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Der Animationsfilm „Shrek - ein Tollkühner Held“ und seine Beziehung zum Märchen

Ein SHREKliches Märchen

Seminararbeit 2010 16 Seiten

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Inhalt

3. Parodie

4. Shrek als Parodie

5. Form des Märchens
5.1 Eindimensionalität
5.2 Flächenhaftigkeit
5.3 Abstrakter Stil
5.4 Isolation und Allverbundenheit
5.5 Sublimation und Welthaltigkeit

6. Fazit

Anhang: Literaturverzeichnis

Einleitung

Im Jahr 2001 veröffentlichten die Dreamworks Studios den Film Shrek - Ein tollkühner Held. Dieser Film war einer der ersten vollständig computeranimierten Kinofilme. Aber nicht nur wegen seiner neuartigen Technik sondern auch wegen seiner ideenreichen und humorvollen Geschichte wurde Shrek zu einem sehr erfolgreichen Film. Dabei ist Shrek, wie versucht wird zu zeigen, kein gewöhnlicher Kinderfilme, sondern ein Werk mit verschiedenen Ebenen. Offensichtlich beschäftigt sich der Film mit Märchen. Inwieweit er aber auch als Märchenfilm oder etwa als Parodie über Märchen verstanden werden kann, soll im Folgenden untersucht werden.

Zuerst werde ich den Inhalt des Films kurz zusammenfassen, dann den Begriff der Parodie definieren, im Anschluss daran mit dieser Definition den Inhalt des Films untersuchen, bevor ich diesen dann anhand der Kriterien für die Märchenform, die der Märchenforscher Max Lüthi vorgestellt hat, analysieren werde.

Inhalt

Im Film Shrek - Ein tollkühner Held muss der Titelheld Shrek unfreiwillig eine schöne Prinzessin retten. Shrek ist dabei in jeder Hinsicht ein ungewöhnlicher Held. Im Gegensatz zu klassischen Trickfilm oder Märchenhelden ist er ein großer dicker Orger, also ein Monster. Sein Verhalten kann man dementsprechend als eher unappetitlich beschreiben. Am liebsten will der Orger alleine in seinem Heimatsumpf bleiben, wo er von den Menschen in Ruhe gelassen wird. Als der böse Lord Farquaad alle Märchenwesen in den Sumpf verbannt ist es mit Shreks Ruhe aber vorbei. Deshalb handelt er mit dem Lord aus, seine Ruhe und seinen Sumpf zurückzubekommen im Tausch gegen die Befreiung der Prinzessin Fiona, die in einem Turm von einem Drachen gefangen gehalten wird. Begleitung erhält der Held von einem sprechenden Esel. Zusammen können sie die Prinzessin befreien, die sich in Shrek verliebt. Dann findet der Esel heraus, dass die Prinzessin sich nachts in einen Orger verwandelt. Bevor die Prinzessin mit Shrek reden kann kommt es zu einem Missverständnis und die beiden trennen sich, woraufhin die Prinzessin Lord Farquard heiraten will. Einsam in seinem Sumpf zurückgekehrt, kann Shrek vom Esel überzeugt werden, doch noch um Fiona zu kämpfen. Mit Hilfe des Drachen können sie die Hochzeit verhindern und nach einem Kuss zwischen Fiona und Shrek verwandelt sich die Prinzessin endgültig in einen Orger.

Parodie

Die Bezeichnung Parodie stammt aus dem Griechischen und kann sowohl mit Neben- wie auch Gegengesang übersetzt werden. Das Verständnis von Parodie schwankte daher auch zwischen adverativer und additiver Bedeutung. Während die frühen Formen der Parodie im Altertum eher additiv waren, also komische Nachahmungen des Originals, so setzten sich im Lauf der Zeit zunehmend die adversative Ausrichtung durch: „Die Parodie erfüllt offenbar nur dann eine legitime Aufgabe, wenn sie der Kritik und Korrektur dient.“[1] Auch neuere Definitionen verstehen unter der Parodie eine sekundäre Gattung und damit eine „Antwort aufbereits primär geformte Aussagen“[2]. Aus dieser Reaktivität ergeben sich die wesentlichen Darstellungsweisen des Portätierens und des Verzerrens. Erstere um den Bezug zum Original herzustellen und letzter als Form der sekundären Aneignung.

