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Außerschulische Präventions- und Interventionsmaßnahmen gegen Übergewicht und Adipositas

Kritische Reflexion und Ansätze zur Anwendung in der schulischen Praxis

Examensarbeit 2010 77 Seiten

Sport - Sportmedizin, Therapie, Prävention, Ernährung

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung
2.1. Definition und Abgrenzung der Begriffe Adipositas und Übergewicht
2.2. Diagnostik
2.2.1. Body Mass Index (BMI)
2.2.2. Weitere Diagnostische Verfahren

3. Prävalenz von Adipositas und Übergewicht im Kindes- und Jugendalter

4. Ursachen
4.1. Genetische Faktoren
4.2. Fehlerhafte Ernährung
4.3. Bewegungsmangel
4.4. Adipogene Umweltfaktoren
4.4.1. Gesellschaft
4.4.2. Familie
4.4.3. Psychologische Einflüsse
4.4.4. Medienkonsum
4.4.5. Zwischenfazit

5. Konsequenzen von kindlicher Adipositas und Übergewicht
5.1. Körperliche Konsequenzen
5.2. Psychosoziale Folgen
5.3. Zwischenfazit

6. Außerschulische Präventions- und Interventionsprojekte
6.1. PowerKids (AOK)
6.2. FITOC (Freiburg Intervention Trial for Obese Children)
6.3. Obeldicks ( Vestische Kinderklinik)
6.4. Walking Bus
6.5. PAPI (Uni Paderborn)

7. Kritische Reflexion der Projekte

8. Ansätze zur Anwendung in der schulischen Praxis

9. Fazit und Ausblick

10. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1. BMI-Perzentil-Kurven für deutsche Mädchen (0-18 Jahre) (Wirth, 2008, S. 374)

Abb. 2. BMI-Perzentil-Kurven für deutsche Jungen (0-18 Jahre) (Wirth, 2008, S. 375)

Abb.3. Phänomenologie der abdominalen (androiden, zentralen, viszeralen) und der peripheren (gynoiden, gluteal-femoalen) Adipositas. Beide Formen sind sowohl bei Frauen als auch bei Männern möglich (Wirth, 2008, S. 11)

Abb.4. 13- und 15-jährige europäische Heranwachsende, die gemäß BMI übergewichtig/adipös sind (Brettschneider & Naul, 2004, S.105)

Abb. 5. Übergewicht bei Jungen und Mädchen (Kurth, 2010, S. 238) Abb. 6. Adipositas bei Jungen und Mädchen (Kurth, 2010, S. 238)

Abb. 7. Die Häufigkeit von Adipositas bei Jungen und Mädchen nach Alter, Geschlecht und Migrationshintergrund (Kurth, 2010, S. 379)

Abb. 8. Die Häufigkeit von Adipositas bei Jungen und Mädchen nach Alter, Geschlecht und Sozialstatus (Kurth, 2010, S. 379)

Abb. 9. Zusammenhang zwischen Fernsehen/Video und Adipositas bei 11- bis 13-jährigen und 14- bis 17-jährigen Jungen und Mädchen (Lampert, Sygusch & Schlack, 2007, S. 650)

Abb. 10. Ablauf und Komponenten der Adipositas-Schulung Obeldicks (Reinehr et al., 2003, S. 17)

Abb. 11. Modularer Aufbau des PAPI-Projekts (Brettschneider & Heseker, 2009, S.)

Tabellenverzeichnis

Tab. 1. Klassifikation des Übergewichts bei Erwachsenen nach den Leitlinien der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (Wechsler., 2003, S. 59)

1. Einleitung

Das Thema Gesundheit hat in den letzten Jahren eine gesteigerte mediale Aufmerksamkeit erfahren. Besonders die Übergewichts- und Adipositasproblematik bei Kindern ist in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Die Entwicklung ist dramatisch. Die Prävalenzen sind in den letzten 20 Jahren um 50 % gestiegen. Heute leidet schätzungsweise jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche an Übergewicht beziehungsweise Adipositas.

Die Folge ist ein erhöhtes Risiko für Folgekrankheiten. Krankheitsbilder wie Bluthochdruck, Diabetes Mellitus Typ II, Fettstoffwechselstörungen sind bei adipösen Kindern keine Ausnahme. Mangelndes Selbstwertgefühl ist in einer Gesellschaft, die Übergewichtige diskriminiert, die Folge. Insgesamt ist die Lebensqualität übergewichtiger Kinder gemindert. Auch die Folgen für Gesellschaft und Gesundheitssystem sind unübersehbar. Bereits heute wird ein Drittel der Kosten des Gesundheitssystems für ernährungsbedingte Krankheiten aufgewendet. Hinzu kommen Einkommens- und Produktionseinbußen des Staates und der Wirtschaft aufgrund von Krankheitsausfällen. Denn die Wahrscheinlichkeit, das Übergewicht in das Erwachsenenalter zu überführen, ist hoch.

