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Die Umsetzung der europäischen Corporate Social Responsibility-Strategie im Ländervergleich: Großbritannien - Dänemark - Deutschland

Masterarbeit 2010 148 Seiten

Ingenieurwissenschaften - Wirtschaftsingenieurwesen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit

2 Das Konzept Corporate Social Responisibility (CSR)
2.1 CSR - Neuerfindung der Unternehmensethik?
2.1.1 CSR - eine Modeerscheinung?
2.1.2 Ebenen der Unternehmens- und Wirtschaftsethik
2.1.2.1 Ordnungsethik - Ort der Moral?
2.1.2.2 Unternehmensethik - die Ebene der CSR?
2.1.2.3 Individualethik - Verantwortung des Einzelnen
2.2 Babylon der Begrifflichkeiten um CSR
2.2.1 Begriffsursprung und Idee der CSR
2.2.2 Unschärfen bei der Begriffsabgrenzung
2.2.3 Corporate Social Responsibility (CSR)
2.2.4 Stakeholder Management
2.2.5 Corporate Citizenship (CC)
2.2.6 Nachhaltigkeit
2.3 Strategische Integration von Geschäft und Gesellschaft
2.3.1 Vergeudung von Potenzial
2.3.2 CSR entlang der Wertschöpfungskette
2.3.3 CSR im Wettbewerbsumfeld
2.3.4 Auswahl der Handlungsfelder
2.4 Kritische Einwände am CSR Konzept
2.5 Zusammenfassung

3 Die Europäische CSR-Strategie
3.1 Möglichkeiten und Grenzen der Politik im Wandel der Gesellschaft
3.2 Internationale Initiativen mit CSR-Bezug
3.3 Panorama der Europäischen Union
3.3.1 Idee und Grundsätze
3.3.2 Funktionsweise der politischen Organe
3.4 Meilensteine der europäischen CSR-Strategie
3.5 Lissabon-Strategie - Weichenstellung für CSR?
3.5.1 Zielsetzungen im Jahr 2000
3.5.2 Halbzeitprüfung 2005 - Auf dem richtigen Weg?
3.5.3 EU-Strategie 2020 - Weckruf durch die Krise?
3.6 Die Nachhaltigkeitsstrategie mit Blick auf CSR
3.6.1 Mitteilung 2001 zur Nachhaltigkeitsstrategie
3.6.2 Mitteilung 2002 zur globalen Partnerschaft
3.6.3 Revision der Strategie mit Abschlussmitteilung 2005
3.6.4 Die neue EU-Strategie für nachhaltige Entwicklung 2006
3.6.5 1. Fortschrittsbericht 2007 und 2. Fortschrittsbericht 2009
3.7 Die CSR-Strategie - oder die CSR-Debatte?
3.7.1 Das CSR Grünbuch 2001 - Fundament der Strategie
3.7.2 CSR-Mitteilung 2002 - Unternehmensbeitrag zur Nachhaltigkeit
3.7.3 European Multistakeholder-Forum 2002 -2004
3.7.4 CSR-Mitteilung 2006 - Europäisches Bündnis für CSR
3.7.5 European Multistakeholder-Forum 2009 mit Zwischenbericht 2010
3.7.5.1 Wirtschaft und Menschenrechte
3.7.5.2 Berichterstattung und Transparenz aus Sicht der Politik
3.8 Integrierte Produktpolitik (IPP) - Ein neues Wachstumsparadigma?
3.8.1 Grünbuch zur IPP 2001
3.8.2 Mitteilung zum Lebenszyklus-Ansatz 2003
3.8.3 IPP-Sitzungen und Arbeitsgruppen
3.9 Zusammenfassung

4 Umsetzung der europäischen CSR-Strategie in Mitgliedsstaaten
4.1 Vorgehensweise
4.1.1 Gegenstand des Vergleichs
4.1.2 Auswahl der Vergleichskriterien
4.2 Großbritannien (UK)
4.2.1 Nationale Sichtweise auf CSR
4.2.1.1Gesellschaftlicher Kontext
4.2.1.2 Strategie und Ziele der CSR-Politik
4.2.2 CSR-Akteure
4.2.2.1 Staatliche Akteure
4.2.2.2 Nichtstaatliche Akteure
4.2.3 CSR-Instrumente
4.2.3.1 Gesetze und Verpflichtungen
4.2.3.2 Soft Laws
4.2.3.3 Initiativen und Zusammenarbeit
4.2.3.4 Bewusstseinsbildung
4.3 Dänemark (DK)
4.3.1 Nationale Sichtweise auf CSR
4.3.1.1 Gesellschaftlicher Kontext
4.3.1.2 Strategie und Ziele der CSR-Politik
4.3.2 CSR-Akteure
4.3.2.1 Staatliche Akteure
4.3.2.2 Nichtstaatliche Akteure
4.3.3 CSR-Instrumente
4.3.3.1 Gesetze und Verpflichtungen
4.3.3.2 Soft Laws
4.3.3.3 Initiativen und Zusammenarbeit
4.3.3.4 Bewusstseinsbildung
4.4 Deutschland (DE)
4.4.1 Nationale Sichtweise auf CSR
4.4.1.1 Gesellschaftlicher Kontext
4.4.1.2 Strategie und Ziele der CSR-Politik
4.4.2 CSR-Akteure
4.4.2.1 Staatliche Akteure
4.4.2.2 Nichtstaatliche Akteure
4.4.3 CSR-Instrumente
4.4.3.1 Gesetze und Verpflichtungen
4.4.3.2 Soft Laws
4.4.3.3 Initiativen und Zusammenarbeit
4.4.3.4 Bewusstseinsbildung
4.5 Zusammenfassung
4.5.1 Auswertung des Ländervergleichs - Neue Impulse für Deutschland?
4.5.2 Tragweite der europäischen CSR-Politik

5 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Drei-Ebenen-Modell der Wirtschaftsethik

Abb. 2: Carrolls CSR-Pyramide

Abb. 3: Interne und externe Stakeholder gemäß europäischer Definition

Abb. 4: Gesellschaftliches Engagement entlang der Wertschöpfungskette

Abb. 5: Gesellschaftliches Engagement im Wettbewerbsumfeld

Abb. 6: Verhältnis von Nachhaltigkeit zu CSR und CC

Abb.7: Meilensteine der europäischen CSR-Strategie im Kontext weiterer Strategien

Abb. 8: Zusammenfassung der europäischen CSR-Strategie

Abb. 9: CSR-Handlungsfelder

Abb. 10: Aspekte der CSR-Handlungsfelder

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Interne und externe Dimensionen des CSR-Grünbuchs der EU

Tab. 2: Anforderungen an die CSR-Instrumente in der CSR-Mitteilung 2002

Tab. 3 Bedeutende Dokumente und Strategien der britischen CSR-Politik

Tab. 4 Staatliche CSR-Akteure Großbritanniens

Tab. 5 Nichtstaatliche CSR-Akteure Großbritanniens

Tab. 6 Bedeutende Schritte zur dänischen CSR-Politik

Tab. 7 Staatliche CSR-Akteure Dänemarks

Tab. 8 Nichtstaatliche CSR-Akteure Dänemarks

Tab. 9 Ausgewählte dänische Initiativen mit CSR-Bezug

Tab. 10 Auf dem Weg zu einer deutschen CSR-Strategie

Tab. 11 Staatliche CSR-Akteure Deutschlands

Tab. 12 Nichtstaatliche CSR-Akteure Deutschlands nach Peters

Tab. 13 Ausgewählte deutsche Initiativen mit CSR-Bezug

Tab. 14 Überblick – CSR-Politik im Ländervergleich

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Ausgangssituation

„Sozial verantwortliches Handeln von Unternehmen hat eine lange Tradition in Europa. Was das heutige CSR-Verständnis von den Initiativen der Vergangenheit unterscheidet ist das Bemühen, CSR strategisch einzusetzen (…).“

(Europäische Kommission 2002:6)

Um ein strategisches Verständnis für Corporate Social Responsibility (CSR), der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen zu erhalten, darf der Blick nicht nur auf die Unternehmen selbst gelenkt werden.

Unternehmen sind zunehmend von den Megatrends wie Rohstoffknappheit, globalisierte Arbeitsteilung, Klimawandel, Armut und Bevölkerungsentwicklung betroffen, womit auch die Dimension der gesellschaftlichen Verantwortung der Unternehmen stark wächst. Die positive und langfristige Gestaltung der Megatrends ist nicht nur Aufgabenbereich der Unternehmen, sondern erfordert die Beteiligung sämtlicher gesellschaftlicher Akteure.

Vor allem die Politik ist gefordert, globale Bedingungen und Rahmenordnungen zu schaffen, in denen Unternehmen verantwortlich agieren können.

Dabei zeigt es sich, dass grade durch die globalisierten und somit staatenübergreifenden Wertschöpfungsprozesse von Unternehmen die politische Reichweite einzelner Nationalstaaten begrenzt ist. Es bestehen zwar eine Reihe von internationalen Abkommen und Initiativen, welche aber eine staatliche Rahmenordnung nicht ersetzen können.

Die Europäische Union (EU) hat an den weltweiten Ein- und Ausfuhren einen Anteil von 20 % und ist somit als weltgrößte Handelsmacht ein Akteur mit globalen Auswirkungen (vgl. Europa 2010z). Zusätzlich besitzt die EU geeignete Strukturen, wodurch europapolitische Entscheidungen und Initiativen staatenübergreifend in allen 27 Mitgliedsländern Relevanz erhalten.

Diese beiden Gesichtspunkte sind ausschlaggebend, um die europäische CSR-Politik näher zu betrachten und folgende Fragen aufzuwerfen.

Wie sehen die Bemühungen der Europäischen Union aus, CSR strategisch einzusetzen? Welchen Beitrag leistet die Politik um positive Rahmenbedingungen zu gestalten, in denen Unternehmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden können? Wird die europäische CSR-Strategie in den Mitgliedsstaaten einheitlich umgesetzt?

1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit

Die Zielsetzung der Arbeit besteht darin, die Umsetzung der europäischen CSR-Strategie in ausgewählten europäischen Mitgliedsstaaten zu vergleichen und kritisch zu reflektieren. Einerseits sollen neue CSR-Impulse für Deutschland durch den Vergleich aufgezeigt und andererseits die Tragweite der europäischen CSR-Strategie betrachtet werden.

Entsprechend einer deduktiven Herangehensweise wird im zweiten Kapitel zum besseren Grundverständnis der Begriff CSR erläutert, der nach wie vor unterschiedlich interpretiert wird. Zunächst wird hinterfragt, ob CSR mehr als eine Modeerscheinung ist, um anschließend den Begriff CSR aus wirtschaftsethischer Sicht besser einordnen zu können. Daraufhin werden artverwandte Begriffe erklärt sowie die Grundlagen eines strategischen Ansatzes für CSR dargestellt.

Im dritten Kapitel wird zunächst die prinzipielle Aufgabe der Politik diskutiert, bevor internationale Vereinbarungen und Initiativen mit CSR-Bezug betrachtet werden. Nachdem die Ziele und Grundaufgabe der Europäischen Union aufgezeigt wurden, wird die europäische CSR-Strategie im Kontext weiterer europäischer Strategien betrachtet, mit denen inhaltliche Überschneidungen bestehen. Dabei wird auf die einhergehende CSR-Debatte umfassend eingegangen. Zur Veranschaulichung werden die Meilensteine der Strategien zusammengefasst.

Es wird im vierten Kapitel die Umsetzung der europäischen Strategie anhand von drei europäischen Mitgliedsländern betrachtet. Dabei werden Kriterien entwickelt, die einen umfassenden Blick auf die CSR-Politik der einzelnen Länder ermöglichen.

Im Ergebnis wird einerseits der Ländervergleich kritisch reflektiert um für die deutsche CSR-Politik Empfehlungen auszusprechen und andererseits mit Bezugnahme auf Kapitel 3 die Tragweite der europäischen Politik zu erörtern.

Im abschließenden Kapitel werden die wesentlichen Ergebnisse der vorliegenden Arbeit zusammengefasst.

Folgende Abgrenzungen werden vorgenommen:

- Durch die weitestgehende Fokussierung auf die politischen Strategien und Akteure erfolgt mit Ausnahmen keine Betrachtung der Unternehmensseite. Es wurden keine Umfragen durchgeführt, sondern ausschließlich öffentliche Quellen verwendet.

- Um den Umfang der Arbeit nicht zu überschreiten, wird die Anzahl der zu vergleichenden Länder auf insgesamt drei eingeschränkt (Großbritannien, Dänemark, Deutschland).

2 Das Konzept Corporate Social Responisibility (CSR)

2.1 CSR - Neuerfindung der Unternehmensethik?

2.1.1 CSR - eine Modeerscheinung?

Eine kontroverse Diskussion um die Thematik Corporate Social Responsibility (CSR), der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen, und Unternehmensethik sind sowohl in der Wirtschaftspraxis als auch in der Lehre erneut entfacht (vgl. Scherer/Picot 2008:1). In der Debatte wird grundlegend diskutiert, welche Aufgaben und welchen Zweck Unternehmen erfüllen sollen? Gehen diese über die Erbringung von Gütern und Dienstleistungen für Konsumenten hinaus? Handelt es sich hierbei um neue Fragestellungen?

