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Die Darstellung von Geisteskrankheit in der erzählenden Literatur

Bachelorarbeit 2010 61 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorstellung der Romane

3. Psychologische Grundlagen der Schizophrenie
3.1. Symptomatik
3.2. Ursachenforschung
3.4. Therapie

4. Die Darstellung von Schizophrenie in den Romanen
4.1. Die Darstellung der Symptomatik
4.1.1. Die Darstellung der Symptomatik in „Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen“
4.1.2. Die Darstellung der Symptomatik in „Einer flog über das Kuckucksnest“
4.2. Die Darstellung der Ursachen von Schizophrenie in den Romanen
4.2.1. Die Darstellung der Ursachen von Schizophrenie in „Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen“
4.2.2. Die Darstellung der Ursachen von Schizophrenie in „Einer flog über das Kuckucksnest“
4.3. Die Darstellung des Heilungsprozesses
4.3.1. Die Darstellung des Heilungsprozesses in „Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen“
4.3.2. Die Darstellung des Heilungsprozesses in „Einer flog über das Kuckucksnest“

5. Resümierender Vergleich zwischen den Romanen und Diskussion der Autorenabsichten

Glossar

Literaturverzeichnis
1. Primärliteratur
2. Sekundärliteratur

Eigenständigkeitserklärung

Einverständniserklärung

1. Einleitung

Die Geisteskrankheit ist seit Anbeginn der Menschheit ein delikates Thema. Aufgrund der dem Menschen eigenen Angst vor dem Unbekannten und Anormalen versucht er die Auseinandersetzung mit Geistesstörungen zu vermeiden, indem er Betroffene in entsprechenden Anstalten interniert. Die daraus resultierende gesellschaftliche Isolation der psychisch Erkrankten und die fehlende Beschäftigung mit der Thematik führen bei der übrigen, gesunden Bevölkerung zum Aufbau von Vorurteilen und enden meistens in einer Stigmatisierung der Betroffenen. Die Literatur ist von jeher eine der wenigen Mittel, sich auch mit tabuisierten Themen auseinanderzusetzen. Mit ihrer Hilfe versuchen Autoren eigene Erlebnisse aufzuarbeiten oder die Aufmerksamkeit der Gesellschaft auf bestimmte Themen und Problematiken zu lenken. Auch der Geisteskrankheit und den Betroffenen wurde sich bereits auf vielfältiger literarischer Weise gewidmet.

Gegenstand und Ziel dieser Arbeit soll es sein, die Darstellung von Geisteskrankheit in der erzählenden Literatur anhand von zwei exemplarisch gewählten Romanen zu untersuchen. Dabei wurden Werke aus der erzählenden Literatur ausgewählt, die sich in Bezug auf Handlungsort und -zeit ähneln, dieselbe Geisteskrankheit behandeln und außerdem zur gleichen Zeit veröffentlicht wurden. Damit basieren die Handlungen der Romane auf nahezu gleichen medizinischen, politisch – gesellschaftlichen und historischen Voraussetzungen, was den Vergleich der Darstellungsmethoden in den Romanen erleichtert.

Um die Zielfrage dieser Arbeit klären zu können, werden nach der Vorstellung der Romane zunächst psychologische Grundlagen der Schizophrenie erläutert. Dabei soll zwischen der Symptomatik, den Ursachen und der Therapie unterschieden werden. Die in diesem Teil gewonnenen Erkenntnisse werden darauffolgend auf die Romane angewendet, wobei nach der gleichen Klassifikation vorgegangen wird. Um dabei tatsächlich einen direkten Vergleich zwischen den Romanen zu garantieren, werden jeweils zunächst der erste und anschließend der zweite Roman analysiert. Die vergleichende Auswertung erfolgt schließlich im letzten Teil, in dem außerdem diskutiert werden soll, weshalb die Autoren der Romane die Darstellungswege der Geisteskrankheit, die sich innerhalb der Analyse andeuten, gewählt haben.

2. Vorstellung der Romane

Der Roman „Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen“ wurde von der amerikanischen Autorin Joanne Greenberg unter dem Pseudonym Hannah Green verfasst und erschien erstmalig im Jahr 1964. Die Handlung des Romans basiert auf der autobiographischen Krankheitsgeschichte Greenbergs[1], welche selbst von 1948 bis 1951 in einer psychiatrischen Klinik in Maryland/USA[2] therapiert wurde. Auch die Handlung des Romans spielt in den späten vierziger/frühen fünfziger Jahren in den USA.

„Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen“ handelt von der 16jährigen Deborah Blau, welche nach einem Selbstmordversuch mit der Diagnose Schizophrenie in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird. In dieser muss sie sich mit den Ursachen und den Symptomen ihrer Geisteskrankheit und auch mit den Problemen einer psychiatrischen Klinik auseinandersetzen, um geheilt zu werden.

Literarisch umgesetzt wurde die Thematik durch den Einsatz eines personalen Erzählers und dem Wechsel zwischen Innen- und Außenperspektiven. Die Handlung umfasst einen Haupt- und zwei Nebenstränge. Der Hauptstrang stellt die Hauptfigur Deborah dar, zum größten Teil innerhalb der psychiatrischen Klinik. Die Nebenstränge bestehen aus der Darstellung der Perspektive der Eltern und Deborahs Schwester, meistens in häuslicher Umgebung, und der Perspektive von Deborahs Ärztin Dr. Fried. Die in dem Roman überwiegende Innenperspektive stellt die Gefühle der jeweiligen Figur dar, die Außenperspektive, die meistens durch den personalen Erzähler wiedergegeben wird, beschreibt auf neutrale Weise das Handeln der Figuren oder schildert andere, für den Rezipienten wichtige Elemente der Geschichte, wie Zeit und Ort. Die Handlung wird chronologisch erzählt, beginnend mit der Fahrt zur psychiatrischen Klinik, jedoch erfolgen auch Rückwendungen, um Deborahs Vergangenheit und damit die Ursachen ihrer Krankheit darzustellen. Es wird mit verschiedenen Möglichkeiten der Zeitgestaltung gearbeitet, beispielsweise werden oftmals Zeitraffungen oder auch Zeitsprünge verwendet, wenn der Klinikalltag geschildert wird. Bei Ausführungen ihrer Gefühlswelt wird wiederum mit Zeitdehnung gearbeitet. Sprachlich gesehen werden ein komplexer Satzbau und ein gehobener Sprachstil vermieden. Bei der Darstellung der Krankheit und der psychiatrischen Klinik werden außerdem viele Attribute und auch einige sprachliche Bilder, wie Symbole, verwendet.

„Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen“ gehört sicherlich nicht zu den Bestsellern des letzten Jahrhunderts, was sich auch daran erkennen lässt, dass die neunte deutsche Auflage seit der Erstveröffentlichung in Deutschland die zurzeit aktuellste ist.[3] Jedoch lässt sich Erfolg nicht nur an den Verkaufszahlen messen. Joanne Greenbergs Werk wurde mit zahlreichen Awards gewürdigt.[4] Welche dieser Auszeichnungen dabei im Speziellen „Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen“ gelten, kann leider nicht näher bestimmt werden. Dass der vorliegende Roman ihr bisher erfolgreichster ist, wird allerdings dadurch belegt, dass er im Jahr 1977 verfilmt wurde[5].

Der Forschungsstand zu „Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen“ ist auch nach über fünfzig Jahren unzureichend. Die Sekundärliteratur ist auf wenige Artikel in Zeitschriften begrenzt, die sich zudem inhaltlich stark ähneln, eine Analyse des kompletten Romans ist nicht vorhanden, zumindest ist diese nicht auffindbar gewesen. Im Internet werden zumindest einige biographische Angaben zur Autorin dargelegt.

Der Roman „Einer flog über das Kuckucksnest“ wurde ebenfalls von einem amerikanischen Autor verfasst. Ken Kesey wurde 1935 in La Junta/Colorado geboren. Nach seinem Studium nahm er an einer medizinischen Studie als Testperson für das Psychopharmaka LSD und die Halluzinogene Meskalin und Psilocybin teil.[6] Durch die Erlebnisse während der Studie kam Kesey zu der Ansicht, dass LSD zu einer Bewusstseinserhöhung im spirituellen Sinn führt. Wegen seines Interesses für das menschliche Bewusstsein begann er in einer psychiatrischen Anstalt zu arbeiten. In dieser Zeit ließ er sich zu „Einer flog über das Kuckucksnest“ inspirieren und verfasste den Roman auf Grundlage der Beobachtungen in der Klinik. Um eine möglichst realistische Darstellung zu gewährleisten, überredete Kesey sogar einen Freund dazu, die Elektroschocktherapie zu testen und ihm von dieser Erfahrung zu berichten.[7] Veröffentlicht wurde sein Roman schließlich im Jahr 1962.

„Einer flog über das Kuckucksnest“ erzählt die Geschichte des schizophrenen Halbindianers Bromden, welcher gleichzeitig der Erzähler ist. Die Handlung setzt sich aus zwei Handlungssträngen zusammen, die gleichzeitig verlaufen. Dabei wird der eine direkt über die Erzählerinstanz wiedergegeben, während der andere, Bromdens Weg zur Genesung, indirekt dargestellt ist und somit vom impliziten Leser interpretiert werden muss. Dabei sind die Handlungsstränge dennoch als gleichwertig zu betrachten, da sie sich gegenseitig stützen und jeweils nicht ohne den anderen funktionieren können. Der direkte Handlungsstrang berichtet über den Machtkampf zwischen dem Patienten Randle Patrick McMurphy und der Stationsschwester Miss Ratched: Der Häftling McMurphy lässt sich in eine psychiatrische Klinik überweisen, weil er der Meinung ist, dass diese bequemere Bedingungen als das Gefängnis bietet. Bei der Ankunft auf Bromdens Station wird er mit der psychischen Unterdrückung der Geisteskranken durch Miss Ratched konfrontiert und fühlt sich dazu herausgefordert, die Machenschaften der sogenannten Großen Schwester zu beenden. Angespornt durch eine Wette, die er mit einem der Patienten abschließt, beginnt McMurphy den Machtkampf gegen die Repression. Dabei weckt er neuen Lebensmut bei den Patienten und revolutioniert damit die gesamte Station.

Die Handlung ist in vier Teile gegliedert, deren jeweilige Enden den Zwischenstand des Machtkampfes repräsentieren. Innerhalb der einzelnen Abschnitte wird der Kampf an sich dargestellt, der in den Klinikalltag der Patienten eingebettet ist. Am Schluss der Abschnitte wird bilanziert, wer die jeweilige Etappe gewonnen hat. Am Ende des ersten Teils siegt McMurphy. Dieser Sieg besteht beispielsweise in einer Protestaktion der Patienten wegen eines Fernsehverbotes der Schwester trotz demokratischer Abstimmung. Resistenz ist Miss Ratched nicht gewöhnt, weshalb sie für kurze Zeit aus dem Gleichgewicht gerät. Der Machtkampf verläuft im Weiteren ähnlich einer Sinuskurve, es erfolgt ein stetiger Machtwechsel. Am Ende des Romans siegt allerdings die Große Schwester. McMurphy, der ihr seine Stärke beweisen und sie provozieren will, reagiert auf die zahlreichen Elektroschocktherapien, die ihm Schwester Ratched verordnet, nach außen hin gleichgültig. Damit ermöglicht er der Großen Schwester, den Kampf zu gewinnen, indem sie durchsetzt, dass McMurphy der sogenannten Lobotomie[8] unterzogen wird. Diese Operation am Gehirn soll gewaltbereite Patienten zähmen, schränkt aber gleichzeitig die Wahrnehmung der Umgebung in extremem Umfang ein und hinterlässt damit gewissermaßen ein menschliches Wrack.

