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Das außerordentliche Imperium des Pompeius im Jahre 67 vor Christus

Hausarbeit 2010 18 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Gliederung

I. Einleitung

II. Formalia der Quelle Plutarchs - „Pompejus“

III. Inhaltliche Darstellung der Quelle Plutarchs - „Pompejus“
III.1 Der Ursprung der Macht der Seeräuber
111.2 Das außerordentliche Imperium aus dem Jahr 67 vor Christus
111.3 Der Krieg gegendieSeeräuber

IV. Fazit

V. Literaturverzeichnis

VI. Anhang
VI.1 Quelle

I. Einleitung

Der römische Staatsmann und Feldherr Gnaeus Pompeius Magnus (106­48 v. Chr.) ist eine in der historischen Forschung vielfach beleuchtete Persönlichkeit. Sein Leben beinhaltete viele Facetten und vor allem seine, vom 'cursus honorum' abweichende, Laufbahn beschäftigte seine Zeitgenossen wie auch die heutige Forschung.

Eine konkrete Darstellung der gesamten Persönlichkeit Pompeius', mitsamt seines Lebens und Wirkens würde den vorgegebenen Rahmen eindeutig überschreiten. Um einige Teilaspekte dieses Menschen zu beleuchten, wird diese Hausarbeit dem außerordentlichen Imperium des Pompeius gegen die Seeräuber im Jahre 67 v. Chr. gewidmet.

Bei dieser Thematik stellt sich besonders die Frage, aus welchen Gründen dieses außerordentliche Imperium überhaupt notwendig wurde und mit welcher Taktik Pompeius den Krieg schließlich für sich entscheiden und die Seeräuber zu seinem Klientel machen konnte.

Die Beantwortung dieser Frage erfolgt in der vorliegenden Arbeit anhand einer Abhandlung der historischen Geschehnisse und der Skizzierung des Weges zwischen der Antragsstellung bis hin zum Kriegsende, sowie Pompeius' Verfahren mit den besiegten Seeräubern im Anschluss.

Dies wird unter besonderer Berücksichtigung der Primärquelle „Pompejus“ in „Grosse Griechen und Römer III“des griechischen Historikers und Verfassers zahlreicher philosophischer und biographischer Schriften, Plutarch (45-125 n. Chr.), geschehen.

Die vorliegende Arbeit ist untergliedert in die Einleitung, den Hauptteil und einen Schlussteil. Die Einleitung dient dazu, in die Thematik einzuführen, die Fragestellung - unter welcher der anschließende Text bearbeitet wurde - vorzustellen und die daran anschließenden Kapitel aufzugliedern. Im Hauptteil wird die, in der Einleitung genannte, Quelle untersucht und nach der vorangestellten Frage erörtert. Dieser Teil der Arbeit wird in zwei Kapitel unterteilt: Zum einen in die Formalia der Quelle und als zweites in die inhaltliche Darstellung. Hier erfolgt eine Untergliederung in Themenbereiche, welche die Ursprünge der seeräuberischen Macht, die Bedeutung und Auswirkung des außerordentlichen Imperiums von 67 v. Chr., sowie den eigentlichen Krieg gegen die Seeräuber an sich und Pompeius' Verfahren mit selbigen nach Kriegsende beleuchten. Der gewählte Abschnitt der Biographie wird in dieser Arbeit in chronologischer Abfolge analysiert, da auch der Quellenausschnitt eine chronologische Abhandlung der Ereignisse bietet und das aus meiner Sicht die günstigste Verfahrensweise darstellt. Eine thematische Analyse ist hier weniger sinnvoll, da die Ereignisse aufeinander aufbauen. Eine chronologische Darstellung der Historie ist daher am besten geeignet, um auf die Fragestellung, unter welcher diese Arbeit gestaltet wird, Antwort zu geben.

Das Fazit gibt eine kurze Zusammenfassung der erarbeiteten Erkenntnisse und einen kurzen Ausblick auf die Zeit nach dem behandelten Zeitraum.

II. Formalia der Quelle Plutarchs - „Pompejus“

Die zur Quellenarbeit verwendete Ausgabe der Parallelbiographien Plutarchs „Grosse Griechen und Römer“ ist in sechs Bände unterteilt. Die vorliegende Quelle befindet sich in Band III. Der Biograph verfasste seine Schrift zu Beginn des 2. Jahrhunderts n. Chr.1 und widmete diese Parallelbiographien seinem Freund Quintus Sosius Senecio2.

