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"Nachdenken über Christa T." von Christa Wolf - Entstehung, strukturelle und sprachliche Besonderheiten

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 28 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Literaturtheoretischer und entstehungsgeschichtlicher Hintergr und
2.1 DDR-Kulturpolitik
2.2 Der sozialistische Realismus
2.3 Der Bitterfelder Weg

3 Entstehung des Romans

4 Thematik - Ausgangssituation

5 Strukturelle Besonderheiten
5.1 Verhältnis von Realität und Fiktion
5.2 Subjektive Authentizität
5.3 Erzähl- und Zeitstruktur
5.4 Epische Prosa
5.5 Sprache
5.6 Leserrolle

6 „Nachdenkenüber Christa T.“ - Kritik am Sozialistischen Realismus

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Literatur der ehemaligen DDR findet immer mehr Beachtung, nicht nur in der Bundesrepublik, sondern auch im nicht deutschsprachigen Ausland. Allgemein wird anerkannt, dass sich im sozialistischen Teil Deutschlands eine Literatur von beachtlichem Rang und Niveau entwickelt hatte, deren Analyse und Verständnis Einblicke in die gesellschaftliche Ordnung des Staates gewähren. Auch wird auf dieästhetische Qualität verwiesen, die die DDR-Literatur schon in den sechziger und siebziger Jahren kennzeichnet.

Christa Wolf wurde am 18. März 1929 in Landsberg/Warthe (heute in Polen) geboren.1 Sie wuchs in einer kleinstädtisch-kleinbürgerlichen Welt auf, in der sie sich sicher und beschützt fühlte. Durch die Schule, Jungmädchenbund und BDM wurde sie an die nationalsozialistische Ideologie herangeführt, die sie sich in idealisierter Form aneignete (Ideale wie Vaterlandsliebe, Treue, Opferbereitschaft). Die Erfahrungen während des Krieges, wie Angst, Zerstörung und Verlust, aber auch die Begleiterscheinungen nach Kriegsende, wie die Flucht aus der Geburtsstadt, das Zerbrechen ihrer Kindheitswelt erschütterten sie geistig und körperlich.

Durch die Folgen des 2. Weltkrieges geprägt, verschrieb sich Christa Wolf nach Kriegsende dem Antifaschismus. Anfangs engagierte sich Christa Wolf mit großem Eifer für die Entwicklung in der DDR. So wurde sie während ihrer Studienzeit von 1949 - 1953 vom Marxismus fasziniert und wollte, wie viele andere Autoren auch, beim Aufbau Sozialismus mitwirken und wandte sich diesem gutgläubig zu. Somit bekennt sie sich auch zur Schaffensperiode des Sozialistischen Realismus und hielt sich anfangs konsequent an dieästhetischen Prinzipien, die durch diese Stilrichtung vorgegeben waren. Diese erste Phase ihres literarischen Entwicklungsvorganges besetzen zwei Erzähltexte, die Moskauer Novelle (1961) und Der Geteilte Himmel (1963).

Ab Mitte der sechziger Jahre vollzieht sich eine ideelle Wende in Christa Wolfs Denken und sie nabelt sich von Ideologie und Herrschaftspraxis der SED ab. Erste kritische Tendenzen machen sich bemerkbar. Sie löst sich von den Normen und entwickelt eine Eigenart des Schreibens, die sie unter das Kennwort Subjektive Authentizität stellt. Diese sich in den sechziger Jahren vollziehende Wendung im Schaffen Christa Wolfs wurde dem Publikum erst durch den Text Nachdenkenüber Christa T. (1968) deutlich.

Mit der Erzählung Nachdenkenüber Christa T. schlug die ostdeutsche Autorin Christa Wolf 1969 ein neues Kapitel nicht nur in ihrem eigenen Werk, sondern auch der DDR- Literaturgeschichte auf. Erstmals schrieb eine prominente Autorin offensiv gegen die herrschende sozialistische Literaturdoktrin an, die u.a. nur positive Helden akzeptieren wollte. Christa Wolf dagegen wählte gerade die „unbeispielhafte“ Christa T., die mit 35 Jahren an Leukämie stirbt, als Protagonistin ihrer Erzählung und beschwor damit einen der „härtesten Zensurfälle der DDR“2 herauf. In Zeiten betonter Fokussierung auf das dynamische Fortschreiten bzw. Emporstreben der sozialistischen Gesellschaft der DDR wendet sich die Autorin bewusst den Innenräumen des Individuums zu. So findet sich denn auch in Nachdenkenüber Christa T. neben dem Lebenslauf der Protagonistin Christa T. etwas „nicht mit Händen Greifbares, nicht[…] Sichtbares, Materielles, aber etwas ungemein Wirksames“3, nämlich das „Nachdenken“über sie an sich.

In meiner Arbeit möchte ich zunächst den literatur- und entstehungsgeschichtlichen Hintergrund beleuchten, vor dem Christa Wolfs drittes Werk „Nachdenkenüber Christa T.“ entstanden ist. Dies ist zweckmäßig, da sich die politischen Bedingungen, unter denen ein DDR-Autor schrieb meist auf sein literarisches Schaffen auswirkten. Die Entstehung des Werkes und der lange Prozess bis zu seiner Veröffentlichung sollen im nächsten Kapitel dargestellt werden. Um die besondere Struktur von „Nachdenkenüber Christa T.“ näher beleuchten zu können, ist es sinnvoll, zunächst kurz auf die Thematik des Buches einzugehen und einen inhaltlichen Abriss zu geben. Der Hauptteil dieser Arbeit beschreibt die strukturellen Besonderheiten des Werkes. Dabei soll besonders auf dieästhetischen Qualitäten der Erzählung eingegangen werden und die Poetik Christa Wolfs unter dem Kennwort Subjektive Authentizität vorgestellt werden. Im letzten Kapitel soll es um die Aufnahme und Bewertung von „Nachdenkenüber Christa T.“ in der DDR gehen. Hier soll vor allem Fragen nachgegangen werden wie: Inwiefern wandte sich die Autorin von denästhetischen Vorgaben des Sozialistischen Realismus ab? Welche Kritikpunkte wurden ihr seitens der DDR-Funktionäre vorgeworfen? Warum wurde es zu einem der härtesten Zensurfälle der DDR-Literaturgeschichte?

[...]


1 Die folgenden Ausführungen zur Autorin Christa Wolf und ihrem Leben beziehen sich auf Werner (1994), S. 758ff.; Stephan (1990), S. 7ff.; Sevin (2000), S. 13ff.

2 Emmerich (1981), S. 56

3 Vgl. Wolf (1966), S. 46

Details

Seiten
28
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640816460
ISBN (Buch)
9783640815951
DOI
10.3239/9783640816460
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Erscheinungsdatum
2011 (Februar)
Note
1,3
Schlagworte
nachdenken christa wolf entstehung besonderheiten

Autor

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Titel: "Nachdenken über Christa T." von Christa Wolf - Entstehung, strukturelle und sprachliche Besonderheiten