Wie bereits erwähnt, ist der Halbindianer Bromden der Erzähler. Damit handelt es sich in diesem Roman um den Typ des Ich-Erzählers. Allerdings ist es schwierig abzugrenzen, ob die Perspektive personal oder auktorial ist, da Merkmale beider Möglichkeiten auftreten. Zu Beginn des Romans wird eine Reflektion Bromdens dargestellt[9], was für einen auktorialen Erzähler spricht. Gegen den auktorialen Erzähler spricht die Tempusform Präsens, die im Roman verwendet wird. Obendrein erzählt und erlebt der Erzähler gleichzeitig die Handlung, was wiederum auf die personale Erzählweise verweist. Außerdem werden auch in einigen Fällen Gedanken anderer Figuren dargestellt.[10] In jedem Fall ist die Objektivität des Erzählers durch seine schizophrene Erkrankung stark eingeschränkt, weshalb der Leser abwägen muss, welche Beschreibungen des Erzählers seiner Schizophrenie entspringen und welche nicht.

Auch die Handlung von „Einer flog über das Kuckucksnest“ wird chronologisch dargestellt. Ausnahmen dieser Chronologie sind einige Rückblenden in Bromdens Vergangenheit, die in Form von Erinnerungen des Protagonisten in die Handlung eingebaut sind. Auch Kesey verwendet verschiedene Zeitgestaltungsmittel. Ebenso wie in „Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen“ wird vorwiegend mit Zeitraffungen gearbeitet, doch im Gegensatz zu Greens Roman handelt es sich hier meistens um Stunden oder Tage, die gerafft werden und nicht um Wochen oder Monate. Allerdings ist die erzählte Zeit bei Kesey auch kürzer als bei Green.

Die sprachliche Gestaltung des Romans ist durch umgangssprachliche Merkmale, wie Fäkalausdrücke und viele Ellipsen geprägt, wahrscheinlich, um die Sprache dem Erzähler und dem Handlungsort anzupassen. Jedoch variiert diese auch je nach sprechender Figur. Die Umgangssprache ist vor allem bei McMurphy und einigen anderen Patienten, später auch gelegentlich beim Erzähler, nachzuweisen. Bei wörtlichen Reden des Klinikpersonals wird hingegen mit einem gehobeneren Sprachstil gearbeitet. Außerdem wird noch verstärkter als bei „Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen“ mit Metaphern und Symbolen, vor allem mit christlichen Symbolen, gearbeitet.[11]

„Einer flog über das Kuckucksnest“ wurde mit bisher über 7 Millionen verkauften Exemplaren ein Welterfolg, jedoch sicherlich nicht zuletzt aufgrund der gleichnamigen Verfilmung von Milos Forman mit Jack Nicholson in der Hauptrolle, welche mit fünf Oscars prämiert wurde. Darüber hinaus wurde das Buch auch eine Vorlage für zahlreiche Theaterinszenierungen weltweit. Dass auch nach über fünfzig Jahren der Erstveröffentlichung der Roman nicht an Beliebtheit verloren hat, zeigt der Technospielfilm „Berlin Calling“ von Paul Kalkbrenner aus dem Jahr 2008, in dem einige Figuren und Passagen von „Einer flog über das Kuckucksnest“ verarbeitet wurden.

Auch in der Literaturwissenschaft fand der Roman Aufmerksamkeit. Zu „Einer flog über das Kuckucksnest“ wurden einige Werke der Forschungsliteratur, vorwiegend in den USA, herausgegeben. Eine Analyse der Geisteskrankheit der Hauptfigur, wie sie in dieser Arbeit vorgenommen werden soll, konnte allerdings nicht ausgemacht werden.

3. Psychologische Grundlagen der Schizophrenie

Die Schizophrenie ist eine psychische Erkrankung, die zu der Gruppe der Psychosen gehört. Die Psychose wiederrum ist „ein Oberbegriff für schwere seelische Erkrankungen, die in den allermeisten Fällen einer intensiven fachlichen Behandlung bedürfen“[12]. Psychosen werden in zwei Arten unterteilt: Die Psychosen aus dem affektiven Formenkreis, wozu beispielsweise Depressionen zählen, und die Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis. Zu Letzterem zählt, wie man bereits am Namen erkennen kann, die Schizophrenie.[13] Die Formenkreise lassen sich durch ihre Symptomatik voneinander abgrenzen. Dabei sind typische Symptome für die affektive Psychose beispielsweise depressive oder manische Verhaltensweisen, wie „tiefgreifende Niedergestimmtheit“ und „abnorme Hoch- und Glücksstimmung“[14]. Da die Psychosen aus dem affektiven Formenkreis für diese Arbeit jedoch nicht von Relevanz sind, soll es bei diesen Beispielen bleiben. Im folgenden Teil sollen nun die Symptome der Schizophrenie[15] ausführlich erläutert werden.

3.1. Symptomatik

Schizophrene Psychosen sind mit einer enormen Anzahl von Symptomen verknüpft, jedoch weist ein einzelner Betroffener meist nur wenige auf.[16] Die Symptome treten in Schüben auf. In symptomfreien Zeiten leiden die Patienten gar nicht oder kaum unter der Krankheit und nehmen ihre Umgebung klar wahr. Tritt allerdings ein Schub auf, erstrecken sich die Symptome besonders auf das Denken, die Wahrnehmung, die Emotionen, die Lebensbewältigung, aber auch auf motorisches Verhalten. Um bei einem Patienten eine schizophrene Psychose zu diagnostizieren, muss er eine bestimmte Anzahl von Symptomen in einem bestimmten Ausmaß und über einen gewissen Zeitraum aufweisen.[17]

Die Symptome können in zwei Gruppen unterteilt werden: In die Gruppe der positiven und in die Gruppe der negativen Symptome.[18] Positive Symptome sind durch wahrnehmungserweiternde Handlungen gekennzeichnet, der Betroffene tut oder nimmt Dinge wahr, die er im gesunden Zustand nicht machen oder wahrnehmen würde. Treten im Gegensatz dazu negative Symptome auf, fehlen beim Patienten Handlungen oder Verhaltensweisen, die normalerweise zutreffen.

Ein Symptom, das zu der positiven Gruppe gehört, ist die Desorganisierte Sprechweise. Der Betroffene hat Schwierigkeiten, sich sprachlich so zu artikulieren, dass der Gesprächspartner ihn verstehen kann. In einer abgeschwächten Form fällt es dem Patienten schwer, sich auf eine Thematik zu konzentrieren. Er schweift oft ab oder wechselt das Thema.[19] Außerdem bildet der Betroffene des Öfteren Neologismen.[20]

Ein weiteres positives, für die Schizophrenie typisches Symptom, ist durch inhaltliche Denkstörungen gekennzeichnet und wird als Wahnidee bezeichnet. Der Betroffene interpretiert gewisse Vorkommnisse anders als seine Umgebung und stellt diese in einen größeren Zusammenhang. So ist er beispielsweise oft der festen Überzeugung, dass andere ständig über ihn reden, ihn nicht mögen, sich sozusagen gegen ihn verschworen haben. Bei akuten Formen dieses Symptoms beharrt der Patient darauf, dass er abgehört und/oder verfolgt wird. Er entwickelt in einigen Fällen Zwänge, durchsucht beispielsweise jeden neuen Ort auf Wanzen. Oft ist der Betroffene auch der Meinung, dass er Teil einer großen Verschwörung ist und zum Beispiel von der Mafia verfolgt wird. Dieses Symptom ist eines der häufigsten der Schizophrenie.[21]

Ebenfalls mit der Veränderung der Gedankenwelt verbunden sind die Gedankeneingebung, die Gedankenausbreitung und der Gedankenentzug. Bei Ersterem „werden [dem Patienten] fremde Gedanken von einer äußeren Macht ins Bewusstsein eingegeben“[22], bei der Gedankenausbreitung ist sich der Schizophrene sicher, dass seine Gedanken sich ausbreiten, indem sie aus seinem Kopf treten und damit für andere lesbar werden. Beim Gedankenentzug geht der Patient sogar davon aus, dass ihm seine Gedanken, noch während er denkt, aus dem Kopf entzogen werden.[23]

Die psychische Wahrnehmung wird auch bei dem Symptom der Wahrnehmungsstörung und der Halluzinationen verändert. Die Betroffenen nehmen ihre Umwelt oder sich selbst anders war, als es sich in der Realität darstellt. Halluzinationen, welche irreale Sinneswahrnehmungen sind, können in allen Sinnesformen vorkommen, treten jedoch meistens in akustischer Form auf. Die Patienten hören Stimmen oder Geräusche. Bei den Stimmen lässt sich nochmals in Lautwerdende Gedanken, Streitende und Kommentierende Stimmen differenzieren.[24]

Ein ähnliches Symptom, das sich direkt auf die Selbstwahrnehmung bezieht, ist die Depersonalisation. Dabei fühlt sich der Betroffene in seinem Körper fremd und spürt beispielsweise keine Schmerzen mehr.[25]

Ein Symptom, das die physische Wahrnehmung betrifft, ist die Körperliche Passivität. Der Patient nimmt körperliche Empfindungen, wie beispielsweise Schmerzen wahr, die real nicht vorhanden sind.[26]

Symptome, bei denen der Betroffene die Kontrolle über die jeweilige Reaktion verloren hat, bezeichnet man als Gemachte Handlungen, Impulse und Gefühle.

Zu den negativen Symptomen der Schizophrenie zählen die Apathie bzw. die Antriebsschwäche. Die Betroffenen interessieren sich nicht mehr für Alltäglichkeiten, wie zum Beispiel Körperhygiene und Kleidung. Außerdem fällt es ihnen sehr schwer, ihren Pflichten nachzukommen.[27]

Die Anhedonie „bezeichnet die Unfähigkeit, Freude zu erleben.“[28] Dem Betroffenen bereiten Tätigkeiten, die ihm sonst Spaß machen, wie Freizeitbeschäftigungen, Treffen mit guten Freunden oder auch Geschlechtsverkehr, kein Vergnügen mehr. Ähnlich verhält es sich beim Flachen Affekt. Reize lösen nach außen hin eine geringe oder gar keine emotionale Reaktion beim Patienten aus.[29] Der Inadäquate Affekt hingegen bezeichnet emotionale Reaktionen, die in den jeweiligen Situationen unangemessen erscheinen. Dies ist ein seltenes Symptom, aber wenn es auftritt, verweist es deutlich auf eine schizophrene Erkrankung.[30]

Weitere negative Symptome sind die Alogie, die Abnahme von Qualität und/oder Quantität der Sprache, des Sprechtempos und des Informationsgehalts des Gesagten,[31] und die Katatonie. Bei letzterem Symptom treten extreme körperliche Bewegungen auf. Dabei erfolgt entweder eine hohe körperliche Aktivität oder völliges Erstarren in einer Position über einen bestimmten Zeitraum. Außerdem führen die Betroffenen oft außergewöhnliche Bewegungen aus, wie beispielsweise extreme Verbiegungen der Gliedmaßen.[32]

3.2. Ursachenforschung

Die Ursachen für die schizophrene Erkrankung konnten bis heute nicht vollständig ermittelt werden. Jedoch hat die Forschung in den letzten Jahren besonders die biologischen Ursachen betreffend große Fortschritte gemacht, welche allerdings nur kurz erwähnt werden sollen, da sie erst nach dem Erscheinen der Romane erforscht wurden.

Die Ursachen lassen sich in die biologischen Faktoren und die psychischen Ursachen bzw. die sogenannten Stressoren, gravierende negative Erlebnisse, unterteilen.

Die biologischen Faktoren wurden ausführlich in verschiedenen Tests untersucht.[33] Es wurde festgestellt, dass die Genetik, biochemische Substanzen und auch Mutationen des Gehirns ungefähr gleichwertige biologische Auslöser für Schizophrenien sind. Allerdings müssen immer biologische Faktoren und Umwelteinflüsse zusammenwirken, damit eine Schizophrenie ausgelöst wird. Biologische Faktoren können die Entwicklung der Krankheit fördern, wirkliche Ursachen sind allerdings fast immer psychischen Ursprungs.[34]

Eine psychische Ursache kann die soziale Schicht des Betroffenen sein. Schizophrenie ist in den unteren Schichten am meisten verbreitet. Die Ursache dafür sind die Stressoren, die innerhalb der unteren Schicht auftreten, wie Diskriminierung durch höhere Schichten und fehlende Perspektiven durch ein niedriges Bildungsniveau.[35] Ähnlich ist es bei der ethnischen Zugehörigkeit. Der Versuch, sich in eine neue Kultur einzugliedern, ist oft mit Stressoren wie Vorurteilen, Ausgrenzungen und sozialer Diskriminierung verbunden und erhöht damit das Schizophrenierisiko. Bei einem Vergleich zwischen Afrikanern, die in ihrem Herkunftsland lebten und denen, die nach London emigrierten, fiel die Schizophrenierate Letzterer höher aus. Eine weitere Studie ergab, dass das Risiko bei Immigranten der zweiten Generation fast doppelt so hoch ist, als bei Immigranten erster Generation.[36]

In einer anderen Studie wurde außerdem beobachtet, dass Kinder, die in einem urbanen Umfeld ihre Kindheit verbrachten, „2,75 Mal häufiger an Schizophrenie erkrankten als Kinder“[37], die in ländlicher Umgebung aufwuchsen.[38]

Doch nicht nur die lokale Umgebung, auch das Familienumfeld kann eine Ursache für Schizophrenie sein. Es wurde festgestellt, dass Familien mit starken Kommunikationsproblemen die Entstehung von Schizophrenie begünstigen.[39] Dass das Klima innerhalb der Familie auch allgemein eine wichtige Ursache für Schizophrenie darstellt, belegt das Modell der „Expressed Emotion“[40]. Die Schizophrenie wird in einer Familie mit einer hohen EE begünstigt. In diesen Familien dominieren „Kritik, Feindseligkeit und übermäßige Besorgtheit“[41]. Kritische Bemerkungen können vor allem einen paranoiden Schizophrenen stark verletzen und damit die Krankheit verstärken.[42] Allerdings geht die neueste Forschung davon aus, dass eine instabile Familie auch durch die Anwesenheit eines schizophrenen Familienmitglieds begünstigt wird. Damit wird ein Kreislauf verursacht, der zwar die Schizophrenie verstärkt, dennoch die Schuld der Eltern mindert. In den 60er Jahren dominierte allerdings noch die These, dass die Schizophrenie Schuld der Eltern, besonders der Mutter sei. Frieda Fromm-Reichmann, die Therapeutin von Joanne Greenberg, prägte den Begriff der „‘schizophregenen Mutter‘, deren gefühlskaltes und distanziertes Verhalten die zentrale Ursache der Schizophrenie des Kindes sei“.[43]

Neben diesen Ursachen nehmen die sogenannten Stressoren einen hohen Stellenwert ein. In einer Studie wurde beobachtet, dass Patienten, bei denen plötzlich schizophrene Symptome diagnostiziert wurden, in der unmittelbaren Vergangenheit mehrere gravierende negative Erlebnisse erfahren haben.[44]

Zum Schluss sollen noch prämorbide Merkmale genannt werden. Dies sind Verhaltensweisen, die vor dem Ausbruch einer Krankheit auf diese hinweisen. Die nachfolgenden Merkmale sind Ergebnisse verschiedener Studien und beschreiben eine Tendenz, keine festen Merkmale. Prämorbide Merkmale der Schizophrenie sind ein niedriger IQ, motorische Ungeschicklichkeit, Verschlossenheit, Delinquenz, bereits erstes Auftreten von negativen Symptomen und der Konsum von Drogen. Bei Jungen ist außerdem ein unangenehmes Auftreten und bei Mädchen Passivität zu beobachten.[45] Auch abweichendes Verhalten, dass sich beispielsweise anhand des Kleidungsstils oder besonderen Ritualen äußert, tritt auf.[46]

3.4. Therapie

Schizophrenie ist eine unheilbare Krankheit. Dennoch führt eine Therapie bei etwa einem Drittel der Patienten dazu, dass sie sich wieder in die Gesellschaft integrieren können, jedoch benötigt auch noch die Hälfte dieser weitere psychiatrische Behandlung. Der Genesungsverlauf innerhalb der Therapie ist bei jedem Patienten unterschiedlich und nicht kalkulierbar.[47]

Die Therapiemaßnahmen der Zeit, zu der die Romane publiziert wurden, bestanden vornehmlich aus medikamentösen und mechanischen Therapien. Medikamente zur Behandlung von Schizophrenie und Psychosen im Allgemeinen sind sogenannte Antipsychotika. Diese verdrängten in den 50er Jahren die mechanischen Therapieformen der Zwangsjacken und Elektroschocktherapie. Durch die Anwendung von Antipsychotika verringern sich die Symptome des paranoiden Schizophrenen, wie die Wahnideen und die Halluzinationen.[48] Allerdings sind auch die Nebenwirkungen, wie „Schläfrigkeit, Mundtrockenheit […] [,] Gewichtszunahme“[49] und Bewegungsstörungen, hoch. Eine mechanische Therapiemaßnahme, die bereits damals sehr umstritten war, ist die Präfrontale Lobotomie. Bei dieser Behandlungsmethode, die 1935 erstmals praktiziert wurde, werden „die Nervenbahnen zwischen Frontallappen und unteren Gehirnzentren durchtrennt“[50]. Die Operation wurde vor allem bei delinquenten Patienten angewendet und zeigte eine hohe Erfolgsrate. Jedoch traten starke Nebenwirkungen, wie absolute Apathie und die Verringerung der kognitiven Fähigkeiten, auf, die zur Abschaffung der Lobotomie führten.[51]

Bei all diesen Therapieformen der damaligen Zeit kann man jedoch eigentlich nicht von einer Therapie im eigentlichen Sinn sprechen. Entweder sind die Nebenwirkungen so hoch, dass sie dem Leiden, das die Krankheit verursacht, beinahe gleichkommen oder die Maßnahmen sind nur ein Mittel zur Ruhigstellung des Patienten. Über Gesprächstherapien in der damaligen Zeit, die heutzutage zu den wirkungsvollsten Therapien zählen, konnten keine Informationen gefunden werden.

4. Die Darstellung von Schizophrenie in den Romanen

4.1. Die Darstellung der Symptomatik

4.1.1. Die Darstellung der Symptomatik in „Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen“

Die Schizophrenie der Hauptfigur Deborah wird als sehr komplexe Krankheit dargestellt, indem beispielsweise eine große Anzahl von Symptomen abgebildet wird. Diese werden sowohl direkt – explizit, quasi dokumentarisch – als auch indirekt – erzählerisch in die Handlung des Romans integriert – dargestellt. Direkt mitgeteilt wird Deborahs Einweisungsdiagnose, die am Anfang des Romans steht.[52] Sie enthält den expliziten medizinischen Befund über den Zustand der Hauptfigur, bis hin zur genauen Bezeichnung der Krankheit. Im Gegensatz dazu werden die meisten Angaben über die Schizophrenie Deborahs innerhalb der Handlung dargestellt und können anhand dieser vom Leser als Informationen über die Krankheit interpretiert werden.

Auch innerhalb der Einweisungsdiagnose werden einige Symptome indirekt dargestellt. So wird berichtet, dass Deborah „[v]iele Fragen falsch interpretiert und hochgradig personalisiert […] [und] [d]urchgängig subjektive Reaktionen auf Interview und Test [zeigt].“[53] Dieses Verhalten verweist auf die Tendenz zum Beziehungswahn. Obendrein befinden sich in diesem Teil Hinweise auf Gemachte Handlungen, da Deborah während des Interviews mit dem Arzt bereits nach kurzer Zeit unfähig ist, sich logisch zu äußern und „mit extremen Angstzuständen auf alles [reagiert]“[54]. Daran lässt sich außerdem erkennen, dass Deborah zur Desorganisierten Sprechweise[55] tendiert sowie zu Wahnideen, welche in Form der extremen Angstzustände dargestellt sind. Auch lässt sich eindeutig das Symptom Inadäquater Affekt bestimmen, da Deborah während des Interviews „dreimal […] unangemessen [lacht]“[56]. Des Weiteren wird auch ein Gemachter Impuls dargestellt: „[M]itten im Bericht über ein Vorkommnis, sprang die Patientin auf und sagte in anklagendem Ton:‚Ich habe Ihnen die Wahrheit über diese Dinge gesagt, werden Sie mir jetzt helfen?‘“[57] Betrachtet man also die Symptome, die in der Einweisungsdiagnose dargestellt werden, erkennt man eine Mischung aus positiven und negativen Symptomen, was auf einen undifferenzierten Typus der Schizophrenie verweist. Jedoch sind diese Symptome nur ein Ausschnitt der Gesamtpalette derer, die im Roman dargestellt werden und außerdem fehlt in dieser Darstellung das dominierende Symptom– Deborahs Yr-Welt.

Die Yr-Welt oder auch „das Reich Yr“[58] ist eine komplexe, vorwiegend akustische Halluzination. Für Deborah stellt sie eine zweite Realität dar. Die Yr-Welt äußert sich vorwiegend durch Stimmen, die Deborah hört. Diese Stimmen setzen sich aus denen einzelner Götter[59] und denen des „Chorus, der Zusammenballung der Schatten aller Lehrer und Verwandten und Schulkameraden“[60], zusammen. An der Definition des Chorus erkennt man, dass Yr eine Art Gericht[61] über Deborahs Gefühle und Gedanken darstellt, das auch imaginäre Meinungen der Personen ihres Umfeldes beinhaltet. Hört Deborah den Chorus oder die Götter, so beleidigen sie sie oder verhöhnen ihre Hoffnungen oder Versuche gesund zu werden, beispielsweise mit: „Für immer, verrücktes Mädchen! Für immer, faules Mädchen!“[62] Die akustischen Halluzinationen treten vorwiegend in Situationen auf, in denen Deborah unsicher oder ängstlich ist oder an sich zweifelt. So wird die zuvor präsentierte Diffamierung der Yr-Götter durch eine Unterhaltung zwischen Deborah und der Patientin Carla ausgelöst: „‚Kommt jemals irgend jemand [aus der Klinik] heraus?‘ fragte Deborah. ‚Ich meine gesund heraus?‘‚Ich weiß nicht‘, sagte Carla. Sie fragten die Schwester. ‚Ich weiß nicht, so lange bin ich noch nicht hier.‘“[63] Da die Schwester Deborahs Frage nicht beantworten kann, wird bei Deborah ein weiterer Schub ausgelöst.

