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Ernährungsmedizin und Diätetik in der Prävention und Therapie des Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2

Richtig essen für mehr Gesundheit

Wissenschaftlicher Aufsatz 2008 15 Seiten

Gesundheit - Ernährungswissenschaft

Leseprobe

Ernahrungsmedizin und Diatetik in der Prevention und Therapie des Dia­betes mellitus Typ 1 und Typ 2 - Richtig essen fur mehr Gesundheit von Sven-David Muller, M.Sc., Diatassistent und Diabetesberater DDG

Einleitung: Diabetes mellitus ( = honigsuBes Hindurchfliessen) ist eine chroni- sche Stoffwechselerkrankung, die nach WHO-Klassifikation in Typ 1 (= Beta-Zell- Zerstorung mit absolutem Insulinmangel), Typ 2 (Insulinresistenz und/oder De- fekt der Beta-Zell-Insulinsekretion), andere Formen des Diabetes mellitus (Gene- tische Defekte der Beta-Zell-Funktion, Genetische Defekte der Insulinwirkung, Erkrankung des Pancreas, Endokrinopathien, Medikamenten- oder chemikalienin- duzierte Formen, Infektionen, seltene Formen und andere genetische Syndrome, die mit einem Diabetes mellitus assoziiert sein konnen) sowie Schangerschaftsdi- abetes mellitus eingeteilt wird. Kardinalsymptom des Diabetes mellitus ist eine Hyperglykamie. Ein Diabetes mellitus liegt vor, wenn der Blutglucosespiegel nuchtern gemessen wiederholt uber 126 mg/dl (= > 7 mmol/l) im venosen Plasma betragt. Bei einem oralen Glucosetoleranztest (= 75 g Glucose) uber- steigt der Blutglucosespiegel nach 2 Stunden 200 mg/dl (= > 11,1 mmol/l). Bei Diabetikern kommt es zu einem absoluten Insulinmangel (= Typ 1 Diabetes mel­litus) oder einer Insulinresistenz beziehungsweise vielmehr einer Storung der Insulinwirkung an den Zielzellen (= Typ 2 Diabetes mellitus). Rund 95 Prozent (Tendenz steigend) der Diabetiker leiden an Typ 2 Diabetes mellitus. Insulin hat auf viele Stoffwechselprozesse Einfluss. Es ist ein anaboles Hormon, dass auch zur Hyperphagie fuhren kann. Das Auftreten des Typ 1 Diabetes mellitus wird durch Risikogene begunstigt. Der Typ 2 Diabetes mellitus tritt in 2/3 der Falle familiar gehauft auf. Die Insulinresistenz der Muskelzellen und eine gestorte postprandiale Insulinsekretion pradisponiert zur Entwicklung des Diabetes melli­tus Typ 2.

Anabole und antikatabole Wirkung des Peptidhormons Insulin:

- Stimulation der Triglyzerid- und Fettsauresynthese
- Stimulation der Glykogensynthese
- Stimulation der Proteinsynthese
- Hemmung der Lipolyse
- Hemmung der Proteolyse
- (Hemmung der Glukoneogenese)

Im Rahmen der Entstehung eines Typ 2 Diabetes mellitus geht diesem im Rah- men des metabolischen Syndroms oftmals eine pathologische Glucosetoleranz voraus. Diese liegt vor, wenn der Nuchternblutglucosespiegel oberhalb 110 mg/dl (= > 6,1 mmol/l) liegt. Da Umweltfaktoren (Western diet, Bewegungsarmut) ei- nen entscheidenden Beitrag in der Entstehung des Diabetes mellitus Typ 2 leis- ten, lasst sich fur diese Erkrankung eine Praventionsstrategie entwickeln. Die Pravalenz des Typ 2 Diabetes mellitus nimmt im Vergleich zum Typ 1 Diabetes mellitus in den Nationen der ersten Welt sowie der Schwellenlander deutlich zu. Ubergewicht und besonders Adipositas sind die groBten Risikofaktoren fur die Manifestation des Typ 2 Diabetes mellitus (Chan, 1997, Diabetes Care; Colditz, 1995 Ann Intern Med). Alamierend ist, dass Typ 2 Diabetes mellitus, der sich normalerweise erst im fortgeschrittenen Alter manifestiert inzwischen auch bei Kindern und Jugendlichen vorkommt. Menschen mit einer androiden Fettvertei- lung - genauer abdominellem Fett - haben ein besonders hohes Risiko fur einen Typ 2 Diabetes mellitus. Dies ist insbesondere darauf zuruckzufuhren, dass die­ses Fettgewebe besonders stoffwechselaktiv ist.

