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Die Geschichte der sozialen Arbeit am Beispiel der Arbeiterwohlfahrt

Unter besonderer Berücksichtigung der Kindergärten

Hausarbeit 2010 24 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Geschichte der Arbeiterwohlfahrt
2.1. Geschichtlicher Hintergrund
2.2. Die Arbeiterwohlfahrt von 1919 - 1933
2.2.1 Die Gründung der AWO
2.3. Warum wurde ein Wohlfahrtsverband benötigt?
2.4. Entwicklung und weiterer Verlauf
2.5. Die Auflösung
2.6. Die Arbeiterwohlfahrt nach 1946
2.6.1 Neubeginn und Wiederaufbau
2.7. Die AWO heute
2.7.1. Die AWO als modernes Dienstleistungsunternehmen
2.8. Leitbild der AWO

3. Der Kindergarten: von der Kleinkinderbewahranstalt zur Bildungseinrichtung

4. Der Kindergarten der AWO
4.1. Geschichtlicher Hintergrund
4.2. Entstehung und Gründung
4.3. Der Kindergarten heute als moderne Bildungseinrichtung am Beispiel der Kita Jan - Koopmann (Oldenburg)

5. Resümee

6. Literaturangaben

1. Einleitung

Im Rahmen des Seminars zur „Geschichte der sozialen Arbeit“ möchte ich mich in der vorliegenden Hausarbeit mit der Geschichte der Arbeiterwohlfahrt (AWO) beschäftigen.

Verglichen mit Diakonie und Caritas ist die AWO ein relativ junger Verband. Mich hat jedoch die Gründungsidee besonders angesprochen um mich einmal näher mit der Entstehungsgeschichte zu beschäftigen. Bei meiner (Literatur-) Recherche habe ich feststellen können, das die AWO sich aufgrund ihrer geringen Anzahl von Kinderbetreuungseinrichtungen in der gesamten Trägerlandschaft stets bemüht hat, Einrichtungen mit Modellcharakter zu schaffen um eine fortschrittliche Pädagogik zu forcieren. Die AWO hat ebenfalls als einer der ersten Wohlfahrtsverbände begonnen ein Qualitätsmanagement einzuführen und damit die Qualität in den Einrichtungen zu sichern und Qualitätsstandards für die pädagogische Arbeit festzulegen.

Um die historische Situation zu verdeutlichen beginnt meine Arbeit mit einer kurzem geschichtlichen Hintergrundinformation. Anhand einer chronologischen Übersicht möchte ich darstellen, welchen gesellschaftspolitischen Stellenwert die Institution einnahm und einnimmt, mit welchen Schwierigkeiten sie sich auseinandersetzen musste und welche Konsequenzen sich daraus für die Zukunft abgeleitet haben. Durch diesen Verlauf wird die Entwicklung von einer Selbsthilfeorganisation zu einem der führenden Wohlfahrtsverbände sichtbar und deutlich, der in vielen Bereichen federführend Veränderungen herbeigeführt hat. Um die AWO als modernes Dienstleistungsunternehmen vorzustellen, gehe ich an der Stelle auf die Einführung eines Qualitätsmanagements ein. Hier zeigt sich meines Erachtens besonders die Fortschrittlichkeit des Verbandes, da sich die AWO als erster Wohlfahrtsverband mit dem Thema Qualität in der sozialen Arbeit beschäftigt hat.

Da der pädagogischen Arbeit im Elementarbereich in der Geschichte der sozialen Arbeit stets besondere Bedeutung zukam und besonders seit den PISA - Studien auch aktuell in der gesellschaftlichen Diskussion thematisiert wird, möchte ich auf die Bedeutung der Kindergärten der AWO in dieser Arbeit besonders eingehen. Und versuchen herauszufinden, ob der Aspekt der Modellhaftigkeit auch heute noch berücksichtigt wird.

Dabei werde ich mich exemplarisch der Geschichte der AWO Kita Jan- Koopmann in Oldenburg widmen, da ich davon ausgehe, das anhand eines konkreten Beispiels diese Entwicklung besonders gut nachvollzogen werden kann. Dieses eine Beispiel ist sicherlich nicht repräsentativ, zeigt aber in einem regionalen Bezug deutlich auf, wie sich die pädagogische Arbeit an die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen anpassen muss.

