Lade Inhalt...

Die Rolle des Propagandaministers Joseph Goebbels im Licht seiner Tagebucheinträge vom 10. November 1938 bis 17. November 1938

Facharbeit (Schule) 2009 15 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das NS-Reichsministerium fur Volksaufklarung und Propaganda
2.1 Funktion der Propaganda in der NS-Ideologie
2.2 Die Aufgaben des Propagandaministeriums im Nationalsozialismus
2.3 Joseph Goebbels der Propagandaminister und „Volksaufklarer“

3. Die Reichspogromnacht
3.1 V erlauf der N ovemberpogrome
3.2 Die Absicht der NS

4. Goebbels und das Propagandaministerium nach den Selbstzeugnissen in den Tagebucheintragen zur Pogromnacht
4.1 Der Agitator
4.2 Der Demagoge
4.3 Der Hitlergetreue

5. Kritische Stellungnahme - Propaganda um jeden Preis?

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Dr. Paul Joseph Goebbels, Reichsminister fur Volksaufklarung und Propaganda, war der vermutlich bedeutendste Rhetoriker neben Adolf Hitler wahrend der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland. Er spielte eine groBe Rolle bei der Machtergreifung der NSDAP, aber auch wahrend der gesamten Zeit des NS-Regimes sowie des Zweiten Weltkrieges.

Goebbels vermochte es, mithilfe seines ausgepragten Propagandaapparats das deutsche Volk unter Anderem zu den Novemberpogromen 1938 zu bewegen und somit die bis dahin grausamsten Pogrome auf deutschem Boden zu initiieren.

Die Rolle Goebbels‘ im Umfeld der Pogromnacht im Zusammenhang mit den genaueren Umstande derselben sind Gegenstand dieser Arbeit. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der Verwendung der Tagebucheintrage Joseph Goebbels‘ im Zeitraum zwischen dem 10. November 1938 und dem 17. November 1938 als Primarquellen. Dabei ist zu beachten, dass Goebbels vermutlich schon beim Verfassen der Eintrage an eine spatere Publizierung in Form einer Autobiographie oder spater die eigene Agitation gedacht hat. Fur eine intensive Auswertung der umfangreichen Sekundarliteratur geben die engen Vorgaben einer Facharbeit sicherlich keinen entsprechenden Rahmen, daher ist diese auch recht beschrankt.

2. Das NS-Reichsministerium fur Volksaufklarung und Propaganda

Das Reichsministerium fur Volksaufklarung und Propaganda, auch Propagandaministerium genannt, wurde am 13. Marz 1933 nach der Machtergreifung der NSDAP in Deutschland gegrundet. Die Leitung des Propagandaministeriums war von Beginn an Joseph Goebbels ubergeben, der seit 1930 Propagandaminister der NSDAP gewesen war. Der Etat des Propagandaministeriums wuchs kontinuierlich mit seinen Aufgaben von 14 Millionen Reichsmark 1933 auf 187 Millionen Reichsmark im Jahre 1941. In diesem Zeitraum ubernahm es viele Aufgaben anderer Ministerien und wurde zur zentralen Institution der NS- Propaganda mit dem Ziel Kultur und Massenmedien[1] zu Gunsten der Nationalsozialisten zu beeinflussen.

2.1 Funktion der Propaganda in der NS-Ideologie

Bevor man die Aufgaben des Propagandaministeriums genauer betrachten kann, muss man Kenntnis uber die Definition der Propaganda haben. Der Duden beschreibt Propaganda als „systematische Verbreitung politischer, weltanschaulicher o.a. Ideen u. Meinungen [mit massiven (publizistischen) Mitteln] mit dem Ziel, das allgemeine Bewusstsein in bestimmter Weise zu beeinflussen.“[2], wobei in Zeiten der NS-Regierung in erster Linie die Verbreitung der nationalsozialistischen Ideale gemeint war.

Vor 1933 diente die Propaganda der NSDAP in erster Linie der Machtubernahme, nach der Machtergreifung dann dem Machterhalt. Sie konzentrierte sich uberwiegend auf kurze, einpragsame und vor Allem emotionale Parolen, die hauptsachlich das Ziel verfolgten, den Rassismus und Antisemitismus, den Fuhrerkult um Adolf Hitler, das nationalsozialistische Ideal der Volksgemeinschaft und das Frauenbild innerhalb des Volkes zu popularisieren.

