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Die Stadtdarstellung in der Lyrik Victor Hugos mit einem Schwerpunkt auf der Lyrik der Julimonarchie ab 1830

Analyse des Gedichtes 'Rêverie d’un passant à propos d’un roi'

Hausarbeit 2008 21 Seiten

Romanistik - Französisch - Literatur

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Wiedergeburt der Parislyrik

3. Überblick über die lyrischen Werke Hugos und Entwicklung der Großstadtlyrik

4. Hugo und das zeitgenössische Paris – Die Stadt in der Julimonarchie
4.1. Voraussetzungen
4.2. Das Paris der Julimonarchie in der Darstellung Victor Hugos
4.2.1. Allgemeine Merkmale
4.2.2. Analyse des Gedichts «Rêverie d’un passant à propos d’un roi» im Hinblick auf die Darstellung der Stadt
4.2.3. Zusammenfassung der Ergebnisse der Gedichtanalyse

5. Zusammenfassung

6. Anhang: «Rêverie d’un passant à propos d’un roi»

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Paris ist die moderne Großstadt par excellence, wo das Ganze aller Lebenszusammenhänge, aller Materialität und Immaterialität, aller Hoffnungen, Projekte, Ängste, Verzweiflungen, Erinnerungen sich ins Unermessliche entzieht und wo in jedem Augenblick sich hinter dem Vertrauten das Unerwartete, ganz andere, Unheimliche auftun kann.“[1]

Victor Hugo, Autor zwischen Romantik und Moderne, erkennt erstmals dieses Potenzial der Stadt Paris und beginnt Mitte der 20er Jahre des 19. Jahrhunderts mit der poetischen Annäherung an das Sujet der Großstadt. Dies geschieht im Spannungsfeld vorherrschender romantischer Universalphilosophie und sich herausbildendem modernem Fortschrittsdenken und Dekadenzbewusstsein, zwischen „romantischem Kontinuitätsdenken und diskontinuierlicher Zeitlichkeit der Moderne.“[2] Die Bearbeitung des Themas Großstadt in seiner Stadtlyrik gerät für Hugo unter den epochalen Voraussetzungen zu einer Herausforderung. Inwiefern nimmt Hugo diese Herausforderung an? Wie nähert er sich dem Thema, unter welchen Blickwinkeln betrachtet er die Großstadt? Wie verarbeitet er die Erfahrungen der Großstadt in seiner Lyrik?

Mit der vorliegenden Arbeit möchte ich auf diese Fragen Antworten finden, die Großstadtlyrik Hugos unter verschiedenen Aspekten näher beleuchten und verschiedene Reflexionsansätze Hugos thematisieren. Einen Schwerpunkt lege ich dabei auf die Großstadtlyrik in der Julimonarchie (1830 – 1848) und die Einflüsse der politischen Geschehnisse auf das lyrische Schaffen Hugos.

Meinen Untersuchungen zu Grunde liegt das umfassende Werk Karlheinz Stierles, der der Stadtdarstellung Hugos ein eigenes Kapitel widmet.[3] Unter Einbezug des fragmentarischen Passagen-Werkes von Walter Benjamin[4] legt er seiner Studie die „Lesbarkeit der Stadt“ als zentrale Denkfigur der Lektüre und Interpretation von Großstadtliteratur zu Grunde. Die Stadt selbst avanciert zu einem lesbaren Text und neue Strukturen der Lesbarkeit werden sichtbar: „Die Stadt, so ausgedehnt sie sein mag, ist nur ein begrenzter Ort, dessen gesellschaftliche Realität in der Signatur seiner Straßen, Plätze und Bauwerke zur Erscheinung kommt. […] Die große Stadt ist jener semiotische Raum, wo keine Materialität unsemiotisiert bleibt.“[5] Die Überlegung der Lesbarkeit bildet somit die Basis aller Reflexionsansätze, durch welche sich Hugo der Stadterfahrung nähert[6].

