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Alzheimer-Krankheit als Volkskrankheit des 21. Jahrhunderts in Deutschland

Klassische Handlungsebenen sozialer Arbeit mit der betroffenen Zielgruppe: Angehörigenarbeit

Diplomarbeit 2009 108 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die alternde Gesellschaft
2.1. Begriff Alter
2.2. Dimensionen des Alterns
2.2.1. Biologisches Altern
2.2.2. Psychologisches Altern
2.2.3. Soziales Altern
2.3. Ursachen von Altern
2.3.1. Die Fehleranhäufungstheorie
2.3.2. Die Genetische Programmierung
2.4. Veränderung der demografischen Situation in Deutschland
2.4.1. Verschiebung der altersmäßigen Schichtung der gesamten Bevölkerung. Rückgang der Geburtenraten
2.4.2. Anwachsen der individuellen Lebenserwartung
2.5. Altersunterteilung. Das Alter als eigenständige Lebens- und Entwicklungsphase

3. Der Begriff Demenz
3.1. Die historische Entwicklung des Demenzbegriffes
3.1.1. Demenz in der Zeit der Antike: Alt-Ägypten und das klassische Griechenland
3.1.2. Mittelalter
3.2. Die „geistige Revolution“
3.3. Kreapelin, Alzheimer und das 20. Jahrhundert

4. Definition des Begriffs „Demenz“
4.1. Definition ICD
4.2. Definition DMS-III-R
4.3. Formen von Demenz: Sekundäre und primäre Demenzen
4.3.1. Sekundäre Demenzformen
4.3.2. Primäre Demenzformen
4.4. Symptome der Demenz
4.5. Verlauf und Merkmale der Demenz nach ICD-10
4.5.1. Merkmale leichter Demenz
4.5.2. Merkmale mittelschwerer Demenz
4.5.3. Merkmale schwerer Demenz
4.6. Unterteilung von Demenz nach Wettstein
4.7. Leben und Werk des Alois Alzheimer, Fall Auguste D
4.8. Demenz vom Alzheimer-Typ (DAT) oder Alzheimer-Erkrankung
4.8.1. Definition der Demenz vom Alzheimer-Typ (Alzheimer-Erkran- kung) nach ICD 10 und nach DSM III 1989
4.8.2. Definition der Demenz vom Alzheimer-Typ (Alzheimer- Erkrankung) entsprechend den NINCDS-ADRDA Kriterien

5. Klinische Symptome der Alzheimer-Demenz
5.1. Nichtkognitive Frühsymptome der Alzheimer-Erkrankung
5.2. Neuropsychologische Kernsymptome der Alzheimer-Erkrankung
5.3. Neurologische Symptome der Alzheimer-Erkrankung
5.4. Psychiatrische Begleiterscheinungen bei Alzheimer-Erkrankung
5.5. Störungen der Schlaf-Wach-Rhythmik
5.6. Ursachen und Behandlungsansätze der Alzheimer-Erkrankung

6. Mögliche Ursachen der Alzheimer-Demenz. Physikalischen und chemischen Gehirnveränderungen bei der Alzheimer- Erkrankung
6.1. Abbau der Gehirnmasse. Aufbau und Funktion der verschie- denen Hirnreale
6.1.1. Cortex
6.1.2. Frontallappen
6.1.3. Parietallappen
6.1.4. Occipitallappen und Temporallappen
6.2. Eiweißablagerungen im Gehirn
6.2.1. Amyloide Plaques
6.2.2. Neurofibrilläre Tangles oder Neurofibrilläre Bündel

7. Mögliche Ursachen von Alzheimer-Erkrankung. Hypothesen zur Erklärung des Alzheimer-Syndroms
7.1. Das Alter als Risikofaktor
7.2. Genetische Ursachen von Alzheimer-Erkrankung
7.2.1. Krankheitsverursachende Erbfaktoren
7.2.2. Krankheitsbegünstigende Erbfaktoren
7.3. Diagnostik und Behandlung von Alzheimer-Erkrankung
7.4. Medikamentöse Therapieansätze bei der Alzheimer-Erkrankung

8. Verlauf der Alzheimer-Erkrankung. Stadien der Erkrankung
8.1. Das Vorstadium der Alzheimer-Erkrankung
8.2. Das Anfangsstadium der Alzheimer-Erkrankung
8.3. Das zweite Stadium der Alzheimer-Erkrankung
8.4. Das dritte Stadium der Alzheimer-Erkrankung

9. Menschen mit Alzheimer-Krankheit und ihre Angehörige
9.1. Häusliche Pflege durch (Ehe-)Partner
9.2. Zahlen und Fakten zu ehelichen Pflegekonstellationen

10. (Ehe-)Partner und relevante Problemlagen in Zusammen- hang mit Alzheimer-Erkrankung
10.1. Veränderungen des Rollengefüges
10.2. Beziehungsdeprivation
10.3. Veränderung des Sexualverhaltens
10.4. Situation des gesunden (Ehe-) Partners
10.4.1. Die Erkrankung des Partners als Bedrohung des Selbst
10.4.2. Die Trauer um den dementiell erkrankten Partner
10.5. Störungen der Kommunikation zwischen Demenzkranken und den pflegenden Partner
10.6. Physische Anstrengungen in Zusammenhang mit Alzheimer-Erkrankung des Partners
10.7. Finanzielle Belastungen in Zusammenhang mit der Alzheimer- Erkrankung des Partners, Kosten der häuslichen Versorgung

11. Angehörigenarbeit bei Alzheimer-Erkrankung
11.1. Informationsvermittlung
11.2. Optimierung von Bewältigungsstrategien und Problem- lösetechniken
11.3. Belastungsausgleich und Einstellungsänderung
11.4. Schuldgefühle und Wutgefühle
11.5. Trauerarbeit
11.5.1. Exploration von Trauergefühlen
11.6. Familientherapeutische Arbeit

12. Entlastung für Angehörige bei Alzheimer-Erkrankung
12.1. Hilfen von Freunden und Nachbarn
12.2. Selbsthilfegruppen und Gesprächskreise für Angehörige mit Alzheimer-Kranken
12.3. Schulungskurse für pflegenden Angehörigen
12.4. Erholung für Demenzkranke und Angehörige
12.5. Betreuungs- und Pflegeangebote für Menschen mit Alzheimer-Erkrankung
12.6. Qualitätskriterien bei der Auswahl von Anbietern
12.6.1. Kontinuität in der Betreuung
12.6.2. Qualifizierung des Personals
12.6.3. Erfahrung des Anbieters mit Alzheimer-Kranken

13. Betreuungsdienste für Menschen mit Alzheimer-Erkrankung
13.1. Ambulante Pflegedienste
13.2. Hauswirtschaftliche Hilfen
13.3. Rund-um- die Uhr-Betreuung
13.4. Tages/Nachtpflege von Alzheimer-Kranken
13.5. Kurzzeitpflege bei Alzheimer-Krankheit
13.6. Pflegeheim
13.7. Betreutes Wohnen für ältere Menschen
13.8. Wohngemeinschaften für Pflegebedürftige und Alzheimer-Kranke
13.9. Beratungs- und Anlaufstellen für Betroffene mit Alzheimer- Krankheit und ihre Angehörigen
13.10. Finanzielle Hilfen bei Alzheimer-Krankheit und ihre Träger

14. Juristische Gesichtspunkte bei Alzheimer-Erkrankung
14.1. Gesetzliche Betreuung
14.2. Vollmachten und Verfügungen

15. Resümee

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

Vor etwa hundert Jahren entdeckte der deutsche Arzt Alois Alzheimer eine Hirnerkrankung unbekannter Ursache. Die von ihm damals als „seltene“ bezeichnete Krankheit, ist gegenwärtig zur Volkskrankheit geworden. Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form von Demenz. Allein in Deutschland leben zurzeit mindestens eine Million Demenzkranke. Schätzungen zu Folge, werden es im Jahr 2030 zwischen 1,9 und 2,5 Millionen sein.

Die Alzheimer- Krankheit ist ein schleichender, unaufhaltsam fortschreitender Krankheitsprozeß, dessen Ursachen bisher nicht bekannt sind. Sie befällt nicht das gesamte Gehirn: betroffen sind vor allem die Bereiche der Hirnrinde, die für das Gedächtnis und für die Orientierung verantwortlich sind. Darüber hinaus greift das Leiden das Limbische System an, das bekanntlich als Sitz unserer Gefühle gilt. Der Krankheitsverlauf lässt sich in einigen Sätzen zusammenfassen: Der Abbau der psychischen und physischen Leistungen schreitet langsam voran. Der Erkrankte verliert mit der Zeit die Verbindung zur Welt und versinkt in Einsamkeit und Isolation. Er verändert seine Identität und wird zu einem anderen Menschen, der für die Umwelt nicht wiederzuerkennen ist. Die kontinuierliche Persönlichkeitsveränderung macht den Angehörigen zu schaffen und stellt eine zusätzliche Belastung dar.

Die Entwicklung, die eine Alzheimer-Erkrankung nimmt, ist tragisch und unfassbar für den Betroffenen, der sein Schicksal kommen sieht. Ähnlich geht es den Angehörigen, die den Erkrankten über Jahre hinweg betreuen und das langsame, geistige Sterben eines geliebten Menschen begleiten. Zu wissen, wer der Mensch in der Vergangenheit war und welche negative Veränderung die Krankheit Schritt für Schritt bei ihm verursacht, stellt die zentrale Herausforderung für die Angehörigen dar.

