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Jungen - Pädagogik

Jungen - tatsächliche "Bildungsverlierer"?

Hausarbeit 2010 19 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen der Jungen – Pädagogik
2.1 Evolutionstheoretischer und hormoneller Aspekt
2.2 Der hirnbiologische Aspekt
2.2 Der entwicklungspsychologische Aspekt
2.3 Der soziologische Aspekt

3 Jungen in pädagogischen Instituten
3.1 Jungen im Kindergarten
3.2 Schule

4 Jungen – neue Bildungsverlierer etwa seit langem?
4.1 Bildungsdaten von früher und heute im Vergleich
4.2 Erklärungsversuche
4.2.1 Der Übeltäter: Feminismus
4.2.2 Lebenswelten von Jungen im geschichtlichem Vergleich

5 Diagnose Junge – und die Medizin?
5.1 Hilfsmittel in der Familie
5.2 Hilfsmittel in der Schule

6 Eigene Stellungnahme

Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Jungen sind die Bildungsverlierer von heute. In allen Medien findet man mindestens einen Beitrag darüber. Früher waren die Mädchen die Sorgenkinder in der Schule, heute sind es die Jungen. Die Geschlechterfrage wird wieder aufgegriffen und man diskutiert, wie man die Jungen fördern kann, damit sie besser in der Schule werden. Hier geht man davon aus, dass ausschließlich die Jungen spezifisch gefördert werden müssen. Für eine Jungen-Pädagogik braucht man zunächst Grundkenntnisse über die Verschiedenheit von Jungen und Mädchen und wie diese überhaupt zustande kommen. Die Grundlagen der Jungen-Pädagogik werden somit als erstes geschaffen. Im nächstem Schritt wird geschaut, welche unterschiedlichen Verhaltensweisen von Mädchen und Jungen in den pädagogischen Institutionen auftreten, die eventuell mit dem Sinken der männlichen Schulleistung zusammenhängen. Darauf folgt eine genaue Datenlage über die Bildungswege von Jungen und Mädchen im historischen Vergleich.

In diesem Kapitel wird auch geklärt, ob Jungen tatsächlich immer schlechter in der Schule werden, oder ob die Mädchen so weit aufrücken und die Jungen in den Leistungen überholen, so dass sie ins Vordertreffen geraten und die Jungen dabei arm dastehen lassen? Vielleicht waren die Jungen aber auch schon viel länger schlechter in den Schulleistungen und man hat es überhaupt nicht gemerkt, da es kein Vergleich zum anderen Geschlecht gab. Da aber dennoch ein Unterschied zwischen Mädchen und Jungen verbleibt, sind hier die Ursachen zu finden. Dabei werden der Feminismus und dessen Wirkungen und die Lebenswelten von Jungen im geschichtlichen Vergleich genauer betrachtet. Letztendlich werden mögliche Problemlösungen sowohl in der Familie als auch in der Schule erläutert. Die eigene Stellungnahme rahmt die Hausarbeit als letztes ein.

2 Grundlagen der Jungen – Pädagogik

2.1 Evolutionstheoretischer und hormoneller Aspekt

Einige unterschiedliche Verhaltensweisen von Jungen und Mädchen beginnen schon im Mutterleib. So sind Jungen als Embryo motorisch aktiver als Mädchen. Aber wie kann das sein? Bis dato fand weder eine Sozialisation noch jegliche Erziehung statt. Zum einem bestimmen die Hormone diese Verhaltensweisen und zum anderem die Evolution, auf die ich nun genauer eingehen werde.

Nehmen wir die parentale Investition genauer in Betracht, so lassen sich einige geschlechtsspezifische Dispositionen erklären. Die parentale Investition lässt sich anhand der Begrifflichkeiten erklären: Es ist der elterlicher Aufwand um ein Kind zu erzeugen, zu ernähren und zu erziehen. Dieser Aufwand ist bei Frauen weitaus höher als bei Männern, von denen lediglich die Befruchtung erforderlich ist. Männer können demnach potentiell Hunderte von Kindern erzeugen. Das männliche Fortpflanzungspotential kann aber nicht ohne weiteres unbegrenzt genutzt werden, da Partnerinnen vielfach mit Schwangerschaft oder Betreuung des Nachwuchs beschäftigt sind. Dadurch entsteht die Notwendigkeit des männlichen Geschlechts mit Nebenbuhlern konkurrieren zu müssen. (vgl. Matzner/Tischner 2008,S.24)

Konkurrenzverhalten und damit einhergehenden Verhalten wie Imponiergehabe und Aggression können hieraus abgeleitet werden.

