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Pierre de Coubertins Olympische Idee

Hausarbeit 2010 12 Seiten

Sport - Sportgeschichte

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Bedeutung der ersten Olympischen Spiele

3. Ziele der Olympischen Idee

4. Deutschlands Bedeutung in der Entstehungsgeschichte der Olympischen Idee

Bibliographie:

1. Einleitung

„Citius, altius, fortius“ oder im Deutschen „schneller, höher, stärker“ – dieser Leitspruch des französischen Barons Pierre de Coubertin aus dem Jahr 1891 drückt den Grundgedanken der modernen Olympischen Spiele aus und ist auch noch heute nach wie vor Leitbegriff für die Olympische Bewegung. Diese Komparative standen zum Ende des 19. Jahrhunderts in engem Zusammenhang mit dem allgemeinen sozialen, wirtschaftlichen und kolonialistischen Rekord- und Expansionsstreben der führenden Industriestaaten und sollten in der Folgezeit eben auch für die Sport- und Olympia-Bewegung des 20. und 21. Jahrhunderts zum Grundsatz werden.

Die modernen Olympischen Spiele sind in den vergangenen 114 Jahren zu einem fest etablierten Bestandteil des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens geworden. Für die Völkerverständigung und Annäherung der unterschiedlichsten Kulturen haben die Olympischen Spiele eine große Bedeutung erlangt. Die Olympische Bewegung expandierte vor allem seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in rasantem Ausmaß, was sich auf Teilnehmer, Zuschauer, Wettbewerbe, Medieninteresse sowie auch die sportliche Leistung bezieht. Die Olympischen Spiele erlebten vor allem durch die Medialisierung der Gesellschaft einen erheblichen Aufstieg und haben inzwischen eine enorme kulturelle, soziale sowie wirtschaftliche Bedeutung erlangt. Bei den insgesamt 46. Olympischen Spielen und 29. Sommer-Spielen im Jahr 2008 in Peking nahmen 11.126 Sportler aus 204 Nationen an insgesamt 302 Wettbewerben in 28 Sportarten teil. Weltweit verfolgten das Ereignis etwa 4,7 Milliarden Zuschauer im Fernsehen, was rund 70 Prozent der Weltbevölkerung entspricht. Die Einnahmen des Internationalen Olympischen Komitees aus Fernsehrechten und Sponsorengeldern betrugen für die Spiele im Jahr 2008 rund drei Milliarden Euro[1].

Die Olympischen Spiele hatten zudem einen entscheidenden Einfluss auf die „Versportlichung“ der Gesellschaft im 20. Jahrhundert. Die Expansion der Olympischen Spiele bewirkte einen weltweiten „Sport-Boom“, der vor allem seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Industriestaaten zu verzeichnen ist. Dies bezieht sich sowohl auf den Aktivensport, als auch auf den Zuschauersport. Hierbei hat die Entwicklung der Olympischen Spiele einen entscheidenden Anteil. Darüber hinaus hatten die Olympischen Spiele seit jeher große politische Bedeutung. Bereits die Entstehungsgeschichte der ersten Olympischen Spiele war von erheblichen politischen Widerständen geprägt. Im deutschen Nationalsozialismus wurden die Olympischen Spiele im Jahr 1936 in Berlin zum Instrument der „Nazi-Propaganda“. Auch in den 80er Jahren, bei den Spielen 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles, wurden sie zu einem Politikum, das aufgrund des „Kalten Krieges“ in Boykottierungen mündete. Nicht nur die Olympischen Spiele, sondern überhaupt ist Sport im Laufe der Jahrhunderte immer wieder instrumentalisiert worden. Hier sind die römischen Gladiatorenkämpfe als Kaiserpropaganda, der italienische „Calcio“ als Popularitätssteigerung der „Medici“, die mittelalterlichen Ritterturniere als Stärkung der Ritter-Position oder die deutsche Turnbewegung als Verbesserung der Militärtüchtigkeit zu nennen.

