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Spezifische Problemlagen bei der Bewertung von kleiner und mittlerer Unternehmen im Kontext von M&A-Transaktionen

Seminararbeit 2010 24 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen
2.1 Abgrenzung der kleinen und mittleren Unternehmen
2.2 Anlässe und Zwecke der Unternehmensbewertung

3 Unternehmensbewertungsverfahren
3.1 Einzelbewertungsverfahren
3.1.1 Liquidationswertverfahren
3.1.2 Substanzwertverfahren
3.2 Gesamtbewertungsverfahren
3.2.1 Ertragswertverfahren
3.2.2 Discounted-Cash-Flow-Verfahren
3.3 Mischverfahren
3.3.1 Mittelwertverfahren
3.3.2 Übergewinnverfahren
3.4 Marktwertorientierte Bewertungsverfahren

4 Ausgewählte Problemfelder der Unternehmensbewertung
4.1 Defizite in der Due Diligence
4.2 Kaufpreisfindung

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Definition des Mittelstandes nach quantitativen Kriterien

Abbildung 2: Systematisierung der Berechnungsvarianten im DCF-Verfahren

Abbildung 3: Bereiche der Due Diligence

1 Einleitung

„Die Rheydter Edelstahlfirma Heinz Gothe hat ihren Edelstahl Service Betrieb GmbH (ESB)

(…) an (…) [die] Hempel Special Metals GmbH (HSM) veräußert.“1 - so die Meldung vom 02.09.2009 der Westdeutschen Zeitung. Somit gehört die ESB GmbH zu den zahlreichen Unter- nehmen die jedes Jahr in Deutschland verkauft werden. Nach Berechnungen des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn (IfM) werden alleine aufgrund der Unternehmensnachfolgeregelung über 70.000 kleine und mittlere Unternehmen (KMU) Jahr für Jahr übertragen. Davon werden nur etwa 44 % der Unternehmen an Familienmitglieder übertragen. Die übrigen Unternehmen werden entweder an die Mitarbeiter bzw. an Fremde verkauft oder mangels Nachfolgeregelung stillgelegt.2

In diesem Kontext stellt sich allerdings die Frage nach dem Wert des Unternehmens. Dabei spielt es keine Rolle in welche Hände das Unternehmen übergeben wird. Denn mit dieser Frage be- schäftigen sich nicht nur Eigentümer und Interessenten sondern auch Externe. So kann sich bei- spielsweise im Erbfall das Finanzamt für den Unternehmenswert interessieren, da dieser als Be- rechnungsgrundlage für die Erbschaftssteuer gilt. Aber wie soll ein Unternehmen bewertet wer- den? Es gibt für Unternehmen keine Schwackeliste, wie es bei Gebrauchtautos der Fall ist. Jedes Unternehmen ist einzigartig und gleicht einer Individualität. Im Rahmen einer Unternehmensbe- wertung können weiterhin u. a. folgende Fragen entstehen: Sind bei der Bewertung nur materiel- le oder auch immaterielle Werte zu berücksichtigen? Haben zukünftige Erträge auf den Unter- nehmenswert einen Einfluss? Welche Faktoren haben eine besondere Auswirkung auf den Un- ternehmenswert? Gibt es vielleicht Besonderheiten bzw. Problembereiche bei der Bewertung der KMU? Auf diese und weitere Fragen wird im Rahmen einer Unternehmensbewertung eingegan- gen und mittels verschiedener Verfahren beantwortet.

Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, die Problemfelder bei der Bewertung von kleinen und mitt- leren Unternehmen aufzuzeigen. Da die meisten Unternehmenstransaktionen in Deutschland im Bereich der KMU erfolgen, soll im Kapitel 2 zunächst dieser Bereich charakterisiert werden. Darüber hinaus wird der Leser in diesem Kapitel mit den Beweggründen vertraut, die eine Un- ternehmensbewertung erfordern. Als nächstes werden im Kapitel 3 verschiedene Bewertungsver- fahren dargestellt. Dabei wird aufgrund der Vielfältigkeit der Bewertungsmethoden nur auf die wesentlichen und in Deutschland anerkannten Verfahren eingegangen. Obwohl die Due Diligen- ce am Anfang einer Unternehmensbewertung ansteht, wird diese erst im Kapitel 4 behandelt. Der Grund liegt darin, dass die Durchführung einer Due Diligence neben der Kaufpreisfindung zu den wesentlichen Problemfeldern bei der Bewertung von KMU gehört, die im Kapitel 4 be- schrieben werden. Abschließend erfolgt im Kapitel 5 eine Zusammenfassung der vorangegange- nen Kapitel.

