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Nachfragepotenzialanalyse für den Spielort Bochum zur FIFA Frauen-WM 2011

Am empirischen Beispiel der Stadt Duisburg

von Bachelor of Sports Science Serkan Kiyar (Autor)

Bachelorarbeit 2010 60 Seiten

Sport - Sportökonomie, Sportmanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen einer Marktpotenzialanalyse für Sportgroßveranstaltungen
2.1 Sozio-Ökonomische Bedeutung von Sportgroßveranstaltungen
2.2 Die Rolle der Zuschauernachfrage für den Erfolg einer Sportgroßveranstaltung und mögliche Besonderheiten der Nachfrage nach Spielen der FIFA Frauen-WM 2011
2.3 Hypothesen zur Zuschauernachfrage in Nachbarstädten der Austragungsorte

3 Methodik
3.1 Bevölkerungsbefragungen als Instrument zur Einschätzung des Nachfragepotenzials
3.2 Aufbau des Fragebogens
3.3 Datenerhebung
3.3.1 Stichprobenziehung Bevölkerungsbefragung in der Stadt Duisburg
3.3.2 Vergleich mit kompatiblen Erhebungen aus Bochum
3.3.3 Qualität der Primärdaten
3.4 Datenverarbeitung und Datenauswertung

4 Ergebnisse der Nachfrageanalyse
4.1 Allgemeine deskriptive Daten der Bevölkerungsbefragungen in Duisburg
4.1.1 Soziodemographische Daten
4.1.2 Psychographische Daten
4.1.3 Konsumgewohnheiten bezogen auf die Stadt Bochum (Bermuda Dreieck, Bochumer Stadion)
4.1.4 Besuchsabsicht FIFA Frauen-WM 2011 im Bochumer Stadion
4.2 Allgemeine deskriptive Daten der Bevölkerungsbefragungen in Bochum
4.2.1 Soziodemographische Daten
4.2.2 Psychographische Daten
4.2.3 Konsumgewohnheiten bezogen auf die Stadt Bochum (Bermuda Dreieck, Bochumer Stadion)
4.2.4 Besuchsabsicht FIFA Frauen-WM 2011 im Bochumer Stadion
4.3 Korrelation der Variablen
4.3.1 Zwischenergebnisse der Datensätze
4.3.2 Hypothesenprüfung: Frauenfußballinteresse
4.3.3 Hypothesenprüfung: Besuchsabsicht Spiele Frauen- WM 2011
4.4 Diskussion der Ergebnisse
4.5 Bedeutung der Ergebnisse für die Maßnahmen des Organisations- komitees zur Zuschauergewinnung

5 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Anhang

1 Einleitung

Die FIFA Frauen-WM 2011™ findet im Zeitraum vom 26. Juni 2011 bis zum 17. Juli 2011 in Deutschland statt. Das Rewirpowerstadion im Zentrum des Ruhrge- bietes in Bochum wird eines von insgesamt neun Fußballstadien sein, dass die Spiele der 16 Endteilnehmer beherbergt. Die Herren-WM 2006 in Deutschland hatte bereits gezeigt, welche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Potenziale solche sportlichen Großereignisse bergen (siehe hierzu Kurscheidt, Preuß & Schütte, 2009).

Bei der bevorstehenden Frauen-WM 2011 kann gegenwärtig auf die Forschungs- erfahrungen aus 2006 zurückgegriffen werden (z.B. Kurscheidt, Preuß & Schütte, 2008; Kurscheidt, Preuß & Schütte, 2009a; Kurscheidt, Preuß & Schütte, 2009b). Im Gegensatz zur Herren-WM 2006, die hinsichtlich der Stadien- und Fanfest- nachfrage ein Selbstläufer war (vgl. Kurscheidt, Preuß & Schütte, 2009b; Kur- scheidt & Klein, 2009b, S. 3), wird es bei der Frauen-WM 2011 erhebliche An- strengungen benötigen die Arenen und Fanmeilen wie z.B. das Bermudadreieck in Bochum zu füllen, um annähernd die positiven wirtschaftlichen Effekte und Imagewirkungen für die Austragungsregionen zu erzeugen (vgl. Kurscheidt & Klein, 2009b, S. 3). Die Herausforderung liegt in der Aktivierung aller Potenziale des Ereignisses (vgl. Kurscheidt & Klein, 2009b, S. 3; Kurscheidt, 2004; Kur- scheidt, 2003).

