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Das Bild des Kyros in der Überlieferung, Legendenbildung

Kyros als Idealbild eines Herrschers

Seminararbeit 2005 12 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Kyros der Große

2. Das Bild des Kyros in der Überlieferung
2.1 Xenophons Kyrupädie (Die Erziehung des Kyros)
2.2 Herodots Darstellung des Kyros
2.2.1. Kyros Erwähnung im Alten Testament

3. Das heutige Bild von Kyros dem Großen
3.1 Die Legende des gerechten Königs
3.2 Der ideale Herrscher?

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Kyros der Große

Wohl zu Beginn der 550er Jahre gelangte in Parsa (Fars) ein Mann auf den Thron seiner Väter, der die Geschichte des gesamten Vorderen Asiens neu zu schreiben in der Lage war: Kyros, der „König von Ansan“.[1]

Der aus dem Geschlecht der Achämeniden stammende König Kyros der Große kam angeblich 559 v. Chr. an die Macht und gilt als Begründer des persischen Weltreiches. 550 v. Chr. gelang es ihm als Fürst der Persis die bis dahin andauernde Vorherrschaft der Meder abzuschütteln und das Perserreich nach und nach durch etliche Eroberungen zum Großreich auszuweiten. Der triumphale Einzug in Babylon 539 v. Chr. vollendete seinen Siegeszug und er herrschte über ein Reich das sich von der Ägäis bis zum Indus erstreckte. Symbol seiner Herrschaft war die prächtige Hauptstadt Pasargadai. 529 v. Chr. soll Kyros bei einem Feldzug gegen die skythischen Massageten[2] gefallen sein[3]

Kyros gilt heute allgemein als Begründer des persischen Großreiches und als einer der bedeutensten Könige in der persischen Geschichte. Berühmt ist er vor allem für seinen Großmut und seine Toleranz anderen Völkern gegenüber. Seine Person und seine Herrschaft werden in vielen antiken Quellen ausführlich erwähnt und gewürdigt, so zum Beispiel in den Historien des griechischen Geschichtsschreibers Herodot. Dabei wird Kyros oft als Paradebeispiel eines Herrschers vorgeführt und zum Vorbild idealisiert, Vorbild für das Volk aber auch für nachfolgende Könige.

Ziel dieser Arbeit ist nun mich diesem idealen König anzunehmen und zu analysieren welche Eigenschaften es sind, die Kyros angeblich zu einem idealen Herrscher machen und wie das Bild des Kyros aussieht, dass uns überliefert ist. Ich werde mir dabei Herodots Darstellung vornehmen aber auch die Darstellung des Kyros in Xenophons Kyrupädie und seine Erwähnung im Alten Testament. Ziel soll auch sein mögliche Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten des Kyrosbildes in den verschiedenen Quellen zu beleuchten.

2. Das Bild des Kyros in der Überlieferung

2.1 Xenophons Kyrupädie (Die Erziehung des Kyros)

Xenophon (426 v Chr. – 355 v. Chr.) ist ein aus Athen stammender Schriftsteller, der als griechischer Söldner im Feldzug von Kyros dem Jüngeren gegen dessen Bruder teilgenommen haben soll. Xenophon zeigt ein ausgeprägtes Interesse am staatsmännischen Können von Herrschern, im Mittelpunkt der, aus acht Büchern bestehenden, Kyrupädie (kyrou paideia = Erziehung des Kyros) steht der ideale Herrscher Kyros der Große. Laut dem Historiker Christian Mueller-Goldinger ist es die „umfangreichste literarische Würdigung, die in der Antike Kyros, [...], zuteil wurde.“[4] Es handelt sich bei dem Werk weniger um eine Historiographie mit Anspruch auf Wahrheit und Chronologie, sondern vielmehr um ein idealisiertes Herrscherbild.[5] Xenophon nimmt durch kleinere Episoden über Kyros eine Charakterisierung dessen vor und verdeutlicht bestimmte Charaktereigenschaften durch die Präsentation verschiedener Situationen. Dabei bildet Xeneophon zwar einen Rahmen aus historische Fakten, aber gesteht auch der Fiktion einen breiten Raum zu.[6] Die Kyrupädie wird daher auch oft als romanhafte Biographie bezeichnet.[7]

