Lade Inhalt...

Goethes und Schillers Balladen in der Klassik

Das Balladenjahr

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 26 Seiten

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Die Epoche der Klassik

2. Die Entwicklung der Zusammenarbeit Goethes und Schillers als Weg zur klassischen Ballade

3. Balladen der Klassik
3.1 Schillers Balladenschaffen
3.2 Goethes Balladenschaffen

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Einleitung

Im Juli 1794 fand jene entscheidende Begegnung zwischen Goethe und Schiller statt, die Goethe später unter dem Titel „Glückliches Ereignis“ schildern sollte. Von diesem Moment an, bis zu Schillers Tod, währte ihre Verbindung und damit die Kernzeit der deutschen Klassik.

Noch im selben Jahr gewann Schiller Goethe als Mitarbeiter für die geplante Zeitschrift „Die Horen“. In den „Horen" und in Schillers „Musenalmanach für das Jahr 1797“ erschienen „Xenien", entwickelten Goethe und Schiller gemeinsam ein Literaturprogramm, das dem Ideal veredelter Menschheit und der ästhetischen Erziehung verpflichtet war.

Im gemeinsamen Studium gattungstheoretischer Grundfragen, entdeckten die beiden großen Dichter das Genre der Ballade als ideales Experimentierfeld. Sie nutzen die vielfältigen Möglichkeiten, die sich durch die Vereinigung von lyrischen, dramatischen und epischen Elementen in der Ballade boten. Mit den klassischen Balladen zielen Goethe und Schiller auf eine Veredelung der Gattung ab. Die Balladen wollten nicht nur etwas erzählen um des Erzählens willen, sondern sie sollten vorbildliches Handeln demonstrieren und dokumentieren und nebenbei das geschwächte Ansehen der beiden Xenien-Verfasser wieder aufbessern.

Das produktive klassische Balladenschaffen Goethes und Schillers verdichtet sich auf das Jahr 1797, welches schon die Dichter selbst das Balladenjahr nannten.

In unserer Hausarbeit richten wir unser Augenmerk zunächst auf die Epoche der Klassik als solche, um dann Merkmale der Ballade in der Klassik abzuleiten und differenziert darzulegen. Die für die klassische Ballade so entscheidende Zusammenarbeit Goethes und Schillers wollen wir von ihren Anfängen bis zur Gipfelung im Balladenjahr darstellen. Schwerpunkt unserer Hausarbeit soll es sein, Goethes wie auch Schillers Balladenproduktion in ihrer spezifischen Merkmalsausprägung und Grundideengestaltung zu veranschaulichen. Anhand Schillers bedeutender Ballade „Die Kraniche des Ibykus“ und Goethes herausragender Ballade „Die Braut von Korinth“ stellen wir mittels verschiedener Forschungspositionen unterschiedliche Interpretationsansätze vor und weisen damit Merkmale der klassischen Ballade nach.

1. Die Epoche der Klassik

Literaturepochen können schwer zeitlich genau abgegrenzt werden. Eine in der Literatur gängige Abgrenzung ist der Zeitraum von 1786 bis 1805, der auch als Zeitraum der deutschen Hochklassik bezeichnet werden kann. 1786 stellt den Beginn von Goethes erster Italienreise dar und die Epoche endet 1805, mit dem Todesjahr von Schiller.

Der Begriff „Klassik“ hat mehrere Bedeutungen. Zum einen kann es von dem lateinischen Wort „classicus“ abgeleitet werden, was ursprünglich „Bürger der ersten Steuerklasse“ bedeutete, womit sich auch die Vorstellung von Vornehmheit, Bedeutung und Erstrangigkeit verknüpfte.

Später bezeichnete der Begriff „Klassik“ das antike Vorbild. Hierbei besinnt sich die Klassik auf das klassische Altertum und geht von der Überzeugung aus, dass die Werke der Griechen und Römer vollkommen und unübertrefflich seien. Deshalb nannte man sie und die Zeit in der sie entstanden klassisch und betrachtete sie als Vorbild für die eigene künstlerische Betätigung.

Die Bedeutung des Begriffs verfestigte sich zu einer Vorstellung von Mustergültigkeit und großer künstlerischer Leistung.

So ist jede Epoche, in der Kunst einen Höhepunkt erreicht, eine klassische Epoche. In der deutschen Literatur wird die Zeit des Schaffensbündnisses, der besonderen Freundschaft zwischen Goethe und Schiller, als Epoche der Klassik bezeichnet.

