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Die Weisheit in "Sprüche 8"

Hausarbeit 2009 8 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Uberblick:

Kurzzusammenfassung

In Spruche 8 stellt sich die Weisheit dem Volk Israel vor. In einer Rede an das Volk erklart die personifizierte Weisheit ihre Vorzuge und erzahlt von ihrem gottlichen Ursprung. Ihr Ziel ist es, die Menschen zu einem gottbejahenden Leben einzuladen, ansonsten sind die Menschen verloren. Aufterdem erzahlt sie dem Volk, dass sie bei dem Schopfungsakt anwesend war und mitgewirkt hat und stellt sich so als ein gottesahnliches Wesen vor.

Auslegung:

1. Erster Leseeindruck

In Spruche 8 wird die Weisheit personifiziert und spricht den Leser direkt an. Auf den Le- ser wirkt die Weisheit sehr selbstbewusst, denn sie versteckt sich nicht und schildert ihre Vorzuge. Allerdings wirkt die Weisheit auch uberheblich und von sich selbst uberzeugt - sie wirbt fur sich. So ist die Einladung der Weisheit an die Menschen eine Art Selbstan- preisung. In diesem Text zeigt sich die Weisheit als dynamisch, direkt und fordernd.

2. Synchrone Zugangsweise

Das Spruchebuch befindet sich im Kanon zwischen den Psalmen und den Predigern.

In den Kapiteln 1-5 der Proverbien wird die Rolle der Weisheit beschrieben, die sie im Leben der Menschen spielt. Thematisiert wird hierbei, wie das Schicksal derjenigen, die sich der Weisheit anschlieften und derjenigen, die die Weisheit ablehnen, aussehen wird. In den Kapiteln 6-8 wird dann der Ursprung der Weisheit geklart. Dem Buch der Weisheit zufolge hat die Weisheit einen gottlichen Ursprung und erweist sich als praexistente Kraft, die an der Schopfung mitgewirkt hat. Die Weisheit als Inspiration und Muse Gottes?

In Kapitel 9 des Spruchebuchs wird dann die Torheit dargestellt, die in Kontrast zur Weis­heit steht und alle gegenteiligen Eigenschaften besitzt. Insgesamt geht es in den Kapiteln 1-9 um das Lob der Weisheit. Die Spruche 1-9 stellen einen Teil des Spruchebuchs dar, in denen „zehn Lehrreden, vier Weisheitsgedichte [...] und drei Zwischenstucke“ vorkom- men (Meinhold, 2004, 1627). Spruche 8 ist demnach eine Lehrrede der Weisheit an das Volk. Allerdings konnte Spruche 8 auch ein Weisheitsgedicht zu Ehren der Weisheit sein (vgl. Meinhold, 1991, 132).

In den Kapiteln 10-19 wird das geschichtliche Wirken der Weisheit beleuchtet. An dieser Stelle wird der Bezug zu Israels Auszug aus Agypten hergestellt. In den letzten Kapiteln des Spruchebuchs wird von Ratschlagen der Weisen erzahlt. Im Buch der Weisheit wird die Weisheit als Schopfungsmittlerin und geschichtliche Kraft dargestellt. Auffallig sind die Spuren des griechischen Denkens in dieser Schrift, die eine wichtige Rolle bei der Verfas- serfrage spielen (vgl. Ego, 2006, 1451f).

Nach H. Engel befindet sich in Spruche 7,22-8,1 der „Hymnus auf die Weisheit“, da man als Leser in diesem Abschnitt etwas uber das Wesen, den Ursprung und die Wirkkraft der Weisheit erfahrt (vgl. Engel, 1998, 132). Jedoch geht das Eigenlob der Weisheit bis zu Vers 21.

Spruche 8, 1-21: Im ersten Abschnitt des Kapitel 8 des Spruchebuchs tritt die Weisheit als Person auf. Allerdings preist sie sich in diesem Kapitel selbst an und wirbt dafur, sich ihr anzuschlieften. Sie zeigt sich offentlich und spricht direkt zum Volk. Aufterdem macht sie den Menschen Hoffnung - Voraussetzung fur ein gutes Leben ist jedoch, sich ihr an­zuschlieften. Die Weisheit empfiehlt sich in diesem Abschnitt selbst und will die Menschen so dazu bringen, sich fur ein Leben mit Gott zu entscheiden und ihrer Einladung Folge zu leisten.

