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Basel III: Die wesentlichen Grundideen

Essay 2010 6 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Basel III – Die wesentlichen Grundideen

Die Ausarbeitung gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Diskussion rund um das Thema Basel III und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Banken.

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht, der seit 1974 besteht und organisatorisch zu der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (Bank for International Settlements / BIS) gehört, hat im Dezember 2009 zwei umfangreiche Vorschläge zur Weiterentwicklung der Bankenaufsicht mit dem Ziel, auch in Krisenzeiten eine stabile Versorgung der Wirtschaft mit Kapital zu gewährleisten, veröffentlicht. Hierbei handelt es sich um die Veröffentlichungen „Strengthening the Resilience of the Banking Sector“ und „International Framework for Liquidity Risk Measurement, Standards and Monitoring“, welche in Verbindung mit den darauf folgenden Anpassungen und Ergänzungen nun als Basel III verstanden werden.

Die Grundsätze von Basel III wurden auf dem G 20 Gipfel in Seoul im November 2010 verabschiedet. Das Europäische Parlament wird voraussichtlich Anfang 2011 die Empfehlung des Baseler Ausschusses in bindende Richtlinien überführen, so dass dann die Umsetzung auf nationaler Ebene der EU-Mitgliedsländer am 01. Januar 2013 beginnen kann.

Die Kernpunkte von Basel III sind (s. hierzu auch Tabelle 1):

- Erhöhung der Mindestquote für „hartes“ Kernkapital von 2% auf 4,5%
- Einführung eines Kapitalerhaltungspolster von 2,5%
- Erhöhung Gesamtkapital plus Kaitalerhaltungspolster von 8% auf 10,5%
- Einführung einer Leverage Ratio (LR) von 3%
- Einführung einer Mindestliquiditätsquote (Liquidity Coverage Ratio, LCR)
- Einführung einer strukturellen Liquiditätsquote (Net Stable Funding Ratio, NSFR)
- Systemrelevante Banken sollen zusätzliches Eigenkapital vorhalten

Tabelle 1: Schrittweise Einführung der Mindestanforderungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Übergangsphase Zielquote erreicht

1 „hartes“ Kernkapital inkl. Kapitalerhaltungspolster
2 zusätzlich zu höheren Quoten nach Basel III Aberkennung bestimmter
Kapitalbestandteile
3 für krisenbedingte staatliche Unterstützungsprogramme gilt ein Bestandsschutz bis
01.01.2018

Quelle: Eigene Darstellung nach Basler Ausschuss für Bankenaufsicht, Pressemitteilung 12.09.2010, www.bis.org.

„Hartes“ Eigenkapital (engl. common equity) entspricht der strengsten Definition und beinhaltet gezeichnetes Kapital, z.B. Aktien, und Rücklagen. Bei Basel II gab es darüber hinaus noch vielfältige Möglichkeiten des Ergänzungskapitals, z.B. nachrangige Schuldscheine. Insgesamt lag bisher die Mindestquote für Gesamtkapital (= Kernkapital + Ergänzungskapital) bei 8%.

Unter Basel III wird nun die Möglichkeit der Anerkennung als Ergänzungskapital erheblich eingeschränkt. Auch werden die Kriterien für „hartes“ Kernkapital verschärft. Es ist zum Beispiel geplant, die Anerkennung stiller Einlagen über einen 10-Jahres-Zeitraum stufenweise auslaufen zu lassen.

Mit dem Kapitalerhaltungspolster soll ein Kapitalpuffer geschaffen werden, so dass bereits weit vor einer Insolvenzgefahr einer Bank Maßnahmen ergriffen werden können, um die Kapitaldecke der betroffenen Bank wieder zu verstärken. D.h., dass sobald die harte Kernkapitalquote von 7%, bestehend aus 4,5% „hartem“ Kernkapital & 2,5% Kapitalerhaltungspuffer, unterschritten wird, z.B. eine Ausschüttungssperre bei der Gewinnverwendung von der Aufsichtsbehörde erlassen wird.

Die Kapitalunterlegung für Kreditrisiken anhand des Ratings (Auflage seit Basel II) führt im konjunkturellen Aufschwung tendenziell bei sich verbessernden Ratings zu steigender Kreditvergabe der Banken. Demgegenüber erschwert die höhere Kapitalhinterlegung die Kreditvergabe in der Rezession. Um diesen zyklischen Effekt zu glätten und zu jedem Zeitpunkt eine stabile Kreditzufuhr der Wirtschaft sicherzustellen, möchte der Regulator einen zusätzlichen antizyklischen Kapitalpuffer etablieren, der in guten Zeiten mehr Kapital von den Banken verlangt, welcher wiederum in schlechten Zeiten verzehrt werden kann. Die genaue Ausgestaltung dieser Mechanik ist noch nicht final festgelegt.

