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Möglichkeiten der ästhetischen Erziehung nach Schiller

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 24 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Möglichkeiten der ästhetischen Erziehung nach Schiller
2.1 Der Entwurf Schillers
2.2 Eine historisch-gesellschaftliche Bestandaufnahme: Zunahme von Arbeitsteilung und Spezialisierung
2.3 Ästhetische Erziehung zweihundert Jahre nach Schiller

3. Zusammenfassung

4. Literatur

1. Einleitung

Die philosophische Schrift „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ von Friedrich Schiller sieht auf der Ebene der Geschichtlichkeit die Notwendigkeit der ästhetischen Rezeption, mit deren Hilfe allein der von Kant so genannte Vernunftstaat verwirklicht werden könne. Zuerst argumentiert Schiller auf der historischen Ebene, um dann auf dem Feld der Abstraktion seine Argumentation für die Bedeutung des ‚Spieltriebs’, der zwischen den beiden Kräften des sinnlichen und des Formtriebes anzusiedeln ist, auszuarbeiten. Es sei nicht möglich, die in zwei Gruppierungen zerfallene Gesellschaft in der Freiheit zu vereinen, wenn die Ästhetik nicht vermittelnd zwischen den beiden Haupttrieben des Menschen auftritt. Die Vertreterschaft der einen der beiden Gruppen, die dem sinnlichen Trieb verfallen sei, indem sie „keinen anderen Maßstab kenne als den des Wertes, sowie die Vertreter der anderen, die, nur Form und nicht Inhalte achtend, gefährdet seien, „alle Realität überhaupt zu vernachlässigen, und einer reizenden Einkleidung Wahrheit und Sittlichkeit aufzuopfern“- sie alle könnten durch die Ästhetik zu einer Ganzheitlichkeit des Menschseins geführt werden, die für Schiller Bedingung für die Wiederherstellung der ‚Totalität der Gattung’ sei.

Auf der Grundlage der historischen Annahmen Schillers wird, nachdem dessen Theorie in ihren für die vorliegende Untersuchung wesentlichen Punkten in Kapitel 2.1 umrissen wurde, die historische Entwicklung gesellschaftlicher Arbeitsteilung und Spezialisierung in den Blick genommen, da Schillers Aussagen zum ‚verbruchstückhaften’ Menschen nicht nur zutreffend für die Anfänge der Industriellen Revolution in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts scheinen, sondern auch prophetisch in Hinsicht auf die sich seiner Zeit anschließende Ausformung der kapitalistischen Produktionsweise, in welcher der Mensch sich zunehmend der ‚Entfremdung’ ausgesetzt sieht, wie es in späterer Terminologie heißt.

In Kapitel 2.3 sollen dann die heutigen Möglichkeiten der ästhetischen Erziehung in Schillers Sinne behandelt werden, wenn es sie überhaupt geben kann- Es liegt die Vermutung nahe, dass diese Möglichkeiten weniger denn je, als etwa gegen Ende des 18. Jahrhunderts, bestehen, eben weil die Tendenz von der Totalität des Menschen als ein seine gesamten Fähigkeiten ausbildendes Wesen weg, hin zu einer zunehmenden Zersplitterung des menschlichen Daseins in sämtlichen Bereichen führt. Diese Vermutung liegt schon bei flüchtigem Blick auf die Ergebnisse der soziologischen Forschung nahe.

Weiter soll die Schlüssigkeit der Schiller’schen Abstraktion anhand der Forschungsliteratur geprüft werden, um dann in einer zusammenfassenden Evaluation Aussagen über die Brauchbarkeit der Theorie Schillers für die heutige pädagogische Praxis zu treffen.

2. Möglichkeiten der ästhetischen Erziehung nach Schiller

2.1 Der Entwurf Schillers

Schiller beruft sich explizit auf Kantische Grundsätze bei der Ausformung seiner Ästhetischen Erziehung.[1] Es geht also zunächst um das ästhetische Urteil, das Kant

zwischen dem „Interesse der Neigung beim Angenehmen“ [...] und dem Interesse der praktischen Vernunft an der Verwirklichung des sittlichen Gesetzes als interesselos bestimmt.[2]

Kant spricht an der von Bürger zitierten Stelle von ‚drei Arten des Wohlgefallens’, bei denen die Betrachtung sich auf das Angenehme, das Schöne und das Gute richtet. Von diesen komme nur die Schönheit in Frage als Wohlgefallen, welches das Geschmacksurteil bestimmt und dabei ohne alles Interesse ist.

