artenarmes Seggenried zu. Sie wurden mit Hilfe von PASSARGE (1996, 1999) sowie SCHUBERT ET AL. (2001) determiniert, mit denen nordostdeutsche Pflanzengesellschaften ausführlich beschrieben wurden. Des weiteren sind zwei Erlen-Bruchwaldgesellschaften mit Hilfe von HOFMANN & POMMER (2005) bestimmt worden, mit denen eine detaillierte Klassifikation der mitteleuropäischen Wald-Ökosystemtypen vorliegt.

Jedoch basieren die beiden pflanzensoziologischen Gliederungen allein auf vegetationseigenen Merkmalen und spiegeln die Standortbedingungen demnach nur ungenügend wider.

3.2 Bestimmung der Pflanzenarten

Zur Bestimmung der Farn- und Blütenpflanzen mit Ausnahme der Gräser wurden JÄGER & WERNER (1995, 2002), JAHNS (1995) und WELLINGHAUSEN (1994) verwendet. Die Determination der Gräser im Untersuchungsgebiet erfolgte nach KLAPP &VON BOBERFELD (1990), CONERT (2000), CHISTIANSEN & HANCKE (1993), ENDTMANN (1998) sowie HUBBARD (1985). Seggen und Wollgräser wurden außerdem anhand des Bestimmungsschlüssels für Riedgrasgewächse nach BRÜCKL (2006) bestimmt. Im Fettseemoor vorkommende Bäume wurden nach GODET (1998) determiniert. Die Ansprache der Moose erfolgte durch Herrn Dr. Michaelis unter Verwendung von FRAHM & FREY (1992). Die Nomenklatur der Farn- und Blütenpflanzen richtet sich nach JÄGER & WERNER (2002).

Für die Artenlisten, insbesondere der Moose, kann kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden, da die Vegetationserfassung in einem sehr begrenzten Zeitraum (August bis Oktober 2006) vorgenommen wurde, minderstete Arten leicht übersehen worden sein können und das Gelände teilweise unbegehbar war. Außerdem kann es zu Fehlbestimmungen gekommen sein. Die Angaben zum Deckungsgrad der Wasserflächen wurden geschätzt und die Vitalität der im Untersuchungsgebiet vorkommenden Baumarten wurde durch Betrachtung des Habitus ermittelt. Anhand der Roten Listen für Farn- und Blütenpflanzen (JEDICKE 1997) wurde der Gefährdungsgrad der aktuell im Untersuchungsgebiet nachgewiesenen sowie der in der Biotopkartierung dokumentierten Pflanzenarten ermittelt. Die Arten wurden nach JEDICKE (1997) in folgende Gefährdungskategorien eingestuft:

1 vom Aussterben bedroht
2 stark gefährdet
3 gefährdet

V in der Vorwarnliste enthalten R potentiell gefährdet / derzeit vermutlich nicht gefährdet D Daten unzureichend

3.3 Pflanzenformationen

Die letzte Wasserstandserhöhung im Untersuchungsgebiet liegt lediglich zehn Jahre zurück. Deshalb ist anzunehmen, dass sich noch keine stabilen Klimaxstadien eingestellt haben und es sich bei der Vegetationsausbildung um Übergangsstadien handelt. Die Bestände werden sich in den nächsten Jahren vermutlich weiter differenzieren. Aufgrund dessen wurde die Vegetationsausprägung nicht anhand von Vegetationsaufnahmen, sondern mit Hilfe des Dominanzprinzips ermittelt. Die Ausweisung der Vegetationseinheiten erfolgte deduktiv. Bei einer ersten Begehung des Geländes wurden leicht erkennbare Formationsklassen ausgewiesen. Im Fettseemoor sind die Formationsklassen „Gehölzvegetation“ und „offene ungenutzte Vegetation“ nach KOSKA ET AL. (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN; Hrsg.) vertreten. Hinzu kommt die Formationsklasse der limnischen Vegetation flacher, mäßig bewegter Stillgewässer auf dem Restsee. Die Formationsklasse der „Gehölzvegetation“ wird vom Offenland durch eine Mindestdeckung der Baum- und Strauchschicht von 30% unterschieden. Die im Untersuchungsgebiet vorgefundenen Bestände der erstgenannten Formationsklasse lassen sich in ´Bruchwald` und ´Bruchgebüsch` unterteilen. Zum anderen sind Standorte ohne dichten Baumbewuchs vertreten, die der zweiten Formationsklasse angehören. Die im Fettseemoor ausgebildeten Gesellschaften lassen sich in ´Semiterrestrisches Ried` und ´Aquatisches Ried` untergliedern, welche sich durch unterschiedliche Wasserstufen auszeichnen. Das ´Semiterrestrische Ried` ist der Wasserstufe 5+ zuzuordnen, hingegen ist das ´Aquatische Ried` auf Standorten der Wasserstufe 6+ ausgebildet (auf die Bestimmung der Wasserstufe wird in Kapitel 3.5 eingegangen). Als weitere Formationsgruppe hat sich auf dem Fettsee eine ´Limnische Flachwasser- Makrophytenflur` entwickelt.