Die besondere Leistung des Kyros ist für Xenophon seine Fähigkeit über eine große Zahl von Menschen zu herrschen da es meist schon äußert schwierig sein kann eine geringe Anzahl von Menschen zu kontrollieren.[8] Das was Kyros jedoch deutlich von anderen Herrschern unterscheidet ist die Tatsache, dass er die Menschen nicht zwanghaft unterworfen hat, sondern sie ihm aus freiwilliger Überzeugung folgen „Wir wissen jedenfalls, dass Menschen Kyros freiwillig gehorcht haben [...]“[9]. Xenophon nimmt mit dieser Aussage auch eine klare Abgrenzung des Monarchen von dem Tyrannen vor, denn Kyros kommt nicht wie viele andere Herrscher durch eine Erbmonarchie auf den Thron. Er hat sich aus kleinen und bescheidenen Anfängen zum König hochgearbeitet[10] was ihm eine besondere Qualität als Herrscher zuspricht. Kyros soll in der Lage gewesen sein viele selbstständige Völker zu unterwerfen und zu einem Großreich zu vereinigen:

Er herrschte also über diese Völker, die weder seine Sprache verstanden noch in der Lage waren, sich untereinander in derselben Sprache zu verständigen, und dennoch gelang es ihm, seine Herrschaft über ein so großes Reich [...] zu festigen [...].[11]

Für Xenophon sind diese Herrscherqualitäten zurückzuführen auf Kyros positive Charakter- und Wesenszüge „[...] er sei überaus schön und äußerst menschenfreundlich, lernbegierig und ehrgeizig gewesen [...] “[12]. Die Bildung eines solchen Charakters erklärt sich Xenophon mit der Erziehung nach persischen Gesetzen, die nach dem Prinzip des Gemeinwohls organisiert sind.[13]

Kyros soll bis zu seinem zwölften Lebensjahr nach den persischen Werten erzogen worden sein und sich vor allem durch seinem Mut und seine Geschicklichkeit von seinen Altersgenossen unterschieden haben und außerdem ein „[...] von Natur aus freundlicher und liebenswürdiger Junge [...]“[14] gewesen sein. Diese Eigenschaften werden im vierten Kapitel des ersten Buches in der Kyrupädie verdeutlicht. Kyros zeichnet sich durch seine Hilfsbereitschaft gegenüber seinen Altersgenossen aus und durch seine Fähigkeit ein tiefes Vertrauensverhältnis zu ihnen aber auch ihren Vätern aufzubauen, er ist also in der Lage Menschen für sich zu gewinnen. Xenophon beschreibt wie Kyros seinen kranken Großvater umsorgt und erwähnt, dass er nicht aufgehört habe zu weinen wenn es dem Großvater schlechter ging.[15] Bereits in jungen Jahren legt Kyros also, nach Xenophon, ein äußerst gutmütiges Verhalten an den Tag und zeichnet sich durch Eigenschaften aus, die ihn auch später als König charakterisieren. Der besondere Großmut des Kyros wird von Xenophon mit einer Wettkampfsituation zwischen Kyros und seinen Altersgenossen aufgezeigt:

Denn in den unter den jungen Leuten üblichen Wettkämpfen forderte er seine Kameraden nicht heraus, wenn er wusste, dass er besser war, sondern ließ sich nur auf die Disziplinen ein, bei denen er [...] schwächer war.[16]

Xenophons Kyros ist demnach zwar auf der einen Seite ehrgeizig und zugleich auf der anderen Seite gönnerhaft und bescheiden.

Eine erste kriegerische Auseinandersetzung erlebt Kyros in der Kyrupädie im Alter von ungefähr sechzehn Jahren, einige Assyrer dringen in das Reich der Meder ein und Kyros zieht zusammen mit seinem Großvater Astyages und einigen Soldaten in den Kampf. Kyros zeichnet sich in diesem Kampf durch sein strategisches Geschick aus indem er seinem, natürlich viel erfahrenerem, Großvater entscheidenden Hinweise gibt „Es war ihm klar, dass Kyros den Sieg ermöglicht hatte [...]“[17] Kyros besitzt demnach schon in jungen Jahren ein strategisches Verständnis, welches ihn auch später als Feldherr auszeichnen wird.