Anscheinend korrelieren diese Fragen eher mit den wechselnden Phasen des Wachstums und der Rezension der Wirtschaft. Nach einer mehrjährigen Wachstumsperiode, die auch umgangssprachlich als die goldenen Neunziger Jahre bezeichnet wird, folgte nach einer Euphorie der Einbruch der Börsen- und Finanzwelt. Konsequenzen der Krise waren Arbeitsplatzabbau, Kurzarbeit, eine höhere Neuverschuldung und die daraus resultierenden leeren Staatskassen. (vgl. Dyllick 2003:1)

Die weltweite Finanzkrise, welche im Jahr 2008 ausgelöst wurde, zeigt eindeutig, wohin ein rücksichtsloses und risikoorientiertes Gewinnstreben von Unternehmen führen kann (vgl. Lotter/Braun 2010:18). Zusätzlich tragen Verfehlungen eines Managements oder Einzelner, welche sich durch Unternehmensskandale äußern, zur Krisenstimmung bei (vgl. Dyllick 2003:1; Beschorner/Schmidt 2008:9).

Genau in solchen Phasen der Verunsicherung gewinnen Themen wie die gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen erneut Relevanz.

Weitere Triebkräfte sind vor allem der Prozess der Globalisierung und damit das Fehlen ausreichender globaler Rahmenbedingungen für international agierende Unternehmen (vgl. Lotter/Braun 2010:15-16). Zudem scheinen Konsumenten eine gewisse Sensibilität entwickelt zu haben und fragen „ethisch unbedenkliche Produkte“[1] (Lotter/Braun 2010:18) nach. Leere Staatskassen tragen zum Abbau von staatlichen Leistungen bei oder führen zur Erhöhung von Steuern (vgl. Gaugle/Kain/Kammholz 2010).

Bereits im Februar 1973 wurde im Rahmen des Europäischen Management Symposiums in Davos der Kodex des ethischen Wohlverhaltens für die Unternehmensführung entworfen, welcher auch als Davoser Manifest Bekanntheitsgrad erreichte, dessen Themenfelder nach 30 Jahren wieder an Aktualität gewonnen zu schein haben. Unter anderem wurde inhaltlich fixiert, dass Unternehmen nicht nur ihren jeweiligen Investoren sondern auch Mitarbeitern, Kunden und der Gesellschaft dienen, Wissen und Mittel zum Wohle der Gesellschaft einsetzen und zukünftigen Generationen eine lebensdienliche Umwelt hinterlassen sollen. (vgl. Dyllick 2003:1-2)

Auch das aktuelle Handbuch Der CSR Manager des Forums Nachhaltig Wirtschaften stellt fest, dass CSR keine „brandneue Thematik “ (Lotter/Braun 2010:15) ist, sondern „eine lange Tradition besitzt“ (Lotter/Braun 2010:15) .

Wissenschaftlich wird die Debatte um die Frage unternehmerischer Verantwortung von der Disziplin der Unternehmensethik beleuchtet. Klingt dieser Begriff zu „sperrig“ oder „moralisierend“ (Beschorner/Schmidt 2008:9) , dass es eines modernen „brandings“ (Beschorner/Schmidt 2008:9) namens CSR bedarf?

Noll stellt fest, dass die aufgekommene wirtschaftsehtische Diskussion insgesamt den Status einer kurzweiligen „Modewelle“ (Noll 2002:2) überschritten hat. Ob hingegen die Verwendung neuer Begrifflichkeiten aus dem US-amerikanischen Sprachraum Bestand hat oder eine Modeerscheinung ist, wird sich zeigen.

Unternehmen sind sich heute ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stärker bewusst, was auch auf den Druck der kritischen Öffentlichkeit zurückzuführen ist (vgl. Lotter/Braun 2010:16). Diverse Akteure, Regierungen, Medien und Aktivisten weisen heute kritisch auf die Folgen von unternehmerischem Handeln hin. Dabei organisieren sich Aktivisten weltweit in professionellen Strukturen, um effektiv einen Legitimationsdruck auf Unternehmen auszuüben (vgl. Porter/Kramer 2007:16-18; Beschorner/Vorbohle 2008:105).

2.1.2 Ebenen der Unternehmens- und Wirtschaftsethik

Oft rücken bekannte Unternehmen in den Fokus von Aktivisten, um breite Aufmerksamkeit zu erzeugen, selbst wenn diese mit einem spezifischen Problem nicht in Verbindung stehen (vgl. Porter/Kramer 2007:18). Überspitzt formuliert scheint es eine „Meisterschaft“ zu geben, Unternehmen „für die sozialen Folgen Ihres Handelns anzuprangern“ (Porter/Kramer 2007:18). Doch wann ist Kritik berechtigt?

Der Exkurs[2] in die Unternehmensethik beabsichtigt ein Grundverständnis zur wissenschaftlichen Perspektive der Debatte als auch zur besseren Zuordnung ethischer Ansprüche verschiedener gesellschaftlicher Akteure zu schaffen.

Der Begriff Ethik hat seinen Ursprung im griechischen Wort Eta (Charakter, Sittlichkeit, Gewohnheit) und ist eine Teildisziplin der praktischen Philosophie (vgl. Wiegerling 2008:20). Ethik wird als wissenschaftliche Reflexion der Moral verstanden (vgl. Noll 2002:33; Wiegerling 2008:20; Götzelmann 2010:8), wobei sowohl die Moral als auch die an ihr ausgerichteten Handlungen systematisch analysiert und beurteilt werden (vgl. Scherer/Picot 2008:5). Unter Moral fasst man den Bestand an sozialen Regeln (auch Sitte) zusammen, der als Orientierung für einen Akteur dient um zu bestimmen, ob seine Entscheidungen und Handlungen sozial wünschenswert sind oder nicht (vgl. Scherer/Picot 2008:5; Götzelmann 2010:8). Hinter dem Wort sozial verbergen sich die in einer Gemeinschaft „faktisch vorherrschenden Wertorientierungen“ (Scherer/Picot 2008:5), die sich im Wandel der Umwelt und neuen Herausforderungen auch weiterentwickeln (vgl. Scherer/Picot 2008:5).

Der Mensch trennt verschiedene Bereiche des Lebens in sogenannte Kultursachbereiche wie z.B. Wirtschaft, Verkehr, Medizin usw. auf, wobei immer mehr spezifische ethische Fragen auftreten, denen mit sogenannten Bereichsethiken begegnet wird (vgl. Küpper 2006:25ff.). Wirtschaftsethik ist eine angewandte Bereichsethik, die keinen universalistischen Begründungsanspruch erhebt (vgl. Noll 2002:4).

Sie entstammt der Ethik und der Ökonomik beziehungsweise Volkswirtschaftslehre, wobei beide Disziplinen das menschliche Handeln auf verschiedene Weise reflektieren. Die Ökonomik betrachtet dabei das menschliche Verhaltensmuster bei der eigennützigen[3] Produktion und Verteilung von Gütern sowie der Fragestellung eines geeigneten Umgangs mit knappen Ressourcen. (vgl. Noll 2002:33-34)

Die Wirtschaftsethik hinterfragt in einem komplexen Aufgabenfeld, welche wirtschaftlichen Handlungen legitim bzw. moralisch sind, wie diese erkannt und somit gefördert werden können (vgl. Noll 2002:34-35).

Zur besseren Adressierung „ moralischer Anliegen “ (Noll 2002:35) erfolgt eine Untergliederung des komplexen Aufgabenfeldes in die Ebenen der Ordnungs- (entspricht der Makroebene), Unternehmens- (entspricht der Mesoebene) und Individualethik (entspricht der Mikroebene) (siehe Abb. 1) (vgl. Noll 2002:35).[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Drei-Ebenen-Modell der Wirtschaftsethik

(Quelle. Noll 2002:35, Abb. 3)

2.1.2.1 Ordnungsethik - Ort der Moral?

Die Makroebene beschreibt die Ordnungsethik, die die Richtigkeit der gesellschaftlichen Rahmenordnung (z.B. Wirtschafts- und Unternehmensrecht) und Wirtschaftsordnung (z.B. die Institutionen Eigentum und Vertrag in einer Wettbewerbswirtschaft) reflektiert (vgl. Scherer/Picot 2008:7; Götzelmann 2010:10).

Eine wesentliche Aufgabe der Politik (oder des Staates) sei eine solche Wirtschaftsordnung zu gestalten. Vertreter der Ordnungsethik verstehen die Rahmenordnung einer Marktwirtschaft als Ort der Moral (vgl. Homann/Pies 1991:608-611).

Moralische Extraleistungen eines Unternehmens, die nicht von der Rahmenordnung gefordert werden, können zu folgendem Dilemma führen. Demnach könnten moralisch gut handelnde Unternehmen einen Wettbewerbsnachteil beispielsweise durch höhere Kosten für freiwillige Umweltschutzmaßnahmen erfahren, während die anderen Unternehmen ohne diesen Nachteil kostengünstiger und somit erfolgreicher am Markt partizipieren. Für Marktakteure müssen insgesamt die gleichen moralischen Regeln gelten, weshalb diese für alle neutral in der Rahmenordnung zu veranschlagen seien. (vgl. Homann 2001:10) Können sich Unternehmen in jedem Fall auf eine solche Rahmenordnung beziehen?

Noll merkt an, dass Rahmenordnungen „unvollkommen bzw. defizitär“ (Noll 2002:92) seien, wenn sie die ethischen Forderungen nicht ausreichend erfassen.

Staatliche Regelungen würden auch den gesellschaftlichen aktuellen Herausforderungen nur verzögert entsprechen können (vgl. Scherer/Picot 2008:18).

Manche Interessengruppen können den Prozess staatlicher Regelungen zu ihren Gunsten beeinflussen, während andere Interessen unberücksichtigt bleiben. Unternehmen agieren global und somit in verschiedenen Rahmenordnungen, die die verschiedenen Interessen der Bezugsgruppen unterschiedlich berücksichtigen. Eine Weltwirtschaftsordnung, die in der Literatur vereinzelt gefordert wird, sei in Kürze aber nicht in Sicht. (vgl. Noll 2002:93)

Die gesetzliche Legalität könne auf Grundlage der aufgeführten Gründe nicht sämtliche ethische Forderungen abdecken. Das legale Agieren eines Unternehmens wäre damit nicht zwingend moralisch legitim (vgl. Noll 2002:92).

2.1.2.2 Unternehmensethik - die Ebene der CSR?

Damit tragen Unternehmen als Insitution ebenfalls moralische Verantwortung, die auf der Mesoebene durch die Unternehmensethik betrachtet wird. Dabei werden „moralische Fragestellungen des wirtschaftlichen Handelns“ (Noll 2002:105) eines Unternehmens thematisiert. Neben diversen anderen Definitionen bieten Steinmann und Zerfass folgenden Vorschlag zum Verständnis der Unternehmensethik an.

„Unternehmensethik ist eine Lehre von denjenigen idealen Normen[5] , die dazu anleiten sollen, durch einen sozialverträglichen Gebrauch der unternehmerischen Handlungsfreiheit in der Marktwirtschaft einen eigenständigen Beitrag zur gesellschaftlichen Friedensstiftung zu leisten. Sie ist genauerhin eine Verfahrenslehre mit den internen und externen Bezugsgruppen des Unternehmens zu vermeiden oder friedlich beizulegen. Aus solchen Verständigungsprozessen sollen begründete Normen hervorgehen, die vom Unternehmen im Sinne einer Selbstverpflichtung in Kraft zu setzen sind.“ (Steinmann/Zerfass 1993:1117)

Der beschriebene Dialogprozess zwischen internen und externen Bezugs- oder Anspruchsgruppen kommt in einigen Unternehmen als Ethikmanagement zum Tragen. Moralische Ansprüche der Bezugsgruppen sollen demnach beachtet werden. Essentiell ist dabei das Prinzip der Selbstverpflichtung eines Unternehmens, welches auf freiwilliger Basis z.B. in Form von Branchen- oder Unternehmenskodizes Normen mitgestaltet und einhalten soll. Bereits die Zusammensetzung des Produktsortiments als auch die Auswahl von Zielmärkten ist eine maßgebliche Aufgabe, in die das Ethikmanagement eingreift. (vgl. Noll 2002:106-108)

Mit Verweis auf das Kapitel 2.2.3, welches den Begriff CSR erläutert, tauchen die genannten Aspekte des Ethikmanagments in gleicher oder ähnlicher Weise wieder auf. Den Begriff CSR kann man daher der Unternehmensethik zuordnen (vgl. Bassen/Jastram/Meyer 2005:231).

2.1.2.3 Individualethik - Verantwortung des Einzelnen

Unternehmerische Handlungen werden immer durch Personen veranlasst. Die Mikroebene beschäftigt sich daher mit den Handlungen des Einzelnen einerseits gegenüber sich selbst und andererseits gegenüber seinen Mitmenschen und der Umwelt. (vgl. Scherer/Picot 2008:7; Noll 2002:36-38)

Hier werden entsprechend ethische Fragen zum Verhalten und zur Verantwortung z.B. von Führungskräften, Managern und Mitarbeitern im Unternehmen gestellt (vgl. Noll 2002:36-38).

