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Vietnamkrieg - Die Gründe und Kontroversen des militärischen Engagements der USA

Seminararbeit 2007 34 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Westeuropa

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Verlauf des Vietnamkrieges
2.1 Die Vorgeschichte
2.2 Die französische Kriegsphase
2.3 Die amerikanische Kriegsphase
2.3.1 Das Diem-Regime
2.3.2 Johnsons Krieg
2.3.3 Die Tet-Offensive
2.3.4 Nixons Krieg
2.4 Der amerikanische Rückzug und der Bürgerkrieg

3. Die Auswirkungen des Vietnamkrieges

4. Die Antikriegsbewegung

5. Die Medien im Vietnamkrieg

6. Diskurs über das militärische Engagement der USA

7. Schlussbetrachtung

8. Quellenverzeichnis
8.1 Internet
8.2 Literatur

1. Einleitung

Neben einer geschichtlichen Darstellung werden in der vorliegenden Seminararbeit auch der besondere Einfluss der Friedensbewegung und die spezielle Rolle der Medien während des Vietnamkrieges dargelegt. Bei beidem handelte es sich um besondere, erstmals während eines Krieges auftauchenden Phänomene. Aus der breiten Deskription heraus können dann die Gründe und Auswirkungen des militärischen Engagements der USA und die damit einhergehenden Kontroversen diskutiert werden. Dabei wird ein besonderes Augenmerk auf die Motive und Fehleinschätzungen der politisch Handelnden gelegt. Ferner bezieht der Verfasser in einigen Punkten eine von der Literatur abweichende Position und diskutiert die Gründe des amerikanischen Engagement kritisch. Gleichzeitig werden immer wieder Parallelen zu den heutigen Konflikten in Afghanistan und im Irak aufgezeigt. Bei der Fülle der Schriften und Theorien über den Vietnamkrieg kann diese Seminararbeit nicht den Anspruch einer umfassenden, jedes Detail erschöpfenden, Thematisierung haben. Eine solche Betrachtung würde den Rahmen der Bearbeitung sprengen. Der Verfasser bezieht sich deshalb auf die ihm wesentlichen erscheinenden Punkte, um diese entsprechend tiefgründig erläutern und rezensieren zu können.

In der Literatur widerfährt dem Vietnamkrieg große Beachtung. Es gibt eine Vielzahl von Publikationen. Dabei kann grundsätzlich zwischen zwei Kategorien unterschieden werden. Zum einen gibt es eine Fülle an geschichtswissenschaftlichen Darstellungen und Handlungsanalysen. Zum anderen setzt sich ein großer Teil der vorhandenen Literatur mit persönlichen Erfahrungen, individuellen Wahrnehmungen und Erlebnissen des Krieges auseinander. Die nachfolgende Arbeit hat Quellen aus beiden Kategorien zur Basis. So wird beispielsweise in den Büchern „Der Vietnamkrieg“ und „Geschichte des Vietnamkriegs“ von Professor Rolf Steininger beziehungsweise Professor Marc Frey eine ausführliche historische Darstellung und Ursachendiskussion betrieben. Professor Rolf Steininger leitete das Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck und gilt als einer der renommiertesten Forscher im Bereich der Nachkriegsgeschichte. Professor Marc Frey ist als Experte für die Geschichte und Politik in Südostasien bekannt. Im Gegensatz zum geschichtlichen Ansatz unternimmt der ehemalige US-Verteidigungsminister Robert McNamara, als „Insider“ in seinem 1995 erschienenen Buch „Vietnam - Das Trauma einer Weltmacht“, eine (Selbst-)Reflektion des damaligen Regierungshandelns. In ähnlicherweise blickt Gary R. Hess in seinem Buch „Presidential Decisions for War. Korea, Vietnam, and the Persian Gulf” weniger auf geschichtliche Fakten, als auf tiefergehende Gründe des amerikanischen Engagements in Vietnam.

