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Die Darstellung der Kindheit in "Das fremde Kind" von E.T.A. Hoffmann und der Vergleich mit "Die Elfen" von Ludwig Tieck

Seminararbeit 2010 17 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Biografie von E.T.A. Hoffmann

2. Die Darstellung der Kindheit in Das fremde Kind
2.1. Inhaltsangabe von Das fremde Kind
2.2. Die Figurenkonstellation
2.3. Die Familie von Brakel vom Dorf
2.4. Die Familie Brakel aus der Stadt
2.5. Das fremde Kind
2.6. Magister Tinte

3. Der Vergleich mit Die Elfen von Ludwig Tieck

4. Schlusswort

Literaturverzeichnis

Einleitung

Diese Arbeit stellt die Ausarbeitung der Ergebnisse dar, die ich zusammen mit zwei Kommilitoninnen im Rahmen des Seminars Kindheit in der Literatur erarbeitete und in Form einer Präsentation im Plenum vorstellte.

Unsere Referatsgruppe behandelte das Märchen Das fremde Kind von E.T.A. Hoffmann und gliederte die Ergebnisse in folgende drei Abschnitte: Informationen zum Autor, die Analyse der Darstellung der Kindheit in Das fremde Kind und der Vergleich mit Die Elfen von Ludwig Tieck. Diesen Abschnitten angepasst erfolgt die Gliederung dieser Arbeit, die im Folgenden vorgestellt wird.

Im ersten Kapitel wird zunächst der Autor E.T.A. Hoffmann durch Auszüge aus seiner Biografie kurz vorgestellt. Es wird hierbei zum einen explizit auf seine Rolle als Schriftsteller der Romantik eingegangen werden, zum anderen jedoch auch ein genauerer Blick auf seine Kindheit geworfen, da die Darstellung derselben in seiner Literatur das Thema dieser Arbeit darstellt.

Im zweiten Kapitel folgt die Analyse der Darstellung der Kindheit in Das fremde Kind.

Dazu wird zuerst eine kurze Inhaltsangabe des Märchens genannt, um die weitere Lektüre zu erleichtern. Danach werden die verschiedenen Figuren, die in der Erzählung auftreten, in Beziehung zueinander gesetzt und auf ihre Rolle hin untersucht. Hierbei wird innerhalb der Untersuchung insbesondere auf das dem Märchen gleichnamige Buch Das fremde Kind von Dieter Richter zurückgegriffen werden. Diese Sekundärliteratur diente bereits bei der Vorbereitung der Ergebnispräsentation und stellt eine sinnvolle Hilfe dar.

Des Weiteren wird innerhalb dieses Kapitels auch auf die von uns aufgestellte erste These eingegangen werden, dass nicht nur das fremde Kind, sondern auch der Magister Tinte Lehrerfiguren darstellen.

Das dritte Kapitel nimmt Bezug auf die zweite von uns aufgestellte These, die da lautet:

E.T.A. Hoffmann wurde beim Schreiben von Das fremde Kind von Ludwig Tiecks Die Elfen wesentlich beeinflusst.

Durch die Untersuchung und den Vergleich verschiedener Textstellen wird die genannte These erklärt und gestützt werden.

Im Schlusswort der Arbeit wird nochmals auf die gesammelten Ergebnisse näher eingegangen und diese zu einem Resümee zusammengefasst werden.

1. Biografie von E.T.A. Hoffmann

E.T.A. Hoffmann wurde am 24. Januar 1776 in Königsberg unter dem Namen Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann geboren. Die Initiale A in seinem Namen weist auf die spätere Umbenennung des dritten Vornamens von Wilhelm in Amadeus hin, was in Hoffmanns Bewunderung für Wolfgang Amadeus Mozart begründet liegt.

Zwei Jahre nach seiner Geburt trennten sich seine Eltern. Sein älterer Bruder verließ die Familie zusammen mit seinem Vater und Hoffmann hatte von da an kaum noch Kontakt zu den Beiden. Er verbrachte seine Kindheit zusammen mit seiner Mutter, seiner Großmutter und mit seinen beiden erwachsenen Tanten und seinem Onkel im Elternhaus mütterlicherseits:

„In diesem Haushalt wuchs Ernst auf: bei einer dominanten Großmutter, gegen die sich keines der erwachsenen Kinder behaupten konnte, einer psychisch anfälligen Mutter, einer Tante, die als einzige einiges Verständnis für den Jungen aufbrachte (die jüngere Tante verstarb sehr früh). Der Onkel war kein Vaterersatz“ (Kremer 2009, S. 1).

Es zeigt sich, dass Hoffmann kaum bis gar keine männlichen Bezugspersonen in seiner Kindheit hatte und der Onkel von ihm eher belächelt als respektiert wurde. Auch zur Mutter hatte er augenscheinlich keine besonders enge Bindung (vgl. Kremer 2009, S. 1).

Einzig in Theodor Gottlieb von Hippel fand er in seiner Jugend einen sehr engen Vertrauten, der ihm sein Leben lang stets als guter Freund zur Seite stand.

Hoffmann durchlief wie bereits seine Vorfahren ein Jura- Studium und hatte auch ansonsten sehr viele Interessen und Begabungen:

„Er war ein Universalgenie; Jurist, Karikaturist, Komponist, Schriftsteller und Theaterdirektor zugleich“ (Rötzer 2010, S. 137). Er führte durch diese „Doppelexistenz als Künstler und Beamter“ (Rötzer 2010, S. 137) ein sehr bewegtes Leben.

