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Profilierung der Geschichtsdidaktik in der Weimarer Republik

Untersuchung der Stellung und Bedeutung der Geschichtsdidaktik 1918-1932

Hausarbeit 2010 9 Seiten

Didaktik - Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtsdidaktik in der Weimarer Republik

3. Fazit

4.Literatur

1. Einleitung

Der Blick auf die Geschichte der Geschichtsdidaktik eröffnet dem ambitionierten Historiker ein interessantes und herausforderndes Betätigungsfeld. Der Begriff vereinigt alle Überlegungen zu Zielen, Methoden und Inhalten des Geschichtsunterrichts1. Das Interesse an der Reflexion der eigenen Herkunft und Genese ist spätestens seit der Wende der 1970er Jahren ein wichtiges Element der Disziplin. Die Phase der Weimarer Republik lässt sich heute als eine der am intensivsten aufgearbeiteten Epochen geschichtsdidaktischer Diskursgeschichte bezeichnen.

Diese Arbeit hat den Anspruch zu untersuchen, wie sich die Stellung der Geschichtsdidaktik von 1918 bis 1932 und die Bedeutung dieser Zeit für ihre weitere Entwicklung beurteilen lässt. Ausgehend von einer Bestandsaufnahme der institutionellen Ausprägungen sollen der Inhalt und die Reichweite der Diskussion um eine potentielle Neuorientierung didaktischer Methoden im Zentrum der Betrachtung stehen. Der Untersuchung liegt die Leitfrage zugrunde, inwieweit sich in der Zeit der Weimarer Republik eine Profilierung der Geschichtsdidaktik vollzog.

Neben den Studien von B. Müller und M. Riekenberg aus den 1980er Jahren leistete vor allem J. Huhn bedeutende Beiträge zur Aufarbeitung der Weimarer Zeit in Bezug auf die Entwicklung der Geschichtsdidaktik. Die 14 Jahre zwischen Kaiserreich und Drittem Reich untersuchte er dahingehend, ob der zeitgenössische Geschichtsunterricht der Verfassungsforderung des „neuen Staates“ gerecht werden konnte. Sein Interesse galt der Untersuchung der Entwicklung der Institutionalisierung mit einem Blick auf relevante Diskussionen und tatsächliche, praktische Konsequenzen der Geschichtsdidaktik auf den Schulunterricht aus der Weimarer Zeit. Als Verfasser der aktuellsten Arbeiten sind J. Rohlfes und W. Hasberg repräsentativ. Letzterer bemängelt, dass sich immer noch viel zu wenige Arbeiten als geschichtsdidaktisch charakteristisch beschreiben lassen, weil sie historisch- empirische Forschungsdimensionen nicht überwinden und es nicht schaffen, das tatsächliche Geschichtsbewusstsein in der Gesellschaft zur Maxime der Erkenntnis zu erheben2.

2. Geschichtsdidaktik in der Weimarer Republik

Die Erforschung des Entwicklungsstandes der Geschichtsdidaktik für die Zeit der Weimarer Republik gestaltet sich schwierig. Huhn verwies bereits 1988 auf die Tatsache, dass eine vermeintlich vehemente Diskussion über die Didaktik noch keine Rückschlüsse auf die tatsächliche praktische Umsetzung ermöglicht, jedoch eröffnet sie Einblicke in das Spektrum vorhandener Einstellungen der Protagonisten3. Schon die Zeitgenossen sprachen dem Jahr 1919 in Bezug auf die Chancen der Geschichtsdidaktik im neuen deutschen Staat den Charakter einer Zäsur zu. Standen nunmehr wirklich schärfere Auseinandersetzungen um den Geschichtsunterricht als wichtiges Fach der politischen Bildung bevor und würde es zu einer Überwindung der Instrumentalisierung des Unterrichts aus der Zeit des Kaiserreiches durch die Offerte der politischen Pluralität Weimars kommen?4

Ein umfassendes Bild der Diskussion von 1918 bis 1932 erschließt sich jedoch erst nach einer stichhaltigen Skizzierung des Diskurs umspannenden institutionellen Rahmens, der eine angemessene Artikulation erst ermöglichte.

Nach Huhn waren die zwei wichtigsten Foren, in denen zuvor verstreute Beiträge eine Bündelung erfuhren, der Verband und die Zeitschrift „Vergangenheit und Gegenwart“, deren jeweilige Anfänge in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zurückreichen5. Der Verband konstituierte sich jedoch erst auf den Hauptversammlungen in Leipzig 1921. Entscheidend sollte er in den folgenden Jahren seinen Einfluss stärken und über wichtige Kompetenzen verfügen. Auch die Zeitschrift erfuhr während der 14 Jahre einen kontinuierlichen Ausbau, außerdem lässt sich gegen Ende der 1920er Jahre eine Etablierung von periodischen Tagungen feststellen6.