Zwei wesentliche Schwachstellen haben maßgeblich zur Zuspitzung der Finanzkrise und zur Notwendigkeit weltweit staatlichen Eingreifens geführt.

- Die erste Schwachstelle war die Furcht, dass die Liquidität der Banken nicht ausreichen könnte um kurzzeitig deutlich höhere Liquiditätsabflüsse in Folge eines externen Schocks, z.B. durch Insolvenz eines Wettbewerbes, zu überbrücken. Zur Verbesserung der kurzfristigen Liquiditätssteuerung soll daher eine Liquidity Coverage Ratio (LCR) eingeführt werden. Die LCR errechnet sich wie folgt:

Mit der LCR soll also sichergestellt werden, dass alle kurzfristig liquidierbaren Vermögenswerte einer Bank ausreichen, um selbst bei einer Extremsituation bis zu 30 Tage aus eigener Kraft genügend Gelder auszahlen zu können.

- Die zweite Schwachstelle stellten die Schwierigkeiten bei Hypothekenbanken im Laufe der Finanzkrise dar. Insbesondere Hypothekenbanken steigern in Einzelfällen ihr Zinsergebnis durch Transformation kurzfristiger Einlagen in langfristige Darlehen an Wohnungskäufer oder Staaten. Sinkt die Liquidität an den Geldmärkten, so reichen die monatlichen Tilgungsrückflüsse der Kreditnehmer nicht mehr aus, um die kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen zu begleichen. Da es sich hierbei meist um sehr hohe Volumina handelte, kam es in der Finanzindustrie in Einzelfällen zu Kettenreaktionen, die auch andere Banken in Schwierigkeiten brachten. Mittels der Zentralbanken konnten die Geldmärkte beruhigt und die mangelnde Interbankenliquidität kompensiert werden. Um das Ausmaß der strukturellen Fristentransformation einzuschränken ist nun vorgesehen eine sogenannte Net Stable Funding Ratio (NSFR) einzuführen. Sie muss über 100% liegen und berechnet sich wie folgt:

Der Regulator unterscheidet „stabile“ und „weniger stabile“ Einlagen und klassifiziert somit, inwiefern eine Einlage zur Refinanzierung eines langfristigen Kredites bzw. zur Liquiditätsverbesserung geeignet ist oder nicht. Diese Unterscheidung hängt zum einen von der Fristigkeit (Sichteinlage vs. Termineinlage) und zum andern von der Art des Kunden ab. Einlagen von Privatkunden und kleineren Firmenkunden (Umsatz < 50 Mio. EUR) werden als stabiler angesehen als Einlagen von großen Unternehmen oder Finanzinstitutionen. Je stabiler eine Einlage für die Bank bewertet wird, desto mehr wird sie bereit sein, dafür zu zahlen.

Im Unterschied zum üblichen Verständnis einer Leverage Ratio im Unternehmen (FK/EK) versteht Basel III hierunter eine vereinfachte, am Geschäftsvolumen ausgerichtete Kapitalquote. Der Hintergrund ist auch hier die Möglichkeit, die übermäßige Ausweitung der Bilanzsumme bei in Summe gering eingeschätzten Risiken einzudämmen. Der Zeitplan sieht das Wirksamwerden der Leverage Ratio (LR) ab 2018 vor. Derzeit ist folgende Definition der Leverage Ratio vorgesehen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Maßgeblich für die Einordnung eines Instituts als systemrelevante Bank werden unter anderem dessen Größe und seine internationale Vernetzung sein. Die künftige Einstufung hängt davon ab, ob die globale, europäische oder nationale Ebene betrachtet wird. Kriterienkataloge zur Einstufung sollen in 2011 entwickelt werden. Bisher ist es nicht entschieden, welche Banken als systemrelevant eingeordnet werden und welche nicht.

Fazit:

Durch die Steigerung der „harten“ Kernkapitalquote von 2% auf 4,5% nimmt die „Kapitaleffizienz“ ab, denn konnte bisher eine Bank für einen Euro Kernkapital 50 Euro Kredit herauslegen, so sind es in Zukunft nur noch 22 Euro. Folglich steigen die Kapitalkosten für jeden Euro Kredit (s. Tabelle 2).

Die Einführung zweier Mindestliquiditätsquoten (LCR + NSFR, s.o.) wird die Möglichkeit der Fristentransformation bei Finanzinstituten deutlich einschränken. Somit muss beispielsweise ein Investitionskredit mit einer Restlaufzeit ≥ 1 Jahr unter Basel III immer langfristig refinanziert werden. Bei einer normalen Zinsstrukturkurve ist jedoch diese langfristige Refinanzierung deutlich teurer als die kurzfristige. Die Refinanzierungskosten werden voraussichtlich steigen (s. Tabelle 2).

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Details

Seiten
6
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640788293
Dateigröße
691 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v164017
Note
Schlagworte
Basel Grundideen

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