Über das vorgestellte Drei-Ebenen-Modell hinaus bestehen wie in anderen wissenschaftlichen Disziplinen ebenfalls verschiedene Herangehensweisen und Ansätze (vgl. Westphal 2009:35). Der Raum einer umfassenden Analyse der bestehenden Konzepte ist in dieser Arbeit nicht gegeben.[6]

Nachdem der Begriff CSR in den Kontext der Wirtschaftsethik gesetzt wurde, wird im folgenden Kapitel das derzeitige Begriffsverständnis der CSR und artverwandten Begriffen betrachtet.

2.2 Babylon der Begrifflichkeiten um CSR

2.2.1 Begriffsursprung und Idee der CSR

Eine Reihe von Autoren stellt einen Bezug zum antiken Griechenland her, wenn es um den Versuch geht, den Ursprung des Begriffs CSR zu eruieren, wo aus philanthropischen[7] Beweggründen Spenden an die Armen verteilt wurden. Das 19. Jahrhundert gilt als weitere Etappe der Ursprungsfindung, in dem Unternehmen sich im lokalen Umfeld freiwillig und gemeinnützig engagierten. (vgl. Loew/Ankele/Braun/Clausen 2004:18)

Beispielhaft kann das deutsche Traditionsunternehmen Faber-Castell genannt werden. Bereits 1844 gründete Lothar von Faber eine der ersten Betriebskrankenkassen und 1851 einen der ersten Kindergärten Deutschlands. (vgl. Lotter/Braun 2010:146-151) Ist dieses Verhalten bereits als CSR zu interpretieren?

Als eigentliches Ursprungsland der CSR gilt die USA, in der zum Ende des 19. Jahrhunderts eine Veränderung von kleinen, regionalen Unternehmen hin zu wachsenden Konzernen stattfand und neue gesellschaftliche Fragen aufwarf. (vgl. Loew/Ankele/Braun/Clausen 2004:18)

Caroll beleuchtet die These von Mitchells Buch The Generous Corporation, dass zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufgrund der zunehmenden Regulierungen durch die Politik Unternehmen antizipativ agierten und deshalb Eigenengagement im sozialen Umfeld entwickelten (vgl. Carroll/Buchholtz 2009:38). Dieser Entwicklung wurde durch eines der ersten CSR-Bücher von Howard Bowen The Social Responsibilities of the Businessman Rechnung getragen (vgl. Banerjee 2007:7). Bowen argumentiert, dass die Wirtschaft das gesellschaftliche Leben in vielen Bereichen beeinflusst und stellt die Frage nach den daraus resultierenden Verpflichtungen für Unternehmen (vgl. Bassen/Jastram/Meyer 2005:231). Er resümiert, dass die gesellschaftliche Verantwortung eines Unternehmens an den Werten und Erwartungen der Gesellschaft selbst ausgerichtet werden muss (vgl. Bowen 1953:5). In den 1960er über die 1970er wurden eine Reihe von Ideen, Konzepten und Definitionen publiziert (vgl. Loew/Ankele/Braun/Clausen 2004:19). Bis heute existiert international nach Recherchen des Autors eine unüberschaubare Anzahl verschiedener Definitionen[8] und Auffassungen des Begriffs CSR.

2.2.2 Unschärfen bei der Begriffsabgrenzung

“Are we talking about the same thing when we discuss Corporate (Social) Responsibility? There is reason for doubt.” (Pleon Kohtes Klewes GmbH 2005:8)

In der Debatte um CSR tauchen neben diversen anderen Begriffen[9] häufig Nachhaltigkeit und Corporate Citizenship (CC) auf. Teilweise werden diese synonym verwendet, was wiederum zu Missverständnissen führen kann. Daher sollen in diesem Abschnitt einige Zwiespalte ausgeräumt werden, wobei auch hier der An- spruch einer Allgemeingültigkeit nicht erhoben werden kann.

Eine in der CSR Debatte international bekannte Sprecherin ist Archie B. Carroll, die einschlägige Veröffentlichungen zum Thema CSR und CC gemacht hat. In Ihren Arbeiten taucht beispielsweise für die Erläuterung der beiden Begriffe die jeweils gleiche Konzeptualisierung auf. (Durchgeführter Vergleich von Curbach 2008:19 über Carroll 1991: 39-48 und Carroll 1979:497-505)

Die Rede ist von der CSR-Pyramide, welche durch die gleichzeitige Verwendung in beiden Kontexten eine Abgrenzung von CSR und CC erschweren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Carrolls CSR-Pyramide

(Quelle: www.csrquest.net/imagefiles/CSR%20Pyramid.jpg [Stand 16.06.2010])

Bezieht sich folgende Kurzerläuterung zur Abb. 2 auf CC oder CSR?

„Um gute Bürger zu sein, müssen Unternehmen demnach profitabel sein, Gesetze befolgen, sich in ethisch korrektem Verhalten üben und Teile ihres Profits in Form von Philanthropie an die Gesellschaft zurückgeben“ (Curbach 2008:20).

2.2.3 Corporate Social Responsibility (CSR)

Die vorliegende Arbeit legt ihren Schwerpunkt auf die CSR-Politik in der EU. Daher wird an dieser Stelle lediglich diejenige Definition genannt, die in der EU durch das Grünbuch zur CSR respektive die Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung von Unternehmen am 18.07.2001 veröffentlicht wurde und damit innerhalb der EU Allgemeingültigkeit genießt. Bei den Recherchen der vorliegenden Arbeit wurde festgestellt, dass sich international keine einheitliche Definition herauskristallisiert hat.

Corporate Social Responsibility (CSR) ist „ ein Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren “ (Europäische Kommission 2001a:7).

Zum Verständnis des Begriffes sozial bietet das europäische Grünbuch zur CSR ebenfalls eine Erläuterung an, weshalb dieser Begriff auch im Weiteren Sinne besser mit gesellschaftlich übersetzt werden sollte. (ähnlich Loew/Ankele/Braun/Clausen 2004:26)

Sozial verantwortlich handeln heißt nicht nur, die gesetzlichen Bestimmungen einhalten, sondern über die bloße Gesetzeskonformität hinaus mehr investieren in Humankapital, in die Umwelt und in die Beziehungen zu anderen Stakeholdern “ (Europäische Kommission 2001a:7).

Bezugnehmend auf Carrolls CSR-Pyramide in Abb. 2 lässt sich feststellen, dass Unternehmen ökonomische Verantwortung und gesetzliche Einhaltung in jedem Fall wahrnehmen müssen. Die ethische und philanthropische Verantwortung basiert hingegen auf Freiwilligkeit und muss somit wie in der europäischen Definition gefordert über den gesetzlichen Rahmen hinausgehen.

Eine Studie aus dem Jahr 2005 zeigt, dass statt philanthropischer Erwartungen (im Sinne von Corporate Citizenship) an ein Unternehmen vielmehr eine Verantwortungsübernahme für Gesundheit, Energie, Menschenrechte, Umweltschutz, etc. respektive eine „ Übernahme moralischer und damit auch gesellschafts- und umweltpolitischer Verantwortung“ (Curbach 2008:25) durch ein Unternehmen gewünscht wird. (vgl. Curbach 2008:25; Pleon Kohtes Klewes GmbH 2005:9).

Die Verantwortungsübernahme drückt sich auch zunehmend bei der Ausarbeitung von internationalen Umwelt- und Sozialstandards aus (vgl. Curbach 2008:22).

CSR beschreibt also die normativen und kulturelle Sollerwartungen einer Gesellschaft an ein Unternehmen. Erfüllt ein Unternehmen diese Sollerwartungen, ist sein Handeln legitim (vgl. Curbach 2008:26). Damit ist in Carrolls CSR-Pyramide (siehe Abb. 2) CSR der Ebene Ethical Responsibilites zugehörig.

2.2.4 Stakeholder Management

Als Alternative zum reinen Shareholder-Konzept, in dem eine Gewinnmaximierung oberste Prämisse hat (vgl. Noll 2002:88-89), entwickelte Edward Freeman 1984 den Stakeholder-Ansatz (vgl. Lotter/Braun 2010:10-11). Die Europäische Kommission greift den Freemanschen Ansatz in folgender Definition auf:

Einzelpersonen, Gemeinschaften oder Organisationen, die die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens beeinflussen oder von ihr beeinflusst werden. Es gibt interne Stakeholder (…) und externe Stakeholder (…)“ (Europäische Kommission 2001a:30).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Interne und externe Stakeholder gemäß europäischer Definition

(Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an http://de.academic.ru/pictures/dewiki/115/stakeholder_in-ex.png [Stand 23.05.2010])

Verschiedene Stakeholder verfolgen jeweils eigene Interessen und wollen diese im Unternehmen durchsetzen, wobei diese auch widersprüchlich sein können. Klassisch fordern z.B. Shareholder höhere Renditen während Kunden günstige Preise und Mitarbeiter höhere Gehälter fordern. (vgl. Lotter/Braun 2010:11)

Die Aufgabe der Unternehmensleitung ist es, die verschiedenen Interessen zu be-rücksichtigen und einen Ausgleich zu schaffen (vgl. Lotter/Braun 2010:11), wobei man hier von der Koalitionstheorie der Unternehmung spricht (vgl. Noll 2002:89)

2.2.5 Corporate Citizenship (CC)

Wie bereits erwähnt, ist Corporate Citizenship (CC) ein Begriff, welcher oft im Kontext mit CSR genannt wird. Auch dieser Begriff wird ähnlich wie CSR je nach Interessenslage verschieden interpretiert (vgl. Curbach 2008:20). Mit Bezug auf den europäischen Kontext dieser Arbeit wird daher nur die europäische Definition dargestellt.

CC ist „die Gestaltung der Gesamtheit der Beziehungen zwischen einem Unternehmen und dessen lokalem, nationalem und globalem Umfeld“ (Europäische Kommission 2001a:28).

Betrachtet man diese Definition alleinstehend, weist diese Tendenzen zum Verständnis des Stakeholder Managements auf, weshalb folgende kurze Erläuterung nötig ist. Während sich CSR auf sämtliche Unternehmensbereiche bezieht, beschreibt CC dabei als Teilbereich von CSR[10] lediglich das Engagement eines Unternehmens im gesellschaftlichen Umfeld, welches außerhalb der eigentlichen Wertschöpfungskette liegt (siehe Abb. 6). Ein Unternehmen soll sich in der Rolle eines guten Bürgers freiwillig für soziale Belange in seinem Umfeld einsetzen. (vgl. Lotter/Braun 2010:12; Curbach 2008:20; vgl. BMWI 2010)

Betrachtet man erneut Carrolls CSR-Pyramide, lässt sich ein Bezug von CC zu der philanthropischen Verantwortung feststellen (vgl. Abb. 2: be a good coperate citizen). Unter philanthropischem Engagement werden vor allem Sponsoring- oder Spendenaktionen verstanden, die z.B. Kultur- oder Sportvereinen in Standortnähe des Unternehmens zu Gute kommen oder wenn sich Mitarbeiter eines Unternehmens gemeinnützig engagieren (vgl. Curbach 2008:21). An dieser Stelle kommen wieder weitere Begriffe ins Spiel, die das „ Babylon “ (Riess 2006:15) um die Begriffswelt von CSR komplettieren und hier nicht näher betrachtet werden.

2.2.6 Nachhaltigkeit

Der Begriff Nachhaltigkeit wird derzeit oft mit CC und CSR gleichgesetzt respektive als „inhaltliche Füllmenge“ (Curbach 2008:27) für CSR benutzt.

Der Begriffsursprung geht auf den Silberbergbau um 1700 zurück, der einen enormen Holzverbrauch forderte. Der Oberberghauptmann am kursächsischen Hof in Freiberg Hans Carl von Carlowitz reagierte in seinem im Jahr 1713 erschienen Werk Sylivicultura Oeconomica mit dem erstmalig beschriebenen Prinzip der Nachhaltigkeit. Es sollte immer nur soviel Holz geschlagen werden, wie durch eine planmäßige Aufforstung nachwachsen könnte. Der Nutzen des Ertrags liegt hierbei nicht bei derjenigen Person, die einen Baum pflanzt, sondern bei der nachfolgenden Generation, wobei der Begriff der Nachhaltigkeit bis zu unserer heutigen Zeit zum Fachterminus avancierte. (vgl. Loew/Ankele/Braun/Clausen 2004:56; Lexikon der Nachhaltigkeit 2010a)

Ein bekannter und wesentlicher Meilenstein auf diesem Weg war folgende Definition, welche 1983 von der UN-Kommission für Umwelt und Entwicklung (nach dem damaligen Vorsitzenden auch Brundtland-Kommission genannt) erarbeitet worden ist:

„Nachhaltig ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen“ (Lexikon der Nachhaltigkeit 2010b). Dieses Leitbild ist Teil der Agenda 21, welche 1992 während der UNCED-Konferenz[11] in Rio de Janeiro als weltweites Aktionsprogramm zur nachhaltigen Entwicklung verabschiedet wurde, an der Delegierte aus 178 Staaten teilnahmen (vgl. Bader 2008; Lexikon der Nachhaltigkeit 2010c).