Das Leben mit einem Alzheimer-Erkrankten ist eine Balance aus Zuwendung und Überforderung, gemischt mit Gefühlen der Ratlosigkeit, des Ohnmacht und der Angst. Der Alltag ist durch das langsame Abschied nehmen geprägt und es ist ein Kunststück, das eigene Leben als Ehefrau, als Lebensgefährtin oder als Tochter in dieser Art zu meistern.

Die Krankheit bricht oft plötzlich und unerwartet in das Leben ein. Der Betreuende muss genauso schnell lernen, mit der veränderten Situation richtig umzugehen. Niemand wird allerdings mit einer solchen Situation leicht fertig. Die Angehörigen stehen möglicherweise einer vollkommen neuen Tagesordnung gegenüber, die bedeutet, 24 Stunden am Tag mit jemanden zusammenzuleben, der allmählich seine geistigen und körperlichen Fähigkeiten verliert.

Die meisten Kranken werden in der Regel zu Hause von ihren Angehörigen, oft über lange Zeit betreut und gepflegt. Für die pflegenden Angehörigen bedeutet das eine kaum vorstellbare seelische und körperliche Belastung, der sie über viele Jahre hinweg ausgesetzt sind. Die Krankheit kann die familiären Strukturen auf den Kopf stellen und das gut funktionierende Familiensystem völlig aus der Bahn werfen. Darüber hinaus führt sie die pflegenden Angehörigen in die soziale Isolation, konfrontiert sie mit komplizierten rechtlichen und finanziellen Fragen und verlangt von ihnen die Lösung komplexer organisatorischer Aufgaben, denen sie oft nicht gerecht werden können.

So lange der Kranke zu Hause betreut wird, erfolgt nicht nur seine Betreuung und Pflege, sondern auch die Koordination des gesamten Versorgungsnetzwerkes durch Angehörige. Die zahlreichen Aufgaben führen häufig dazu, dass die Betreuer oft an die Grenze eigener körperlicher und seelischer Belastbarkeit stoßen, bis hin zu Erschöpfung und Depression. Hier besteht die Aufgabe des Sozialarbeiters in der professionellen Information, Beratung und der konkreten Entlastung für die Angehörigen. Die Schnittstelle zwischen dementiell erkrankter Person und der Betreuungsperson ist die erste Stelle, an der die Problematik entsteht. Um mehr Erfolg erzielen zu können, „sollte daher der Entwicklung und Etablierung eines auf Autonomie und Sicherheit gerichteten Case Managements mit Einschluss des familiären und nachbarschaftlichen Umfelds Aufmerksamkeit gewidmet werden“ (Mike/ Schelling 2005, S. 20). Den wichtigen Kern der Hilfe im Falle einer Alzheimer-Erkrankung stellt die Soziale Arbeit mit und für die Betreuungsperson dar. Hier wäre eine komplexe Hilfe und Betreuung der Angehörigen seitens des Sozialarbeiters, in enger Kooperation mit anderen Einrichtungen und Institutionen, die entsprechende Antwort auf Probleme in Zusammenhang mit Demenzkranken und Angehörigenhilfe.

Demenzerkrankungen gehören zu den teuersten Krankheiten überhaupt. Dabei ist festzustellen, dass den höchsten Anteil der Gesamtkosten bei Demenz die indirekten Kosten ausmachen. Dieser Anteil wird von den Angehörigen aufgebracht: Als Umkehrschluss ist es denkbar, dass die Kosten der Behandlung der Erkrankung vermutlich noch höher wären (vgl.: Kastner/Löbach 2007, S. 4). Im Zusammenhang mit der quantitativen Zunahme des Anteils älterer Menschen, kann man von erheblichen Wandlungsnotwendigkeiten bei der Versorgung älterer Menschen ausgehen. Die Schere zwischen den notwendigen Ausgaben und den entsprechenden Einnahmen im Netz der Sozialversicherung, wird vermutlich immer weiter auseinandergehen.

In Deutschland findet, ähnlich wie in anderen Industriestaaten, eine Verschiebung der Altersstruktur statt. Immer mehr Menschen erreichen ein sehr hohes Alter. Insbesondere die Zahl der Hochaltrigen, die also 80 Jahre oder älter sind, wird in den nächsten Jahren zunehmen. Mit der steigenden Zahl der über 80jährigen wächst die Anzahl der Demenzkranken. Bis zum Jahr 2020 soll voraussichtlich ihre Zahl auf 1,4 Millionen steigen und weit mehr als zwei Millionen bis zum Jahr 2050 betragen (vgl.: Niklewski/Nordmann/Riecke-Niklewski 2009, S. 232-238). Diese alarmierenden Zahlen dürfen nicht ignoriert werden. In Anbetracht dieser Tatsache, muss sich unsere Gesellschaft nicht nur auf neue medizinische Anforderungen, sondern auch auf neue Herausforderungen im sozialen Zusammenhang einstellen. Es sind ein neues Bild des Alters und ein neuer Umgang mit dem Alter erforderlich. Nur so ist trotz Beeinträchtigung, ein weitgehend selbstständiges und selbstbestimmtes Leben im Alter möglich, weit entfernt von Pflegebedürftigkeit, Abhängigkeit und Hospitalisierung.

Trotz vielfältiger gesellschaftlicher Veränderungen, bleibt die häusliche Versorgung durch Angehörige bei Alzheimer-Krankheit auch in der Zukunft weiter präsent. Sie ermöglicht, dass die eventuelle, kostenspielige Heimunterbringung verzögert bzw. verringert wird. Die Tatsache, dass die meisten Erkrankten in den eigenen vier Wänden und nicht durch das institutionelle Pflegeangebot versorgt werden, macht wahrscheinlich das geringe politische Interesse aus. Es mag paradox klingen, aber die relativ niedrig gehaltenen Kosten der häuslichen Pflege verhindern die notwendigen Investitionen und Veränderungen bei der Trägern wie z.B. bei der Pflegeversicherung. Darüber hinaus bedarf die öffentliche Auseinandersetzung mit der Problematik einer Lobby. Hier unterliegt das Thema „Demenz“ dem allgemeinen Wettbewerb, weil möglicherweise die Betroffenen selbst nicht für ihre Interessen kämpfen können und gleichzeitig eine wirksame Unterstützung von außen z.B. durch Selbsthilfegruppen, fehlt.

In meiner Arbeit erkläre ich die Begriffe „Alter“, „Demenz“ und „Alzheimer-Krankheit“ und werde auf ihre klinische Symptome und mögliche Ursachen eingehen. Daneben beschreibe ich den Verlauf des Alzheimer-Syndroms und die Hypothesen zu ihrer Erklärung. Im weiteren Teil meiner Arbeit stelle ich auf eine ausführliche Weise die Problemlagen in der Ehe und in der Partnerschaft dar, die in Zusammenhang mit Alzheimer-Krankheit stehen. In Hinblick auf die Angehörigenarbeit werde ich ihre verschiedenen Formen, mögliche Entlastungsangebote und juristische Gesichtspunkte in einem weiteren Kapitel der Diplomarbeit beschreiben. Zum Abschluss meiner Diplomarbeit werde ich im Resümee die wichtigsten Probleme bei der häuslichen Versorgung darzustellen und versuche, einige Lösungen in diesem Zusammenhang vorzuschlagen.

2. Die alternde Gesellschaft

2.1. Begriff Alter

Das Wort „alt“ lässt sich aus dem indogermanischen Wortstamm „al“ ableiten und bedeutet „wachsen“ oder „reifen“. Damit ist der Alternsprozess als ein natürlicher Wachstums- und Reifungsprozess beschrieben. Nach diesem Verständnis bedeutet das Altern eine aktive, erfolgreiche und gesunde Lebensphase, die mit verschiedenen geistigen, kulturellen und sportlichen Aktivitäten verbunden ist. Dies steht in Widerspruch zu dem Bild, das gegenwärtig, bewusst oder unbewusst, mit „Altern“ verbunden ist. Für die meisten Menschen unserer Gesellschaft bedeutet das Altwerden körperlicher Abbau, Verwirrtheit und geistiger Verfall. Der ältere Mensch selbst, wird oft als unselbständiges und hilfebedürftiges Wesen gesehen (vgl.: Behl/ Mosmann 2008, S. 9).

Die Frage, ab welchem Zeitpunkt der Mensch alt ist, lässt sich nicht einfach beantworten. Bis jetzt blieb auch offen, welches Kriterium für das Eintreten von Alter entscheidend ist? Hier sind die Meinungen der Forscher nicht einstimmig. Die meisten Wissenschaftler verbinden den Begin der Lebensphase Alter mit dem Beenden der Erwerbstätigkeit. Theunissen beschreibt, dass das Merkmal „erwerbstätig“ eine zentrale Bedeutung in der heutigen Gesellschaft hat und entscheidend für die Teilnahme an sozialem Leben ist. Das so genannte soziologische Kriterium besagt, dass sich die heutige Gesellschaft zu einem großen Teil um das zentrale System Erwerbsarbeit organisiert. Eigene Erwerbstätigkeit hat für ihre Mitglieder eine große Relevanz. Sie regelt viele Bereiche des Lebens und hat eine Integrationsaufgabe. Durch die Teilnahme am Erwerbsleben erwerben Menschen nicht nur Status und Einkommen, sondern können z.B. die eigene Identität aufbauen oder Beziehungen knüpfen. Dagegen hat das Beenden der Erwerbsarbeit oder einer adäquaten Tätigkeit für das Individuum vielfältige Konsequenzen. Dies kann z.B. das Wegbrechen langjähriger sozialer Bindungen sein, den Rollenverlust bedeuten, der oft mit der Veränderung der eigenen Identität verbunden ist oder der Wegfall einer gewohnten Tagesstruktur als Folge haben.