2 Grundlagen

2.1 Abgrenzung der kleinen und mittleren Unternehmen

Die deutsche Wirtschaft ist von kleinen und mittleren Unternehmen geprägt. Sie machen insge- samt über 99 % aller Unternehmen aus und beschäftigen fast 80 % aller Arbeitnehmer3. Dessen ungeachtet gibt es dennoch keine einheitliche Definition für KMU. In Deutschland erfolgt die Abgrenzung der kleinen und mittleren Unternehmen von Großunternehmen nach Mitarbeiteran- zahl und Umsatz, sog. quantitative Kriterien. Danach hat ein Kleinunternehmen maximal 9 Ar- beitnehmer und erzielt dabei einen Jahresumsatz bis 1 Mio. Euro. Ein Unternehmen der mittleren Größe beschäftigt zwischen 10 und 499 Arbeitnehmer bei einem jährlichen Umsatz unter 50 Mio. Euro.4 Folglich gehört ein Unternehmen zum Mittelstand, wenn es weniger als 500 Mitar- beiter beschäftigt und sein Umsatz weniger als 50 Mio. Euro beträgt. Eine weitere Definition des Mittelstandes gibt es seitens der EU, die den Mittelstand ähnlich, jedoch in drei Gruppen unter- teilt. Demnach hat ein Kleinstunternehmen maximal 9 Mitarbeiter mit einem Umsatz oder Bi- lanzsumme bis 2 Mio. Euro. Die Kleinunternehmen beschäftigen zwischen 10 und 49 Mitarbei- ter bei einem Umsatz oder Bilanzsumme bis 10 Mio. Euro. Zu den mittleren Unternehmen gehö- ren die Unternehmen, die mit 50 bis 249 Mitarbeitern einen Umsatz bis 50 Mio. Euro erzielen oder eine Bilanzsumme bis 43 Mio. Euro nachweisen.5 Abgesehen von quantitativen Merkmalen verlangt die EU die Erfüllung einer weiteren Voraussetzung: Es muss eine weitgehende Unab- hängigkeit des Unternehmens gewährleistet werden. Diese Bedingung wird erfüllt, wenn die Beteiligungsquote eines Unternehmens an einem Fremdunternehmen oder die Beteiligungsquote eines Fremdunternehmens an dem betreffenden Unternehmen geringer als 25 % ist. Eine derart genaue Abgrenzung des Mittelstandes ist für die öffentliche Hand von großer Bedeutung. Da- durch wird gewährleistet, dass im Rahmen der Mittelstandsförderung die Zuteilung der Förder- mittel besser gesteuert werden kann.6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Definition des Mittelstandes nach quantitativen Kriterien7

Des Weiteren wird der Mittelstand durch qualitative Merkmale charakterisiert. Die KMU zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass das Unternehmen sich im Privatbesitz befindet und der Eigentümer einen erheblichen Einfluss auf relevante Entscheidungen innerhalb des Unternehmens hat. Sehr oft ist der Inhaber mit dem Unternehmen so eng verbunden, dass in diesem Fall sogar von einer Identität gesprochen werden kann. Er agiert selbstständig und trägt alleine das Risiko seiner Entscheidungen. Aus diesem Grunde hängt seine wirtschaftliche Existenz sehr häufig von der des Unternehmens ab. Seine persönlichen Beziehungen zu Mitarbeitern, Geschäftspartnern und seinem lokalen Umfeld verhelfen ihm nicht selten zum Erfolg. Somit steht der Eigentümer im Mittelpunkt der quantitativen Definition des Mittelstandes.8