Plutarch stellt in diesen „Vitae parallelae“ wichtige Staatsmänner der Vergangenheit vor, indem er in seinem Werk jeweils einen bedeutenden Griechen einem großen Römer gegenüberstellt. Über die tatsächliche Zahl der Biographienpaare herrscht Uneinigkeit in der Forschung; in der verwendeten Ausgabe werden insgesamt vierundzwanzig Paare vorgestellt, wobei das letzte Paar Galba - Otho in den meisten Texten zu Plutarchs Parallelbiographien nicht erwähnt wird.

Da Plutarch den Großteil seines Lebens in seinem Heimatort Chaironeia3 verbrachte, liegt es nahe anzunehmen, dass auch ein großer Teil der „Vitae Parallelae“ hier verfasst wurde. Mit Ausnahme des Paares Epameinondas - Scipio sind alle Biographienpaare erhalten.4 Plutarch widmet sich im Band III neben Lysandros und Sulla, Pelopidas und Marcellus sowie Agesilaos, der diesem gegenüber gestellt wird, auch der Person, dem Leben und Wirken des Pompeius unter Berücksichtigung der historischen Umstände. Der für diese Hausarbeit verwendete Abschnitt befindet sich auf den Seiten 182 bis 189, wo Plutarch sich mit dem Seeräuberkrieg beschäftigt und die Geschehnisse aus zeitgenössischer Sicht beschreibt und beurteilt.

Plutarch lebte zu einer Zeit, in welcher Griechenland bereits seit über zwei Jahrhunderten römische Provinz und Rom auf dem Höhepunkt seiner expansionistischen Macht war. Zu jener Zeit gab es kaum noch einen ernsthaften äußeren Gegner gegen die Vorherrschaft der Römer.

Die Eroberung Griechenlands führte zu Einbußen in der politischen Freiheit der Griechen und zur Eingliederung in die römischen Provinzen, wo sie unter der amtlichen Gewalt eines römischen Statthalters standen. Die erste dieser Provinzen war Makedonien. Das Antigonidenreich war seit dem Jahre 148 v. Chr. ihm Krieg mit Rom gewesen und schließlich von Quintus Caecilius Metellus (gestorben um 115 v. Chr.) besiegt worden.5 Der politischen Unfreiheit stand in den ersten Jahrhunderten nach Christus jedoch ein Aufleben der griechischen Kultur gegenüber, welches unter anderem von den römischen Kaisern Tiberius (42 v. Chr. - 37 n. Chr.), Nero (37-68 n. Chr.) und Hadrian (76-138 n. Chr.) unterstützt wurde.

Die Intention Plutarchs für die Anfertigung der umfangreichen Schriftsammlung, wird zu Beginn des Biographienpaares Demetrios - Antonius formuliert: die verschriftlichten Lebensläufe sollen für die Leser als Vorbilder dienen. So schreibt Plutarch:

so bin auch ich der Meinung, daß man desto eifriger und bereitwilliger sein wird, die schöneren und trefflicheren Leben nicht nur zu betrachten, sondern auch nachzuahmen, wenn man auch mit den schlechten und tadelnswürdigen nicht unbekannt ist.6

Über die Schaffung von Vorbildern hinausgehend, ist auch die Deutung möglich, dass Plutarch den Griechen und Römern die jeweils andere Kultur näher bringen wollte, da er sich auch darüber hinausgehend viel mit Rom und dessen Kultur beschäftigte.

Neben der großen Schrift des Plutarch wurden in dieser Hausarbeit vorrangig Werke folgender Autoren verwendet: Ernst Baltrusch, Marcus Tullius Cicero, Wilhelm Drumann und Matthias Gelzer. Diese und weitere Quellen sind im Literaturverzeichnis alphabetisch geordnet aufgeführt.

III. Inhaltliche Darstellung derQuelle Plutarchs - „Pompejus“

111.1 Der Ursprung der Macht der Seeräuber

Dem außerordentlichen Imperium, das Gnaeus Pompeius Magnus im Jahre 67 v. Chr. erhielt, ging eine Reihe außenpolitischer Ereignisse voraus, welche diese außerordentliche Anordnung notwendig erscheinen ließen. Plutarch schildert die Gefahr, welche die Seeräuber für Rom darstellten in einem ersten Abschnitt (Z.1-58) der vorrangig verwendeten Quelle.7

