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Möglichkeiten zur Ausgestaltung eines Arbeitsschutz-Controllings für den staatlichen Arbeitsschutz

Fachbuch 2011 73 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhalt

Historische Entwicklung des Arbeitsschutzes

Wirtschaftlichkeit versus soziale Verantwortung
Wirtschaftlichkeitsaspekte im betrieblichen Arbeitsschutz
Soziale Verantwortung (Corporate Social Responsibility)

Begriff des Controlling

Zielrichtungen des klassischen Controllings

Arbeitsschutz-Controlling

Zielrichtungen eines Arbeitsschutz-Controlling

Arbeitsschutz und Benchmarking

Arbeitsschutz führt zu höherer Produktivität

Intentionen des staatlichen Arbeitsschutzes

Werkzeuge
Kosten- und Leistungsrechnung - KLR -
EFQM
Balanced Scorecard
Loss Control Management
Six Sigma
LV 21
Bewertung der Methoden

Daten für ein Berichtswesen

Arbeitsschutz-Controlling versus Deregulation

Vorhandene Kennzahlen und Indikatoren

Arbeitsschutz-Ziele statt Indikatoren
Arbeitsschutzziele bis 2012

Problem nicht gelöst

Abkürzungen

Kompendium arbeitsschutzrechtlicher Vorschriften
Gesetze (jeweils in geltender Fsssung)
Verordnungen (Auszug)
Regeln

Quellen / Literatur

Historische Entwicklung des Arbeitsschutzes

Der staatlich geregelte Arbeitsschutz hat sich historisch aus den sich zur Zeit der Industrialisierung seit Mitte des 19. Jahrhunderts stark wandelnden Lebens- und Arbeitsbedingungen entwickelt.

Der Arbeitsschutz bezog sich damals auf die Gesamtheit der Sozialpolitik, die als soziale Bewegung das Ziel hatte, bei den asymmetrischen Lebens- und Beschäftigungsverhältnissen der industriellen Arbeiterschaft einen Schutz vor übermäßiger Verwertung ihrer Arbeitskraft zu bieten. Ihre gesetzliche Grundlage fanden die Vorschriften zum Arbeitsschutz vor allem in der Gewerbeordnung mit dem so genannten Arbeiterschutzgesetz vom 1.6.1891 (RGBl., 261), der gesetzlichen Unfallversicherung vom 6.7.1884 (RGBl., 69) und zivilrechtlichen Regelungen des BGB vom 18.8.1896 (RGBl., 195). Später waren Vorschriften zum Arbeitsschutz in der Reichversicherungsordnung (RVO) zusammen gefasst[1], die als Grundnorm des Sozialstaats gilt. Auch heute noch enthalten die Paragraphen 617-619 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB), abgesehen von den Vorschriften über arbeitsvertragliche Regelungen in den Paragraphen 611 ff. BGB und den sich hieraus zum Teil ableitenden Sondergesetzen[2], Vorschriften zum technischen Arbeitsschutz.

Die fortschreitende Entwicklung von Technik aber auch von Organisation, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft haben für einen ständigen Wandel der Arbeitsbedingungen gesorgt. Dieser Wandel hat sich in den letzten Jahren sogar noch vervielfacht. Vor dem Hintergrund zunehmender Komplexität betrieblicher und gesellschaftlicher Problemlagen entsteht eine hochgradige Veränderungsdynamik. Die Veränderungsprozesse werden immer schneller und überschreiten teilweise das menschliche Maß an Wahrnehmungs-, Umsetzungs- und Veränderungsfähigkeit.[3],[4] Zeitgleich wird eine Zunahme instabil-komplexer Situationen beobachtet.

Insoweit waren auch die Anforderungen an den Arbeitsschutz seit jeher einem regelmäßigen Wandel unterworfen und werden es wohl auch bleiben.

Im Zuge des „Zusammenwachsens“ von Europa ist der Arbeitsschutz zunehmend auch zu einem Kernbereich des heutigen EG-Rechts geworden.

In den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde u.a. auch wegen der zunehmenden verbindlichen europäischen Rechtssetzung, die zu einem erheblichen Bedeutungsverlust der nationalen Unfallverhütungsvorschriften[5] geführt hatten, das bisherige Arbeitsschutzsystem in Deutschland zunehmend als unbefriedigend empfunden.