Für jede der Formationsgruppen sind zugehörige Artengruppen und somit Vegetationsformen ausgewiesen worden.

3.4 Vegetationsformen

Nach Ausweisung der Pflanzenformationen wurden diese in Vegetationsformen nach dem Vegetationsformenkonzept (KOSKA ET AL. 2001 in: SUCCOW & JOOSTEN; Hrsg.) feiner untergliedert. Dabei wurde weitgehend der dort beschriebenen Methodik gefolgt. Jedoch ist auf Vegetationsaufnahmen verzichtet worden. Statt dessen wurden mittels sorgfältiger Geländebegehung Gesamtartenlisten erstellt. Dabei konnten Bestände voneinander abgegrenzt werden, die sich durch das Vorkommen von Dominanzarten und indikatorischer Arten unterschieden. Dominanzarten sind nach SUCCOW (1988) Arten, die mit einem Deckungsgrad ab 3 (26-50% Deckung) präsent sind und demzufolge meistens besonders stark aus dem Bestandesbild hervortreten. Dominanzgesellschaften entwickeln sich laut POTT (1992) oftmals unter extremen Standortgegebenheiten oder anthropogenen Einflüssen. Nach DIERSCHKE (1994) ist die Dominanz von Arten zwar leicht zu erfassen, jedoch können vorherrschende Arten ökologisch überaus begrenzte aber auch sehr ausgedehnte Bereiche charakterisieren. Außerdem können zur Dominanz tendierende Arten in floristisch sehr verschiedenartigen Gesellschaften auftreten. Aufgrund dessen ist Dominanz zur Bestimmung von Grundeinheiten ungeeignet und wird dennoch häufig verwendet. Diese Art der Bestimmung von Vegetationseinheiten ist beispielsweise in Skandinavien sinnvoll und gebräuchlich, wo verhältnismäßig artenarme Bestände mit einer eindeutigen Schichtung der Vegetation etabliert sind. Für die hierzulande häufig artenreichen oder heterogenen Gesellschaften eignet sich das Vorherrschen von Arten wie schon erläutert weniger.

Deshalb wurden Gesamtartenlisten erstellt, mit deren Hilfe die Ermittlung der Artengruppen erfolgte. Dabei wurden auch indikatorische Arten erfasst, die bei der Bestimmung der Vegetationseinheiten hilfreich sind. Sie zeigen Standorteigenschaften an, die für jede der Vegetationsformen nach KOSKA ET AL. (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN; Hrsg.) definiert sind. Die nachgewiesenen Pflanzenarten wurden in die ökologisch-soziologischen Artengruppen nach KOSKA ET AL. (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN; Hrsg.) eingeteilt. Daraufhin ermöglichte die Kombination der Artengruppen eines Bestandes die Zuordnung in eine der Vegetationsformen, die sich durch mehrere divergierende Artengruppen voneinander unterscheiden. Bei Zweifel und zur Absicherung der Einordnung in eine Vegetationsform wurden die im Gelände ermittelten Wasserstände und pH-Werte zur Hilfe genommen. Auf die Ausweisung von Ausbildungen und Fazies wurde verzichtet, da diese ungewiss in Hinsicht auf deren Aussagekraft sind (KOSKA ET AL. 2001 in: SUCCOW & JOOSTEN; Hrsg.).