Die Gründe hierfür liegen aber nicht nur in der Evolution sondern auch in den hormonellen Einflüssen. Hierbei spielt das Geschlechtshormon Androgen die Schlüsselrolle. Es wird etwa von der achten Schwangerschaftswoche an in den Hoden vom männlichen Embryo produziert. Androgene bilden die Geschlechtsmerkmale aus, beeinflussen verhaltensregulierende Gehirnstrukturen und den Testosteronspiegel.

Man geht davon aus, dass Kinder, die je mehr sie als Embryo Androgene ausgesetzt waren, desto unternehmungslustiger und aggressiver sind. (vgl. Matzner/Tischner 2008, S.27)

Der Vollkommenheit halber muss man hinzufügen, dass sich Biologie und Umwelt nicht trennen lassen. Entsprechend formulierte es Chasiotis/Voland (1998, S.582): „Die Gene bestimmen, welche Aspekte der Umwelt überhaupt verhaltenswirksam werden können, und die Umwelt bestimmt, wann welche Gene auf welche Weise tatsächlich aktivieren.“( vgl. Schulheis/Strobel-Eisele/Fuhr 2006, S.57)

2.2 Der hirnbiologische Aspekt

Die Basis von Verhalten im allgemeinem besteht aus fünf Komponenten: das Fühlen, Denken und Handeln als auch die Anlage, die immer in Wechselwirkung zur Umwelt steht. Da die ersten drei Komponenten durch das Gehirn gesteuert wird, sollte man es, wenn man geschlechtsspezifische Verhaltensunterschiede erklären möchte, genauer in Betracht nehmen.(vgl. Matzner/Tischner 2008, S.34)

Um auf das Thema erhöhte körperliche Aggression bei Jungen zurückzukehren: Es lässt sich auch hirnbiologisch erklären. So können Jungen weniger gut als Mädchen in Stressbedingungen negative Emotionen kontrollieren, so dass impulsive Wutausbrüche entstehen. Die Impulskontrolle geschieht durch folgende Hirnstrukturen: Ein Bereich der vorderen Stirnrinde (orbitofrontale Cortex) als auch ein Teil des limbischen Cortex (anteriore cinculäre Cortex) wirken durch den Botenstoff Serotonin hemmend auf den Mandelkern (Amygdala). Durch das Serotonin ist der Mandelkern weniger aktiv und erzeugt dadurch weniger negative emotionale Impulse. Der Grund der besseren Impulskontrolle bei Frauen liegt wohl an der größeren Anzahl von Serotonin – Rezeptoren und dem größeren orbitofrontalen Cortex, die sie im Gegensatz zu Männern besitzen. (vgl. Matzner/Tischner 2008, S. 42f)

Ein weiterer wesentlicher Geschlechtsunterschied, den man anhand von Gehirnstrukturen nachweisen kann, ist die sprachliche Fähigkeit. Die wichtigsten Gehirnzentren für Sprachverarbeitung sind im Bereich des Stirnlappens (Broca – Areal) sowie im Schläfenlappen (Wernicke – Areal) der linken Gehirnhälfte lokalisiert. Im Vergleich zu Männern sind bei Frauen die Broca- und Wernicke- Areale größer und in den sprachrelevanten Regionen ist der Anteil der grauen Substanz, die für die Informationsverarbeitung im Gehirn zuständig ist, höher.

Interessanterweise wurde bei Jugendlichen ein umgekehrtes Verhältnis gefunden. Bei Jungen im Alter zwischen sechs und fünfzehn wurde im Broca – Areal mehr graue Substanz gefunden als bei Mädchen. Des Weiteren nimmt dort die weiße Substanz, die Informationen innerhalb des Gehirns weiterleiten, nur bei Jungen bis ins hohe Alter linear zu. Dieser Anstieg könnte die erhöhte Anfälligkeit von Sprachfehlentwicklungen bei Jungen erklären. Als Ergebnis kann man sagen, dass sich die Sprachzentren geschlechtsspezifisch entwickeln und reifen. (vgl. Matzner/Tischner 2008, S. 37-38)

2.2 Der entwicklungspsychologische Aspekt

In diesem Abschnitt soll geklärt werden, wie ein Junge überhaupt zum Jungen und das geschlechtstypische Verhalten erzeugt wird. Dabei werden einige Theorien kurz umrissen.