Auf europäischer Ebene wurden mit der Richtlinie 89/391/EWG[6] die Mindestanforderungen für einen modernen Arbeitsschutz beschlossen.

Mit dem heute geltenden Arbeitsschutzgesetz vom 07.08.1996 ( BGBl I, 1246) i.g.F. wurde schließlich die Richtlinie 89/391/EWG 1:1 umgesetzt. Zeitgleich erfolgte auch die Einführung des SGB VII[7], das den Arbeitsschutz in Deutschland im dualen System zur Grundlage hat. Hiernach besteht neben dem staatlichen Arbeitsschutz als zweite Säule der autonome selbstverwaltete Arbeitsschutz durch die Berufsgenossenschaften als Träger der gesetzlichen Unfallversicherung.

Mit diesen Rechtsänderungen war im Verbund mit weiteren Gesetzesänderungen wie dem ASiG[8] ein Paradigmenwechsel verbunden. Im neuen Arbeitsschutzrecht geht es nunmehr in Gegensatz zu der bisherigen Praxis der behördlichen Überwachung vordringlich um die Motivation zu einer systematischen und konsequenten Prävention durch die Unternehmen, die der Sicherheit und der Gesundheit der Beschäftigten dienen soll. Dabei sollen die Maßnahmen sogar auf den privaten Bereich und Familienangehörige der Beschäftigten ausstrahlen ( Richtlinie 89/391/EWG, Erwägungsgrund 8, Satz 2 ).

Die neue Sichtweise in Verbund mit weiteren Arbeitsschutz- und Unfallverhütungsvorschriften hat in den letzten Jahren in den Betrieben in vielen Bereichen zu erheblichen Aktivitäten von der Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen bis hin zur Gestellung von Persönlicher Schutzausrüstung (PSA) geführt.

Wirtschaftlichkeit versus soziale Verantwortung

In den folgenden Kapiteln soll näher darauf eingegangen werden, inwieweit bei Fragen zum betrieblichen Arbeitsschutz und zur Arbeit und Gesundheit eher wirtschaftliche und mönetäre Aspekte oder eher allgemeine soziale und gesellschaftliche Anforderungen auch unter Einbeziehung von Aspekten des Reziprozitätsverhaltens[9] eine dominierende Rolle spielen.

Wirtschaftlichkeitsaspekte im betrieblichen Arbeitsschutz

Die Umsetzung der staatlichen und berufgenossenschaftlichen Arbeitsschutzan-forderungen in den Betrieben hat gemessen an den klassischen Indikatoren wie Zahl der Arbeitsunfälle oder Berufsunfähigkeit großen Erfolg gezeigt. So sind sowohl die Arbeits- und Wegeunfälle als auch die tödlichen Unfälle weiterhin rückläufig[10]. Nach einer Untersuchung des BIT und der Universität Bielefeld haben in 92,8 % der Betriebe Arbeitsplatzbegehungen stattgefunden, in fast 70 % der Betriebe wurden Gefährdungsbeurteilungen erstellt[11]. Im Zuge der explosionsartigen Zunahme geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse (Mini-Jobs) muss hinsichtlich der Anwendung der Vorschriften auf diese Personengruppe allerdings von Defiziten ausgegangen werden[12].

Gleichzeitig muss bei der Umsetzung von Arbeitsschutzmaßnahmen jedoch realisiert werden, dass diese Maßnahmen für den Betrieb auch mit erheblichem Aufwand und Kosten verbunden sind. Unter dem Druck einer zunehmenden globalen Konkurrenzsituation fordern Unternehmen einen betriebswirtschaftlichen Nachweis für den Nutzen ihrer Arbeitsschutzmaßnahmen. So gaben bei der Untersuchung des BIT / Universität Bielefeld fast 78% der Unternehmen die Kostenreduktion als vordringlichstes Ziel der Zukunft an. Häufig werden Arbeitsschutzmaßnahmen nur als Kostenbelastung in den Betrieben wahrgenommen, ohne dass mess- oder wahrnehmbare Nutzenpotentiale erkannt werden[13]. Dabei können vielfach selbst auf der Kostenseite nicht alle Kosten und Kostentreiber auf Anhieb identifiziert werden. Lassen sich die Kosten für PSA[14], die Sicherheitsfachkräfte oder die Betriebsärzte aus den jeweiligen Kostenrechnungssystemen noch einigermaßen leicht herausfiltern, ist dies bei anderen Kosten schon schwieriger.

