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Die Christianisierung des römischen Eherechts in der Spätantike

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 21 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das klassische, römische Eherecht - Ein Vertrauensverhältnis zwischen Staat und Bürger
2.1 Rechtliche Grundsätze für das Zustandekommen einer Ehe: conubium
2.2 Vom Verlöbnis zur Eheschließung

3. „Anpassung oder Umbruch“ - die Veränderungen im spätantiken Eherecht
3.1 Spätantike Voraussetzungen für eine rechtsgültige Ehe
3.2 Eheschließungen der römischen Bevölkerung ab dem vierten Jahrhundert

4. Schlussfolgerung

5. Quellen- und Literaturverzeichnis
5.1 Literatur
5.2 Rechtsquellen

1. Einleitung

Als eine der bedeutendsten christlichen Sozialisationsformen im westlichen Römischen Reich zählten die Ehegemeinschaften. Wegen ihrer großen Relevanz für das alltägliche Leben und den daraus zu entnehmenden Schlussfolgerungen für die Sozialgeschichte der Ehe und der Familie sind in den letzten Jahren vermehrt Studien und Forschungen hierzu entstanden.[1] Viele Historiker haben sich sowohl mit den Eheschließungen im Römischen Reich, als auch mit der Entwicklung des christlichen Glaubens im mittelmeerumspannenden Imperium beschäftigt. Auch themenübergreifende Inhalte wie die Behandlung des Eherechtes in anderen Kulturen und Ländern wurden dabei nicht außen vor gelassen. [2]

Daher soll diese Hausarbeit weder ein historischer Abriss der Ehe noch ein Überblick über den Aufstieg des Christentums sein. Dies würde zudem den Umfang meiner Hausarbeit überschrei- ten.

Vielmehr möchte ich auf den kommenden Seiten auf die Ehe an sich mit seiner rechtlichen Bedeutung für die römische Bevölkerung, sowohl in der klassischen, weltlichen Sphäre, als auch in der vom Christentum geprägten spätantiken Lebenswelt des westlichen Römischen Reiches eingehen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem Aspekt der Christianisierung und welchen Einfluss der katholische Glaube und die zunehmende Macht der Bischöfe seit dem Edikt „ cunctos populus “ vom 28.02.380 n. Chr. durch Kaiser Theodosius I. oder evtl. schon vorher auf das römische Eheschließungsrecht genommen haben.

Letztendlich möchte ich am Beispiel der Eheschließung verdeutlichen, dass die römische Kirche mit Zunahme von geistlicher Macht ab dem vierten Jahrhundert auch eine größere politische Machtposition erlangte.

Die Auswahl und die Verwendung der Quellen waren auf Grund vieler Umstände sehr schwie- rig. Um dem Leser kein vorgefertigtes Zeugnis der Geschichte zu präsentieren, lag es mir am Herzen möglichst viele Quellen gegenüber zu stellen. Vorwiegend habe ich dabei säkulare Quel- len verwendet, da in christlichen Überlieferungen reale Welten meist nur sehr schwer von kirch- licher Propaganda zu unterscheiden sind. Sollte es dem Leser an primären Quellen zu römischen Eheschließungen mangeln, so steht dahinter keine grundsätzliche Absicht, sondern bloß der Mangel an richtigen und verwendbaren Übersetzungen. Auch eine bereits in der Ant ike und im Mittelalter eingesetzte Selektion hatte daran einen großen Einfluss. Texte, deren Inhalte und Be- deutungen nicht geachtet und geschätzt wurden und somit auch nicht abgeschrieben wurden, fielen mit der begrenzten Haltbarkeit von Papyrus dem Zahn der Zeit zum Opfer. Zudem gab es bedeutsame Umstellungen, wie zum Beispiel die der Handschrift von Majuskel auf Minuskel oder auch die Erfindung des Buchdrucks, welche zur Folge hatten, dass eine weitere Zäsur ein- setzte.

Die meisten Angaben in meiner Ausarbeitung beziehen sich auf römische Rechtstexte. Erwäh- nenswert sind dabei der erste und zweite Abschnitt der ausführlichen Zusammenfassung zum „Römischen Privatrecht“ von Max Kaser und die Rechtsquellen von Iustinian und Theodosius.

Gegliedert ist meine Arbeit in drei Teile. Während der Erste das römische Eherecht vorwiegend aus Sicht des heidnischen Staates bis ins dritte Jahrhundert betrachtet, werde ich im zweiten Kapitel ähnliche Aspekte der nachklassischen Zeit, also aus dem vierten und fünften Jahrhundert aufzeigen. Besondere Erwähnung finden hierbei die juristischen Voraussetzungen für eine Ehe, und die Inhalte einer weltlichen, römischen Ehe mit dem Verlöbnis und der Hochzeit. Im letzten Drittel möchte ich ganz explizit auf die Veränderungen des spätantiken Eherechtes im westlichen Römischen Reich eingehen und diese mit dem unbestreitbaren Aufstieg des Christentums in Verbindung setzen. Die durch diese Arbeit gewonnenen Ergebnisse sind letztlich in der Schlussfolgerung noch einmal ausführlich benannt, damit es dem Leser möglich ist, sich ein eigenes Bild von den Geschehnissen zu machen.