Kilikien8 sei der Ort gewesen, von dem aus die Seeräuber ihren Machtbereich, zunächst im Stillen, ausgeweitet hätten. Ihr Mut habe besonders durch die Verbindung mit Mithridates9 zugenommen und mit der Zeit sei ihre Größe mehr und mehr gestiegen, sodass sie schließlich über zahlreiche „Ankerplätze [...] und befestigte Beobachtungstürme“ (Z. 13/14), über vierhundert eroberte Städte (Z. 26/27), sowie eine gut ausgestattete Flotte mit über tausend Schiffen (Z. 25) verfügten. Plutarch weist mehrfach auf das provokante Verhalten der Seeräuber besonders gegenüber den Römern hin. Sei es durch ihr prunkvolles Auftreten (Z. 19­21), das unschickliche und gewalttätige Verhalten (Z. 22-24) - wobei die Entführungen, wie beispielsweise des jungen Gaius Iulius Caesars (100­44 v. Chr.) im Jahre 75 v. Chr., am unerträglichsten waren, was Plutarch als eine „Schande für die römische Regierung“ (Z. 24/25) bezeichnet - oder ihr Gebaren gegenüber den Römern an Land, an denen sie ihren Übermut ganz besonders ausließen (Z. 37/38) und deren Straßen sie durch Plünderungen und Räubereien (Z. 39/40) verwüsteten und verunsicherten. Am Ende des Abschnitts nennt Plutarch ein Beispiel für das nach seiner Empfindung „[unverschämteste“ (Z. 46) Verhalten der Seeräuber gegenüber den Römern: Gerade entführte Römer seien lange Zeit zum Narren gehalten und verhöhnt worden, bis die Seeräuber sie schließlich dazu aufforderten sich im Meer zu ertränken oder den Betreffenden beizeiten auch über Bord stießen (Z. 46-58).

Die Entführungen von Praetoren und Nobiles, sowie die Gefährdung der Versorgungslage zwangen Rom schließlich zum Handeln. Die offensichtliche Gefahr für die Stadt und ihre Bewohner verdeutlichte die Unumgänglichkeit eines Krieges, wodurch die Frage nach einem außerordentlichen Imperium für Pompeius aufkam und deren Notwendigkeit offenbart wurde.

III. 2 Das außerordentliche Imperium aus dem Jahr 67 vor Christus Dieses Verhalten und die sich ausdehnende Macht der Seeräuber hätten dazu geführt, dass die „gesamte Handelsschifffahrt lahmgelegt“ (Z. 60/61) worden wäre, wie Plutarch im folgenden Abschnitt (Z. 59-130) erklärt. In diesem setzt er sich dezidiert mit der Notwendigkeit eines außerordentlichen Imperiums unter der Führung des Cn. Pompeius Magnus und dem Weg bis hin zum Beginn des Seeräuberkrieges auseinander.

Plutarch nennt als Gründe für die Notwendigkeit eines außerordentlichen Imperiums den stetigen Machtzuwachs der Seeräuber „über das gesamte Mittelländische Meer [Mittelmeer]“ (Z. 59) und die damit verbundenen Einschränkungen sowie die Gefahr, welche die Römer hierdurch erführen (Z. 59-64). Dabei lässt der griechische Schriftsteller jedoch völlig außer Acht, aus welchen Gründen ein solcher Machtzuwachs und die damit zusammenhängende Machtlosigkeit der Statthalter in den römischen Provinzen überhaupt zustande kommen konnten. Neben weit zurückreichenden Geschehnissen, die eine Förderung der Seeräuber von römischer Seite mit einschließen,10 wurde der Einsatz eines außerordentlichen Imperiums auch deshalb notwendig, weil die Statthalter der betroffenen Provinzen dank der sullanischen Ordnung11 bloß innerhalb der Grenzen ihrer zu verwaltenden Provinz agieren konnten. Durch diese Schwächung der militärischen Abwehr - welche Sulla zur Sicherung der Senatsherrschaft in Kauf genommen hatte - wurden die Gegner, die nicht an solche Grenzen gebunden waren, zu einer sehr großen Gefahr für die Statthalter und ihr Verwaltungsgebiet.12 Die Anwendung außerordentlicher Imperien wurde also auch aus diesem Grund notwendig, da Pompeius sich dank der Bestimmungen, die das Imperium inne hatte, frei bewegen und damit auch überall dem Kampf gegen die Seeräuber nachkommen konnte.