Welche Zusatzkosten entstehen durch die Beschaffung einer Maschine mit erhöhtem Schallschutzaufwand gegenüber einer Maschine mit geringeren Anforderungen und wo und wie werden diese Zusatzkosten erfasst?

Wie hoch werden die Kosten für den Einsatz des Betriebsrates für Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes (AuG) angesetzt?

Welche Kosten entstehen bei Arbeitsunfähigkeit aufgrund von Arbeitsunfällen.

Sind hier vielleicht sogar Reparaturkosten mit zu berücksichtigen, falls auch Sachschäden eingetreten sind.

Entstehen weitere Kosten durch Produktionsunterbrechung oder -ausfall?

So betrug 2002 der Produktionsausfall in Deutschland durch krankheitsbedingte Abwesenheit 44,15 Mrd. Euro. Rund ein Drittel dieser Kosten stehen dabei im Zusammenhang mit der Arbeit. Davon ließen sich nach Schätzungen wiederum 30-40% der Kosten durch effektivere AuG-Maßnahmen vermeiden.[15]

Neben den internen Aspekten sind gravierende externe Einflüsse zu beachten:

„Der Einfluss der Nationalstaaten auf Wirtschafts- und Kommunikationsprozesse, auf Warenaustausch und Finanzströme, auf Produktion und Dienstleistungen verringert sich, der Konkurrenzdruck sowohl zwischen den Unternehmen wie auch zwischen den Staaten steigt. Dies hat auch Folgen für das Arbeitsschutzsystem. Es wird auf der einen Seite immer stärker durch internationale Anforderungen, (z. B. der Europäischen Union) und durch supranationale Institutionen, (z. B. ILO, ISO, WHO) geprägt; auf der anderen Seite wird die Neigung bestehen, wegen des globalen Konkurrenzdruckes aus Kostengründen die Anforderungen an Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zu verringern und international einen kleinsten gemeinsamen Nenner anzustreben.“[16] In der politischen Diskussion[17],[18] wird immer wieder die Forderung erhoben, dass z.B. Europäische Mindeststandards in Deutschland keinesfalls wegen der Kostenkonkurrenz zu ausländischen Unternehmen durch nationale Vorschriften übertroffen werden und so der Mindeststandard als gerade noch zu erreichender Level angesehen wird.

Soziale Verantwortung (Corporate Social Responsibility)

Die soziale Verantwortung von Unternehmen, auch als Corporate Social Responsibility (CSR) bezeichnet, gewinnt für die Wettbewerbsfähigkeit und den nachhaltigen Erfolg deutscher Unternehmen jeder Branche und Größe zunehmend an Bedeutung. Diese erkennen immer mehr, dass überdurchschnittliche sozial- und umweltverträgliche Unternehmenspraktiken unmittelbaren wirtschaftlichen Wert schaffen können und die Gestaltung des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Wandels unterstützen.

Was genau bedeutet soziale Verantwortung von Unternehmen? Laut Grünbuch der Europäischen Kommission von 2001[19] beschreibt CSR ein Konzept, mit dem Unternehmen auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltverantwortlichkeiten sowohl in ihre Unternehmenstätigkeit als auch in die Wechselbeziehungen mit Interessensvertretern (z.B. Arbeitnehmern, Anteilseignern, Investoren, Verbrauchern, öffentlichen Behörden, Nichtregierungsorganisationen, etc.) integrieren. Sozial verantwortlich handeln heißt nicht nur, die gesetzlichen Bestimmungen einzuhalten, sondern über die bloße Gesetzeskonformität hinaus mehr in das Humankapital, in die Umwelt und in die Beziehungen zu ihrem Umfeld zu investieren.