Spruche 8, 22-31: Im zweiten Abschnitt erzahlt die Weisheit von ihrem gottlichen Ur­sprung. Sie beschreibt sich selbst als praexistente Kraft und erklart, dass sie wahrend dem Schopfungsakt anwesend war. Des Weiteren beschreibt sie sich selbst als Gottes Liebling (Vers 30). Sie war anwesend bei der Schopfung und unterhielt den Herrn (Vers 30f.). Somit kann sie auch als Inspiration Gottes wahrend des Schopfungsakts verstanden werden. Der Herr setzte sie an den Anfang und stellte so die Beziehung zwischen der Schopfung und ihm her. Die Weisheit ist demnach auch eine Mittlerin. Sie wird als Anfang der Schopfung verstanden und ist somit auch der Anfang des gottlichen Wirkens (vgl. Mullner, 2006, 104).

Spruche 8, 32-36: Im letzten Abschnitt ist die Weisheit als eine Art Wegweiser fur die Menschen zu verstehen. Wenn man dem Weg der Weisheit folgt, fuhrt man ein gottgefal- liges Leben (Vers 32ff.). Die Weisheit ladt die Menschen ein, sich ihr anzuschlieften und ihr zu folgen. Letztlich ist es aber die Entscheidung jeden Einzelnen, sich von der Weis- heit einladen zu lassen und ihr zu folgen. Allerdings macht die Weisheit in ihrer Rede auch darauf aufmerksam, dass diejenigen, die sich ihrer verweigern und sich ihr nicht anschlieften, verloren sind (Vers 36).

Durch die Rede der Weisheit in Kapitel 8 des Spruchebuchs, die sich an das Volk Israel richtet, soll den Menschen bei ihrer Entscheidung geholfen werden. Die Menschen mus- sen sich zwischen einem Leben mit Gott - das von Gottesfurcht gepragt sein soll - und einem Leben ohne Gott entscheiden. Das Leben ohne Gott birgt fur die Menschen jedoch keine Hoffnung. Als gottesahnliches Wesen soll die Weisheit den Menschen durch ihre Rede und auch durch ihr Werben fur ein gottgefalliges Leben den Menschen ihre Ent- scheidung erleichtern. Die Weisheit ladt die Menschen ein. Sollten die Menschen dieser Einladung folgen, verspricht ihnen dieser Zuspruch groftes Gluck (vgl. Mullner, 2006, 103).

Auch das Buch Hiob (Ijob) erklart, dass die Weisheit gottlichen Ursprungs ist und wahrend dem Schopfungsakt anwesend war. So erfahrt man bereits vor den Proverbien etwas uber die Herkunft und das Wesen der Schopfung. So heiftt es im Buch Hiob:

25Als er dem Wind sein Gewicht gegeben und dem Wasser sein MaR gesetzt, 26als er dem Regen ein Gesetz gegeben hat und dem Blitz und Donner den Weg: 27damals schon sah er sie [die Weisheit] und verkundigte sie, bereitete sie und ergrundete sie 28und sprach zum Menschen: Siehe, adie Furcht des Herrn, das ist die Weisheit, und meiden das Bose, das ist Einsicht (Ijob 28,25-28).

Diese Verse bestatigen ebenfalls, dass die Menschen gottesfurchtig sein sollen, wenn sie weise sein wollen und die Torheit in diesem Falle zu meiden ist. Dies ist die Aufgabe Got- tes fur die Menschen.

Die Proverbien sind sprachlich kunstvoll gestaltet. Die Spruche und Reden der Weisheit haben einen poetischen Charakter (vgl. Mullner, 2006, 44). Mithilfe des poetischen Cha- rakters wird in den Proverbien ein Kontrast zu dem alltaglichen Leben hergestellt (vgl. Mullner, 2006, 44). Da die Weisheit in Spruche 8 eine Rede halt, wendet sie sich person- lich an das Volk und spricht diese direkt an. Des Weiteren wird die Weisheit in Spruche 8 personifiziert - Frau Weisheit.

[...]

Details

Seiten
8
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640817337
ISBN (Buch)
9783640820863
Dateigröße
405 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v165955
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
gut
Schlagworte
Weisheit Sprüche Sprüchebuch Bibel

Autor

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Titel: Die Weisheit in "Sprüche 8"