Der Begriff „Alter“ hat zwei unterschiedliche Bedeutungen. Zum einem dient er als allgemeiner demographischer Index für alle Lebensabschnitte. Zum anderen bezieht er sich auf einen bestimmten Lebensabschnitt, indem „Alter“ als eine chronologische Komponente ab dem 65. Lebensjahr bezeichnet wird. Diese Festlegung ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass die Pensionierung oder das Ausscheiden aus dem Berufsleben, die Grenze zwischen späten Erwachsenenalter und dem Alter darstellt. Diese Grenzsetzung dürfte nicht immer zutreffend sein „da zahlreiche Variablen und komplexe Bedingungen, die dem Älterwerden eines Menschen zugrunde liegen, unberücksichtigt bleiben. So werden neben einer chronologischen Altersangabe nicht selten auch biologische, psychologische und soziale Kriterien als Bestimmungsmomente genannt (Theunissen 2002, S. 15).“

2.2. Dimensionen des Alterns

Die gerontologische Forschung unterscheidet zwischen drei Dimensionen des Alterns: der biologischen, der psychologischen und der sozialen Dimension und untersucht Alternsprozesse auf diesen drei Dimensionen. Heuft, Kruse und Radebold meinen, dass im Alter nicht nur stark ausgeprägte interindividuelle, sondern auch stark ausgeprägte intraindividuelle Unterschiede beobachtet werden. Sie wiederum machen die Verschiedenartigkeit der Alternsprozesse auf den genannten Dimensionen deutlich. Eine Besondere Aufmerksamkeit der Wissenschaftler richtet sich auf die Definition der sozialen Dimension des Alterns. Laut Definition ist das Altern nicht nur ein individuell bestimmtes, sondern ein gesellschaftlich bedingtes Geschehen. Es ist die Gesellschaft, die bestimmte Altersgrenzen definiert und in der Gesellschaft finden sich bestimmte kollektive Repräsentationen des Alters, so genannte gesellschaftliche Altersbilder, die Einfluss auf das Selbstkonzept älterer Menschen sowie auf die Einstellung jüngerer Menschen zu älteren Menschen und zum Alter ausüben (vgl.: Heuft/Kruse/Radebold 2000, S. 58).

2.2.1. Biologisches Altern

Die biologische Orientierung betrachtet das Älterwerden als einen biologisch gesteuerten, irreversiblen Prozess der Abnahme der Anpassungsfähigkeit des menschlichen Organismus an Umwelteinflüsse. „Aus biologisch-genetischer Sicht ist „Altern“ zunächst zu verstehen im Sinne der Realisierung der genetischen Programme, wobei für die verschiedenen Organsysteme unterschiedliche genetische Programme verantwortlich sind und die Alternsprozesse in den verschiedenen Organsystemen in unterschiedlichem Maße genetisch kontrolliert werden. Altern wird weiterhin als Folge zunehmender Schädigungen des genetischen Materials verstanden: die biologisch-genetischen Befunde zeigen altersabhängige Zunahmen von DNA-und Chromosomenschäden“ (ebenda, S. 59). Heuft, Kruse und Radebold meinen auch, dass durch Schädigungen des genetischen Materials (z.B. durch den Verlust der Chromosomenendstücke, so genannte Telomere, im Verlauf des Alternsprozesses) Organe und Organsysteme in ihrer Funktion und Leistungsfähigkeit beeinträchtigt werden. Die Folge davon ist die wachsende Anfälligkeit für Erkrankungen (sog. Vulnerabilität) sowie sinkende Heilungsfähigkeit nach Eintritt von Erkrankungen.

Die drei Elemente: die genetischen Programme, die zunehmende Schädigungen des genetischen Materials sowie die Reparatur einzelner Schädigungen, bilden genetische Grundlagen des Alterns. Es lässt sich jedoch nicht sagen, dass sie das Altern determinieren. Das genetische Material jedes Menschen ist als Potenzial zu verstehen. Er bestimmt die Grenzen möglicher Entwicklungen, allerdings sind diese Grenzen weit gefasst.

Es ist Tatsache, dass Menschen die eine ähnliche genetische Ausstattung haben, sich unterschiedlich entwickeln können. Für den Prozess des Alterns sind die Umweltbedingungen entscheidend: Eine anregende, motivierende Umwelt fördert die Realisierung des genetischen Potentials. Dies geschieht in dem eine stimulierende Umwelt zu einer stärkeren Vernetzung der Nervenzellen führt. Somit spielt der Lebensstill des Menschen eine wichtige Rolle. Hier bilden körperliche, seelisch-geistige und soziale Aktivitäten in allen Bereichen des Lebens eine zentrale Voraussetzung, damit eine stimulierende Umwelt entwicklungsfördernd wirken kann (vgl.: ebenda, S.59).

2.2.2. Psychologisches Altern

Das psychologische Modell betont Aspekte wie Biographie, Persönlichkeitsstruktur, sozialer Status, intellektuelle Leistungsfähigkeit, Schulbildung als entscheidende Merkmale für das Alter. „Unter psychologischem Altern werden Veränderungen der kognitiven Funktionen, der Erfahrungen und des Wissens sowie der subjektiv erlebten Anforderungen, Aufgaben und Möglichkeiten des Lebens verstanden“ (ebenda, S. 65). Die Ergebnisse der psychologischen Forschung haben ergeben, dass in folgenden vier Bereichen der kognitiven Leistungsfähigkeit mit zunehmendem Alter Verluste eintreten:

1. In der Fähigkeit zur Lösung kognitiver Probleme (sog. fluide Intelligenz)
2. Im Kurzzeit- oder „Arbeitsgedächtnis“ d.h. im Prozess der Verschlüsselung und Übertragung der Lerninhalte in den Langzeitspeicher
3. In der Störanfälligkeit von Lernvorgängen (benachbarte neuronale Netzwerke werden zunehmend unterdrückt um einen Filter aufzubauen)
4. In der Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung

Diese Veränderungen finden allerdings in einem begrenzten Sinne statt, wenn sich Menschen im Lebenslauf:

1. Sehr gut organisierte, bereichsspezifische Wissenssysteme aufgebaut haben (z. B. im beruflichen Leben, in einzelnen Interessengebieten oder im Umgang mit den Anforderungen des Lebens).
2. Effektive Problemlöse- Lern- und Gedächtnisstrategien entwickelt und kontinuierlich an neue berufliche Anforderungen angepasst haben.
3. Techniken zur Bewältigung von Anforderungen und Belastungen im Alltag, zur Lösung von Konflikten sowie zur Verarbeitung von Verlusten entwickelt haben.
4. Offen gewesen sind für neue Entwicklungsaufgaben und Erfahrungen.

Gegen das psychologische Altern und seine Auswirkungen wie z.B. Krankheit oder Verlust eines Angehörigen, kann bei der Mehrheit der älteren Menschen durch so genannte psychische Widerstandfähigkeit oder Resilienz, entgegengewirkt werden. Dann können die Anforderungen im Lebenslauf, ähnlich wie bei Kindern, durch Aufrechterhaltung oder Widerherstellung des früheren psychischen Adaptationsneveau deutlich besser bewältigt werden (vgl.: ebenda, S. 66). Auf diese Weise dürfte das psychologische Altern nicht nur das Ergebnis der Veränderungen von kognitiven Funktionen, sondern das Resultat von eigenen Erfahrungen, von erworbenem Wissen und angewendeten, effektiven Strategien sein.

2.2.3. Soziales Altern

„Unter sozialem Altern werden die Veränderungen in der sozialen Position und in den sozial definierten Rollen verstanden, die mit Erreichen eines bestimmten Lebensalters oder einer bestimmten Statuspassage (Übergang von einem sozial definierten Lebensabschnitt zu einem anderen) einsetzen. In unserer Gesellschaft gilt das Ausscheiden aus dem Beruf als jene Statuspassage, mit der das „Alter“ eines Menschen beginnt“ (ebenda, S. 76).

Die Strukturwandel der hochentwickelten Industriegesellschaften in den letzten fünfzig Jahren verändert das Altern der Gesellschaft. Die Dynamik des gesellschaftlichen Alters spiegelt sich zum einen im demografischen Wandel mit einer deutlichen Zunahme des Anteils alter und sehr alter Menschen wieder. Relevant für die Entwicklung ist, dass gegenwärtig mehr als 90 % der Bevölkerung ein Alter von mindestens 60 Jahren erreichen und das sozial definierte Alter immer früher beginnt. Diese Erscheinung ist auf das seit etwa drei Jahrzehnten kontinuierlich abnehmende durchschnittliche Renteneintrittsalter zurückzuführen.

Das Phänomen gesellschaftliches Altern wird aus zwei verschiedenen Perspektiven betrachtet: der strukturellen und der individuellen.

Die gesellschaftliche Perspektive betrachtet das gesellschaftliche Altern als Vorgang des sozialen Wandels und somit als kollektives Phänomen. „Gesellschaftliches Altern als sozialer Wandel zeigt sich vor allem darin, dass sich die nachberufliche Zeit immer mehr auf die Altersgruppe der 50-60jährigen ausdehnt und damit zu kollektiv veränderten Lebensentwürfen im mittleren und höheren Erwachsenenalter beiträgt“ (ebenda, S. 77). Auf diese Weise werden Veränderungen in den Beziehungen zwischen den Generationen herbeigeführt. Die im erwerbsfähigen Alter stehende Generation wird in den kommenden Jahren zunehmend mit wachsenden finanziellen Belastungen konfrontiert, die auf die Finanzierung der nicht mehr im Erwerbsleben stehenden Menschen zurückzuführen ist. Dies führt mit Sicherheit zu Konflikten zwischen den Generationen. Vor allem die „mittlere“ Generation setzt sich hier zur Wehr. In Anbetracht der Tatsache, dass ihre eigene Altersversorgung unter Fragezeichen steht, fühlt sie sich um einige Rechte die dem älteren Teil der Gesellschaft noch zusteht, beraubt.