Das Konzept CSR beinhaltet eine interne und eine externe Dimension. Die interne Dimension betrifft in erster Linie die Arbeitnehmer. Dazu zählen das Management des Humankapitals, der Arbeitsschutz, die sozial verantwortungsvolle Bewältigung des globalen Wandels und der umweltbewusste Umgang mit den in der Produktion verwendeten natürlichen Ressourcen. Die externe Dimension bezieht sich auf die Integration der Unternehmen in das lokale Umfeld, auf Geschäftspartner, Zulieferer und Verbraucher, die Menschenrechte und den globalen Umweltschutz. Das Konzept macht zudem nicht an den nationalen Grenzen halt.

Die entscheidenden Gründe für die Fortentwicklung einer sozialen Verantwortung der Unternehmen sind:

- die veränderten Erwartungen der Verbraucher, der Bürger, der Behörden und der Investoren an die Unternehmen im Kontext der Globalisierung und des industriellen Wandels,
- der zunehmende Einfluss sozialer Kriterien auf die Investitionsentscheidungen von Einzelpersonen und Organisationen in deren Rolle als Verbraucher und Investoren,
- die größere Besorgnis bezüglich der durch wirtschaftliches Handeln hervorgerufenen Umweltschädigung,
- die immer transparenter werdende Wirtschaftstätigkeit durch moderne Informations- und Kommunikationstechnik.

Die Europäische Union hat die Förderung der sozialen Verantwortung der Unternehmen zu ihrem Anliegen gemacht. Sie ist davon überzeugt, dass CSR dazu beitragen kann, das in Lissabon 2000 vorgegebene Ziel des Europäischen Rates, die Union zum ,,wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen", zu realisieren.

In Deutschland hat sich mit dem Deutschen Netzwerk für betriebliche Gesundheitsförderung (DNBGF)[20] ein Forum gebildet, das dieses Konzept der sozialen Verantwortung von Unternehmen unterstützt. Da für den Erfolg von betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF) entscheidend ist, ob und wie ein Unternehmen seiner Verantwortung im Umgang mit den natürlichen Ressourcen und dem Humankapital gerecht wird, gilt die soziale Verantwortung von Unternehmen als eines der Qualitätsmerkmale betrieblicher Gesundheitsförderung.

Zudem hat sich zwischenzeitlich auch das Leitbild der ‚gesunden Organisation’ herausgebildet[21]. Diese Metapher bezeichnet eine Organisation, die in ihrer Unternehmenskultur, der Aufbau- und Ablauforganisation, ihren sozialen bzw. kommunikativen Prozessen und Anreizsystemen so ausgerichtet ist bzw. weiterentwickelt wird, dass gesundheitsrelevante Belastungen vermindert und protektive Ressourcen im Sinne einer ausgewogenen Life-Work-Balance vermehrt werden.

Begriff des Controlling

„To control" oder „Controlling" kommt aus dem amerikanischen Sprachgebrauch und bedeutet sinngemäß Beherrschung, Lenkung und Steuerung eines Vorganges. Dies hat selbstverständlich Einwirkungen auf Vorgang und eingeschlagen Kurs. Es müssen also genaue Ziele festgelegt worden sein, die in der operativen und der daraus abgeleiteten taktischen Planung ihren Niederschlag finden. Mit der Kontrolle der Planabweichungen durch Ermittlung und Analyse schafft man die Grundlage für nunmehr zu treffende Entscheidungen über einzuleitende Korrekturmaßnahmen.

Im Gegensatz zum deutschen Sprachgebrauch bedeutet Controlling somit mehr als lediglich kontrollieren. Die Kontrolle ist nur eine Teilfunktion des Controlling. Der Kontrolle allein fehlt der oben beschriebene Bezug zum Prozess der Unternehmensführung, wenn aus der Kontrolle eben keine zukünftigen Maßnahmen erwachsen.

Funktional gesehen ist Controlling dasjenige Subsystem der Führung, das Planung und Kontrolle sowie Informationsversorgung systembildend und systemkoppelnd ergebniszielorientiert koordiniert und so die Adaption und Koordination des Gesamtsystems unterstützt.[22] Die Hauptmerkmale eines Controllingsystems sind laut dieser Definition als Planung, Steuerung und Kontrolle zu verstehen.

