Lade Inhalt...

Shakespeare for Kids: Die Bedeutung Shakespeares am Beispiel von "Romeo and Juliet", Act I, Scene 4

Unterrichtsfach Englisch, Klassenstufe 7

Unterrichtsentwurf 2008 13 Seiten

Didaktik - Englisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

1. Thematik

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Lernziele

Stundenziel: Die Schülerinnen und Schüler sollen William Shakespeare als bedeutenden und zeitlosen Schriftsteller Englands kennenlernen, indem sie Informationen über ihn zusammentragen und den exemplarisch gewählten Auszug aus Romeo and Juliet be- und verarbeiten.[1]

Weitere Teillernziele: Die Schülerwinnen und Schüler sollen ...

a) Sprache

1. ... ihre mündliche Ausdrucksfähigkeit schulen, indem sie in der Einstiegsphase zusammenhängende Aussagen über das Modell des Globe Theatres machen und mit Hilfe von Stichpunkten Informationen über William Shakespeare zusammentragen.
2. ... ihren aktiven Wortschatz zum Thema „Shakespeare“ reaktivieren, festigen und erweitern (z.B.: the Elizabethan age, poet, playwright, stage), indem sie ihn in der Einstiegsphase und in den Erarbeitungsphasen phonetisch, semantisch und syntaktisch korrekt anwenden.
3. ... ihr Hörverstehen schulen, indem sie in der Erarbeitungsphase I einen Lückentext vervollständigen.
4. ... ihre schriftliche Sprachkompetenz erweitern, indem sie in der Erarbeitungsphase II einen vorgegebenen Dialog zwischen Romeo und Julia weiterschreiben.

b) interkulturelles Lernen, soziokulturelle Themen und Inhalte[2]

1. ... ihr Orientierungswissen über Shakespeare erweitern, indem sie die Bedeutung des Schriftstellers für die englische Kulturgeschichte erarbeiten.

c) Umgang mit Texten und Medien

1. ... den Umgang mit authentischen Materialien lernen, indem sie gelenkte Aufgaben zum globalen Hören bearbeiten.
2. … die Wirkung von literarischen Texten erkunden, indem sie den ausgewählten Dialog inhaltlich, sprachlich und strukturell sinnvoll vervollständigen.

d) Methoden des selbstständigen und kooperativen Arbeitens

1. ... die Fähigkeit zur gegenseitigen Hilfe und Korrektur vertiefen, indem sie in der Partnerarbeit einen gemeinsamen Text verfassen und die Präsentationen mit Hilfe eines Feedbackbogens bewerten.
2. … eigene Kompetenzen selbständig einschätzen, indem sie sich für/ gegen bestimmte Arbeitsblätter entscheiden.
3. ... die Fähigkeit zur Bewertung von Methoden und Verfahren schulen, indem sie in Form eines Ampelfeedbacks Vorteile und Probleme der Stunde visualisieren und beschreiben.

3. Bedingungsanalyse

Die Klasse 7b setzt sich aus 30 Schülerinnen und Schülern[3] zusammen, deren Leistungsniveau sehr heterogen ist. Zwei Schüler haben zum Schuljahr von der Realschule in diese Klasse gewechselt und haben, wie es im Unterricht und in der ersten Klassenarbeit deutlich geworden ist, Defizite im Fach Englisch. Einige andere Schüler fallen durch beeindruckende Leistungen auf. Im September haben 60 Schüler der Jahrgangsstufe 7, darunter 25 aus der Klasse 7b, an einer einwöchigen Fahrt nach London teilgenommen, wo sie in englischen Gastfamilien untergebracht waren und viele zum ersten Mal Kontakt mit Muttersprachlern hatten. Im letzten Jahr hat ein Teil der Klasse im Rahmen des Förderunterrichts an einem englischen Theaterprojekt teilgenommen. Dieses Jahr wird die Drama Group als AG fortgeführt, zu der sich abermals 9 Schülerinnen aus der Klasse 7b angemeldet haben.

4. Methodisch-Didaktischer Kommentar

Der Check-in Teil der Unit 2 von Green Line 3 bildete nach den Herbstferien den Einstieg in die Unterrichtsreihe Once upon a time. Inhaltlich steht die Geschichte Großbritanniens im Vordergrund. Sprachlich werden in dieser Unit das Past Perfect, die Fähigkeit, Erlaubnis, Verbote und Pflichten auszudrücken sowie französische Lehnwörter behandelt, deren Thematisierung in den Folgestunden stattfinden wird.

