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Luthers 95 Thesen gegen den Ablass

Essay 2009 7 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Einleitung

Die deutsche Geschichte gilt im Ausland als Geschichte der Reformation. Diese wird heutzutage viel zu häufig zu unrecht vernachlässigt. Als wohl bekanntester Akteur in und Initiator für die Reformation gilt der 1483 geborene Augustinermönch und Theologieprofessor Martin Luther. Während seiner Zeit als Theologieprofessor, wird die Auslegung der Bibel zu seinem akademischen Beruf und bestimmt von da ein seine Einstellung zur Kirche. Sein Handeln und seine öffentliche Kritik an der Kirche und deren Auslegung der Bibel machen ihn bekannt. Seine gewichtigste Veröffentlichung, die ihn in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses rückte, waren die 95 Thesen, die sich besonders mit der Thematik des Ablasses und der Kompetenz des Papstes beschäftigten. Sie sind die Grundlage für das Bekanntwerden Luthers und der Grund für die massive Kritik an ihm durch die Kirche. Die Erfindung des Buchdruckes unterstütze Luther in der raschen Verbreitung seiner Thesen, sodass diese in kürzester Zeit in Deutschland publik wurden.

Im Folgenden sollen die Vorgeschichte der 95 Thesen und der damit verbundene Streit um den Ablass bzw. die Ablassbriefe, durch den es zu 95 Thesen von Seiten Luthers kam.

Vorgeschichte

Auch im Mittelalter war die Vergebung der Sünden ein fester Bestandteil des christlich-frömmigen Lebens. Dadurch sollte der Büßer ewige Seligkeit erlangen. Im Mittelalter beinhaltete die gängige Bußpraxis das Zahlen von finanziellen Leistungen anstelle von persönlichen Leistungen. Durch diese war ein Freikaufen von den Sünden möglich. Die eingenommenen Gelder dienten primär der Förderung von gemeinnützigen Zwecken besonders der Ausrüstung von Kreuzfahrerheeren, der Errichtung von Kirchen, karitativen Anstalten und öffentlichen Bauten. Ein bekanntes Beispiel aus dieser Zeit ist der Neubau der Peterskirche 1506, der durch Papst Julius II. begründet wurde. Um für diesen Bau die nötige Gelder zusammenzubekommen, wurde ein Plenarablass ausgeschrieben. So sollte die Finanzierung gesichert werden. Zum Zeitpunkt des Erlasses war der Ablass zeitlich und regional begrenzt. Papst Leo X., der nachfolgende Papst, jedoch erneuert mehrfach die Ausschreibung, sodass der ursprüngliche Grund für den Ablass inoffiziell in den Hintergrund geriet. So wurden die eingenommenen Gelder um 1515 nicht mehr nur für den Bau der Peterskirche genutzt. Der Markgraf Albrecht von Magdeburg beispielsweise musste an Kurie und Kaiser erhebliche Abgaben leisten, aufgrund seiner unerlaubten Anhäufung von bischöflichen und fürstlichen Würden. Für diese Abgaben hatte er ein Darlehen von den Fuggern erhalten. In Absprache mit der Kurie war es Albrecht möglich die Einnahmen des Plenarablasses in seinen Regierungsbezirk aufzuteilen. Die eine Hälfte wurde für seinen eigentlichen Zweck, den Bau in Rom, verwendet, die andere Hälfte war dagegen für die Tilgung seines Darlehens. Dieses Vorgehen bot natürlich genügend Angriffsfläche für mögliche Kritiker, falls die Absprache öffentlich würde. Die verborgenen Absprachen waren Martin Luther jedoch nicht bekannt.

Abgesehen von der Zweckentfremdung der Ablassgelder war es durch den Ablass aber nicht nur möglich sich selbst von begangenen Sünden zu befreien, sondern konnte dies auch für bereits verstorbene Verwandte oder Freunde erwirken: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegfeuer springt.“[1] Fraglich war hier natürlich inwieweit die geleisteten Zahlungen den Verstorbenen wirklich helfen sollen. Dadurch erweiterten sich selbstverständlich der Bereich und das Klientel, die für einen Ablassbrief infrage kommen.

Martin Luthers Tätigkeit als Beichtvater zeigten ihm die sinkende Bußernsthaftigkeit auf, die durch die Ablassbriefe bedingt war. Der Sündenerlass war durch den Ablass erleichtert worden. Luther stellte sich gegen das Ablassvorgehen und äußerte seine Meinung bzw. vermehrt in Vorlesungen und Predigten. Einen besonderen Anstoß nahm Luther an der Instructio summaria, die ein Handbuch für die Ablassprediger mit den Ablassinstruktionen von Albrecht von Magdeburg war . Den Höhepunkt erreichte sein Bestreben in der Veröffentlichung der 95 „Thesen über die Kraft der Ablässe“.

Luthers 95 Thesen

„Den 31. Oktober 1517 hat Luther selbst im Rückblick stets als den Anfangspunkt seines reformatorischen Auftretens verstanden.“[2] An diesem Datum versendete Luther seine 95 Thesen an den Erzbischof von Magdeburg und Mainz und Administrator von Halberstadt, Albrecht von Magdeburg (siehe oben) und den Ortsbischof von Wittenberg Hieronymus Scholz. Nachdem beide ihm keine Antwort übermittelten, trat er mit seinen 95 Thesen über den Ablass an die Öffentlichkeit. Es ist fast ausgeschlossen, dass Luther seine Thesen in Wittenberg anschlug, da sich eine Erwähnung erst bei Melanchthon nach Luthers Tot finden lässt.

[...]


[1] Beutel, Albrecht: Martin Luther. Eine Einführung in Leben, Werk und Wirkung, 2. verb. Aufl., Leipzig 2006, S. 49.

[2] Leppin, Volker, Martin Luther, Darmstadt 2006. S. 117.

Details

Seiten
7
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640826902
ISBN (Buch)
9783640826469
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166525
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Katholisch-Theologische Fakultät
Note
2,3
Schlagworte
Luther 95 Thesen Ablass Reformation Häresie

Autor

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