Die individuelle Perspektive beschreibt gesellschaftliches Altern im Rahmen einer biografischen Statuspassage. Der Übergang von der aktiven Erwerbsphase in den Ruhestand, ist immer mit Statuswechsel verbunden. Der Statuswechsel ist in der Regel mit Wandel von einem berufstätigen, sozial voll angesehenen und respektierten, zu einem zunehmend isolierten und „bedeutungslosen“ Individuum verbunden. Darüber hinaus, verändert sich oft mit der Pensionierung die finanzielle Situation des Menschen. Dies kann unter Umständen z.B. der Grund für einen Wohnungswechsel sein. Der Umzug bedeutet in diesem Fall nicht nur Wechsel aus räumlicher Sicht. Noch mehr Bedeutung hat der Freundeskreisverlust oder ein anderer Lebensstill, der aufs Sparen orientiert ist. Dieser Statuswechsel betrifft immer Menschen, die aus dem Berufsleben ausscheiden, ist also auf alle Erwerbsfähigen bezogen. Dieses Phänomen ist wohl ein Argument dafür, dass es sich hier um gesellschaftliches Altern handelt (vgl.: ebenda, S. 77).

Das Phänomen des Älterwerdens scheint aber deutlich komplexer zu sein. Es verläuft nicht homogen und ist immer individuell zu betrachten. Die soziologischen, biologischen und psychologischen Konzepte stellen nicht immer die richtige Erklärung zur Bestimmung der Lebensphase Alter dar. An dieser Stelle könnte eine Selbsteinschätzung der eigenen Person aufschlussreich sein, hier jedoch sind die Kriterien von Alter äußerst unterschiedlich und individuell bedingt. Die Antwort auf die Frage, zu welchem Zeitpunkt und aufgrund welcher Merkmale sich eine Person als alt erlebt, führt mit Sicherheit zu unterschiedlichen Altersangaben. Je nach konkreter Lebenssituation, körperlichen Veränderungen, Erwartungen, Erfahrungen oder Veränderungen im Erleben der eigenen Persönlichkeit, wird sich die betroffene Person als alt oder nicht alt einschätzen. Diese Einschätzung jedoch ist immer subjektiv und somit unzureichend. Am sinnvollsten erscheint allerdings, das Phänomen des Älterwerdens als Ergebnis der Selbst- und Fremdbeobachtung zu betrachten. Die Grenzziehung zwischen dem späten Erwachsenenalter und Alter ist in der Regel eine Balance zwischen „subjektiv“ und „objektiv“ (vgl.: Theunissen 2002, S. 15-17).

2.3. Ursachen von Altern

Alter ist kein plötzliches Ereignis, sondern ein allmählicher biologischer Vorgang. Er beginnt mit der Geburt, schreitet dann unaufhaltsam fort und endet mit dem Tod. Neben der Entwicklung und der Fortpflanzung, gehört das Alter zu den wesentlichen Lebensphasen. Nach der Geburt nimmt zuerst die allgemeine Leistungsfähigkeit zu. Nach Ablauf der Jugend sinkt sie kontinuierlich ab. Altern ist sozusagen ein „biologisches Schicksal“. Alterungsprozesse betreffen jedes biologische Lebewesen. Sie sind vorherbestimmt und können nicht verhindert oder rückgängig gemacht werden.

Die Gründe für das Altern sind schon seit längerer Zeit Gegenstand der Wissenschaft. Die Menschen stellten sich schon immer die Frage: „Warum werde ich alt?“ mit dem Wunsch, am Besten für immer jung bleiben zu dürfen. Zahlreiche Mythen, Märchen und Geschichten sind der Ausdruck dafür, wie begehrt es war, jung zu sein. Gegenwärtig kann man von einem gewissen Kult der Jugendlichkeit sprechen. Die meisten Menschen wollen jung aussehen und geben nur ungerne ihr richtiges Alter an. Das Jungsein ist besonders bei Frauen sehr begehrt und muss oft schwer erkämpft werden. Zahlreiche Personen aus der Öffentlichkeit wie die Schauspielerinnen Sophia Loren, Demi Moore oder Iris Berben, stellen nur einige Beispiele für das alterslose Aussehen dar.

Der Traum der ewiger Jugend und der Schönheit, der bereits in der Zeit der Antike präsent war, blieb leider bis heute unerfüllt. Der Begriff Altern ist allerdings ein relevantes Thema für die Gerontologie, der noch lange nicht endgültig erforscht ist. Der Wissenschaft sind aber einige interessante Erkenntnisse bzw. Theorien bekannt, die erste Blicke in den Alterungsvorgang ermöglichen. In folgenden stelle ich zwei Theorien zum zellulären Altern dar, die einerseits gegenwärtig vorherrschen und andererseits eine Gemeinsamkeit aufweisen. Beide Theorien betrachten gewisse Änderungen in der menschlichen Zelle, die für das Altern verantwortlich sein dürften. Das Gemeinsame an den beiden Hypothesen besteht darin, dass sich das Verhalten einer Gruppe von Molekülen in der menschlichen Zelle ändert und zum Altern führt.

2.3.1. Die Fehleranhäufungstheorie

Laut dieser Theorie entsteht das Altern aus der Unvollkommenheit der Reparatursysteme in der menschlichen Zelle. In der Regel besitzt jede Zelle einen eigenen Reparaturmechanismus, dessen Aufgabe ist es, die festgestellten Schäden zu beseitigen. Die Fehleranhäufungstheorie geht davon aus, dass sich beim Älterwerden in den menschlichen Zellen Fehler anhäufen, deren Ansammlung von selbst abläuft. Ihre Entstehung ist auf die normalen Lebensumstände unseres Planeten zurückzuführen, die allerdings auch lebensfeindlich sein können. So kann z.B. die Umweltverschmutzung dazu führen, dass die natürlichen Reparaturmechanismen der Zelle, den auftretenden Schaden nicht beheben können. Diese Entwicklung führt schließlich auch zum Tod.

2.3.2. Die Genetische Programmierungstheorie

Diese Theorie beruht auf der Vorstellung, dass das Altern aufgrund einer Art genetischer „Verschwörung“ abläuft. Die Genetische Programmierungstheorie besagt, dass in den menschlichen Zellen ein geplanter Abbau statt findet, bei dem ganze Reihen von „Selbstmord-Genen“ zu bestimmten Zeiten aktiviert werden. Die Folge davon ist, dass menschlichen Zellen und Gewebe ihre Tätigkeiten einstellen und somit die Alterungsprozesse hervorrufen. Diese Theorie dürfte durch die Entdeckung von Genabschnitten, die die Lebensspannen von einzelnen Zellen und sogar ganzer Organismen negativ verändern können, zusätzlich unterstützt werden. Die Theorie entspricht den Vorstellungen der Entwicklungsbiologie, die der Meinung ist, dass bereits während der Entwicklung eines Lebewesens aus einer befruchteten Eizelle, ein programmierter Zelltod stattfindet (vgl.: Medina 1998, S. 240-241).

2.4. Veränderung der demografischen Situation in Deutschland

2.4.1. Verschiebung der altersmäßigen Schichtung der gesamten Bevölkerung. Rückgang der Geburtenraten

In unserer Bevölkerungsstruktur ist eine Veränderung zu beobachten: Immer mehr Menschen werden immer älter. Die demografischen Ergebnisse zeigen, dass die Gruppe der über 60jährigen kontinuierlich zunimmt, während die Zahl der Jugendlichen stetig sinkt. Dies hat verschiedene Ursachen. Auf der einen Seite haben die Fortschritte in der Medizin dazu beigetragen, dass viele Krankheiten vollkommen bzw. gut heilbar sind. Gleichzeitig trug dies aber dazu bei, dass die Menschen zunehmend älter werden und häufiger als zuvor an chronischen Krankheiten leiden. Darüber hinaus verändert sich ununterbrochen der allgemeine Lebensstandart. Wir leben in einer relativ gut organisierten und bequemen Welt, in der die Gefahren und Risiken verhältnismäßig stark reduziert wurden. Die gestiegene Hygiene, die bessere Ernährung und die medizinische Versorgung lassen eine realistische Prognose für die Zukunft erstellen. Es ist davon auszugehen, dass nicht nur die heutige, sondern ebenso die zukünftige Gesellschaft in Deutschland zunehmend älter und somit auch die Häufigkeit von Alterskrankheiten steigen wird.

Auf der anderen Seite ist zu beobachten, dass die Geburtenraten in Deutschland von Jahr zu Jahr niedriger werden. Immer weniger Frauen entscheiden sich für ein Kind. Die Statistiken zeigen, dass die Geburtenraten in einem Zeitraum zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2008 gesunken sind. Im Jahr 2000 betrug die Geburtenrate 9,35 Geburten pro 1000 Einwohner, dagegen waren es im Jahr 2008 8,18. Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau lag im Jahr 2008 bei 1,38 Kindern. Damit lag die Zahl der Kinder nur minimal über dem Wert von 2007 mit 1,37. Zurzeit ist die Geburtenrate mit 1,37 Kindern pro Frau in Deutschland die niedrigste der Europäischen Union (vgl.: http://www.google.com/hostednews/afp/ article/19.09.2009).