Mittel der Verzerrung können inhaltliche oder strukturelle Substitution der originalen Inhalte oder Strukturen sowie die Diminution und Augmention der primären Aussagen und deren Darstellungsweisen.[3] Durch den Einsatz dieser Mittel entsteht eine Diskrepanz zwischen dem Parodierten und der Parodie. Unterscheiden kann man zwischen seriöser und trivialer Parodie. Seriöse Parodien setzen sich dabei in kritisch negierender Art mit dogmatischen Sichtweisen auseinander. Triviale Parodien dagegen dienen nur zur Belustigung. Sie sind eher unkritische Verulkungen und sind weit harmloser. Häufig tragen sie sogar noch zur „Steigerung der Popularität des Parodierten“[4] bei.

Shrek als Parodie

Der Film Shrek bietet Anspielungen auf verschiedenste Vorlagen. Er ist somit keine traditionelle Parodie auf ein einziges Werk. Zuerst ist Shrek eine Parodie auf klassische Märchen. Gleichzeitig ist der Film aber auch eine Parodie auf die Märchenverfilmungen von Disney und auf den Stil Disneys. Weiterhin gibt es aber auch Verweise auf andere Vorlagen wie zum Beispiel Kinderlieder (Der Muffinmann), das Fernsehen (Herzblatt) oder Filme (Matrix). Diese Arbeit soll sich aber auf den Umgang mit den Märchen und den Disney Filmen als moderner Märchenadaption beschränken.

Die grundlegende Geschichte des Films ist eine Variation des Märchens von der Schönen und dem Biest[5]. In diesem Märchen geht es, wie auch im Film, um die entstehende Liebe eines schönen Mädchens zu einem Monster. Verzerrt wird dieser Märcheninhalt durch das Ende des Filmes. Die Erwartungen der Zuschauer, dass aus dem Monster ein Mensch werden würde, werden unterlaufen, als die Prinzessin sich stattdessen in ein Monster verwandelt.

Einordnen kann man diese Art der Parodie nicht als seriös im oben genannten Sinne. Die Moral die dahinter steht wie etwa, dass Äußerlichkeiten nicht wichtig sind oder dass Liebe alle Grenzen überwindet, kann man schon im Original finden. Sie werden eher noch verstärkt als kritisiert. Diese Art der Parodie kann man als additive Variante beschreiben, als komische Nachahmung.

Häufig kombiniert der Film Märchenelemente mit typischen Elementen der Moderne. Die Inkongruenz etwa zwischen einem Märchenschloss und einem modernen Parkplatz für mittelalterliche Kutschen lässt Komik entstehen[6].

Insgesamt werden Märchen in „konsequent ironischer Brechung“[7] variiert: die gute Fee und Aschenputtel sind Medienstars, der furchterregende Drache ist ein Weibchen.

Anders geht der Film mit den Anspielungen auf Disney um. Der Film beginnt schon mit einer klaren Anspielung auf die Filme Walt Disneys. Wie in den Disney Märchenfilmen beginnt auch der Shrek Film mit dem Aufschlagen eines Märchenbuchs und einer Stimme aus dem Off, die einem Vorleser ähnelt. Dann stellt sich jedoch heraus, dass diese Einleitung schon Teil der Geschichte ist. Der vermeintliche Erzähler ist der Titelheld Shrek, der das Märchen laut vorließt, und dann deutlich macht, wie wenig er davon hält. Wenn man das Märchenbuch bei Walt Disney als Symbol versteht, sich in die Märchentradition einzuschreiben, dann zeigt die Antwort Shreks, was davon zu halten ist.

Besonders parodiert werden die Gesangseinlagen, ohne die kein Disney Märchen auskommt. Die Form der Parodie reicht dabei von Ermahnungen Shreks an den Esel bis zu platzenden Vögeln. Die Reaktionen auf das Singen sind also sehr drastisch. Bevor man sich aber Gedanken um den platzenden Vogel machen kann, steigert der Film den Witz noch, als Fiona dessen Eier brät. So nimmt der Film „die stilbildende anthropomorphe Niedlichkeit der Disney Ästhetik gekonnt aufs Korn und setzt dagegen Einfallsreichtum,scharfen Witz und das Spiel mit den Genrekonventionen, das auch Extreme nicht scheut“[8].

Eine weitere Verbindung kann man in der Figur des Lord Farquaad sehen, die sicherlich nicht zufällig dem damaligen Geschäftsführer des Disney Konzerns, Michael Eisner, ähnelt[9]. Diese übertrieben ehrgeizige und selbstsüchtige Figur tyrannisiert das Königreich um ihre persönliche Version einer perfekten und reinen Märchenwelt zu schaffen. Die Selektion und Internierung von Fabelwesen weckt Erinnerungen an schlimmste Tyrannen. Durch das Porträtieren der körperlichen Ähnlichkeit wird eine Verbindung hergestellt, durch die Verzerrung werden vermeintliche negative Eigenschaften aufgezeigt und kritisiert. Auch der Eingang zu dem Schloss von Farquaad ähnelt dem Eingang der Disney Vergnügungsparks.

