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Der Zeitbegriff im Aphorismus „Vom Gesicht und Räthsel“ in Friedrich Nietzsches „Also sprach Zarathustra“

Hausarbeit 2009 14 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Historischer Rahmen

3. „Vom Gesicht und Räthsel“

4. Der Mythos von Sisyphos

5. Fazit

6. Literatur

1. Einleitung

Es wird der Versuch unternommen den Aphorismus „Vom Gesicht und Räthsel“ in Friedrich Nietzsches „Also sprach Zarathustra“ in Bezug auf den Begriff der Zeit zu entschlüsseln. Hierzu soll eine kurze Darstellung Friedrich Nietzsches und eine Einbettung in den Historischen Rahmen Hilfe leisten, um zu verdeutlichen unter welchen philosophischen Einflüssen Nietzsche seine Gedankengänge entwickelt.

Es wird der Versuch unternommen den Aphorismus „Vom Gesicht und Räthsel“ in Friedrich Nietzsches „Also sprach Zarathustra“ in Bezug auf den Begriff der Zeit zu entschlüsseln. Hierzu soll eine kurze Darstellung Friedrich Nietzsches und eine Einbettung in den Historischen Rahmen Hilfe leisten, um zu verdeutlichen unter welchen philosophischen Einflüssen Nietzsche seine Gedankengänge entwickelt.

Auf der einen Seite soll herausgestellt werden, welche Vorstellung Nietzsche von dem Begriff der Zeit hat und wie er das Dasein mit diesem Zeitbegriff verknüpft. Auf der anderen Seite soll geklärt werden, inwiefern sich die Zielsetzung und das Erreichen der Ziele des Lebens durch Nietzsches Zeitbegriff ändern. In diesem Zusammenhang soll erläutert werden, warum der „Augenblick“, der bewusst gelebt werden soll, zum Fokus des Lebens wird und das Streben nach einem Ziel am Ende des Lebens sinnlos zu werden scheint. Hierzu wird der Sisyphosmythos herangezogen, um den Begriff der „ewigen Wiederkehr des Gleichen“ zu verdeutlichen.

2. Historischer Rahmen

Friedrich Nietzsche (15.10.1844 – 25.08.1900) besuchte von 1858 – 1864 das Internat Schulpforta, an dem er die Möglichkeit sein Wissen erheblich zu erweitern nutzte. Er begann sein Studium der klassischen Philologie und evangelischen Theologie im Wintersemester 1864/65 an der Universität Bonn[1]. Dort vertiefte er sich in die Werke einiger Junghegelianer, wie David Friedrich Strauß und Ludwig Feuerbach (1804 – 1872). Er brach, unter anderem veranlasst durch diese Lektüre, das Studium der Theologie nach dem ersten Semester ab. Schon im Wintersemester 1865/66 wechselte er an die Universität Leipzig, da er Friedrich Wilhelm Ritschel folgte[2]. Hier beschäftigte er sich mit dem deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer (1788 – 1860), dessen Philosophie sich, unter dem Einfluss Platons und Kants (1724 – 1804), entgegengesetzt zu den Junghegelianern, mit der Ablehnung der Geschichtsphilosophie Hegels (1777 – 1831) auseinandersetzt[3].

Schopenhauers daraus resultierende Philosophie, die er auch dadurch, dass er ein Schüler Fichtes (1762 – 1814) war, entwickelte, kann in die philosophische Denkrichtung des „Pessimismus“[4] eingeordnet werden. In dieser Philosophie entwickelt er eine „umfassende Willensmetaphysik“[5], in der die Welt existiert, indem sie vom Menschen wahrgenommen werden kann und somit seine Vorstellung ist. „ Die Welt ist meine Vorstellung, heißt es gleich in § 1 seines Hauptwerkes, sei eine Wahrheit, welche für jedes erkennende Wesen gilt.“[6] Im Gegensatz zu Kant, der das „Ding an sich selbst“[7] als unerkennbar sieht, hat Schopenhauer die Ansicht, dass dieses Ding der Wille des Menschen ist, den man, wenn doch nicht erkennen, so doch erleben kann[8]. „ Aber, so meint er, wir erkennen die Welt nicht nur, wobei wir in der Tat auf die Erscheinungen angewiesen wären; sondern wir erleben sie auch, haben neben der Vorstellung auch noch den Willen.“[9] Schopenhauer sieht den Willen als „das Innerste, der Kern jedes Einzelnen und ebenso des Ganzen“[10] und weiterhin als sinnlosen und leidenden Willen, dem nicht genüge getan werden kann und somit auch die ganze Welt sinnlos macht[11].

Im Gegensatz zu Schopenhauers Pessimismus entwickelt Friedrich Nietzsche eine optimistische Deutung des Willens, indem er ihn als treibende Kraft des Menschen und der Welt darstellt, „der Wille wird nicht mehr verneint, sondern bejaht“[12]. Auch der Kontakt zu Richard Wagner, der 1868 in Leipzig zustande kam, hat einen großen Einfluss auf die Entwicklung Nietzsches[13]. Wagner und Nietzsche, beide Anhänger Schopenhauers, waren „einig im Willen zu einem neuen Kunstideal und Bildungstypus“[14]. Bald aber wurde Nietzsche klar, dass Wagner „immer noch ein christlich-germanisches Kulturideal verfolgte“[15] mit dem er seine eigene Philosophie nicht in Einklang bringen konnte, da er doch „Dionysos an die Stelle von Christus gesetzt“[16] hatte und „Wagner […] ihm den ganzen Verfall der deutschen und abendländischen Welt [verkörpert]“[17]. Mit dieser Erkenntnis war die Kluft unüberwindbar geworden und der Bruch der Beiden unumgänglich.