Man kann sagen: daß, unter allen diesen Arten des Wohlgefallens, das des Geschmacks am Schönen einzig und allein ein uninteressiertes und freies Wohlgefallen sei; denn kein Interesse, weder das der Sinne, noch das der Vernunft, zwingt den Beifall ab.[3]

Die Sonderstellung des Kantischen Begriffs des Ästhetischen weise diesem einen Platz zwischen Sinnlichkeit und Vernunft zu; damit sei es als frei und interesselos bestimmt.[4]

Außerdem kommt dem ästhetischen Urteil die Eigenschaft der Allgemeingültigkeit zu, d. h. jeder Mensch ist fähig, ein derartiges Urteil zu fällen. Es gehe um

[...] folglich dasjenige Subjektive, welches man in allen Menschen [...] voraussetzen kann: so muß die Übereinstimmung einer Vorstellung mit diesen Bedingungen der Urteilskraft als für jedermann gültig a priori angenommen werden können.[5]

Obig genannte Momente des ästhetischen Urteils (der Interesselosigkeit und der Allgemeingültigkeit) bringt Bürger mit der Freiheit der Kunst zusammen und interpretiert den Kantischen Grundsatz, indem er diese „gegenüber den Zwängen der entstehenden bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft“ verortet, von denen sie verschieden ist.

Das Ästhetische wird konzipiert als ein Bereich, der herausgenommen ist aus dem alle Lebensbereiche durchherrschenden Prinzip der Profitmaximierung.[6]

Dieses Moment spiele bei Kant selbst noch keine Rolle.[7] Interessant ist aber, dass die Ästhetik als Disziplin der Philosophie gerade erst, gegen Ende des 18. Jahrhunderts, im Entstehen begriffen ist. Auf die bürgerliche Gesellschaft an dieser Stelle der Entwicklung wird in Abschnitt 2.2 näher eingegangen, wenn es um die Prinzipien der arbeitsteiligen Gesellschaft geht. Wichtig in Bezug auf Schiller ist die Entstehung des Begriffs der Kunst, der erst mit dem Verständnis der Ästhetik als Teilbereich der Philosophie möglich wird und der

zur Folge hat, daß das künstlerische Schaffen aus der Lebenstotalität gesellschaftlicher Aktivitäten herausfällt und ihr abstrakt gegenübertritt.[8]

Schiller spricht diese Freiheit der Kunst gleich im zweiten Brief an:

[...] die Kunst ist eine Tochter der Freiheit und von der Notwendigkeit der Geister, nicht von der Notdurft der Materie will sie ihre Vorschrift empfangen.[9]

Ebenda formuliert er seinen Anspruch, die Freiheit der Kunst im Folgenden auf das „vollkommenste aller Kunstwerke, [auf den] Bau einer wahren politischen Freiheit“, zu beziehen.[10] Im Gegensatz zu Kant dient ihm die Interesselosigkeit des Ästhetischen als ein Mittel, nämlich als ein Mittel zur Erziehung des gesellschaftlich organisierten Menschen.

Der Versuch mutet paradox an, hatte doch Kant gerade die Interesselosigkeit des ästhetischen Urteils und damit [...] implizit auch die Funktionslosigkeit der Kunst hervorgehoben.[11]

Es gehe um die Beförderung der Humanität unter dem Eindruck der Französischen Revolution, deren Beteiligten Schiller als eine „losgebundene Gesellschaft“ sieht, die, „anstatt aufwärts in das organische Leben zu eilen“, „in das Elementarreich“ zurückfalle.[12]

Ebenso wie schon Kant spricht er sich gegen eine „Revolution von unten“ aus. Wie wird das bei Schiller begründet?