Zweifelsfrei war dies die Plattform, auf der im neuen Staat auch die Frage nach der Didaktik neu in Angriff genommen werden konnte, allerdings wurden die Art und der Ausgang der Diskussion eher marginal durch diese neu erschaffenen Strukturen beeinflusst. Hasberg bezeichnet die Weimarer Zeit als die „Präfigurationsphase“7 der modernen Geschichtsdidaktik und Huhn sieht sogar eine deutliche Etablierung der Diskussion um ihre Gestaltung in dieser Epoche deutscher Geschichte8. Mütter hält die Weimarer Zeit für die eigentliche Geburtsstunde der Geschichtsdidaktik, da sie sich von der zeitgenössischen Geschichtswissenschaft und Pädagogik emanzipiere9. Rohlfes konstatiert hingegen nur eine Spaltung der existierenden Geschichtsdidaktiker in zwei Gruppen. Einerseits verweist er auf den gymnasialen Unterricht, der dem Primat der Wissenschaftlichkeit folge und andererseits auf den mittel- und volksschulischen Unterricht, in dem Lehrer tatsächlich mit modernerem fachdidaktischen Fokus neue Unterrichtsmethoden anwendeten10.

Insgesamt kommt die Mehrheit der Forscher zu einem ähnlichen Ergebnis bei der Beurteilung der Diskussion um die Geschichtsdidaktik in der Weimarer Republik. Durchgängig wird allein schon die Existenz einer öffentlichen Debatte als voller Erfolg gewertet, wobei viele Forscher sofort die Grenzen dieses ambivalenten Durchbruchs aufzeigen. Hasberg und Rohlfes sehen in den Forderungen Wenigers von 1926 ein echtes Novum in der Disziplin11. Dessen These von der Eigenständigkeit der Geschichtsdidaktik postulierte den Rückgang des Einflusses der Wissenschaft auf den praktischen Unterricht. Jedoch warnt Hasberg auch vor einer Überbewertung der Stimme Wenigers in der Debatte. Das Gewicht seines Beitrages sei marginal12. Insgesamt lag dem Weimarer geschichtsdidaktischen Diskurs eine große Bandbreite an unterschiedlichen Positionen zugrunde, deren Ursprung in der traditionellen Lagerbildung Geschichtswissenschaft - Gymnasium - Volksschule lag. Neue Konzepte zur Gestaltung des Unterrichts traten jetzt im Zuge des Kriegsausgangs und der gesamtstaatlichen Neugestaltung zutage. Hasberg beobachtet nicht weniger als 7 verschiedene greifbare Ansätze für eine theoretische Grundlegung des Geschichtsunterrichts. Als erstes nennt er die universitäre Geschichtsdidaktik, welche jedoch keinen entscheidenden Einfluss auf den schulischen Unterricht nahm. Der zweite Ansatz ist der sogenannte stofflich bestimmte Geschichtsunterricht. Die hier verfochtene Abbilddidaktik ist eng an den Namen Friedrich gebunden. Den dritten Ansatz verkörpert der novellistische Geschichtsunterricht, eine Form der erlebnispädagogische Einflüsse zugrunde liegen und die besonders bei Volksschullehrern zu finden war. Die Verbindung Lebensraum der Schüler - Geschichtsunterricht versuchte den von Tellenburg praktizierten heimatkundlichen Geschichtsunterricht zu stärken. Der fünfte Ansatz lässt sich als gegenwartsbestimmter Geschichtsunterricht bezeichnen, der sich wiederum in weitere Unterströmungen teilt.

[...]


1 Vgl. Huhn, Jochen: Geschichtsdidaktik in der Weimarer Republik. Konzepte und Bedingungen für den Geschichtsunterricht, in: Verband der Geschichtslehrer Deutschlands (Hrsg.): Geschichtsunterricht und Geschichtsdidaktik vom Kaiserreich bis zur Gegenwart, Stuttgart 1988, S.79-98, hier S.80.

2 Vgl. Hasberg, Wolfgang: Geschichtsdidaktik(er) in der Weimarer Republik, in: Hasberg, Wolfgang; Seidenfuß, Manfred (Hrsg.): Geschichtsdidaktik(er) im Griff des Nationalsozialismus, Münster 2005, S.21-32, hier S.23.

3 Vgl. Huhn: Geschichtsdidaktik 1988, S.80.

4 Vgl. Huhn: Geschichtsdidaktik 1988, S.79.

5 Vgl. Huhn: Geschichtsdidaktik 1988, S.81.

6 Vgl. Huhn: Geschichtsdidaktik 1988, S.82.

7 Vgl. Hasberg: Geschichtsdidaktik(er), 2005, S.22.

8 Vgl. Huhn: Geschichtsdidaktik 1988, S.85.

9 Vgl. Mütter, Bernd: Historische Zunft und historische Bildung. Beiträge zur geschichtswissenschaftlichen Geschichtsdidaktik, Weinheim 1995, hier S.121f; Hasberg: Geschichtsdidaktik(er), 2005, S.23.

10 Vgl. Rohlfes, Joachim: Geschichte und ihre Didaktik, Göttingen 2005, S.12.

11 Vgl. Rohlfes: Geschichte und ihre Didaktik, 2005, S.13.

12 Vgl. Hasberg: Geschichtsdidaktik(er), 2005, S.24; Huhn, Jochen: Geschichtsdidaktik in der Weimarer Republik, in: Bermann, Klaus; Schneider Gerhard (Hrsg.): Gesellschaft - Staat - Geschichtsunterricht. Beiträge zu einer Geschichte der Geschichtsdidaktik und des Geschichtsunterrichts von 1500-1980, Düsseldorf 1982, S.218-260, hier S.255.

Details

Seiten
9
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640827831
ISBN (Buch)
9783640827589
Dateigröße
389 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166663
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
Schlagworte
profilierung geschichtsdidaktik weimarer republik untersuchung stellung bedeutung

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