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Massenmedien in der DDR - Struktur und Funktion

Hausarbeit 2003 15 Seiten

Soziologie - Medien, Kunst, Musik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Grundsätzliche Vorbetrachtungen
1.1. Pressefreiheit in der DDR
1.2. Die Leninsche Pressetheorie

2. Die Printmedien
2.1. Die normative Dimension
2.2. Die materielle Dimension
2.3. Die inhaltliche Dimension

3. Der Hörfunk
3.1. Die normative Dimension
3.2. Die materielle Dimension
3.3. Die inhaltliche Dimension

4. Das Fernsehen
4.1. Die normative Dimension
4.2. Die materielle Dimension
4.3. Die inhaltliche Dimension

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Arbeit untersucht inwieweit die Aufbau-, Inhalts- und Angebotsstrukturen der Massenmedien in der DDR, der Manipulation und Kontrolle des Informations- und Unterhaltungsangebotes dienten und welche wesentlichen Ziele durch die Strukturierung verfolgt wurden.

In drei Hauptblöcken stehen die Medien Presse, Radio und Fernsehen im Fokus der Untersuchung. Innerhalb dieser Blöcke findet folgende dreidimensionale Betrachtung statt.

Aus Sicht der normativen Dimension werden die gesetzlichen Fundamente für den jeweiligen Hauptabschnitt betrachtet und die damit im Zusammenhang stehenden Institutionen vorgestellt. Die materielle Ebene verschafft dem Leser einen Überblick über die vorhandenen Ausprägungen des betreffenden Medienzweiges. Die dritte Betrachtungsebene schließlich beschreibt die strukturelle Beschaffenheit des Inhaltes aus einer „Overhead-Position“ anhand von Beispielen.

Im Text wurden Struktur und Funktion als Ursache-Wirkung Prinzip behandelt, d.h. die Struktur gilt als Grundlage für die daraus resultierende Funktion. Deren Betrachtung wiederum erfolgte jeweils aus dem Blickwinkel der gewünschten und der tatsächlich aufgetretenen Effekte.

Ein Anspruch auf Vollständigkeit aller relevanten Fakten kann und wird vom Autor nicht erhoben. Ziel ist es dem Leser den wesentlichen Aufbau, die rechtlichen Hintergründe und die grobe Inhaltsstruktur des DDR-Mediensystems nahe zu bringen. Hierbei steht im Mittelpunkt immer der Aspekt der staatlichen Kontrolle. Die untersuchten Zusammenhänge werden überblicksartig, oft nicht chronologisch präsentiert. Dies war hier möglich, da das Mediensystem der DDR in seiner Gesamtheit wenigen Änderungen unterlag. Infolgedessen dürfen genannte Beispiele aus den verschiedensten Jahren als durchaus repräsentativ für den gesamten Betrachtungszeitraum angenommen werden.

Zur Recherche dienten soziologische Fachliteratur, DDR-spezifische Lexika und das Internet, aber auch eigene Erlebnisse und Erfahrungen mit der Thematik sind eingeflossen.