Die WHO bezeichnet heute Adipositas als die erste globale Epidemie des 21. Jahrhunderts. Die Bedingungsfaktoren des Übergewichts und der Adipositas sind weitestgehend bekannt. Genetik, fehlerhafte Ernährung, Bewegungsmangel und soziale Faktoren sind Ursachen, die den betroffenen Kindern und Jugendliche nicht angelastet werden können, sondern ihren Ursprung meist im Umfeld des Kindes haben.

Als Teilziel dieser Arbeit gilt es, Übergewicht im Allgemeinen und Adipositas im Besonderen als Krankheit begreifbar zu machen.

Was bedeuten die beiden Begriffe im Einzelnen? Wie sehr ist die Verbreitung fortgeschritten? Was sind die Ursachen und welchen Konsequenzen sind die Betroffenen ausgesetzt? Als zentrales Motiv der Arbeit gilt es herauszustellen, welche Projekte zur außerschulischen Prävention und Intervention bereits initiiert wurden und inwieweit diese sinnvoll erscheinen. Welche Maßnahmen ergreifen Krankenkassen, Krankenhäuser oder Universitäten? Die Projekte sollen vorgestellt und kritisch hinterfragt werden. Daran schließt sich eine Erörterung darüber an, inwiefern einzelne Maßnahmen oder gar ganze Konzepte sich für die Verwendung in der Schule eignen.

Daher lautet der Titel der Arbeit:

Außerschulische Präventions- und Interventionsmaßnahmen gegen Übergewicht und Adipositas - Kritische Reflexion und Ansätze zur Anwendung in der schulischen Praxis Die vorliegende Arbeit gliedert sich wie folgt:

Zunächst gilt es im zweiten Kapitel die beiden Begriffe Adipositas und Übergewicht zu definieren, voneinander abzugrenzen und die gängige Diagnostik vorzustellen. Anschließend wird auf die aktuelle Prävalenzzahlen (Kapitel 3) eingegangen und die Ursachen werden (Kapitel 4) erläutert. Diese lassen sich in Genetik, fehlerhafte Ernährung, Bewegungsmangel und Umweltfaktoren, wozu die Veränderung der Lebenswelt von Kindern, Medienkonsum und der soziale Status des Umfeldes zu zählen sind, gliedern.

Im fünften Kapitel wird auf die Konsequenzen kindlicher und juveniler Adipositas und des Übergewichts eingegangen, um im Anschluss die Präventions- und Interventionsprojekte PowerKids (AOK - Allgemeine Ortskrankenkasse), FITOC (Freiburg Intervention Trial for Obese Children), Obeldicks, Walking Bus und PAPI (Universität Paderborn) vorzustellen (Kapitel 6) und kritisch zu reflektieren (Kapitel 7).

Im letzten Teil der Arbeit (Kapitel 8) wird darüber diskutiert, welche der präsentierten Konzepte Ansätze bieten, die in die Schule implementiert werden können.

Im Fazit werden die wichtigsten Erkenntnisse kompakt zusammengefasst und auf Basis derselben wird ein thematischer Ausblick vollzogen.

2. Begriffsbestimmung

2.1. Definition und Abgrenzung der Begriffe Adipositas und Übergewicht

Der Begriff Adipositas wird vom lateinischen Wort „adeps=fett“1 abgeleitet. Im Allgemeinen wird der Begriff mit Fettleibigkeit oder Fettsucht übersetzt beziehungsweise der übermäßigen Vermehrung und Bildung von Fettgewebe. Dies ist aus zwei Gründen problematisch. Zum einen wird das Wort Fett von vielen Betroffenen als kränkend empfunden. Zum anderen ist der Begriff Sucht in diesem Zusammenhang nicht sachgemäß, da die Betroffenen nur in den seltensten Fällen süchtig nach Essen, geschweige denn nach Fett sind (vgl. Wirth, 2003, S. 3).

Nach Kromeyer-Hauschild (2005a, S.4) liegt eine Adipositas dann vor, „wenn der Anteil des Fettgewebes an der Gesamtkörpermasse über eine definierte Grenze kritisch erhöht ist.“ Auf die Grenzwerte wird im Kapitel Diagnostik näher eingegangen.

Die Begriffe Adipositas und Übergewicht werden oftmals synonym verwendet, obwohl dies aus wissenschaftlicher Sicht nicht korrekt ist und eine saubere Trennung erfolgen sollte. Denn Übergewicht besagt, dass das körperhöhenbezogene Körpergewicht ein bestimmtes Maß übersteigt, das heißt, der Betroffene weist ein zu hohes Gewicht in Relation zu seiner Körpergröße auf. Als übergewichtig gilt ein Kind dann, wenn dessen Gewicht über dem Referenzwert (Normalgewicht) liegt. Dieser Referenzwert für das Normalgewicht ist so angesetzt, dass die meisten Kinder desselben Alters, Geschlechts und derselben Größe sich um diesen Wert herum wiederfinden. Es ist ein Durchschnittswert (vgl. Kromeyer-Hauschild, 2005a, S. 4).