Die harmlose reine, aber übertrieben sterile Kinderwelt der Disney Filme wird durch Überspitzung und Übertreibung parodiert. Die Parodie funktioniert hier als „watch dog[10] “ und lenkt den Blick auf die negative Seite der Disney Ideologie, die sich hinter „Kitsch und Plüsch[11] “ verbirgt.

Der Film trägt also den „postmodemen Popkultur - und Medienerfahrungen [ der ]Zuschauer Rechnung“[12], wenn er die verschiedensten Vorlagen zitiert und Anspielungen zu. Der Umgang mit verschiedenen Vorlagen unterscheidet sich im Film Shrek also deutlich. Während die klassischen Märchen meist zitiert und nur verulkt werden, so ist die Kritik an Disney wesentlich schärfer.

Im Verlauf des Films nehmen die Elemente der Parodie aber ab. Die Story wird konservativer[13]. Die Geschichte wird auf Kosten des Humors bzw. der Kritik weiterentwickelt. Der Film nähert sich dabei wieder an die klassischen Märchen und auch an Disney an. Somit behält der Film etwa inhaltlich die klassische Märchenstruktur und - dramaturgie[14] bei: Ein Held gerät in Schwierigkeiten, muss in die Welt hinaus, um Abenteuer zu bestehen und gewinnt als Happy End die Prinzessin zur Frau. Somit kann man mit Recht fragen, ob Shrek nicht auch ein Märchen ist. Eine gewisse Ähnlichkeit zur Vorlage ist zwar die Grundlage jeder Parodie, in diesem Fall aber geht der Film darüber hinaus.

Inwieweit weit man diese These auch anhand der Kriterien des Mächenforschers Max Lüthi aufrechterhalten kann, soll im Folgenden untersucht werden.

Form des Märchens

Max Lüthi bestimmt Märchen nicht nach ihren Motiven, sondern nach Gestalt. Dazu definiert er fünf Merkmale: Eindimensionalität, Flächenhaftigkeit, Abstrakter Stil, Isolation und Allverbundenheit und zuletzt Sublimation und Welthaltigkeit. Im Folgenden sollen diese Kriterien dargestellt und der Film Shrek anhand dieser auf seine Märchenqualitäten untersucht werden.

Eindimensionalität

Das Kriterium der Eindimensionalität unterscheidet Märchen am deutlichsten von anderen Geschichten in denen das Übernatürliche vorkommt. Auch im Märchen kommt das Jenseitige und Übernatürliche häufig vor. Aber es unterscheidet sich durch den Umgang mit dem Übernatürlichen. Das Übernatürliche steht im Märchen nicht der Realität gegenüber, sondern es steht ohne Abstand in der Welt. Im Märchen gibt es daher weder numinose Angst noch Neugier. Weder die handelnden Personen noch die Leser sind verwundert, wenn das Übernatürliche im Märchen in Erscheinung tritt.[15]

Das Medium des Animations- oder Zeichentrickfilms ist gut geeignet, dieses Kriterium umzusetzen, weil „es dem Zeichentrickfilmer gleichgültig [sein kann], ob er etwas Wunderbares oder Realistisches animiert.“[16] Wunderbares und Normales werden also schon in gleicher Weise dargestellt.

Auch im Film Shrek wird das Kriterium umgesetzt. Die Fabelwesen gehören offensichtlich zu jener Welt dazu. Niemand ist verwundert, über die Hexen die durch die Luft fliegen können, oder über Pinoccio. Shrek wirkt zwar zuerst furchteinflößend auf die Menschen im Film, nicht aber auf den Zuschauer. Und auch die Menschen im Film fürchten sich nicht vor Shrek weil er übernatürlich ist, sondern weil er ein großer und furchteinflößender Orger ist.

[...]


[1] Die literarische Parodie S.3

[2] Ebd. S.12

[3] Ebd. S.14

[4] Ebd. S.16

[5] vgl. Animationsfilm S.296

[6] Müller 1994 : S.181

[7] Anima S.296

[8] Animationsfilm S.298

[9] vgl. Animationsfilm S.299

[10] Müller 1984 s77

[11] Ebd.

[12] Anim. S.300

[13] Giesen S379

[14] animat S.300

[15] v.gl. Lüthi S.8 ff

[16] Schmidt S.188

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640833610
ISBN (Buch)
9783640833382
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166631
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,0
Schlagworte
animationsfilm tollkühner held“ beziehung märchen shrekliches zeichentrick

Autor

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Titel: Der Animationsfilm „Shrek - ein Tollkühner Held“ und seine Beziehung zum Märchen