Die rasante Entwicklung der Olympischen Spiele hätte wohl auch ihr Initiator, der französische Baron Pierre de Coubertin, nicht für möglich gehalten, als er im Jahr 1880 die Idee zur Wiederbelebung der antiken Olympischen Spiele hatte. Diese Idee des Pariser Pädagogen und Historikers, der von 1863 bis 1937 gelebt hat, stand im engen Zusammenhang mit den archäologischen Ausgrabungen der antiken olympischen Sportstätten der Jahre 1875 bis 1881, einer steigenden Mobilität sowie einer weltweit aufstrebenden Sportbewegung gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die antiken Olympischen Spiele, die sich über eine Zeitspanne von knapp 1.200 Jahre erstreckten und im griechischen Olympia zwischen 776 vor Christus und 393 nach Christus stattfanden, sollten wiederbelebt werden, sodass Coubertin daher auch Athen als Austragungsstätte für die ersten neuzeitlichen Olympischen Spiele auserkoren hatte. Die Renaissance der Olympischen Idee erfuhr in den Folgejahren jedoch große Widerstände, die in großem Maße auch die Frage nach einer Beteiligung Deutschlands mit sich brachte. Protektionistische, nationalistische und chauvinistische Gründe spielten dabei eine wesentliche Rolle. Hinzu kamen finanzielle, strukturelle und inhaltliche Bedenken der Olympia-Gegner.

2. Bedeutung der ersten Olympischen Spiele

Der französische Baron Pierre de Coubertin, ein adeliger Historiker und Pädagoge, hatte Ende der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts erstmals die Idee von der Wiederbelebung der Olympischen Spiele, nachdem er die antike Olympia-Kultur der Hellenen mit großer Akribie und voller Faszination studiert hatte und sich davon begeistern ließ.[2] Mit dem Hintergrund von pädagogischen sowie sportpolitischen Zielen entwickelte Pierre de Coubertin seine Olympische Idee, die im Gegensatz zu den antiken Olympischen Spielen eine internationale Wettkampfform mit Teilnehmern aus den unterschiedlichsten Ländern vorsah. Gemeinsam mit dem französischen Dominikanerpater Henri Didon, der ihn in seinen Planungen unterstütze, schuf der Baron das olympische Motto „Citius, altius, fortius“ oder im Deutschen „höher, schneller, stärker“.[3] Durch den aufkommenden Sportgedanken und der zunehmenden Bedeutung von immer mehr Sportarten sah Coubertin die Zeit als geeignet für eine Renaissance der Olympischen Spiele. Auch die Ausgrabungen der olympischen Wettkampfstätten Ende der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts und die damit verbundene Renaissance der hellenischen Kultur bestätigten Coubertins Vorhaben und verstärkten seine Hoffnung auf die Erfolgsaussichten seiner Idee. Zu dieser Zeit war die Neuentdeckung Olympias durch den weit verbreiteten Philhellenismus des 19. Jahrhunderts befruchtet worden.[4] Daher trat er im Jahr 1880 erstmals an die Öffentlichkeit heran und propagierte fortan in Frankreich die Olympische Bewegung. Im Jahr 1892 hielt Coubertin in der Pariser Sorbonne vor großem französischem Publikum einen Vortrag zu seinem Vorhaben und bezeichnete sein „Olympisches Manifest“ dabei selbst als „großartiges und heilsames Werk“[5], nachdem er die nationalen sowie internationalen Vorteile und positiven Wirkungen herausgestellt hatte. Zur Verbreitung seiner Idee machte es sich Coubertin zu Nutze, dass er zu vielen Vertretern von Sportverbänden aus zahlreichen Ländern gute Kontakte hatte und über ausgezeichnete diplomatische Beziehungen verfügte. Im Jahr 1894 rief Pierre de Coubertin erstmals zu einem internationalen Sportkongress in der Pariser Sorbonne auf, zu der er Teilnehmer aus vielen verschiedenen Ländern einlud und in der er seine Olympische Idee erstmals einem internationalen Publikum vorstellte. Im Rahmen dieses Kongresses am 23. Juni 1894, der Geburtsstunde der modernen Olympischen Spiele, gründete man das Internationale Olympische Komitee und beschloss die Durchführung der ersten Olympischen Spiele der Neuzeit.[6]

