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Überblick über die systemische Familientherapie

Seminararbeit 2006 15 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Geschichte der systemischen Therapie

3. Überblick über die systemische Familientherapie

4. Familientherapeutische Techniken und Ideen

7. Zusammenfassung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ich interessierte mich für systemisch e Methoden und das Denken von systemischen Therapeuten.

Meiner Meinung, nach kann sich ein Symptomträger nur verändern, wenn sich das System ändert indem er lebt und agiert.

Die noch relativ junge systemische Therapie, ist dadurch ein wichtiges Feld im pädago gischen Handeln mit symptombehafteten Menschen.

Mein Interesse an dieser Form der Therapie, veranlasste mich, diese Seminararb eit über die systemische Familientherapie zu schreiben.

Ich werde auf die Geschichte eingehen, sowie einen Üb erblick der systemischen Therapie, mit ihren Techniken und Ideen, d arlegen.

2. Die Geschichte der systemischen Therapie

In Sigmund Freuds psychoanalytischer Ther apie neurotischer Ehekonflikte und der Kindertherapie Anfang des 20. Jahrhunderts finden sich Vorläufer der systemischen Familientherapie. Alfred Adler entwickelte, Ende der zwanziger Jahre des vergangen Jahrhunderts, ein Modell zur Einbeziehung ganzer Familien in die Familien- und Erziehungsberatung.

Allerdings wurd en diese Ansätze erst in den fünfziger Jahren in den USA systemisch weiterentwickelt. Besonders die Forschungsarbeiten zur Schizophrenie trieben die Entwicklung familientherapeutischer Ideen voran.

Die familientherapeutische und systemische Theorie wäre ohne weitere Entwicklungen in anderen Wissenschaften undenkbar. Denn sie lösten einen neuen Paradigmenwechsel aus.

Die Beziehung zwischen den Objekten trat in den Vordergrund und damit eine neue Sichtweise und Beobachtung von Phänomenen.

Die Familientherapeuten hatten in den fünfziger Jahren noch großes Aufsehen erregt.

Denn sie wagten sich ü ber die Grenzen des Erlaubten hinaus und setzten damit ihr berufliches Ansehen aufs Spiel. Es wurde viel Kritik aus der traditionellen psychotherapeutischen Welt geäußert.

Die weitere Entwicklung der systemischen Familientherapie ist mit Namen wie Virginia Satir, Mara Selvini-Palazzoli und der Heidelberger Schule für Familientherapie verbunden.

In Europa verstärkte sich der Zustrom von familientherapeutischen Ansätzen und Methoden aus den USA erst in den siebziger Jahren. Institute für Familientherapie wurden gegründet, darunter in Mailand, Weinheim und Heidelberg. Die „Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Familientherapie“ (DAF) entstand Ende der siebziger Jahre.

Ende der achtziger Jahre wird der „Dachverband für Familientherapie und systemisches Arbeiten“ (DFS) gegründet, 1993 die „Systemische Gesellsch aft“ (SG). 2001 schließen sich DAF und DFS zusammen und gründen die „Deutsche Gesellschaft für systemische Familientherapie“ (DGSF).

Laut Schätzungen sind derzeit mehr als 3000 Familien – und PartnertherapeutInnen bundesweit tätig. Mehr als 10000 Personen haben eine Weiterbildung im Bereich Familientherapie ab solviert und arbeiten im psychosozialen Bereich.

3. Überblick über die systemische Familientherapie

Der Begriff systemisch / systemische Familientherapie:

Die systemische Familientherapie ist ein psychologisches Verfahren, dass zwar in erster Linie gesprächs- und verhaltenorientiert ist, aber auch darstellend-kreative Techniken einsetzt.

Nach systemischem Verständnis ist der Mensch immer zugleich als biologisches und als soziales Wesen zu betrachten. Deshalb richtet sich eine systemische Perspektive auf die dynamische Wechselwirkung zwischen den biologischen und psychischen Eigenschaften einerseits und den sozialen Bedin gungen des Lebens anderseits. „Systemisches Denken erfaßt Ganzheiten und nicht Individuen.“ (Von Schlippe, 1984, S. 30)

Individuelle Symptome werden immer als Er gebnis von krankheitserzeugenden und – aufrechterh altenden Beziehungsmustern im Kon text der wichtigsten Bezugspersonen gesehen.

Systemisch bedeutet, das Problem eines Familienmitgliedes wird nicht isoliert betrachtet, sondern man bezieht das Verhalten aller Familienmitglieder ein.

Ausgehend von den persönlichen Situationen, wird mit Hilfe des Therapeuten, dass Geflecht der Beziehung Stück für Stück entwirrt.

Die Probleme und Symptome sind nicht pathologisch, sondern eine Rollendefinition und Rollenfestschreibung ein es sozialen Systems.