2.2 Die Aufgaben des Propagandaministeriums im Nationalsozialismus

Am 25. Marz 1933 erklarte Joseph Goebbels, das Propagandaministerium habe in erster Linie die Aufgabe, „in Deutschland eine geistige Mobilmachung zu vollziehen.“[3] Dies lasst darauf schlieBen, dass es von Beginn an das Ziel verfolgte, die deutsche Bevolkerung auf einen Krieg in naher Zukunft vorzubereiten. Zweifelsfrei lasst sich jedoch auch feststellen, dass es die Aufgabe hatte, den Rassismus und Antisemitismus in Deutschland zu starken und mit immer neuen Kampagnen die judische Bevolkerung zu diffamieren und schlieBlich deren Deportation in Arbeits- bzw. Konzentrationslager vor der deutschen Bevolkerung und dem Ausland zu rechtfertigen oder sie sogar aufzufordern, daran teilzunehmen.

Das Reichsministerium fur Volksaufklarung und Propaganda war die Institution, die Kontrolle uber die Presse, Rundfunk und alle Bereiche der Kunst ausubte. Des Weiteren kontrollierte das Propagandaministerium die Filme, die in Deutschland gezeigt wurden und war selbst Auftraggeber zahlreicher Filme, die das Ziel hatten, entweder das Volk vom Kriegsgeschehen abzulenken oder weiteren Propagandazwecken nachzukommen, wie z.B. der Film „Der ewige Jude“, der unverhullt antisemitistische Intentionen verfolgte[4].

Neben der Aufgabe der Propaganda im Inland war es auch die Aufgabe des Propaganda- ministeriums, diese im Ausland zu betreiben beziehungsweise die auslandische Presse dahin gehend zu beeinflussen, die Taten der Nationalsozialisten in ihrem Lande zu unterstutzen und das Deutsche Reich positiv darstellen zu lassen, was oft durch Auftritte Goebbels geschah.

2.3 Joseph Goebbels der Propagandaminister und „Volksaufklarer“

Paul Joseph Goebbels wurde am 29. Oktober 1897 in Rheydt bei Monchengladbach als dritter Sohn der Eheleute Friedrich und Maria Goebbels geboren. Seine Propagandaarbeit und seine geschickte Demagogie trugen wesentlich zum Erfolg und der Verbreitung der nationalsozialistischen Ideale sowie der Ermoglichung der zahlreichen Misshandlungen diverser Bevolkerungsgruppen bei.

Er wuchs in einem kleinburgerlichen, katholischen Elternhaus auf und studierte u.a. Germanistik und Philosophie in Bonn, Berlin und Heidelberg. Er promovierte 1921 unter der Beaufsichtigung seines judischen Professors.

Im Alter von vier Jahren erkrankte er an einer Knochenmarkentzundung, wobei sein rechter Unterschenkel verkummerte und ein KlumpfuB entstand, welcher den spater ohnehin schon kleinen Joseph Goebbels zum Gespott vieler seiner Mitschuler machte und auch wahrend seiner Zeit als Propagandaminister genug Material fur Satiren und Karikaturen gab, in denen er oftmals als „Schrumpfgermane“[5] bezeichnet wurde.