2. Geschichte der Arbeiterwohlfahrt

2.1. Geschichtlicher Hintergrund

Nach dem 1. Weltkrieg ist Deutschland zerstört und politisch, wirtschaftlich und sozial völlig ruiniert. Aus der Novemberrevolution geht am 09.11.1918 die Weimarer Republik hervor. Die Weimarer Republik lässt sich in drei Phasen gliedern: Die Krisenjahre 1919 -1923, eine Phase relativer Stabilität, wirtschaftlicher Erholung und außenpolitischer Anerkennung und Wertschätzung 1924 -1929. Mit Beginn der Weltwirtschaftskrise Ende 1929 und dem Aufstieg der Nationalsozialisten 1930 beginnt schließlich der Untergang der Weimarer Republik.

Die junge Republik hat mit den Kriegsfolgen, mit Hyperinflation sowie zahlreichen Umsturzversuchen zu kämpfen. Millionen Menschen hungern und sind in Not. Die Arbeitslosenquote ist kurz nach dem 1. Weltkrieg extrem hoch. Von 1,3 Millionen Arbeitslosen im Jahr 1918 steigt sie bis Anfang 1919 auf 3 Millionen an. Zu der Zeit leben in Deutschland ca.

62.411.000 Einwohner. Diese bisher nicht gekannte Massenverelendung in Deutschland benötigte dringend ein neues Wesen der Wohlfahrtspflege, welches durch die Gesetzgebung der Weimarer Republik realisiert wurde. Diese Wohlfahrtspflege gliederte sich in wirtschaftlicher, gesundheitlicher und Jugendwohlfahrtspflege, die sich teilweise überschnitten. In erster Linie waren Landeswohlfahrtsämter und Bezirksfürsorge - Verbände für die Betreuung von Schwangeren, Wöchnerinnen, Säuglingen und Kleinkindern, unterernährten Kindern, verwahrlosten Kindern, gefährdeten Mädchen, Kleinrentnern, Erwerbslosen, Trinkern, Körperbehinderten und Kriegsversehrten zuständig.

Während dieser Zeit wurde die SPD zur Staatsgründerpartei mit dem sozialpolitischen Ziel, die unterdrückende Armenpflege abzulösen und die Idee der Selbsthilfe und Solidarität in eine moderne Wohlfahrtspflege hineinzutragen.

Problematisch war ebenfalls, das Großteile der Bevölkerung die bürgerliche Demokratie und Republik ablehnten.

Den Sozialdemokraten wurde von der Linken vorgeworfen, die Ideale der Arbeiterbewegung zu verraten, weil sie sich mit der alten Elite zusammen tat. Die Rechte dagegen machte die Anhänger der Republik für die Niederlage im ersten Weltkrieg verantwortlich. Die „Dolchstosslegende“ besagt, dass die Kriegsniederlage vom militärischen in den zivilen Bereich verschoben wurde. Immer mehr Deutsche glaubten nicht daran, das die Fortsetzung des Krieges sinnvoll und erfolgreich sei. In den goldenen Zwanzigern (1924 - 1929) fand eine relative wirtschaftliche und politische Stabilisierung statt. Das Ansehen der Weimarer Republik im Ausland wurde durch den Abschluss verschiedener Wirtschaftsverträge gestärkt. Deutschland wurde wieder zu einem gleichberechtigten Partner in der internationalen Gemeinschaft.

2.2. Die Arbeiterwohlfahrt von 1919 - 1945

2.2.1 Die Gründung der AWO

Durch Revolution und Gründung der Weimarer Republik verwandelte sich die SPD von einer Klassenkampfpartei zu einer Volkspartei. Die Sozialdemokratin Marie Juchacz rief 1919 den Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt in der SPD ins Leben. Juchacz sah die Notwendigkeit einer Arbeiterschichteigenen Wohlfahrtspflege. Die unterdrückende Armenpflege des alten Kaiserregimes abzulösen sollte das politisches Ziel sein. Außerdem sollte die Idee der Hilfe zur Selbsthilfe umgesetzt werden. Marie Juchacz wurde 1879 geboren und starb 1956. Sie war Frauensekretärin beim Parteivorstand der SPD und die erste parlamentarische Rednerin im ersten frei gewählten deutschen Parlament. In der Geschichte der Frauenbewegung spielte sie eine bedeutende Rolle im Kampf um die Gleichberechtigung der Frau. Der erste deutsche Reichspräsident Friedrich Ebert gab dem neuen Wohlfahrtsverband folgendes Motto mit auf den Weg: „ Arbeiterwohlfahrt ist die Selbsthilfe der Arbeiterschaft“. Dies zeigte sich auch in den damaligen Aufgabengebieten wie z.B. der eigenen Arbeitsstellenvermittlung, der Darlehenskasse für Arbeiter die sich aus Arbeiterbeiträgen speiste sowie in Fortbildungen der Arbeiter. Die AWO ist bei ihrer Gründung eine politische Interessengemeinschaft, deren Mitglieder sich für soziale Gerechtigkeit und sozialen Fortschritt einsetzen. Es bestand kein Vereinsstatus, sondern Juchacz wählte die lose Form eines Ausschusses, in dem nur ehrenamtliche Mitarbeiter tätig sind. Neben der Interessenvertretung der Arbeiterschaft sollte die Politisierung der Frauen und die Frauenpolitik gefördert werden.

