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Sprachdiagnostik bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationsgeschichte

Am Beispiel der Profilanalyse nach W. Grießhaber

Essay 2011 8 Seiten

Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik

Leseprobe

Sprachdiagnostik bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationsgeschichte

am Beispiel der Profilanalyse nach W. Grießhaber

Ziel einer umfassenden schulischen Ausbildung ist unter anderem die Vermittlung von allgemeinen sprachlichen Fähigkeiten, die neben Kompetenzen in der mündlichen Kommunikation ebenso die schriftlichen Teilfertigkeiten umfassen. Sie sind es demnach auch, die in umfangreichen Förderprogrammen als Voraussetzung für die Teilhabe an zivilgesellschaftlichen Handlungsprozessen vermittelt werden sollen. Daher ist eine Förderung insbesondere von jenen Kindern und Jugendlichen notwendig, die hinter den für ihr jeweiliges Alter charakteristischen Qualifikationsprofilen deutlich und erkennbar zurückbleiben. Hierzu zählen nicht selten Kinder und Jugendliche mit Migrationsgeschichte, die aufgrund ihrer mangelnden Deutschkenntnisse zumeist nur die Mindeststandards erreichen und dem allgemeinen Konsens entsprechend, einer verstärkten Förderung auf sprachlicher Ebene bedürfen.

Dem Erfolg von Fördermaßnahmen implizit ist jedoch die Tatsache, dass die Stärken und Schwächen des Schülers bekannt sein müssen. Nur so können sinnvolle pädagogische Hilfestellungen geleistet werden. Zur Überwindung des Dilemmas zwischen dem Ziel der Förderung und der Feststellung des genauen Leistungsstandes des zu Fördernden wurden eine Reihe von Testverfahren entwickelt. Sie sollen es ermöglichen, „Aussagen über die Fähigkeiten von Schülerinnen und Schülern in ungesteuert erworbenen Sprachen zu einem bestimmten Zeitpunkt ihrer Bildungsbiographie zu liefern“ (Vgl. Reich 2010, 420). Sich dieser Forderung annehmend, sind im wissenschaftlichen Kontext eine Reihe verschiedenster Instrumente zur Sprachstandsdiagnostik entwickelt worden. Dementsprechend widmet sich der vorliegende Essay der kritischen Prüfung der Profilanalyse von W. Grießhaber, mit deren Hilfe Aussagen über die sprachliche Kompetenz durch die Analyse der Wortstellung in Abhängigkeit von der Position des finiten Verbteils bestimmt werden können.

Sprachstandsfeststellung mithilfe der Profilanalyse von W. Grießhaber

Mit dem Ziel, komplexe sprachliche Strukturen im Kontext einer Momentaufnahme zu messen und sprachlichen Defiziten bereits in jungen Jahren entgegenzutreten, bieten Sprachstandstests die Möglichkeit zur Evaluierung der altersadäquaten sprachlichen Entwicklung. Um diese Analyse durchzuführen, muss zunächst einmal evaluiert werden, welche Norm dem Test zugrunde gelegt werden soll. Ausgehend von den Untersuchungen durch Clahsen/Meisel/Pienemann (1983/1985), die u.a. an erwachsenen Deutschlernern (Vgl. ZISA 1983) die Reihenfolge des Erwerbs grammatischer Strukturen untersuchten, definiert Pienemann vier Erwerbsstufen, die jeder Zweitsprachenlerner des Deutschen durchlaufen muss. Hierbei zeigte sich, dass die sprachliche Kompetenz vor allem durch die Wortstellung in Abhängigkeit von der Stellung des finiten Verbteils definiert wird.[1] 1985 überträgt Clahsen die Spracherwerbsstufen auf das Deutsche. Zusätzlich differenziert er die Anordnung und ergänzt weitere Stufen, zum Beispiel um die Fähigkeit, Nebensätze mit Verbendstellung, Fragesätze und negierte Äußerungen zu konstruieren.

In einem weiteren Schritt werden Erhebungs- und Auswertungsverfahren simplifiziert und in einem neuen Modell durch Grießhaber zusammengestellt (2002-2006). Für die Durchführung dieser Version erhalten die Kinder einen visuellen Impuls als Gesprächsanreiz. Um fehlerhafte Notationen zu vermeiden, werden die Äußerungen mit einem Tonband aufgezeichnet und anschließend durch die Lehrperson den entsprechenden Stufen zugeordnet. Hierzu werden die Äußerungen in minimale syntaktische Einheiten zerlegt und entsprechend bewertet. Die Profilstufe mit den meisten Nennungen liefert schlussendlich die Auskunft über die vorhandene Sprachkompetenz des Probanden.

[...]


[1] Da die Untersuchungen zum Zweitsprachenerwerb bei Pienemann nur sehr kleine Kohorten umfassen, so z. B: eine einjährige Beobachtung des Deutscherwerbs von drei achtjährigen italienischen Grundschülerinnen, müssen die Ergebnisse einer festen Reihenfolge des Erwerbs von Satzstrukturen mit großer Vorsicht bewertet werden.

Details

Seiten
8
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640812523
ISBN (Buch)
9783640812356
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v165517
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Deutsch als Zweitsprache/Interkulturelle Pädagogik
Note
1,0
Schlagworte
sprachdiagnostik kindern jugendlichen migrationsgeschichte beispiel profilanalyse grießhaber

Autor

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Titel: Sprachdiagnostik bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationsgeschichte