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Die solonischen Reformen

Ein demokratischer Reformansatz?

Seminararbeit 2007 14 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die solonischen Reformen

4. Fazit

5. Quellenverzeichnis

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Neben Solon können sich nur wenige andere Vertreter des politischen Lebens der Antike einer solch positiven Einschätzung der Nachwelt rühmen. Als politischer Pragmatiker und Reformer, als Staats- und Gesellschaftsanalytiker, aber auch als Dichter, Philosoph und Redner aus Athen genießt er bis heute ein hohes Ansehen. Gar als Begründer der Demokratie wird er in Aristoteles Werk „Athenaion Politeia - Die Verfassung der Athener“ gepriesen1. Unbestritten, dass durch die solonischen Reformen eine allgemeine Entschuldung des Kleinbauerntums (Seisachtheia) eingeleitet und einem Großteil der athenischen Bevölkerung die Beteiligung am politischen Leben ermöglicht wurde. Aber ein demokratischer Reformer? Ein Politiker, der wollte, dass alle Macht vom Volk ausgeht? Ein Mann, der, wie in der Demokratie als Grundsatz verankert, alle Menschen als gleichberechtigt ansah? Wie die Beteiligung der Bevölkerung Athens an der Politik wirklich aussah, welche Bevölkerungsschichten, im Zuge der Reformen Solons, welche politischen Rechte zugesprochen bekamen und inwieweit diese Veränderungen demokratische Verhältnisse schufen oder nicht, mit diesen Fragen werde ich mich in der folgenden Hausarbeit eingehend beschäftigen und ebenso versuchen dieselben am Schluss aufzulösen..

Aber ich werde mich ebenso ganz allgemein mit den solonischen Reformen auseinandersetzen und „anreißen“, warum diese nötig waren und welche Auswirkungen sie hatten. Durch den beschränkten Rahmen dieser Arbeit wird es mir allerdings nicht möglich sein alle Aspekte des Ursprungs, des Inhalts und der Auswirkungen derselben, mit einfließen zu lassen und somit werde ich einige Punkte nur kurz erwähnen oder gänzlich außer Acht lassen.

Mit kritischem Blick auf die Quellenliteratur, die zum großen Teil aus Aristoteles’ oben genanntem Werk und Fragmenten aus Solons politischen Elegien2 und seines Gesetzbuches besteht, wobei beide Werke Solons Taten überaus positiv, wenn nicht gar wie in Aristoteles’ Fall als demokratisch darstellen und unter Zuhilfenahme aktueller Forschungsmeinungen, wird es auf den folgenden Seiten meine Aufgabe sein, dem Leser eine wissenschaftliche Sicht der Dinge darzubieten und letztendlich zu bewerten ob und wenn ja, inwieweit die solonischen Reformen Ansätze demokratischer Veränderungen enthielten, wie dies von manchen Historikern behauptet wird3 oder doch „nur“ ein Glied in einer Kette von politischen Ereignissen waren, die der damaligen Realität Rechnung trugen beziehungsweise aus dieser resultierten.

2. Die solonischen Reformen

Den solonischen Reformen ging eine instabile Zeit in Athen voraus, die man als die vorsolonische Krise bezeichnet.4 Diese Krise reduziere ich der Einfachheit halber auf zwei zentrale Probleme der damaligen Zeit.

Zum einen resultierten aus dem Versuch Kylons in Athen eine Tyrannenherrschaft zu etablieren (um 630 v. Chr.), Machtkämpfe zwischen rivalisierenden Adelshäusern, die nur teilweise durch die Gesetzgebung Drakons, die unter anderem einen Gerichtszwang zur Unterbindung blutiger Fehden vorsah, ihr Ende nahmen. Zum anderen herrschte unter der ländlichen Unterschicht finanzielle Not. Die Ursachen dieser Not lagen vor allem in der aus dem Erbecht resultierenden Parzellierung des Bodens sowie im Schuldrecht. Das heißt, die Bauern mussten im Falle des Todes ihr Land aufteilen um allen Söhnen ein gleich großes Stück garantieren zu können. Durch diese Art des Erbrechts ist der Grundbesitz der Bauern mit der Zeit immer weiter geschrumpft. Hatte ein Bauer mal eine schlechte Ernte zu verzeichnen, musste er sich Getreide vom reicheren Nachbarn leihen, was oft den Einstieg in den Schuldkreislauf bedeutete.5 Jedenfalls hatte die Verschuldung des Kleinbauerntums um 600 ein bedenkliches Ausmaß angenommen. Der Gläubiger hatte im Falle der Verschuldung die Möglichkeit den Schuldner für sich arbeiten zu lassen oder als Schuldsklaven zu verkaufen.