Diese beunruhigenden Zahlen sind relativ einfach zu erklären. Wir leben in einer Zeit der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Unsicherheit. Kinder sind in Deutschland Anno Domini 2009 das Armutsrisiko Nummer eins und ihre Erziehung und Betreuung bedeuten für alle Beteiligten eine große Belastung. Und das nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht. Wenn wir den Wandel der modernen Familie in unserem Land betrachten, der als Konsequenzen die Zunahme der nichtehelichen Partnerschaften, die steigende Berufstätigkeit von Frauen oder wachsenden Zahlen von Alleinerziehenden hat, lässt sich der Rückgang der Kindergeburten viel leichter nachvollziehen.

Darüber hinaus bedeutet Nachwuchs einen Hinderungsgrund in der Erwerbstätigkeit und stellt ein großes finanzielles Risiko dar. Nach wie vor bleibt die Verantwortung für die „jüngste Generation“ die Aufgabe der Eltern, während z.B. die materielle Absicherung der älteren Generation (Pflegeversicherung, Rentenversicherung) zunehmend vom Staat übernommen wird. Diese Tatsache hat mit der Sozialpolitik zu tun. Das Sozialsystem der Bundesrepublik Deutschland hat bestimmte lebenslaufbedingte Kosten und Risiken sozialisiert, d.h. der Solidarität der Gemeinschaft überantwortet. So verteilt die Sozialversicherung die Kosten für Krankheit, Unfall, Alter und Pflegebedürftigkeit auf alle Beitragszahler. Dagegen bleiben die Unterhaltungskosten für die Kinder, die leider nicht niedrig sind, Sache der Eltern. Dies führt zu einem Ungleichgewicht in der Risiko- und Kostenverteilung, welche immer deutlicher wird und sich gegenwärtig in der erheblich gestiegenen Sozialhilfebedürftigkeit spiegelt (vgl.: Dienel 2002, S. 97).

Im vergangenen Jahr (2008) wurden insgesamt 683 000 Kinder geboren und damit etwa 2000 weniger als im Vorjahr. Die durchschnittliche Zahl der Geburten ging wie in den vergangenen Jahren bei jüngeren Frauen zurück, während sie bei Frauen ab 30 Jahren zunahm. Im Westen Deutschlands blieb die durchschnittliche Kinderzahl mit 1,37 Kindern unverändert. Im Osten erhöhte sie sich dagegen von 1,37 auf 1,4 Kinder. Damit war die Geburtenrate erstmals seit 1990 in den neuen Bundesländern höher als in den alten Ländern (vgl.: http:// www.google.com/hostednews/afp/article/19.09.2009).

Deutschland ist mit 230 Einwohnern pro km² eines des dichtest besiedelten Länder der Welt. Im Juni 2009 zählte BRD 82 Millionen Einwohner (vgl.: http: //www.google.com/hostednews/afp/article/19.09.2009). Diese erfreulichen demografischen Zahlen sollen laut wissenschaftlichen Vorhersagen nicht konstant bleiben. Die Statistiken zeigen, dass sich die demografische Lage in Deutschland, in einigen Jahren stark verändern wird. Nach Berechnungen der Demographen, wird es in Deutschland im Jahr 2050 etwa 30 Millionen weniger deutsche Bürger geben als heute. Die Zahl der Deutschen soll auf 53 Millionen sinken. Laut Prognosen werden im Jahr 2040 etwa 29,3 %, also fast ein Drittel der Gesamtbevölkerung, über 65 Jahre alt sein. Das errechnete Durchschnittsalter in Deutschland dürfte bei über 50 Jahren liegen. Wenn man den Vorhersagen Glauben schenkt, erwartet uns in etwa 40 Jahren eine, im wahren Sinne des Wortes, stark ergraute Gesellschaft.

2.4.2. Anwachsen der individuellen Lebenserwartung

Es gibt verschiedene Theorien zum Alter, die genaue Ursache ist noch nicht vollständig geklärt. Wir können aber davon ausgehen, dass die Gesellschaft in Deutschland immer älter wird. Dies kann daran liegen, dass die Lebenserwartung in Deutschland in den vergangenen anderthalb Jahrhunderten enorm gestiegen ist. Im Jahre 1855 betrug die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen und Männern 37,2 Jahre. Heute liegt sie in der Bundesrepublik bei 74,2 Jahren. Dies bedeutet eine Verdoppelung der durchschnittlichen Lebenserwartung. In einem Zeitraum von etwa 160 Jahre ist eine Erhöhung um 40 Jahre zu beobachten. Eine ähnliche Entwicklung ist in anderen Industriestaaten zu beobachten. Noch im Jahr 1840 lag das Durchschnittsalter von Frauen in Schweden bei 45 Jahren. Gegenwärtig leben japanische Frauen etwa 85,3 Jahre lang (vgl.: Theunissen 2002, S. 2002).

In Deutschland liegt die durchschnittliche Lebenserwartung gegenwärtig bei 81,2 Jahren für Frauen und bei 75,3 Jahren für Männer. Der Vergleich zu den ersten Messungen zeigt, dass die höchste Lebenserwartung kontinuierlich in einem Zeitraum von 10 Jahren, um etwa 2,5 Jahre gestiegen ist. Dies bedeutet eine Zunahme von drei Monaten pro Jahr aus (vgl.: Gärtner 2006, S. 11-12).

Laut Statistik leben in Deutschland immer mehr 80- und 90-jährige. Aufgrund des Zweiten Weltkrieges gibt es deutlich mehr Frauen als Männer in Alterskategorie zwischen 66 und 90 Jahren. Die so genannten Babyboomer-Jahrgänge, die heute etwa 800.000 Frauen und Männer betragen, sind im Jahr 2030 zwischen 60 und 70 Jahre alt. Zu diesem Zeitpunkt leben in Deutschland weniger junge Erwachsene. Dies lässt sich aus den stets sinkenden Geburtenraten vorhersagen. Wie wir wissen, steigt die Krankheitshäufigkeit mit zunehmendem Alter. So leiden etwa 10 % der 65- bis 69-jährigen an mindestens sieben körperlichen Beeinträchtigungen. Bei den Menschen, die über 80 Jahre alt ist, steigt dieser Anteil auf mehr als 30 Prozent. Somit wird sich voraussichtlich die Zahl derjenigen verringern, die die soziale Versicherung mitfinanzieren und die Zahl derer, die aus den Leistungen des Sozialsystems Gebrauch machen wird sich erhöhen (vgl.: Gärtner 2006, S. 13).

2.5. Altersunterteilung. Das Alter als eigenständige Lebens- und Entwicklungsphase

Die Veränderung der demografischen Situation in Deutschland hat als Folge eine neue Altersunterteilung ergeben. An dieser Stelle dürfte die Frage geklärt werden, ab wann Menschen als „älter“ oder „alt“ gelten. Die zweite Lebenshälfte kann nicht mehr als „das Alter“ bezeichnet werden Wir unterscheiden heute so genannte „junge Alte“ zwischen 60 und 69 Jahren, „alte Menschen“ zwischen 70 und 74 Jahren und „Hochbetagte“ über 75 Jahre. Diese Einteilung muss allerdings kritisch überdacht werden. Die Grenze ist nicht starr. Diese Festlegung ist relativ und muss immer individuell betrachtet werden.

Auf diese Weise kann das „junge Alter“ vom 55.Lebensjahr an gerechnet werden, wenn die Person z.B. pflegebedürftig ist und/oder sich selbst nicht versorgen kann. Es ist möglich, dass eine Person im Alter von 80 Jahre durchaus in der Lage ist, ein eigenständiges Leben zu führen und ohne große Einschränkungen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann. In diesem Fall wäre die Zuordnung zu der Altersgruppe der „Hochbetagten“ unzutreffend, weil hier die charakteristischen Merkmale wie z.B. Betreuungsbedürftigkeit oder Abhängigkeit nicht vorhanden sind.

Der Eintritt des „jungen Alters“ kann man sich wie ein Tor vorstellen, das sich zu mehreren Altersübergängen und -abschnitten öffnet und deren Ausgang völlig verborgen ist. Hier ist immer die persönliche Einschätzung der eigenen Fähigkeiten notwendig. Das Alter bedeutet keinesfalls, dass man krank und pflegebedürftig wird. Es kann z.B. eine aktive Zeit bedeuten, in der man lange gesund und fit bleibt, eigenen Interessen nachgeht, neue Pläne knüpft oder sich endlich viele Wünsche erfüllt.

Das Altern eines Menschen beginnt mit der Geburt. Das Alter als letzte Entwicklungsphase beginnt um das 60. Lebensjahr. In Anbetracht der Tatsache, dass der Mensch im Durchschnitt etwa 75 Jahre oder älter wird, kann von einem langen Lebensabschnitt die Rede sein. Natürlich ist davon auszugehen, dass sich die persönliche Entwicklung in den verschiedenen Jahresabschnitten unterschiedlich darstellt. Die Lebensaufgaben von 60-Jährigen sind andere als die von 70- oder 80-Jährigen. Auf jeden Fall sind soziale Kontakte, aktives Leben mit ausreichend Bewegung, ausgewogene Ernährung und so genannte Lebenszufriedenheit die wichtigsten Merkmale in dieser Lebensphase (vgl.: Gärtner 2006, S. 38).