Anhand eines Cartoons erarbeiteten die Schüler zunächst die Eckdaten der Normannischen Eroberung, des Elisabethanischen Zeitalters, der Industriellen Revolution und des Viktorianischen Zeitalters. Nach der Wiederholung der Modalverben wurde in dem folgenden Text „Visit the World Stage“ über einen Besuch bei Madame Tussaud’s berichtet. Hier wurden noch einmal das Elisabethanische Zeitalter und Shakespeare thematisiert, der als „a 17th century pop star“[4] bezeichnet wird. Nach diesem Verweis auf Shakespeare und sein Theaterstück Romeo and Juliet soll den Schülern in der heutigen Stunde eine erste Begegnung mit diesem Theaterstück ermöglicht werden. Die Erweiterung der durch das Lehrwerk vorgegebenen Materialien wird durch den Kernlehrplan, der einen „flexiblen Umgang mit dem Lehrwerk und Arbeit mit lehrwerkunabhängigen Materialien“[5] fordert, legitimiert. Einige Fachdidaktiker wie Helmut Reisener fordern Shakespeare für alle und somit auch „Shakespeare for kids[6]. Da ein Großteil der Klasse, wie bereits geschildert, sehr theaterbegeistert ist, scheint mir besonders in dieser Lerngruppe eine erste Thematisierung Shakespeares sehr geeignet. Hierbei kann allerdings nicht nach dem Prinzip 'the more – the merrier' verfahren werden, sondern es muss in der Sekundarstufe I eine sinnvolle didaktische Reduktion des Inhaltes erfolgen. Daher steht in der heutigen Stunde die Begegnung mit William Shakespeare als interkultureller Schwerpunkt im Vordergrund. Entsprechend der Forderungen der Richtlinien nach Unterrichtsinhalten, die dem jeweiligen Entwicklungsstand und Lernbedürfnissen angepasst sind[7], wird auf eine altersadäquate Adaptation der Oxford University Press zurückgegriffen.

Ausgewählt wurde Akt I, Szene 4, die erste Begegnung von Romeo und Julia, da das erste Verliebtsein auch im Alltag vieler Lerner der Jahrgangsstufe 7 eine bedeutende Rolle spielt. So wird im Sinne der didaktischen Analyse die Gegenwartsbedeutung verdeutlicht. Das übergeordnete Thema Liebe wurde exemplarisch gewählt, um die Zeitlosigkeit vieler Themen in Shakespeare- Dramen anzusprechen. Weitere Themen wie Eifersucht, Gier oder Hass, die ebenfalls charakteristisch für viele Dramen sind, können aus Zeitgründen nicht behandelt werden.[8]

Als Einstieg in den Situationszusammenhang präsentiert die Lehrerin ein Modell des Globe Theatres. Gerade bei dieser Altersgruppe bietet sich eine Visualisierung des Theaters aus motivationalen Gründen an.[9] Im Sinne des mehrkanaligen Lernens sollen alle Schüler das Modell gut sehen und gegebenenfalls auch anfassen können und werden daher aufgefordert, kurz nach vorne zu kommen. Um Unruhe zu vermeiden, werden die sie gebeten, an ihre Plätze zurückzugehen, wenn sie das Modell angeschaut haben, und dieses anschließend in Form einer Meldekette zu beschreiben. Außerdem sollen sie die als Hausaufgabe gesammelten Informationen über Shakespeare anführen. Diese Warmsprechphase kann zu Korrekturzwecken grober Sprachverstöße von der Lehrerin unterbrochen werden. In der anschließenden Gelenkstelle sollen die Schüler Informationen zu dem Theaterstück Romeo and Juliet zusammentragen. So wird in Form einer pre-listening activity eine Erwartungshaltung für die folgende Hörverstehensübung aufgebaut.[10]

Die Schulung des Hörverstehens ist nach Hermes unerlässlich für jede Form des Fremdsprachenunterrichts, da es die erste Grundfertigkeit ist, „auf der jedes fremdsprachliche Lernen aufbaut, das später zur mündlichen Produktion führen soll“[11]. Beim ersten Hören soll zunächst das Globalverständnis geschult werden (listening for gist). Die Schüler sollen Personen, Ort und Handlung im Anschluss kurz zusammenfassen. Während des zweiten Hörens findet eine Anspruchsprogression statt. Die Schüler füllen einen Lückentext aus. Hierbei können sie als binnendifferenzierende Maßnahme zwischen zwei Arbeitsblättern wählen. Diejenigen, die ihre Fähigkeiten im Bereich des Hörverstehens als gut einstufen, erhalten ein Arbeitsblatt mit zusätzlichen Lücken. Das realistische Einschätzen des eigenen Lernstandes als Grundlage für Entscheidungen bezüglich des Lernweges zählt laut Kernlehrplan zu den Kompetenzen, die im Laufe der Sekundarstufe I geschult werden sollen, und wird daher auch in dieser Klasse regelmäßig geübt.[12] Im Allgemeinen ist die adaptierte Version von Romeo and Juliet im Hinblick auf Lexik, Grammatik und Phonetik gut geeignet für die Jahrgangsstufe 7, sodass bei der Hörverstehensübung keine gravierenden Schwierigkeiten erwartet werden. Bei der Wahl der Lücken wurden viele Formulierungen ausgelassen, die die Stimmung und die Beziehung der Personen zueinander beschreiben (z.B. my friends, a wonderful party, they look friendly, a beautiful girl).

