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Totale Institutionen und die Bedrohung der Identität nach Erving Goffman

Hausarbeit 2010 12 Seiten

Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Soziologie der Interaktionsordnung nach Goffman
2.1. Die Interaktionsordnung
2.2. Der Goffmensch

3. Was ist die totale Interaktion?
3.1. Merkmale einer totalen Institution
3.2. Der Verlust seiner sozialen Rolle

4. Das Unterleben einer totalen Institution
4.1. Die sekundäre Anpassung
4.1.1. Zerstörerische und gemäßigtere Form der sekundären Anpassung
4.2. Möglichkeiten des Unterlebens einer psychiatrischen Anstalt
4.2.1. Die Ausbeutung des Systems
4.2.2. Freiräume und Depots
4.2.3. Möglichkeiten zum Erlangen privater Sachen

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Identität ist das Bewusstsein, ein unverwechselbares Individuum mit einer eigenen Lebensgeschichte zu sein, in seinem Handeln eine gewisse Konsequenz zu zeigen und in der Auseinandersetzung mit anderen eine Balance zwischen individuellen Ansprüchen und sozialen Erwartungen gefunden zu haben“ (Abels 2004, S.347). Um es einfach auszudrücken wird im Allgemeinen unter Identität die Übereistimmung mit sich selber verstanden. Dabei ist die eigene Identität Grundlage für eine Interaktion mit anderen Menschen, denn durch ein Bewusstsein seiner Einzigartigkeit und seiner Normalität, wird dem Gegenüber eine, für eine Interaktion nötige, Verlässlichkeit gezeigt (vgl. Abels 2004, S.347). Die Identität eines Individuums wird durch den Prozess der Sozialisation entworfen, allerdings ist Identität kein abgeschlossenes oder festes Konstrukt sondern kann durch besondere Lebensereignisse immer wieder in Frage gestellt werden. Beispielsweise ist immer wieder der Begriff „Identitätskrise“ zu hören, der eintreffen kann wenn jemand in die Arbeitslosigkeit abdriftet, oder eine lange Partnerschaft auseinandergeht (Abels, 2004, S.348).

Goffman schildert in seinen Schriften über totale Institutionen, wie Individuen versuchen solche extremen Identitätskrisen zu bewältigen.

Im Folgenden wird zuerst die von Goffman aufgestellte Soziologie der Interaktionsordnung vorgestellt. Danach werden die Merkmale einer totalen Institution beschrieben. Daran knüpft das vierte Kapitel an, indem dargestellt wird wie eine solche Institution unterwandert wird, um einen Verlust der Identität zu vermeiden.

2. Die Soziologie der Interaktionsordnung nach Goffman

Es ist schwer Goffman in eine bestimmte Richtung zu stecken, da der Soziologe auf unterschiedliche Theorietraditionen Bezug nimmt. Lange wurde er dem symbolischen Interaktionismus zugeordnet, jedoch hielt er selber diesen wegen der mangelnden Betrachtung des Regelkonzepts für nicht ausreichend. Vielmehr wird man Goffman gerecht wenn man die Interaktionsordnung, um die es bei ihm geht, als zentralen Gegenstand der Analyse zu belassen (Hettlage, 1999 S.190), dabei untersucht der kanadische Soziologe, wie vom Individuum aus die Gesellschaft erscheint (vgl. Hitzler 1992, S.458)

2.1. Die Interaktionsordnung

Unter Interaktionsordnung versteht Goffman eine stetig wechselnde Anordnung von Regeln und Handlungen die ein Individuums stets subjektiv neu deutet und neu bewältigen muss. Solche Situationen entstehen in Zusammenkommen mit anderen Individuen mit denen man in Wechselwirkung steht (vgl. Hitzler S.452). Um solche Situationen erfolgreich meistern zu können muss sich der Mensch immer wieder die Frage stellen „was geht hier eigentlich vor?“ (Goffman 1974/1977, S.16). Eine Interaktion ist somit in ihrem Ausgang stets offen, weshalb sie auch risikobelastet und bedrohlich ist. Es muss immer wieder ausgelotet werden wie die Situation zu meistern ist. Dabei liegt es an beiden Interaktionspartnern die Situation zu definieren ansonsten kommt es zu einer Kommunikationsstörung (Hettlage, 1999 S.191, 192).

Hilfe gibt den Menschen dabei die Kultur, die bestimmte Interaktionsordnungen vorgibt und uns somit entlastet (Hitzler, S.453). Die Kultur gibt einen Teil des Rahmens vor, der aber auch vom Ort, Zeitpunkt, den unausgesprochenen Informationen und allgemeinen Erfahrungen bestimmt wird (Hettlage, 1999, S.194).

2.2. Der Goffmensch

Der Soziologe Ronald Hitzler beschrieb 1992 den Goffmenschen, der in seinem vorgegebenen Rahmen als Schauspieler zu verstehen ist. Er spielt auf einer Bühne die sich leben nennt und deren Rahmen von oben genannten Bedingungen gegeben ist. Sein Ziel dabei ist es auf andere einzuwirken um seine eigenen Vorstellungen von Zusammenleben zu realisieren. Deshalb ist für ihn Macht über andere wichtig, da diese seine eigenen aufgestellten Regeln sichert.

Der Goffmensch steckt durch eine ständige Neuordnung der Interaktionsordnung prinzipiell in Schwierigkeiten, deswegen versucht er Probleme zu vermeiden. Sein ganzes Leben besteht aus Aushandlung, Abstimmung, situative Orientierung und um Darstellung seiner selbst. Er führt ein durch und durch dramatisches Leben (Hitzler 1992, S.456-458). Schwierig wird es für das Individuum wenn es keine Kontrolle mehr über die Interaktionsordnung besitzt, da ihm alle Möglichkeiten dazu entzogen werden. Am Beispiel der totalen Institution schildert Goffman wie Insassen einer psychiatrischen Anstalt eine solche Institution unterwandern um sich ihrer Identität nicht ganz entledigen zu lassen und erstellen dabei für sie selbst kontrollierbare Interaktionsordnungen.

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Details

Seiten
12
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640846085
ISBN (Buch)
9783640842773
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v167470
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,0
Schlagworte
erving goffman eine analyse institution

Autor

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