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Strategieprozesse: Erkenntnisse der "Strategy Process Research"

Entwicklungsprozesse

Seminararbeit 2005 18 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Grundlagen der Strategieprozessforschung
2.1 Einordnung und Definition der Strategieprozessforschung
2.2 Der Begriff der Strategie
2.3 Der Begriff des Prozesses

3 Status quo: Eine Übersicht der wichtigsten Prozessmodelle
3.1 Das klassische Prozessmodell der Harvard Business School
3.2 Das Modell der Strategischen Planung
3.3 Das Bower-Burgelman Process Model of Strategy Formation
3.4 Das Grass-Roots Model of Strategy Formation
3.5 Der logische Inkrementalismus

4 Ein kritischer Ausblick

LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung

Globalisierung, Deregulierung, technischer Wandel, Innovationen, Dynamik oder Hyperwettbewerb - diese Begriffe stehen für die äußerst komplexen Umfelder, mit denen sich Unternehmen zunehmend konfrontiert sehen. Dem Strategischen Management kommt bei der Bewältigung dieser Probleme eine Schlüsselfunktion zu. Eine optimale strategische Positionierung am Markt reicht jedoch nicht mehr aus, um das wichtigste Ziel, den langfristigen Unternehmenserfolg, realisieren zu können. Es ist unabdingbar, dass Unternehmen ihr herrschendes Strategieverständnis ständig neu überdenken und somit in der Lage sind, sich ihrem Umfeld flexibel anzupassen.[1]

Dazu gehören neben der inhaltlichen Gestaltung der Unternehmensstrategien das Verständnis der zugehörigen Strategieprozesse und damit das Wissen, wie und wo sich Strategien im Unternehmen entwickeln.[2] Bei einem Blick in die Praxis zeigt sich, dass viele Unternehmen erhebliche Defizite in Bezug auf eine optimale Strategiege­staltung und deren Entwicklung haben.[3]

Die Forschung des Strategischen Managements weist seit den 80er Jahren auf die steigende Bedeutung und das notwendige Verstehen der Strategieprozesse hin. Ihr Schwerpunkt verschiebt sich zunehmend von der Strategieinhaltsforschung, der so genannten „strategy content research“, in Richtung der Strategieprozessforschung, die in der Fachliteratur als „strategy process research“ bezeichnet wird.[4] Aufgrund dessen existiert mittlerweile eine Vielzahl von Büchern, Aufsätzen und Publikationen zu diesem Themengebiet. Unter anderem bedingt durch ihre Pluralität - es fließen Erkenntnisse aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen ein[5] - ist die Literatur der Strategieprozessforschung in sich nicht einheitlich und von einer großen Zahl verschiedener Meinungen geprägt.[6]

Das Ziel dieser Arbeit ist, anhand der wichtigsten Prozessmodelle einen systematischen Überblick über die Entwicklung und den Stand dieses Forschungsbereiches zu geben. Der Fokus liegt dabei auf dem Teilbereich der Strategieentwicklung.

Als Ausgangspunkt dient das klassische Prozessmodell der Harvard Business School. Darauf aufbauend werden ein weiterer präskriptiver und drei deskriptive Ansätze beschrieben und in ihren Aussagen und Annahmen mit dem klassischen Prozessmodell verglichen. Die Arbeit endet mit einem kritischen Ausblick.

2 Grundlagen der Strategieprozessforschung

Zunächst ist es notwendig, die Strategieprozessforschung in die Wissenschaft einzuordnen sowie die zum Verständnis erforderlichen Begriffe zu erklären.

2.1 Einordnung und Definition der Strategieprozessforschung

Die Strategieprozessforschung ist neben der Strategieinhaltsforschung einer von zwei Forschungsbereichen des Strategischen Managements.[7] Obwohl diese ein gemeinsames Ziel - die Suche nach Quellen für die ökonomische Rente sowie nach Strategien, durch die Unternehmen am Markt Wettbewerbsvorteile erzielen können - besitzen, lassen sich erhebliche Unterschiede feststellen.[8]

Im Fokus der Strategieinhaltsforschung steht die Suche nach den Auswirkungen von Strategien auf den Unternehmenserfolg, es geht also um die Strategie an sich. Das Hauptaugenmerk der Strategieprozessforschung dagegen liegt auf den strategisch relevanten Abläufen innerhalb eines Unternehmens. Sie versucht, Antworten darauf zu finden, wo und wie sich Strategien bilden und entwickeln.[9] Des Weiteren betrachtet die Strategieinhaltsforschung ein Unternehmen als rationale Einheit und nimmt ein stabiles Verhältnis zwischen diesem und dessen Umfeldern an, während die Strategieprozessforschung in die black box „Unternehmen“ hineinblickt und das Verhalten der einzelnen Akteure sowie die Prozesse zwischen ihnen beurteilt.[10] Dabei geht es beispielsweise um Einflussmöglichkeiten des Managements auf die strategische Position des Unternehmens im Hinblick auf die Gestaltung der Entscheidungsprozesse und der Organisationsstruktur.[11]

