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P. – ein Fall für die heilpädagogische Förderung mit dem Pferd?

Hausarbeit zur Zusatzqualifikation des DKTHR im heilpädagogischen Voltigieren und Reiten

Hausarbeit 2009 22 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhalt

Hinführung

I. Theoretischer Hintergrund
1. Der Ort der Durchführung: Pferdehof H:
1.1 Die Reitpädagogin
1.2 Die Therapiepferde
2. Fallbeispiel P
2.1 Begriffsdefinitionen
2.1.1 Spastik als eine Form der frühkindlichen Hirnschädigung
2.1.2 Selbstwertgefühl
2.2 Anamnese
3. Eignung der HFP als Maßnahme

II. Praktische Durchführung der HFP – Einheiten
1. Erste Einschätzung des Jugendlichen
2. Zielformulierung
2.1 Stärkung des Selbstwertgefühls als Fernziel
2.2 Selbstwirksamkeit erleben als Nahziel
3. Darstellung der durchgeführten Reiteinheiten
3.1 Weiterer Verlauf der Planung
4. Diskussion und Kritik der praktischen Arbeit

III. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Hinführung

Seit meiner frühen Kindheit gehören Pferde und das Reiten zu den für mich haltgebenden Bestandteilen meines Lebens. Auch ich gehörte zu diesen pferdenärrischen Mädchen, die nur ein Thema kennen: Pferde. Frühes Aufstehen oder schlechtes Wetter hielten mich nicht davon ab, die meiste freie Zeit im Reitstall zu verbringen. Meine Begeisterung für diese faszinierenden Geschöpfe ist und bleibt fest in mir verwurzelt. Sie geben mir Kraft und Selbstsicherheit und sorgen nach einem anstrengenden Tag für die nötige Ruhe und Entspannung. Ein Leben ohne Pferde? Für mich undenkbar!

Als ich zu Beginn meines Sonderpädagogikstudiums das erste Mal bewusst etwas vom Therapeutischen Reiten hörte, bahnte sich damals bereits mein späterer Werdegang an. Denn welch bessere Möglichkeit gibt es für mich, meinen Beruf als Sonderschullehrerin mit meinem Hobby, das Reiten zu verbinden? Schnell war klar, dass ich nach abgeschlossener Berufsausbildung die Ausbildung zur Reitpädagogin beginne.

So suchte ich mir vor Beginn des Grundkurses zur Zusatzqualifikation im Heilpädagogischen Reiten und Voltigieren eine geeignete Praktikumsstelle, bei der ich die beiden geforderten Praktika absolvieren konnte. Da sich in meiner näheren Umgebung keine qualifizierte, vom Kuratorium zertifizierte Reitpädagogin fand, kam schließlich über einen Arbeitskollegen der Kontakt mit Frau H. zustande. Nach einem kurzen Telefonat vereinbarten wir sogleich einen Schnuppertag, an dem wir genauere Details und das weitere Vorgehen besprachen. Von den wöchentlichen Besuchen erwartete ich mir nicht nur Lernfortschritte bezüglich meiner angestrebten Ausbildung in der Heilpädagogischen Förderung mit dem Pferd (im Folgenden „HFP“), sondern ebenfalls neue Erkenntnisse und Fördermöglichkeiten im Hinblick auf meine schulische Tätigkeit. Meine Ausbildung als Sonderschullehrerin mit dem Schwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung erleichterte mir schlussendlich auch die Entscheidung, die Arbeit mit dem körperbehinderten P., der sich freundlicherweise für die vorliegende Ausarbeitung zur Verfügung stellte, aufzunehmen. Aufgrund zahlreicher Erfahrungen mit körperbehinderten Kindern und Jugendlichen hatte ich von Anfang an keinerlei Berührungsängste und war hochmotiviert, ihn im Rahmen meiner Praktikumstätigkeit pädagogisch zu fördern.

Den Aufbau der verfassten Arbeit werde ich nun im Folgenden kurz umreißen.

Sieht man von der Einleitung als ersten Gliederungspunkt ab, besteht die Arbeit aus zwei Hauptteilen, die in sich nochmals weiter unterteilt sind. Der erste Abschnitt beschäftigt sich mit eher theoretischen Grundlagen, im zweiten Teil wird die Arbeit um die praxisorientierte Darstellung der von mir geleiteten HFP – Einheiten mit P. ergänzt.