Besonders bei der Thematisierung der Monumentthematik in Kapitel 3 werde ich darauf zurückkommen.

Zunächst möchte ich aber eine allgemeine Einführung in das Thema der Parislyrik geben, um dann zu einem Überblick über das lyrische Schaffen Hugos im Hinblick auf das Großstadtthema zu kommen. Das Paris der Julimonarchie in der Darstellung Hugos nimmt den zweiten Teil meiner Arbeit ein; die Analyse des Gedichtes « Rêverie d’un passant à propos d’un roi» soll abschließend die wichtigsten Merkmale der Großstadtlyrik Hugos, besonders während der Julimonarchie, zusammenfassen.

2. Die Wiedergeburt der Parislyrik

Die Stadtgedichte Hugos stellen einen Wendepunkt im Parisdiskurs der französischen Literatur dar. Spielte im 18. Jahrhundert die Lyrik zwischen Theater, Romanen, philosophischen Abhandlungen und Satiren nur eine untergeordnete Rolle, so gewinnt sie im 19. Jahrhundert unter dem Aspekt der Großstadt extrem an Bedeutung:

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelt sich Paris im Übergang von der Romantik zur Moderne zu einer modernen Großstadt. Sie wächst über ihre Grenzen hinaus, wird buchstäblich zu einem Labyrinth der Großstadt.

Hugo greift deshalb diese Entwicklung, ihre sowohl positiven als auch negativen Folgen und die Reaktionen darauf in der Stadtlyrik ab 1828 auf. Der lyrische Parisdiskurs erfährt somit eine grundlegende Neuerung: „Victor Hugo hat als erster in seiner lyrischen Dichtung Paris zum Ort mythischer Erfahrungen als einer Erfahrung des erhabenen gesteigert und damit der Erfahrung der Stadt eine neue Dimension gewonnen. Seit Horaz und Juvenal war die Darstellung der großen Stadt im sich herausbildenden europäischen Gattungssystem des poetischen Diskurses im wesentlichen an die Satire gebunden.“[7]

Hugo nimmt als erster Dichter die moderne Stadt als Erfahrungsraum der Möglichkeiten des Menschen ernst und macht sie somit für die Lyrik fruchtbar. Ihm gelingt es, das poetische Potenzial der modernen Großstadt und ihrer Erfahrungen zu erschließen Zum ersten Mal in der Tradition der Stadtdichtung löst sich Paris vom Bild der Kulisse und wird ein eigenständiges Sujet, welches ungeahnte Qualitäten birgt: sowohl Erhabenheit, Großartigkeit als auch Abgründigkeit und Schrecklichkeit, deren Zusammenspiel und Gegensätze sich in Hugos Gedichten widerspiegeln.[8]

Hugos Schaffen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kann somit als Stunde der Wiedergeburt des lyrischen Stadtdiskurses überhaupt verstanden werden[9].

3. Überblick über die Werke und die damit verbundene Entwicklung der Großstadtlyrik

Im Verhältnis zum lyrischen Gesamtwerk Hugos nimmt das Thema der Großstadt nur einen relativ geringen Raum ein; es zieht sich jedoch durch beinahe all seine Gedichtsammlungen, begonnen bei seinem posthum unter dem Titel »Poèmes d’enfance et de jeunesse» veröffentlichten Jugendwerk. Eine Ausnahme bilden hierbei aber die dem Spätwerk zuzuordnenden Gedichtbände, welche vorwiegend auf religiösen, familiären und philosophischen Themen basieren, so zum Beispiel «L’art d’être grand-père» oder «Religions et religion» (1880). Vor allem in den auf das Jugendwerk folgenden Gedichtbänden «Odes et ballades» (1828), «Les Orientales» (1829) und «Les feuilles d’automne» (1831) rückt die Stadt ins Zentrum des literarischen Interesses.[10] Auch in den folgenden Gedichtbänden «Les chants du crépuscule» (1835), «Les voix intérieures» (1837) und «Les rayons et les ombres» (1840) lassen sich einzelne Großstadtgedichte finden. Ab 1840 konzentriert sich Hugo vor allem auf politische Aktivitäten, sodass der nächste Band «Les châtiments» erst 1853 nach Louis-Napoléons Staatsstreich, jetzt aus dem Exil heraus, veröffentlicht wird. Die Stadt spielt hier jedoch eine marginale Rolle. Es folgen 1856 «Les Contemplations», die 1859, 1877 und 1883 in drei Serien veröffentlichte «Légende des siècles» und die «Chansons des rues et de bois» von 1865; diese Gedichtbände legen wieder größeres Augenmerk auf die Großstadt.