2. Das klassische, römische Eherecht - Ein Vertrauensverhältnis zwischen Staat und Bürger

Die Betrachtung des römischen Eheschließungsrechtes der Spätantike verdeutlicht die feste Verankerung heidnischen Riten und Bräuche. Während des Aufstiegs des Christentums im Osten des Reiches versuchte der römische Staat den Akt der Eheschließung als ein Bestandteil des Römischen Privatrechtes zu stärken und zu erhalten. Dem ungeachtet wird aus den Quellen des Hieron deutlich, dass eine Übereinstimmung des staatlichen Eherechtes mit den kirchlichen Ansichten zu keiner Zeit angestrebt wurde.[3]

Dies verdeutlicht unter anderem die Durchführung und Beurteilung von Ehevoraussetzungen, das stetige Festhalten an den traditionellen Heiratsriten und Bräuchen und am Scheidungsrecht. Noch bis ins späte dritte Jahrhundert blieben die Römer ihren konservativen, auch durch das Heidentum geprägten, Ansichten treu. Die Eheschließung im klassischen, römischen Recht kennzeichnete sich daher durch ihren außerjuristischen Charakter und ihre Formfreiheit für die Eingehung und Auflösung der Ehe.[4] So war es nicht verwunderlich, dass man im römischen Rechtsgebot vergebens nach einer staatlichen Eheaufsicht suchte. Solch eine Institution stellte die familia dar. Dem Gegenüber verhielt sich in den folgenden Generationen die christliche Anschauung, wozu ich im zweiten Teil meiner Arbeit noch kommen werde.

Eheschließung und Ehescheidung galten als reine Privatakte, die an keine bestimmte Rechtsform gebunden waren. Die Sitte und der Glaube an die eigenen Bräuche bestimmten daher über die Einhaltung der selbst geführten Ehe und nicht die juristische Hand des Staates.[5] Nach Kaser war die Ehe im Römischen Reich daher kein Rechtsverhältnis, sondern vielmehr eine soziale Tatsache die mit juristischen Reflexwirkungen verbunden war.[6]

Dieses Prinzip ist so zu verstehen, dass der Staat zwar feste Rechtsgrundsätze aufstellte und verlangte, zum Beispiel unter welchen Umständen eine Ehe zulässig ist oder wann eine Scheidung rechtmäßig ist, die Kontrolle aber dem civis romanus anvertraute.

Im Gegensatz zu den Ehevorstellungen der Germanen lebten die Römer in strenger Monogamie. Sie durften das Eheversprechen nur einem Ehepartner geben, solange es nicht zur Scheidung kam oder dieser verstarb. Grund hierfür war u. a. auch, dass das Eigentum der Familie nicht allzu weit verstreut wurde. Dagegen waren aber Konkubinate neben einer Ehe gestattet. Im Unter- schied zu einer vollgültigen Ehe musste bei Konkubinaten auf Rangunterschiede keinerlei Rück- sicht genommen werden. Im Unterschied zu den ehelichen Rechtsvorschriften des antiken Roms waren die Ehegatten seit dem ersten Jahrhundert n. Chr. gleichen Rechts, auch wenn einige Be- stimmungen weiterhin galten. So hatte der Mann beispielsweise weiterhin die Bestimmungsge- walt über die Wahl des Wohnsitzes und bei den Entscheidungen über die Erziehung der Kinder.[7]

Nach dem römischen ius civile wurde vorausgesetzt, dass die Ehepartner bzw. zumindest der Ehemann civis Romanus waren und mit der Frau das conubium[8] besaß.[9]

Besonders in der römischen Oberschicht war eine Eheschließung oftmals politisch oder ökono- misch ambitioniert.[10] Daher war die Ehe vielmehr eine Verbindung zweier Familien als eine Verschmelzung von zwei Ehepartnern. Auf Grund des jugendlichen Alters der Brautleute[11] ist es zu vermuten, dass die eigene Partnerwahl der gesellschaftlichen Erwartungshaltung nachgestellt wurde. Die Ehe war daher im klassischen Rom eine reine Familienangelegenheit. Um dieser eine rechtliche Befähigung erteilen zu können, war schließlich das Prinzip „ consensus facit nuptias “ notwendig, was lediglich eine formlose Einwilligung beide Brautleute und gegebenenfalls des pater familias bedeutete.[12]

2.1 Rechtliche Grundsätze f ü r das Zustandekommen einer Ehe: conubium

Im folgenden Abschnitt möchte ich auf den Hintergrund und besonders auf die Inhalte des conubiums eingehen. Vor allem die Beschlüsse, welche Bürger des Römischen Reiches einhalten mussten, um eine rechtmäßige Ehe eingehen zu dürfen, waren mit vielen Besonderheiten und Ausnahmen verbunden.

