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Soziale Ungleichheit im deutschen Bildungssystem

Hausarbeit 2010 20 Seiten

Soziologie - Kinder und Jugend

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das deutsche Schulsystem
2.1 Die Grundschule
2.2 Die Hauptschule
2.3 Die Realschule
2.4 Das Gymnasium

3 Underachievement und Overachievement
3.1 Was ist Under- und Overachievement?
3.2 Wie lassen sich Under- und Overachievement messen?
3.3 Welche Folgen haben Under- und Overachievement?
3.4 Zahlen und Fakten zu Under- und Overachievement
3.5 Ursachen für Under- und Overachievement
3.5.1 Der Schulwechsel nach der Grundschule
3.5.2 Der Habitus

4 Fazit und Lösungsansätze

5 Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema der sozialen Ungleichheit im deutschen Bildungssystem.

Ihre zentrale Fragestellung bezieht sich auf das Phänomen Underachievement: Was genau ist Underachievement, welche Ursachen und Folgen hat es und welche Möglichkeiten gibt es, bestehende Probleme zu lösen? Wie ist das deutsche Schulsystem aufgebaut? Inwiefern ist der soziale Status oder der Abschluss der Eltern wirklich entscheidend?

Zu Beginn dieser Arbeit wird zunächst das deutsche Schulsystem erklärt. Hierbei wird sowohl auf die Grundschule als auch auf die drei wichtigsten weiterführenden Schulformen eingegangen.

Die Basis für die weiteren Recherchen bietet die nähere Betrachtung von Under- und Overachievement. Insbesondere die Folgen und Ursachen werden betrachtet, aber auch wie man diese Problematik messen kann und, in Zahlen und Fakten ausgedrückt, wie stark sie in unserem Schulsystem verbreitet ist.

Anschließend werden Under- und Overachievement mit dem deutschen Schulsystem in Verbindung gesetzt, wobei der besondere Fokus auf dem Übergang von der Grundschule in die Sekundarstufe I liegt.

Des Weiteren soll untersucht werden, welche Rolle das Habitus-Modell von Pierre Bourdieu in diesem Zusammenhang spielt.

Wie oben erwähnt, liegt der besondere Schwerpunkt dieser Hausarbeit auf dem Thema soziale Ungleichheit, weswegen die einzelnen Aspekte stets in Hinblick hierauf betrachtet werden.

Aus Gründen der Vereinfachung wird in der vorliegenden Arbeit durchgängig die maskuline Sprachform für Begriffe, wie zum Beispiel „Schüler“ und weitere, gewählt. Gemeint sind damit stets beide Geschlechter, es sei denn, dass ausdrücklich auf eine bestimmte weibliche oder männliche Form verwiesen werden soll.

2 Das deutsche Schulsystem

2.1 Die Grundschule

In der Regel werden Kinder in Deutschland im Alter von sechs oder sieben Jahren eingeschult. Die Grundschule wird in vier Klassenstufen gegliedert (Berlin und Brandenburg werden als Ausnahmefälle mit sechs Grundschuljahren nicht näher betrachtet), d.h. die Kinder besuchen diese Schulform in etwa bis zu ihrem zehnten Lebensjahr.

Neben den Grundkenntnissen in mathematischen, sprachlichen und sachunterrichtlichen Fächern, wird in der Grundschule besonderer Wert auf die Entwicklung des Sozialverhaltens und verschiedener Tugenden (beispielsweise Fleiß und Pflichtbewusstsein) gelegt. Auch die Lehre verschiedener, grundlegender Lern- und Arbeitsformen und die emotionale Entwicklung gelten als Hauptziele.[1]

Die Grundschule ist derzeit die einzige Schulform in Deutschland, in der alle Kinder eines Jahrgangs gemeinsam, also unabhängig von ihren bisher erbrachten Leistungen, unterrichtet werden.

Am Ende der Grundschule steht die Entscheidung, welche weiterführende Schule im Folgenden vom Kind besucht wird. Näheres zu diesem Prozess wird später erläutert.