Die Halluzinationen der Yr-Welt beschränken sich nicht nur auf die Akustik. Sobald Deborahs Angst[64] und Zweifel einen gewissen Grad überschreiten, sie mit der Möglichkeit der Heilung und damit mit der Aufgabe Yrs konfrontiert wird oder aus Versehen Details aus ihrer Parallelwelt offenbart[65] und damit starke Stressoren auf Deborah wirken, nimmt Yr auf ihr gesamtes Bewusstsein Einfluss. Dieser Eingriff in Deborahs Sinne läuft meistens so ab, dass Deborah sich zunächst betäubt fühlt und an Katatonie in Form von Bewegungseinschränkungen leidet.[66] Danach wird ihre Sinnwahrnehmung immer mehr eingeschränkt, sie wird allmählich bewusstlos und nimmt nur noch die Parallelwelt in Form von akustischen und sogar visuellen Halluzinationen wahr. Der Übergang von der Realität zur Yr-Welt erfolgt meistens in gewaltsamer Form. In diesen Passagen werden eine sehr bildhafte Sprache und viele destruierende Verben verwendet, wie in diesem Beispiel:

Aus der Freiheit wurde Deborah Blau kopfüber mitten in den Zusammenprall der beiden Welten geschmettert. Wie jedesmal vorher war es ein geisterhaft stummes Zerbrechen. In der Welt, in der sie am intensivsten lebendig war, barst die Sonne am Himmel, die Erde brach aus, ihr Körper wurde in Stücke zerrissen, ihre Zähne und Knochen zerbrochen und zermalmt.[67]

In Passagen, in denen diese visuellen Halluzinationen dargestellt werden, wird meistens mit starker Zeitraffung oder sogar Aussparungen gearbeitet, indem Deborahs Wahrnehmungen der Parallelwelt kurz geschildert werden oder die Handlung direkt im Anschluss an das Aufwachen Deborahs aus der Bewusstlosigkeit fortgesetzt wird.[68]

Das Interessante und zugleich Schwierige an der Yr-Welt ist für den Leser die bereits erwähnte hohe Komplexität des Textes und der Darstellung der Krankheit in diesem. So hat Yr beispielsweise eine eigene Sprache, der ein Sprachsystem zugrundeliegt, welches Wörter beinhaltet, die nicht ins Englische übersetzt werden können, weil sie Erlebnisse Deborahs ausgesprochen präzise abbilden. Ein Beispiel dafür ist Upuru, „Yrs Wort für die Erinnerung an alle Geschehnisse und Gefühle [des] letzten Tages im Krankenhaus – jenes Tages, von dem an alles in einem Grauschleier zu verschwimmen schien.“[69] Deborah selbst beschreibt diese Sprache als bildhaft, mit vielen Metaphern.[70] Außerdem besitzt Yr auch eine eigene Zeitrechnung, die derart kompliziert dargestellt wird, dass man vermuten muss, dass der Leser diese gar nicht verstehen soll, sondern sie nur dazu dient, die Komplexität der Krankheit darzustellen. An ihr erkennt man außerdem, wie stark Deborah bereits in die Yr-Welt integriert ist, da sie sich grundsätzlich an der Zeitrechnung Yrs orientiert.[71] Des Weiteren ist Yr in mehrere Ebenen untergliedert, die genau wie die Götter ihre eigenen Aufgabenbereiche besitzen. Ein Beispiel hierfür ist die „Vierte Ebene […], eine Art neutraler Ort, […] [ohne] Gefühle, die man ertragen mu[ss], keine Vergangenheit oder Zukunft, zwischen denen man zerrieben [wird]“[72]. Die Vierte Ebene scheint demnach ein Zufluchtsort für Deborah zu sein. Allerdings hat sie keine Macht darüber, ob und wann sie in diese Ebene gelangt.

[...]


[1] Greenberg verweist zwar deutlich darauf, dass es sich um einen Roman und nicht um eine Autobiographie handelt, jedoch hebt Schultze-Jena die Tatsache hervor, dass die Angaben über Greenbergs Therapeutin, Frieda Fromm-Reichmann, im Roman nahezu der Realität entsprechen. Vgl. Schultze-Jena 2004: S.72.

[2] Thompson: http://www.narpa.org/greenberg.htm (13.07.2010).

[3] Im Vergleich dazu wurde der Roman „Das Parfum“ von Patrick Süskind, der zu einem der erfolgreichsten aller Zeiten zählt und sieben Jahre nach Greens Roman veröffentlicht wurde, bereits in 46. Auflage gedruckt. Quelle: www.amazon.de .

[4] Vgl. o.V.: http://www.mountaintopauthor.com/pages/press.html (13.07.2010).

[5] Vgl. Guttenberg: http://biography.jrank.org/pages/4377/Greenberg-Joanne.html (13.07.2010).

[6] Vgl. Walker 2001: S.2.

[7] Vgl. ebd.

[8] Wörter, die durch kursive Schreibung markiert sind und sich auf Psychologie beziehen, können im Glossar nachgeschlagen werden.

[9] Auf diesen Punkt soll später noch genauer eingegangen werden.

[10] Vgl. Kesey 1982: S.182.

[11] Da vor allem die christliche Symbolik innerhalb des Romans für diese Bachelorarbeit nicht relevant ist, wird sie keine Erwähnung finden. Eine ausführliche Analyse dieser Thematik findet sich bei Searles. Vgl. Searles 1992: S.103.

[12] Stark 1995: S.13.

[13] Mischformen aus beiden Formenkreisen werden als schizoaffektive Psychose bezeichnet. Vgl. ebd. S.13f.

[14] Ebd. S.15.