Bereits in der Agenda 21 hat sich herauskristallisiert, dass neben dem ökologischen Aspekt auch soziale und ökonomische Aspekte Berücksichtigung finden müssen (vgl. Bader 2008).

Trotz Recherchen war die exakte Quelle des geläufigen Drei-Säulen-Modells der Nachhaltigkeit nicht eindeutig zu bestimmen, weshalb auf den 1998 erschienen Abschlussbericht der Enquete-Kommission Schutz des Menschen und der Umwelt – Ziele und Rahmenbedingungen einer nachhaltig zukunftsverträglichen Entwicklung zur Erklärung dieses Modells verwiesen wird (vgl. Deutscher Bundestag 1998:18-29). Dieser Bericht wurde auf Impulsgebung der Agenda 21 angefertigt, in der als Ziel vereinbart wurde, nationale Nachhaltigkeitsstrategien zu erstellen (vgl. Deutscher Bundestag 1998:10). Hier werden die ökonomische, ökologische und soziale Säule explizit hervorgehoben, wobei diese als integrative Dimensi-onen, die als gleichwertig sowie gleichberechtigt und nicht als bloße nebeneinander stehende Säulen zu verstehen sind (vgl. Deutscher Bundestag 1998:18).

Dabei gab es in den letzten Jahren immer wieder Kritik, ab wann eine Entwicklung als nachhaltig zu bewerten sei und wann nicht? Beispielsweise ist die Frage offen, ob die positive Entwicklung einer dieser Säulen ausreicht oder alle Säulen sich positiv entwickeln müssen? (vgl. Bader 2008)

Im Gegensatz zu CSR ist nicht ausschließlich die Verantwortung eines Unternehmens gegenüber der Gesellschafft gemeint, sondern eher die Verantwortung der Akteure einer Gesellschaft insgesamt gegenüber der Menschheit als auch der zukünftigen Generationen (siehe Abb. 6) (vgl. Bassen/Jastram/Meyer 2005:234; Deutscher Bundestag 1998:18-29). Dennoch ist ein Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung eine typische Rollenerwartung der Unternehmen geworden, vor allem wenn diese international über einzelne staatlichen Grenzen hinaus agieren (vgl. Curbach 2008:27).

2.3 Strategische Integration von Geschäft und Gesellschaft

2.3.1 Vergeudung von Potenzial

Unternehmen haben bereits Milliarden von Dollar in soziale und ökologische Zwecke investiert (vgl. Porter/Kramer 2007:16+34). Oft war dabei die Zielstellung der Unternehmen, die Reputation zu verbessern oder einem moralischen Pflichtgefühl gerecht zu werden, was in eine Reihe von zusammenhangslosen Einzelmaßnahmen mündete (vgl. Porter/Kramer 2007:79).

Dieses Engagement wurde im Jahr 2005 von 64 Prozent der 250 größten internationalen Unternehmen in CSR-Berichten schriftlich fixiert. Jedoch würden diese eine wirkliche Gesamtstrategie, eine Zielaussage sowie eine Belegung, welche Verbesserungen de facto realisiert wurden, meistens vermissen lassen. Unternehmen betrachten diese Investitionen zudem oft als Kosten, die den Gewinn schmälern würden. (vgl. Porter/Kramer 2007:16)

In einer im Jahr 2007 zum Thema CSR bei 210 kleinen und mittelständischen Unternehmen in Berlin durchgeführten Studie gaben 41% an sich nie bis unregelmäßig im CSR zu engagieren und nannten vor allem den zusätzlichen finanziellen Aufwand als Begründung an (vgl. TÜV Rheinland Bildung und Consultung GmbH/Outermedia GmbH 2007).

Derzeit gibt es eine Vielzahl an Studien, die das Verhältnis zwischen wirtschaftlichen Erfolg und CSR erforscht haben. Eine Metastudie, welche 52 Studien zwischen 1972 und 1997 untersuchte, führte zum Ergebnis, dass 33 Studien eine positive, fünf Studien eine negative und 14 Studien weder eine positive noch eine negative Verbindung zwischen wirtschaftlichen Erfolg und CSR-Maßnahmen eines Unternehmens sehen. Diese Studie unterstützt daher empirisch die Annahme, dass ein Engagement in CSR-Bereichen für das Unternehmen wirtschaftlich sinnvoll sei. (vgl. Buelens/Broeck/Vanderheyden/Kreitner/Kinicki 2006:678)

Innerhalb des Unternehmens seien Aktivitäten im CSR-Bereich jedoch oft von der Wertschöpfung entkoppelt, nach außen hin würden diese aufgrund vieler einzelner Maßnahmen unscharf und unkoordiniert wirken, da diese diversen aktuelle Forderungen aus der Gesellschaft erfüllen wollen (vgl. Porter/Kramer 2007:16+22).

Porter und Kramer sprechen dabei von einer Vergeudung des Potenzials Gutes zu tun, da der Nutzen für die Gesellschaft und für das Unternehmen verpufft. (vgl. Porter/Kramer 2007:22)

Wie können Unternehmen ihre gesellschaftlichen Themen identifizieren, die sowohl für die Gesellschaft als auch für das Unternehmen eine Bedeutung haben und diese mit der Firmenstrategie koordinieren?

2.3.2 CSR entlang der Wertschöpfungskette

Erfolgreiche Unternehmen und eine intakte Gesellschaft bedingen einander (vgl. Lotter/Braun 2010:47; Porter/Kramer 2007:23).

Unternehmen benötigen beispielsweise gut ausgebildete Mitarbeiter, die wiederum Chancengleichheit im Unternehmen wünschen. Sicherheit bei der Herstellung sowie bei den Produkten selbst verringern unfallbedingte Gesellschaftskosten, während dieses Kriterium auch ein Kaufargument für Konsumenten ist. Unternehmen profitieren von der Rechtsstaatlichkeit und der Anerkennung der Eigen-tumsrechte, schaffen Arbeits- und Ausbildungsplätze auf der anderen Seite. Sind Unternehmen nicht erfolgreich, drohen Entlassungen, die Löhne sowie die Steuereinnahmen für den Staat sinken zusammen mit der gesamten Wettbewerbs-fähigkeit einer Region. (vgl. Lotter/Braun 2010:47; Porter/Kramer 2007:22-24)

Eine intakte Gesellschaft schafft eine steigende Nachfrage, wobei Unternehmen nicht auf Kosten der Gesellschaft wirtschaften sollen, da die kurzfristigen Erfolge schnell abklingen würden (vgl. Porter/Kramer 2007:22-23).

Es besteht eine gegenseitige Abhängigkeit, weshalb Entscheidungen in der Wirtschaft mit der Sozialpolitik verknüpft werden müssten, um einen gemeinsamen Mehrwert beziehungsweise eine „Win-Win-Situation zwischen Unternehmen und Gesellschaft“ (Lotter/Braun 2010:47) zu schaffen (vgl. Porter/Kramer 2007:24; Habisch 2006:41-43).

Einerseits ergibt sich diese Abhängigkeit durch Berührungspunkte, die aufgrund der normalen Wertschöpfung eines Unternehmens entstehen und positive oder negative Folgen für die Gesellschaft haben können. Dabei soll das Management nicht nur aktuelle offensichtliche Themen aufgreifen, sondern zugleich mögliche Zukunftsrisiken für die Gesellschaft abschätzen. (vgl. Porter/Kramer 2007:25)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Gesellschaftliches Engagement entlang der Wertschöpfungskette

(Quelle: Porter/Kramer 2007:23 nach Porter 1985)

Im Sinne der europäischen Definition für CSR, nach der „ soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit“ (Europäische Kommission 2001a:7) eingebunden werden sollen, werden mögliche Folgen und Maßnahmen für die Gesellschaft resultierend aus der Wertschöpfung in Abb. 4 zusammengefasst, die ein unternehmensethisches Verhalten beeinflussen.

2.3.3 CSR im Wettbewerbsumfeld

Andererseits beeinflussen die Rahmenbedingungen der Gesellschaft die Wertschöpfungskette eines Unternehmens vor allem strategisch und langfristig.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Gesellschaftliches Engagement im Wettbewerbsumfeld

(Quelle: Porter/Kramer 2007:24 nach Porter 1990)

Dabei lassen sich die vier Bereiche Produktionsfaktoren, Strategie und Wettbewerb, Nachfragebedingungen sowie unterstützende Branchen unterscheiden (siehe Abb. 5) (vgl. Porter/Kramer 2007:25). Aus diesen Bereichen lassen sich wiederum verschiedene Stakeholder abstrahieren, womit die Nähe zum Konzept des Stakeholder Managements auffällt. Der Bereich Strategie und Wettbewerb, welcher Richtlinien, Regeln und Anreize zusammenfasst, wäre mit Bezug auf die Ordnungsethik (siehe Kapitel. 2.1.2.1) ein Handlungsfeld der Politik, in dem Rahmenbedingungen durch den Staat gesetzt werden. Die Rolle und Aufgaben der Politik respektive der europäischen CSR-Politik wird im Kapitel 3 weiter verfolgt.

2.3.4 Auswahl der Handlungsfelder

Bei Betrachtung der Abb. 4 und Abb. 5 gibt es eine Unmenge an Ansatzpunkten für Unternehmen, um gesellschaftlich Verantwortung zu übernehmen.

„Kein Unternehmen kann alle Probleme einer Gesellschaft lösen oder für alle die Kosten tragen“ (Porter/Kramer 2007:25).

Anstatt eines „Gießkannenansatzes“ (Riess 2006:25), welcher derzeit praktiziert werden würde, steht die zentrale Frage, ob ein deutlicher Nutzen, de facto ein Mehrwert für die Gesellschaft und für das Unternehmen bei einem Engagement in einem spezifischen CSR-Handlungsfeld entsteht. Diese Überlegung schließt die Nähe eines CSR-Handlungsfeldes zum Kerngeschäft eines Unternehmens ein. (vgl. Porter/Kramer 2007:25; ähnlich Habisch 2006:41)

Dabei lassen sich einige Branchen durch ihre jeweiligen Kernthemen kennzeichnen. Beispielsweise ist der Umgang mit Tierversuchen in der Kosmetik oder Medizin, oder die Arbeitsstandards bei Zulieferern in der Textilindustrie zu nennen. (vgl. Riess 2006:45-46). Manager müssten bei der Themenauswahl systematisch und strategisch vorgehen und dieselben Methoden anwenden, wie sie es beim Kerngeschäft täten (vgl. Porter/Kramer 2007:16-17+25). Dann könne CSR mehr sein, als „ein Kostenfaktor, ein Zwang oder reine Wohltätigkeit“ (Porter/Kramer 2007:17) und somit das Dilemma, dass moralisch gut agierende Unternehmen zwingend einen Wettbewerbsnachteil aufgrund höherer Kosten (Dilemma ist in Kapitel 2.1.2.1 beschrieben) hätten, überwinden. Agiert ein Unternehmen jedoch weiterhin reaktiv und kurzfristig auf aktuelle Forderungen der Stakeholder, ohne dass seine Maßnahmen strategisch eingebettet sind, verschafft CSR auf lange Sicht keinen Wettbewerbsvorteil (vgl. Porter/Kramer 2007:28).

Bei der Analyse der Wertschöpfungskette können Innovationsmöglichkeiten entdeckt werden, die sowohl der Gesellschaft nutzen aber auch Geschäftschancen in sich bergen. In dem man Dinge anders angeht als die Konkurrenz, könne man eine einzigartige Position besetzen und Konsumentenbedürfnisse besser bedienen. Aber auch Investitionen ins Wettbewerbsumfeld wirken sich aufgrund der gegenseitigen Abhängigkeit positiv auf das Unternehmen aus, in dessen Folge das Unternehmen sein gesellschaftliches Engagement intensivieren könnte. (vgl. Porter/Kramer 2007:28-31)

Im Anhang wird eine Zusammenfassung von möglichen Handlungsfeldern dargestellt, die auf Basis verschiedener Initiativen und Leitsätzen entwickelt worden sind.

Das Beispiel des Milchgeschäfts von Nestlé soll den integrativen CSR-Ansatz verdeutlichen. 1962 stieg Nestlé in das indische Milchgeschäft im von der Armut betroffenen Distrikt Moga ein, deren Bürger ohne Elektrizität und die Farmer auf unfruchtbarem Land lebten. Durch umfassende Investitionen in Kühlhäuser, Brunnen, Bereitstellen von Tiermedikamenten durch Nestlé stiegen die Ernteerträge der Farmer und die Milchproduktion enorm an. Zusätzlich wuchs der Bedarf an Tierärzten, Agrarwissenschaftlern, Molkereien und zunehmend auch an weiteren Industrien. Fast alle Haushalte sind heute elektrisch erschlossen und ein Zugang zu Schulen ist in vielen Dörfern vorhanden. Um ein erfolgreiches Geschäft aufzubauen, musste Nestlé zunächst in sein Umfeld investieren, wodurch der Lebensstandard der Region insgesamt stieg und somit wiederum einen Markt für Produkte von Nestlé schuf (vgl. Porter/Kramer 2007:33).

