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Berninis "Apoll und Daphne"

von Nanni Peters (Autor)

Hausarbeit 2011 13 Seiten

Kunst - Bildhauerei, Skulptur, Plastik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Werkbeschreibung

3. Bedeutungsgehalt

4. Ausgewählte Rezensionen und Kritiken

5. Schluss

1. Einleitung

Uber das Werk „Apoll und Daphne" wurde bisweilen sehr verschiedenartig geurteilt, abhängig vom jeweiligen Zeitraum in der Kunstgeschichte: stets ist das Werk im Bewusstsein geblieben und hat in dialektischer Weise zu hymnischer Lobpreisung oder Ablehnung aufgerufen. Dabei stehen sich dasüberbordende Staunen der Zeitgenossen Berninis und die Faszination der späteren Barock- und Rokokogeneration mit der scheinbar nicht enden wollenden Polemik der Klassizisten und der barockfeindlichen Schema-Ästhetiker der Jahrhundertwende (20. Jahrhundert) gegenüber.3

Im letzten halben Jahrhundert sind Bernini und sein Zeitalter wieder zu hoher Ehre gekom-men, „Apoll und Daphne" hat seinen kunstlerischen Ruhm wiedererlangt. Vor allem in den letzten 10 Jahren wurde viel zur Figurengruppe gesprochen und geschrieben, wobei auch hier die Urteile stark schwankend und sehr widerspruchlich ausfallen, was gleichwohl aus dem einzigartigen Charakter der Daphnegruppe resultiert.

In dieser Arbeit soll sich mit dem Aufbau, dem Bedeutungsgehalt und vor allem mit der gegensätzlichen Rezeption und den Kritiken (bis ca. 1931) des skulpturalen Werkes Bernini auseinandergesetzt werden. In die Thematik eingeflochten werden weiterdessen kunsthistorische,ästhetische und interpretatorische Problemstellungen, sie sich aus der Skulptur „Apoll und Daphne" ergeben.

2. Werkbeschreibung

Die Skulpturengruppe „Apoll und Daphne" wurde zwischen 1622 und 1625 in Rom gefertigt und wird dort bis zum heutigen Zeitpunkt in der Villa Borghese ausgestellt. Während des 19. Jahrhunderts wurde die Gruppe in der Loggia des Obergeschosses präsentiert, dann kehrte sie wieder zurück in die Mitte des Erdgeschoss-Saales. Die Skulptur ist 243 cm hoch und wurde aus einem Block Carrara ± Marmor gearbeitet. Getragen wird die Gruppe von einem 115 cm hohen Marmorsockel mit reicher weißer Profilierung und rötlich-gelben Spiegeln. Entstanden ist das Werk im Auftrag von Scipione Borghese als Finale der mythologischen Skulpturen gruppen von Bernini, nach „Aneas und Anchises" (1618-1619) und dem „Raub der Proserpina" (1621-1622).

Das Werk zeigt das Motiv der Verfolgung von Daphne durch den Gott Apoll. Dargestellt ist der Moment, indem sich die fliehende Nymphe Daphne in einen Lorbeerbaum verwandelt, während Apoll sie einzuholen scheint.4

Umschreitet man zunächst die Skulptur von hinten, entgegen des Uhrzeigersinns, zeigt sich Apoll im Laufschritt, wie er dabei zu sein scheint, Daphne einzuholen. Er befindet sich in einer dynamischen Bewegung, sein Gewicht ruht auf dem rechten Bein, sein linkes ist noch im Laufprozess. Der rechte Arm ist nach hinten gestreckt, während der linke Arm bereits zur Umarmung Daphnes angesetzt hat. Apoll ist ausschließlich mit einem Tuch bedeckt, welches um sein Becken und seine linke Schulter drapiert ist. Sein Blick ist nach vorn ausgerichtet und sein Mund leicht geöffnet.

Beim weiteren Umgehen der Skulptur zeigt sich der nackte, mädchenhafte Körper der Nymphe Daphne im Beginn der Metamorphose. Bemerkenswert ist das Fortschreiten der Verwandlung, je weiter man der Laufrichtung der Figurengruppe folgt. Daphne ist im Gegensatz zu Apoll statisch mit dem Boden verwachsen, um ihre Beine ragt ansteigend bis zur linken Hüfte hinauf Baumrinde. Ihre Körperhaltung ist gedreht, der Oberkörper entgegen den Beinen nach links ausgerichtet und die Arme sind zum Himmel gestreckt. Daphne hat ihren Kopf in den Nacken gelegt, ihr Blick wirkt elegisch und ihr Mund scheint zu einem Schrei geformt, Verzweiflung ist in ihren Gesichtszügen zu lesen. Die Metamorphose Daphnes wird deutlich an den zarten Händen, an den kleinen Zweigen eines entstehenden Lorbeerbaumes, ebenso an den Lorbeerblättern, die an der linken Seite ihres Kopfes und ihrer Haare sprießen.