Nach dieser Ersten Periode, die auch Frühperiode genannt wird, schließt sich eine kurze so genannte Zwischenperiode an, in der Nietzsche zu dem wird, was er zuvor so verachtet hat, „Intellektueller und Sokratiker“[18]. In dieser Phase entstehen seine Schriften: „Menschliches, Allzumenschliches“ (1878), „Morgenröte“ (1881) und „Die fröhliche Wissenschaft“ (1882).

Nach dieser kurzen Zeit kehrt Nietzsche jedoch zu seinen ursprünglichen Gedanken zurück, die „aber jetzt radikalisiert zum Willen zur Macht“[19] ausformuliert werden. In diese dritte Periode des „späten Nietzsche“ ist seine Schrift „Also sprach Zarathustra“ (1883 – 1885) einzuordnen. Weitere Werke dieser späten Periode sind „Jenseits von Gut und böse“ (1886), „Generalogie der Moral“ (1887) und die des Nachlasses „Wille zur Macht“ (Förster-Nietzsche), „Unschuld des Werdens“ (Baeumler) und „Das Vermächtnis Nietzsches“ (Würzbach)[20].

Friedrich Nietzsche bricht Anfang Januar 1889 in Turin zusammen und befindet sich von da an in einem Zustand geistiger Umnachtung[21].

[...]


[1] Reyburn, H. A., Hinderks, H. E., Friedrich Nietzsche. Ein Menschenleben und seine Philosophie, Kempen 1946, S. 34.

[2] Reyburn, H. A., Hinderks, H. E., Friedrich Nietzsche. Ein Menschenleben und seine Philosophie, Kempen 1946, S. 38,39.

[3] Vgl. Hirschberger, Johannes, Geschichte der Philosophie, Bd II: Neuzeit und Gegenwart, Freiburg im Breisgau 1980, S. 456.

[4] Vgl. Hirschberger, Johannes, Geschichte der Philosophie, Bd II: Neuzeit und Gegenwart, Freiburg im Breisgau 1980, S. 456 ff und Prechtl, P. und Burkard, F.-P.(Hg.), Pessimismus. In: Metzlers Philosophie Lexikon, Stuttgart, Weimar 1999, S. 434.

[5] Kunzmann, P., Burkard, F.-P., Wiedmann, F. (Hg.), dtv-Atlas zur Philosophie, München 1991, S. 161.

[6] Hirschberger, Johannes, Geschichte der Philosophie, Bd II: Neuzeit und Gegenwart, Freiburg im Breisgau 1980, S. 457.

[7] Kant, Immanuel, Kritik der reinen Vernunft, hg. von Ingeborg Heidemann, Stuttgart 1966, S. 93.

[8] Kunzmann, P., Burkard, F.-P., Wiedmann, F. (Hg.), dtv-Atlas zur Philosophie, München 1991, S. 161.

[9] Hirschberger, Johannes, Geschichte der Philosophie, Bd II: Neuzeit und Gegenwart, Freiburg im Breisgau 1980, S. 458.

[10] Hirschberger, Johannes, Geschichte der Philosophie, Bd II: Neuzeit und Gegenwart, Freiburg im Breisgau 1980, S. 459.

[11] Vgl. Hirschberger, Johannes, Geschichte der Philosophie, Bd II: Neuzeit und Gegenwart, Freiburg im Breisgau 1980, S. 458.

[12] Hirschberger, Johannes, Geschichte der Philosophie, Bd II: Neuzeit und Gegenwart, Freiburg im Breisgau 1980, S. 503 und vgl. Löwith, Karl, Von Hegel zu Nietzsche, Stuttgart 1958, S. 196.

[13] Vgl. Hirschberger, Johannes, Geschichte der Philosophie, Bd II: Neuzeit und Gegenwart, Freiburg im Breisgau 1980, S. 502.

[14] Hirschberger, Johannes, Geschichte der Philosophie, Bd II: Neuzeit und Gegenwart, Freiburg im Breisgau 1980, S. 503.

[15] Hirschberger, Johannes, Geschichte der Philosophie, Bd II: Neuzeit und Gegenwart, Freiburg im Breisgau 1980, S. 504.

[16] Hirschberger, Johannes, Geschichte der Philosophie, Bd II: Neuzeit und Gegenwart, Freiburg im Breisgau 1980, S. 504.

[17] Hirschberger, Johannes, Geschichte der Philosophie, Bd II: Neuzeit und Gegenwart, Freiburg im Breisgau 1980, S. 504.

[18] Hirschberger, Johannes, Geschichte der Philosophie, Bd II: Neuzeit und Gegenwart, Freiburg im Breisgau 1980, S. 504.

[19] Hirschberger, Johannes, Geschichte der Philosophie, Bd II: Neuzeit und Gegenwart, Freiburg im Breisgau 1980, S. 504.

[20] Hirschberger, Johannes, Geschichte der Philosophie, Bd II: Neuzeit und Gegenwart, Freiburg im Breisgau 1980, S. 504.

[21] Hirschberger, Johannes, Geschichte der Philosophie, Bd II: Neuzeit und Gegenwart, Freiburg im Breisgau 1980, S. 505.

Details

Seiten
14
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640832651
ISBN (Buch)
9783640833160
Dateigröße
385 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v166996
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Philosophisches Seminar
Note
2,7
Schlagworte
Friedrich Nietzsche Aphorismen Erkenntnistheorie Vom Gesicht und Rätsel Zeitbegriff Also sprach Zarathustra Torweg

Autor

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