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Mitarbeitergespräche - Theorie und Praxis

Essay 2009 5 Seiten

Führung und Personal - Sonstiges

Leseprobe

Vergleich zwischen Theorie und Praxis bei Mitarbeitergesprächen

In dieser Arbeit wird versucht, die Prinzipien der Durchführung von Mitarbeitergesprächen in der Theorie und der Praxis zu vergleichen. Dazu wurde ein Abteilungsleiter der Berufsfachschule für Büroberufe, Herr G., befragt. Er ist Vorgesetzter von 13 Lehrern und führt mit diesen in regelmäßigen Abständen Mitarbeitergespräche durch. Die Stadt schreibt die Standards der Durchführung und die Terminierung der Mitarbeitergespräche vor.

Als Theoriegrundlage wird das „Lehrbuch der Personalpsychologie“ von Heinz Schuler verwendet, im Weiteren nur „Schuler“ genannt. Als Grundlage für die Durchführung in der Praxis das geführte Interview mit Herrn G., im Weiteren wird zur Vereinfachung nur von „in der Praxis“ gesprochen. Als Leitfaden für den Vergleich zwischen Theorie und Praxis wird Abb. 10 „Prinzipien der Gesprächsdurchführung“ (Schuler, S. 503) verwendet. Dort wird die Gesprächsdurchführung in 3 wichtige Teile untergliedert, die Gesprächsvorbereitung, -durchführung und -nachbereitung.

Die Gesprächsvorbereitung beginnt nach Schuler mit einer frühzeitigen Einladung. In der Praxis bekommen die Mitarbeiter keine gesonderte Einladung, sondern es erfolgt ein Aushang am schwarzen Brett der Schule mit Bitte um Abstimmung der Termine. Die Mitarbeiter haben also selbst die Pflicht sich beim Vorgesetzten zu melden und mit ihm einen Termin zu vereinbaren. Die konkrete Festlegung der Gesprächsziele erfolgt nur auf Mitarbeiterseite, da sich der Vorgesetzte in der Praxis kaum vorbereitet. Durch das Gespräch will der Vorgesetzte seinem Mitarbeiter eine Plattform für dessen Wünsche und Probleme bieten. Dies ist meiner Meinung nach aber nur in Einrichtungen möglich, in denen keine konkreten Zielsetzungen wie z.B. Mindestumsatz vorgegeben werden. Vom Mitarbeiter wird in der Praxis aber verlangt, dass er sich Gesprächsziele setzt und diese auch im Gespräch anbringt. Obwohl ein offener Gesprächsverlauf angestrebt wird, wird den Mitarbeitern empfohlen sich einen schriftlichen Leitfaden für das Gespräch zu erstellen. Ganz im Gegensatz zu Schuler, der es für notwendig hält, „sich zu Beginn des Gesprächs über dessen Verlauf zu einigen“ (Schuler, S. 502) und bei dem in der Regel der Vorgesetzte einen Vorschlag äußert, den der Mitarbeiter um seine Wünsche erweitern kann (Schuler, S. 502), wird in der Praxis der Gesprächsverlauf vom Mitarbeiter gesteuert. Die von Schuler genannten Vorsorgemaßnahmen, die laut Lehrbuch seitens des Vorgesetzten zu treffen sind, werden in der Praxis anders umgesetzt. Um ausreichend Zeit für das Gespräch kümmert sich selbstverständlich der Vorgesetzte, aber für den Ort des Gesprächs ist ganz allein der Mitarbeiter verantwortlich. Ob Café, Büro des Vorgesetzten oder in einem Nebenraum, der Vorgesetzte passt sich hier den Wünschen des Mitarbeiters an. Es wird aber, wie in der Theorie beschrieben, darauf geachtet, dass keine Statusunterschiede auftreten.