2. Der Verlauf des Vietnamkrieges

2.1 Die Vorgeschichte

Ende des 19. Jahrhunderts, in der Zeit des Imperialismus, wurde Indochina eine französische Kolonie. Das rücksichtslose Vorgehen der Besatzer rief bereits frühzeitig die Proteste der einheimischen Bevölkerung hervor, die jedoch von den französischen Machthabern niedergeschlagen wurden. Während des Zweiten Weltkrieges eroberte Japan Vietnam und beendete die französische Kolonialherrschaft. In dieser Zeit kehrte der vietnamesische Nationalist und Kommunist Ho Chi Minh in seine Heimat zurück und gründete die vietnamesische Unabhängigkeitsbewegung, „Liga für die Unabhängigkeit Vietnams“ (Viet Minh).[1] Am 2. September 1945 endete offiziell der Zweite Weltkrieg im Pazifik.[2] Am gleichen Tag, fast zur gleichen Stunde, nutzte Ho Chi Minh das Machtvakuum und proklamierte in Hanoi die Unabhängigkeit der „Demokratische Republik Vietnam“.[3] Zu diesem Zeitpunkt unterstütze die USA noch die Viet Minh.[4] Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wollte Frankreich allerdings seine Kolonien in Südostasien zurückgewinnen, was unweigerlich zu einem militärischen Konflikt mit der neuen vietnamesischen Republik führte.[5]

2.2 Die französische Kriegsphase

Am 22. September 1945 griffen die französische Truppen das Rathaus in Saigon an und vertrieben das provisorische Exekutivkomitee der Viet Minh. Daraufhin trat der Vie Minh am 24. September 1945 in den Generalstreik. Schließlich folgte ein Angriff auf den Flughafen und die Stadthalle, bei dem rund 150 Franzosen starben und weitere 100 verstümmelt wurden. Dieser Vorfall markierte den Beginn des Indochinakrieges. Die Franzosen reagierten und verlegten mit britischer Hilfe sehr schnell weitere Truppen nach Südvietnam. Die Amerikaner wandten sich unterdessen vom Viet Minh ab und erklärten, dass sie die Wiederherstellung der französischen Macht in Indochina nicht zu verhindern planten. Mehrerer Schreiben von Ho Chi Minh an den amerikanischen Präsident Truman, mit der Bitte nach Unabhängigkeit Vietnams, blieben unbeantwortet. Trotz erster militärischer Erfolge beim Durchbruch der Blockade der Viet Minh um Saigon, kam bereits frühzeitig die Frage auf, ob Südvietnam für die Franzosen auf Dauer zu halten wäre.[6] Zu diesem Zeitpunkt befanden sich Ho Chi Minh mit seiner Viet Minh noch in der Defensive. Aus diesem Grund musste er auch am 6. März 1946 einem Kompromiss zustimmen, der es Frankreich erlaubte 25.000 Mann in Nordvietnam zu stationieren. Im Gegenzug wurde Vietnam die Unabhängigkeit im Rahmen der französischen Union zugesagt. In Frankreich dachte aber niemand ernsthaft daran das Abkommen einzuhalten. Bereits am 31. Mai 1946 rief der französische Oberbefehlshaber im Süden die unabhängige Republik Cochinchina aus.[7] Ab November 1946 kam es schließlich zum offenen Konflikt. Nach mehreren Zwischenfällen verlangte der französische Oberbefehlshaber General Jean Valluy am 23. November den Abzug des Viet Minh aus der gemeinsam regierten Stadt Haiphong. Als der Viet Minh dieser Forderung nicht nachkam, bombardierte die französische Marine die Stadt.[8] Eine Lösung auf dem Verhandlungswege schien nunmehr unmöglich. Nach den anfänglichen Erfolgen geriet die militärische Mission der Franzosen jedoch ins Stocken.[9] Ende September 1949 appellierte Ho an die französische Regierung den Krieg zu beenden. Die Aufforderung blieb ungehört. Zu selben Zeit änderte sich, durch den kurz bevorstehenden Sieg der Kommunisten unter Leitung Mao Tse-tung in China und durch die sowjetische Atombombe, die geopolitische Gesamtlage. Als am 18. Januar 1950 das inzwischen kommunistische China und am 31. Januar 1950 auch die Sowjetunion die Demokratische Republik Vietnam der Viet Minh offiziell anerkannte, wurde die USA erstmals aktiv.[10] Frankreich bildete in Saigon umgehend eine Gegenregierung unter dem vietnamesischen Kaiser Bao Dai, die von Großbritannien und USA am 7. Februar 1950 anerkannt wurde.[11] Nach Ausbruch des Koreakrieges im Juni 1950 befürchteten die Vereinigten Staaten eine Ausbreitung des Kommunismus in ganz Südostasien. Deshalb unterstützten die USA mit großen finanziellen Mittel jenen Stellvertreterkrieg, den Frankreich für sie in Indochina führte.[12] Die ganze Unterstützung nützte letztlich aber nichts. Nach einer jahrelang andauernden Pattsituation hatte sich die Viet Minh, auch aufgrund von Hilfslieferungen aus dem kommunistischen China, soweit gestärkt, dass es ihnen gelang die Franzosen bis 1953 fast vollständig aus dem nordvietnamesischen Landesteil Tonking zu vertreiben.[13] Nach der vernichtende Niederlage der französischen Kolonialarmee im Frühling 1954 in Dien Bien Phu, wurden schließlich die Friedensverhandlungen eröffnet.[14] Auf der Genfer Außenministerkonferenz am 21. Juli 1954 wurde Vietnam entlang des 17. Breitengrades geteilt.[15] Der Nordteil (später Nordvietnam) geriet unter die kommunistische Führung von Ho Chi Minh, im Südteil (später Südvietnam) wurde Ngo Dinh Diem mit Hilfe der USA als Präsident eingesetzt.[16] Für das Jahr 1956 wurden gesamtvietnamesische Wahlen unter westlicher Kontrolle angestrebt, um so über das weitere Schicksal des geteilten Landes zu entscheiden.[17]