Ein Sportler kann somit als übergewichtig eingestuft werden, da Sportler zum einen je nach ausgeübter Sportart breiter gebaut sind, zum anderen Muskeln mehr wiegen als Fett. Für Adipositas hingegen ist eine erhöhte Fettmasse ausschlaggebend. Somit sind Adipositaserkrankte stets auch übergewichtig, nicht alle Übergewichtigen sind aber adipös. Das heißt, für die Definition ist einerseits die Bestimmung der Fettmasse und andererseits die Festlegung ab welchem Ausmaß eine erhöhte Fettmasse vorliegt, erforderlich (vgl. Kromeyer- Hauschild, 2005a, S. 4).

2.2. Diagnostik

Aus klinischer Sicht ist die Bestimmung der Köperzusammensetzung im Wesentlichen aus zwei Gründen notwendig. Zum einen sind für die Entstehung von kardiovaskulären2 Risikofaktoren nicht das Körpergewicht, sondern die Körperfettmasse beziehungsweise die Fettverteilung entscheidend. Zum anderen sind therapeutische Methoden zu bevorzugen, die besonders das viszerale3 Fett vermindern (Wirth, 2008a, S. 21).

2.2.1. Body Mass Index (BMI)

Gewicht und Größe charakterisieren allgemein den Ernährungszustand eines Menschen. Die Messung von Gewicht und Größe ist sehr genau. Der Body Mass Index - Quotient aus Körpergewicht (in Kilogramm) und dem Quadrat der Körpergröße (in Meter) - ist ein um die Körpergröße korrigiertes Maß des Körpergewichtes. Der BMI unterscheidet nicht zwischen Fettmasse und fettfreier Masse (vgl. Müller, Mast, Bosy-Westphal & Danielzik, 2003, S.30). Er ist ein Näherungsmaß zur Ermittlung des Körperstatus (Bünemann, 2008, S.10). Die Klassifizierung der Adipositas nach dem BMI ist immer dann unzureichend, wenn Personen hinsichtlich ihres Körperfettgehaltes nach oben (muskulär dystrophe Personen) oder unten (z.B. Krafttrainierte) abweichen. Das heißt, der BMI unterschätzt die Fettmasse bei Älteren, Muskelschwachen und Patienten mit Ödemen und überschätzt die Fettmasse z. B. bei Krafttrainierten (Wirth, 2008a, S.21).

Besonderheiten bei der Klassifizierung des Körperstatus mittels des BMI ergeben sich im Heranwachsendenalter. Während im Erwachsenenalter anhand des Morbiditäts4 - und Mortalitätsrisikos5 eindeutige Grenzen zur Bestimmung von Übergewicht (BMI>25 kg/m²) und Adipositas (BMI>30 kg/m²) festgelegt werden können, ist diese Verfahrensweise bei Heranwachsenden nicht möglich. Im Gegensatz zu Erwachsenen variieren bei Heranwachsenden sowohl BMI als auch Körperzusammensetzung entwicklungs- und reifebedingt in Abhängigkeit zum Alter und Geschlecht. Denn aufgrund des Größenwachstums und der Pubertät, die Veränderungen im Verhältnis von Muskel- und Knochenmasse zu Fettmasse bedingen, müssen im Heranwachsendenalter alters- und geschlechtsspezifische Besonderheiten berücksichtigt werden (vgl. Kopczinski, 2008, S. 26; Bünemann, 2008, S.11).

Tab. 1. Klassifikation des Übergewichts bei Erwachsenen nach den Leitlinien der Deutschen AdipositasGesellschaft (Wechsler., 2003, S. 59).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Daher empfehlen Experten (z. B. AGA, 2004; British Medical Association, 2005; Cole et al., 2000; Kromeyer-Hauschild et al., 2006; Wang & Lobstein, 2006; zitiert nach Bünemann, 2008, S. 11) die Klassifikation von Übergewicht und Adipositas im Heranwachsendenalter anhand alters- und geschlechtsspezifischer BMI-Perzentile. Für die Charakterisierung einer Referenzpopulation6 werden der Median (50. Perzentile) (Kromeyer-Hauschild, 2005b, S.7) sowie die 10., 90., 95. und 97. Perzentile verwendet. Menschen unterhalb der 10. Perzentile sind per Definition untergewichtig, während oberhalb der 90. Perzentile Übergewicht besteht. Liegt der BMI-Wert über der 97. Perzentile, dann ist die betreffende Person adipös (Müller et al., 2003, S. 33). Als extrem adipös werden die Heranwachsenden eingestuft, deren BMI oberhalb des 99.5 Perzentils liegt (Bünemann, 2008, S.14). Im Alltag hat sich die Verwendung des einfach zu errechnenden Body Mass Index (BMI) durchgesetzt, der die Fettmasse bei Erwachsenen abschätzt. Dieser war in den vergangenen Jahren zunehmend wissenschaftlicher Kritik ausgesetzt, da er die Fettverteilung im Körper nicht berücksichtigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1. BMI-Perzentil-Kurven für deutsche Mädchen (0-18 Jahre) (Wirth, 2008, S. 374).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2. BMI-Perzentil-Kurven für deutsche Jungen (0-18 Jahre) (Wirth, 2008, S. 375).