Zielrichtungen des klassischen Controllings

Das Controlling als Ziel einer Kosten- und Leistungsrechnung soll allen am Zielprozess beteiligen Instanzen Instrumente und Informationen zur Verfügung stellen, damit sie ihre Rolle im Zielerreichungsprozess wahrnehmen können. Das Controlling kann also als eine bereichsübergreifende Funktion im Unternehmen verstanden werden, die die Steuerung des Unternehmens unterstützt. Es besteht eine grundsätzliche Unterscheidung von Controlling in operatives Controlling und strategisches Controlling.

Das operative Controlling konzentriert sich auf quantifizierte Größen (Produktions- und Absatzmengen, Produktionskosten, Erlöse) als Grundlage für den Steuerungsprozess, während das strategische Controlling die qualitativen Faktoren (Ziele, Märkte, strategische Geschäftsfelder und Erfolgsfaktoren) in den Planungsprozess mit einbezieht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Arbeitsschutz-Controlling

In Nordrhein-Westfalen wurde im Fachkonzept aus dem Jahre 1994 die Statusanalyse eingeführt: Aussagekräftige Daten zum Stand von Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz sollten aus verschiedensten Quellen, z.B. der Unfallversicherungsträger, des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik NRW, der Arbeitsverwaltung, der Krankenkassen und der staatlichen Arbeitsschutzverwaltung[23] zusammengeführt und ausgewertet werden. Die Analyse dieser Daten verdeutlicht dabei die zentralen Probleme in der Arbeitswelt mit dem Ziel, diese im Rahmen der Programmarbeit aufzugreifen und Maßnahmen zur Prävention zu entwickeln.

Seit dem Jahr 1994 wurden Datenzugänge erschlossen und Fachstatistiken in ihren Strukturen daraufhin untersucht, ob und wie sie mit anderen Quellen zusammengeführt werden können. Unabhängig davon wurden wichtige, periodisch verfügbare Daten zum Arbeitsschutz in NRW zusammengestellt, ausgewertet, aufbereitet und als Statusanalyse[24] veröffentlicht. Inzwischen stehen die Daten auch im Intranet der Arbeitsschutzverwaltung als Observatorium zu Arbeit und Gesundheit zur Verfügung.

Das Arbeitsschutzkonzept 2001 unter dem Motto "Wandel gestalten - gesünder arbeiten"[25] fordert dazu auf, neue Wege zu beschreiten. Das NRW-Profil in Sachen Arbeitsschutz lautet: weniger Verwaltung, mehr Dienstleistung, weniger Arbeitsschutzpolitik, mehr Arbeitsgestaltungspolitik. Dazu verlangt das Konzept ein einheitliches Verständnis darüber, welches Wissen über das Arbeitsschutzsystem in NRW erforderlich ist, um es wirksam zu steuern.

„Wer benötigt welches Wissen? Aus welchen Informationen und Daten kann dieses Wissen erzeugt werden? Diese Fragen sind zu klären. Das Prinzip lautet: Das Richtige richtig tun! Der Aufbau eines Arbeitsschutzcontrollings, das die Statusanalyse in ihrer bisherigen Form ablöst, wird eine vorrangige Aufgabe der kommenden Jahre sein. Dabei kann auf Fachwissen und Strukturen zurückgegriffen werden, die bei der Erstellung der Statusanalyse aufgebaut worden sind.“

Um systematische strategische Lösungen zur Verbesserung der Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zu erlangen, fordert die Konferenz der Arbeits- und Sozialminister[26] die Verbesserung der Datenlage für ein Arbeitsschutz-Controlling. Hierbei soll die einschlägige Forschung eine bedeutende Rolle spielen.

Zudem geraten vor dem Hintergrund des nach h.M. aus der Globalisierung und offenen Märkten resultierenden zunehmenden Kostendrucks Maßnahmen zu AuG zunehmend unter Rechtfertigungsdruck. Dies lässt die Darstellung ökonomischer Nutzenpotenziale und damit verbunden ein Arbeitsschutz-Controlling erforderlich erscheinen. Unter dem Oberbegriff ‚Erweiterte Wirtschaftlichkeitsverfahren’ wurden in den vergangenen Jahren verschiedene Neuansätze erprobt.[27] Gleichwohl haben diese Projekte nicht aus dem Dilemma der Kosten-Nutzen-Rechtfertigung heraus geführt.