2.2. Warum wurde ein Wohlfahrtsverband benötigt?

Die politische, wirtschaftliche und soziale Lage ist nach dem 1. Weltkrieg in Deutschland katastrophal. Gesellschaftliche Angelegenheiten und damit auch die Wohlfahrtspflege wurden von der Sozialdemokratie als alleinige Aufgabe des Staates betrachtet. Die herrschende Not und damit einhergehende Massenverelendung nach Kriegsende war jedoch nicht alleine vom Staat zu bewältigen. Daher wurden vorübergehend freie Wohlfahrtsverbände zur Unterstützung akzeptiert.

Die diskriminierende öffentliche „Armenpflege“ sollte schrittweise durch eine moderne Fürsorgegesetzgebung überwunden werden. Man hoffte, über die Idee der Hilfe zur Selbsthilfe, praktische und theoretische Schulungen der Arbeiterschaft und den Einsatz von Arbeitern als Multiplikatoren auf eine rasche Realisierung der Demokratie. Die Arbeiterwohlfahrt sollte dabei den Gegenpol zur staatlichen Wohlfahrt bilden, die sich speziell um die Belange und Interessen der Arbeiter kümmert. Da sich die Mitglieder jedoch allgemein für soziale Gerechtigkeit und sozialen Fortschritt einsetzen, war die Arbeiterwohlfahrt niemals eine Gemeinschaft die ausschließlich nur der Arbeiterschaft diente.

2.4. Entwicklung und weiterer Verlauf

1920 wurden die vorläufigen Richtlinien des Hauptausschusses der Arbeiterwohlfahrt veröffentlicht. Sie waren bis 1933 gültig. Schwerpunkt dieser Richtlinien waren:

- Gewinnung von ehrenamtlichen HelferInnen
- Einflussnahme auf die soziale Gesetzgebung und Praxis
- Mitsprache bei allen Behörden und Gremien im sozialen Bereich Vertretung der Arbeiterinteressen
- Werbung neuer MitarbeiterInnen

In den Notzeiten der zwanziger Jahre entstanden viele Einrichtungen der AWO wie Nähstuben, Mittagstische, Werkstätten und Beratungsstellen mit dem Ziel, Not zu lindern und vorzubeugen, Wohlfahrtspflege zu verbessern und moderne pädagogische Methoden anzuwenden. Eine Vielzahl sozialdemokratischer Männer und Frauen wurden für einen sozialen Beruf ausgebildet.

In vier Reichskonferenzen in der Zeit von 1921 - 1929 beschäftigte sich die Arbeiterwohlfahrt kritisch mit der Entwicklung des Verbandes und erarbeitete Stellungnahmen zu akuten sozialen Problemen. Zwischen den einzelnen Reichskonferenzen fanden zentrale Tagungen statt, zu aktuellen Themen oder politischen Ereignissen, die soziales Handeln erforderlich machten.

In den Jahren 1924 - 1929 zeigt sich in der deutschen Wirtschaft langsam ein Aufschwung, und auch die Arbeiterwohlfahrt gewinnt zunehmend an Bedeutung und Einfluss. 1926 wird die AWO als Reichsspitzenverband der freien Wohlfahrtspflege anerkannt.

Die in 1260 Ortsausschüssen tätigen ehrenamtlichen Mitarbeiter wurden auf regionaler und örtlicher Ebene umfassend geschult, um sie für ihre Aufgaben besser zu qualifizieren.

Um die entstandenen und entstehenden sozialen Dienste finanzieren zu können, wurden seit 1925 von der AWO eine eigene Lotterie veranstaltet und Arbeiter - Wohlfahrtsmarken verkauft.