2.2 Die Hauptschule

Die Hauptschule ist eine weiterführende Schule, welche die Klassenstufen 5 bis 9 bzw. 10 umfasst und eine grundlegende allgemeine Bildung vermitteln soll. Unterrichtet wird im Klassenverband und in Kursen, welche die Schüler individuell nach ihren Leistungen oder Neigungen wählen und somit einen Schwerpunkt in ihrer Ausbildung setzen können.[2]

Manche Bundesländer fassen inzwischen Real- und Hauptschule pädagogisch und organisatorisch zusammen.[3]

Die Hauptschulen haben auf Grund einiger Belastungsfaktoren mit einem schlechten Ruf zu kämpfen: das nachgesagte niedrige Fähigkeits- und Leistungsniveau rührt vielleicht daher, dass Hauptschulen zu Ballungszentren für ausländische Kinder und/oder Kinder aus Familien mit sozialen, privaten oder finanziellen Problemen geworden sind.[4]

Wegen dieser Schwierigkeiten werden Angebote zur Gewaltprävention, Streitschlichtung oder Suchtprävention an Hauptschulen immer häufiger.[5]

Der Hauptschulabschluss wird auch als Berufsschulreife bezeichnet, was die praktische Orientierung dieser Schulform verdeutlicht und hervorhebt, dass für die meisten Schüler nach dem Abschluss eine Berufsausbildung oder ein Berufsgrundschuljahr folgt.

Im Jahr 2002 erlangen 29,4% der Schüler (oder der gleichaltrigen Bevölkerung) einen Hauptschulabschluss.[6]

2.3 Die Realschule

Die Realschule ist eine weiterführende Schule, welche die Klassenstufen 5 bis 10 umfasst und eine erweiterte allgemeine Bildung vermitteln soll.

Als Abschluss steht am Ende der Realschule die Mittlere Reife (auch bezeichnet als Mittlerer Schulabschluss oder Fachoberschulreife), wenn am Ende der 10.Klasse in allen Fächern mindestens ausreichende Leistungen erbracht wurden.

Mit diesem Abschluss kann man beispielweise Berufsfachschulen und Fachoberschulen besuchen.[7]

Manche Bundesländer fassen inzwischen Real- und Hauptschule pädagogisch und organisatorisch zusammen.[8]

2002 war der Realschulabschluss mit Abstand der häufigste in Deutschland: 49,4 % der Schüler (oder der gleichaltrigen Bevölkerung) erreichten ihn.[9]

2.4 Das Gymnasium

Das Gymnasium ist eine weiterführende Schule, welche die Klassenstufen 5 bis 13 umfasst und eine vertiefte allgemeine Bildung vermitteln soll.

Beschließt ein Schüler, das Gymnasium nach der 10.Klasse zu verlassen, so kann er bei entsprechenden Leistungen die Mittlere Reife erlangen.

In der Regel wird das Gymnasium jedoch fortgesetzt bis zum Ende der 13.Klasse, welche man mit dem Abitur, der Allgemeinen Hochschulreife, abschließt. Dieser Abschluss ermöglicht es den Schülern ihren Bildungsweg an einer Hochschule fortzusetzen.[10]

Immerhin 27,5% der Schüler (oder der gleichaltrigen Bevölkerung) erreichten im Jahr 2002 das Abitur.[11] Das Abitur ist noch immer derjenige Abschluss mit dem meisten Prestige.[12]

3 Underachievement und Overachievement

3.1 Was ist Under- und Overachievement?

Eine drängende Frage im dreigliedrigen deutschen Schulsystem lautet, ob die Schulform, welche meist von den Lehrern empfohlen und von den Eltern ausgesucht wird, tatsächlich die geeignete für das Kind ist. Es ist doch durchaus denkbar, dass ein Kind viel mehr leisten könnte, als das, was die jeweilige Schule von ihm fordert. Es ist natürlich auch möglich, dass ein Kind ein Gymnasium besucht, obwohl seine kognitiven Fähigkeiten eher dem Niveau einer Realschule entsprechen.

