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Der Weltinformationsgipfel - Startschuss einer multilateralen Bekämpfung des Global Divide

Seminararbeit 2010 13 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Int. Organisationen u. Verbände

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Global Divide
2.1. Zum Begriff des Digital bzw. Global Divide
2.2. Zahlen und Fakten

3. Der Weltinformationsgipfel
3.1. Die Ziele des Weltinformationsgipfels
3.2. Losungsansatze zur Problematik des Global Divide

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bereits in den 60er Jahren, also weit vor der Entwicklung des World Wide Web, pragte Marshall McLuhan die Metapher vom „globalen Dorf ‘ (engl. „global Village") (Roesler & Stiegler, 2005: 73). Wahrend sich dieses Sinnbild damals eher grundlegend auf die sozialen Folgen der aufkommenden Massenmedien bezog, verstehen wir darunter heute eine, vor allem durch das Internet, weltweit vemetzte Gesellschaft: Das Wissen der Welt ist jedem Menschen auf der Erdejederzeit verfugbar (Buhl, 2000).

Diese VerheiBung wird allerdings nicht alien Menschen gleichermaBen zuteil. Blickt man auf aktuelle Statistiken, zeigt sich, dass in diesem „globalen Dorf ‘ sehr unterschiedliche Lebensverhaltnisse herrschen. Wahrend in modemen Wissensgesellschaften einige Menschen auf ihrem intemetfahigen Handy inzwischen wie selbstverstandlich Zeitungen lesen oder Bankgeschafte tatigen, hat die Halfte der Weltbevolkerung noch nicht einmal telefoniert (Rifken, 2007). Diese strukturellen Ungleichheiten bei Informations- und Kommunikationstechnologien waren Anlass fur den ersten gemeinsamen Losungsansatz auf globaler Ebene.

In den Jahren 2003 und 2005 kamen beim Weltgipfel zur Informationsgesellschaft der Vereinten Nationen (engl. World Summit on the Information Society - WSIS) Vertreter von Industrienationen und Entwicklungslandem zusammen, um gemeinsam mit nicht- staatlichen Organisationen uber die ungleiche Verteilung von Informations- und Kommunikationstechnologien zu beraten. Oberstes Ziel des Gipfels war die Bekampfung der zwei-Klassen-Kommunikations-Gesellschaft - des Digital bzw. Global Divide:

„Die Delegierten waren aufgerufen, eine Vision einer ,Informationsgesellschaft fur alle‘ zu formulieren und in einem Aktionsplan erste Schritte zur Verwirklichung dieser Version festzulegen. (Dany, 2003: 8)“.

Beim WSIS handelt es sich also um die ersten weltumspannenden Bemuhungen, die Verfugbarkeit von Informationen in einem intemationalen MaBstab zu organisieren. Ziel dieser Arbeit ist es, am Beispiel des Gipfels zu erortem, wie die Weltgemeinschaft der globalen Spaltung entgegen treten will und welche Schwierigkeiten sich bei einer multilateralen Losung dieses Problems ergeben haben. Im begrenzten Rahmen dieser Arbeit soil dies vor allem im Hinblick auf Streitfragen der Finanzierung geschehen.

In einem ersten Schritt wird zunachst eine Bestimmung des Begriffes Global Divide erfolgen und dieser als eine Dimension des Digital Divide beschrieben werden. AnschlieBend wird anhand ausgesuchter Statistiken gezeigt, wie tief der digitale Graben derzeit ist und welche Bevolkerungsgruppen er spaltet. Im darauffolgenden Abschnitt soil dann der Weltinformationsgipfel selbst und auch dessen Ziele beschrieben werden. In einem Fazit soil abschlieBend ein Ausblick auf konkrete MaBnahmen geworfen werden, die sich aus dem Gipfel heraus ergeben haben.

2. Der Global Divide

Ohne Frage bietet das World Wide Web seinen Nutzem eine immer groBer werdende Fulle an Informationen. Allerdings wurde von Kommunikationswissenschaftlem bereits zu Beginn der 70er Jahre die These formuliert, dass „eine Zunahme der verfugbaren Informationen nicht automatisch eine Zunahme des Wissens zur Folge hat, sondem eher dazu fuhrt, das bestehende Wissensdifferenzen innerhalb einer Bevolkerung im Zeitverlauf anwachsen“ (Marr, 2005: 78).

Aus dieser, vor allem auf Aspekte der Medienaneignung bezogenen, Problematik der wachsenden Wissenskluft entwickelte sich mit der zunehmenden Bedeutung des Internets die Diskussion um den Digital Divide.