Das übergeordnete Ziel dieser Bachelorarbeit ist, über solide Bevölkerungsbefra- gungen in NRW am empirischen Beispiel der Stadt Duisburg, den geplanten Kon- sum- als auch die Besuchsabsicht der einzelnen Bevölkerungsgruppen zur FIFA Frauen-WM im Bochumer Stadion während der Frauenfußball-WM 2011 zu erfas- sen. Hieraus resultieren die dieser Arbeit zugrunde liegenden zwei Forschungshy- pothesen:

1. Bei der Duisburger Bevölkerung ist das Frauenfußballinteresse höher als bei der Bochumer Bevölkerung.
2. In der Bochumer Bevölkerung ist die Absicht das Bochumer Stadion wäh- rend der Frauen-WM zu besuchen verbreiteter als in der Duisburger Bevöl- kerung.

Die Bevölkerungsbefragungen fanden an sportneutralen Standorten statt. Über- dies wurde von der „Family & Friends“ Methode Gebrauch genommen.

Als Grundlage für die Bevölkerungsbefragungen dient ein, von der Forschungs- gruppe „Empirische Begleitforschung zur FIFA Frauen-WM 2011TM“ des Lehr- und Forschungsbereiches Sportmanagement/ Sportsoziologie der Ruhr-Universität Bochum, zur Frauen-WM 2011 erstellter Fragebogen (Fragebogen siehe Anhang).

Die Informationen aus den Fragebögen wurden in einen Datensatz des Statistik- programms SPSS 18 eingepflegt und analysiert. Die statistische Auswertung ori- entiert sich an den oben geschilderten Zielstellungen. Zunächst wird eine univaria- te Auswertung in Form einer deskriptiven Darstellung erzeugt (vgl. Kromrey, 2009, S. 403 ff.). Anschließend ist die Verteilung der Beobachtungen in einer bivariaten Auswertung (Geschlecht, Alter, Bildung, Einkommen) gut einsehbar und vergleichbar (vgl. Kromrey, 2009, S. 441 ff.). Mit der Überprüfung von Zusammenhängen zwischen den Variablen wird es möglich die Einstellung zur Konsums- und Besuchsabsicht korrekt abzubilden (vgl. Backhaus et al., 2008, S. 11). Idealerweise lassen sich die Auswertungen klassifizieren und in Typologien präsentieren (vgl. Backhaus et al., 2008, S. 14.).

Mit dieser Bevölkerungsbefragung bezüglich des Reise- und Konsumverhaltens ist es möglich auf primärempirischer Basis die unmittelbaren touristischen und wirt- schaftlichen Effekte zu erfassen (vgl. Kurscheidt & Klein, 2009b, S. 4). Die produk- tive Verwendung der Ergebnisse findet in einer soliden empirischen Ermittlung ei- ner Prognose aktivierbarer Zielgruppen für einen Stadionbesuch als Vorausset- zung fruchtbarer sozioökonomischer Standorteffekte statt. Außerdem bietet die Bachelorarbeit Hilfestellung bei der Ermittlung von effektiven Themen zur Aktivie- rung der Besuchsabsicht und sorgt für empirisch solides Wissen im Hinblick auf die nächsten Eventaustragungen.

Literatur zum Frauenfußball ist ausgiebig vorhanden. Es existiert Literatur zum Frauenfußball aus historischer Perspektive (z.B. Hoffmann & Nendza, 2005; No- vak, 2002; Selmer, 2006; Wesp, 2001; Witte, 2007), aus soziologischer Perspekti- ve (z.B. Busch, 1997; Diketmüller, 2005; Fechtig, 1995; Gerulat, 2006; Linsen, 2001; Sinnig, 2007) als auch aus ökonomischer Perspektive (z.B. Bökemeier, 2005; Küster, 2001; Laumann, 2004). Darüber hinaus bestehen weitere Publikati- -nen der Ruhr-Universität Bochum über Frauenfußball (vgl. Klein, 2009a; Klein, 2007b; Mintert, Klein, 2007). Außerdem existieren zahlreiche Schriftwerke zum Thema Großevents im Fußball (vgl. Klein & Kurscheidt, 2007c; Kurscheidt, 2009a; Kurscheidt, 2009b; Kurscheidt, Preuß & Schütte, 2008; Kurscheidt, Preuß & Schütte, 2009a; Kurscheidt, Preuß & Schütte, 2009b; Kurscheidt 2004; Preuß, Sil- ler, Stickdorn, Schütte & Zehrer, 2009). Literatur die sich speziell mit dem Thema „Nachfragepotenzial der Frauen-WM 2011“ befasst, ist nicht vorhanden. Infolge- dessen können die tatsächlichen Nachfrager nur „geschätzt“ werden. Eine ver- gleichbare primärempirische Forschung wurde bei der Herren-WM 2006 durchge- führt (siehe hierzu Kurscheidt, Preuß & Schütte, 2008; Kurscheidt Preuß & Schütte 2009a; Kurscheidt Preuß & Schütte 2009b). Genau wie das Vorgehen im Zuge dieser Bachelorarbeit zur Frauen-WM 2011, wurden zur Herren-WM 2006 u.a. schriftliche Befragungen im Vorfeld der WM durchgeführt, um eine Prognose über die tatsächlichen Nachfrager zu ermitteln.