Als Einstieg wird ein kurzer Abriss der vorgefundenen Rahmenbedingungen angeführt, im Speziellen der Ort der Durchführung, die zuständige Reitpädagogin sowie deren Therapiepferde. Anschließend liegt der Schwerpunkt auf P., der sich mir als Klient für die Durchführung der Reiteinheiten anbot. Auf eine begriffliche Abklärung der bei dem Jugendlichen vorliegenden Diagnose folgt ein Überblick über seinen bisherigen Lebenslauf. Abgeschlossen wird der erste Teil mit einer Überprüfung, ob in P.s Situation die HFP als angemessene Fördermaßnahme geeignet ist.

Der zweite Abschnitt beginnt mit einer ersten Einschätzung des Jugendlichen in den einzelnen Entwicklungsbereichen. An die Formulierung der Zielvorstellungen schließt sich ein Überblick über die durchgeführten Reiteinheiten an, in welchen an geeigneten Stellen auch die Ergebnisse der erfolgten Beobachtungsmomente mit einfließen. Abgeschlossen wird der praxisorientierte Teil zunächst mit einem kurzen Ausblick auf den weiteren Verlauf der Förderung sowie einer durchaus kritischen Diskussion der erfolgten Praktikumstätigkeit.

Die Arbeit endet mit einer Schlussbetrachtung, in der die Ausführungen abschließend noch einmal kurz beleuchtet werden.

I. Theoretischer Hintergrund

Ein kurzer Einblick in die gegebenen Rahmenbedingungen soll eine genauere Vorstellung meiner praktischen Arbeit ermöglichen.

1. Der Ort der Durchführung: Pferdehof H:

Der Pferdehof H., der als anerkannte Einrichtung für das Therapeutische Reiten beim DKThR gekennzeichnet ist, liegt idyllisch gelegen bei S. in der Nähe von St.. Gemeinsam mit Ehemann C. J. wird dieser von Frau U. H. geleitet. Umgeben von Wald, Wiesen und Feldern hat sich Familie H. hier ihr eigenes Paradies abseits von Hektik und Lärm geschaffen. Das kleine Bauernhaus bietet Unterstellmöglichkeiten für vier Pferde, die direkt an den Wohnbereich angeschlossen sind. Zwischen Stall und Wohnhaus befindet sich ein Aufenthaltsraum, in dem zum einen die benötigten Pferdeutensilien aufbewahrt werden, zum anderen aber vor allem für Eltern oder sonstige Begleitpersonen die Möglichkeit besteht, sich die Wartezeit bei einer Tasse Kaffee zu verkürzen und mit anderen Eltern ins Gespräch zu kommen. Bei milderen Temperaturen wird dieser Austausch jedoch auch gerne auf die Terrasse des Hauses verlegt.

Desweiteren verfügt der Hof über eine kleine Bewegungshalle, einen Reitplatz, weitläufige Koppeln und ein wunderbares Ausreitgelände. Vor der Reithalle ist zudem eine mobile Rampe angebracht, um Rollstuhlfahrern oder kleineren Klienten den Aufstieg auf das Pferd zu erleichtern.

1.1 Die Reitpädagogin

Seit 1994 führt Frau H. das Therapeutische Reiten auf íhrem Hof durch. Sie ist gelernte Diplom-Sozialpädagogin, besitzt eine Lehrqualifikation für Psychomotorik, arbeitet als Dozentin an der Fachakademie für Sozialpädagogik und betreibt zusammen mit ihrem Mann eine Praxis zur Erziehungs-, Paar- und Familienberatung. Im Bereich des therapeutischen Reitens erlangte sie sowohl die Qualifikation zur Reitpädagogin als auch zur Ausbilderin im Reiten als Sport für Menschen mit Behinderung.

Frau H. hat zwei erwachsene Töchter, S. und K., die ihr an Wochenenden oder während der vorlesungsfreien Zeit bei der Durchführung der Reiteinheiten zur Hand gehen.

1.2 Die Therapiepferde

Auf dem Pferdehof H. sind derzeit vier Therapiepferde untergebracht: zwei Lewitzerponys, (Conny und Caline), ein Shagya – Araber (Amira) und ein Araber – Mix (Sultan). Alle Pferde sind zwischen 13 und 23 Jahre alt. Da die Familie H. aus insgesamt vier Personen besteht, ist jedem Familienmitglied eines der Pferde zugeordnet: Conny ist das Pony der älteren Tochter K. und gleichzeitig die Mutter von Ponystute Caline, die auf dem Hof geboren wurde. Die wiederum gehört der jüngeren Tochter S., der Shagya - Araber Amira ist im Besitz von Ehemann C. J. und Sultan ist das Pferd von U. H.. Nichtsdestotrotz werden alle Pferde gleichermaßen für die Therapie eingesetzt, letztendlich auch deswegen, um mehr Alternativen bei der Auswahl des richtigen Pferdes die einzelnen Klienten zu haben.