2.2.2. Weitere diagnostische Verfahren

Während es im Hinblick auf wissenschaftliche Fragestellungen möglich und ratsam ist, aufwändigere Methoden - z. B. Densitometrie, Dual-energy-X-ray-Absorptiometrie (DEXA), Bioelektrische Impendanzanalyse (BIA), Magnetresonanztomographie (MRT) - zur Bestimmung der Fettmasse zu verwenden, erfordert der klinische Alltag einfache und kostengünstige Methoden (Kromeyer-Hauschild, 2005a, S. 12).

Im Folgenden sollen die wichtigsten Verfahren zur Abschätzung des Körperfettanteils vorgestellt werden. Diese sind neben dem BMI die Dicke der Hautfalten und die Ermittlung der Umfänge.

Die Hautfaltendickenmessung wird mit einer Messzange, auch Caliper, durchgeführt. Mit Zeigefinger und Daumen einer Hand wird eine Falte, das heißt eine doppelte Schicht aus Epidermis, darunter liegender Faszie und dem Fettgewebe abgehoben und mit der Zange gemessen.

Laut Durnin und Womersley (1974) sind hierfür vier Messpunkte geeignet: über dem M. triceps (Rückseite des Oberarms zwischen Olekranon und Akromion), über dem M. Biceps (Vorderseite des Oberarms zwischen Ellbeuge und Akromion), subskapular (lateraler unterer Skapulawinkel) und suprailiakal (über der Crista iliaca in der mittleren Axillarlinie). Auch Messungen an anderen Körperstellen wie z. B. an Abdomen, Oberschenkel, Unterschenkel, und der vorderen Axillarlinie sind möglich. Aus der Summe der vier Messpunkte wird zunächst die Körperdichte und unter Verwendung der Siri-Formel die Körperfettmasse errechnet. Nach diesem Verfahren wird die subkutane7 Fettmasse ermittelt, die ca. 75 % der Gesamtkörperfettmasse ausmacht, deren Dicke aber von der Körperregion abhängt und nicht in jedem Fall repräsentativ für die Gesamtkörperfettmasse ist (vgl. Wirth, 2008a, S.25).

Das Hauptproblem liegt in der Kompression des zu untersuchenden Gewebes. Diese kann bis zu 40 % variieren. Da jedoch der Geräteaufwand minimal ist und die Hautfaltendickemessung für Feldversuche geradezu prädestiniert scheint, ist diese Methode zur Bestimmung der Körperfettmasse weit verbreitet (Wirth, 2008a, S.25).

Der Waist to Hip Ratio eignet sich zur Diagnose, da er die Verteilung der Fettdepots bestimmt. Denn diese determinieren das Gesundheitsrisiko ebenso wie das Ausmaß des Übergewichts. Das Risiko ist bei stammbetonter beziehungsweise abdominaler Fettverteilung wesentlich höher als bei hüftbetonter beziehungsweise gynoider Fettansammlung. Das Fettverteilungsmuster hat besonders bei Übergewicht (Adipositas Grad I) maßgeblichen Einfluss auf das Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko und muss deshalb bei der Abschätzung des Adipositas-assoziierten Gesundheitsrisikos berücksichtigt werden (Hauner, 1995, zitiert nach Wechsler, 2003, S. 61).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3. Phänomenologie der abdominalen (androiden, zentralen, viszeralen) und der peripheren (gynoiden, gluteal-femoalen) Adipositas. Beide Formen sind sowohl bei Frauen als auch bei Männern möglich (Wirth, 2008, S. 11).

Der Taillenumfang (waist) wird in der Mitte zwischen Rippenbogen und Beckenknochen gemessen. Der Hüftumfang (hip) in der Höhe des Trochanter major (seitlicher Hügel am oberen Ende des Oberschenkelknochens) beziehungsweise auf der Höhe der größten Breite gemessen. Aus der Formel Taille (cm) dividiert durch Hüfte (cm) errechnet sich der WHR. Ein erhöhtes Gesundheitsrisiko besteht bei Frauen ab einem Wert von 0,85, bei Männern ab 1,00 (Deutsche Adipositas-Gesellschaft, 1998, S. 2). In der ärztlichen Praxis ist die Frage nach der Therapienotwendigkeit und die Beurteilung des Risikos von Übergewicht bei den meisten Patienten ausreichend durch die Erhebung des Body Mass Index (BMI), die Ermittlung des Fettverteilungsmusters durch Messung des Taillen-Hüft-Umfanges (WHR) oder den „klinischen Blick“ des Arztes zu beantworten (Wechsler, 1998, S. 59).

3. Prävalenz von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter

Die Verteilung von Übergewicht und Adipositas hat in vielen Teilen der Welt gravierende Ausmaße angenommen. Zahlreiche Studien belegen diese Entwicklung (KiGGS, 2008; HBSC, 2004; Wang & Lobstein, 2006; zitiert nach Bünemann, 2008, S. 16).

Die erste weltweite Studie zu Prävalenzen von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter war die Health Behaviour in School-aged Children (HBSC) Studie von Currie et al.