Die Forschungsgruppe des Lehr- und Forschungsbereiches Sportmanagement/ Sportsoziologie der Ruhr-Universität Bochum führt momentan, unter der Leitung von Prof. Dr. M.-L. Klein und Dr. Kurscheidt, eine empirische Begleitforschung zur Frauen-WM 2011 durch (siehe hierzu Kurscheidt & Klein, 2009b). Die Bachelorar- beit findet projektbegleitend statt. Die Daten und Auswertungen aus den Befra- gungen der Bachelorarbeit werden in die Begleitforschung mit einbezogen. Diesen wird ein Bochumer-Datensatz aus Befragungen des oben vorgestellten Projekts gegenübergestellt.

Die Bachelorarbeit beginnt mit theoretischen Grundlagen einer Marktpotenzialana- lyse für Sportgroßveranstaltungen. Hier soll zum einen die Sozio-Ökonomische Bedeutung von Sportgroßveranstaltungen angesprochen werden; zum anderen wird die Rolle der Zuschauernachfrage für den Erfolg einer Sportgroßveranstal- tung mit möglichen Besonderheiten der FIFA Frauen-WM 2011 näher erläutert. Nachkommend werden die Forschungshypothesen zur Zuschauernachfrage in Nachbarstädten der Austragungsorte formuliert, deren Prüfung sich diese Bache- lorarbeit zum Ziel nimmt.

Im darauffolgenden Kapitel wird das methodische Instrumentarium angesprochen.

Es wird die Gültigkeit von Bevölkerungsbefragungen zur Einschätzung des Nach- fragepotenzials angesprochen, der Aufbau des benutzten Fragebogens veran- schaulicht, sowie die Methoden der Datenerhebung als auch Datenverarbeitung und Datenauswertung verdeutlicht. Schließlich werden die Ergebnisse der Befra- gungen in deskriptiven Darstellungen dokumentiert, die formulierten Hypothesen geprüft und die daraus resultierenden Ergebnisse diskutiert. Anschließend wir die Bedeutung der Ergebnisse für die Maßnahmen des Organisationskomitees zur Zuschauergewinnung erörtert und die Ergebnisse der Bachelorarbeit in einer Schlussbetrachtung reflektiert.

2 Theoretische Grundlagen einer Marktpotenzialanalyse für Sportgroßveranstaltungen

2.1 Sozio-Ökonomische Bedeutung von Sportgroßveranstaltungen

„Sportgroßveranstaltungen haben in den vergangenen Jahren weltweit zunehmende wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung erlangt. Erhöhte Ansprüche der Besucher an die Qualität der sportlichen Leistungen und an den Erlebniswert der Veranstaltungen, erheblicher organisatorischer Aufwand, hohe öffentliche und private Investitionen sowie ein intensiver Wettbewerb der Veranstaltungsorte untereinander kennzeichnen die aktuelle Situation“ (Gans, Horn & Zemann, 2003, S. 19).