2.4 Kritische Einwände am CSR Konzept

Das Konzept CSR scheint für sich genommen ein „inhaltsleeres“ (Curbach 2008:28) Konzept zu sein. Stattdessen vereine es eher bereits vorhandene Ideen und Konzepte der Unternehmensethik, des Stakeholder-Ansatzes und weist eine Nähe zum Nachhaltigkeitsbegriff auf, da auch hier ökonomische, gesellschaftliche und ökologische Themen angesprochen werden. Dadurch wird die Frage aufgeworfen, ob es als eigenständiges Konzept verstanden werden kann? (ähnlich Rodrix 2007:77)

Aufgrund der Vielfältigkeit der möglichen Handlungsfelder und der verschiedenen Auffassungen von CSR sowohl in der Wissenschaft als auch in der Praxis bestehen erhebliche Schwierigkeiten bei der Messung und Bewertung von CSR- Aktivitäten der Unternehmen (ähnlich Curbach 2008:28-29). Trotzdem haben im Jahr 2007 ca. 70 Rating-Agenturen mit verschiedenen Kriterien die CSR-Aktivitäten von Unternehmen bewertet und Ranglisten erstellt, wodurch eher ein chaotischer und unübersichtlicher Zustand entstanden ist als das Unternehmen davon profitieren könnten (vgl. Curbach 2008:28-30).

Somit ist die Aussagekraft dieser Checklisten eher fraglich, wenn der Dow-Jones-Sustainability-Index[12] unter anderem die Anzahl der Vorstandsmitglieder einer Aktiengesellschaft als Maßstab für gesellschaftliches Engagement verwendet (vgl. Porter/Kramer 2007:20) oder die Agentur PR News die „ gestalterische Aufmachung und Inhaltsstruktur“ (Curbach 2008:30) des CSR-Berichts mitbewertet.[13]

Subhabrate B. Banerjee zeigt am Beispiel von Beyond Petroleum ehemals British Petroleum (BP), wie Greenwashing in der Praxis umgesetzt wird. Im Jahr 2000 investierte BP 135 Mio. £ in die PR-Kampagne Beyond Petroleum, in der sich BP selbst als Marktführer in sozialen und Umweltbelangen bezeichnet, während zwischen 1995 und 2001 lediglich insgesamt 200 Mio. USD tatsächlich in die Solarenergie investiert wurden. Im Jahr 2001 hat BP allein für die Exploration von Ölfeldern 8,5 Mrd. USD auch in teilweisen ökologisch sensiblen Bereichen ausgegeben (vgl. Banerjee 2007:55ff.).[14]

Die Frage der Verbindlichkeit hinsichtlich der Aussagen des gesellschaftlichen Engagements von Unternehmen, die über die bestehenden Regulierungen hinausgehen, wird in der Literatur teilweise mit Skepsis betrachtet (vgl. Loew/Ankele/Braun/Clausen 2004:48). Zum Schluss soll noch auf die Kritik der sozialen Organisation Christian Aid hingewiesen werden, die CSR als Initiative der Unternehmen sieht, durch freiwillige Selbstregulierung eine strengere und konsequente Gesetzgebung zu verhindern (vgl. Loew/Ankele/Braun/Clausen 2004:47).

2.5 Zusammenfassung

In wirtschaftlich angespannten Phasen scheint die Debatte um eine gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen leichter auf fruchtbaren Boden zu fallen. Insgesamt wird diese aber nicht als Modeerscheinung gewertet.

Nach einer kurzen Einführung in die Wirtschaftsethik, die sich in die drei Ebenen Ordnungsethik, Unternehmensethik und Individualethik zwecks Adressierungsmöglichkeit verschiedener moralischer Anliegen untergliedert, konnte CSR der Unternehmensethik zugeordnet werden, wo wirtschaftliche Handlungen von Unternehmen moralisch hinterfragt werden. Die Ordnungsethik hingegen reflektiert die Richtigkeit der Rahmenbedingungen, die vor allem durch die Politik gesetzt werden, in denen sich Unternehmen bewegen. Die Individualethik reflektiert die moralischen Handlungen Einzelner, z.B. die der Manager.

Anschließend wurde die Begriffsvielfalt um das Konzept CSR aufgezeigt. In Abb. 6 ist deshalb das Verhältnis der in der Diskussion häufig und fälschlicher Weise als Synonyme verwendeten Begriffe Nachhaltigkeit, CSR und Corporate Citizienship (CC) zur besseren Abgrenzung zusammengefasst. Dabei wurden im Kontext der Arbeit europäische Definitionen zur Erläuterung herangezogen, da sich international zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine einheitlichen Definitionen durchgesetzt haben.

Unternehmen sollen bei CSR freiwillig gesellschaftliche und ökologische Anliegen über den Anspruch bloßer Erfüllung gesetzlicher Mindestforderungen hinaus in den Wertschöpfungsprozess und in die wechselseitige Beziehung zu den Stakeholdern integrieren. Beim CC engagiert sich das Unternehmen als guter Bürger außerhalb der eigentlichen Wertschöpfung philanthropisch in seinem Umfeld, z.B. in dem er den örtlichen Sportverein durch Spenden unterstützt.

Beim Begriff Nachhaltigkeit hat sich international die Definition der Brundtland-Kommission durchgesetzt, nach der die heutige Bedürfnisbefriedigung nicht zu Lasten der Bedürfnisbefriedigung zukünftiger Generationen gehen dürfte. Konkretisiert wird der Nachhaltigkeitsgedanke durch das Drei-Säulen-Modell, welches aus einer sozialen, ökologischen und ökonomischen Säule besteht. Nicht nur Unternehmen müssen einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten, sondern auch die übrigen Akteure einer Gesellschaft, wenngleich die Unternehmen ihrer Rollenerwartung stärker gerecht werden müssen.

Anschließend wurde die gegenseitige Abhängigkeit von Gesellschaft und Unternehmen herausgearbeitet. Unternehmen können sich besser gesellschaftlich engagieren, wenn diese anstatt diverser Einzelmaßnahmen als kurzfristige Reaktion auf öffentlichen Druck ihr CSR Engagement strategisch planen und mit der Geschäftsstrategie abgleichen. Einerseits bestehen Handlungsfelder an der Wertschöpfungskette selbst und andererseits im Wettbewerbsumfeld der Unter-nehmen. Ein Unternehmen kann nicht allein alle Probleme der Gesellschaft lösen und die Kosten dafür tragen. Aufgrund der Fülle der Handlungsfelder müssen sich die Unternehmen daher jeweils eigene relevante Felder herausarbeiten, die sowohl für die Gesellschaft als auch für das Unternehmen einen gemeinsamen Mehrwert bringen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Verhältnis von Nachhaltigkeit zu CSR und CC

(Quelle: Eigene Darstellung)

Im abschließenden Kapitel wurde der Begriff CSR kritisch reflektiert. Vor allem die Überschneidungen mit anderen Konzepten wie der Unternehmensethik, des Stakeholder-Ansatzes oder der Nachhaltigkeit werfen die Frage auf, ob CSR als eigenständiges Modell oder eher als eine Art zusammenfassendes Modell betrachtet werden soll. Zudem wird die Problematik der Bewertung von CSR-Aktivitäten insbesondere die Messbarkeit und Vergleichbarkeit von Rankings kritisch hinterfragt und festgestellt, dass die bisherigen Methoden nicht ausreichend sind. Zuletzt wird der Begriff Greenwashing wird am Beispiel von BP erläutert.

Jedoch scheint die Einführung des Begriffs Corporate Social Responsibility (CSR) aus dem amerikanischen Sprachraum den Zugang zur Thematik insgesamt zu erleichtern. Die erneute Diskussion könnte Nährboden für weitere Veränderungen hinsichtlich einer wirklichen nachhaltigen Entwicklung sein.

3 Die Europäische CSR-Strategie

3.1 Möglichkeiten und Grenzen der Politik im Wandel der Gesellschaft

Unternehmerische Handlungen finden in Rahmenbedingungen statt (vgl. Beschorner/Vorbohle 2008:105). Diesbezüglich wurde in Kapitel 2.1.2.1 die Ordnungsethik erläutert, welche die Richtigkeit gesellschaftliche Rahmenbedin­gungen reflektiert. In Kapitel 2.3.3 wurde die strategische Bedeutung des Umfelds, in denen Unternehmen agieren, hervorgehoben. Wie aber erfolgt die Gestaltung dieser Rahmenbedingungen?

Der Begriff Politik stammt vom griechischen Ausdruck politike techne und wird mit der Kunst der Staatsverwaltung übersetzt (vgl. Köppl 2003:26). Die Bürger einer Gesellschaft legitimieren einen Staat für lebensnotwendige Aufgaben, die niemand sonst lösen könne, da diese einen allgemein verbindlichen respektive einen öffentlichen Charakter aufweisen (vgl. Molitor 1995:5-6). Die maßgebliche Aufgabe ein-es Staates ist das Auftreten als Ordnungsmacht und somit das Schaffen eines neutralen Ordnungsrahmens für den Wirtschaftsprozess. Bernd Noll weist zudem auf die ethische Relevanz innerhalb der Wettbewerbspolitik hin (vgl. Noll 2002:71).

Bruno Molitor beschreibt, dass die Politik bei der Gesetzgebung am besten fährt, wenn sie die gesellschaftliche Entwicklung berücksichtigt (vgl. Molitor 1995:10). Gesellschaftliche Ziele und die daraus abzuleitenden Aufgaben für die Akteure einer Gesellschaft befinden sich jedoch ständig in einem Veränderungsprozess. Standen im 19. Jahrhundert noch die soziale Sicherung und der materielle Wohlstand an der Spitze gesellschaftlicher Ziele, sind die letzten beiden Jahrzehnte vor allem durch die globalisierte Wertschöpfungserbringung über einzelne Nationalstaaten hinaus und somit durch eine angestiegene Vernetzung der Marktakteure gekennzeichnet (vgl. Beschorner/Vor­bohle 2008:105-106). Im 21. Jahrhundert ist das dominierende Thema einer Gesellschaft die Nachhaltigkeit insgesamt, die durch weitere Megatrends wie Klima­wandel, Ressourcenverknappung oder den demografischen Wandel bestimmt ist (vgl. Gabriel 2008:3).

Der ehemalige Umweltminister Sigmar Gabriel hebt hervor, dass Unternehmen ihre Aktivitäten an den neuen Herausforderungen anpassen und in ihre Unternehmensstrategie einbinden sollen. Sowohl aus Eigeninteresse als auch aus ihrer gesellschaftlichen Verantwor­tung heraus sollen diese Veränderungen stattfinden. Gabriel merkt ebenfalls an, dass die Politik ebenfalls gefordert sei, indem sie die Rahmenbedingungen, z.B. durch Anreizsysteme in der Marktwirtschaft oder ökolo-gisch ausgerichtete Steuern, den Märkten anpassen müsse. (vgl. Gabriel 2008:3)

Im Wesentlichen interveniert ein Staat durch Regelsetzung, d.h. durch auf Dauer angelegte Gesetze (vgl. Molitor 1995:6-7).[15] Durch den beschriebenen gesellschaftlichen Wandel ist die Reichweite nationaler Gesetze und auch europäischer Gesetze beschränkt. Daher kommt die Entwicklung der freiwilligen Übernahme von vor allem internationalen Richtlinien durch die Unternehmen auf, die Soft Laws genannt werden. Bezogen auf die Freiwilligkeit findet in der Literatur eine kritische Auseinandersetzung statt. Beschorner und Vorbohle merken einerseits an, dass Sanktionierungspotentiale vorhanden seien, indem ein Unternehmen seine Reputation verlieren könne, falls seine Handlungen von den eigenen moralischen Angaben abweichen (vgl. Beschorner/Vorbohle 2008:111). Andererseits kritisiert Hannes Koch, dass Branchenvereinbarungen, Firmengrundsätze oder internationalen Regeln zwar existieren, diese aber kaum bindend seien und sich nur schwer vor Gericht durchsetzen lassen würden (vgl. Koch 2008:98-100). Die CSR von Unternehmen könne daher „einen bindenden rechtlichen Rahmen nicht ersetzen“ (Koch 2008:97). Klaus R. Kirchhoff ergänzt, dass die Politik „ihre Verantwortung für bestimmte politische Ziele nicht gänzlich auf Unternehmen abschieben“ dürfe (Kirchhoff 2006:14).

Die Diskussion zeigt die Problematik des Geltungsbereichs eines Staates als auch die Rechtsverbindlichkeit der Soft Laws, weshalb die Aufgabe der Politik darin gesehen werden kann, „ (…) die Unternehmen in ihrer gesellschaftlichen Verantwortung zu stärken (…)“ (Gabriel 2008:3). Kirchhoff ergänzt, dass es gilt, „ (…) weltweit einen ordnungspolitischen Rahmen zu schaffen, der die Grundlage für unternehmerisches Handeln bietet und so den Unternehmen Raum für freiwilliges Engagement öffnet“ (Kirchhoff:2006:14-15).

Die Umsetzung dieser politischen Aufgabe im Ordnungsrahmen der Europäischen Union (EU) wird in den folgenden Kapiteln betrachtet.

Zunächst werden die erwähnten internationalen Vereinbarungen erläutert. Die anschließende Ausarbeitung der umfassenden europäischen CSR-Strategie dient als Grundlage für den Vergleich der Umsetzung in drei europäischen Mitgliedsstaaten im Kapitel 4.