2.1. Zum Begriff des Digital bzw. Global Divide

Innerhalb der Literatur existieren fur diesen Begriff unterschiedliche Definitionen und Verwendungen, dieje nach Forschungsinteresse verschiedene Aspekte in den Vordergrund rucken. Die amerikanische Politikwissenschaftlerin Pippa Norris definiert den Digital Divide als Phanomen, das grundlegend drei verschiedene Dimensionen besitzt:

„The global divide refers to the divergence of Internet access between industrialized and developing societies. The social divide concerns the gap between information rich and poor in each nation. And finally within the online community, the democratic divide signifies the difference between those who do, and do not, use the panoply of digital resources to engage, mobilize, and participate in public life” (Norris, 2001: 4).

Nachdem in dieser Definition eher eine Spaltung innerhalb bestimmter Nutzergruppen des Internets beschrieben wird, prazisiert Servon den Digital Divide im Hinblick auf die Nutzbarkeit der vielfaltigen Informationen des World Wide Web - ebenfalls anhand dreier Auspragungen: Zunachst einmal benotigt der potentielle Nutzer in erster Linie einen Computer und einen Intemetzugang, also eine gewisse technologische Basis, „but access is only the first component44 (Servon, 2002: 7). Entscheidend ist fur Servon eine gewisse Medienkompetenz, man also mit den gebotenen Informationen auch umzugehen weifi. Diesen Aspekt bezeichnet sie als „IT literacy" und nennt als Beispiel einen zwar voll ausgestatteten, aber eher sparlich genutzten Computerraum in einer Schule. Die Schuler sind prinzipiell an die Datenautobahn angeschlossen, die Lehrer verstehen es allerdings nicht zwingend, diese Ressourcen auch in ihren Unterricht einzubauen: „As with any tool, users of IT must understand and have facility to fully exploit the potential of IT in order to benefit completely from it" (ebd.). Mit den Worten „meets the needs" (ebd.) beschreibt Servon die dritte Dimension der digitalen Spaltung: Die potentiellen Nutzer mussen es nicht nur verstehen, mit dem World Wide Web umzugehen, sondem in der gebotenen Informationsfulle auch die fur sie relevanten Informationen finden konnen.

Zusammenfassend lasst sich die Problematik des Global Divide also als ein weltweiter Informationsgraben beschreiben, der Industrienationen und Entwicklungslander spaltet und uber die reinen Zugangsvoraussetzungen hinaus auch Aspekte der Qualitat der im Internet vorhanden Informationen sowie deren Nutzbarkeit umfasst. Nachdem nun die theoretische Grundlage geschaffen wurde, soil anhand ausgesuchter Statistiken ein Bild dieses Grabens im Hinblick auf die Unterschiede bei der Nutzung gezeichnet werden.

2.2. Zahlen und Fakten

Grundsatzlich konnen sich prosperierende Lander die teuren Infrastrukturen, die fur die Intemetnutzung benotigt werden, eher leisten als Entwicklungslander. Auch das durchschnittliche Bildungsniveau und die damit verbundene Medienkompetenz sind in den Industriestaaten weitaus hoher einzustufen (Hafez, 2005: 142). Insofem uberrascht es nicht, dass der zuvor beschriebene digitale Graben zwischen der ersten und dritten Welt gewaltige AusmaBe aufweist: Wahrend auf dem afrikanischen Kontinent knapp 15 Prozent der Weltbevolkerung leben, macht die Zahl der Intemetnutzer auf die Gesamtbevolkerung des Planeten berechnet lediglich 3,9 Prozent aus[1] [2]. Ein uberraschender Befund ist allerdings, dass eine weitere Spaltung vorerst gestoppt scheint und sich der Graben, auch wenn er weiterhin auf hohem Niveau besteht, langsam zu schlieBen scheint. Wie Abbildung 1 zu entnehmen ist, hat sich der Abstand zwischen den Jahren 2006 und 2007, als Basis dient hier die Zahl der Intemetnutzer auf 100 Einwohner gerechnet, erstmals verringert.

[...]


[1] Vgl. http://www.internetworldstats.com/statsl.htm (stand 10.03.2010; 19 uhr)

Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640795765
ISBN (Buch)
9783640796045
Dateigröße
576 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v164626
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,0
Schlagworte
Weltordnungspolitik Weltinformationsgipfel global divide digital divide wsis

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