„Plötzlich wird das Ineinanderverflochtensein der einzelnen Probleme deu tlich, und der Blick weitet sich aus: wir als Familie stehen unter Belastung, uns geht es nicht gut – nicht nur dem einen Kind .“ (Von Schlippe, 1984, S. 84)

Die Zielgruppe:

Die rein auf Familien ausgerichtete Form der Therapie wurde im Rahmen der systemischen Therapie erweitert und wird auch bei anderen sozialen Netzwerken angewend et.

So sind als Zielgr upp en Organisationen, Arbeitsteams und andere soziale Netzwerke zu finden.

Im traditionellen Sinn bezieht sie sich auf das gesamte Familiensystem, als auch Teilsysteme und Einzelpersonen.

Die Ziele:

Es sollen neue Sichtweisen entwickelt, sowie Lösungen gefunden werden. Diese sollte man angstfrei ausprobieren können. Der symptombehaftete Patient sollte sich wieder lebendig und wohl innerhalb seiner Familie, der Arbeitswelt und seinem restlichen sozialen Netzwerk fühlen .

Die Autonomie und der Selbstwert jeder einzelnen Person bzw. Familienmitgliedes sollte gestärkt werden. Die Zusammenarbeit untereinander muss gefestigt werden, um die Kommunikation zu verbessern. Nur so kann man schädigende Beziehungsmuster verändern.

Die Theorie:

Die systemische Therapie ist lösungs- und nicht problemorientiert. Sie geht davon aus, dass die Problemgeschichte, für das Finden von Lösungen wenig relevant ist.

„Es wird nicht nach Ursache und Schuld gefragt, [ …].“ (Schindler (Hrsg.), 1996, S. 16) Die natürlich gegebenen Ressourcen der Familie sollen nutzbar gemacht werden.

„Diese Einladung zur Veränderung der Richtung der Wahrnehmun g heißt, von Anfang an vorhandene Ressourcen zu betonen und zu nutzen, auf die Stärken zu bauen.“ (Vogt- Hillmann, Burr, 1999, S. 174)

Es wird davon ausgegangen, dass jede Person, seine eigene Wirklichkeit besitzt. Es gibt also nicht „die richtige“ Wirklichkeit.

„Systemisches Denken findet Realität nicht in der Substanz, sondern in der Relation.“l(Von Schlippe, 1984, S. 29)

Rechtliche Grundlagen :

Im KJHG werden im § 34 Aussagen zur Heimunterbringung getätigt, die zur einer systemischen Arb eit im Heim animieren: „[…] Verbesserung der Erziehungsbedin gun gen in der Herkunftsfamilie [ …].“ (Jugendrecht, 2004, S. 27) Schließlich wird im § 37 in Bezug auf Heim und Familie formuliert: „Durch Beratung und Unterstützung sollen die Erziehungsbedingungen in der Herkunftsfamilie innerhalb eines in Hinblick auf die Entwicklung des Kindes oder Jugendlichen vertretbaren Zeitraums soweit verbessert werden, daß sie das Kind oder den Jugendlichen wieder selbst erziehen können. Während dieser Zeit soll durch begleitende Beratung und Unterstützung der Familien darauf hingewirkt werden, daß die Beziehung des Kindes oder Jugendlichen zur Herkunftsfamilie gefördert wird“. (Jugendrecht, 2004, S. 29) Die reine systemische Familientherapie kann sich am § 27, Absatz 3, Satz 1 des KHJG orientieren.

Ethische Grundlagen:

Die Ziele und Vorgeh ensweise der systemischen Familientherapie widersprechen keinen humanen Grundsätzen. Die angestrebte Autonomie und Selbstverantwortlichkeit der einzelnen Systemmitglieder, sowie eine Veränderung des Leid erzeugenden Musters des Systems, werden ethisch als eine positive angestrebte Zielstellung b etrachtet.

Die Achtung der Wirklichkeitskonstruktionen jedes Einzelnen, sowie die Orientierung an den Auftr ägen der KlientInn en, tragen zu einem transparenten Therapieprozess bei.

Weitergehend sollte der Therapeut sich selbst genau kennen, sich wertschätzen und eine Selbstachtung gegenüber seiner eigenen Person aufweisen.

„Über ein gewisses Maß an Selbstachtung sollte ein Therapeut verfügen. Wer ständig mit dem eigen en inneren Abwerter beschäftigt ist, wird es schwer haben, sich nicht auch nach außen gegen ihn zur Wehr setzen zu müssen.“ (Von Schlippe, 1984, S. 81)

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Details

Seiten
15
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640795727
ISBN (Buch)
9783640795994
Dateigröße
386 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v164560
Institution / Hochschule
Berufsakademie Sachsen in Breitenbrunn – Berufsakademie
Note
Schlagworte
Pädagogik systemisch familientherapeutisch Familientherapie

Autor

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Titel: Überblick über die systemische Familientherapie