Negative Nahrungsfaktoren:

- Forderung der Entstehung des Diabetes mellitus Typ 2
- Behinderung der Stoffwechselkompensation bei Diabetes mellitus Typ 1 und 2
- Begunstigung des Auftretens und der Progression von Folgeschaden

Der Typ 1 Diabetes mellitus zahlt zu den Autoimmunerkrankungen. Daher sind die PraventivmaBnahmen moglich aber noch wenig erfolgversprechend. Da nur 0,3 Prozent der deutschen Bevolkerung an Typ 1 Diabetes mellitus (= 246.000 Menschen) leiden, ware eine Pravention dieses Diabetestypus gesundheitspoli- tisch kaum zielfuhrend. Es ist bisher unbekannt, ob es einen exogenen Trigger fur den Diabetes mellitus Typ 1 gibt. Trotzdem ist deutlich, dass Diabetes melli­tus gehauft in Infektionszeiten vorkommt. Auch zeigt sich, dass eine fruhe Expo­sition mit Nahrungsproteinen die Wahrscheinlichkeit der Entstehung eines Typ 1 Diabetes mellitus erhoht. Eine mangelhafte Vitamin D Versorgung erscheint gleichfalls als wichtiger Faktor in der Entstehung dieser Diabetesform.

Prophylaxe des Typ 1 Diabetes mellitus:

- Genetik/Gentherapie
- Infektionen/Impfung
- Nahrungsproteine/Stillen
- Optimale Vitamin D-Versorgung

Eine verbesserte Blutglucoseeinstellung reduziert die Folgeschaden des Diabetes mellitus an den groBen und kleinen GefaBen, Augen, Nieren und Nerven. Die In- terventionsstudie United Kingdom Prospektive Diabetes Study (UKPDS) zeigt dies bei 5102 Typ 2 Diabetikern. Die groBe amerikanische Studie bei mehr als 1400 Typ 1 Diabetikern (DCCT) belegt den Nutzen der strikten intensivierten Insulin- therapie bei der Pravention microvaskularer und nervaler Folgeschaden des Dia­betes (Zitat: H. Mehnert und F. Schulz, in: Diabetologie in Klinik und Praxis). Ei­ne hohe Aufnahme gesattigter Fettsauren fuhrt zur Insulinresistenz. Ein regel- maBiger Fischverzehr (Omega-3-Fettsauren) vermindert das Risiko eine patholo- gische Glucosetoleranz zu entwickeln um 50 Prozent. Eine ballaststoffreiche Er- nahrung verringert das Diabetesrisiko. Vage Hinweise auf weitere Nahrungsin- haltsstoffe gibt es fur Chrom, Zink, Magnesium, Vitamin E und D (bei Typ 1 Dia­betes mellitus). Das Typ 1 Erkrankungsrisiko scheint zu steigen, wenn eine Kuhmilchaufnahme vor dem 3. bis 4. Monat erfolgt. Eine lange Stillzeit, eine aus- reichende Vitamin D-Zufuhr und eine proteinarmere Kost in den ersten Lebens- jahren sind scheinbar (schwach) protektiv.

Jahrliche Folgen des Diabetes mellitus:

- Mind. 90.000 Herzinfarkte,
- Mind. 7.000 Erblindungen (diabetische Retinopathie),
- Mind. 23.000 FuBamputationen (diabetisches FuBsyndrom, diabetische Neuropathie) und 9.000 Nierenversagen (diabetische Nephropathie).

Das Ess- und Trinkverhalten gehort zu den stabilsten menschlichen Verhaltens- weisen. Das Ess- und Trinkverhalten kann nur im Rahmen eines langfristigen Lernprozesses gerandert werden. Der Kunde muss die personlichen Nutzen und Vorteile einer Ernahrungsumstellung vermittelt bekommen. Spricht der Berater aber von Risiken oder Gefahren, stoBt er auf Ablehnung und die Beratung ist zum Scheitern verurteilt. Erfolgreiche Diat- und Ernahrungsberatungen sind keine In- struktion des Kunden uber die Grundprinzipien der bedarfsgerechten Ernahrung. Erfolgreiche Diat- und Ernahrungsberatungen sind wiederholte Kommunikation uber Essen und Trinken aus Kundensicht mit Vorschlagen von Alternativen in kleinen, vom Kunden auch tatsachlich umsetzbaren Schritten. Die Schritte mus- sen klein sein, um Misserfolge beim Kunden vermeidbar zu machen. Nur kleine Schritte fuhren zum Erfolg. Rigide MaBnahmen und Kontrollen blockieren ein ge- wunschtes Verhalten vollig. Die geringste Verletzung der starren Regeln laBt das gesamte Kontrollsystem zusammenbrechen. Es kommt danach zur Gegenregula- tion. Flexible Kontrollen und MaBnahmen hingegen schranken den Verhaltens- spielraum des Kunden weniger ein und ermoglichen eine Ernahrungsumstellung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Rund die Halfte der Bevolkerung in Deutschland ist ubergewichtig. Der Durch- schnitts-BMI in Deutschland liegt bei 27. Jedes 4. eingeschulte Kind ist adipos und 80 Prozent der adiposen Jugendlichen werden auch zu adiposen Erwachse- nen. Von 1984 bis 1991 nahm die Zahl der Adiposen in Deutschland um 12 Pro­zent zu.