Er argumentiert auf der historischen, nicht auf der anthropologischen Ebene. Den antiken Griechen bescheinigt Schiller noch eine „Totalität der Gattung“, die sich in der Einheit von Sinn und Geist zeigt[13] und die erst durch verschiedene historische Prozesse der Auflösung ausgesetzt wurde. Schiller nennt zunächst die Kultur allgemein als den hauptverantwortlichen Prozess, „welche der neueren Menschheit diese Wunde schlug“ und subsumiert unter diesen Begriff die „schärfere Trennung der Wissenschaften“ und eine „strengere Absonderung der Stände“.[14]

Der historische Unterschied zwischen dem ganzheitlichen Menschen der Antike und dem ‚verbruchstückhaften’ Menschen des ausgehenden 18. Jahrhunderts gibt Schiller hier an:

[...] bei uns ist das Bild der Gattung der Individuen vergrößert auseinander geworfen- aber in Bruchstücken, nicht in veränderten Mischungen, daß man von Individuum zu Individuum herumfragen muß, um die Totalität der Gattung zusammen zu lesen.[15]

Die Totalität des Menschen in der Antike wird später auch von Nietzsche aufgegriffen: Seine Konzeption vom dionysischen und apollinischen Prinzip - die im Übrigen beinahe verdächtig stark an Schillers Dichotomie, unten differenziert erläutert, erinnert –, arbeitet auf dem Zenit des Gleichgewichts dieser Prinzipien neben der künstlerischen Hochform der Tragödie auch den Menschen in seiner größten Vollständigkeit heraus: Den Griechen, in dem zu beträchtlichstem Grade jene Kunsttriebe der Natur entwickelt gewesen seien.[16]

Schiller nennt die „Erscheinung des griechischen Menschen [...] unstreitig ein Maximum“, die von der Natur aufgegeben werden musste[17], indem sie die Menschen auf der Suche nach der Wahrheit auf getrennte Wege brachte.[18] Hierauf lassen sich die sozialwissenschaftlichen Begriffe der Arbeitsteilung, Spezialisierung und der der Klassentrennung anwenden, die in 2.2 noch näher untersucht werden. Warum nun keine Revolution von unten, wie sie zur Verfassung der Ästhetischen Erziehung gerade in Frankreich stattfand? Bürgers Interpretation:

Die Arbeitsteilung bedingt die Klassengesellschaft. Diese läßt sich jedoch [...] nicht durch eine politische Revolution abschaffen, weil die Revolution doch nur von den Menschen gemacht werden kann, die, durch die arbeitsteilige Gesellschaft geprägt, sich nicht zur Humanität haben ausbilden können.[19]

Schillers Vorschlag, der Verbruchstückhaftung des Menschen entgegenzuwirken, mündet in der ästhetischen Erziehung. Der Künstler soll der Welt „die Richtung zum Guten geben“, indem er „handelnd oder bildend, das Notwendige und Ewige in einen Gegenstand ihrer Triebe“ verwandelt.[20] Dem steht allerdings der Hang zur Trägheit entgegen, den Schiller, jedoch modifiziert, von Kant übernimmt:

Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen [naturaliter majorennes], dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist bequem, unmündig zu sein.[21]

Schiller hat eine gute Ahnung von dem, was Kant bei seiner Auffassung entgeht und nennt Gründe für die Bequemlichkeit der Massen:

Der zahlreichere Teil der Menschen wird durch den Kampf mit der Not viel zu sehr ermüdet und abgespannt, als daß er sich zu einem neuen und verhärteten Kampf mit dem Irrtum aufraffen sollte.[22]

Eine ganz ähnliche Meinung hierüber finden wir in der modernen Sozialwissenschaft. Erich Fromm schreibt Mitte des 20. Jahrhunderts:

Der entfremdete und zutiefst unbefriedigende Charakter der Arbeit hat zwei Reaktionen zur Folge: einmal das Ideal der vollkommenen Faulheit, und zum anderen eine tiefsitzende, wenn auch häufig unbewusste feindselige Einstellung zur Arbeit [...] Die weitverbreitete Sehnsucht nach dem Zustand vollkommener Faulheit und Passivität ist nicht schwer zu erkennen.[23]

Hier kündigt sich also die Verbindung zu unserer heutigen Welt an, deren Missstände von beiden Denkern in gewisser Weise vorhergesehen wurden. Schiller zeigt sich auf diesem Feld sogar etwas weitsichtiger als Kant. Zum Begriff der Arbeit unter historischen und sozial-psychologischen Gesichtspunkten wird unter Abschnitt 2.2 zurückgekehrt.

Schiller plädiert für die Ausbildung des Empfindungsvermögens als das dringendste Bedürfnis der Zeit. Er spricht vom Charakter, der der Aufklärung durch den Verstand vorangestellt werden muss.