Sportgroßveranstaltungen sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Freizeitkultur geworden. Stärker als in anderen Bereichen (Kultur, Freizeitgestaltungen wie z.B. Tourismus) fußt der Sport auf „Events“, denn Spitzenleistungen können nur im Wettkampf oder Schaukampf, als Zuschauersport, produziert werden (vgl. Kurscheidt, 2009a, S. 28-29). Sportgroßveranstaltungen bieten den Zuschauern in den Stadien/ Sporthallen wie auch an den Fernsehern spannende Unterhaltung und Erholung vom Alltag. Aus dem u.a. gemeinschaftlichen Erleben von spannungsgeladenen Wettkämpfen beziehen Sportgroßveranstaltungen einen Großteil ihrer Attraktivität (vgl. Klein, 1996, S. 55 f.). In einer Situation zwischen Kameradschaft und der Anonymität einer Masse teilen die Zuschauer ihr emotionales Erleben. So werden intensive Gefühle geteilt und eine Gemeinschaftszugehörigkeit erlebt (vgl. Weiß, 1999, S. 182). Zudem werden den Sportgroßveranstaltungen Funktionen im Rahmen der Integrationsförderung von Minderheiten sowie der Vermittlung von Orientierung und Werten zugesprochen (vgl. Gans, Horn & Zemann, 2003, S. 99).

Gans, Horn & Zemann (2003, S. 99-100) stellen dem negative Aspekte wie beispielsweis die gesundheitlichen Risiken beim Besuch von Sportgroßver- anstaltungen (Unfälle, Hörschädigungen usw.) gegenüber. Darüber hinaus verweisen sie auf verschiedene mögliche Konfliktsituationen zwischen den Zuschauern z.B. durch Hooligans (Siehe hierzu auch Rahmann et al. 1998, S. 54).

Auf der (potenziell positiven) öffentlichen Wahrnehmung und der hohen Nachfrage für den Besuch oder den TV-Konsum einer Veranstaltung, beruht das starke Interesse der Stadtoberen, Landes- und Bundespolitiker sich in der Ausrichtung von Großereignissen zu beteiligen (vgl. Kurscheidt, 2009a, S. 13). So kann eine derartige prestigeträchtige Großveranstaltung genutzt werden um sich z.B. als erfolgreicher Organisator vor einem großen Publikum darzustellen. Zudem ist es im Interesse vieler Großstädte „Events“ strategisch in Stadtentwicklungspläne einzubinden, um sich ein positives Standortprofil zuzulegen und sich so im nationalen sowie zunehmend internationalen Wettbewerb hervorzuheben. Nicht zuletzt erhoffen sich die Austragungsregionen dadurch einen zumindest kurzfristigen Zuwachs der Kaufkraft durch Veranstaltungstouristen, Sponsoren, öffentliche Finanzzuweisungen übergeordneter Gebietskörperschaften und private Investoren (vgl. ebd., S. 13-14, Rahmann et al. 1998, S. 65ff. & Klein, 1996).

2.2 Die Rolle der Zuschauernachfrage für den Erfolg einer

Sportgroßveranstaltung und mögliche Besonderheiten der Nachfrage nach Spielen der FIFA Frauen-WM 2011

Die empirische Analyse zur FIFA Herren-WM 2006 von Kurscheidt, Preuß & Schütte (2009b) wie auch die Dissertation über die Zuschauernachfrage im professionellen Teamsport von Roy (2004) sind nur zwei Beispiele von vielen, die für eine sehr große ökonomische und soziale Bedeutung der Zuschauernachfrage für den Erfolg einer Sportgroßveranstaltung sprechen. Auf Grund der sehr starken Zuschauernachfrage berechneten Kurscheidt, Preuß & Schütte (2009b, S. 223) den Primärimpuls nach Konsumverwendungszwecken der Herren-WM 2006.

Diese Berechnung ergab in den direkt betroffenen Branchen eine zusätzliche Nachfrage nach tourismus- und event-spezifischen Waren und Dienstleistungen (z.B. Übernachtung, Gastronomie, Einzelhandel usw.) in Höhe von mehr als 2,8 Mrd. Euro. Zwar stiegen gleichzeitig die Kosten der jeweiligen Branchen (z.B. zusätzlicher Einkauf von Lebensmitteln) aber der eindeutige Profit wurde nicht gefährdet (vgl. Kurscheidt, Preuß & Schütte, 2009b, S. 223). Durch diesen Primärimpuls kam es in Deutschland im Jahr 2006 infolge gesamtwirtschaftlicher Kreislaufeffekte zu einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von über 3,2 Mrd. Euro. (vgl. ebd., S. 224).

Im Zuge der Zuschauernachfrage weist Roy (2004, S. 17) auf die verschiedenen Einflussfaktoren des Nachfrageverhaltens hin. Roy beruft sich auf die Punkte der „Preis-Nachfrage-Beziehung“ sowie der „Einkommens-Nachfrage-Beziehung“ (vgl. ebd., S. 17 & 19). Einerseits wird die Zuschauernachfrage von den Preisen beeinflusst: Wenn sich die Frauen WM-2011 beispielsweise mit hohen Eintrittspreisen präsentiert, so wird die Nachfrage sinken. Durch niedrigere Eintrittspreise kann die Frauen-WM 2011 mehr Zuschauer ansprechen und die Stadien füllen.