2.3 Die amerikanische Kriegsphase

2.3.1 Das Diem-Regime

Durch Frankreichs Niederlage konnte die USA in Vietnam von neuem beginnen, ohne in die Nähe der alten Koloniealmacht gerückt zu werden. Für die Amerikaner ging es in Vietnam zunächst darum die Ausbreitung des Kommunismus zu stoppen und danach Südostasien zu demokratisieren.[18] Aus diesem Grund wurde im September 1954 die Südostasiatische Verteidigungsgemeinschaft (SEATO), als asiatisches Gegenstück zur Nordatlantikvertrags-Organisation (NATO), gegründet. Ferner nutzen die USA, die in dem Genfer Abkommen verankerte 300 Tage der vollständigen Bewegungsfreiheit innerhalb Vietnams, um den Norden mit Geheimaktionen zu destabilisieren und den Süden unter Diem zu stabilisieren.[19] Mit Hilfe der Amerikaner konnte Ngo Dinh Diem ein autoritäres Regime errichten, in dem die Opposition unterdrückt, eine starke Armee aufbaut und zahlreiche amerikanische Militärberater ins Land gebracht wurden.[20] Die eigentlich für 1956 vorgesehenen gesamtvietnamesischen Wahlen scheiterten am Widerstand Diems. Dieser befürchtet seinen Machtverlust, da die Diem-Regierung nur über eine äußerst schmalen Rückhalt in der Bevölkerung verfügte.[21] Als Reaktion auf die Ablehnung wurde am 20. Dezember 1960 nahe Saigon die Nationale Befreiungsfront für Südvietnam, mit dem Ziel Diem zu stürzen, gegründet. Obwohl der Befreiungsfront nicht nur Kommunisten angehörten, prägte Diem den Begriff „Vietcong“ („vietnamesische Kommunisten“).[22] Der südvietnamesische Vietcong ging in Guerillaaktionen gegen das Diem-Regime und amerikanische Militäreinrichtungen vor. Dabei konnte er auf die Unterstützung Nordvietnams zählen und das Nachschubsystem aus den Zeiten des Indochinakrieges, den Ho-Chi-Minh-Pfad, nutzen. Angesichts der zunehmenden Angriffe des Vietcongs verstärkten die USA unter Präsident John F. Kennedy ihre militärische Präsenz. Ende 1962 waren bereits 11.200 amerikanische Soldaten in Südvietnam stationiert. Dennoch kam das Diem-Regime zunehmend in Bedrängnis. Der Vietcong hatte schnell den größten Teil der ländlichen Gebiete Südvietnams unter seiner Kontrolle und begann mit dem Aufbau einer eigenen Verwaltung. Die südvietnamesischen Regierungstruppen mussten sich immer weiter zurückziehen.[23] Am 1. November 1963 wurde Diem schließlich von der südvietnamesischen Armee gestürzt und am Tag darauf ermordet.[24] In einem erst 1971 veröffentlichten Pentagon-Geheimpapier wurde bekannt, dass die Amerikaner im Vorfeld vom Putsch gewusst und sich bereits auf die Zusammenarbeit mit der Nachfolgeregierung vorbereitet hatten. Nach dem Tod Diems kam das Land trotzdem nicht zur Ruhe. Nach weiteren Militärputschen und zehn Regierungen innerhalb von nur 18 Monaten wurde Nguyen Van Thieu 1965 neuer Regierungschef. 1967 wurde er auch noch Staatspräsident von Südvietnam.[25]