Pierre de Coubertin war ein Anhänger des modernen Humanismus, dessen Lebenswerk die Olympischen Spiele darstellten und der für die Durchsetzung seiner Idee eine unermüdliche Schaffenskraft entwickelte.[7] Pierre de Coubertin wollte durch die Olympische Bewegung sämtliche Menschen an seiner Idee beteiligen und sie dafür begeistern. So sollten die Spiele nicht nur eine Angelegenheit für Hochleistungssportler und die Olympia-Teilnehmer sein, sondern darüber hinaus für überhaupt alle sporttreibenden Menschen existent sein und die Leute dazu animieren, Sport zu treiben.[8] Die Bedeutung der ersten Austragungen der Olympischen Spiele war im Verhältnis heutiger Maßstäbe jedoch sehr klein. Die Spiele waren nicht mehr als gesellschaftliche Ereignisse mit lokalem Volksfestcharakter. Die zweiten und dritten Spiele in Paris 1900 und St. Louis 1904 fanden im Rahmen von Weltausstellungen statt und bildeten daher nur das Rahmenprogramm. Die Messebesucher begutachteten lieber das Messegelände, als dass sie die olympischen Wettkämpfe besuchten. In der Bevölkerung maß man den Spielen keine allzu große Bedeutung zu. Sie waren eine Nischenattraktion, was letztlich auch bei der olympischen Premiere 1896 nicht anders war. Die Spiele waren „sehr zum Unmut Pierre de Coubertins unzeremonielle Attraktionsveranstaltungen“[9]. Es war keine Massenattraktion, sondern vielmehr ein Randprogramm, zu dem die Griechen keinen allzu großen Bezug hatten. Was für uns heute völlig normal und anerkannt ist, war damals vielfach als eine Angelegenheit für Exoten verpönt. Während wir heutzutage den Sinn von sportlichen Höchstleistungen und Rekord- und Wettkampfbestrebungen als gegeben ansehen, erkannten die Menschen diesen Sinn damals noch nicht. Das Streben, in einer Sportart besser zu sein als Andere, ohne dabei einen finanziellen, wirtschaftlichen oder politischen Nutzen zu verfolgen, war damals eine unbekannte Größe, die man nicht nachvollziehen konnte. Sport war nicht Teil der Gesellschaft, wie es heute der Fall ist. Hinzu kam, dass die Berichterstattung der ersten Spiele mangelhaft war. Es gab nur wenige Sportberichterstatter, die die Ergebnisse häufig verspätet, fehlerhaft oder auch gar nicht in der Presse veröffentlichten. Auch die Chancengleichheit, die Coubertin ursprünglich als eines der wichtigsten Ziele der Spiele angesehen hatte, war in der Praxis der ersten Olympischen Spiele nicht gegeben. Offiziell durften zwar nur Amateure an den Start gehen, wie es Coubertin auf Druck der Öffentlichkeit beschlossen hatte, doch war der Grad eines Amateurstatus in der Praxis oftmals nur schwer abzugrenzen und zudem häufig nicht zweifelsfrei nachprüfbar. Das führte dazu, dass auch mehr oder minder professionelle Athleten starteten und anderen Sportlern keinerlei Chance ließen. Damit waren riesige Leistungsunterschiede und oftmals eindeutige, spannungslose Wettkampfverläufe verbunden. Genau wie es der Charakter der Industrialisierung sowie des aufstrebenden Imperialismus suggerierte, galten auch die ersten Olympischen Spiele als „Symbol der Erfolgsgesellschaft und ihrer Leistungshierarchie“[10], was in Bezug auf Sport zu diesem Zeitpunkt eine Neuerscheinung darstellte, für die die überwiegende Bevölkerung noch keinerlei Verständnis hatte.