Separat zu erwähnen ist der Band «L’Année terrible» (1872), der im Zentrum des lyrischen Parisdiskurses Hugos steht. In ihm schildert Hugo nach dem Zusammenbruch des Second Empire im September 1870 und der damit verbundenen Rückkehr aus dem Exil nach Paris die Ereignisse des deutsch-französischen Krieges 1870/71 in Paris.

Ein weiterer Höhepunkt in der Stadtdarstellung findet sich im 1881 veröffentlichten Gedichtband «Les quatre vents de l’esprit», eine seiner letzten Publikationen.

Die Bearbeitung des Großstadtthemas und die poetische Annäherung an dieses geschehen im Schaffensverlauf Hugos unter verschiedenen Reflexionsansätzen, denen die Denkfigur der Lesbarkeit der Stadt zu Grunde liegt.[11]

Im Folgenden möchte ich einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten der Auseinandersetzung mit dem Thema der Stadt geben. Dabei werde ich nicht chronologisch vorgehen, da sich die Reflexionsansätze nicht in eine chronologische Linie bringen lassen; sie sind teilweise parallel, teilweise bei Gedichtbänden zu finden, deren Veröffentlichungen viele Jahre auseinander liegen.

Ein erster Ansatz ist die Thematisierung der Opposition Natur und Stadt, welche vor allem durch das Wachstum der Stadt ins Grenzenlose ausgelöst wird. Das neue Verhältnis zwischen der göttlichen Natur und dem romantischen Subjekt, konfrontiert mit den Eindrücken und Erfahrungen der immens wachsenden Stadt wirken sich negativ auf die Stadtdarstellung und schließlich auch auf die Darstellung der Figuren aus. Der dichterischen Inspiration, welche dem romantisch-philosophischen Weltbild zufolge mit dem Naturraum in Verbindung gebracht wird, steht nun die Erfahrung des Stadtraumes gegenüber. Hugo spürt: „Die verunsichernde Erfahrung der Stadt verlangt gleichsam nach poetischer Artikulation.“[12]

Diese verarbeitet Hugo zum Beispiel in dem Gedicht «Jour de fête. Aux environs de Paris» aus dem Gedichtband «Chansons des rues et des bois» (1865). Die unmittelbare Präsenz der Stadt bildet hier die Folie, vor der sich der Naturraum erst profilieren kann.