„Zwischen der nachgefragten Menge eine Gutes und dessen Preis besteht im Regelfall eine inverse Beziehung. Bei fallendem Preis steigt die Nachfrage, bei steigendem Preis sinkt sie“ (Roy, 2004, S. 17).

Andererseits beeinflusst das Zuschauereinkommen die Nachfrage des Events: Je höher das Einkommen, desto mehr Güter (z.B. VIP Lounge) werden in Anspruch genommen (vgl. ebd., S. 19). Übersteigen die Eventkosten (z.B. Für den ausländischen Besucher: Flug/ Reise, Übernachtung, Nahrung, Eintrittspreise usw.) allerdings das Budget der Publikumshaushalte, so werden diese nicht zum Event reisen.

„Das Haushaltseinkommen oder im diskutierten Falle das Budget für Ausgaben zur Freizeitgestaltung stellt nun eine Restriktion in der Entscheidung für eine gewisse präferierte Güterkombination dar, da die Ausgaben eben höchstens so hoch wie das Budget sein können“ (ebd., S. 17).

Ob bewusst oder unbewusst, die Frauen-WM 2011 wird an den hohen Ansprüchen der Herren-WM 2006 gemessen (vgl. Kurscheidt & Klein, 2009b). Durch ein geeignetes strategisches Marketing muss bei der Frauen-WM 2011 gezielt für eine hinreichende Nachfrage gesorgt werden, um annähernd die positiven wirtschaftlichen Effekte und Imagewirkungen für die Austragungs- regionen zu erzeugen wie die Herren-WM 2006 (vgl. Kurscheidt & Klein, 2009b, S. 3).

Obwohl Gdawietz und Kraus (2007, S. 60f.) den höheren Zuschauerzuspruch bei den deutschen Frauenfußball-Länderspielen als bei FrauenfußballBundesligaspielen verdeutlichen, reicht es für das Ausschöpfen der Zuschauerkapazitäten für regelmäßig ausverkaufte Stadien noch nicht aus (vgl. ebd., S. 61f.). Zudem ist zu beachten, dass bei der Frauen-WM 2011 mit einer weitgehend unterschiedlichen Besucherstruktur zu rechnen ist, als bei der HerrenWM 2006 (Kurscheidt & Klein, 2009b, S. 3). Hieraus entsteht ein unterschiedliches Konsum- und Reiseverhalten der Zuschauer (ebd.).

2.3 Hypothesen zur Zuschauernachfrage in Nachbarstädten der

Austragungsorte

Deutschland ist Gastgeber der Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 und die Stadt Bochum einer der Austragungsorte. Im Rahmen dieser Arbeit wurden Bevöl- kerungsbefragungen in der von Bochum ca. 40 km entfernten Stadt Duisburg durchgeführt. Duisburg zeichnet sich unter anderem durch die sehr erfolgreiche Frauenfußball-Bundesliga Mannschaft FCR 2001 Duisburg aus (vgl. FCR 2001 Duisburg, 2010).

Vor diesem Hintergrund nimmt die Arbeit Bezug auf den Faktor Regionalität der Frauenfußballnachfrage sowie auf die Kategorie Frauenfußballinteresse der Bevölkerung. Somit definiert sich als übergeordnetes Ziel der Arbeit, über solide Bevölkerungsbefragungen in NRW am empirischen Beispiel der Stadt Duisburg, die Konsumgewohnheiten als auch die Besuchsabsicht zur FIFA Frauen-WM im Bochumer Stadion, während der Frauen-WM 2011 zu erfassen.

Für diesen Forschungsansatz ergeben sich die folgenden Fragen: Wer würde nach Bochum reisen, um im dortigen Stadion ein Spiel der Frauen-WM 2011 zu besuchen? Auf welchem Stand liegt das allgemeine Frauenfußballinteresse? Hat 7 die Duisburger Bevölkerung, aufgrund ihrer sehr erfolgreichen Frauenbundesliga- mannschaft, mehr Frauenfußballinteressierte als die Bochumer Bevölkerung? Welchen Einfluss nimmt die Entfernung zur Austragungsstätte auf die Nachfrage? Wirkt sich die Entfernung zum Austragungsort im Bochumer Stadion unter Um- ständen negativ auf die Besuchsabsicht der Duisburger Bevölkerung aus? Diese Fragen werden anhand der 2 formulierten Forschungshypothesen geprüft:

1. Bei der Duisburger Bevölkerung ist das Frauenfußballinteresse höher als bei der Bochumer Bevölkerung.
2. In der Bochumer Bevölkerung ist die Absicht das Bochumer Stadion wäh- rend der Frauen-WM zu besuchen verbreiteter als in der Duisburger Bevöl- kerung.