Die Kontaktaufnahme während der Gesprächsdurchführung erfolgt wie im Lehrbuch beschrieben auch in der Praxis mit Smalltalk. In der Praxis wird dem Mitarbeiter oft noch kurz erläutert wie das Gespräch ablaufen soll, also dass er selbst das Gespräch gestalten und führen sollte. Die Informationsphase fällt in der Praxis fast vollständig weg, da es keinen festen Ablaufplan und keine Zeitbeschränkung gibt. Übrig bleibt nur die Vorstellung der Gesprächsziele durch den Mitarbeiter. Ein Grund hierfür ist die starke Mitarbeiterzentrierung des Gesprächs. Die Argumentationsphase, in der es um die Gesprächsinhalte geht, kann laut Lehrbuch unterschiedlich strukturiert sein. In der Praxis geht es hauptsächlich um die Erörterung und Klärung der Probleme einzelner Mitarbeiter. Das Gespräch findet in Dialogform statt und hat das oberste Ziel, ein für den Mitarbeiter positives Ergebnis hervorzubringen. Er soll am Ende den Eindruck haben, dass der Vorgesetzte sich für seine Ziele einsetzt. Meiner Meinung nach unterscheidet genau dies das Mitarbeitergespräch im vorliegenden Fall von denen in wirtschaftlich geführten Unternehmen. Dort geht es vorrangig um Zielsetzung und Zielerreichung.

Nachdem der Mitarbeiter seine Anliegen vorgebracht hat, wird die Beschlussphase eingeleitet. Nach Schuler (2005) wird hier vor allem „der derzeitige Stand festgestellt und die weiteren Vorgehensweisen anvisiert“ (S. 504). Auch sollte das Nicht-Erreichen eines Gesprächsziels und die einzuleitenden Maßnahmen schriftlich festgehalten werden. In der Praxis führt der Vorgesetzte ein Gesprächsverlaufsprotokoll in dem er unter anderem die besprochenen Fragen, Themenbereiche und Beschlüsse festhält. Nur bei schwierigen oder ungelösten Problemen die beide Seiten betreffen wird das Gesprächsverlaufsprotokolls kopiert und von beiden Seiten unterschrieben. In der Praxis ist dies seit der Einführung der Mitarbeitergespräche aber noch nie vorgekommen. Gemeinsame Zielvereinbarungen werden schriftlich festgehalten und nach einem halben Jahr wird kontrolliert, ob die Ziele erreicht wurden.

Eine Abschlussphase findet in der Praxis nicht statt, da schon während des Gesprächs versucht wird, alle anfallenden Probleme zu lösen. Die Gesprächsnachbereitung läuft für beide Seiten unterschiedlich ab. Der Mitarbeiter kann sich, wie in Schuler (2005) beschrieben, fragen, ob es ihm gelungen ist, alle relevanten Themen anzusprechen. Der Vorgesetzte evaluiert das Gespräch indem er das Gesprächsprotokoll noch einmal überarbeitet und es mit Hinweisen, Gedanken, Gefühlen und wichtigen Zusatzinformationen versieht, die ihm später als Gedächtnisstütze helfen sollen. Notwendige Gespräche mit anderen Kollegen oder Vorgesetzten werden umgehend von ihm terminiert. Die Stadt Regensburg bekommt von dem Gespräch nur die Mitteilung, dass es stattgefunden hat, aber keine Ergebnisse oder Vereinbarungen.

Literaturverzeichnis

Schuler, H. (2005). Lehrbuch der Personalpsychologie (2. Aufl.). Göttingen: Hogrefe.

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Details

Seiten
5
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640818273
Dateigröße
372 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166088
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,3
Schlagworte
mitarbeitergespräche theorie praxis Personalpsychologie Mitarbeitergespräch Schuler Gesprächsvorbereitung Vorgesetzter Ziel Zielsetzung Gesprächsziel Gesprächsführung Mitarbeiter

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Titel: Mitarbeitergespräche - Theorie und Praxis