Viele ältere Menschen nehmen die berufsfreie Zeit vorwiegend im Sinne einer späten Freiheit wahr, d. h. das Alter kann als Phase der vermehrten Möglichkeiten zur selbstverantwortlichen Lebensgestaltung verstanden und gestaltet werden. Die Möglichkeiten sind natürlich begrenzt, abhängig davon, welches inner-und außerfamiliäres Netzwerk zur Verfügung steht, sowie ob die materielle und gesundheitliche Situation den gewünschten Lebensstill zulässt. Mehrere Untersuchungen haben ergeben, dass diese späte Freiheit von vielen Menschen aktiv genutzt und als eine persönliche Bereicherung erlebt wird. In Anbetracht der Tatsache, dass die sozioökonomischen Ressourcen älterer Menschen in Deutschland sich deutlich verbessert haben und es an medizinisch-rehabilitativen, kulturellen und technischen Angeboten für ältere Menschen nicht mangelt, kann das Alter als Phase von hoher Lebenszufriedenheit und Lebensqualität gesehen werden. Diese Phase wird in Eigenregie, je nach eigenen Wünschen und Möglichkeiten gestaltet. Auf diese Weise kann das Alter als eigenständige Lebens- und Entwicklungsphase betrachtet werden (vgl.: Heuft/Kruse/Radebold 2000, S. 67).

3. Der Begriff „Demenz“

3.1. Die historische Entwicklung des Demenzbegriffes

3.1.1. Demenz in der Zeit der Antike: Alt-Ägypten und die klassische Griechenland

Schon vor Jahrhunderten war es bekannt, dass bei einigen Menschen im Alter ähnliche Beschwerden vorkamen, die auf Abnahme von Hirnleistung zurückzuführen waren. Man stellte fest, dass manche ältere Menschen Gedächtnisstörungen wie Lernstörungen und Vergesslichkeit aufwiesen. Der Begriff „Demenz“ wurde für das Phänomen der „geistigen Verwirrtheit“ phänomenologisch beschrieben. Die Symptomatik der Demenz wurde sowohl von Junius Juvenalis in seinen Saturae als auch Marc Aurel in seinen Selbstbetrachtungen beschrieben (vgl.: Hampel/Padberg/Möller 2003, S. 19).

Die ältesten Berichte über Demenz stammen aus der Zeit der Antike. Die älteste Beschreibung der senilen Demenz ist im Alten Reich von Ägypten (3000 bis 2155 v. Chr.) zu finden. Damals wurde beobachtet, dass ein hohes Alter viele Beschwerden mit sich bringt und nur eine kleine Minderheit der Menschen die zweite Hälfte des Lebens in einem guten gesundheitlichen Zustand erleben darf. Auch im klassischen Griechenland wurden die ersten Merkmale von Demenz beschrieben. Die älteste griechische Schilderung der senilen Demenz wurde im homerischen Aphrodite-Hymnus verfasst, der im 8.Jahrhundert vor Christus geschrieben wurde. Homer beschreibt in seinem Werk, dass die Göttin Eos versäumt hat, ihrem Ehegatten Tithonos ewige Jugend zu verschaffen. Als er immer mehr körperlich verfällt, muss Eos ihren Mann hegen und füttern. Schließlich kann er seine Glieder nicht mehr bewegen und redet pausenlos. Diese Zeichen der senilen Demenz waren den Dichtern offensichtlich aus dem Alltag bekannt. Damals stellte Demenz wohl eine selbstverständliche Begleiterscheinung von hohem Alter dar.

Auf der anderen Seite gab es damals schon gegensätzliche Ansichten, die kritisch Demenz betrachteten und nicht als eine natürliche Erscheinung vom Alter, sondern als Leiden in Blick behielten. Die Folge der Denkweise war, dass man Demenz vermeiden kann, in dem das Individuum „ein mäßiger Lebenswandel und ein vertraglicher Charakter“ aufweist. Der damalige Wissensstand über Demenz scheint relativ breit zu sein. Außer der Tatsache, dass die alten Griechen nicht nur das Leitsymptom der beginnenden Demenz kannten, stellte man die Frage, ob und wie im hohen und sehr hohen Alter die „Altersschwäche“ vermieden werden kann?

Wichtige Erkenntnisse über Demenz brachte in der Zeit der Antike Galen von Pergamon (129-199 n. Chr.). Er schilderte schon damals ein Krankheitsbild, das von ihm „Morosis“ genannt wurde. Galen schrieb in seinen Werken, dass für das Auftreten von „Morosis“ das hohe Alter typisch sei. Typische Symptome dieser Krankheit, meinte Galen, seien Gedächtnisstörungen, die soweit gehen können, dass die Betroffenen ihren eigenen Namen nicht mehr wussten. Für Galen waren Gedächtnisschwäche und Vergesslichkeit zwei wichtige Merkmale im Alter. Letztendlich vertritt Galen die Meinung, dass Altern an sich keine Krankheit sei, weil Krankheit immer gegen die Natur sei und diese Kennzeichen dem Alter fehle. Er geht davon aus, dass im Alter ein vollkommen natürliches Nachlassen der Kräfte statt findet und bezeichnet es als „Abwelken“.

In Allgemeinen lässt sich feststellen, dass in der der Antike sehr unterschiedliche Auffassungen vom Altern präsent waren: Zum einen als „natürliche Krankheit“, zum anderen „als erworbene Erkrankung“, die sich durch einen Altersabbau bis hin zur Demenz zeigt (vgl.: Wettstein 1991, S. 19-22). Gegenwärtig kann man wohl sagen, dass Galens Werke eine wichtige Rolle in der Geschichte von Demenz spielen. Sie blieben noch in den kommenden Jahrhunderten präsent und bildeten ein Fundament für die zukünftigen wissenschaftlichen Ergebnisse in Bezug zu Demenz.

3.1.2. Mittelalter

Am Ende des 14 Jahrhunderts wurden Galens Werke ins Lateinische übersetzt. Dies brachte ein neues Licht in das Thema Geisteskrankheiten. In der Zeit des Mittelalters glaubte man, dass der Sitz der Seele, anders als in der Antike, im Herzen ist. Die Folge davon war die feste Überzeugung, dass Geisteskrankheiten, die Besessenheit von Dämonen oder vom Teufel sind. Diese Meinung wurde allerdings von einigen damaligen Medizinern kritisiert und man versuchte, eine andere Erklärung für Störungen des Gedächtnisses und Vergesslichkeit zu finden.

Etwa um 1240 schrieb Roger Bacon eine Thesis über die Verlängerung des Lebens und studierte bekannte Werke von Galen. Er zitiert diese mit den Feststellungen, dass das Gedächtnis sich im hinteren Teil des Gehirns befinde und Vergesslichkeit ein typisches Symptom im Alter sei. Bacon blieb leider relativ einsam mit seinen Überlegungen: Von deren Anerkennung in der damaligen Gesellschaft kann keine Rede sein. Die „alte“ Einstellung zum Altern blieb noch über weitere 400 Jahre unverändert. Als Folge hielt die Gesellschaft alle Geisteskranken für Teufelskomplizen und überließ die Erkrankten ihrem Schicksal (vgl.: Zaudig 1995, S. 39)

3.2. Die „geistige Revolution“

In den Jahren von 1793 bis 1845, wurde die senile Demenz fast 1500 Jahre nach Galen, vollkommen neu entdeckt und sehr gründlich beschrieben. Die Fortsetzung in der klinischen Forschung über Demenz schrieb der französische Psychiater Phillippe Pinel (1745-1826). Pinel gilt übrigens heute als der Gründer der modernen Psychiatrie, da er zu den Ersten gehörte, der die Integration der psychisch Kranken in die medizinische Wissenschaft vollzog.

Die Epoche der geistigen Revolution scheint eine wichtige Rolle zu spielen, wenn es um große wissenschaftliche Fortschritte in den Erkenntnissen zum Thema Demenz geht.

Im Jahre 1806 publizierte Pinel das Krankheitsbild „Demence“, in dem die damals bekanten Geistesstörungen in fünf Gruppen eingeteilt und im Sinne von „Aufhebung des Denkvermögens“ bezeichnet wurden. Sein Schüler Jean-Etienne Esquirol setzte die wissenschaftliche Arbeit fort und definierte 1837 Demenz als eine cerebrale Erkrankung, die durch eine Herabsetzung der Vernunft, des Ver-standes und des Willens gekennzeichnet ist und bei der Gedächtnis, Urteilsvermögen und Konzentration vermindert werden. Er unterteilte Demenz in akute, in chronische und in senile Demenz. Darüber hinaus vertritt Esquirol die Meinung, dass senile Demenz altersbedingt sei und von daher erst im hohen Alter auftritt.

Weitere Meilensteine im Zusammenhang mit Demenz wurden 1837 durch Prichard und durch Wilks gelegt. Prichard beschrieb vier fortschreitende Stadien der Demenz: Herabsetzung des Kurzzeitgedächtnisses, Verlust des Urteilsvermögens, Herabsetzung des Verstandes und der Einsicht sowie Verlust des instinktiven Handelns. Wilks dagegen führte den Begriff Atrophie im Jahre 1864 ein und veröffentlichte eine detaillierte Beschreibung und Definition der Hirnatrophie. Er beschrieb eine auffällige Erweiterung der Sulci und zog allein aus der deutlichen Hirnatrophie den Schluss, dass die betroffene Person dement gewesen sein müsste. Nach dieser Erstbeschreibung wurde die Hirnatrophie als ein typisches, neuropathologisches Merkmal der Demenz erfasst (vgl.: ebenda, S. 39-40).

3.3. Kraepelin, Alzheimer und das 20.Jahrhundert

Im Jahre 1890 übernahm der deutsche Psychiater Emil Kraepelin den von Piniel verwendeten Terminus senile Demenz. Die Bezeichnung „demence senile“ wurde von Kraepelin in der deutschsprachigen medizinischen Literatur verbreitet und damit ist der Beginn der Phase intensiver Demenz-Forschung gemacht worden. Damals wurden zwei große Zentren in Frankfurt und in München beauftragt, die mikroskopische Forschung in Zusammenhang mit Demenz fortzusetzen.