Einen zweiten Reflexionsansatz stellt die Annäherung an die Stadt in der Stadtvision dar, um „dem Erhabenen der Stadt […] Gestalt [zu] geben […]“[13] Damit eröffnet sich eine neue Möglichkeit der poetischen Aneignung der realen, zeitgenössischen Stadt, denn die Stadtvision erfordert zunächst die reale Stadterfahrung. Hugo evoziert in einigen Stadtgedichten mythische, geträumte oder vergangene Städte; er verwendet dabei vor allem das mythische Urbild der Stadt Babel als zentralen Topos der Verarbeitung der verunsichernden Stadterfahrung. Beispielgebend führt Stierle hier das Eröffnungsgedicht der «Orientales» mit dem Titel «Le feu du ciel» an[14]. Darin stellt Hugo die Vision einer absoluten Stadt Paris dar, „die aus mythischer Ferne als ein Bild des zum Erhabenen sich steigernden Kolossalen aufscheint.“[15] Trotz aller Erhabenheit steht jedoch die Stadt schon im Zeichen der Apokalypse als das „Schicksal fast aller großen Städte […], an die das Gedächtnis der Völker sich erinnert und deren Namen keinen Ort mehr hat.“[16] Aus diesem Grund scheitert dieser Versuch der Annäherung an die Stadt über die Vision; Paris wird schließlich in Traumvisionen, so zum Beispiel in den «Soleils couchants» oder in «La pente de la rêverie» (in: «Les feuilles d’automne») zu einer „überwältigenden, gar bedrohlichen Obsession“[17]. Die bedrückende Realität ist zu greifbar, als dass sie in Visionen ausgeblendet werden könnte. Daraufhin muss zwangsläufig ein Richtungswechsel von lyrischer rêverie[18] hin zur topographischen, sozialen und politischen Realität geschehen, um sich der Stadterfahrung auf geeignetere Weise zu nähern.[19]

So wird nach der Julirevolution 1830 vor allem die reale Stadt Paris zum Thema der Großstadtlyrik Hugos. Dabei findet auch der historische Kontext Beachtung: eine neue, politisch und sozial motivierte Rhetorik stellt sich ein. Ich möchte an dieser Stelle jedoch nicht vorgreifen, sondern auf das Kapitel 4 verweisen, in dem ich die Lyrik Hugos zu dieser Zeit einer genauen Analyse unterziehen werde.

Eine dritte Annäherungsmöglichkeit an das Thema der Großstadt ist die Monumentthematik, d.h. „die semiotische Auffassung des Stadtraumes als signifikanter Raum“.[20] Das Monument wird zu einem lesbaren Zeichen im Stadttext, d.h. die architektonische Struktur verleiht der Stadt eine Lesbarkeit im elementaren Sinn. In ihr prägt sich „der Geist der Stadt [aus], in der Sprache der sich überlagernden, aufeinander folgenden und doch nebeneinander bestehenden Baustile sowie in den Ornamenten, Emblemen, Allegorien, mit denen die öffentlichen, sakralen und profanen Bauten ausgestattet sind.“[21] Dabei enthält das Monument eine doppelte Verweisstruktur: zum einen verweist es durch seine Präsenz in der Gegenwart auf vergangene Geschichte und historische Kontinuität, d.h. es fungiert als Gedächtnisraum, zum anderen durch seine in Zeiten des Umbruchs vorhandene „Instabilität monumentaler Bedeutung […]“ auf die „Diskontinuität des Geschichtsprozesses der Moderne“.[22] Zu nennen ist an dieser Stelle das Gedicht «A l’Arc de Triomphe» aus dem Gedichtband «Les Rayons et les Ombres», welches das Bauwerk innerhalb einer Reflexion zur Funktion des Monuments im Stadttext zwischen Dauer und Verfall einordnet.[23] Gleichzeitig gilt dieses Gedicht als ein Höhepunkt der Stadtvision mit visionärem Endhorizont.[24]

Der Gedichtband «L’Année terrible» schafft schließlich die poetische Aneignung der Großstadt und die „Aussöhnung mit der Moderne im Zeichen des Mythos von Paris“[25].

4. Hugo und das zeitgenössische Paris – Die Stadt in der Julimonarchie

4.1. Voraussetzungen

Wie in Kapitel 2 erwähnt, geschieht nach den Trois Glorieuses 1830 eine Öffnung der Parislyrik Hugos für die topographische, soziale und politische Realität der Stadt. Dies hängt, wie bereits dargestellt, mit dem Scheitern des Reflexionsansatzes der Stadtvision zusammen. Den Nährboden aber für diese Veränderung bilden die Ereignisse der Julirevolution, die die Aufmerksamkeit des Dichters auf gegenwärtige soziale und politische Verhältnisse lenken.

