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Theorien zur Entstehung und Entwicklung von Wohlfahrtsstaaten

Anwendung auf die Entwicklung des westdeutschen Wohlfahrtstaates in den 1950er Jahren

Hausarbeit 2010 13 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Erklärungsansätze zur Entstehung und Entwicklung von Wohlfahrtsstaaten
2.1 Funktionalistische Schule
2.2 Interessen- und konflitkttheoretische Schule
2.3 Institutionalistische Schule
2.4 Ideenpolitische wohlfahrtskulturelle Schule

3. Entwicklung des westdeutschen Wohlfahrtsstaates in den 1950er Jahren

4. Anwendung der Theorien auf die Entwicklung des westdeutschen Wohlfahrtsstaates

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Wirtschaftskrise 2009 hat den deutschen Sozialstaat auf eine harte Probe gestellt. Aber auch der demographische Wandel stellt das deutsche Rentensystem vor große Probleme. Deswegen ist der Wohlfahrtsstaat und sein Ausbau oder auch Abbau immer noch ein wichtiges Thema in der deutschen Innenpolitik. Aussagen wie: „Hartz IV darf nicht stärker steigen als die Rente“[1] sind immer in der tagesaktuellen Diskussion zu finden.

Aus diesem Grund ist es interessant, sich mit der Entwicklung des deutschen Wohlfahrtsstaates zu beschäftigen. In dieser Arbeit werde ich mein Hauptaugenmerk auf die Situation auf diesem Gebiet in den 1950er Jahren richten. In dieser Zeit wurden viele Vorrausetzungen für den Wohlfahrtsstaat geschaffen, den wir heute in Deutschland vorfinden.

Die Fragen, die gestellt werden müssen, sind: Wie hat sich der deutsche Wohlfahrtstaat entwickelt und welche Mechanismen haben diese Entwicklung beeinflusst? Viele unterschiedliche Erklärungsansätze zur Entstehung und Entwicklung von Wohlfahrtsstaaten geben Antwort.

Ziel dieser Hausarbeit ist es, die Gründe zu verstehen, wieso sich der westdeutsche Wohlfahrtsstaat in dieser Zeit in bestimmter Weise entwickelt hat. Darüber hinaus soll deutlich werden, welche Theorien gute Erklärungsansätze für die Entwicklung von Wohlfahrtsstaaten liefern und welche eher ungeeignet sind.

Zunächst werde ich die Erklärungsansätze zur Entstehung und Entwicklung von Wohlfahrtsstaaten erläutern. Danach folgt eine Übersicht über die westdeutsche Geschichte in den 1950er Jahren, um dann mit Hilfe der erläuterten Theorien die Entwicklung des Wohlfahrtsstaates zu analysieren.

2. Erklärungsansätze zur Entstehung und Entwicklung von Wohlfahrtsstaaten

Die theoretischen Erklärungsansätze zur Entstehung und Entwicklung des Wohlfahrtsstaates werden sowohl von Lessenich als auch von Ullrich in vier Schulen eingeteilt. Diese Schulen kann man nicht genau trennen, da sie, wie Lessenich erläutert, auch als „Generationen der Wohlfahrtsstaatsanalyse“ verstanden werden könnten.[2] Dennoch werde ich genau diese vier Theorien in dieser Hausarbeit betrachten und stelle sie nachfolgend in knapper Weise dar.

2.1 Funktionalistische Schule

Im Betrachtungsmittelpunkt der funktionalistischen Theorie stehen die Betrachtung der Wirtschaft und ihr Einfluss auf den Wohlfahrtsstaat.[3]

Ein spezieller Ansatz dieser Theorie ist der, der die „Logik des Industrialismus“[4] für die Entstehung und Entwicklung des Wohlfahrtsstaates verantwortlich macht.

Durch die Industrielle Revolution wandelte sich die Gesellschaft von agrarisch zu industriell geprägt. Dieser Wandel führte laut dieses Ansatzes zum Verfall der traditionellen Sicherungssysteme, also zum Beispiel der Familie.[5] Des Weiteren traten durch das starke Wachstum der Gesellschaft, Landflucht und die steigende Lebenserwartung der Bevölkerung neue Probleme auf. Diese Probleme konnten laut dieser Theorie nicht mehr zum Beispiel durch die Familie abgefangen werden. Ein neues Sicherungssystem musste an diese Stelle treten. Also lässt sich nach diesem funktionalistischen Ansatz sagen: „Der Sozialstaat kam in die Welt, weil es seiner bedurfte.“[6]

Dieser Ansatz folgt außerdem in Bezug auf die Entwicklung von Wohlfahrtsstaaten der Annahme, dass die Ausbildung des Sozialstaates in Abhängigkeit zur wirtschaftlichen Entwicklung steht.[7] Das bedeutet, dass die Sozialausgaben mit dem Brutto-Inlands-Produkt (BIP) steigen.