Es bleibt also festzuhalten, dass die Abgrenzung der KMU von Großunternehmen nur anhand der quantitativen Kriterien nicht sinnvoll ist. Schließlich wird ein Mittelständler bei 501 Mitarbeitern oder einem Umsatz von 50. Mio. Euro nicht sofort als Großunternehmen klassifiziert. Eine sinnvolle Charakterisierung der mittelständischen Unternehmen kann daher nur durch Kombination aus quantitativen und qualitativen Merkmalen erfolgen.9

2.2 Anlässe und Zwecke der Unternehmensbewertung

Die Bewertung eines Unternehmens erfolgt aus verschiedenen Anlässen. Dabei lassen sich diese nach transaktionsbezogene und nicht transaktionsbezogene Bewertungsanlässe unterscheiden. Bei nicht transaktionsbezogenen Bewertungsanlässen handelt es um Anlässe, bei denen es kein Eigentümerwechsel stattfindet. Hierbei kann es sich beispielsweise um steuerliche Gründe han- deln, deren Zweck die Ermittlung der Steuerbemessungsgrundlage ist. Ferner können Gründe wie Sanierung oder Kreditwürdigkeitsprüfung hier ebenfalls eingeordnet werden. Der Anlass der meisten Bewertungen in der Praxis ist jedoch der Kauf bzw. Verkauf von Unternehmen oder Unternehmensanteilen. Diese Kategorie der transaktionsbezogenen Anlässe lässt sich noch tiefer in dominierte und nicht dominierte Anlässe untergliedern. Die Differenzierung besteht darin, dass bei dominierten Anlässen die Veränderung der Eigentumsverhältnisse ohne Zustimmung der Gegenpartei durchgesetzt werden kann. Sehr oft tritt dieser Fall bei Erbauseinandersetzun- gen, beim Ausschluss eines Gesellschafters aus einer Personengesellschaft oder bei Zugewinn- ausgleich ein. Dabei hat die Unternehmensbewertung den Zweck, den Schiedswert zu ermitteln. Bei nicht dominierten Anlässen hat jede Partei die Möglichkeit, die Vertragsverhandlungen - und somit die Durchführung der Transaktion - abzubrechen. In diesem Fall dient beispielsweise bei Veräußerung des Unternehmens der Kaufpreis als Entscheidungswert. Empfindet eine der Vertragsparteien z. B. den Preis zu hoch bzw. zu niedrig, so besteht für diese die Möglichkeit, die Verhandlung ohne Folgen abzubrechen.10

Die Vorgehensweise jeder Unternehmensbewertung ist vom Zweck abhängig. Danach richtet sich insbesondere die Auswahl eines geeigneten Bewertungsverfahrens. Liegt ein konkreter An- lassfall vor, so muss zunächst die Methode gefunden werden, die den Bewertungszweck über- haupt erfüllen kann. Dabei ist es nicht ausgeschlossen, dass zur Erfüllung eines bestimmten Be- wertungszwecks mehrere geeignete Bewertungsverfahren angewendet werden können.11

[...]


1 Baumann (2009), S. 15.

2 Institut für Mittelstandsforschung Bonn (2009).

3 Schauf (2009a), S. 14.

4 Vgl. Abbildung 1.

5 Vgl. Abbildung 1.

6 Behringer (2009), S. 31; Schauf (2009a), S. 4 f.

7 Quelle: In Anlehnung an Schauf (2009a), S. 5.

8 Schauf (2009a), S. 7-9.

9 Schauf (2009a), S. 9; Zieger/Schütte-Biastoch (2008), S. 591.

10 Vgl. Behringer (2009), S. 59 ff.; Zieger/Schütte-Biastoch (2008), S. 590 f.

11 Vgl. Mandl/Rabel (2009), S. 88.

Details

Seiten
24
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640831098
ISBN (Buch)
9783640830572
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166688
Institution / Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,3
Schlagworte
Unternehmensbewertung KMU Bewertung M&A kleine und mittlere Unternehmen Transaktionen Ertragswertverfahren DCF-Verfahren Discounted-Cash-Flow-Verfahren Einzelbewertungsverfahren Gesamtbewertungsverfahren Liquidationswertverfahren Substanzwertverfahren Mischverfahren Mittelwertverfahren Übergewinnverfahren Marktwertorientierte Bewertungsverfahren Due Diligence Kaufpreisfindung

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