In der Tat entsteht nun in ganz Frankreich eine neue Tradition der Parisliteratur und insbesondere -lyrik als unmittelbare Reaktionen auf aktuelle Geschehnisse, welche sich durch die poetische Aneignung der Julirevolution und der sozialen und politischen Entwicklungen der ersten zehn Jahre der Julimonarchie auszeichnet.[26] Hugo orientiert sich dabei stark am tatsächlichen Erfahrungsraum und Realraum Paris. Er zählt zu den Vorreitern dieser neuen Tradition der Parislyrik

Auf die ökonomischen Krisen zu Beginn der 1830er Jahre folgt ein wirtschaftlicher Aufschwung, der jedoch vor allem Besitzbürgertum und Adel zu Gute kommt. Dies verstärkt noch die politischen und wirtschaftlichen Ungleichheiten, was zur Verschärfung der gesamten Problematik und zum weiter wachsenden Unmut des Volkes führt.

[...]


[1] Stierle, Karlheinz: Der Mythos von Paris. Zeichen und Bewusstsein der Stadt. München/Wien: Carl Hanser Verlag 1993, S. 636.

[2] Ellmer, G. (2007): Stadterfahrung und Stadtdarstellung in der Lyrik Victor Hugos zwischen Romantik und Moderne. Dissertation, Universität des Saarlandes, S. 7. Zugriff am 2.10.2007 unter http://scidok.sulb.uni- saarland.de/volltexte/2007/1286/.

[3] Stierle: Der Mythos von Paris, S.636ff., besonders zur Stadtvision.

[4] Benjamin gilt als der erste Autor, der die Frage nach der Lesbarkeit der Stadt Paris und deren Bedingungen aufwarf. Er schließt von der Lesbarkeit des Buches der Natur auf die des Buches der Stadt: „Die Rede vom Buch der Natur weist darauf hin, daß man das Wirkliche wie einen Text lesen kann. So soll es hier mit der Wirklichkeit des neunzehnten Jahrhunderts gehalten werden. Wir schlagen das Buch des Geschehenen auf.“ Benjamin, Walter: Das Passagen-Werk, Gesammelte Schriften, Bd. V-1, hrsg. von Rolf Tiedemann, Frankfurt: Suhrkamp 1991. S. 580 Für eine ausführliche Darstellung der Welt [Natur] als Buch vgl. Blumenberg, Hans: Die Lesbarkeit der Welt. Frankfurt a. M. 1981

[5] Stierle: Der Mythos von Paris, S. 14

[6] Vgl. Kapitel 3

[7] Stierle: Der Mythos von Paris, S. 634.

[8] Zum Begriff der Erhabenheit bei Victor Hugo vgl. ebd. S. 636ff., so zum Beispiel: „Die Erfahrung des Erhabenen ist eine Grenzerfahrung zwischen dem noch fasslichen und dem unfassbaren.“ S.636 „Zu Hugos privilegierten Anschauungskreisen des Erhabenen, dem Meer, dem nächtlichen Kosmos, der Geschichte, der Erinnerung, zählt auch die Große Stadt.“ S.636.

[9] In der Antike ist die Stadt Gegenstand des Städtelobs, der Stadtbeschreibung und –satire (v.a. Horaz, Juvenal). Dies setzt sich bis ins Spätmittelalter fort; im 16. Jahrhundert spielen vor allem Städtelob und -preis eine große Rolle. Im 17. Jahrhundert kommt der poetische Parisdiskurs nahezu vollkommen zum Erliegen, da nun eher verschiedene Prosagattungen ins Zentrum des Interesses rücken. Diese Entwicklung hält bis zu den ersten großen Parisgedichten Hugos an.

[10] Außerdem „konstruiert die romantische Lyrik [mit den beiden letzteren Gedichtbänden] neben den Liedern der Privatheit eine politische, dabei exotistisch verfremdete Sphäre der Freiheit.“ Engler, Winfried: Die französische Romantik. Tübingen: Gunter Narr Verlag 2003, S. 89.