An Beispielen von erfolgreichen Sportlern, wie z.B. Boris Becker im Tennis oder Michael Schumacher in der Formel 1, wird deutlich, dass der Erfolg der Akteure das Interesse der deutschen Zuschauer an ihrer jeweiligen Sportart verstärkt hat. Daneben ist das steigende Interesse am Frauenfußball, ausgelöst durch den Er- folg der deutschen Nationalmannschaft, spürbar. Der FCR 2001 Duisburg zählt mit einem Europapokalsieg, einer deutschen Meisterschaft und drei deutschen Pokal- siegen (Stand August, 2010) zu den Spitzenmannschaften im deutschen Frauen- fußball. Zuletzt haben sie den UEFA Women’s Cup 2009 sowie den DFB Pokal 2009 und 2010 gewonnen. Sie bieten einen attraktiven Kader mir mehreren Natio- nalspielerinnen wie beispielsweise die ehemalige Ruhr-Universität Studentin Annike Krahn oder die Torschützenkönigin der U-20 Weltmeisterschaft 2010 Ale- xandra Popp (vgl. FCR 2001 Duisburg, 2010.). Es liegt die Vermutung nahe, dass sich dieser Erfolg der Mannschaft ebenso förderlich auf das Frauenfußballinteres- se in der Stadt Duisburg auswirkt. Die dem gegenüber gestellte Nullhypothese lau- tet hingegen, dass es einen solchen positiven Effekt in Duisburg nicht gibt. Das In- teresse wäre demnach in der Duisburger sowie Bochumer Population entweder gleich hoch oder die Bochumer Population verfügt über mehr Frauenfußballinte- ressierte als die Duisburger Bevölkerung.

Bezüglich der 2. Forschungshypothese liegt die Vermutung nahe, dass die Bo- chumer Bevölkerung, während der Frauen-WM 2011 eher das Bochumer Stadion besuchen würde als die Duisburger Bevölkerung, da das Stadion unmittelbar und schneller erreichbar ist. Die Duisburger Bevölkerung hat einen mindestens 40 km langen Weg vor sich bis zum Stadion. Dies beansprucht einen höheren zeitlichen und organisatorischen Aufwand und, so die Annahme, senkt folglich die Reisebe- reitschaft zum Austragungsort. In der Nullhypothese wird hingegen davon ausge- gangen, dass sich die Regionalität nicht auf die Besuchsabsicht auswirkt und es somit keinen Zusammenhang zwischen Regionalität und Besuchsabsicht des Bo- chumer Stadions besteht.

3 Methodik

3.1 Bevölkerungsbefragungen als Instrument zur Einschätzung des

Nachfragepotenzials

Schätzungsweise werden rund 90% aller Daten durch Befragungen gewonnen. Bevölkerungsbefragungen sind somit die mit Abstand am häufigsten verwendete Methode der Datenerhebung (Bortz & Döring, 1995, S. 216). „Zugleich ist sie auch dasjenige Verfahren, das am weitesten entwickelt ist“ (Kromrey, 2009, S. 336). Die Methode lässt sich in die mündliche Befragung, in Form von Interviews, und in die schriftliche Befragung über Fragebögen unterteilen (Bortz & Döring, 1995, S. 216).

Den Kern der Untersuchung und dieser Arbeit bilden schriftliche Befragungen mit einem standardisierten Fragebogen (n insgesamt = 290). Die Befragungen fanden zu verschiedenen Zeitpunkten am Duisburger Innenhafen, an der Duisburger Universität sowie am 18. Juli auf der „Kulturmeile A40“ statt. Zudem wurden Befragungen mit der „family & friends“ - Methode durchgeführt. Bei dieser Methode wurden Fragebögen im Bekanntenkreis des Autors aus Duisburg ausgefüllt. Ferner haben Freunde und Familienangehörige in ihren jeweiligen Bekanntenkreisen (Familie, Freunde, Arbeitskollegen etc.) in Duisburg Fragebögen ausfüllen lassen (n=79).

