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Teilnehmende Beobachtung. Formen, Methode und Kritik

Seminararbeit 2010 9 Seiten

Soziologie - Methodologie und Methoden

Leseprobe

1.Teilnehmende Beobachtung

1.1 Was ist eine teilnehmende Beobachtung

Den Ursprung soziologischer Beobachtungen in natürlichen Settings findet man in der Chicago-Schule der Soziologie aus den 20er – 40er Jahren. Das bedeutet ForscherInnen begeben sich an natürliche Schauplätze um Interviews und Beobachtungen durchzuführen und umgehen somit die künstlichen Laborsituationen, die in der Psychologie oft beliebt sind. Der Sinn darin besteht, die Routinen und natürlichen Handlungsweisen der Akteure oder Beobachteten kennenzulernen und somit zu verhindern, dass sie sich „beobachtet“ fühlen oder gar verstellen.

Oftmals haben Forscher auch versucht sich an das Milieu der Akteure anzupassen und einzuleben, um die Beobachtungen effektiver durchzuführen. Hierbei muss jedoch beachtet werden, dass der Einfluss der ForscherInnen so gering wie möglich zu halten ist.[1]

Die Teilnehmende Beobachtung ist eine der Methoden der empirischen Sozialforschung.

Im Gegensatz zu beispielsweise dem Interview oder dem Experiment, hält sie sich nicht an genaue Vorschriften bzw. eine Methodik, weil die verzerrte Wahrnehmung von BeobachterIn nicht gänzlich ausgeblendet werden kann. Die Autoren Jürgen Friedrichs und Harmut Lüdtke sind der Meinung, man kann jedoch die Methode der teilnehmenden Beobachtung weitgehend systematisieren, um es so zu einem präziseren Forschungsapparat umzuformen.

Den Hollander (1965) hingegen vertritt die Meinung, dass egal wie sehr man um eine objektive Sichtweise bemüht ist, die BeobachterInnen niemals vorurteilsfrei und ohne Vorannahmen die Studie angehen werden.[2]

Um eine objektive Basis zu schaffen, empfiehlt er also die selbstkritische Herangehensweise nie außer Acht zu lassen und bei jeder Erkenntnis miteinzubeziehen.

1.2 Standardisierung der Methode

Möchte man die teilnehmende Beobachtung nun doch instrumentalisieren bzw. standardisieren, so sollte man nach Friedrichs folgende Bedingungen beachten:

1. Das Prinzip der Wiederholbarkeit der gleichen Beobachtungen durch Simultan oder Parallelbeobachtungen:[3]

Das heißt es sollten mehrere Objekte beobachtet werden, dazu kann man auch mehrere BeobachterInnen einsetzen. Das einfachste Beispiel wäre jedoch, wenn mehrere ForscherInnen ein Objekt beobachten würden. Entweder denselben Prozess durch gleichzeitige Beobachtung oder aber stichprobenartig vergleichbare Situationen parallel zueinander. Die wissenschaftliche Zuverlässigkeit der Beobachtungen kann man anschließend anhand der Übereinstimmigkeit der verschiedenen Ergebnisse bzw. Erkenntnisse messen.

2. Aus dieser ersten Bedingung resultiert eine Trennung von Forscher(n) und Beobachter(n):[4]

Friedrichs ist außerdem der Meinung, dass ForscherInnen und BeobachterInnen nicht länger die gleichen Personen sein sollten. ForscherInnen sollten eigens dafür ausgebildete BeobachterInnen in die Feldforschung schicken. Die Tatsache, dass ForscherInnen gleichzeitig BeobachterInnen sind, habe enorme Konsequenzen auf den Beobachtungsprozess, da ForscherInnen immer mit einer gewissen Erwartungshaltung ins Feld gehen. Überdies wäre es eine psychische Entlastung für BeobachterInnen, somit könnten sich diese rein auf das Gesehene konzentrieren.

3. Begrenzung des Beobachtungsfeldes und dessen dimensionale Analyse:[5]

Optimal wäre es, sich auf verschiedene, hingegen wenige Situationen zu konzentrieren und in diesem Zusammenhang auch die Anzahl der AkteurInnen zu bestimmen und einzugrenzen. Das bedeutet also die Variablen für die teilnehmende Beobachtung müssen methodisch ausgewählt werden.

[...]


[1] Brüsemeister, Thomas 2000: Qualitative Forschung, Wiesbaden: Westdeutscher Verlag (daraus Soziologische Beobachtungen, S. 81-115) S. 82.

[2] Friedrichs, Jürgen (1977): Teilnehmende Beobachtung: Einführung in die sozialwissenschaftliche Feldforschung/Jürgen Friedrichs ; Hartmut Lüdtke- 3. Aufl.- Weinheim [u.a.]: Beltz, S.17 f.

[3] Ebd. S. 33 f.

[4] Ebd. S. 34

[5] Ebd. S. 34 f.

Details

Seiten
9
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640797639
ISBN (Buch)
9783640797684
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v164721
Institution / Hochschule
Universität Wien
Note
2,0
Schlagworte
Teilnehmende Beobachtung Formen Methode Kritik

Autor

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Titel: Teilnehmende Beobachtung. Formen, Methode und Kritik