3.2 Internationale Initiativen mit CSR-Bezug

Das europäische Grünbuch der CSR[16] aus dem Jahr 2001 betont ausdrücklich, dass die internationalen Initiativen im europäische Konzept der gesellschaftlichen Verantwortung berücksichtigt werden soll (vgl. Europäische Kommission 2001a:6).

UN Global Compact

Initiiert wurde der UN Global Compact vom ehemaligen UN Generalsekretär Kofi Annan auf dem Weltwirtschaftsforum am 31.01.1999 in Davos. Es handelt sich um einen Gesellschaftsvertrag bestehend aus zehn Prinzipien[17], in dem sich transnationale Unternehmen zur Einhaltung von Minimal­standards in den Bereichen Umweltschutz, Menschenrechte und Arbeitsstandards global verpflichten. Auf einem Gipfeltreffen im Jahr 2004 wurde der Bereich Korruption als zehntes Prinzip hinzugefügt (vgl. Daub 2005:181-182). Bedeutung erhält dieses Netzwerk durch über 7700 Mitglieder aus 130 Ländern (Stand vom 30.06.2009), welches soziale und wissenschaftliche Institutionen und Unternehmen (5300 von 7700 Mitgliedern)[18] vereint (vgl. United Nations 2010a; Daub 2005:182).

Global Reporting Initiative (GRI)

Während der UN Global Compact Unternehmen bei der Umsetzung zum verantwortlichen Handeln fördern will, bieten die GRI Leitlinien zur Nachberichterstattung und geeignete Instrumente, um den jeweiligen Fortschritt der Umsetzung eines Mitglieds zu erfassen und die Ergebnisse des ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Einsatzes zu veröffentlichen. Dabei sind die zehn Prinzipien des UN Global Compacts ein zentraler Referenzpunkt der GRI (vgl. DGCN 2007:3). Ins Leben gerufen wurde die GRI 1997 durch die Coalition of Environmentally Responsible Economies in Kooperation mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (vgl. BMAS 2010b), wobei die endgültige Fassung der Leitlinien erst 2002 fertiggestellt wurde (vgl. Daub 2005:211). Mehr als 1000 Unternehmen in 60 Ländern veröffentlichen die Ergebnisse ihres CSR-Engagements nach diesen Leitlinien (vgl. BMAS 2010b), was für eine internationale Anerkennung dieses Instruments spricht (vgl. Daub 2005:211).

Dreigliedrige Grundsatzerklärung der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO / ILO) über Multinationale Unternehmen und Sozialpolitik

Die ILO wurde 1919 gegründet und 1946 die erste spezialisierte Agentur der UN. Heute gehören der ILO 183 Länder an, darunter z.B. Großbritannien, Dänemark und Deutschland (vgl. ILO 2010a; ILO 2010b).

Die Grundsatzerklärung wurde 1977 erstmalig verabschiedet und im Jahr 2006 aktualisiert. Sie formuliert umfangreiche Anforderungen an multinationale Unternehmen hinsichtlich Arbeits- und Sozialstandards. Neben Unternehmen und Sozialpartnern werden auch Regierungen adressiert, ihr Recht entsprechend der ILO-Standards zu gestalten. Unternehmen werden auf Basis der Freiwilligkeit aufgefordert, neben Gewerkschaftsrechten, ILO-Konventionen, internationalen Menschenrechtsvereinbarungen und nationalem Arbeitsrecht vor allem die ILO-Kernarbeitsnormen[19] einzuhalten. (vgl. BMAS 2010c)

Die ILO gibt keine starren Handlungsvorschläge bei der Umsetzung vor (vgl. CSR Germany 2010).

OECD Leitsätze

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (englisch: Organisation for Economic Co-operation and Development - OECD) wurde 1961 gegründet und verfolgt mit ihren 32 Mitgliedsländern[20], darunter Großbritannien, Dänemark und Deutschland, das Ziel einer nachhaltigen Wirtschaft (vgl. OECD 2010a; OECD 2010b).

Bei den Leitsätzen handelt es sich um einen multilateralen Verhaltenskodex[21] für Unternehmen, der unter Regierungen vereinbart wurde, welcher die ILO-Kern­arbeitsnormen und den UN Global Compact ergänzen soll. Es ist ein Instrument zur weltweiten, freiwilligen und verantwortungsvollen Unternehmens­führung, was vor allem Auslandsinvestitionen, die Zusammenarbeit mit Zulieferern im Ausland, den Umgang mit Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen, die Wahrung von Verbraucherinteressen, die Korruption oder den Umweltschutz betrifft (vgl. OECD 2010c). Vor allem Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen nutzen die Möglichkeit, Fehlverhalten von Unternehmen bei den in jedem Mit-gliedsland vorhandenen Nationalen Kontrollstellen zu melden, die einen Verstoß[22] gegen die Leitsätze prüfen und diesen bei Bestätigung in einer Mitteilung veröffentlichen (vgl. OECD 2010c; BPP 2010).

Dadurch besitzen die OECD-Leitsätze eine stärkere Verbindlichkeit als andere internationale Initiativen, auch wenn die Teilnahme der Unternehmen auf Freiwilligkeit beruht.

ISO Norm 26000

Die Norm ISO 26000 (Guidance on Social Responsibility oder Leitfaden für soziale Verantwortung) wird seit 2004 von der International Organisation for Standardization (ISO) entwickelt. Am Entwicklungsprozess sind 72 Länder (auch Entwicklungsländer) beteiligt. Diese Norm adressiert Organisationen, Unternehmen, den öffentlichen Sektor und andere Akteure der Gesellschaft gleichzeitig. Handlungsfelder sollen identifiziert und aus Best-Practice-Beispielen Aktivitäten abgeleitet werden, die eine Verantwortungsübernahme von Organisationen fördern. (vgl. BMAS 2010b)

Im September 2010 soll über das Inkrafttreten der ISO Norm 26000 abgestimmt werden (vgl. imug Beratungsgesellschaft 2010:1).

EMAS

EMAS (Eco-Management and Audit Scheme - EMAS) ist ein freiwilliges europäisches System zum Umweltmanagement und zur Umweltbetriebsprüfung, welches 1993 von den Europäischen Gemeinschaften geschaffen wurde. Seit 2001 entspricht der Aufbau eines EMAS-Umweltmanagementsystems der ISO 14001[23]. Neben der Einhaltung von rechtlichen Bestimmungen soll sich ein Betrieb oder eine Organisation unter Einbeziehung der Mitarbeiter hinsichtlich ihrer Umweltleistungen ständig verbessern und Fortschritte an die Öffentlichkeit kommunizieren. Dafür wird ein offizielles EMAS-Logo verliehen, mit dem Unternehmen werben dürfen. (vgl. EMAS 2010a; EMAS 2010b)

Jährlich werden von der öffentlichen Hand der europäischen Mitgliedsstaaten Waren im Wert von 1500 Milliarden Euro beschafft, womit der Markt zu einer nachhaltigeren Produktion beeinflusst werden könnte. Die europäischen Vergaberichtlinien[24] ermöglichen es der öffentlichen Verwaltung, bei Ausschreibungen verstärkt Umweltaspekte zu berücksichtigen. EMAS ist ein geeigneter Nachweis für die Erfüllung dieser Anforderungen. (vgl. EMAS 2010d:1-2)

Bevor die europäische CSR-Strategie betrachtet wird, erfolgt zum besseren Verständnis ein Blick auf die Grundsätze und politischen Organe der EU.

3.3 Panorama der Europäischen Union

3.3.1 Idee und Grundsätze

“Der Kontinent wird aus einem Volk bestehen. Eine kontinentale Währung wird alle absurden Geldvarianten ersetzen.“ - Victor Hugo 1855

Victor Hugo, ein französischer Schriftsteller und Visionär hielt am 24. Februar 1855 seine nahezu prophetische Rede über die Vereinigten Staaten von Europa und war mit dieser Idee seiner Zeit voraus (vgl. Deutsche Welle 2002). Erst nach den Wirren zweier Weltkriege machte der französische Außenminister Robert Schuman am 9. Mai 1950 den Vorschlag zur Gründung einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS), um die Voraussetzung für dauerhaften Frieden in Europa zu schaffen (vgl. Europa 2010a).

Zwei maßgebende europäische Dokumente wurden im 21. Jahrhundert verfasst, die die europäische Politik langfristig mitprägen werden. Sowohl in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union[25] aus dem Jahr 2000 als auch im Vertrag von Lissabon[26] (auch EU-Vertrag genannt) vom 1.12.2009 werden Ziele wie die Sicherung des Friedens, die Bedeutung einer gemeinsamen Wertebasis, Wahrung der Menschrechte und eine nachhaltige Entwicklung angestrebt. (vgl. Europäische Gemeinschaft 2000:8; Europa 2010e; Europa 2010f)

Gegenwärtig stellt die EU mit ca. einer halben Milliarde Bürgern in 27 Mitgliedsstatten nach China und Indien die drittgrößte Bevölkerung der Erde. Sie ist ein grenzfreier Binnenmarkt, besitzt einen der höchsten Lebensstandards der Welt und bildet somit eine wirtschaftliche und politische Union der Mitgliedsstaaten. (vgl. Europäische Kommission 2007a:9)

Aber auch über die europäischen Grenzen hinaus versucht die EU als weltweit größte Handelsmacht[27] in ärmeren Länder Entwicklungspolitik zu betreiben (vgl. Europa 2010l).

3.3.2 Funktionsweise der politischen Organe

Zum besseren Verständnis werden die relevanten Organe der EU kurz genannt. Der Europäische Rat ist das Führungsorgan der EU (vgl. Consilium 2010). Darüberhinaus nehmen das Europäische Parlament (vertritt die europäischen Bürger), der Rat der Europäischen Union (vertritt einzelne Mitgliedstaaten) sowie die Europäische Kommission (wahrt die Interessen der EU und formuliert Vorschläge) ebenfalls entscheidende Rollen in der EU-Politik ein (vgl. Europa 2010i).

Mit Blick auf die europäische CSR-Strategie sind vor allem die Vorschläge der Europäischen Kommission von Bedeutung, die unter anderem in sogenannten Grün­büchern oder Weißbüchern ihren Niederschlag finden. Grünbücher sollen die Funktion eines Diskussionsanstoßes auf europäischer Ebene zu einem spezifischen Thema erfüllen. Außerdem können Grünbücher als Grundlage für die Erarbeitung von Rechtsvorschriften dienen, welche in den sogenannten Weißbüchern erläutert werden. (vgl. Europa 2010j; Europa 2010k) Weißbücher fassen Diskussionsdebatten zusammen und können als Basis für ein mögliches Aktionsprogramm im entsprechenden Bereich fungieren. (vgl. Europa 2010k)

3.4 Meilensteine der europäischen CSR-Strategie

Bereits im Jahr 1993 rief der ehemalige Präsident der EG-Kommission Jacques Delors mit seiner European Business Declaration Against Social Exclusion zum Kampf gegen jegliche Form sozialer Ausgrenzung auf und war damit Wegbereiter für die Gründung eines europäischen Netzwerkes namens CSR Europe im Jahr 1995 (vgl. Bach 2008:116; ähnlich Europäische Kommission 2001a:3; CSR Europe 2010a).[28]

Dieser Anstoß führte zur Entwicklung einer europäischen CSR-Strategie, die wiederum mit anderen Strategien Berührungspunkte aufweist, auch wenn diese nicht mit CSR betitelt sind. Die Meilensteine der europäischen CSR-Strategie (und der mit ihr im Kontext stehenden Strategien) werden in

Abb.7 zusammengefasst und sind von zentraler Bedeutung für das Verständnis der europäischen CSR-Politik.

Ein elementarer Schritt zu einer europäischen CSR-Politik war die Festlegung der europäischen Ziele mittels der Lissabon-Strategie aus dem Jahr 2000, Europas Wirtschaftsraum zukunftsfähig und sozial zu gestalten, in der u.a. CSR promotet wurde (vgl. Bach 2008:116; Europäischer Rat 2000:2).

Ergänzt wurde diese Strategie durch die Nachhaltigkeitsstrategie von Göteborg aus dem Jahr 2001, in der die EU eine Schlüsselfunktion für eine globale und nachhaltige Entwicklung einnehmen soll (vgl. Europäische Kommission 2001b:2).

Im selben Jahr erschien das Grünbuch Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen oder auch CSR-Grünbuch genannt, welches das eigentliche Fundament der europäischen CSR-Debatte darstellt (vgl. Europäische Kommission 2001a). Ebenfalls im Jahr 2001 wurde das Grünbuch zur Integrierten Produktpolitik (IPP-Grünbuch) von der Europäischen Kommission veröffentlicht, welches die Förderung von umweltfreundlichen Produkten über den gesamten Produktlebenszyklus beschreibt (vgl. Europäische Kommission 2001c).

In den folgenden Unterkapiteln werden die vorgestellten Strategien einschließlich ihrer Entwicklung aufbauend auf der Struktur der

Abb.7 aus dem Blickwinkel der CSR in folgender Reihenfolge betrachtet:

- Lissabon-Strategie
- Nachhaltigkeitsstrategie
- CSR-Grünbuch
- IPP-Grünbuch

Dabei werden bei den genannten Strategien die Gestaltungsmöglichkeiten und Aufgaben der europäischen Politik besonders herausgestellt.