Der Duisburger Innenhafen ist gekennzeichnet durch eine u.a. hohe Dichte von gastronomischen Betrieben (Siehe hierzu: Innenhafen Portal, 2010). Nach Absprache mit den Gastronomie-Betreibern boten sich gute Befragungsmöglich- keiten in den einzelnen Lokalen (n=38). Am 18. Juli 2010 fand im Rahmen der „Ruhr 2010“ die so genannte Kulturmeile auf der Autobahn 40 statt (vgl. Ruhr 2010, 2010). Die Veranstaltung begann in Duisburg und wurde mit zahlreichen Sitzgelegenheiten (Bänken) und Tischen für dieses Event ausgestattet. So ergaben sich im Raum Duisburg hervorragende Befragungsmöglichkeiten auf der Autobahn (n=83). Die Befragungen an der Universität in Duisburg (Siehe hierzu: Universität Duisburg - Essen, 2010) ergaben insgesamt ebenfalls eine solide Rücklaufquote (n=90), da v.a. bei den Studierenden eine hohe Teilnahmebereitschaft bestand. Dies könnte darauf zurück zu führen sein, dass es sich bei den Befragten in der Universität um eine weitestgehend homogene Teilpopulationen handelt, für die der Umgang mit schriftlichen Befragungen nichts Ungewöhnliches ist (vgl. Bortz & Döring, 1995, S. 235).

Als Grundlage für die Bevölkerungsbefragungen diente ein, von der Forschungsgruppe „Empirische Begleitforschung zur FIFA Frauen-WM 2011TM“ des Lehr- und Forschungsbereiches Sportmanagement/ Sportsoziologie, zur Frauen-WM 2011 erstellter Fragebogen. Der Aufbau des Fragebogens wird unter dem Teilkapitel 3.2 näher erläutert. Zusätzlich ist der Fragebogen im Anhang dieser Bachelorarbeit einzusehen.

Während den Befragungen hielt sich der Befrager immer in unmittelbarer Nähe auf. Dies begünstigt zum einen die Rücklaufquote und bietet dem Befragten auch eine allgemeine Assistenz wie z.B. die Ausgabe und Rücknahme von Stiften oder die Beantwortung von Rückfragen. Zudem gewährleistet es dem Befrager die Beobachtung des Antwortverhaltens und ermöglicht ihm auf dem zurückgegeben Fragebogen eine kurze Bewertung des Befragten vorzunehmen und somit offensichtliche Beeinflussungen der Antworten durch Gruppenmeinungen, zu starkem Alkoholkonsum oder Verständnisproblemen zu identifizieren und zu vermerken. Außerdem übt die Präsenz des Befragers einen indirekten Druck aus, den Fragebogen ordentlich und komplett auszufüllen (vgl. Kurscheidt, Preuß & Schütte, 2009b, S. 66).

Der Fragebogen erfasst neben soziodemographischen und sozioökonomischen Angaben zur Person, den Informationsstand und das Informationsverhalten sowie die Einstellungen zur FIFA Fußball WM 2011 und enthält spezifische Fragen zum Standort Bochum (Siehe hierzu Teilkapitel 3.2). Der Fragebogen erfasst somit zwar die Besuch- und Konsumabsichten der Duisburger Bevölkerung zur FrauenWM 2011, jedoch muss hier auf den Zusammenhang von Kaufabsicht und tatsächlichem Kauf Rücksicht genommen werden.

Assael (1995, S. 288f.) erstellte einen Überblick über Ergebnisse von verschiedenen Studien zum Zusammenhang von Kaufabsicht und tatsächlichem Kauf. Der Vergleich dieser Resultate zeigt auf, dass die Messungen von Kaufabsichten nur bedingt zur Prognose von Kaufverhalten geeignet sind. Einerseits werden Kaufabsichten schlichtweg nicht realisiert, andererseits wird ein erheblicher Anteil an Käufen ohne vorherige Kaufabsicht getätigt. In einer Studie von Banks (1950, zitiert nach Assael 1995, S. 288) lagen die Prozentsätze von nicht realisierten Kaufabsichten bei 38% und die der Käufe ohne vorherige Kaufabsicht bei 28%. Kuß (2009, S. 98) erklärt, dass Kaufabsichten dennoch nicht unbrauchbar sind. Sie sind ein selbstverständlich fehlerbehafteter Indikator für zukünftiges Individuelles Kaufverhalten.