2.2 Der Begriff der Strategie

Dem Versuch, den Begriff „Strategie“ zu definieren, haben sich viele Autoren gewidmet. Die Folge sind viele unterschiedliche Interpretationen, da jeder Autor ein anderes Verständnis bezüglich Art und Inhalt dieses Begriffes hat. Eine allgemeine Definition von Strategie gibt es daher in der Literatur nicht.[12]

In Anlehnung an die Aufteilung dieser Arbeit werden aus diesem Grund eine klassische Definition sowie eine, die eher dem moderneren Strategieverständnis entspricht, vorgestellt. Nach klassischer Auffassung ist eine Strategie eine bestimmte Anzahl an zusammenhängend geplanten Maßnahmen, die dazu dienen, die langfristigen Ziele eines Unternehmens zu erreichen. Strategie wird also als ein geplantes Vorgehen interpretiert, das den Weg in die Zukunft vorgibt.[13] Der moderne Strategiebegriff dagegen ist mehrdeutiger. Nach Henry Mintzberg’s bekannter Definition „5 P’s of Strategy“ kann Strategie je nach Ansicht als Plan, Position, List, Muster oder Perspektive begriffen werden. Die Interpretationen einer Strategie als Plan und als Position sind aus dem klassischen Verständnis übernommen, während die drei anderen Ansichten neueren Erkenntnissen der Strategieprozessforschung entsprechen. Beispielsweise wird Strategie mit einem Muster verglichen, wenn in der Vorgehensweise eines Unternehmens hinsichtlich strategischer Themen eine gewisse Systematik zu erkennen ist.[14]

2.3 Der Begriff des Prozesses

Um überhaupt ein Verständnis für strategische Prozesse entwickeln zu können, ist eine genaue Kenntnis des Begriffes „Prozess“ erforderlich.[15] In der Betriebswirtschaft versteht man darunter allgemein „…die inhaltliche und sachlogische Folge von Funktionen, die zur Bereitstellung eines Objektes in einem spezifizierten Zustand notwendig sind.“[16] Ein Prozess entspricht also einem systematischen Ablauf von Vorgängen, um eine vorab definierte Leistung zu erbringen.

In der Strategieprozessforschung finden sich in wissenschaftlichen Beiträgen drei verschiedene Verständnisse zum Prozessbegriff. Oft ist dabei unklar, nach welcher Ansicht diese geschrieben sind. Eine klare Aussage dazu ist jedoch hinsichtlich des Verstehens von Inhalt und Methode des betreffenden Beitrages und damit für die Weiterentwicklung der Strategieprozessforschung unabdingbar.[17] Zum einen kann ein Prozess den Zusammenhang zwischen einem gewissen Input und dem daraus resultierenden Output darstellen. Ebenso ist die Bezeichnung Prozess für zusammenhängende individuelle bzw. kollektive Handlungen, die auf ein bestimmtes Ziel fokussieren, verwendbar. Problematisch bei beiden Verständnissen ist, dass die so genannte black box, also der Ablauf zwischen Input und Output, nicht erklärt wird. Dies trifft nur auf die dritte Möglichkeit zu: Unter einem Prozess versteht man dabei eine Folge von Ereignissen und Aktivitäten. Ausgehend von einem bestimmten Input wird durch diese der Vorgang bis zum zugehörigen Output unter Berücksichtigung der Veränderung über die Zeit erklärt.[18]

3 Status quo: Eine Übersicht der wichtigsten Prozessmodelle

Dieses Kapitel beinhaltet die wichtigsten Modelle der Strategieprozessforschung. Zunächst werden mit dem klassischen Prozessmodell der Harvard Business School und dem Ansatz der Strategischen Planung zwei präskriptive Modelle vorgestellt, im Anschluss mit dem „Bower-Burgelman Process Model of Strategy Making“, dem „Grass-Roots Model of Strategy Formation“ und dem Ansatz des logischen Inkrementalismus drei deskriptive Modelle. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Prozess der Strategieformulierung bzw. der -formierung.

3.1 Das klassische Prozessmodell der Harvard Business School

Das Modell, das den hauptsächlichen Ausgangspunkt der Strategieprozessforschung darstellt[19], die Entwicklung des Strategischen Managements nachhaltig geprägt und nach wie vor eine wichtige Bedeutung für Wissenschaft und Praxis hat, ist das klassische Prozessmodell. Vor allem Kenneth R. Andrews und die Harvard Business School haben dessen Aussagen und Aufbau entscheidend beeinflusst.[20]