Besucht ein Kind oder ein Jugendlicher also einen Schultyp, der den jeweiligen individuellen kognitiven Fähigkeiten nicht gerecht wird, so spricht man von Underachievement (kognitive Fähigkeiten sind überdurchschnittlich im Vergleich zur besuchten Schulform) und Overachievement (kognitive Fähigkeiten sind unterdurchschnittlich im Vergleich zur besuchten Schulform).[13]

3.2 Wie lassen sich Under- und Overachievement messen?

Das deutsche Schulsystem mit seinen drei Formen, Hauptschule, Realschule und Gymnasium, stellt sich bei dieser Fragestellung als Problem heraus. Denn die Schulformen stehen nicht nur für unterschiedliche Lernmilieus, sondern auch für verschiedene Benotungsstandards, „sodass Noten in Abhängigkeit vom besuchten Schultyp eine qualitativ unterschiedliche Bedeutung haben“.[14] Die Schulnoten lassen sich also nicht ohne Weiteres vergleichen.

[...]


[1] Verband Bildung und Erziehung (Hrsg): Grundschule http://vbe.de/index.php?id=74[21.05.2010]

[2] Schulgesetz NRW (2.Teil: Aufbau und Gliederung des Schulwesens; 1.Abschnitt: Schulstruktur; §14: Hauptschule):http://www.schulministerium.nrw.de/Schulgesetz/paragraph.jsp?paragraph=14 [21.05.2010]

[3] Kultusminister Konferenz (Hrsg): Bildungseinrichtungen in der Sekundarstufe I http://www.kmk.org/bildung-schule/allgemeine-bildung/sekundarstufe-i.html [21.05.2010]

[4] TRAUTWEIN, Ulrich; BAUMERT, Jürgen; MAAZ, Kai: Hauptschulen = Problemschulen? 2007 http://www.bpb.de/publikationen/LO3MTT,2,0,Hauptschulen_Problemschulen.html#art2[21.05.2010]

[5] Bildung für Deutschland (Hrsg): Problemzone Hauptschule? http://www.bildung-fuer-deutschland.de/hauptschule.html [21.05.2010]

[6] Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg): „Schule in Deutschland – Zahlen, Fakten, Analysen“ Bonn 2002 :http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2002/2002_07_01-Schule-in-Deutschland.pdf [21.05.2010]

[7] Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg): „Vereinbarung über die Schularten und Bildungsgänge im Sekundarbereich I“ http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/1993/1993_12_03-VB-SekI_01.pdf [21.05.2010]

[8] Kultusminister Konferenz (Hrsg): Bildungseinrichtungen in der Sekundarstufe I http://www.kmk.org/bildung-schule/allgemeine-bildung/sekundarstufe-i.html [21.05.2010]

[9] Vgl. Fußnote 6

[10] Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg): „Vereinbarung über die Schularten und Bildungsgänge im Sekundarbereich I“ http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/1993/1993_12_03-VB-SekI_01.pdf [21.05.2010]

[11] Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (Hrsg): „Schule in Deutschland – Zahlen, Fakten, Analysen“ Bonn 2002 :http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2002/2002_07_01-Schule-in-Deutschland.pdf [21.05.2010]

[12] Vgl. SIMONSON, Julia: Individualisierung und soziale Integration. Zur Entwicklung derSozialstruktur und ihrer Integrationsleistungen. Bremen 2003.

[13] Vgl. UHLIG, Johannes; SOLGA, Heike; SCHUPP, Jürgen: Ungleiche Bildungschancen – Welche Rolle spielen Underachievement und Persönlichkeitsstruktur? Berlin 2009.

[14] Vgl. UHLIG, Johannes; SOLGA, Heike; SCHUPP, Jürgen: Ungleiche Bildungschancen – Welche Rolle spielen Underachievement und Persönlichkeitsstruktur? Berlin 2009.

Details

Seiten
20
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640828692
Dateigröße
394 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166870
Institution / Hochschule
Universität Trier – Fachbereich IV
Note
1,0
Schlagworte
Ungleichheit Bildung Schule Prekarisierung

Autor

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