(2004). Bei dieser Studie wurden 11-, 13- und 15-jährige in 35 Ländern untersucht. Je 1500 Personen pro Altersgruppe und Land. Problematisch ist hierbei das Prinzip der Selbstauskunft, da dieses mit Zufalls- und systematischen Fehlern behaftet ist. Daher liefert die HBSC-Studie keine idealen Daten für Übergewichts- und Adipositasprävalenzen.

Gemäß dieser Studie verzeichnet Nordamerika die höchsten Übergewichtsprävalenzen für 15- jährige Jungen mit 19-25 %. England, Schottland, Wales, Griechenland, Italien, Malta, Portugal folgen mit 15-25 %. Niedrigere Werte von 10-13 % verzeichnen die skandinavischen und zentraleuropäischen Länder. Die geringsten Prävalenzraten weist Osteuropa mit 4-13 % auf (vgl. Bünemann, 2008, S. 17).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.4. 13- und 15-jährige europäische Heranwachsende, die gemäß BMI übergewichtig/adipös sind (Brettschneider & Naul, 2004, S.105)

Wang und Lobstein führten 2006 eine Zusammenfassung weltweit verfügbarer Informationen zu Adipositas und Übergewicht durch (Lobstein & Frelut, 2003; Lobstein et al., 2004; Wang & Lobstein, 2006, zitiert nach Bünemann, 2008, S. 18) und kamen zu ähnliche Ergebnissen und geographischen Verteilungen wie die HBSC-Studie.

Demzufolge sind durchschnittlich 27,7 % der amerikanischen Schulkinder übergewichtig, gefolgt von europäischen Schulkindern, die Prävalenzwerte von 25,5 % aufweisen. Deutlich niedrigere Werte zeigen sich im Westpazifik (12 %) und Südostasien (10,6 %). In Afrika sind 1,6 % der schulpflichtigen Kinder übergewichtig. Auch was den Anteil der Adipositasbetroffenen an den Übergewichtigen betrifft, verändert sich die geographische Reihenfolge nicht, wobei auffällt, dass je höher die Übergewichtsprävalenzen in dem jeweiligen Land sind, desto höher ist auch der Anteil adipöser Kinder. So weisen in Südostasien mit 1,5 % und Afrika 0,2 % um die 10 % der Übergewichtigen einen Köperfettanteil auf, der sie als adipös klassifiziert. Im Westpazifik sind es 19 % der Übergewichtigen und somit 2,3 % Adipöse gemessen an der Gesamtbevölkerung. In Europa sind es mit 5,4 % und in Nordamerika mit 9,6 % Adipösen gemessen an der Gesamtbevölkerung rund 20 % bzw. 34,7 % der Übergewichtigen adipös. Auf der Basis der AGA-Perzentilen (Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter) sind in Deutschland zwischen 15 % der Schulkinder übergewichtig und 6,3 % adipös (Kromeyer-Hauschild & Wabitsch, o. J., S. 1). Diese Zahlen bestätigen die aktuell veröffentlichten Ergebnisse der KiGGS-Studie an fast 18.000 Kindern und Jugendlichen. In der BRD sind somit 800.000 Kinder adipös und 1,9 Millionen übergewichtig. Der Anteil der Übergewichtigen steigt von 9 % bei den 3- bis 6-Jährigen über 15 % bei den 7- bis 10-Jährigen bis hin zu 17% bei den 14- bis 17-Jährigen. Die Verbreitung von Adipositas beträgt bei den 3- bis 6-Jährigen 2,9 % und steigt über 6,4 % bei den 7- bis 10-Jährigen bis auf 8,5 % bei den 14- bis 17-Jährigen. Im Vergleich mit der Referenzpopulation aus den 1980er und 1990er Jahren hat sich der Anteil der übergewichtigen und adipösen Kinder und Jugendlichen um 50 % erhöht. Der Anstieg ist in den Altersgruppen unterschiedlich: Nach dem Schuleintritt nimmt der Anteil übergewichtiger Kinder schnell zu, bei den Jugendlichen hat sich dieser fast verdoppelt. Noch extremer ist die Situation bei Adipositas angesichts einer Verdreifachung des Anteils adipöser Jugendlicher (Kurth & Schaffrath, 2007, S. 737). Auch mehrere regionale Untersuchungen in Deutschland zeigen, dass die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen weiterhin deutlich ansteigt (vgl. Kromeyer-Hauschild, 1999, www.a-g-a.de, zitiert nach Reinehr, 2008, S.378).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5. Übergewicht bei Jungen und Mädchen (Kurth, 2010, S. 238).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6. Adipositas bei Jungen und Mädchen (Kurth, 2010, S. 238).