Soviel zu Xenephons Darstellung von Kyros Jugend und Erziehung, ich werde mich nun speziell dem Idealbild des Herrschers zuwenden. Das Herrscherideal in der Kyrupädie setzt sich aus verschiedenen Aspekten zusammen. Der erste wäre Xenophons Vorstellung von einem guten Herrscher als eine Art Hirte, der das Volk führt und hütet.[18] Desweitern nimmt Kyros als Herrscher die Rolle eines Vaters ein, „[...] und seine Untertanen verehren ihn wie einen Vater.“[19], der dem Volk eine väterliche Fürsorge entgegenbringt.[20] Besonders ausgeprägt ist dabei Kyros Sinn für Gerechtigkeit, eine Eigenschaft auf die der Herrscher erklärt großen Wert zu legen.[21]

Neben diesen Eigenschaften verkörpert Xenophons Kyros auch einen weisen Herrscher, der in der Lage ist zu organisieren und zu verwalten. Diese Fähigkeiten zeigen sich in der Kyrupädie wenn Kyros den großen Andrang des Volkes bei seinen Audienzen organisiert.[22] Ein weiterer wesentlicher Aspekt von Xenophons Herrscherideal ist die Vorbildfunktion die ein Herrscher für seine Untertanen haben muss. Kyros hat laut Xenophon diese Vorbildfunktion:

Alle aber, die sich bei ihm zeigten, meinte er vor allem dadurch zu schönen und guten Taten anspornen zu können, dass er sich seinen Untergebenen als ein König darzustellen versuchte, der allen anderen ein strahlendes Vorbild an Tüchtigkeit bot.[23]

[...]


[1] Josef Wiesenhöfer: Das frühe Persien. Geschichte eines antiken Weltreiches, (2. Auflage), München 1999, Seite 23

[2] ein am Schwarzen Meer lebender Stamm

[3] vgl. J.M. Cook: The Persian Empire, London 1983 und vgl. Kai Brodersen (Herrausgeber): Personen der Antike, Stuttgart 2004

[4] Christian Mueller-Goldinger: Untersuchungen zu Xenophons Kyrupädie. Beiträge zur Altertumskunde, Bd. 42, Stuttgart 1995, Seite I

[5] vgl. Christian Mueller-Goldinger: Untersuchungen zu Xenophons Kyrupädie. Beiträge zur Altertumskunde, Bd. 42, Stuttgart 1995

[6] vgl. Christian Mueller-Goldinger: Untersuchungen zu Xenophons Kyrupädie. Beiträge zur Altertumskunde, Bd. 42, Stuttgart 1995

[7] vgl. Kai Brodersen (Herausgeber): Personen der Antike, Stuttgart 2004

[8] vgl. Xenophon: Kyrupädie. Die Erziehung des Kyros, übersetzt und herausgegeben von Rainer Nickel, München 1992

[9] Xenophon: Kyrupädie. Die Erziehung des Kyros, übersetzt und herausgegeben von Rainer Nickel, München 1992, 1. Buch, I, 3

[10] vgl. Xenophon: Kyrupädie. Die Erziehung des Kyros, übersetzt und herausgegeben von Rainer Nickel, München 1992

[11] Xenophon: Kyrupädie. Die Erziehung des Kyros, 1. Buch, I, 5

[12] Xenophon: Kyrupädie. Die Erziehung des Kyros, 1, II, 1

[13] vgl. Xenophon: Kyrupädie. Die Erziehung des Kyros, übersetzt und herausgegeben von Rainer Nickel, München 1992

[14] Xenophon: Kyrupädie. Die Erziehung des Kyros, 1, III, 2

[15] vgl. Xenophon: Kyrupädie. Die Erziehung des Kyros, übersetzt und herausgegeben von Rainer Nickel, München 1992

[16] Xenophon: Kyrupädie. Die Erziehung des Kyros, 1, IV, 4

[17] Xenophon: Kyrupädie. Die Erziehung des Kyros, 1, IV, 24

[18] vgl. Xenophon: Kyrupädie. Die Erziehung des Kyros

[19] Xenophon: Kyrupädie. Die Erziehung des Kyros, 8, VIII, 1

[20] vgl. Christian Mueller-Goldinger: Untersuchungen zu Xenophons Kyrupädie. Beiträge zur Altertumskunde, Bd. 42, Stuttgart 1995

[21] vgl. Xenophon: Kyrupädie. Die Erziehung des Kyros

[22] vgl. Xenophon: Kyrupädie. Die Erziehung des Kyros

[23] Xenophon: Kyrupädie. Die Erziehung des Kyros, 8, I, 21

Details

Seiten
12
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640788385
ISBN (Buch)
9783640788439
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v163923
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Historisches Institut
Note
1,2
Schlagworte
Perser Persien Perserreich Antike Kyros

Autor

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