1906 bearbeitete der junge deutscher Arzt Alois Alzheimer seinen ersten Fall. Es war eine 56-jährige Frau, die unter anderem Sprachstörungen, Orientierungsstörungen und paranoide Denkinhalte zeigte. In der Publikation von 1906 schafft Alzheimer den Ausgangspunkt für die Beschreibung von Demenz. Heute ist diese Krankheit als Alzheimer-Erkrankung bekannt.

1910 unterscheidet Emil Kraepelin zwischen Zustandsbildern und Krankheitsformen bei Demenz. Er vertritt die Ansicht, dass die Voraussetzung für eine adäquate Diagnose das Erkennen des dem gegebenen Zustandsbild zugrundeliegenden Krankheitsvorganges ist. Der Psychiater entwickelt keine einheitliche Demenz-Diagnose sondern definiert unabhängig voneinander das Irresein bei Hirnverletzungen und bei Hirnerkrankungen, die Vergiftungen, das infektiöse Irresein, die syphilitischen Geistesstörungen, das senile und präsentier Irresein.

Besonders viel Aufmerksamkeit schenkt Kraepelin der senilen Demenz, die er „Altersblödsinn“ nennt. Er definiert senile Demenz als ein „Syndrom allmählicher fortschreitender psychischer Schwäche mit Amnesie, Agnosie, Aphasie und Aufmerksamkeitsstörungen, wozu Gemütsstörungen und einzelne Wahnvorstellungen kommen können“ (Wettstein 1991, S. 35).

1909 publizierten Mitarbeiter von Alzheimer weitere vier Fälle von Demenz und 1911 beschreibt Alzheimer selbst noch einen weiteren wichtigen Fall (Johann F.).

Heute lässt sich feststellen, dass Kraepelin einiges zur Forschung von Demenz beigetragen hat. Er beschäftigte sich sehr intensiv mit den Ergebnissen der wissenschaftlichen Arbeit von Alois Alzheimer und schrieb die dualistische Klassifizierung der Alzheimer Demenz als präsenile Sonderform einer senilen Demenz fest. Der Begriff „Alzheimer Erkrankung“ stammt ebenfalls von ihm. 1910 beschäftigt sich Kraepelin in seinem Psychiatrie-Lehrbuch mit der Systematisierung von psychischen Krankheiten. Im Rahmen eines Kapitels benutzt er den Begriff „Alzheimersche Erkrankung“ als vor dem Senium einsetzende Sonderform des Altersblödsinns. „Bei ihr handele sich um die langsame Entwicklung eines ungemein schweren geistigen Siechtums mit den verwaschenen Erscheinungen einer organischen Hirnerkrankung, die aber in erster Linie durch junges Alter bei Symptombeginn charakterisiert sei, zu dem sich klinische Symptome (Gedächtnisstörungen, Aphasien, Spastikern und Schwäche) auf der einen und histopathologische Charakteristika wie senile Plaques und Neurofibrillenbündel auf der anderen Seite hinzugesellten“ (Wetzstein 2005, S. 36).

Mit seiner Klassifizierung der Alzheimer-Demenz legt Kraepelin die Grundlage für eine Forschungsdiskussion, die sich über Jahrzehnte mit der Frage auseinander gesetzt hatte, ob auch senile Demenz-Formen dem Typus der Alzheimer-De-menz zuzuordnen sind?

In den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wandte sich die medizinische Forschung mit großem Interesse der Bestimmung und Differenzierung der Demenzen zu. Dank der Entdeckung neuer histopathologischer Methoden war es möglich, auf eine genaue und exakte Weise die Hirnveränderungen bei Patienten mit präseniler bzw. seniler Alzheimer-Demenz zu untersuchen. Die große Frage dieser Zeit war, ob die Schwere und der besondere Ablagerungsort der Hirnveränderungen vor dem Senium ausreichend sind.

In den 60er und den 70er Jahren setzte sich die Auffassung durch, dass der Prozess der präsenilen Alzheimer-Krankheit sich nicht von dem der senilen Demenz unterscheiden lässt.

Gegenwärtig wird die senile Form der Demenz als Krankheit angesehen und in Folge wurden präsenile und senile Demenz als Krankheit derselben Form betrachtet. Die Bezeichnung Alzheimer-Erkrankung wird sowohl für präsenile als auch für senile Formen verwendet. Heute gilt Alzheimer-Demenz als Krankheit im hohen Lebensalter, allerdings ist sie zu unterscheiden von den allgemeinen Alterungsprozessen.

Die letzten Forschungsrichtungen beschäftigen sich mit der Frage, inwiefern die Grundlage der Alzheimer-Demenz in einer genetischen Störung zu suchen ist? Die Forscher sind nämlich der Meinung, dass der Krankheitsprozess durch verschiedenen Risikofaktoren und Umwelteinflüsse begünstigt wird. Sie wiederum setzen präklinisch den Krankheitsprozess in Gang, lange bevor sich die Alzheimer-Demenz bemerkbar macht. Diese Sichtweise dominiert gegenwärtig in der modernen Medizin. Auch wenn zu erwarten ist, dass sich der Krankheitsbegriff im Verlauf der genetischen Forschung verändern wird, ist anzunehmen, dass auch in der Zukunft die genetische Hypothese die wissenschaftlichen Ergebnisse in Zusammenhang mit der Alzheimer-Demenz beeinflussen wird (vgl.: Wetzstein 2005, S. 35-41).“

Das Thema Alois Alzheimer und seine wissenschaftliche Arbeit werden von mir in einem getrennten Kapitel der Diplomarbeit behandelt. Aufgrund seiner Relevanz versuche ich sowohl seine Person, als auch die Hintergründe seiner Entdeckung auf eine ausführliche Weise darzustellen.

4. Definitionen des Begriffs Demenz

„Das Wort Demenz stammt aus dem lateinischen und bedeutet wörtlich übersetzt „weg vom Geist“ oder „ohne Geist“. Das wesentliche Merkmal einer Demenzerkrankung ist der erworbene Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit“ (Schäfer/Rüther 2004, S. 12).

Mit dem Begriff der Demenz wird im Alltagssprachgebrauch eine Reihe von Symptomen bezeichnet, die auf einen Verlust geistiger Leistungsfähigkeiten hinweisen. Demenz wird als psychische Erkrankung im Alter auch unter dem Begriff „Hirnorganisches Psychodrom“ (HOPS) oder aber unter der Bezeichnung psychoorganisches Syndrom bekannt.

Als begriffliche Fassung für Demenz werden auch „Hirnatrophie“, „Cerebralsklerose“ oder „cerebrale Arteriosklerose“ verwendet, die eigentlich eine mögliche Ursache als ein Zustandsbild beschreiben (vgl.: Reggentin/Dettbarn-Reggentin 2006, S. 18).

Bei der Demenz handelt es sich um ein Krankheitsbild, das sich in der Verschlechterung der geistigen Leistungsfähigkeit äußert. Demenz ist typisch für eine Vielzahl von verschiedenen Erkrankungen. Demenz ist keine eigenständige Krankheit sonder tritt nur als Syndrom auf.

Gegenwärtig sind vor allem zwei Definitionen der Demenz verbreitet: Einerseits die von der Welt-Gesundheitsorganisation (World Health Organisation WHO) ausgearbeitete, die sog. ICD-Klassifizierung (International Classifikation of Deasases ICD). Andererseits wurde von der American Psychiatric Association in deren „Diagnostic und Statistic Manual sog. DSM-III-R-1987 eine weitere Definition formuliert.

4.1. Definition ICD

In Europa wird am häufigsten mit der ICD-Klassifizierung (WHO 1978) gearbeitet. „Der Begriff „Demenz“ wird als organische Psychose chronischer oder progressiver Natur, welche unbehandelt gewöhnlich irreversibel und terminal ist, unter Ausschluss der Geistesschwäche.

Das ICD-System unterscheidet fünf Gruppen organisch-psychotischer Zustände:

290: senile und präsenile organische psychotische Zustände

291: alkoholische Psychose

292: medikamentöse Psychosen

293: transient organisch-psychotische Zustände

294: andere chronische organisch-psychotische Zustände

Die senilen und präsenilen organisch-psychotischen Zustände werden weiter unterteilt in:

290.0: senile Demenz, einfacher Typ, definiert als Demenz die üblicherweise nach dem Alter von 65 Jahren auftritt und in welcher eine spezielle cerebrale Pathologie, anders als der senilen Atrophie, als unwahrscheinlich ausgeschlossen werden kann. Ausgeschlossen dabei sind milde Gedächtnisstörungen, die noch ungenügend sind für eine Demenzdiagnose.

290.1: Präsenile Demenz, definiert als Demenz, die vor dem 65. Altersjahr auftritt mit speziellen Formen diffuser oder lobar-cerebraler Atrophie, welche mit der spezifischen neurologischen Diagnose zusätzlich zu codieren ist.

290.2: Senile Demenz, depressiver oder paranoider Typ, definiert als ein Typus von seniler Demenz, der sich im vorgeschnittenen Alter entwickelt, progressiver Natur ist und bei welcher sich verschiedene Wahnvorstellungen, Halluzinationen oder depressive Verstimmungen ebenfalls manifestieren.

290.3: Senile Demenz mit akuter Konfusion, definiert als senile Demenz mit einer reversiblen Episode eines akuten Verwirrtheitszustandes (Delir)

290.4: Arteriosklerotische Demenz: definiert als Demenz, die aufgrund von physikalischen Befunden auf degenerative Arterienerkrankung des Gehirns zurückgeführt werden kann“ (Wettstein 1991, S. 38-39).