Das IOC um Pierre de Coubertin hatte sich im Vorfeld der Spiele bewusst dazu entschieden, die Sportler unter der Flagge ihres jeweiligen Landes und nicht nationenunabhängig starten zu lassen, auch wenn die politische Brisanz dadurch erst ihren Nährboden erhalten hatte. Trotz der daraus resultierenden Probleme, vor allem im Hinblick auf den deutsch-französischen Konflikt, hielt Coubertin diese Entscheidung für den Fortbestand der Olympischen Spiele für unerlässlich, da durch die Nationenzugehörigkeit verstärkte Motivation und ein zusätzlicher Anreiz sowohl für die Sportler, als auch für die Zuschauer geschaffen werden konnten, was für Bedeutung und Begeisterungsfähigkeit der Olympischen Idee essentiell waren. Diesen Zwiespalt sah auch der Historiker Helmut Schelsky, indem er in seinem Werk „Friede auf Zeit“ einen nationenunabhängigen Wettbewerb zwar mit einer unproblematischeren Entpolitisierung verband, darin jedoch den Nachteil eines geringeren Identifizierungsgrades und schlechterer Möglichkeiten für Völkerverständigung und Friedensbestrebungen erkannte.[11] Trotz der politischen Probleme und der relativ geringen Bedeutung war die Olympia-Premiere ein wichtiger Grundstein und für den späteren Erfolg der Olympischen Spiele eine wichtige Voraussetzung. Auch wenn Coubertin im Vorfeld der Spiele mit wesentlich mehr Teilnehmernationen, Sportlern und öffentlichem Interesse gerechnet hatte, so ist die erste Austragung der Olympischen Spiele angesichts der großen politischen Widerstände letztlich als Erfolg zu werten, zumal es gelang, immerhin Athleten aus 13 verschiedenen Nationen zu einer gemeinsamen Sportveranstaltung und einem friedlichen Wettstreit zusammenzuführen.

3. Ziele der Olympischen Idee

Pierre de Coubertins Olympische Idee unterstand zwei Zielrichtungen. Zum einen verfolgte er damit soziale Ziele und zum anderen politische Intentionen. Coubertin erhoffte sich von der Olympischen Bewegung erzieherische Einflüsse. Durch eine Sporterziehung wollte er die sportliche Betätigung bei der Bevölkerung vorantreiben, was sich auch auf den Schulsport mit Sport als erzieherischem Gut beziehen sollte. Sport sollte nach der Ansicht Coubertins den Charakter sowie die Persönlichkeit stärken und auch die Sittlichkeit und Tugenden der Menschen wie Fleiß, Ordnung und Disziplin fördern, was durch regelmäßiges Training gefördert würde. Außerdem sollte der Sport laut Coubertin eine Stärkung des Körpers und Gesunderhaltung bewirken. Durch die Olympischen Spiele sollte der Sport in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt werden. Menschen sollten sich dadurch für sportliche Betätigung sensibilisieren und begeistern lassen. Sie sollten sich durch die Olympische Idee faszinieren lassen und trainieren, um ähnliche Leistungen vollbringen zu können. Coubertin war ein Anhänger des Strebens nach sportlichen Höchstleistungen, was er jedoch auf Druck der protestierenden, den professionellen Sport ablehnenden Öffentlichkeit relativieren musste, indem er die Teilnahme an den Spielen für professionelle Sportler verbieten musste, sodass nur Amateursportler daran teilnehmen durften.

[...]


[1] Zahlen bei http://www.olympic.org, 04.08.2010

[2] Vgl. Frenzen: Olympische Spiele, S. 9 f.

[3] Vgl. Malter: Olympismus, S. 4 f.

[4] Vgl. Müller: Internationale Olympische Akademie, S. 5

[5] Coubertin: Der Olympische Gedanke, S. 1

[6] Vgl. Schöbel: Olympia und seine Spiele, S. 134 f.

[7] Vgl. Müller: Olympische Studien, S. 26

[8] Vgl. Frenzen: Olympische Spiele, S. 11

[9] Soziologie der Olympischen Spiele, S. 100

[10] Winkler: Sport und politische Bildung, S. 24

[11] Vgl. Schelsky: Friede auf Zeit, S. 24

Details

Seiten
12
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656086192
ISBN (Buch)
9783656087649
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v165859
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,3
Schlagworte
pierre coubertins olympische idee

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Titel: Pierre de Coubertins Olympische Idee