„Je besser die Korrespondenz zwischen der Messung der Absichten und dem Verhalten und je geringer der zeitliche Abstand zwischen Absichtsmessung und Verhalten ist, desto besser sind Kaufabsichten als Indikator für Kaufverhalten geeignet“ (Kuß & Tomczak, 2004, S. 148).

Abgesehen davon können sich Bedürfnisse wandeln oder sich die äußeren Umstände wie z.B. die persönliche finanzielle Situation ändern. Auch neue Produkte können dazu führen, dass Kaufabsichten nicht realisiert werden (vgl. ebd.).

3.2 Aufbau des Fragebogens

Die Fragebögen lagen in der handlichen Form einer vierseitigen DIN A5- Broschüre vor und waren im Durchschnitt in 5 bis 10 Minuten auszufüllen. Der Fragebogen beinhaltet 21 umfassende Frageblöcke aus denen ca. 150 Variablen generiert wurden. Hierbei ist zu beachten, dass der Fragebogen zwar mit der Frage 20 endet, jedoch die Frage 11 doppelt vorkommt (Siehe Fragebogen im Anhang). Im Folgenden wird die Frage 11 auf der Seite 3 mit 11a und die Frage 11 auf der Seite 4 mit 11b gekennzeichnet. Bei allen Fragen werden konkrete, leicht erinnerbare und/ oder nachprüfbare Sachverhalte abgefragt, sodass die Antworten einstufig übersetzt werden können (Siehe hierzu: Kromey, 2009, S. 348). Bei 14 von 21 Fragenkomplexen (Frage 1, 2, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11a, 11b, 16, 18, 20) stehen alle Antwortvorgaben zum ankreuzen bereit. So muss der Befragte bei diesen Fragen nur Kreuze setzen. Bei den anderen 7 Fragenkomplexen muss der Befragte, je nach Antwort, Spielorte der Frauen WM- 2011 (Frage 3), den Lieblingsverein (Frage 12), die Anzahl der Stadionbesuche (Frage 13 & 14), Frauen-Fußballvereine aus dem Ruhrgebiet (Frage 15) wie auch soziodemographische Daten wie die Postleitzahl (Frage 17) und das Geburtsjahr (Frage 19) nennen.

Der Fragebogen beginnt mit Fragen zum Informationsstand hinsichtlich der Frauen-WM 2011 sowie zu den hauptsächlichen Informationsquellen der Befragten (Frage 1, 2, 3). Auf der 2. Seite des Fragebogens werden die Befragten über ihre Meinung und Prognosen zur Frauen-WM 2011 im Gastgeberland Deutschland und Austragungsort Bochum gefragt (Frage 4 & 5). Auf der Seite 3 des Fragebogens werden die Kaufabsichten für eine Eintrittskarte im Bochumer Stadion zur Frauen-WM 2011 sowie der U20 Frauen-WM 2010 erfragt (Frage 6, 7, 9, 10, 11). Außerdem wird mit der Frage 8 die Besuchsabsicht des Fanfestes hinterfragt. Bei den Fragen 11, 12, 13 und 14 wird nach dem Zuschauerinteresse am Fußball und Frauenfußball gefragt. Dieser Block schließt mit der Frage 15 über die Kenntnis von Frauenfußball-Bundesligavereinen aus dem Ruhrgebiet ab. Die Frage 16 klärt den Bezug zur Stadt Bochum. Der letzte Teil des Fragebogens ist einfach gehalten und enthält leicht zu beantwortende soziodemographische Fragen wie Geburtsjahr, Geschlecht, Einkommen und Bildungsabschluss (vgl. hierzu auch Bortz & Döring, 1995, S. 234).

Alle Fragen sind klar formuliert, sprechen einfache Sachverhalte an und sind unmittelbar verständlich (vgl. Fragebogen im Anhang, Siehe hierzu auch Kromrey, 2009, S. 350).

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Details

Seiten
60
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640830152
ISBN (Buch)
9783640830459
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166706
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Fakultät für Sportwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Frauenfußball Fußball nachfragepotential FIFA Frauen WM Frauen WM 2011 Frauen WM

Autor

  • Bachelor of Sports Science Serkan Kiyar (Autor)

    2 Titel veröffentlicht

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Titel: Nachfragepotenzialanalyse für den Spielort Bochum zur FIFA Frauen-WM 2011