Nicht genug also, daß alle Aufklärung des Verstandes nur insoferne Achtung verdient, als sie auf den Charakter zurückfließt; sie geht auch gewissermaßen von dem Charakter aus, weil der Weg zu dem Kopf durch das Herz muß geöffnet werden.[24]

Auf dem Feld der Abstraktion eröffnet Schiller die Untersuchung des „Vernunftbegriffs der Schönheit“, nachdem er erkennt, dass der Erfahrungsbegriff derselben sich wegen historischer Gegenanzeigen als unzureichend erweist.[25]

Bezeichnend ist hierbei die Differenz der Begriffe „Person“ und „Zustand“. Ersterer susumiere Bleibendes, den eigenen Grund der Person selbst. Es sei der Mensch, vorgestellt in seiner Vollendung, als „ewig beharrendes Ich“. Letzterer kennzeichne Wechselndes und Werdendes, sei als Bedingung abhängigen Seins der Zeit unterworfen und markiere das Werden. Es drängen sich, so Schiller, zwei Fundamentalgesetze auf: Der Person schreibt er nun den Formtrieb, dem Zustand den sinnlichen Trieb zu. Der Formtrieb führe zu Wahrheit und Recht und habe das „Leben“ zum Gegenstand, dem sinnliche Trieb gehe es um absolute Realität, Veränderung, darum, dass Zeit einen Inhalt habe und in letzter Instanz um die „Gestalt“. Diese Dichotomie mündet in einer weiteren, nämlich in der von ‚Freiheit’ und ‚Zeit’.[26]

Einen dritten Begriff führt er mit dem des Spieltriebs ein, der seinerseits zwischen den beiden o. g. Trieben situiert sei. Da beide, der Formtrieb wie der sinnliche, „einander also zugleich subordiniert und koordiniert“ sind, stünden sie „in Wechselwirkung“: „[Ohne] Form keine Materie, ohne Materie keine Form.“[27] Die Aufgabe der Kultur sei es, die drohende Verwirrung ihrer beiden Sphären abzuwenden und „jeder dieser beiden eine gleiche Gerechtigkeit“ zu gewähren, die sie beiden schuldig sei.

Ihr Geschäft ist also doppelt: erstlich: die Sinnlichkeit gegen die Eingriffe der Freiheit zu verwahren, zweitens: die Persönlichkeit gegen die Macht der Empfindungen sicher zu stellen. Jenes erreicht sie durch Ausbildung des Gefühlvermögens, diese durch Ausbildung des Vernunftvermögens.[28]

Schiller macht es zur Aufgabe des sog. „Spieltriebs“, beiden Sphären gerecht zu werden: Dem sinnlichen Trieb, der wolle, dass Veränderung sei, sowie dem Formtrieb, der wolle, dass die Zeit aufgehoben, also keine Veränderung sei.[29] Heike Pieper geht auf eine bestimmte Weise auf die Frage ein, wie ‚das ästhetische Spiel’ zwischen sinnlichem und Formtrieb zu vermitteln in der Lage ist, wenn es um die Bedeutung der Ästhetik für die Ethik geht. Darauf kommt das Kapitel 2.3 zurück.[30]

Dieser Spieltrieb ist mit dem Schönheitsideal eines Menschen zu identifizieren.

Man wird niemals irren, wenn man das Schönheitsideal eines Menschen auf dem nämlichen Wege sucht, auf dem er seinen Spieltrieb befriedigt.[31]

Durch die Schönheit werde der sinnliche Mensch zur Form und zum Denken geleitet; durch die Schönheit werde der geistige Mensch zur Materie zurückgeführt, und der Sinnenwelt wiedergegeben.

Aus diesem scheint zu folgen, daß es zwischen Materie und Form, zwischen Leiden und Tätigkeit einen mittleren Zustand geben müsse, und daß uns die Schönheit in diesen mittleren Zustand versetze.[32]

Ein selbstständiges Vermögen sei notwendig, das handelnd den unmittelbaren Gedanken hervorbringe und den Denkkräften Freiheit verschaffe, „ihren eigenen Gesetzen gemäß sich zu äußern“. Nur so könne die Schönheit ein Mittel werden, den Menschen von der Materie zur Form, von Empfindungen zu Gesetzen, von einem beschränkten zu einem absoluten Dasein zu führen.[33]

Eine praktische Auswirkung der schönen Kunst müsste so aussehen:

[...]