Die Zunahme der Prävalenz von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen beträgt in Deutschland gegenwärtig ca. 0,5-1 % pro Jahr und für Adipositas ca. 0,2-0,5 % pro Jahr (Reinehr, 2008, S. 379). Daraus ist zu schließen, dass die bisher durchgeführten präventiven Maßnahmen nicht ausreichen, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Doch diese Problematik ist nicht nur in Deutschland gegeben. Anhand aller in ihre Analyse eingeflossenen Daten kommen Wang und Lobstein (2006, zitiert nach Bünemann, 2008, S. 22) zu der Schlussfolgerung, dass die Übergewichts- und Adipositasprävalenzen in nahezu allen Industrienationen, für die Daten vorliegen, stetig steigen. Dabei hat sich die Ausbreitung in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten am gravierendsten entwickelt. Denn die Prävalenzraten steigen in zunehmendem Maße. So ist seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in mehreren großen Ländern eine Verdopplung bis Verdreifachung bei den übergewichtigen und adipösen schulpflichtigen Kindern und Jugendlichen zu verzeichnen. Auffalend dabei ist, dass Kinder aus den unteren sozialen Schichten und Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund, zwei Faktoren, die oft miteinander einhergehen, ein höheres Risiko haben, übergewichtig zu werden (Reinehr, 2008, S. 379).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7. Die Häufigkeit von Adipositas bei Jungen und Mädchen nach Alter, Geschlecht und Migrationshintergrund (Kurth, 2010, S. 379).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8. Die Häufigkeit von Adipositas bei Jungen und Mädchen nach Alter, Geschlecht und Sozialstatus (Kurth, 2010, S. 379).

Zudem gibt es Hinweise darauf, dass nicht nur die Zahl der adipösen Kinder, sondern auch deren Körpergewichte deutlich zugenommen haben. Anhand der verfügbaren Daten und empirischen Ergebnisse bezüglich des Ausmaßes der Verbreitung von Übergewicht und Adipositas ist die Verwendung der Begriffe Epidemie8 und Pandemie9 durchaus legitimiert (vgl. Bünemann, 2008, S. 26).

4. Ursachen

Die Entstehung und Aufrechterhaltung der Adipositas kann nur in einem mehrfaktoriellen, multiplen Modell verstanden werden (Fromme, 2002, S. 30). Neben genetischen Ursachen sind vor allen Dingen Bewegungsmangel und falsche Ernährung die Gründe für Übergewicht und Adipositas, das heißt, wenn über längere Zeiträume die Energiezufuhr den Energieverbrauch übersteigt (Hebebrand, Wermter & Hinney, 2008, S. 27). Die Gründe für Fehlernährung und Bewegungsmangel sind komplex und nicht beim Kind selber, sondern beim Umfeld des Kindes zu suchen. Denn Kinder empfinden Gesundheit als natürliches Gut und sind sich der Fehlernährung und des Bewegungsmangel nicht bewusst.

4.1. Genetische Faktoren

Eine Aussage über die Rolle der genetischen Ursachen für Übergewicht und Adipositas zu treffen, ist nicht einfach. Dass die Genetik eine Rolle spielt, ist unbestritten, aber wie hoch der qualitative Anteil ist, darüber herrscht kein Konsens.

Es trifft oft zu, dass übergewichtige Eltern übergewichtige Kinder haben und die familiäre Häufung der Adipositas ist nicht von der Hand zu weisen. Das Risiko für ein Kind adipös zu werden, wenn beide Eltern übergewichtig sind, liegt bei 80 %. Im Gegensatz dazu haben Kinder schlanker Eltern eine Wahrscheinlichkeit von nur 20 %, übergewichtig zu werden. Aber ob dies genetisch bedingt ist oder Umweltfaktoren als Ursache hat, hier besonders familiäre und soziale, sowie Verhaltensfaktoren, wie Ess- und Aktivitätsverhalten, ist nicht immer eindeutig festzustellen (Laessle, Lehrke, Wurmser, & Pirke, 2001, S. 9).

Die Ätiologie ist hierbei multifaktoriell. Bei einem Betroffenen tragen Umwelteinflüsse und mehrere bis hin zu vielen Genvarianten zu Entstehung und Verlauf der Störung bei. Adipositas kann mutmaßlich ohne genetische Veranlagung nicht entstehen. Die genetische Prädisposition resultiert aus der Wirkung aller Genvarianten eines Individuums auf Energiezufuhr, -aufnahme und -verbrauch. Hierbei haben einzelne Genvarianten (Allele) einen nur sehr kleinen, andere hingegen einen großen, quantitativen Einfluss auf das Körpergewicht. Die Allele wirken sich sowohl auf den Stoffwechsel als auch auf das Verhalten aus. Sie entscheiden mit darüber, wann, unter welchen Umweltbedingungen, über welche Mechanismen und in welchem Umfang Adipositas resultiert. Genetische Faktoren nehmen auch Einfluss auf Art und Schweregrad der Folgestörungen (vgl. Hebebrand et al., 2005, S. 28).

Jedoch wurde durch zahlreiche Zwillings-, Adoptions- und Familienstudien belegt, wie beispielsweise von Stunkard et al. (1986, zitiert nach Laessle et al., 2001, S. 9), die an großen Populationen durchgeführt wurden, dass der Body Mass Index adoptierter Kinder höher mit dem Gewichtsindex der biologischen als der Adoptiveltern korreliert, was für einen ausgeprägten genetischen Einfluss spricht.