Body Mass Index - Klassen nach Geschlecht und Ost/West - Zugehorigkeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die tagliche Energiezufuhr in Deutschland liegt laut Ernahrungsbericht der Deut- schen Gesellschaft fur Ernahrung (DGE) e.V., Frankfurt am Main, bei rund 3.000 Kilokalorien, wobei der groBte energetische Anteil den statistisch taglich aufge- nommenen 130-140 Gramm Fett und 100 Gramm Zucker entstammt. Zusatzlich konsumiert der Durchschnittsdeutsche jahrlich unglaubliche 11,8 Liter Alkohol (138 Liter Bier, 24 Liter Wein und Sekt sowie 6 Liter Spirituosen). Diese Faktoren fordern die Entwicklung des Typ 2 Diabetes mellitus. Die Pravention erfordert eine angepasste Ernahrungsweise. Bisher sind alle MaBnahmen zur Veranderung des Ernahrungsverhaltens weitgehend gescheitert. Diatassistenten und Diplom Oecotrophologen mussen akzeptieren, dass eine Anderung des Er nahrungsverhaltens und eine Information uber die Einhaltung von Ernahrungsre- geln nicht aufgrund rationaler Empfehlungen erfolgen kann. Das Ernahrungsver- halten wird nicht maBgeblich rational bestimmt. Die erfolgreiche Patientenfuh- rung ist die dialogorientierte Information. Die Kunden der Diat- und Ernahrungs- beratung haben ein Anrecht auf Information und die Ablehnung von Informatio- nen. Oftmals besteht bei Diatassistenten und Diplom Oecotrophologen leider der Wunsch nach reiner Wissensvermittlung. In vielen Fallen ist die Beratung nicht dialog- und anwendungsorientiert. Eine wissenschaftliche Beratung ist in vielen Fallen nicht angezeigt. Diatassistenten und Diplom Oecotrophologen stoBen auf "taube Ohren", wenn Sie auf den Patienten einreden, um ihm Auskunft zu ertei- len. Erfolgversprechender ist das Anregen zur Aktion.

Diabetes-Screening bei alien Personen > 45 Jahre (bei Normalbefund Wiederholung nach 3 Jahren) oder jungeren Personen, wenn:

- BMI > 27
- Familienanamnese Diabetes ( 1.gradig Verwandter)
- Geburt eines Kindes > 4000 g oder Gestationsdiabetes
- Blutdruck > 140/90 mmHg
- Fettstoffwechselstorung mit HDL unter 35 mg/dl und/oder Triglyzeride ab 250 mg/dl

Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen, Wilhelm Busch LaB Deine Nahrung die Medizin und Deine Medizin die Nahrung sein, Hippokrates

In den kommenden zehn Jahren verdoppelt sich nach Einschatzung der Weltge- sundheitsorganisation WHO die Zahl der Diabetiker. Demnach leben in Deutsch­land im Jahr 2012 rund 12 Millionen Diabetiker. Momentan sind die Kosten er- nahrungsbedingter und ernahrungsabhangiger Krankheiten einer der wichtigsten Kostenfaktoren im Gesundheitswesen. Schon jetzt wandert jede dritte Mark der Krankenkassen in die Therapie fehlernahrungsbedingter Folgen. Die Kosten von 148,575 Milliarden DM im Jahr 2001 setzen sich wie folgt zusammen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Details

Seiten
15
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640831258
ISBN (Buch)
9783640830770
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166778
Note
Schlagworte
Diabetes Diabetes mellitus Zuckerkrankheit Diabetesdiät Sven-David Müller BE BE-Berechnung Broteinheit

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Titel: Ernährungsmedizin und Diätetik in der Prävention und Therapie des Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2