Lerntheoretische Konzepte besagen, dass Jungen durch die Umwelt, sprich von den Eltern und anderen Bezugspersonen zum Jungen geformt werden. Eltern behandeln Jungen und Mädchen von Geburt an anders. Die Geschlechtsrollenvorstellung ist eine wesentliche Ursache.(vgl. Matzner/Tischner 2008 S. 50)

Ergänzend wäre festzustellen, dass das elterliche Verhalten auch eine Reaktion auf eine von Geburt an unterschiedliches Verhalten zwischen Junge und Mädchen ist. (vgl. Matzner/Tischner 2008, S. 22) Sicherlich spielen beide Faktoren eine wesentliche Rolle.

Soziale Lerntheorien gehen davon aus, dass Jungen ihr geschlechtsspezifisches Verhalten durch gleichgeschlechtliche Modellen (Vater, großer Bruder, evtl. Lehrer) erlernen. (vgl. Matzner/Tischner 2008, S. 51)

Bei der Identifikationstheorie entwickelt sich zwischen Sohn und Vater eine enge gefühlsmäßige Bindung (Identifikation), die dazu führt, dass der Sohn nicht nur äußerliche Verhaltensweisen der Vaters sondern auch innere Einstellungen imitiert. (vgl. Matzner/Tischner 2008, S.52)

Letztendlich bei Kohlbergs kognitive Theorie, die man als Rahmentheorie verstehen kann, ist das Kind aktiv, das Informationen verarbeitet - ein gesetzmäßiger Vorgang im Körper tritt in Kraft. Ab dem sechstem Lebensjahr sind Kinder von sich aus sehr stark daran interessiert sich nach ihrem Geschlecht angemessen zu verhalten, was hauptsächlich durch nacheifern eines Elternteils oder eines anderen Vorbildes geschieht.

Für die Entstehung von psychischen Geschlechtsunterschieden spielen aber auch Einflüsse der sozialen Umwelt eine gewichtige Rolle: Das Erziehungs- und Vorbildverhalten, die Peer Group und die Medien dürfen nicht außer Acht gelassen werden (vgl. Matzner/Tischner 2008, S. 54f)

2.3 Der soziologische Aspekt

In diesem Abschnitt wird die männliche Sozialisation genauer unter die Lupe genommen und dabei einige Leib- und Körperkonflikte im Aufwachsen von Jungen aufgegriffen und erläutert.

Der erste Konflikt geschieht mit der Bindungsablösung zur Mutter und zugleich mit der Bindungssuche zum Vater. Diese Bewältigungserfahrung betrifft die frühe kindliche Phase eines Jungen, im Alter von 3 bis 5 Jahren. Nun ist es aber meist schwer für Jungen die Alltagsidentifikation des Vaters zu bekommen, da sie nicht nur räumlich sondern sogar oft auch mental abwesend sind, die Erziehungs- und Hausarbeit obliegt schließlich überwiegend der Mutter. Auch im Kindergarten fehlen männliche Vorbilder. Auf diese Weise erfährt der Junge kaum männliche Schwächen und nimmt im zunehmenden Alter zusätzlich durch die Medien nur die “starke“ Seite des Vaters wahr. Dies führt zwangsweise zur Idolisierung des Manns Seins und zur Abwertung des “schwachen Weiblichen“. Hierbei ist das Auftreten und Tätigkeiten der Mutter sowie das Einbringen des Vaters in das Familienleben wichtig, damit ein solches Gedankengut von Jungen erst gar nicht entsteht.

Die Entwicklung zum Mann werden hängt nicht nur von der Mutter- Vater- Konstellation ab, sondern auch von den Erfahrungen, die sie in ihrem gesamten sozialen Umfeld machen. So fragen sich Eltern, warum ihre Kinder traditionelle Geschlechtsrollen übernehmen, obwohl sie eine geschlechtsemanzipative Erziehung erfahren haben. Die Geschlechterbilder der Medien spielen hier eine gewichtige Rolle. (vgl. Matzner/Tischner 2008, S. 71ff)

Details

Seiten
19
Jahr
2010
Dateigröße
844 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v165452
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Pädagogik
Note
2,0
Schlagworte
Jungen Pädagogik Jungenpädagogik Bildungsverlierer Jungen-Pädagogik

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