[15] Der Grund, warum nicht zunächst die Symptome des schizophrenen Formenkreises dargestellt werden, ist, dass das Wort Schizophrenie nur eine andere Bezeichnung hierfür darstellt, die gebräuchlicher ist. Deshalb soll in dieser Hausarbeit der Begriff Schizophrenie als Synonym für die Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis benutzt werden.

[16] Vgl. Davison/Hautzinger/Neale 2007: S.366.

[17] Ebd.

[18] Diese Unterteilung wird nicht in allen Fachbüchern vorgenommen, jedoch soll sie der Übersichtlichkeit wegen in dieser Arbeit verwendet werden.

[19] Vgl. Davison/Hautzinger/Neale 2007: S.368.

[20] Vgl. Butcher/Mineka/Hooley 2009: S.586.

[21] Vgl. Davison/Hautzinge/Neale 2007: S.368.

[22] Vgl. ebd.

[23] Vgl. ebd. S.369.

[24] Vgl. ebd. S.369f.

[25] Vgl. Süllwold 1995: S.50f.

[26] Vgl. Davison/Hautzinger/Neale 2007: S.368.

[27] Vgl. ebd. S.370.

[28] Vgl. ebd. S.371.

[29] Vgl. ebd.

[30] Vgl. ebd. S.372.

[31] Vgl. ebd. S.370.

[32] Vgl. ebd. S.371.

[33] Da sich in den vorliegenden Romanen keine Hinweise zu biologischen Ursachen für die Erkrankungen nachweisen lassen, soll auf diese hier nicht weiter eingegangen werden.

[34] Vgl. Davison/Hautzinger/Neale 2007: S.378f.

[35] Vgl. ebd. S. 388f.

[36] Vgl. ebd. S.389f.

[37] Butcher/Mineka/Hooley 2009: S.619.

[38] Die Gründe für die Problematik des urbanen Lebens sind allerdings noch unerforscht.

[39] Vgl. Davison/Hautzinger/Neale 2007: S.390.

[40] Abgekürzt: EE. Ebd. S.391.

[41] Davison/Hautzinger/Neale 2007: S.395.

[42] Das Modell der Expressed Emotion zeigt allerdings auch, dass die Schizophrenie eines Familienmitglieds kritische Bemerkungen bei Familien mit einem hohen EE begünstigt.

[43] Butcher/Mineka/Hooley 2009: S.616.

[44] Vgl. Barlow/Durand 2002: S.443.

[45] Vgl. Davison/Hautzinger/Neale 2007: S.392.

[46] Vgl. Hautzinger/Thies 2009: S.53.

[47] Vgl. Butcher/Mineka/Hooley 2009: S.622.

[48] Vgl. Butcher/Mineka/Hooley 2009: S.623.

[49] Ebd.

[50] Davison/Hautzinge/Neale 2007: S.396.

[51] Vgl. ebd.

[52] Hierbei ist natürlich zu beachten, dass es sich um eine fiktive Diagnose handelt. Jedoch ist sie mit Sicherheit an die der Autorin angelehnt und hat damit einen starken Realitätsbezug.

[53] Green 2009: S.16.

[54] Ebd.

[55] Eine weitere Darstellung dieses Symptoms befindet sich auch innerhalb der Handlung, als Deborah einem Arzt, der sehr sensibel auf sie eingeht, danken will: „Sie entschloß sich, ihm als Geschenk die Versicherung zu geben, daß er sie berühren konnte, ohne zu sterben. ‚Machen Sie sich keine Sorgen‘, sagte sie freundlich, ‚der Kontakt ist so kurz, daß die Möglichkeit einer Infektion ausgeschlossen ist.‘ ‚Das ist der Grund, warum ich das hier benutze‘, sagte er und schabte weiter. Als er den Verband anlegte, wurde ihr klar, daß er sie nicht verstanden hatte, und sie entschloß sich, ihm von der dritten Dimension des Sehens zu erzählen. Es brach aus ihr in einem einzigen Satz heraus. ‚Sehen ist nicht alles!“ Green 2009: S.177f.

[56] Green 2009: S.16.

[57] Ebd.

[58] Ebd. S.9.

[59] Jeder einzelne Gott hat einen Namen, besondere Eigenschaften und eine bestimmte Rolle innerhalb Yrs.

[60] Ebd. S.20.

[61] Die Assoziation mit einem Gericht wird auch in der folgenden Textstelle hergestellt: „Yr hatte sich gegen sie versammelt, als sie auf die Station zurückkam.“ Green 2009: S.53.

[62] Ebd. S.20.

[63] Ebd.

[64] Dass Angst der Auslöser für diese Schübe ist, wird besonders in Passagen auf den Seiten 18, 21, 29, 53, 65 und 134 deutlich.

[65] Dies wird auch durch eine Aussage der Figur Dr. Fried belegt: „Du gibst ein Geheimnis unserem Blick preis, und dann kriegst du solche Angst, daß du in Deckung gehst: hinein in die Panik oder in deine geheime Welt.“ Ebd S.62.

[66] Vgl. ebd. S.10 und 78f.

[67] Ebd. S.10.

[68] Green 2009: S.48.

[69] Ebd. S.47.

[70] Vgl. ebd. S.50.

[71] Vgl. ebd. S.18.

[72] Ebd. S.9.

Details

Seiten
61
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640817597
ISBN (Buch)
9783640821150
Dateigröße
640 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v165834
Institution / Hochschule
Universität Rostock
Note
1,2
Schlagworte
Schizophrenie Einer flog über das Kuckucksnest Ich hab dir nie einen Rosengarten versprochen Ken Kesey Joanne Greenberg Hannah Green Geisteskrankheit Literatur Geisteskrankheit Germanistik Romanvergleich

Autor

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Titel: Die Darstellung von Geisteskrankheit in der erzählenden Literatur