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Erzieherisches Handeln in Theorie und Praxis

Auseinandersetzung mit bestehender Literatur

Hausarbeit 2010 10 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINFÜHRENDE WORTE

2. ERZIEHUNG; WAS IST DAS?
2.1 Probleme der Begriffsbestimmung
2.2 Erziehung als Handeln
2.3 Erziehungsmerkmale und ihre Probleme

3. DIE NOTWENDIGKEIT VON ERZIEHUNG

4. RESÜMEE

5. LITERATURVERZEICHNIS

1. Einführende Worte

Der Begriff der Erziehung hat sich in den täglichen Sprachgebrauch eingegliedert. Beispiels- weise wird das Wort oft und gerne, jedoch meist ohne eine dazugehörige Erklärung, in Bera- tungsbüchern zum Umgang mit Kleinkindern, Kindern oder jungen Erwachsenen genutzt. Greift man nun zu Literatur die sich wissenschaftlich mit diesem und ähnlichen Begriffen auseinandersetzt, wird der Begriff Erziehung zwar von anderen abgegrenzt, jedoch findet man entweder keine Erläuterung oder doppelt so viele wie es Autoren gibt, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Gründe dafür kann man viele finden. Einmal, dass jeder wenigstens seine eigene Erziehung durchlebt, sie mehr oder weniger für sich selbst reflek- tiert und bewertet hat und somit auch über eine ganz eigene Auffassung ihrer Wortbedeu- tung verfügt. Diese dementsprechend für richtig hält und auch genügend Argumente findet um seinen Standpunkt in einer Diskussion gut zu vertreten, es gibt schließlich genug selbst- erlebte Beispiele die jene Meinung belegen(vgl. Winkler, M 2007,S. 53ff.). Eine weitere Ur- sache ist wohl auch die Entwicklung der Erziehung als wissenschaftliche Disziplin. Sie hat sich immer weiter in Spezialgebiete entfaltet. Das Problem dabei ist, dass der Wortschatz nicht ins unendliche wachsen kann und damit jede einzelne Disziplin andere Anforderungen und Fragen an und um die Erziehung stellt. Das führt wiederum dazu, dass jede Disziplin ihre eigene Erklärung für die Erziehung gibt (vgl. Heid, H. 2004,43). Davon abgesehen beansprucht nicht nur die Pädagogik den Erziehungsbegriff für den eigenen Sprachge- brauch. Auch wissenschaftsübergreifend, sei es in der Medizin oder den Naturwissenschaf- ten, werden unterschiedliche Sachverhalte durch ihn beschrieben. Des Weiteren führen auch die Veränderung des Sprachgebrauchs und die Historie des Erziehungsbegriffes zu dieser Unklarheit. Früher wurde die Erziehung und der mit ihr gemeinte Sachverhalt auf die Kinder- und Jugendzeit beschränkt. Heute dagegen sind diese Altersgrenzen nicht mehr Bedingung dafür, dass etwas Erziehung ist. Es gilt nicht mehr die Auffassung, dass nur Kinder durch Erwachsene erzogen werden, sondern auch zwischen Erwachsenen oder den Kindern selbst kann Erziehung erfolgen (vgl. Oelkers, J. 2008,82f.).

Inhalt des ersten Teils dieser Arbeit ist es, die theoretische Seite der Erziehung oder zumin- dest einen Teil davon zu zeigen. Durch das kritische Beleuchten von verschiedenen Erklä- rungen des Begriffs Erziehung sowie durch das sichtbar Machen und Erläutern der Gemein- samkeiten und Unterschiede soll deduktiv die Frage nachdem, was Erziehung eigentlich ist, beantwortet werden.

Im zweiten Teil steht die Erziehungspraxis im Vordergrund, welche anhand verschiedener Erziehungsstile demonstriert wird. Hier sollen die Besonderheiten und Gegensätze der Er- ziehung in Theorie und Praxis aufgezeigt sowie herausgefunden werden, ob Erziehung sichtbar wird und wenn, wo sie zu erkennen ist.

2. Erziehung; Was ist das?

2.1 Probleme der Begriffsbestimmung

Wenn man nun versucht sich dem - Was ist Erziehung - zu nähern, besteht das größte Problem darin, dass der Begriff Erziehung wirr, vielleicht sogar launisch im Diskurs über die pädagogische und wissenschaftliche Bedeutung und die begriffliche Abgrenzung voneinan- der, verwendet wird (vgl. Heid, H. 2004,S. 43) und es sich somit schwierig gestaltet eine all- gemein gültige, kompakte Definition zu liefern. Dadurch wird es notwendig ein Konstrukt zu entwerfen, welches einzelne, miteinander in Beziehung stehende Ideen und Annäherungs- versuche darstellt und damit den Rahmen bildet, sich mit Erziehung auf wissenschaftlicher Ebene auseinander zu setzen.