1. Grundsätzliche Vorbetrachtungen

1.1. Pressefreiheit in der DDR

Das Thema Massenmedien und der damit verbundene Informationstransfer sind eng verknüpft mit den Individualrechten Meinungs-, Presse- und Informationsfreiheit. „Westliche Vorstellungen von Medienpolitik basieren auf dem Konzept der pluralistischen Demokratie; deren gesellschaftliche Bedingungen und Ideale liegen der Terminologie zugrunde.“ (R. Geserick, 1989,S. 32).Die Bedeutung des oben genannten Rechtsgutes war der Staatsführung der DDR offensichtlich bewusst. Meinungs- und damit Medienfreiheit waren im höchsten staatlichen Gesetz verbrieft. Bemerkenswerterweise wird in der ersten Verfassung von 1949 sogar explizit auf das Nicht Stattfinden einer Pressezensur verwiesen. (siehe Verfassung der DDR i. d. Fassung vom 07.10.1949 zitiert nach www.documentarchiv.de). Obwohl diese eindeutige Formulierung später gestrichen wurde, blieb Art. 27 mit folgendem Wortlaut: „(1) Jeder Bürger der Deutschen Demokratischen Republik hat das Recht, den Grundsätzen dieser Verfassung gemäß seine Meinung frei und öffentlich zu äußern. Dieses Recht wird durch kein Dienst- oder Arbeitsverhältnis beschränkt. Niemand darf benachteiligt werden, wenn er von diesem Recht Gebrauch macht.“( Verfassung der DDR i. d. Fassung vom 06.04.1968, zitiert nach www.uni-potsdam.de , 1998) bis zum Zusammenbruch der DDR gültig. Formal existierte also Presse- und Meinungsfreiheit. Es ergab sich jedoch eine de facto Zensur durch den ebenfalls konstitutionell verankerten Führungsanspruch der SED. Dieser durfte keineswegs infrage gestellt oder diskutiert werden. Mit dem Ziel seiner Sicherung und Durchsetzung entstanden subtile und sehr offensichtliche Lenkungsmechanismen im gesamten Spektrum der Öffentlichkeitsarbeit.

1.2. Die Leninsche Pressetheorie

Die Grundlage der Funktion der Massenmedien in der DDR bildete die marxistisch-leninistische Pressetheorie, die ihre Ursprünge in den 1840’ern hatte. (vgl. Sandford.1976,S. 185) Die Vorstellungen einer „freien Volkspresse“ von Marx und Engels wurden aber nur soweit umgesetzt wurden, wie sie in das Machtschema der Regierung passten. „Die Äußerungen von Marx und Engels zur Pressefreiheit unterschlägt die SED.“(G. Holzweißig, 1989 , S. 47)

Wichtiger wurden die theoretischen Erwägungen Lenins zum kommunistischen Umgang mit Massenmedien, speziell der Presse, erachtet. Nach den Grundsätzen seiner Theorie soll die Presse „kollektiver Propagandist“, „kollektiver Agitator“ und „kollektiver Organisator“ sein.

Wie diese abstrakte Formulierung in der Realität aussehen soll, beschreibt Gunter Holzweissig kurz und treffend: „Als Propagandist sollen die Medien die kommunistische Ideologie verbreiten. In der Funktion des Agitators gilt es, die Tagespolitik der SED zu unterstützen und die Werktätigen zu höheren Leistungen anzuspornen. Als Organisator schließlich obliegt es den Medien, anleitend und kontrollierend die Durchführung der von der Partei gefassten Beschlüsse sowie die aufgestellten Wirtschaftspläne zu überwachen.“ (G. Holzweißig, ebenda)

2. Die Printmedien

2.1. Die normative Dimension

Wenn von Individualrechtsverletzungen in der DDR die Rede ist, so scheinen viele Menschen geneigt, diesen Staat als einen rechtsfreien Raum zu betrachten. Dies mag faktisch teilweise stimmen, formal war dem nicht so. Die DDR verfügte durchaus über ein Rechtssystem, mit einer Logik, nach der es arbeitete. Gleichwohl die Intentionen der Legislative streitbar bleiben. Die Entstehung (auf materieller wie intellektueller Ebene) und der Vertrieb von Presseerzeugnissen funktionierten nach normativen Grundsätzen, die Teile dieses Regelwerkes waren. Die Schaffung von staatlichen Instanzen war die Grundlage der Organisation, aber auch der Steuerung und Lenkung des Pressewesens der DDR. Im Folgenden werden die Wichtigsten von ihnen beschrieben.

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Details

Seiten
15
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638214254
Dateigröße
369 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v16638
Institution / Hochschule
Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (ehem. Hochschule für Wirtschaft und Politik) – Fachgebiet Soziologie
Note
2,25
Schlagworte
Massenmedien Struktur Funktion

Autor

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Titel: Massenmedien in der DDR - Struktur und Funktion