[1] Friedrich Schiller: Über die ästhetische Erziehung des Menschen in einer Reihe von Briefen. In: Friedrich Schiller. Theoretische Schriften. Hrsg. v. Rolf Toman (ders.: Werke in fünf Bänden, Bd. 5), Köln 1999, S. 250.

[2] Peter Bürger: Theorie der Avantgarde. Frankfurt 1974, S. 58. (Hervorh. P.B.)

[3] Immanuel Kant: Kritik der Urteilskraft. Hrsg. v. W. Weischedel. (ders.: Werkausgabe Bd. X), Frankfurt 1977, S. 123. (Hervorh. I.K.)

[4] Bürger, S. 60.

[5] Kant, Urteilskraft, S. 221.

[6] Bürger, S. 58.

[7] Ebd.

[8] Bürger, S. 57.

[9] Schiller, S. 252.

[10] Ebd., S. 251f.

[11] Bürger, S. 60.

[12] Schiller, S. 260.

[13] Ebd., S. 262.

[14] Ebd., S. 263.

[15] Ebd., S. 262.

[16] Friedrich Nietzsche: Die Geburt der Tragödie. In: Friedrich Nietzsche, Werke. Hrsg. v. Karl Schlechta. (ders.: Werke I-V, Bd. I). 6. Auflage. Frankfurt, Berlin, Wien 1972, S. 25f.

[17] Auch der Vergleich mit Kant ist an dieser Stelle erhellend: Bei ihm wird der Natur das Streben zur Vervollkommnung des staatlichen Gebildes zugerechnet. Hier geht es aber um den Fortschritt der Menschheit als solcher durch den Antagonismus der Einzelkräfte, nicht um die Ausbildung der Totalität des Individuums. Der von Schiller unterstellten Verbruchstückhaftung des Menschen wird keine Rechnung getragen: „Man kann die Geschichte der Menschengattung im großen als die Vollziehung eines verborgenen Plans der Natur ansehen, um eine innerlich- und, zu diesem Zwecke, auch äußerlich-vollkommene Staatsverfassung zu Stande bringen, als den einzigen Zustand, in welchem sie alle ihre Anlagen in der Menschheit völlig entwickeln kann.“ Nach Schillers Ansicht ist das aber, infolge der Verbruchstückhaftung des Menschen, so nicht möglich. Immanuel Kant: Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht. In: Immanuel Kant. Schriften zur Anthropologie, Geschichtsphilosophie, Politik und Pädagogik I. Hrsg. v. W. Weischedel. (ders.: Werkausgabe Bd. XI), Frankfurt 1977, S. 45.

[18] Schiller, S. 266.

[19] Bürger, S. 61.

[20] Schiller, S. 275.

[21] Immanuel Kant: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? In: Was ist Aufklärung? Thesen und Definitionen. Stuttgart 1974, S. 9.

[22] Schiller, S. 271.

[23] Erich Fromm: Wege aus einer kranken Gesellschaft. Eine sozialpsychologische Untersuchung. Übers. v. L. u. E. Mickel. 4. Auflage. München 2004, S. 158.

[24] Schiller, S. 272.

[25] Ebd., S.280.

[26] Schiller, S. 280ff.

[27] Ebd., S. 287 (FN).

[28] Ebd., S. 287.

[29] Ebd., S. 292.

[30] Heike Pieper: Schillers Projekt eines menschlichen Menschen: eine Interpretation der ‚Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen’ von Friedrich Schiller. Lage 1997, S. 262f.; S. 273f.

[31] Schiller, S. 296.

[32] Ebd., S. 303f.

[33] Ebd., S. 307.

Details

Seiten
24
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640792764
ISBN (Buch)
9783640793006
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v163988
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Philosophische Fakultät IV
Note
Schlagworte
Schiller Ästhetik Erziehung Pädagogik Gesellschaftskritik Arbeitsteilung Schönheit Soziologie Kant Wohlgefallen Geschmack Geschmacksurteil Bildung Gute Gutes Gesellschaft Philosophie Revolution Humanität Anthropologie Wissenschaft Individuum Kunst Künstler Sozialwissenschaft Person Gerechtigkeit Spiel Spieltrieb

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