Peter Anselm Riedl sieht in seiner kunsthistorischen Betrachtung eine Bewegung der beiden Figuren, welche sich gegenseitig auf kunstvolle Weise zu antworten scheinen. Er spurt Gesetze von dynamischer Parallelitat auf. „Die groBe, ausweichende Kurve des Madchenkorpers, die nachdrangende Form der mannlichen Gestalt, die ausfahrende Armbewegung der Nymphe, das Kontermotiv des schrag nach unten gestreckten Arms des Gottes: alles spielt auf das wirkungsvollste zusammen oder gegeneinander und sichert der Gruppe einen uberraschenden Bewegungsreichtum.5

Die Thematik der Skulptur zeigt dennoch mehr als nur ein episodisches Geschehen: Es geht zeitgleich um eine spezifische Metamorphose einer jungen und wunderschönen Frau in einen Lorbeerbaum, ergo ein Wechsel von einem Zustand in einen anderen. Dadurch gewinnt die Gruppe eine Ambiguität und zwar die einer Narration und einer Verwandlung, deren Realisierung durchaus exzellente und nuancierte Mittel vom Künstler verlangte. Arne Karsten spricht in seiner „Apoll und Daphne" Reflektion von insgesamt drei Metamorphosen, die sich an dieser Gruppe im Medium des statischen Materials Marmor zeigen:

Zuerst begibt er sich auf die Affektebene der Skulptur, ergo auf den Höhepunkt der narrativen Handlung. Das begierige und leidenschaftliche Streben Apolls verwandelt sich in Erstaunen, das fliehende Ressentiment der Daphne in Bestürzung. Zum zweiten benennt Karsten die Bewegung, welche ebenfalls im Momentäußerster Progression und Anspannung schlagartig eingefroren wird. Auf der dritten Ebene kommt dann die stoffliche und formbedingte Metamorphose Daphnes zum Zuge, in jener die liebreizende Menschengestalt unversehens zum Baume wandelt, ihr Haar zu Blattwerk, ihre Füße zu Wurzeln ihre Beine zu Baumrinde ZHUGHQ ÄLieße sich der Sieg des menschlichen Geistesüber die Materie eindrucksvoller gestalten, als in Gestalt jenes schwindelerregenden Bewegungswirbels, den die Statue erweckt6

Im nachsten Schritt soll auf die extrem ausdifferenzierte Oberflachengestaltung der Gruppe eingegangen werden. Bernini erreichte eine bis zum gegenwartigen Zeitpunkt ungesehene Suggestion von Weichheit des Gesteins, die er eben in der besonderen Oberflachengestaltung umsetzt. Der Boden ist fein geriefelt, ebenso die adaquat behandelte Baumrinde, die glatte Hautoberflache, das textile Faltenwerk des Tuches an Apolls Korper, die Ausarbeitung von wehenden Haarstrahnen und Locken, die sprieBenden Astchen und Blatter, „alles bezeugt eine technische Meisterschaft sondergleichen."7 Dem Künstler ist es offensichtlich gelungen, die kleinsten Zusammenhänge zwischen Haut und den darunter liegenden Muskeln und Knochen aufzuzeigen.8

Bei aller Meisterhaftigkeit, die dem Werk anhaftet, lässt sich jedoch die Kritikäußern, dass Bernini kein makelloses, weißes Marmor verwendete, sondern ein unregelmäßiges, mit schlierigen, schwärzlichen Einsprengungen durchsetztes Material. Es lässt sich mutmaßen, dass es dem Künstler nicht ausschließlich um die Darstellung einer perfektionierten Oberflächenstruktur ankam.

[...]


1 picasaweb.google.com/.../ri2-FJbz4KyzjIKsInJuCg (24.11.19)

2 Urban VIII. Barberini zit. in Karsten, Arne: Bernini. Schöpfer des barocken Rom. München: C.H. Beck 2006, S. 62.

3 Riedel, Peter Anselm: Gian Lorenzo Bernini. Apoll und Daphne. Werkmonographien zur bildenden Kunst in Reclams Universal-Bibliothek Nr. 49. Stuttgart: Reclam Verlag 1960, S. 3.

4 vgl. http://www.kunstgeschichte.rub.de/beta/wp-content/uploads/2010/06/bernini_d.pdf (23.11.10)

5 Riedel, Peter Anselm: Gian Lorenzo Bernini. Apoll und Daphne. Werkmonographien zur bildenden Kunst in Reclams Universal-Bibliothek Nr. 49. Stuttgart: Reclam Verlag 1960, S. 6.

6 Karsten, Arne: Bernini. Schöpfer des barocken Rom. München: C.H. Beck 2006, S. 64..

7 Riedel, Peter Anselm: Gian Lorenzo Bernini. Apoll und Daphne. Werkmonographien zur bildenden Kunst in Reclams Universal-Bibliothek Nr. 49. Stuttgart: Reclam Verlag 1960, S. 6.

8 http://www.kunstgeschichte.rub.de (7.01.2011)

Details

Seiten
13
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640816446
ISBN (Buch)
9783640815883
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v165814
Institution / Hochschule
Universität Siegen – Kunstgeschichte
Note
1,7
Schlagworte
berninis apoll daphne

Autor

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    Nanni Peters (Autor)

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