Alternativ wäre es denkbar, dass die Schüler Fragen zum Globalverständnis des Textes beantworten. Der Hörtext stellt allerdings insofern eine Herausforderung dar, als die Sprecher nicht namentlich genannt werden und es ohne jegliche Textgrundlage schwer ist, die Aussagen den jeweiligen Sprechern zuzuordnen und dem Gesprächsverlauf zu folgen. Ein Lückentext hat daher den Vorteil, dass die Schüler die Grundstruktur der Szene und die Namen der jeweiligen Sprecher in schriftlicher Form vorliegen haben und gleichzeitig ihr Hörverstehen schulen können.

Als post-listening activity sollen sich die Schüler in der zweiten Erarbeitungsphase ein mögliches Ende der Szene überlegen und den Dialog in Partnerarbeit weiter schreiben. Die Lerner werden gebeten, die Arbeit mit ihrem Nachbarn durchzuführen. Zwar wäre es schön, wenn jeweils ein Junge und ein Mädchen zusammenarbeiten würden, allerdings haben die Erfahrungen der letzten Wochen gezeigt, dass diese Form der Kooperation zurzeit altersbedingt nicht gut verläuft. Das kreative Schreiben hat den Vorteil, dass es im Vergleich zur mündlichen Sprachproduktion langsamer abläuft, die Lerner sich somit mehr Zeit zur Formulierung ihrer Äußerungen lassen können und es außerdem keine Erwartungshaltung, somit keine richtigen und falschen Produkte gibt.[13] Außerdem betont Meyer, dass das Erstellen von Handlungsprodukten wie beispielsweise Rollenspielen, Streitgesprächen u.a. „einen hohen Anteil von Selbsttätigkeit und Aktivität für viele Schüler“[14] sichert. Diejenigen, die schneller fertig sind als ihre Mitschüler, können ihren Dialog bereits einüben. Abschließend sollen einzelne Paare ihren Dialog präsentieren. Schwächere Lerner können ihr Ergebnis vorlesen, wohingegen leistungsstärkere Schüler ermutigt werden, den Dialog zu spielen. Die Fehlerkorrektur kann z.T. bereits während der Erarbeitungsphase durch die Lehrerin erfolgen, weitere Rückmeldungen folgen nach der Präsentation durch Mitschüler und Lehrerin. Bereits während der Präsentation sollen die Mitschüler einen vereinfachten Feedbackbogen (bereits bekannt) ausfüllen, was die Rückmeldungen erleichtert. Laut Timm sind für die Schüler „Rückmeldungen auf ihre Äußerungen und Fehlerkorrekturen notwendige Faktoren im Lernprozess“[15] und sollten daher neben der Wertschätzung für die erbrachten Leistungen keinesfalls vernachlässigt werden.

[...]


[1] Bundesweit wird derzeit diskutiert, Lernziele durch Kompetenzen zu ersetzen. Da diese allerdings nur über einen längeren Zeitraum und nicht ad hoc überprüfbar sind, wird auf Empfehlung der Fachleiter in Vettweiß zunächst an Lernzielen festgehalten.

[2] Die im Kernlehrplan ausgewiesenen interkulturellen Ziele sind sehr allgemein gehalten. Eine konkrete Operationalisierbarkeit wird erschwert, da Bewusstseinsstände allenfalls angebahnt werden können.

[3] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Folgenden nur die männliche Form verwendet.

[4] Weisshaar, S. 26.

[5] MSWWF: Kernlehrplan, S. 20.

[6] Reisener, S. 13.

[7] Vgl. MSWWF: Richtlinien für das Gymnasium NRW, S. 19.

[8] Vgl. Klafki, S. 15 – 22.

[9] Vgl. Reisener, S. 14 f.

[10] Die Unterscheidung in „pre-listening“, „while-listening“ und „post-listening activity“ orientiert sich an Haß, S. 74 – 81.

[11] Hermes, S. 221.

[12] Vgl. MSWWF: Kernlehrplan, S. 16.

[13] Vgl. Teichmann, S. 250 ff.

[14] Meyer, S. 158.

[15] Timm, S. 4.

Details

Seiten
13
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640816996
ISBN (Buch)
9783640820795
Dateigröße
631 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v165661
Institution / Hochschule
Studienseminar für Lehrämter an Schulen - Vettweiß
Note
1,0
Schlagworte
Klasse 7 Shakespeare

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Shakespeare for Kids: Die Bedeutung Shakespeares am Beispiel von "Romeo and Juliet", Act I, Scene 4