Die Angaben zur Gefährdungssituation der Vegetationsformen erfolgten nach KOSKA & TIMMERMANN sowie CLAUSNITZER & SUCCOW (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN; Hrsg.). Der Gefährdungsgrad der anderen Vegetationseinheiten wurde nach PASSARGE (1996, 1999) sowie JEDICKE (1997) übernommen.

Zur Methodik ist anzumerken, dass die Abgrenzung von Vegetationseinheiten anhand von dominanten und indikatorischen Arten im Gegensatz zur Anfertigung von Vegetationsaufnahmen eine erhöhte Ungenauigkeit mit sich bringt.

3.5 Bestimmung wichtiger Standortparameter

Bei der Begehung sind die pH-Werte in jeder Vegetationseinheit mit dem PH-Meter AGRAR 2000 stichprobenartig ermittelt worden.

Durch Messung des Wasserstandes im September und Januar konnten die Wasserstufen der Vegetationseinheiten abgeleitet werden. Dafür dient nach KOSKA (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.) nicht der Jahresmittelwert sondern der Median des feuchten Halbjahres. Der kurze Untersuchungszeitraum verhinderte die Ermittlung dieses Wertes. Den gemessenen Wasserständen konnte jedoch mit Hilfe der Wasserstandsbereiche der Wasserstufen und Wasserstufenausbildungen nach KOSKA (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.) die passende Wasserstufe zugeordnet werden. Die im Gelände ermittelten Wasserstufen wurden mit denen, die die Vegetationsformen nach KOSKA (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.) anzeigen, verglichen. Andere Standorteigenschaften wie Säure-Basen-Verhältnis, Trophie und Wasserregimetyp sind aus den Vegetationsformen abgeleitet worden. Anhand der Vegetationseinheiten, die nach PASSARGE (1996, 1999) und HOFMANN & POMMER (2005) ermittelt wurden, war es nicht möglich, alle Standortbedingungen zu bestimmen. Deshalb wurden diese anhand mehrerer indikatorischer Pflanzenarten grob eingeordnet.

3.6 Auswertung der historischen Daten

Die Erläuterungen der Geländeaufnahmen von 1978/´79 in SUCCOW (1988) sowie SUCCOW, a (2001 in: SUCCOW & JOOSTEN Hrsg.) wurden in Hinsicht auf Standortgegebenheiten und jüngere Entwicklung der Vegetation ausgewertet. Die im Rahmen der Beantragung zur Ausweisung des Fettseemoores zum Naturschutzgebiet im Jahr 1989 aufgelisteten Pflanzengesellschaften einschließlich schützenswerter Pflanzenarten sind in die Auswertung einbezogen worden. Sie sind bei der Rekonstruktion der Vegetationsausprägung vor der Wiedervernässung hilfreich. Die Veröffentlichung durch GROOTJANS ET AL. (1992) sowie unveröffentlichte Manuskripte von TOLMAN ET AL. (1991) fanden hinsichtlich der Standort- und Vegetationsveränderungen sowie der Maßnahmenvorschläge für die Wiedervernässung grundwasserernährter Moore Verwendung. Als Grundlage für die Pflege- und Entwicklungsplanung des Biosphärenreservates Schorfheide-Chorin wurden in den Jahren 1994 und´96 Biotopkartierungen durchgeführt. Dabei wurden Flora, Biotopausprägung und Begleitbiotope erfasst. Grundbögen sowie Geländebögen für Wälder und Forsten wurden ausgewertet. Das Ergebnis verschafft einen Eindruck vom Entwicklungsstand vor der zweiten und letzten Wasserstandsanhebung im Untersuchungsgebiet.

Details

Seiten
90
Jahr
2007
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v163909
Institution / Hochschule
Fachhochschule Eberswalde – Landschaftsnutzung und Naturschutz
Note
1,3
Schlagworte
Moor-Renaturierung Wiedervernässung Moornutzung Moorschutz Landschaftswasserhaushalt Verlandungsmoor

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Wiederbelebung des entwässerten Fettseemoores