Der theoretische Anspruch ist zwar klar: In der neuen Ökonomie des Arbeits- und Gesundheitsschutzes wird aus einer sinkenden Unfallkosten-Kurve eine steigende Ertragskurve, was nur darstellbar ist, wenn zur Unfallkostensenkung zusätzliche Nutzen-Gesichtspunkte wie beispielsweise die Arbeits- und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter plausibel geltend (und bewertbar) gemacht werden können. Die Kostenkurve für AuG-Maßnahmen erfährt durch nachgewiesene Effizienzsteigerung eine drastische Beschränkung. Die im Prinzip steigenden Kosten bei zunehmenden AuG-Maßnahmen sollen also durch fiktive oder tatsächliche Erlöse reduziert werden.

Allein beschreibt dieses Prinzip die Anforderung, nicht aber die Lösungsmöglichkeit für eine derartige Darstellung.[28]

Zielrichtungen eines Arbeitsschutz-Controlling

Wenn in verschiedenen Quellen (s.o.) die Notwendigkeit der Einführung eines Arbeitsschutz-Contollings gesehen wird, so bleibt doch offen, welche Zielrichtung ein solches Controlling überhaupt haben soll. Wenn ein Arbeitsschutz-Controlling aus der Rechtfertigungserfordernis infolge der mit AuG-Maßnahmen verbundenen Kosten gefordert wird, spricht dieses zunächst für ein innerbetriebliches Controlling: Rechnen sich betriebswirtschaftlich vor dem Hintergrund des allgemeinen Kostendrucks verstärkte Maßnahmen des Arbeitsschutzes?

In diese Richtung zielt z.B. das Forschungsprojekt ‚Ökonomischer Schaden betrieblicher Störungen’ des Hauptverbands der gewerblichen Berufsgenossen-schaften[29].

Auch die BAuA[30] befasst sich in ihren Untersuchungen auf der betrieblichen Ebene mit der Arbeitsschutzökonomie. Zentrale Frage ist dabei immer: Rentiert sich der Arbeitsschutz überhaupt für das Unternehmen? Dabei stellt sich dann zwangsläufig die kardinale Frage: kann oder darf sich ein Wert wie Gesundheit und das Recht auf körperliche Unversehrtheit überhaupt betriebswirtschaftlich rechnen? Werden damit Maßnahmen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz obsolet, wenn sie sich nicht positiv im Betriebsergebnis nieder schlagen?

Genau und ausschließlich in diese Richtung zielen alle bisherigen Bemühungen um Kennzahlen im betrieblichen Arbeitsschutz. Zielsetzung ist dabei Kostentransparenz und –minimierung und Produktivitätssteigerung, wie in den folgenden Abschnitten dargestellt.

[...]


[1] Reichsversicherungsordnung vom 19. Juni 1911 (RGBl. I S. 509)

[2] Vgl.z.B.: Kündigungsschutzgesetz, Entgeltfortzahlungsgesetz, Bundesurlaubsgesetz, Mutterschutzgesetz

[3] Cross, Jay/Dublin, Lance: Implementing e-learning, ASTD, 2002

[4] Nach Auffassung von Jay Cross wird die Menschheit im 21. Jahrhundert nicht die Erfahrung von 100 Jahren sondern die äquivalente Erfahrung von 20.000 Jahren machen.

[5] http://regelwerk.unfallkassen.de/regelwerk/index.jsp (zuletzt aufgerufen 20.03.2008)

[6] Richtlinie 89/391/EWG des Rates vom 12.06.1989–EG-Rahmenrichtlinie Arbeitsschutz–AblEG Nr. L 183, 1

[7] Sozialgesetzbuch Siebtes Buch vom 7. August 1996 (BGBl. I S. 1254) i.g.F

[8] Gesetz über Betriebsärzte, Sicherheitsingenieure und andere Fachkräfte für Arbeitssicherheit – Arbeitssicherheitsgesetz -ASiG-vom 12.12.1973 BGBl. I,1885) igF.