Das 'außerordentliche Imperium' bedeutete hier die Übertragung einer außerordentlichen Macht auf eine einzelne Person für einen Zeitraum von drei Jahren, mit welcher diese eine unbeschränkte Weisungsbefugnis erhielt, womit sie auch den Statthaltern in den Provinzen übergeordnet sein sollte.13

Plutarch beschreibt die Ausmaße, die das Kommando durch die „lex Gabinia de bello piratico“14 des Gefolgsmanns des Pompeius', Aulus Gabinius (um 48/47 v. Chr. gestorben), erreichte, als „nicht nur das Kommando zur See, sondern geradezu die Alleinherrschaft und die uneingeschränkte Befehlsgewalt über alle Menschen“ (Z. 66-68), da Pompeius hierdurch den Oberbefehl „über das Meer diesseits der Säulen des Herakles [der Felsen von Gibraltar im Süden der Iberischen Halbinsel und der Berg Dschebel Musa in Marokko] und über alles feste Land vierhundert Stadien [etwa 75 km] von der Küste landeinwärts“ (Z. 68-70) erhalte. Ihm wurde also das Kommando über den gesamten Mittelmeerraum und seine Küsten übertragen,15 was „die größten Völker [wie beispielsweise die Seleukiden, die Gallier (keltische Stämme), die Illyrer, sowie einige weitere und die mächtigsten Könige [beispielsweise Vercingetorix (82-46 v. Chr.) und Antiochos XIII. Asiatikos (85-64 v. Chr.)]“ (Z. 72/73) mit einschließe.

[...]


1 Sonnabend, Holger (2002): Geschichte der antiken Biographie. Von Isokrates bis zur Historia Augusta, Suttgart, S. 6.

2 Gestorben um 110 n. Chr.; dreimaliger Konsul, diente unter Kaiser Trajan.

3 Antike Stadt im Westen Böotiens in Griechenland.

4 http://www.bbkl.de/pZplutarch.shtml.

5 Barceló, Pedro (2004): Kleine griechische Geschichte, Darmstadt, S.140/1.

6 Plut., Agis, Vitae, I.

7 Hier und im Folgenden zitiert nach: Plut., Pomp., Vitae, III.

8 Antike Landschaft im Südosten Kleinasiens.

9 Mithridates VI., 132-63 v. Chr., (genannt Eupator Dionysos,) König von Pontos im 1. Jahrhundert v. Chr., führte insgesamtdrei sog. „Mithridatische Kriege“ gegen Rom.

10 Seit Mitte des 2. Jh. hatte sich die Seeräuberei im Gebiet des „geschwächten und durch dynastische Wirren zerrütteten Seleukidenreichs“ zu einem 'anerkannten' Gewerbe entwickelt, das sich von West-Kilikien aus, auf die gesamte Südküste Kleinasiens, Syrien und Kreta ausbreitete (Gelzer 1984, S. 65). Die Römer sahen in der Seeräuberei ein Hilfsmittel im Kampf gegen die hellenistischen Staaten, da durch Schiffskaperungen und Entführungen die Feinde geschwächt wurden. Zudem brachten sie auch der Nobilität im innerrömischen Konflikt mit dem Ritterstand Vorteile, da der wirtschaftlich starke Ritterstand durch den Seeraub Einschränkungen erlitt (Baltrusch 2008, S. 27). Drumann beschreibt das Geschehen mit folgenden treffenden Worten: „Die Eroberungssucht, der Bürgerzwist und die Schwelgerei der Römer [sie versorgten sich für ihre Haushalte mit Sklaven] begünstigten eine Macht, welche die Herrschaft mit ihnen zu teilen drohte, die Seeräuberei auf dem Mittelmeer“ (Drumann 1964, S. 405).

11 Lucius Cornelius Sulla Felix: um 138-78 v. Chr., römischer Diktator.

12 Baltrusch, Ernst (2008): Caesar und Pompeius, 2. Auflage, Darmstadt, S. 27.

13 Ebd., S. 30.

14 Gesetzesvorschlag „über [die] Einsetzung eines Feldherrn gegen die Seeräuber“ vom Januar 67; Pompeius wird darin nicht explizit genannt, da das Volk formal die Möglichkeit haben sollte, nach der Annahme des Antrags eine solche Führungsperson zu wählen (Gelzer 1984, S. 67).

15 Sontheimer, Walther/Ziegler, Konrad (Hg.) (1972): Pompeius, in: Der kleine Pauly. Lexikon der Antike, Band 4 Nasidius bis Sacurus, München, S. 1023.

Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640808137
ISBN (Buch)
9783640807901
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v164901
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,7
Schlagworte
imperium pompeius jahre christus

Autor

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