E.T.A. Hoffmann wird als Schriftsteller in die Zeit der Spätromantik eingeordnet. Er war insbesondere ein Vertreter der so genannten Schwarzen Romantik, was an zahlreichen seiner Werke erkennbar ist. Er liebte es, die Welt des Alltäglichen mit dem Phantastischen zu vermischen und baute gerne unheimliche Elemente in seine Erzählungen ein (vgl. Rötzer 2010, S. 137). Zu dem ist noch etwas charakteristisch für seinen Schreibstil:

„Die meisten seiner Erzählungen beginnen sehr unverfänglich, wie kleine Alltagsskizzen, mitten in Berlin oder anderswo“ (Rötzer 2010, S. 137). So auch das Märchen Das fremde Kind, das er 1816 im Alter von 40 Jahren schrieb.

Am 25. Juni 1822 verstarb E.T.A. Hoffmann im Alter von 46 Jahren in Folge einer Atemlähmung nach langer, schwerer Krankheit.

2. Die Darstellung der Kindheit in Das fremde Kind

2.1. Inhaltsangabe von Das fremde Kind

Das Märchen Das fremde Kind handelt von dem Geschwisterpaar Felix und Christlieb, die um die neun und sieben Jahre alt sein dürften. Die Beiden leben zusammen mit ihren Eltern, einem verarmten Edelmann und seiner Ehefrau, in einem kleinen Dorf. Ihr Zuhause wird als sehr „anmutig und hübsch“ (Hoffmann 1963, S. 473) beschrieben und sie verleben ihre Kindheit in einem behüteten und liebevollen Elternhaus. Ihre Zeit verbringen sie zum größten Teil damit, im umgebenden Wald zu spielen, da die ganze Familie sehr naturverbunden scheint.

Eines Tages bekommen sie Besuch von der reichen Verwandtschaft aus der Stadt, dem Grafen Cyprianus von Brakel samt seiner Frau und den beiden Kindern Herrmann und Adelgunde. Die beiden Kinder erweisen sich zwar als brav und klug, jedoch scheint es ihnen an jeglicher kindlicher Leichtigkeit oder Lebensfreude zu mangeln (Vgl. Hoffmann 1963, S. 478).

Als der Besuch die Familie verlässt, verspricht der reiche Vetter aus der Stadt den verarmten Eltern, ihren Kindern einen Lehrer zu schicken, damit sie ebenfalls zu Bildung kommen.

Nachdem Christlieb und Felix sich gegen die neuen Spielsachen der reichen Verwandten entscheiden (Vgl. Hoffmann 1963, S. 483), da sie sie für unbrauchbar halten, erscheint ihnen im Wald das Fremde Kind (Vgl. Hoffmann 1963, S. 485) , das sich als ein Symbol der kindlichen Phantasie herauskristallisiert.

Im späteren Verlauf tritt noch der Magister Tinte in die Geschichte ein, welcher der von den Verwandten geschickte Lehrer darstellt und somit die Wissenschaften verkörpert. Es handelt sich bei ihm um eine bösartige Figur, die die Kinder schikaniert und sie um jeden Preis zu kleinen Erwachsenen umerziehen will.

Sowohl das Fremde Kind als auch der Magister Tinte stellen sich als unrealistische Figuren heraus, da sie Elemente des Phantastischen beinhalten. Die Geschichte endet mit dem Sieg des Fremden Kindes über den Magister Tinte, jedoch mussten die Kinder Christlieb und Felix unserer Interpretation nach trotz allem den Schritt ins Erwachsenenalter tun, was sich im Sterben des Vaters und dem Verlassen des behüteten Elterhauses äußert (Vgl. Hoffmann 1963, S. 510).

2.2. Die Figurenkonstellation

Nach einer kurzen Vorstellung des Autors begann die Präsentation mit der Analyse der Darstellung der Kindheit in dem Märchen, worauf wir unseren Schwerpunkt legten. Dazu wurden die vorkommenden Figuren zunächst mit Hilfe von Magneten am Medium Tafel bildlich in Bezug zueinander gesetzt (siehe Abb. 1). In der folgenden Grafik werden diese Magnetfiguren der besseren Ansicht halber durch eine schematische Darstellung ersetzt.

Diese Darstellung erfolgte, um die starken Kontraste aufzeigen zu können, die sich innerhalb der Figurenkonstellation ergeben. Auf der einen Seite steht die Familie von Brakel mit den Kindern Christlieb und Felix, die auf dem Dorf wohnen und die Naturkindheit verkörpern.

Dem entgegengesetzt ist die Familie des Grafen von Brakel angeordnet, welche aus der Stadt zu Besuch kommt und ein Symbol für die Kunstkindheit darstellen.

In der Mitte prallen wiederum zwei sehr kontrastreiche Figuren aufeinander, das Fremde Kind und Magister Tinte. Ersteres vertritt die Familie von Brakel vom Dorf und somit die Natur, letzterer die gräfliche Familie von Brakel aus der Stadt und somit die Wissenschaften. Beide stehen im Kampf gegeneinander und üben eine Wechselwirkung aufeinander aus.

[...]

Details

Seiten
17
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640828456
ISBN (Buch)
9783640828111
Dateigröße
666 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166654
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau
Note
1,5
Schlagworte
darstellung kindheit kind hoffmann vergleich elfen tieck

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Titel: Die Darstellung der Kindheit in "Das fremde Kind" von E.T.A. Hoffmann und der Vergleich mit "Die Elfen" von Ludwig Tieck