Die zentrale Aussage ist die künstliche Trennung der Entwicklung einer Strategie in zwei zeitlich aufeinanderfolgende Phasen.[21] Im Rahmen der Strategieformulierung entscheidet die Unternehmensführung über strategisch relevante Fragen wie zum Beispiel die Auswahl einer bestimmten Strategie.[22] Dieses „Deciding what to do“ ist die ausschlaggebende Phase für die zukünftige Entwicklung des Unternehmens. Die anschließende Implementierungsphase dient der Umsetzung der Entscheidungen. Ihr oberstes Ziel ist das Erreichen der angestrebten ökonomischen Ziele („Achieving results“).[23] Begründet wird die Trennung dieser Phasen damit, dass eine Strategie erst klar definiert sein muss, ehe sie umgesetzt werden kann.[24] Das Modell hat also einen präskriptiven Charakter. Es gibt an und begründet gleichzeitig, wie eine Strategie zu entwickeln und zu gestalten ist.[25] Die Bildung von Strategien wird als ein einfach strukturiertes und informelles Vorgehen betrachtet.[26] Die alleinige Entscheidungsgewalt und die Formulierung der gewählten Strategie liegen bei der Unternehmensführung, alle darunter liegenden Ebenen haben lediglich ausführenden Charakter. Die Entwicklung wird als Entscheidungsprozess verstanden, da diese von rationalen Entscheidungen der Unternehmensführung bestimmt wird. Aufgrund dessen weist jedes Unternehmen eine Strategie auf, die von seinen Entscheidungen und seinem Umfeld geprägt ist. Es gibt also keine allgemeine Strategie, die den Charakter einer Art Vorgehensmuster hat.[27]

[...]


[1] vgl. Zahn (1999a), S. 2ff. und Zahn (1999c), S. 1ff.

[2] vgl. Lechner, Müller-Stewens (1999), URL siehe Literaturverzeichnis, S. 2

[3] vgl. Müller-Stewens, Lechner (2000), S. 54

[4] vgl. König (2001), URL siehe Literaturverzeichnis, S. 1 und Zahn (1999b), S. 5

[5] vgl. Lechner, Müller-Stewens (1999), URL siehe Literaturverzeichnis, S. 3

[6] vgl. König (2001), URL siehe Literaturverzeichnis, S. 2f.

[7] vgl. Müller-Stewens, Lechner (2001), S. 11

[8] vgl. Bungard u.a. (2003), URL siehe Literaturverzeichnis, S. 79

[9] vgl. Rühli, Schmidt (2001), S. 535f. und Müller-Stewens, Lechner (2000), S. 57

[10] vgl. Rühli, Schmidt (2001), S. 535f. und Schmidt (2005), URL siehe Literaturverzeichnis, S. 2

[11] vgl. Kalling (2004), URL siehe Literaturverzeichnis, S. 6

[12] vgl. Weseloh (2004), URL siehe Literaturverzeichnis, S. 21f.

[13] vgl. König (2001), URL siehe Literaturverzeichnis, S. 6f.

[14] vgl. Müller-Stewens, Lechner (2001), S. 17 und Zahn (2004), S. 6

[15] vgl. Lechner, Müller-Stewens (1999), URL siehe Literaturverzeichnis, S. 8

[16] Wikipedia (2005), URL siehe Literaturverzeichnis

[17] vgl. König (2001), URL siehe Literaturverzeichnis, S. 9f. und Lechner, Müller-Stewens (1999), URL siehe Literaturverzeichnis, S. 8

[18] vgl. König (2001), URL siehe Literaturverzeichnis, S. 9f.

[19] Neben den in Kapitel 3.1 und 3.2 beschriebenen ökonomischen Ansätzen entwickeln sich parallel verhaltenswissenschaftliche Ansätze, die auch als Entscheidungsprozessforschung bezeichnet werden. Vertreter sind unter anderem Barnard und Simon, Cyert und March sowie Al-Laham.

vgl. Rühli, Schmidt (2001), S. 533f.

[20] vgl. Lechner, Müller-Stewens (1999), URL siehe Literaturverzeichnis, S. 3f.

[21] vgl. Müller-Stewens, Lechner (2001), S. 42f.

[22] Die Strategieformulierung legt Mittel und Maßnahmen zum Erreichen der angestrebten Ziele fest. vgl. Wikipedia (2005), URL siehe Literaturverzeichnis und Müller-Stewens, Lechner (2001), S. 42f.

[23] vgl. Müller-Stewens, Lechner (2001), S. 42f.

[24] vgl. Zahn (2004), S. 5

[25] vgl. Lechner, Müller-Stewens (1999), URL siehe Literaturverzeichnis, S. 5 und

Hungenberg, Wulf (2003), URL siehe Literaturverzeichnis, S. 10

[26] vgl. Zahn (2004), S. 5f.

[27] vgl. Müller-Stewens, Lechner (2001), S. 44

Details

Seiten
18
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640826247
ISBN (Buch)
9783640826391
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166499
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart – Betriebswirtschaftliches Institut
Note
1,7
Schlagworte
strategieprozesse erkenntnisse strategy process research entwicklungsprozesse

Autor

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