Allison, Matz, Pietrobelli, Zanolli und Faith (1999) sind auf der Basis ihrer Recherchen zu dem Schluss gekommen, dass die Heritabilität10 in Zwillingsstudien bei 85 % liegt, in Adoptionsund Familienstudien bei 25 - 50 %. Hebebrand et al. (2005, S.31) schätzen, dass die Erblichkeit des BMI zwischen 50 - 80 % liegt.

Zunächst mag der Eindruck entstehen, dass die Genetik im Gegensatz zu Verhalten und Umweltbedingungen eine übergeordnete Rolle spielt. Allison et al. (1999) widerlegen diesen Eindruck, indem sie der Frage nachgegangen sind, wie hoch der Anteil des Adipositasanstiegs innerhalb einer Population ist, der ausschließlich auf genetische Faktoren zurückzuführen ist. Sie deuten darauf hin, dass ca. 10 % der Bevölkerung übergewichtig werden könnten, selbst wenn die Umweltbedingungen abträglich für eine Gewichtszunahme sind. Ein ähnlicher Prozentsatz der Bevölkerung würde selbst unter adipogenen Umweltbedingungen einen schlanken Körper haben (Bünemann, 2008, S. 45).

Bestätigt wird diese Annahme durch eine beispielhafte Studie an Pima-Indianern durch Ravussin, Valencia, Esparza, Benett & Schulz (1994, zitiert nach Bünemann, 2008, S. 45). Diejenigen Indianer, die in der Herkunftsregion der Pirma-Indianer in den Bergen Mexikos lebten, intensive Feldarbeit verrichteten und sich fettarm, kohlenhydratreich und niederkalorisch ernährten, wiesen einen BMI von 24,9 auf. Trotz weitgehend gleicher Gene wiesen die Pima-Indianer, die in Arizona lebten und in sich typisch westlich zivilisierter Weise anhand hochkalorischer, fett- und proteinreicher Lebensmittel ernährten, bei gleichzeitiger, relativ geringer körperlicher Aktivität, einen signifikant höheren BMI von 33,4 auf. Ausnahmen, bei denen eindeutig und nahezu ausschließlich die Genetik für Übergewicht und Adipositas verantwortlich zeichnet, sind spezielle Gendefekte und genetische Syndrome, wie zum Beispiel Mutationen im Leptin-Gen oder Prader-Willi-Syndrom, machen höchstens 2 % aller Fälle kindlicher und juveniler Adipositas aus (Roth, Lakomek, Müller & Harz, 2002, zitiert nach Bünemann, 2008, S. 47). Diese sehr seltenen genetischen Abweichungen können folglich nicht für den epidemischen Anstieg von Übergewicht und Adipositas verantwortlich gemacht werden. In diesem Sinne können genetische Faktoren nicht allein zu Adipositas führen. Das genetische Potenzial wird nur bei entsprechenden Umweltbedingungen und Verhaltensweisen wirksam (vgl. Laessle et al., 2001, S. 12).

Zusammenfassend lässt sich sagen, nur die Veranlagung wird vererbt, nicht das Gewicht, was wiederum bedeutet, dass Übergewicht und Adipositas kein unabänderliches Schicksal darstellen. Denn die erblichen Faktoren sind zwar für Anlage, Anzahl und Bildung der Fettzellen verantwortlich, aber die Größe der Fettzellen hängt ausschließlich von Energieaufnahme und -zufuhr ab.

Somit sind Nachkommen Adipöser nicht automatisch zu Übergewicht verdammt.

4.2. Fehlerhafte Ernährung

Nahrungsmittelauswahl und Ernährungsgewohnheiten der Kinder und Jugendlichen hängen stark von denen ihrer Eltern ab (Reinehr, 2008, S. 379). Bereits die Ernährung während der ersten Lebensmonate hat Auswirkungen auf den späteren Gewichtsstatus. Ergebnisse einer Querschnittstudie mit 13.345 Kindern aus Bayern deuten auf eine erhöhtes Risiko für eine Adipositas im Grundschulalter hin, wenn die Kinder als Säuglinge weniger als sechs Monate gestillt wurden (von Kries et al., 1999, zitiert nach Fromme, 2002, S. 33). Eine präventive Wirkung des Stillens für die Ausbildung einer Adipositas bei Kindern konnten auch Jensen, Mast und Müller (2000, zitiert nach Fromme, 2002, S. 33) belegen. Der Vorteil des Stillens wird darin gesehen, dass die Nahrungsaufnahme des Säuglings weniger abhängig von der Kontrolle der Mutter ist, denn bei der „Fläschchen-Ernährung“ wird häufig gefüttert, nur oder weil gerade eine Fläschchen vorbereitet wurde und bis es leer ist.