[11] Vgl. Kapitel 1.

[12] Ellmer : Stadterfahrung und Stadtdarstellung in der Lyrik Victor Hugos zwischen Romantik und Moderne, S. 23.

[13] Stierle: Der Mythos von Paris, S. 636.

[14] Für eine ausführliche Analyse des Gedichtes vgl. ebd., S. 637 – 642.

[15] Ebd. S. 637.

[16] Ebd.

[17] Ellmer: Stadterfahrung und Stadtdarstellung in der Lyrik Victor Hugos zwischen Romantik und Moderne, S. 20.

[18] Zum Begriff der rêverie schreibt Benjamin: „Der Traum – das ist die Erde, in der die Funde gemacht werden, die von der Urgeschichte des 19ten Jahrhunderts Zeugnis ablegen.“Passagen-Werk V, S. 140

[19] Benjamin fasst das Scheitern der eine bedrohliche Zwangsvorstellung des Untergangs implizierenden Stadtvision folgendermaßen zusammen: „Die Phantasien vom Untergang von Paris sind ein Symptom davon, daß die Technik nicht rezipiert wurde. Aus ihnen spricht das dumpfe Bewusstsein, daß mit den großen Städten die Mittel heranwuchsen, sie dem Erdboden gleich zu machen.“Passagen-Werk V, S. 152.

[20] Ellmer: Stadterfahrung und Stadtdarstellung in der Lyrik Victor Hugos zwischen Romantik und Moderne. S. 20

[21] Stierle: Der Mythos von Paris, S. 44

[22] Ellmer: Stadterfahrung und Stadtdarstellung in der Lyrik Victor Hugos zwischen Romantik und Moderne. S. 25

[23] Für eine Untersuchung des Arc de Triomphe als Gedächtnisraum vgl. Vinken, Barbara: „Zeichenspur“, Wortlaut: Paris als Gedächtnisraum. Hugos A L’Arc de Triomphe, Baudelaires Le cygne, in: Gedächtniskunst. Raum-Bild-Schrift. Studien zur Mnemotechnik, hrsg. von Anselm Haverkamp und Renate Lachmann, Frankfurt 1992, S. 231 – 262.

[24] Für eine Untersuchung des visionären Endhorizontes des Gedichts vgl. Stierle: Der Tod der großen Stadt. Paris als neues Rom und neues Karthago. In: Manfred Smuda, Hg.: Die Großstadt als Text. München 1992

[25] Ellmer: Stadterfahrung und Stadtdarstellung in der Lyrik Victor Hugos zwischen Romantik und Moderne, S. 346.

[26] Im Vergleich der politischen Geschehnisse und der Literatur im Allgemeinen zeigt sich jedoch ein Widerspruch: „Der Inhalt dieser Literatur ist derjenige der Gegenwart und der Zukunft; der Stil und die Form aber sind diejenigen der Vergangenheit.“ Köhler, Erich: Vorlesungen zur Geschichte der Französischen Literatur. Das 19. Jahrhundert I. Stuttgart: Kohlhammer 1987, S. 12 Eine Erklärung die Lyrik betreffend ist die Existenz derselben als seit langem fest etablierte Gattung: „lyrische Formen wie Ode, Elegie, Hymne […] galten insgesamt als die großen und dauerhaften Errungenschaften der romantischen Schule.“ Biermann, Karlheinrich: Literarisch-politische Avantgarde in Frankreich 1830-1870. Hugo, Sand, Baudelaire u.a. Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz: Kohlhammer 1982, S.34.

Details

Seiten
21
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640835652
ISBN (Buch)
9783640835959
Dateigröße
578 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v167157
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Romanistik
Note
1,7
Schlagworte
stadtdarstellung lyrik victor hugos schwerpunkt julimonarchie analyse gedichtes rêverie

Autor

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