2.2 Erziehung als Handeln

Winkler, Raithel und auch Heid beschreiben Erziehung als Handeln einer älteren, gegenüber einer jüngeren Generation, wobei das körperliche Alter, im Gegensatz zum geistigen Alter eine geringe Rolle spielt (vgl. Winkler, M. 2007,S. 64 f.; Raithel, J., u.a. 2009,21; Heid, H. 2004,S. 46 f.). Vielmehr geht es um die Vermittlung von Inhalten, welche durch Erziehungs- normen und Erziehungsbedingungen beeinflusst, es dem Zögling ermöglichen die Erzie- hungswirkungen „als notwendigen Beistand für (sein) eigenes Dasein zu erfahren, kritisch zu beurteilen und selbst fortzuführen lernen“ (wie Raithel, J., u.a. 2009,21, nach Bokelmann 1970, 185 f.). Raithel schreibt in der Nähe zu Bokelmann, dass die Erziehungsnormen be- stimmte Lebensvorstellungen der älteren Generation sind, welche diese bereits als daseins- notwendig erfahren haben. Die Erziehungsbedingungen dagegen sind Umstände unter de- nen die Erziehung geschieht oder geschehen ist. Das Ziel des Gesamten besteht aus den Erziehungswirkungen, welche den Zögling in seinem Sein beeinflussen und ihn somit aus seiner Unmündigkeit herausführen sollen. Mündigkeit beschreibt dabei die Möglichkeit bzw. das Können, den eigenen Verstand ohne Hilfe zu nutzen (vgl. Winkler, M. 2007,S. 54f.; Rai- thel, J., u.a. 2009,21).

Erziehung besteht also aus Handlungen zwischen zwei Parteien, dem Erzieher als der älte- ren gegenüber dem Zögling als der jüngeren Generation. Geht man nun davon aus, dass der Erzieher den Willen zum Erziehen benötigt um überhaupt Erzieher zu sein, sowie auch der Zögling einverstanden sein muss sich erziehen zu lassen, wird aus dem Handeln mehr ein Verhandeln. Denn beide müssen den beschriebenen Kompromiss eingehen, damit Erzie- hung stattfinden kann.

Nicht jede Verhandlung zwischen zwei, sich im Alter unterscheidenden Generationen muss Erziehung sein. Also stellt sich die Frage, welche Maßnahmen Erziehung sind und welche nicht.

Eine Gesellschaft besteht aus Zeichen und Symbolen. Das Erkennen der Symbole ist mög- lich auch ohne sie zu verstehen. Man kann es sich so Vorstellen wie ein Sprichwort in einer erlernten Fremdsprache. Die Bedeutung jedes einzelnen Wortes ist klar, doch der Sinn der Aneinanderreihung der Worte ergibt sich nur demjenigen, der auch gelernt hat eine Bezie- hung zwischen dem Land und der Sprache herzustellen. Genauso wie in einer Fremdspra- che ist es in einer Gesellschaft notwendig, sowohl die Verbindung ihrer Symbole, als auch den Zusammenhang zwischen diesen und der Gesellschaft selbst, zu erlernen. Nach Winkler wird das durch Erziehung ermöglicht. Sie gibt die „Grammatik der Lebenswelt“ (vgl. Winkler, M. 2007,S. 60) sozusagen die Anleitung zur Aneignungstätigkeit. Diese Anleitung ist Voraus- setzung um „sich ein Fremdes individuell anzueignen, es für sich zu verstehen, verbindlich zu machen und gleichwohl neu zu formulieren“(Winkler, M. 2007,S. 61). Die Grammatik ist nicht festgeschrieben, wie Worte und ihre Bedeutungen in einem Wörterbuch, sie entwickelt sich und ist nicht bei jeder Aneignungstätigkeit gleich, dennoch ist sie für das individuelle Verstehen und verbindlich Machen immer wieder Bedingung. Die Vermittlung dieser Anlei- tung ist eine Handlung. Sie ist aber keine einmalige Maßnahme, sondern eine, von der Ver- änderung der gesellschaftlichen Symbolik abhängige Ansammlung von miteinander ver- knüpften Handlungen. Das bedeutet, dass Anfang und Ende diese, als Erziehung verstande- ne Maßnahme, nur schwer zu bestimmen oder nur in Geburt und Tod vorhanden sind. Das wiederum lässt die Frage entstehen, ob dies ein Merkmal jeder erzieherischen Handlung ist. Winkler schreibt, dass Erziehung als soziale Funktion auf das Problem von Leben und Ster- ben reagiert. Aber mit dem Erziehungsbegriff hier sind die Gesamtheit und das Gefüge aller als Erziehung zu verstehenden Tatsachen gemeint. Das heißt, dass „Erziehung im allge- meinsten Sinne des Ausdrucks“ (Winkler, M. 2007,S. 58) zeitlos ist, jedoch nicht jede Hand- lung aus der sie besteht (vgl. Winkler, M. 2007,S. 58f.). Somit lässt sich sagen, dass die An- leitung der Aneignungstätigkeit eine besondere Handlung der Erziehung darstellt. Sie kann als Grundlage für jede weitere erzieherische Tätigkeit gesehen werden. Die Besonderheit dieser stellt sich in ihrer Zeitlosigkeit dar.

Was macht aber Maßnahmen und Handlungen zu Bestandteilen von Erziehung und gibt es auch solche, die zur Erziehung beitragen, an sich jedoch keine wahre Erziehung sind.

[...]

Details

Seiten
10
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640842315
ISBN (Buch)
9783640842131
Dateigröße
408 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v167608
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,3
Schlagworte
erzieherisches handeln theorie praxis auseinandersetzung literatur

Autor

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Titel: Erzieherisches Handeln in Theorie und Praxis