Prävalenz und Ausmaß der Adipositas korrelieren mit der Menge des konsumierten Fetts und dem Anteil gesüßter Getränke (Harnack, 1999, zitiert nach Reinehr, 2008, S. 379). Zu den fettreichen Nahrungsmitteln gehören auch viele Süßigkeiten und Fast-Food-Gerichte. Kinder und Jugendliche sind heute mehr denn je einem Angebot attraktiver preiswerter Lebensmittel und andauernden Aufforderungen zum Konsum ausgesetzt (vgl. Kersting, 2005, S. 62). Jugendliche essen heute ein Drittel aller Mahlzeiten außerhalb der Familie, vorwiegend in der Schule und in Fast-Food-Restaurants. Darüber hinaus nimmt der tägliche Verzehr von beiläufig konsumierten Lebensmitteln („snacking“) mit hoher Energiedichte zu. Essen wird auch eingesetzt, um Stress und Frust abzubauen, Trauer und Ängste kurzfristig zu betäuben und Langeweile zu überbrücken (Reinehr, S. 379).

So kann der häufige Verzehr fettreicher Speisen als Risikofaktor für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Adipositas und Übergewicht konstituiert werden. Empirisch gestützt wird diese Annahme z. B. durch Befunde einer repräsentativen Untersuchung an 200.000 Personen, in der sich gezeigt hat, dass eine fettreiche Ernährung im Durchschnitt mit einem höheren Körpergewicht einhergeht (Pudel & Westenhöfer, 1992, zitiert nach Tuschen-Caffier, Pook & Hilbert, 2005, S. 28). Denn eine fettreiche Ernährung weist einen fast doppelt so hohen Energiegehalt auf wie Kohlenhydrate und Eiweiß. Beim Verzehr fettreicher Nahrung werden demnach bis zum Eintritt von Sättigungsgefühlen wesentlich mehr Kalorien aufgenommen als beim Verzehr von Kohlenhydraten. Zudem werden Kohlenhydrate und Fett unterschiedlich vom Körper aufgenommen. Kohlenhydrate können direkt und unter Umständen vollständig zur Energiegewinnung verbraucht werden, während Nahrungsfett nur dann verbraucht wird, wenn der Energiebedarf durch Kohlenhydrate nicht gedeckt ist. Ist der Energiebedarf durch Kohlenhydrate dagegen gedeckt, wird Nahrungsfett direkt und vollständig in Körperfett umgewandelt (Lehrke & Laessle, 2003, zitiert nach Tuschen-Caffier et. al., 2005, S. 29).

Die Meinung, Übergewichtige würden im Vergleich zu Normalgewichtigen mehr essen, ist weit verbreitet, in Fachkreisen allerdings umstritten. Es ergeben sich jedoch Hinweise darauf, dass zumindest eine Teilgruppe adipöser Menschen mehr Nahrung zu sich nimmt als normalgewichtige Personen (Tuschen-Caffier et al., 2005, S. 29).

[...]


1 adeps: Fett (Langenscheidt. Großes Schulwörterbuch Lateinisch - Deutsch, 2008, S. 35).

2 Herz und Gefäße (Herz-Kreislauf-System) betreffend (Roche Lexikon Medizin, 2003, S. 976).

3 Die Eingeweide betreffend (Roche Lexikon Medizin, 2003, S. 1943).

4 Morbidität: Erkrankungsrate; die in einem bestimmten Zeitraum registrierte Zahl der Krankheitsfälle einer definierten Krankheit, bezogen auf die Bevölkerungszahl (Roche Lexikon Medizin, 2003, S. 1243).

5 Mortalität: Sterblichkeit; statistische Sterbeziffer: die Verminderung der Bevölkerungszahl durch Tod, i.e.S. („Sterberate“) die Prozentzahl der Todesfälle in einem bestimmten Zeitraum, bezogen auf die Gesamtbevölkerung oder auf die Bevölkerungsteile (Roche Lexikon Medizin, 2003, S. 1245).

6 Unter einer Referenz versteht man eine Datensammlung, welche die statistische Verteilung des entsprechenden Wachstumsparameters in einer Referenzpopulation darstellt. Referenzwerte werden überwiegend in Form von Perzentilwerten angegeben (Kromeyer-Hauschild 05, 2005b, S.7).

7 subkutan: unter der Haut (Roche Lexikon Medizin, 2003, S. 1776).

8 Massenhaftes Auftreten einer Krankheit, […], in einem begrenzten Gebiet und Zeitraum (Roche Lexikon Medizin, 2003, S. 541).

9 Auf große Gebiete eines Landes oder Erdteils übergreifende Epidemie (Roche Lexikon Medizin, 2003, S. 1398).

10 Heritabilität: das Verhältnis additiver genetischer Varianz zur gesamten phänotypischen Varianz (Duden - Das Wörterbuch medizinischer Fachausdrücke, 1998) [Elektronische Ressource].

Details

Seiten
77
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640825943
ISBN (Buch)
9783640825967
Dateigröße
2.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166486
Institution / Hochschule
Universität Paderborn – Department Sport & Gesundheit
Note
2,3
Schlagworte
Adipositas Übergewicht Schule Gesundheit Kinder Adipositasprävention Adippositasintervention Prävention Intervention PowerKids FITOC (Freiburg Intervention Trial for Obese Children) Obeldicks Walking Bus PAPI

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Titel: Außerschulische Präventions- und Interventionsmaßnahmen  gegen Übergewicht und Adipositas