Der Schwerpunkt der Betrachtungen liegt bei der CSR-Strategie (siehe graumarkierter Bereich in Abb. 7).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.7: Meilensteine der europäischen CSR-Strategie im Kontext weiterer Strategien

(Quelle: Eigene Darstellung)

3.5 Lissabon-Strategie - Weichenstellung für CSR?

3.5.1 Zielsetzungen im Jahr 2000

Um Herausforderungen wie beispielsweise der Globalisierung zu bewältigen und gleichzeitig den europäischen Wertvorstellungen (z.B. der Charta der Grundrechte der EU) weiterhin zu entsprechen, wurde am 23. und 24.03.2000 die sogenannte Lissabon-Strategie (siehe Abb. 7) vom Europäischen Rat festgelegt, deren Zielvorgabe die nächsten zehn Jahre bestimmen sollte (vgl. Europäischer Rat 2000:1). Dabei lautete das global formulierte „Ziel, die Union zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum in der Welt zu machen - einem Wirtschaftsraum, der fähig ist, ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen und einem größeren sozialen Zusammenhalt zu erzielen“ (Europäischer Rat 2000:1).

Im Wesentlichen beruht diese Strategie auf den beiden Pfeilern Wirtschaft und Soziales, wobei die Nachhaltigkeitsstrategie von Göteborg (Kapitel 3.6) aus dem Jahr 2001 mit dem Schwerpunkt Umwelt als dritter Pfeiler die Lissabon-Strategie komplettiert. Die Schwerpunkte bei dem Pfeiler der Wirtschaft liegen in der Forschungsförderung und in der kontinuierlichen Anpassung an die Entwicklungen der Informationsgesellschaft (vgl. Europa 2010m). Der soziale Pfeiler ist durch die Modernisierung des europäischen Gesellschaftssystems, durch Investitionen in die Menschen und durch den Aufbau eines Wohlfahrtstaates gekennzeichnet (Europäischer Rat 2000:8). Hierbei wird das Ziel der Vollbeschäftigung für das Jahr 2010 sowie eine durchschnittliche jährliche Wirtschaftswachstumsrate von 3% in Europa angestrebt (Europäischer Rat 2000:2-9). Bereits hier wird an die Übernahme der gesellschaftlichen Verantwortung durch die Unternehmen appelliert (Europäischer Rat 2000:13). Zur Umsetzung der Lissabon-Strategie wurden quantifizierbare Zielwerte vorgegeben, welche im Rahmen einer Halbzeitprüfung im Jahr 2005 begutachtet wurden (vgl. Europa 2010m).

3.5.2 Halbzeitprüfung 2005 - Auf dem richtigen Weg?

Am 02.02.2005 wurde in einer Mitteilung die Halbzeitbilanz der Lissabon-Strategie (siehe Abb. 7) gezogen (vgl. Europäische Kommission 2005a:5).

Dabei wurde festgestellt, dass die Ziele nur teilweise oder nicht erreicht werden können und die Bilanz somit uneinheitlich ausfällt. (vgl. Europa 2010m; Europa 2010n)

Da die Agenda rückwirkend als überladen interpretiert wurde, soll sich das zukünftige Engagement auf die zwei Bereiche der Schaffung von weiteren anspruchsvollen Arbeitsplätzen und die Ermöglichung eines nachhaltigen und stärkeren Wachstums konzentrieren. Dies sei Voraussetzung für die Erreichung der sozialen, ökologischen und ökomischen Ziele (vgl. Europäische Kommission 2005a:5). Des Weiteren sollen die Mitgliedsstaaten die im Jahr 2000 beschlossene Nationalen Aktionspläne (NAP) zur Umsetzung von geeigneten Maßnahmen ausarbeiten (vgl. Europa 2010m).

3.5.3 EU-Strategie 2020 - Weckruf durch die Krise?

Nach der Halbzeitprüfung hat die EU bis heute mit den Konsequenzen der Wirtschafts- und Finanzkrise zu kämpfen, welche die vergangenen Fortschritte sowie Millionen von Arbeitsplätzen zunichte gemacht haben (vgl. Europäische Kommission 2010:2, 8).

Die neue EU-Strategie 2020 (siehe Abb. 7) ersetzt die Lissabon Strategie und legt fünf quantifizierbare Ziele für die nächsten zehn Jahre fest. Dabei werden die Prioritäten auf ein intelligentes (innovatives), nachhaltiges (ressourcenschonend, ökologisch, wettbewerbsfähig) und integratives Wachstum (beschäftigungs-starke Wirtschaft mit sozialem Zusammenhalt) gesetzt. (vgl. Europäische Kommission 2010: 5)

Die Ziele berühren die Bereiche Beschäftigung, Forschung und Innovation, Klimaschutz und Energie, Bildung und Armutsbekämpfung (Europäische Kommission 2010a:3).[29]

Um diese Ziele zu erreichen, hat die Europäische Kommission für alle Mitgliedsstaaten sieben verbindliche Leitinitiativen formuliert (vgl. Bundesregierung 2010).[30] Beispielsweise sieht die Leitinitiative Ressourcenschonendes Europa vor, dass Mitgliedsstatten durch Subventionen, Besteuerung oder öffentliche Auftragsvergabe, Regulierungen und Vorschriften den Ressourcen- und Energieverbrauch senken können. Die Leitinitiative Eine Industriepolitik für das Zeitalter der Globalisierung sieht z.B. die Förderung ressourcenschonender Produktionsmethoden oder auch die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen als Beitrag zum Schaffen einer Vertrauenskultur bei Kunden und Mitarbeitern vor. (vgl. Europäische Kommission 2010:19-20)

Damit wird der Bezug zu den drei Strategien (Nachhaltigkeit, CSR, Integrierte Produktpolitik, siehe Abb. 7) ersichtlich, wobei zunächst die Nachhaltigkeitsstrategie, die dritte Säule der Lissaboner Strategie, aus dem Blickwinkel der CSR betrachtet wird.

3.6 Die Nachhaltigkeitsstrategie mit Blick auf CSR

3.6.1 Mitteilung 2001 zur Nachhaltigkeitsstrategie

Als Reaktion auf die Forderungen des Europäischen Rates von 1999 wurde am 15.5.2001 die Mitteilung Nachhaltige Entwicklung in Europa für eine bessere Welt: Strategie der Europäischen Union für die nachhaltige Entwicklung von der Europäischen Kommission vorgelegt (siehe Abb. 7) welche die Lissabonner Strategie ergänzt und die gleiche Zielsetzung verfolgt. (vgl. Europäische Kommission 2001b:2)

Die Strategie beschreibt, dass „das Wirtschaftswachstum, der soziale Zusammenhalt und der Umweltschutz auf lange Sicht Hand in Hand gehen müssen“ (Europäische Kommission 2001b:2). Die soziale und wirtschaftliche Entwicklung soll dabei von dem Ressourcenverbrauch entkoppelt werden (vgl. Europäische Kommission 2001b:3).

Des Weiteren soll die Politik den entsprechenden Rahmen schaffen, dass Unternehmen gesellschaftliche und umweltorientierte Überlegungen in ihre Geschäfts­aktivitäten einbinden (vgl. Europäische Kommission 2001b:9).[31]

3.6.2 Mitteilung 2002 zur globalen Partnerschaft

Am 13.2.2002 hat die Europäische Kommission die Mitteilung Auf dem Weg zu einer globalen Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung verabschiedet, in der verstärkt die Nachhaltigkeitsstrategie (auch SDS genannt) aus einer externen bzw. globalen Sichtweise betrachtet wird. Diesbezüglich wurden priorisierte Ziele festgelegt, wie z.B. die Schaffung von Anreizen für eine umwelt- und sozialfreundliche Produktion oder die verbesserte Einbindung von Entwicklungsländern in die Weltwirtschaft.[32] (vgl. econsense 2010)

3.6.3 Revision der Strategie mit Abschlussmitteilung 2005

Aufgrund veränderter Umstände (z.B. EU-Erweiterung, fortschreitende Globalisierung, sinkendes Wirtschaftswachstum etc.) wurde ein Revisionsprozess der Nachhaltigkeitsstrategie eingeleitet. Der Europäischen Wirtschafts- und Sozialrat forderte eine klare und besser koordinierte Nachhaltigkeitspolitik, wobei diese Einschätzung von den Teilnehmern (839 Einzelpersonen und 271 Organisationen) einer öffentlichen Konsultation aus dem Jahr 2004 geteilt wurde (vgl. econsense 2010; Europäische Kommission 2005b:8). Es bestand mehrheitliche Zustimmung zum Konzept, wobei die Umsetzung und der fehlende Bezug zur Lissabon-Strategie kritisiert wurde (vgl. Europäische Kommission 2005b:15-16). Das Fazit der eingereichten Verbesserungsvorschlägen betrifft drei Themenfelder:

„Bessere Bewertung und Berücksichtigung der externen Auswirkungen interner EU-Politiken, Notwendigkeit eines Follow-ups von auf internationaler Ebene eingegangenen Verpflichtungen sowie Notwendigkeit einer engeren Verknüpfung der Strategie für nachhaltige Entwicklung mit den Prozessen der Lissabon-Strategie.“ (Europäische Kommission 2005b:58)

Nach einer Stakeholderkonferenz bezüglich der Revision der Nachhaltigkeitsstrategie im April 2005 wurden anschließend von der Kommission folgende Leitprinzipien formuliert (vgl. econsense 2010):

„Umweltschutz, sozialer Ausgleich, wirtschaftlicher Wohlstand sowie internationale Verantwortung.“ (econsense 2010)

Auch hier wird die stärkere Einbindung der Unternehmen (mittels CSR) in den Nachhaltigkeitsprozess gefordert (vgl. Europäische Kommission 2005c:5).

Dieser erste Revisionsprozess fand seinen Abschluss in der Mitteilung vom 13.12.2005 Überprüfung der Strategie für nachhaltige Entwicklung. Ein Aktionsprogramm, welche die Grundlage für die Weiterentwicklung der Strategie im Jahr 2006 bilden sollte (vgl. econsense 2010).

3.6.4 Die neue EU-Strategie für nachhaltige Entwicklung 2006

Am 9.06.2006 wurde Die neue EU-Strategie für nachhaltige Entwicklung (siehe Abb. 7) vom Rat der Europäischen Union veröffentlicht (vgl. Europäischer Rat 2006:1). Obwohl in der öffentlichen Konsultation von 2004 gegenteilig gefordert, bleiben die Lissabonner-Strategie und die Nachhaltigkeitsstrategie als sich jeweils ergänzende Strategien bestehen (vgl. Europäischer Rat 2006:6). Mit der neuen Nachhaltigkeitsstrategie wolle die EU den neuen globalen Heraus­forde­rungen effizienter begegnen (vgl. Europa 2010p).

Als Hauptziele werden weiterhin die Leitprinzipien von 2005 verwendet (vgl. Europäischer Rat 2006:6). Diesbezüglich werden sieben Herausforderungen ein­schließlich quantifizierbarer Maßnahmen genannt:

„Klimaänderung und umweltfreundliche Energie (…), Nachhaltiger Verkehr (…),

Nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion (…), Erhaltung und Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen (…), Gesundheit (…), Soziale Eingliederung (…), Demografie und Migration (…), Globale Herausforderungen in Bezug auf Armut und nachhaltige Entwicklung(…).“ (Europäischer Rat 2006:7-21).

3.6.5 1. Fortschrittsbericht 2007 und 2. Fortschrittsbericht 2009

Zusätzlich soll die Umsetzung zukünftig in Form von Fortschrittsberichten im Zweijahresrhythmus ab 2007 überwacht werden, wofür geeignete Indikatoren entwickelt werden müssen (vgl. Europäischer Rat 2006:26).

Im ersten Fortschrittsbericht 2007 zur Strategie für nachhaltige Entwicklung vom 22.10.2007 wird einerseits die neue Partnerschaft zwischen EU, Mitgliedsstaaten, Unternehmen und der Zivilgesellschaft gewürdigt, und andererseits fehlende kon-krete Fortschritte der angestrebten nachhaltigen Entwicklung bemängelt. (vgl. Europäische Kommission 2007b:15)

[...]


[1] Im Jahr 2009 gaben deutsche Konsumenten insgesamt 322 Millionen Euro für fair gehandelte Produkte aus, was einem Anstieg von 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht (vgl. Fairtrade 2010).

[2] Die übersichtliche Erläuterung der Grundbegrifflichkeiten zur Ethik ist auf die Unternehmensethik fokussiert und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Eine ausführliche Darstellung der Grundlagen in der Ethik würde den Rahmen der vorliegenden Arbeit übertreten und entfällt.

[3] Eigennutz und Egoismus darf an dieser Stelle nicht verwechselt werden.

[4] Darüberhinaus gibt es noch ähnliche Ansätze eines Drei-Ebenen-Modells z.B. von Kreikebaum und Dietzfelbinger, die hier nicht weiter vertieft werden (vgl. Kunze 2008:91).

[5] Normen sind im Kontext der Unternehmensethik „Aufforderungen, in bestimmten gleichen Situationen bestimmte Handlungen auszuführen (oder zu unterlassen) oder bestimmte Wirkungen herbeizuführen (oder nicht herbeizuführen)“ (Gabler Wirtschaftslexikon 2010).