Als sich Ende 1929 die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auch in Deutschland zeigten, protestierte die AWO gegen die Sparmaßnahmen. Die Leistungen der Fürsorge und insbesondere die vorbeugenden Maßnahmen sollten erhalten bleiben. In den Ortsausschüssen griff man auf einfache Hilfsformen (Speisungen, Abgabe von Naturalien, Bekleidungen, Gutscheine für Lebensmittel und Kohlen) zurück, die sich bereits in den Krisenjahren zu Beginn der Weimarer Republik bewährt hatten.

Trotz dieser Erschwernisse führte der Hauptausschuss seine zentralen Aufgaben weiter fort und unterstützte die örtlichen Aktivitäten durch finanzielle Zuschüsse und Anregungen.

Das Krisenjahr 1929 war auch gleichzeitig das 10-jährige Gründungsjahr der AWO. Unter dem Vorsitz von Marie Juchacz kam es anlässlich der 10- Jahres-Feier zur Gründung der Internationalen Arbeiterwohlfahrt. 1931 waren dann bereits 135.000 ehrenamtliche HelferInnen der AWO in der Kindererholung und im Kinderschutz, in der Altenbetreuung und Jugendhilfe, in Notstandsküchen und Werkstätten für Behinderte und Erwerbslose und in Selbsthilfenähstuben tätig.

2.5. Die Auflösung

Mit Beginn der Machübernahme am 30.01.1933 durch Adolf Hitler endete der verheißungsvolle Aufschwung der Arbeiterwohlfahrt. Als einziger Wohlfahrtsverband wurde die AWO von den Nationalsozialisten verboten und zwangsweise aufgelöst. Vorher gründete der Hauptausschuss jedoch eine Tarnorganisation. Unter dem Namen „Deutsch - Ausländisches - Jugendhilfswerk e.V.“ wurden die Hilfsmaßnahmen für Verfolgte und ihre Familien weiterverfolgt. Dieses Jugendhilfswerk wurde mit einem namhaften Geldbetrag ausgestattet. So war es noch bis 1936 möglich, notleidenden Familien mit Paketsendungen zu helfen. In Berlin - Reinickendorf unterhielt das Hilfswerk noch einen Kindergarten, in dem fast nur jüdische Kinder betreut wurden.

Als dann der Hauptausschuss im Mai 1933 von einem Beauftragten der Deutschen Arbeiterfront übernommen wurde, verließen allerorten sämtliche Mitglieder, HelferInnen sowie auch die Funktionäre der Organisation die AWO. Das Vermögen und die Einrichtungen der AWO wurden deshalb beschlagnahmt und in die nationalsozialistische Volkswohlfahrt überführt.

Die AWO hatte aufgehört als Organisation zu existieren. Führende Frauen und Männer der AWO mussten emigrieren. Unter anderem auch Marie Juchacz, die ins Saarland emigrierte. Solange es die Mittel zuließen, wurde jedoch die Hilfe für Verfolgte des Naziregimes und Notleidende fortgesetzt. In Paris gründeten bereits im Sommer 1933 sozialdemokratische Emigranten eine Arbeitsgemeinschaft und Selbsthilfeorganisation, die sie Arbeiterwohlfahrt Paris (Oeuvre socialdemocrate allemande) nannten. Dem Vorstand gehörte unter anderem auch Marie Juchacz an. Der chronische Geldmangel, unter dem die Organisation leiden musste, brachte jedoch die praktische Hilfstätigkeit vor Ort zeitweise zum Erliegen.

2.6. Die Arbeiterwohlfahrt nach 1946

2.6.1 Neubeginn und Wiederaufbau

Nach dem Zusammenbruch des Hitlerreiches fanden sich im Mai 1945 Mitglieder und Freunde der ehemaligen AWO zusammen, um den Verband wieder neu zu gründen. Zunächst war die Gründung von Vereinen jedoch verboten, auf Antrag und unter Auflagen konnte jedoch Vereine zugelassen werden. 1946 wurde die AWO dann als parteipolitisch und konfessionell unabhängige und selbständige Organisation wieder ins Leben gerufen. In der sowjetisch besetzen Zone und in der späteren DDR durfte die AWO nicht tätig werden. Eine Ausnahme existierte in Ost - Berlin, dort durfte die AWO aufgrund ihrer Zulassung bis zum Mauerbau 1961 tätig sein.

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Details

Seiten
24
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640791101
ISBN (Buch)
9783640791132
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v164323
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,7
Schlagworte
Geschichte Arbeit Beispiel Arbeiterwohlfahrt Unter Berücksichtigung Kindergärten

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