Einen wesentlichen Anstoß für die Klassik gab das Vorbild der Antike, das in Deutschland in der Interpretation von Winckelmann bekannt wurde. Aus seinen Untersuchungen griechischer Kunstwerke leitete Winckelmann ein antikes Menschenbild ab, das er mit den berühmt gewordenen Worten von „edler Einfallt und stiller Größe“ umschrieb. Das von Winckelmann entworfene Bild von Harmonie, Ausgewogenheit und Schönheit des griechischen Menschen beeinflusste die ganze Epoche. Im antiken Menschen schlossen sich nach damaliger Meinung Freiheit und Bindung und Natur und Geist zusammen. Dieser Zusammenhang erklärt, dass Goethe und Schiller häufig auf antike Stoffe zurückgriffen.

Höchstes Ziel in der Epoche der Klassik war die Humanität, die wahre Menschlichkeit. Hierzu zählte das Streben nach dem Schönen, Guten und Wahren. Der Mensch sollte nicht nur einzelne Tugenden (z.B. Toleranz und Nächstenliebe) besitzen, sondern einem Ideal zu streben, das mit dem Begriff Harmonie umschrieben werden kann. Humanität und Harmonie wurden zu den tragenden Begriffen in der Klassik. Der Mensch wurde als fähig erachtet, höchste Vollkommenheit zu erlangen, ein Ideal zu erreichen aus dem Zusammenspiel von Harmonie und Humanität.

Weiterhin spielt der Begriff der Totalität in der Klassik eine entscheidende Rolle. Er besagt, dass alle möglichen menschlichen Kräfte und Fertigkeiten ausgebildet werden sollen. Hierzu gehören Gefühl und Verstand, künstlerisches Empfinden, wissenschaftliches und logisches Denken, theoretisches Wissen und die praktische Umsetzung. Alle diese Eigenschaften sollen eine ausgewogene Einheit bilden, sollen in Harmonie zueinander stehen.

In der klassischen Periode wird die Natur als Ideal angesehen. Alle Erscheinungsformen der Natur befinden sich in Harmonie und Einklang. Das Eindringen der rationalen Wissenschaft hat aber die Harmonie der Natur zerstört und den Menschen von der Natur entfremdet. Die Aufgabe der Kunst und der Dichtung ist es, die verlorengegangene Einheit wieder herzustellen. Das Ideal der Klassik ist also die allseitige, harmonische Entfaltung des Einzelnen in der Gesellschaft, die Harmonie von Körper und Geist. Hierbei muss sich der Mensch nach Gesetzen richten. Der Mensch bildet sich nach Gesetzen und soll sittlich nach den geltenden Gesetzen handeln.

Der Mensch kann seine Ziele erreichen, wenn er in sich ruht und seine Leidenschaft bändigt und so zu einer inneren und äußeren Harmonie gelangt.

2. Die Entwicklung der Zusammenarbeit Goethes und Schillers als Weg zur klassischen Ballade

Zu den wichtigsten Kontakten Schillers der neunziger Jahre gehört die Begegnung mit dem Verleger Johann Friedrich Cotta in Tübingen, der Schiller die Gründung der Zeitschrift „Die Horen“ ermöglichte. Darüber hinaus entwickelte sich 1794 die zunächst problematische Bekanntschaft mit Goethe zu einer äußerst gewinnbringenden Freundschaft, die mit einem Gespräch im Anschluss an eine Tagung der Naturforschenden Gesellschaft und dem Umstand begann, dass Schiller Goethe 1794 als langjährigen Beiträger der „Horen“ gewinnen konnte.

So schrieb Schiller am 13. Juni 1794 an Goethe:

„Beiliegendes Blatt enthält den Wunsch einer Sie unbegrenzt hochschätzenden Gesellschaft, die Zeitschrift, von der die Rede ist, mit Ihren Beiträgen zu beehren.[...]“

Nachdem Schiller sich also vorläufig mit Fichte, Humboldt und Woltmann zur Herausgabe vereinigt hatte, versuchte er nun den großen Goethe als Beiträger für seine Zeitschrift zu gewinnen.

Auf diese Einladung erwiderte Goethe am 24. Juni:

„Ich werde mit Freuden und mit ganzem Herzen von der Gesellschaft sein“

Der Bund mit Goethe war geschlossen und sollte sich in den nächsten Jahren zu einer äußerst fruchtbaren Freundschaft entwickeln.

Die Zeitschrift sollte laut ihrer Ankündigung eine literarische Assoziation der vorzüglichsten Schriftsteller der Nation bilden und das bisher geteilte Publikum vereinigen, sie sollte sich über alles verbreiten, was mit Geschmack und wissenschaftlichem Geist behandelt werden kann und sowohl philosophischen Untersuchungen, als auch poetischen und historischen Darstellungen offen stehen.