„Gemäß der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen (ICD-10) handelt es sich bei der Demenz um ein Krankheitsbild (Syndrom) mit den folgenden Merkmalen:

A. Nachweis aller folgenden Bedingungen

1. Eine objektiv verifizierbare Abnahme des Gedächtnisses, die am deutlichsten beim Lernen neuer Informationen und in besonders schweren Fällen auch bei der Erinnerung früher erlernter Informationen auffällt. Die Beeinträchtigung betrifft verbales und nonverbales Material
2. Eine Abnahme anderer kognitiver Fähigkeiten, charakterisiert durch eine Verminderung der Urteilsfähigkeit und des Denkvermögens, wie z.B. der Fähigkeit zu planen und zu organisieren und der Informationsverarbeitung

B. Eine Eintrübung des Bewusstseins fehlt

C. Die Verminderung der Affektkontrolle, des Antriebs und des Sozialverhaltens manifestiert sich in mindestens einem der folgenden Merkmale: emotionale Labilität, Reizbarkeit, Apathie, Vergröberung des Sozialverhaltens

D. Für eine sichere klinische Diagnose soll A mindestens sechs Monate vorhanden sein

Als sekundäre Symptome können Wahn, Halluzinationen und depressive Verstimmung im Diagnoseschlüssel der ICD-10 kodiert werden. Die amerikanische Klassifikation DSM-IV fügt für die Diagnose Demenz Gedächtnisstörungen, sog. Hirnwerkzeugstörungen wie Apraxien, Agnosien oder Aphasien und einen Ausprägungsgrad in einem Ausmaß, dass der Alltag des Patienten nachhaltig beeinträchtigt ist“ (Franke 2006, S. 18).

4.2. Definition DSM-III-R

Die klarste Definition von Demenz gibt die American Psychiatric Assotiation in ihrer 1987 vorgelegten Fassung des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-III-R). Gemäß DSM-III-R wird zwischen „organic mental syndromens“ und „organic mental disorders“ unterschieden. „Organic mental syndromes entspricht einer Konstellation von psychologischen und verhaltensmäßigen Zeichen und Symptomen ohne Hinweis auf eine bestimmte Ursache. Organic mental disorders hingegen sind spezifische organische Störungen, bei welchen eine Ätiologie bekannt oder zu vermuten ist“ (Wettstein 1991, S. 39-40).

Unter den Aspekten von „organic mental syndromes“ wird Demenz auf folgende Weise definiert:

„Das wesentliche Merkmal der Demenz ist Beeinträchtigung des Kurz- und Langzeitgedächtnisses, assoziiert mit Beeinträchtigungen des abstrakten Denkens, der Urteilsfähigkeit und mit anderen Störungen höherer kortikaler Funktionen, oder mit Persönlichkeitsveränderungen. Die Störung ist dabei so schwer, dass sie die Arbeitsfähigkeit, soziale Aktivitäten und Beziehungen mit anderen signifikant beeinträchtigt. Die Diagnose der Demenz darf nicht gestellt werden, wenn diese Symptome nur zusammen mit einem Delirium auftreten“ (Wettstein 1991, S. 40).

Um Demenz zu definieren enthält DSM-III-R einen Katalog von Kriterien:

1. „Hinweis auf Beeinträchtigung des Kurz- und Langzeitgedächtnis.

Die Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses, manifestiert sich dadurch, dass der Betroffene unfähig ist, neue Informationen zu lernen. Dies kann festgestellt werden, indem drei Objekte von Erkrankten nach fünf Minuten nicht wieder erkannt werden.

Langzeitgedächtnis-Störungen (Unfähigkeit Informationen zu erinnern, die in der Vergangenheit bekannt waren) können beobachtet werden durch eine Unfähigkeit, vergangene persönliche Information (z.B. was gestern passierte, den Geburtsort, den Beruf) oder Allgemeinwissen zu erinnern (z.B. gut bekannte Daten, Politiker aus der Vergangenheit).

2. Mindestens eines der folgenden Kriterien:

- Beeinträchtigung des abstrakten Denkens, indiziert durch die Unfähigkeit, Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen verwandten Wörtern zu finden, der Schwierigkeit, Worte zu definieren und ähnliche Aufgaben zu lösen
- Beeinträchtigte Urteilsfähigkeit, nachgewiesen durch die Unfähigkeit, vernünftige Pläne zu machen und Familien-, zwischenmenschliche und arbeitsbezogene Probleme zu lösen
- Andere Störungen kortikaler Funktionen wie Aphasie (Störung der Sprache), Apraxie (Unfähigkeit, motorische Aktivitäten auszuüben trotz intakten Verständnis und motorischen Funktionen) und „konstruktionale“ Schwierigkeiten (z.B. Unfähigkeit, eine dreidimensionale Figur zu kopieren, Blöcke oder Stäbchen zu arrangieren nach einem speziellen Muster).
- Persönlichkeitsveränderung, insbesondere eine Veränderung oder Akzentuierung von Charaktermerkmalen

3. Die Störungen 1. und 2. müssen so ausgeprägt sein, dass sie parallel die Fähigkeit zu arbeiten oder gewöhnliche soziale Aktivitäten mit anderen zu betreiben, beeinträchtigen (ebenda, S. 40-41)“.

4.3. Formen von Demenz: Sekundäre und primäre Demenzen

Unter dem Begriff der Demenz wird eine Reihe von Krankheitsbildern verstanden, die sowohl in ihrem Verlauf, als auch in ihren Ursachen ganz unterschiedlich begründet werden können.

Bei den verschiedenen Demenzerkrankungen werden die sekundären Formen der Demenz von den primär degenerativen Demenzen unterschieden.

4.3.1 Sekundäre Demenzformen

Sekundäre Demenzformen sind in der Regel Folgeerscheinungen von anderen Grunderkrankungen und oft auch heilbar. Als typische Erscheinungsformen einer Demenz treten Gedächtnis- und Orientierungsstörungen oder Verwirrtheit auf. Die Symptome sind allerdings auf andere Erkrankungen und Veränderung von Organen zurückzuführen. Diese können z.B.: schwere Depressionen (auch als Pseudo-Demenzen bekannt), Herz-Kreislauf-Insuffizienz, Mangelernährung, Hypothyreose, Vitamin-Mangel-Zustände (B1, B12), Medikamentenintoxikation, Tu-mor, Traumen, Alkohol- und Medikamentenmissbrauch und andere sein. Eine Therapie mit der Chance auf Heilung ist möglich, vorausgesetzt, dass keine irreversiblen Schädigungen des gehirnorganischen Bereichs eingetreten sind.

Der Anteil der sekundären Demenzformen an allen Demenzen liegt bei etwa 10-20 %.

4.3.2. Primäre Demenzerkrankungen

Der Unterschied zwischen sekundären und primären Demenzformen besteht darin, dass primäre Demenzerkrankungen bis jetzt nicht heilbar sind. Die Hauptgrupe der dementiellen Erkrankungen bilden folgende drei Demenztypen:

1. Alzheimererkrankungen mit einem Anteil von etwa 50-60 % aller primären Demenzen
2. Vaskuläre Demenzen mit einem Anteil von ca. 15-20 % aller primären Demenzen
3. Vaskulär-degenerative Demenzen mit einem Anteil von ca. 15-20 % aller primären Demenzen

Wenn es um primäre Demenzformen geht, stellt die Alzheimer Erkrankung mit 72 % den höchsten Anteil. Weiter folgen vaskuläre Demenzen mit 16 %, Parkinson-Demenzen mit 6 % und sonstige Demenzformen mit 5 %.

„In beiden Demenzgruppen, den primären wie auch den sekundären Demenzerkrankungen, gibt es noch eine Anzahl von speziellen Demenzformen. Die primär degenerativen Demenzen sind heute noch nicht ursächlich therapierbar, während Demenzen, die als Folgeerscheinung anderer Grunderscheinungen auftreten, behandelbar und auch heilbar sind“ (Reggentin/Dettbarn-Reggentin 2006, S. 20).

4.4. Symptome der Demenz

Um die Anforderungen die ein Demenzkranker an seine Umwelt stellt, deutlich zu machen, ist es wichtig, dass die Erscheinungsformen der Demenz beschrieben werden. Im Zusammenhang mit dementiellen Erkrankungen lässt sich ein Muster aus Symptomen stellen, die in den bereits erwähnten ICD-10-Leitlinien vorgestellt und nach bestimmten Kriterien zusammengefasst werden. In der Regel lässt sich bei Demenz folgende Beeinträchtigungen und Einschränkungen unterscheiden:

„Kognitive Beeinträchtigungen: Die Gedächtnisleistung lässt nach, neue Informationen werden nur schwer gelernt, in schweren Fällen ist auch die Erinnerung an früher Gelerntes gestört. Auch das Urteilsvermögen nimmt ab. Störungen können die Sprache betreffen (Aphasie), sie können dazu führen, Objekte nicht wieder zu erkennen (Agnosie), sie praktisch handhaben (Apraxie) oder auch sich räumlich orientieren zu können.

Die Beeinträchtigung der kognitiven Kompetenzen schränkt die Fähigkeiten ein, den Alltag zu bewältigen. Fremde Hilfe wird zunehmend notwendig.

Das Bewusstsein ist trotz der Einschränkungen klar, es liegt kein Delir vor.

[...]

Details

Seiten
108
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640818815
ISBN (Buch)
9783640822027
Dateigröße
695 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166071
Institution / Hochschule
Hochschule RheinMain
Note
1,7
Schlagworte
alzheimer-krankheit volkskrankheit jahrhunderts deutschland klassische handlungsebenen arbeit zielgruppe angehörigenarbeit

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Titel: Alzheimer-Krankheit als Volkskrankheit des 21. Jahrhunderts in Deutschland