[9] Vgl.: Rosowski, Katja; Zukunftsmarkt Pflegehotel, Grin-Verlag München (2008)

[10] Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2003, Bericht der Bundesregierung über den Stand von Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit und über das Unfall- und Berufskrankheitengeschehen in der Bundesrepublik Deutschland in Jahr 2003, Herausgeber: Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit; Fn10:http://de.osha.eu.int/statistics/statistiken/bericht_zum_stand_von_sicherheit_und_gesundheit_bei_der_arbeit/suga_2003_bericht_ansehen_suga2003_content.php

[11] BIT e.V./Universität Bielefeld Fakultät für Gesundheitswissenschaften, 2003; Repräsentative Befragung im Rahmen des Projekts ‚Betriebliches Gesundheitsmanagement’; www.bit-bochum.de/infos/GMBefragung.html

[12] Rosowski, Udo, 2008; Arbeitsschutz und Belastungen bei geringfügigen Beschäftigungsverhältnissen (Mini-Jobs), Grin-Verlag München-Ravensburg

[13] Lang,K.-H., Vorath, B.-J., (2002) Erfolgsfaktoren für einen ergebnisorientierten Arbeitsschutz in: Schriftenreihe EDITA 12, Landesanstalt für Arbeitsschutz NRW Düsseldorf

[14] Persönliche Schutzausrüstung

[15] vgl.: Mit Sicherheit mehr Gewinn, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, 2004

[16] vgl. 78. Konferenz der Ministerinnen und Minister, Senatorinnen und Senatoren für Arbeit und Soziales der Länder am 07./08. November 2001 in Potsdam

[17] vgl. http://www.cducsu.eu/content/view/4013/32/ (letzter Aufruf 20.03.2008)

[18] http://www.main-spitze.de/wirtschaft/opel/objekt.php3?artikel_id=1491126 (letzter Aufruf 20.03.2008)

[19] http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/site/de/com/2001/com2001_0366de01.pdf

[20] http://www.dnbgf.org (letzter Seitenaufruf 15.02.2011)

[21] Vgl: Zukunftsfähige betriebliche Gesundheitspolitik, Schlussbericht der Expertenkommission der Bertelsmann Stiftung und Hans-Böckler-Stiftung zur betrieblichen Gesundheitspolitik, 2004

[22] Vgl. Horvath, 1996, S.141

[23] damalige Staatliche Ämter für Arbeitsschutz NRW (zum 01.01.2007 aufgelöst und in die Bezirksregierungen integriert)

[24] Ministerium für Arbeit und Soziales, Stadtentwicklung, Kultur und Sport

des Landes NRW (Hrsg.): Arbeitsschutz in Nordrhein-Westfalen, Statusanalyse96/97, Düsseldorf 1999

[25] Ministerium für Arbeit und Soziales, Qualifikation und Technologie des Landes NRW (Hrsg.) initiativ in NRW: Wandel gestalten – gesünder arbeiten. Konzept für einen zukunftsorientierten Arbeitsschutz in NRW (2001)

[26] vgl.: 78. Konferenz der Ministerinnen und Minister, Senatorinnen und Senatoren für Arbeit und Soziales der Länder am 07./08. November 2001 in Potsdam

[27] vgl. versch. öffentliche Forschungsprojekte der BAuA

[28] vgl. T. Langhoff; Ergebnisorientierter Arbeitsschutz, Fb 955 der BAuA

[29] Hauptverband gewerblicher Berufsgenossenschaften, Projekt -Nr. BGAG 7600100604

[30] Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund

Details

Seiten
73
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783640837359
ISBN (Buch)
9783640837601
Dateigröße
722 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v167288
Note
Schlagworte
arbeitsschutz staatlicher Arbeitsschutz Arbeitsschutz-Kosten-Controlling Wirtschaftlichkeit des Arbeitsschutzes Arbeitsschutzmanagement Gewerbeaufsicht

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Titel: Möglichkeiten zur Ausgestaltung eines Arbeitsschutz-Controllings für den staatlichen Arbeitsschutz