Zur Durchführung der Reiteinheiten wurden meistens gewöhnliche Satteldecken, Voltigierpads oder Lammfelldecken in Verbindung mit einem Therapiegurt verwendet, aber auch Sättel kamen zum Einsatz. Abhängig vom Reiter wurden die Pferde mit einer Trense oder einem merotischen Reithalfter gezäumt.

Alle Pferde wurden eigenhändig von Familie H. für das Therapeutische Reiten ausgebildet und genossen eine sorgfältige Führausbildung, bei der sie gelernt haben auf körpersprachliche und verbale Signale zu gehorchen. Dadurch erweisen sie sich allesamt als nervenstarke und verlässliche Partner. Zudem schätzt Frau H. durch die jahrelang gewachsene und intensive Beziehung zu ihren Pferden kritische Momente oft richtig ein und handelt dementsprechend. So nahm sie beispielsweise während meiner Praktikumszeit ein oder mehrere Pferde eine Zeitlang aus der Therapie oder „sperrte“ sie für bestimmte Klienten.

Dennoch steht immer wieder das gezielte Einüben bestimmter Settings und die dressurmäßige Arbeit im Vordergrund, um den sicheren Einsatz der Pferde in der Therapie und die Taktreinheit des Gangbildes in den drei Grundgangarten zu gewährleisten.

2. Fallbeispiel P.

Während meiner Praktikumszeit nahmen zwölf Kinder und Jugendliche regelmäßig einmal wöchentlich (mittwochs, donnerstags oder samstags) an der HFP bei Frau H. teil. Da es mir aus beruflichen Gründen nur möglich war, das Praktikum samstags durchzuführen, beschränkte sich die Auswahl der potentiellen Kandidaten für meine Hausarbeit auf ein paar wenige. Zunächst fiel meine Wahl auf ein siebenjähriges Zwillingsmädchen, das erst vor kurzem mit dem Therapeutischen Reiten auf dem Hof begonnen hatte. C.und ihre Schwester, die ebenfalls zum Reiten kam, waren Frühgeburten und zeigten deutlich erkennbare Entwicklungsverzögerungen im sprachlichen, motorischen und auch emotionalen Bereich. C. schien mir geradezu „perfekt“ für mein Vorhaben. Anfangs erklärte sich auch Frau H. damit einverstanden und war im Begriff, den Erstkontakt zu den Eltern für mich herzustellen. Bei meinem nächsten Besuch jedoch äußerte sie große Bedenken dahingehend, dass sie keinen Beziehungsabbruch zwischen C. und mir riskieren wollte, sobald ich meine Arbeit beendet hatte. Desweiteren kannte sie die Zwillingseltern noch zu wenig, um einschätzen zu können, ob sie in das Vorhaben einwilligen würden. So kam es, dass sie mich darum bat, mich für meine Arbeit auf P., einen 17-jährigen Jugendlichen, zu konzentrieren.

P. war mir bereits von meinem ersten Praktikum her bekannt, weswegen sich zunächst auch einige Bedenken dahingehend einschlichen, ob der Jugendliche aufgrund seiner Diagnose überhaupt für meine geplante Arbeit geeignet und grundsätzlich nicht eher im Bereich der Hippotherapie angesiedelt war. Da aber Frau H. selbst als Reitpädagogin und nicht als Physiotherapeutin in der Hippotherapie arbeitet und ihre Schwerpunkte eindeutig im pädagogischen und vor allem kommunikativen Bereich ansetzt, konnte ich mir nach einigen Überlegungen und Gesprächen mit Frau H. eine pädagogisch fundierte Arbeit mit P. sehr gut vorstellen. Abgesehen davon lassen sich Überschneidungen der einzelnen Bereiche des Therapeutischen Reitens nie gänzlich vermeiden und sollten daher eher als eine gegenseitige Ergänzung betrachtet werden.

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Details

Seiten
22
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640907250
ISBN (Buch)
9783640907489
Dateigröße
593 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v164615
Note
Schlagworte
HFP Heilpädagogisches Reiten

Autor

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Titel: P. – ein Fall für die heilpädagogische Förderung mit dem Pferd?