Zu den namenhaften Mitarbeitern des Publikationsorgans, das sich programmatisch der „ästhetischen Erziehung des Menschen“ widmete, zählten u.a. Johann Wolfgang von Goethe, Wilhelm von Humboldt, August Wilhelm von Schlegel, Johann Heinrich Meyer und Sophie Mereau.

Die Vorbereitungen und die Aufsätze, die zu einer immer gleichen lockenden Ausstattung gehörten, beanspruchten so viel Zeit, dass Schiller sich gezwungen sah, Aufsätze in die Zeitschrift einzugliedern, die in den öffentlich verkündeten Plan des Journals nicht ganz passten. Auch das Publikum zeigte sich weit kaltsinniger und unempfänglicher, so dass schon bald Mangel an Absatz bestand und die Zeitschrift nur bis 1798 herausgegeben wurde. Die „Horen“ ernteten ein spöttisches Echo der literarischen Kritik.

Der Herausgeber Schiller und der Autor Goethe antworteten auf die Kritik an den „Horen“ mit den gemeinsam verfassten Xenien (literaturkritische Spottverse), die auszugsweise 1796 in Schillers „Musenalmanach für das Jahr 1797“ erschienen und erneut einen Eklat provozierten.

So sorgte der „Musenalmanach für das Jahr 1797“, der zur Herbstmesse 1796 erschienen war, Ende 1796 in der literarischen Welt für erhebliche Aufregung. Beleidigungen und Angriffe, Spott und Satirisches, lächerlich Gemachtes und boshaft Karikiertes fanden sich in 414 kleinen Gedichten, so genannten Xenien, unverblümt nebeneinander.

Sowohl bei Goethe als auch bei Schiller entwickelten sich Gedanken, gegen alle Zeitschriften, die sich ungebührlich gegen die „Horen“ gerichtet heben, Epigramme zu machen, in der Art der Xenien und eine solche Sammlung in den Musenalmanach des nächsten Jahres zu veröffentlichen.

So schreibt Schiller an Goethe:

„Der Gedanke mit den Xenien ist prächtig, und muss ausgeführt werden. Ich denke, wenn wir das Hundert voll machen wollen, werden wir auch über einzelne Werke herfallen müssen, und welcher reichliche Stoff findet sich da? Sobald wir uns nur selbst nicht ganz schönen, können wir Heiliges und Profanes angreifen. Welchen Stoff bietet uns nicht die Stolbergsche Sippschaft, Racknitz, Ramdohr, die metaphysische Welt mit ihren Ichs und Nicht-Ichs, Freund Nicolai, unser geschworener feind, die Leipziger Geschmacksherberge Thümmel, Göschen als sein Stallmeister und dergleichen dar.“

Alles, was beide Schriftsteller in ihrem weiten Wirkungskreis gegen ihre Zeitgenossen auf dem Herzen hatten, wollten sie bei dieser Gelegenheit scharf und entschieden aussprechen. Neben den spottenden, satirischen Sinngedichten sollten auch einige lobende, anerkennende Xenien verflochten werden und außerdem allgemeine, nicht auf bestimmte Personen oder Vorfälle gerichtete Xenien erscheinen.

Vergleicht man die Schillerschen und Goetheschen Xenien miteinander, so zeigt sich, dass Schiller nicht nur eine bei weitem größere Anzahl beigesteuert hat, sondern Schillers Xenien scharf und schlagend sind, während Goethes dagegen unschuldig und gering erscheinen.

In der damaligen Epoche brachten die Xenien eine ungeheure Erschütterung in der deutschen literarischen Welt hervor. Aber so viel über die Xenien gescholten wurde, so begierig wurden die gelesen. Durch die Xenien verkaufte sich der Musenalmanach und der Absatz war enorm.

Mit den Xenien hatten Schiller und Goethe mit der gesamten gebildeten Gesellschaft abgerechnet. Die gebildete Welt antwortete wutschäumend und empört. Ihre Erwiderungen in Form von Anti-Xenien gipfelten in Widmung wie „An die Sudelköche von Jena und Weimar" -gemeint waren Schiller und Goethe.

[...]

Details

Seiten
26
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640817764
ISBN (Buch)
9783640821105
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166005
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
Note
1,3
Schlagworte
goethes schillers balladenschaffen epoche klassik balladenjahr

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Goethes und Schillers Balladen in der Klassik