Ganz allgemein gesagt, war es verpflichtend, dass beide Partner frei waren und das römische Bürgerrecht besaßen. Dies schloss bereits die Vermählung mit Sklaven und Fremden aus. Den- noch gab es im dritten und vierten Jahrhundert zahlreiche Ausnahmen und Bestimmungen. So verhinderten staatliche Funktionen oder Ämter ein Verlöbnis einzugehen. Ein Beispiel wäre u. a. das Eheverbot von Provinzialbeamten und Offizieren mit Angehörigen derselben Provinz. Quel- len bestätigten, dass diese Einschränkung dem Zweck dienen sollte, der Frau ihrer Willensfrei- heit nicht zu entziehen.[13] All diese Exempel aufzuzählen und zu erklären würde jedoch bereits den Umfang einer solchen schriftlichen Arbeit ausmachen. Um aber dieses detailreiche Prozede- re nicht außen vor zu lassen, verweise ich an dieser Stelle auf Gardner, die sich sehr ausführlich mit diesem Sachverhalt auseinander gesetzt hat.[14]

Trotz ihres privaten Charakters stellte der römische Staat Grundzüge auf nach denen sich jeder Bürger richten musste um eine Ehe eingehen zu können. Diese Voraussetzungen besaßen zwar eine gesetzliche Rechtspflicht, wurden jedoch nicht, wie bereits im Text erwähnt, vom Staat kon- trolliert.

An aller ersten Stelle dieses Prinzips standen die Mündigkeit und die geistige Gesundheit der Brautleute. Dazu stand in den römischen Gesetzestexten, dass eine nachträgliche geistige Erkrankung kein Scheidungsgrund für das bestehende Eheverhältnis war. Auch eine etwaige Zeugungsunfähigkeit schoss die Ehe nicht aus.

Juristische Grundvoraussetzung nach römischem Recht für das Zustandekommen einer Ehe war der ernsthafte Wille der Brautleute. Dabei ist jedoch hervorzuheben, dass wenn die Verheiratung wider den Willen der Braut bzw. des Bräutigam, zum Beispiel von Seiten der Familien, erzwun- gen wurde, ist diese für nichtig zu erklären. Selbst der Widerstand des pater familias hatte nach dem lex lulia de marit keinen Einfluss auf den Willen der Brautläute.

[...]


[1] Vgl. Große - Boymann: Heiratsalter und Eheschließungsrecht; Münster 1994; S. 1.

[2] Vgl. hierzu Simon: Eherecht und Familiengut in Antike und Mittelalter; München 1992.

[3] Vgl. Kaser, Max: Das Römische Privatrecht. Zweiter Abschnitt. Die nachklassischen Entwicklungen; Zweite, neubearbeitet Auflage mit Nachträgen zum Ersten Abschnitt; München 1975; S. 159.

[4] Vgl. Müller-Lindenlauf, Hans - Günther: Germanische und spätrömisch - christliche Eheauffassung in fränkischen Volksrechten und Kapitularien; Freiburg im Breisgau 1969; S. 15.

[5] Vgl. ebd.; S. 60.

[6] Vgl. Kaser, Max: Das Römische Privatrecht. Erster Abschnitt. Das altrömische, das Vorklassische und klassische Recht; München 1955; S. 65.

[7] Vgl. Preisker, Herbert: Christentum und Ehe in den ersten drei Jahrhunderten; Aalen 1979; S. 63f.

[8] Unter conubium verstand man im römischen Recht die Fähigkeit bestimmter Personen miteinander eine gültige Ehe einzugehen.

[9] Vgl. Kaser: Das Römische Privatrecht. Erster Abschnitt; a.a.O.; S. 267.

[10] Vgl. Demandt, Alexander: Die Spätantike. Römische Geschichte von Diokletian bis Justinian 284 - 565 n. Chr.; München 1989; S. 298.

[11] Das gesetzliche Mindestalter lag im römischen Reich für Männer bei 14 Jahren und für Frauen bei 12 Jahren.

[12] Vgl. Große - Boymann; a.a.O.; S. 57.

[13] Vgl. Kaser: Das Römische Privatrecht. Erster Abschnitt; a.a.O.; S. 269.

[14] Vgl. Gardner, Jane F.: Frauen im antiken Rom. Familie, Alltag, Recht; München 1995; S. 36ff.

Details

Seiten
21
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640837014
ISBN (Buch)
9783640837069
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v167228
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Historisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Christentum Römisches Kaiserreich Eherecht spätantike Eherecht 4. Jahrhundert 5. Jahrhundert Christianisierung

Autor

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Titel: Die Christianisierung des römischen Eherechts in der Spätantike