Weiterhin bestand die Möglichkeit den Schuldner zu regelmäßigen Abgaben seiner Ernte zu verpflichten. Diese Abgaben betrugen wohl den sechsten Teil ihrer Erträge, da die verschuldeten Bauern als Hektemoroi („Sechsteiler“) bezeichnet wurden. Aufgrund der Tatsache, dass die Kleinbauern durchweg kleine Bodenparzellen bearbeiteten, muss dies für den Großteil von Ihnen eine recht drückende Belastung gewesen sein.6 Die Nutznießer dieser Situation waren die adligen Grundbesitzer, die somit selbst bei schlechter Ernte noch Überschuss vorweisen konnten und damit großen Reichtum auf sich konzentrierten.

Solon (um 640-560 v. Chr.), welcher einer der ehrenwertesten, aber nicht besonders reichen Familien Athens entstammte, war den Athenern schon vor seinem Amt als Archon aus zwei Gründen bekannt. Zum einen entfachte er durch seine Elegien einen neuen Krieg mit den Megariern7 um die Insel Salamis:

„Auf gen Salamis! Lasst um die köstliche Insel uns kämpfen!“ Denn die drückende Schmach von uns zu schütteln ist Zeit.“8

Diesen Krieg konnten die Athener unter Solons Führung für sich entscheiden.

Zum anderen verschaffte er sich Ansehen beim Volk durch Kritik an der eben angesprochenen, krisenhaften Situation jener Zeit9 und der Maßlosigkeit des Adels:10

„Aber sie selbst, die Bürger, verlockt von der Gier nach dem Golde, wollen der glänzenden Stadt Macht vernichten im Wahn; ruchlos ist die Gesinnung der Führer des Volkes, doch denen hat schon das Schicksal bestimmt wegen solch frevelnden Muts endlose Leiden zu dulden; sie wissen ja niemals die Lüste maßvoll zu zügeln und nie sich zu bescheiden beim Mahl.

Reichtümer schachern sie all’, achten Gesetz nicht noch Recht.

Weder von heiligem Gut, noch von des Staates Besitz lassen die Finger sie weg, sie rauben und stehlen, wo’s angeht.“

Die Verschuldung des Kleinbauerntums bezeichnete er als „schmachvolle Knechtschaft“11 und thematisierte sie in seinen Gedichten:

„Solches Übel geht um im Volk; und Scharen Verarmter kommen als Sklaven verkauft heimatlos weit in die Welt.“12

[...]


1 Aristoteles, Die Verfassung der Athener, übs. von P. Gohlke, Paderborn 1958, 9, 1-2

2 Gedichte

3 Busolt, Georg, Griechische Geschichte bis zur Schlacht bei Chaeroneia, Die ältere attische Geschichte und die Perserkriege, in: G. Busolt, [Hrsg.], Handbücher der alten Geschichte, Band II, Hildesheim 21967, S. 294

4 Welwei, Karl-Wilhelm, Die griechische Polis, Stuttgart 21998, S.140

5 Gschnitzer, Fritz Griechische Sozialgeschichte, von der mykenischen bis zum Ausgang der klassischen Zeit, Wiesbaden 1981, S. 76

6 Welwei, Karl-Wilhelm, Die griechische Polis, Stuttgart 21998 S. 142

7 Einwohner der Stadt Megara

8 Solon Fr. 2 D übs. von H. Fränkel, Dichtung und Philosophie des frühen Griechentums, München 21962

9 Brandt, Hartwin, Solon, in: Brodersen, Kai,[Hrsg.], Grosse Gestalten der griechischen Antike, 58 historische Portraits von Homer bis Kleopatra, München 1999

10 Solon Fr. 3 D, übs. von E. Preime, Solon: Dichtungen, München 21945

11 Solon Fr. 24 D, übs. von H. Fränkel, Dichtung und Philosophie des frühen Griechentums, München 21962

12 Solon Fr.3 D, übs. von E. Preime, Solon: Dichtungen, München 21945 13 Vgl. Anm. 9

Details

Seiten
14
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640857319
ISBN (Buch)
9783640858033
Dateigröße
400 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166482
Institution / Hochschule
Universität Paderborn – Historisches Institut
Note
2
Schlagworte
Altgriechenland Solon Solonische Reformen Athenaion Politeia - Die Verfassung der Athener Demokratie

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Titel: Die solonischen Reformen