Ein zweiter Erklärungsansatz im Bereich der Funktionalistischen Schule sieht die „unentrinnbare Logik des Kapitalismus“[8] als Ursache für die Entstehung und Entwicklung des Wohlfahrtsstaates. Das System des Kapitalismus versucht sich selbst vor der Zerstörung zu schützen.[9] Das bedeutet, dass der Wohlfahrtsstaat die Bevölkerungsmassen ruhig stellt, um das System des Kapitalismus zu erhalten. Ein weiterer Aspekt dieser These besagt, dass der Wohlfahrtsstaat den Kapitalismus nicht nur schützt, sondern auch belastet. Denn die steigenden Ausgaben für den Sozialstaat stünden „den Verwertungsinteressen ‚des Kapitals’ im Wege“[10].

Als eine Erweiterung dieser Theorie sind noch die modernisierungstheoretischen Ansätze zu nennen. Diese besagen, dass nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung dazu führte, dass ein Sozialstaat benötigt wurde. Die kulturellen und politischen Modernisierungsprozesse, Ullrich nennt als Beispiel die Säkularisierung und die Demokratisierung, hätten ein neues Sicherungssystem erfordert.[11] Das bedeutet, dass zum Beispiel durch Trennung von Staat und Kirche, der Staat nun auch soziale Aufgaben der Kirche hätte übernehmen müssen. Darüber hinaus habe die Modernisierung des Wohlfahrtsstaats in logischer Weise dann neue Vorrausetzung für weitere Erneuerung geschafft.[12]

2.2 Interessen- und konflitkttheoretische Schule

Von der absolut von politischen Akteuren abgewandten Theorie kommen wir nun zu einem laut Lessenich „akteursorientiertem und politiksensibleren Erklärungsmuster des Sozialstaats“[13]. Diese Schule versucht die unterschiedliche Entwicklung von Wohlfahrtsstaaten mit den unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen und Machtverhältnissen, die in einem Staat existieren, zu erklären.[14]

In dieser Theorie nimmt die Demokratisierung eine zentrale Rolle ein.[15] Durch diese Demokratisierung des politischen Systems sei es der Arbeiterschaft möglich geworden, mit „der Macht der großen Zahl“[16] Einfluss auf die Politik zu nehmen und ihre Interessen gegenüber der Unternehmerseite durchzusetzen. Diesem Ansatz liegt laut Lessenich die Feststellung zu Grunde, dass in Folge von Wahlkämpfen die Ausgaben für Soziales gesteigert wurden.[17] Gegen diese „Demokratiethese“[18] spricht laut Ullrich, dass die Entstehung des Wohlfahrtsstaates meist in eher autoritären Staaten begann.[19]

[...]


[1] Focus 22.09.10

[2] Lessenich 2009 S. 38

[3] Vgl. Lessenich 2009 S. 39

[4] Ullrich 2005 S. 28

[5] Vgl. Lessenich 2009 S. 39

[6] Lessenich 2009 S. 39

[7] Vgl. Ullrich 2005 S. 29

[8] Lessenich 2009 S. 41

[9] Vgl. Ullrich 2005 S. 29

[10] Ullrich 2005 S. 29

[11] Vgl. Ullrich 2005 S. 30

[12] Vgl. Ullrich 2005 S. 30

[13] Lessenich 2009 S. 43

[14] Vgl. Ullrich 2005 S. 30

[15] Vgl. Lessenich 2009 ??

[16] Lessenich 2009 S. 40

[17] Ullrich 2005 S. 31

[18] Ullrich 2005 S. 30

[19] Vgl. Ullrich 2005 S. 31

Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640819973
ISBN (Buch)
9783640822935
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166294
Note
Schlagworte
Sozialstaat Wohlfahrtsstaat Nachkriegszeit Adenauer Rentenreform 1957

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