[6]Im Laufe der wirtschaftsethischen Diskussion haben sich im deutschen Sprachraum verschiedene, durchaus konträre, wirtschaftsethische Konzeptionen entwickelt. Neben den klassischen Vertretern, die Schulen um Steinmann et al. (1994), Homann et al. (1992) und Ulrich (2001) sind zunehmend auch neuere Ansätze in der wirtschaftsethischen Diskussion zur Kenntnis zu nehmen“ (Hübscher/Schneidewind 2002:262).

[7] Der Begriff Philanthropie stammt aus dem Griechischen und bedeutet Menschenliebe oder Menschenfreundlichkeit. Ein Philanthrop ist ein Mensch, der anderen Menschen etwas Gutes tut oder als Wohltäter auftritt (vgl. Universität Bremen 2010).

[8] Alexander Dahlsrud setzt sich in seinem im Jahr 2006 erschienen Buch How corporate social responsibility is defined: an analysis of 37 definitions mit 37 CSR Definitionen auseinander.

[9] Neben CSR, CC und Nachhaltigkeit existieren eine ganze Reihe weiterer Begrifflichkeiten, die teilweise in der Literatur verwendet werden. Um ein Grundverständnis zu erlangen und nicht noch weitere Unschärfen zu erzeugen, beschränkt sich die vorliegende Arbeit auf die erstgenannten drei Begriffe.

[10] Es gibt auch Interpretationen, die CSR als Bestandteil der CC beschreiben (vgl. Curbach 2008:19ff.) Die Mehrheit der recherchierten Quellen spricht aber dafür, dass CSR eine Art Überbau für CC darstellt und nicht umgekehrt.

[11] UNCED - Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung 3.-16. Juni 1992 in Rio de Janeiro, auf der insgesamt fünf Dokumente (Agenda 21, Klimaschutz-Konventionen und Waldschutzkonventionen, die Walddeklaration und die sogenannte Rio-Deklaration über Umwelt und Entwicklung) erstellt wurden (vgl. Lexikon der Nachhaltigkeit 2010c).

[12] Nachhaltigkeitsindex, in dem nachhaltig geführte Unternehmen gelistet werden.

[13] Im Kapitel 3.2 wird die Global Reporting Initiative (GRI) Berichtserstattungsinstrument für Unternehmen kurz vorgestellt, welche in den letzten Jahren international an Bedeutung gewonnen hat.

[14] Dennoch erlangte BP in der Good Company -Studie 2004/2005, durchgeführt von Kirchhoff Consult und Deloitte, in der Gesamtwertung Position 1 für sein CSR Engagement (vgl. Gazdar/Habisch/Kirchhoff/Vaseghi 2006:Vorwort+160).

[15] Darüber hinaus verfügt ein Staat über diskretionäre Eingriffsmöglichkeiten, die punktuell und maßnahmenbezogen eingesetzt werden (vgl. Molitor 1995:6-7).

[16] Kurzform für die Bezeichnung des Grünbuchs Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung von Unternehmen.

[17]Prinzip 1 – Unternehmen sollen den Schutz der internationalen Menschenrechte unterstützen und achten.

Prinzip 2 – Unternehmen sollen sicherstellen, dass sie sich nicht an Menschenrechtsverletzungen mitschuldig machen.

Prinzip 3 – Unternehmen sollen die Vereinigungsfreiheit und die wirksame Anerkennung des Rechts auf Kollektivverhandlungen wahren.

Prinzip 4 – Unternehmen sollen für die Beseitigung aller Formen der Zwangsarbeit eintreten.

Prinzip 5 – Unternehmen sollen für die Abschaffung der Kinderarbeit eintreten.

Prinzip 6 – Unternehmen sollen für die Beseitigung von Diskriminierung bei Anstellung und Beschäftigung eintreten.

Prinzip 7 – Unternehmen sollen im Umgang mit Umweltproblemen einen vorsorgenden Ansatz unterstützen.

Prinzip 8 – Unternehmen sollen Initiativen ergreifen, um ein größeres Verantwortungsbewusstsein für die Umwelt zu erzeugen.

Prinzip 9 – Unternehmen sollen die Entwicklung und Verbreitung umweltfreundlicher Technologien fördern.

Prinzip 10 – Unternehmen sollen gegen alle Arten der Korruption eintreten, einschließlich Erpressung und Bestechung.“ (DGCN 2007:18).

[18] Im Februar 2008 waren lediglich 4800 (davon 3600 Unternehmen) Mitglieder aus 120 Ländern registriert, womit zum Bezugsjahr Juni 2009 einen Mitgliedsanstieg von über 60 % zu verzeichnen ist (vgl. DGCN 2007:1+3).

[19]1. Vereinigungsfreiheit und Recht auf Kollektivverhandlungen

Verbot der Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf, Verbot der Zwangsarbeit, Verbot der Kinderarbeit

2. Arbeitsbeziehungen

Die Regierungen sollen Gewerkschaftsrechte nicht einschränken, um Investoren anzulocken, Regelmässige Beratungen zwischen Arbeitnehmern und Betriebsleitungen zu Themen gemeinsamen Interesses sind vorzusehen. Beschwerdemöglichkeiten bei Verstößen gegen Arbeitsstandards sind vorzusehen.

3. Beschäftigung

Die Unternehmen sollen langfristige und sichere Arbeitsplätze schaffen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausbilden.

4. Lebens-und Arbeitsbedingungen

Die Arbeitnehmer multinationaler Unternehmen sollen keine schlechteren Lohn- und Arbeitsbedingungen haben, als Arbeitnehmer in Unternehmen des betreffenden Landes“ (BMAS 2010c)

[20] Ein Beitritt zur OECD setzt ein Aufnahmeverfahren voraus, so dass nicht jedem Land eine Mitgliedschaft automatisch zusteht, wobei die OECD mit Estland, Russland, Israel, Brasilien, Indonesien, China, Südafrika und Indien Arbeitsbeziehungen unterhält und teilweise in Beitrittsverhandlungen steht (vgl. OECD - 2010a).

[21]Darlegung der Grundsätze und Ziele der OECD-Leitsätze

1. Umfassende Informationspolitik der Unternehmen nicht nur über ihre Geschäftsergebnisse, sondern auch über soziale und umweltrelevante Fragen sowie absehbare Risiken
2. Beschäftigung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern unter Beachtung der international anerkannten Kernarbeitsnormen sowie konstruktive Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Arbeitnehmerorganisationen
3. Umsetzung eines effizienten internen Umweltmanagements und Gewährleistung einer transparenten Umweltberichterstattung sowie Orientierung am Vorsorgeprinzip
4. Bekämpfung von Korruption
5. Berücksichtigung der Interessen der Verbraucherinnen und Verbraucher durch Anwendung fairer Geschäfts-, Vermarktungs- und Werbepraktiken sowie die Gewährleistung von Sicherheit und Qualität der Produkte und Dienstleistungen
6. Unterstützung von Technologie- und Know-how-Transfer (unter Beachtung von Rechten an geistigem Eigentum)
7. Einhaltung von Wettbewerbsgesetzgebungen und allgemeine Gestaltung eines fairen, kartellfreien Wettbewerbs
8. Beachtung der Steuergesetze und -vorschriften der Länder, in denen die Unternehmen tätig sind, sowie Zusammenarbeit mit den Steuerbehörden
9. Einrichtung von Nationalen Kontaktstellen durch die Regierungen“ (BMAS 2010d)

[22] Seit dem Jahr 2000 wurden in den OECD-Mitgliedsstaaten insgesamt über 150 Beschwerden registriert (vgl. BMAS 2010d).

[23] Die ISO 14001 legt international die Kriterien für ein Umweltmanagementsystem fest, welches ständig optimiert werden soll. Die Zertifizierung erfolgt durch einen zugelassenen Umweltgutachter (vgl. EMAS 2010c).

[24] „ Art. 52 Abs. 3 der RL 2004/17/EG (Wasser-, Energie- und Verkehrsversorgung sowie der Postdienste) und Art. 50 der RL 2004/18/EG (öffentliche Bauaufträge, Lieferaufträge und Dienstleistungsaufträge)“. (EMAS 2010d:1-2)

[25] Die sieben Kapitel der „Charta der Grundrechte der Europäischen Union“:

1. Würde des Menschen
2. Freiheit
3. Gleichheit
4. Solidarität
5. Bürgerrechte

(vgl. Europäische Gemeinschaft 2000)

[26] Auszüge aus dem Vertrag von Lissabon / EU-Vertrag:

Artikel 2

Die Werte, auf die sich die Union gründet, sind die Achtung der Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und die Wahrung der Menschenrechte einschließlich der Rechte der Personen, die Minderheiten angehören. (…)

Artikel 3

(1) Ziel der Union ist es, den Frieden, ihre Werte und das Wohlergehen ihrer Völker zu fördern.

(3) Die Union errichtet einen Binnenmarkt. Sie wirkt auf die nachhaltige Entwicklung Europas auf der Grundlage eines ausgewogenen Wirtschaftswachstums und von Preisstabilität, eine in hohem Maße wettbewerbsfähige soziale Marktwirtschaft, die auf Vollbeschäftigung und sozialen Fortschritt abzielt, sowie ein hohes Maß an Umweltschutz und Verbesserung der Umweltqualität hin. Sie fördert den wissenschaftlichen und technischen Fortschritt. (…) Sie fördert den wirtschaftlichen, sozialen und territorialen Zusammenhalt und die Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten. (…) (Dejure 2010)

[27] Im Jahr 2005 lag das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der EU mit 10.957,9 Mrd. EUR im weltweiten Vergleich an erster Stelle (vgl. Europäische Kommission 2007a:46).

[28] Das Ziel der heutigen 75 multinationalen Unternehmen und 27 natio­nalen Kooperationspartner von CSR Europe ist es, CSR in die Geschäftstätigkeit der Unternehmen zu integrieren (CSR Europe 2010a).

[29] Die fünf Kernziele der EU-Strategie 2020 :

- „Die Beschäftigungsquote der 20-64-jährigen soll auf mindestens 75% ansteigen.
- Die Investitionen in Forschung und Entwicklung sollen mindestens drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts betragen.
- Die Treibhausgasemissionen sollen um 20% sinken.
- Die Zahl der Schulabbrecher soll auf unter 10 Prozent verringert und die Anzahl der Hochschulabschlüsse auf 40 Prozent eines Jahrgangs steigen.
- Die Zahl der Menschen, die unter der nationalen Armutsgrenze leben, soll um 20 Millionen sinken.“

(Bundesregierung 2010)

[30] Die sieben Leitinitiativen der EU-Strategie 2020:

- „Mit der kürzlich bereits vorgestellten "Digitalen Agenda für Europa" soll der schnelle Internetzugang für Unternehmen und Privathaushalte ausgebaut werden.
- In der "Innovationsunion" sollen die Voraussetzungen zur Förderung privater Forschungsinitiativen verbessert werden.
- Mit "Jugend in Bewegung" sollen die Bildungssysteme leistungsfähiger gemacht werden.
- Mit der Leitlinie "Ressourcenschonendes Europa" soll das Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch abgekoppelt und die Nutzung erneuerbarer Energieträge vorangetrieben werden.
- "Industriepolitik im Zeitalter der Globalisierung" will die Rahmenbedingungen für Unternehmen, insbesondere für kleinere und mittlere, verbessern.
- Die "Agenda für neue Kompetenzen und neue Beschäftigungsmöglichkeiten" soll die Beschäftigtenquote erhöhen und lebenslanges Lernen unterstützen.
- Eine "Europäische Plattform zur Bekämpfung der Armut" soll sicherstellen, dass Wachstum und Wohlstand möglichst vielen Menschen zu Gute kommen.“

(Bundesregierung 2010)

[31] Börsennotierte Unternehmen mit mehr als 500 Arbeitnehmern werden aufgefordert, im Rahmen der Jahresberichte an die Aktionäre eine sogenannte dreifache Bilanz zu veröffentlichen, „in der ihre Leistung anhand von wirtschaftlichen, umwelttechnischen und sozialen Kriterien gemessen wird “ (Europäische Kommission 2001b:9). (vgl. Europäische Kommission 2001b:9).

[32] Die übrigen priorisierten Ziele lauten:

- „Förderung transparenter weltweiter Finanzmärkte
- Strikte Verfolgung der Millennium Development Goals
- Verbesserte Entwicklungsförderung
- Den Verlust an ökologischen Ressourcen bis 2015 umkehren
- Integration der Nachhaltigkeitsziele in alle Bereiche der EU-Politik nicht zuletzt durch Impact Assessments (Gesetzesfolgendabschätzung) und größere Kohärenz
- Förderung von Good Governance
- Verstärkte Verfolgung des UN-Ziels der finanziellen Entwicklungshilfe i.H.v. 0,7 % des Bruttonatioaleinkommens
- Verringerung der Schuldenlast der Entwicklungsländer
- Förderung privater Investments in Entwicklungsländern“

(econsense 2010)

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Titel: Die Umsetzung der europäischen Corporate Social Responsibility-Strategie im Ländervergleich: Großbritannien - Dänemark - Deutschland