[...]


[1] Der Vietnamkrieg, Online im Internet: http://freeweb.dnet.it/vietnamkrieg/franzoesische_kriegsphase.htm [Stand: 16. Mai 2007]

[2] Deutsche Historische Museum - Lebendiges virtuelles Museum, Online im Internet: http://www.dhm.de/lemo/html/1945/index.html [Stand: 16. Mai 2007]

[3] Frey: Geschichte des Vietnamkriegs, S.11

[4] Wikipedia: Vietnamkrieg, Online im Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/Vietnamkrieg [Stand: 16. Mai 2007]

[5] Frey: Geschichte des Vietnamkriegs, S.17f

[6] Steininger: Der Vietnamkrieg, S.9f

[7] Microsoft Encarta Enzyklopädie: Indochinakrieg, Online im Internet: http://de.encarta.msn.com/encyclopedia_761593213/Indochinakrieg.html [Stand: 18. Mai 2007]

[8] Steininger: Der Vietnamkrieg, S.13

[9] Wikipedia: Indochinakrieg, Online im Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/Indochinakrieg [Stand: 16. Mai 2007]

[10] Steininger: Der Vietnamkrieg, S.15f

[11] Wikipedia: Bao Dai, Online im Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/Bao_Dai [Stand: 16. Mai 2007]

[12] Steininger: Der Vietnamkrieg, S.16f

[13] Wikipedia: Indochinakrieg, Online im Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/Indochinakrieg [Stand: 16. Mai 2007]

[14] Frey: Geschichte des Vietnamkriegs, S.29ff

[15] Wikipedia: Indochinakrieg, Online im Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/Indochinakrieg [Stand: 16. Mai 2007]

[16] Microsoft Encarta Enzyklopädie: Indochinakrieg, Online im Internet: http://de.encarta.msn.com/encyclopedia_761593213/Indochinakrieg.html [Stand: 18. Mai 2007]

[17] Der Vietnamkrieg, Online im Internet: http://freeweb.dnet.it/vietnamkrieg/franzoesische_kriegsphase.htm [Stand: 16. Mai 2007]

[18] MacNamara: Vietnam - Das Trauma einer Weltmacht, S.55

[19] Steininger: Der Vietnamkrieg, S.18ff

[20] Frey: Geschichte des Vietnamkriegs, S.57

[21] Microsoft Encarta Enzyklopädie: Vietnamkriegkrieg, Online im Internet: http://de.encarta.msn.com/encyclopedia_761552642/Vietnamkrieg.html [Stand: 19. Mai 2007]

[22] Steininger: Der Vietnamkrieg, S.22f

[23] Microsoft Encarta Enzyklopädie: Vietnamkriegkrieg, Online im Internet: http://de.encarta.msn.com/encyclopedia_761552642/Vietnamkrieg.html [Stand: 19. Mai 2007]

[24] Steininger: Der Vietnamkrieg, S.24f

[25] Der Vietnamkrieg, Online im Internet: http://freeweb.dnet.it/vietnamkrieg/amerikanische_kriegsphase.htm#kriegsablauf [Stand: 16. Mai 2007]

Details

Seiten
34
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640838226
ISBN (Buch)
9783656193388
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v167369
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2,3
Schlagworte
vietnamkrieg gründe kontroversen engagements

Autor

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