Im Jahre 1925 trat er der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei bei und wurde 1930 von Adolf Hitler zum Reichspropagandachef der NSDAP ernannt. Goebbels trug erheblich zur Machtergreifung der Partei durch seine Propagandaarbeit, die sich auch auf die neuen Medien wie Rundfunk und Film konzentrierte, bei. Nach der Machtubernahme ubergab Hitler Goebbels am 13. Marz 1933 das neu eingerichtete Propagandaministerium und im darauffolgenden September die Leitung der Reichskulturkammer, was Goebbels in die Lage versetzte, das gesamte kulturelle Leben, wie Theater, Film, Literatur, bildende Kunst, und Musik, in Deutschland zu beeinflussen und zu einem gewissen Grad sogar zu kontrollieren und Kulturbeitrage mit unerwunschten Inhalten sofort zu unterbinden. Ab 1933 wurde der sogenannte Volksempfanger hergestellt, der es fur jedermann moglich machte, einen Rundfunkempfanger zu besitzen, was Goebbels geschickt nutzte, um seine propagandistischen Parolen an das deutsche Volk zu bringen. Des Weiteren erkannte Goebbels das Potential in Filmen, die er teilweise selbst beauftragte und an denen er mitarbeitete, so z.B. am Film Jud Sufi, bei welchem er personlich am Schnitt arbeitete. AuBerdem musste jeder Film erst durch ihn genehmigt werden, bevor er gedreht werden konnte.

Der extreme, von ihm propagierte Antisemitismus fand in der Nacht vom 9. auf den 10. November der Pogrom- oder „Reichskristallnacht“, wie sie die NSDAP nannte, einen vorlaufigen Hohepunkt.

Nach Beginn des zweiten Weltkrieges konzentrierte sich die Propaganda Joseph Goebbels‘ auf die Ermutigung der deutschen Bevolkerung, den Krieg zu unterstutzen und den sicher geglaubten Sieg in keiner Weise anzuzweifeln sowie die weitere Verscharfung des Antisemitismus in Deutschland. Nach der deutschen Niederlage in Stalingrad hielt Goebbels seine vermutlich bekannteste Rede im Berliner Sportpalast am 18. Februar 1943, in der er trotz der erschutternden Niederlage der deutschen Bevolkerung den voranliegenden Sieg versicherte und unter Zuhilfenahme uberaus ausgepragter propagandistischer Mittel versuchte, das Volk neu zu motivieren. Diese Rede „gilt bis heute als ein Paradebeispiel der Rhetorik und der Propaganda“ [6], besonders, da das jubelnde Publikum sorgfaltigselektiert war und uberwiegend von NSDAP Organisationen aufgestellt worden war. Bei dieser Rede hatte die Verwendung von Filmkameras und die Ubertragung im Rundfunk groBe Bedeutung, da die beifalligen Reaktionen der Anwesenden, teilweise auch Schauspieler, „durch die Filmkameras uber die Wochenschauen das Volk beeindrucken sollten“ [7].

Allerdings wurde der von Goebbels am 18. Februar 1943 verkundete totale Krieg erst am 20. Juli 1944, dem Tag des missgluckten Attentats auf Adolf Hitler, von Hitler personlich formal befohlen und Goebbels zum Generalbevollmachtigten fur den totalen Kriegseinsatz ernannt.

[...]


[1] Vgl. Wikipedia, „Die freie Enzyklopadie“, Suchwort Propagandaministerium http:// de.wikipedia.org/wiki/Propagandaministerium (23.02.2009).

[2] Duden, Das Fremdworterbuch 9., aktualisierte Auflage, Suchwort Propaganda

[3] Jutta Sywottek: Mobilmachung fur den totalen Krieg. Die propagandistische Vorbereitung der deutschen Bevolkerung auf den Zweiten Weltkrieg. Opladen 1976, S. 23.

[4] Vgl. Wikipedia, „Die freie Enzyklopadie“, Suchwort Der ewige Jude http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Ewige_Jude (23.02.2009)

[5] Glaser, Hermann: Kleine Kulturgeschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert. Der Schrumpfgermane als Laut- Sprecher, Munchen 2002, S.162.

[6] Encyclopaedia Germanica, Suchwort Sportpalastrede http://www.encyclopaedia- germanica.org/de/index.php/ Sportpalastrede (25.02.2009)

[7] Speer, Albert: Erinnerungen. Frankfurt am Main 1969, S.269.

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640846757
ISBN (Buch)
9783640849383
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v167702
Institution / Hochschule
Nelly-Sachs-Gymnasium, Neuss
Note
13
Schlagworte
rolle propagandaministers joseph goebbels licht tagebucheinträge november

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Rolle des Propagandaministers Joseph Goebbels im Licht seiner Tagebucheinträge vom 10. November 1938 bis 17. November 1938