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Evaluation - Überblick des systematischen Stakeholdereinbezuges mit kritischer Reflexion des partizipativen Ansatzes

Studienarbeit 2010 16 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Evaluation

3. Systematischer Stakeholdereinbezug
3.1 Impuls
3.2 Exploration
3.3 Differenzierung
3.4 Assimilation

4. Kritische Reflexion derVor- und Nachteile des partizipativen Ansatzes...9
4.1 Nachteile
4.2 Vorteile
4.3 Eigene Beurteilung

5. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bildung und Wissen stellen flüchtige Medien dar. Lernprozesse sind nicht greifbar und so­mit äußerst schwierig festzuhalten und/oder zu evaluieren. Gütekriterien, wie Validität, Re­liabilität und Objektivität und häufig verwendete, standardisierte Verfahren wie Fragebögen oder Interviews allein gewähren noch keine Wissenschaftlichkeit und Richtigkeit des Eva­luationsprozesses, sowie das Erschaffen eines exaktes Abbilds von Realität.

„Evaluation konstruiert schon mit ihrer ersten Fragestellung eine Wirklichkeit eigener Art“ (Ulrich und Wenzel 2003, S. 32) Der Missbrauch von Evaluationen, sowie zum Beispiel mit manipulativer Beeinflussung hinsichtlich eigener Interessen, ist daher weit verbreitet.

Dieser Schieflage will die partizipative Evaluation begegnen, indem sie möglichst viele Be­troffene zur Sprache kommen lässt (vgl. ebd., S. 33), die alle ihre „unterschiedliche^] Per­spektiven und verschiedene^] Fragestellungen“ (ebd., S. 33) einbringen können. Betroffe­ne in diesem Sinne - oder Stakeholder, wie sie in Ermangelung eines passenden deut­schen Begriffs gewöhnlich bezeichnet werden - „sind alle diejenigen, die ein bestimmtes .Interesse“ an der Evaluation haben“ (Ulrich und Wenzel 2003, S. 33). Dies sind also vor allem die für „Konzeption, Gestaltung oder Finanzierung“ Verantwortlichen, die „an der praktischen Umsetzung“ Beteiligten, die Zielgruppen und diejenigen, die „ über die Zukunft des Projekts oder Programms zu entscheiden“ (ETH Zürich 2007) haben.

„Durch die demokratische, d. h. gleichberechtigte Beteiligung der von der Evaluation Be­troffenen kommen verschiedene Perspektiven zur Sprache“. Hierbei können durchaus „konträre Meinungen] vertreten“ werden. „Partizipative Evaluation bedeutet, konstruktiv mit diesen konflikthaften Perspektiven umzugehen“ (Ulrich und Wenzel 2003, S. 33) und nicht nur durch zeitaufwändige Statistiken Sachverhalte zu verdeutlichen und Grafiken zu erstellen, sowie es zum Beispiel bei extrem großen Evaluation wie PISA der Fall ist.

In dieser Arbeit soll zunächst in Abschnitt zwei der Begriff Evaluation näher erläutert und gängige Funktionen sowie die unterschiedlichen Formen genannt werden. In Abschnitt drei wird der systematische Einbezug der Stakeholder in den Prozess einer partizipativen Eva­luation näher untersucht. Dazu wird bezogen auf die einzelnen Phasen des Evaluations­prozesses analysiert, wie die Stakeholder jeweils in die Evaluation einbezogen werden können.

Anschließend wird das Konzept der partizipativen Evaluation in Abschnitt vier kritisch auf seine Möglichkeiten und Grenzen hin untersucht bzw. Vor- und Nachteile abgewogen und eine eigene Bewertung, basierend auf dem durchgeführten Miniprojekt, vorgenommen. Zum Schluss erfolgt eine Zusammenfassung

2. Evaluation

„Evaluation ist die systematische Untersuchung des Nutzens oder Wertes eines Gegen­standes“ (Deutsche Gesellschaft für Evaluation e. V. 2005). Als solche bedient sie vier Funktionen (vgl. Wikipedia 2010a):

Erkenntnisfunktion - hiermit ist „die Zusammenstellung entscheidungsrelevanter Daten in­nerhalb einer Evaluation“ gemeint (ebd.), etwa der Bedürfnisse der Zielgruppe; Kontroll- funktion - meint Qualitätskontrolle (vgl. Wikipedia 2010b); Dialogfunktion - also Kommuni­kation und Kooperation der verschiedenen Stakeholdergruppen; Legitimitätsfunktion - Überprüfung, „welcher Output bzw. welche Wirkungen mit dem betreffenden Input erzielt wurden“ (Wikipedia 2010a).

Man kann die unterschiedlichen Formen von Evaluationen anhand verschiedener Kriterien unterteilen, beispielsweise danach, was genau bewertet wird (vgl. Znoj und Regli 2006, S. 283). Hier lassen sich vier Gruppen identifizieren:

Evaluationen, die „einzeln[e] Aktionsprogramme oder Projekte anhand gesetzlicher Ziele und angestrebter Ergebnisse“ (Znoj und Regli 2006, S. 283) beurteilen; solche, die „perso- nenbezogen[e] Interventionen . . . durch einen kontrollierten Vergleich der Ergebnisse zwi­schen Interventions- und Kontrollgruppe“ (ebd., S. 283) bewerten; weiter solche, die „ein­zelne] Handlungsweisen bzw. Handlungssysteme (mithilfe vorgegebener Standards bzw. Leitlinien)“ (ebd., S. 283) evaluieren; und schließlich solche, die „einzeln[e] Arbeitsleistun­gen [oder] Organisationen . . . durch einen empirischen Vergleich mittels standardisierter Kennziffern bzw. Indikatoren“ (ebd., S. 283) beurteilen. Man kann Evaluationen auch nach deren Zweck unterscheiden.

Dies ist gemeint in „Evaluation zurVerbreiterung derWissensbasis, . . . Evaluation zu Kon- trollzwecken und . . . Evaluation zu Entwicklungszwecken“ (ebd., S. 283).

In jedem Fall jedoch steht am Anfang einer Evaluation stets die „Intervention eines Auf­traggebers“ (Ulrich und Wenzel 2003, S. 32). Dieser Impuls und die damit verbundene Fragestellung prägen traditionellerweise den Verlauf und das Ergebnis der Evaluation äu­ßerst stark.

3. Systematischer Stakeholdereinbezug

Die Phasen einer partizipativen Evaluation sind Impuls, Exploration, Differenzierung und Assimilation (vgl. ebd., S. 37). Da das wesentliche Merkmal des partizipativen Ansatzes das Mitwirken möglichst vieler Betroffener ist (vgl. ebd., S. 33), soll nun für jede dieser vier Phasen untersucht werden, wie jeweils die Stakeholder einbezogen werden können und was es dabei zu beachten gilt.

3.1 Impuls

Auch wenn im späteren Verlauf einer partizipativen Evaluation möglichst viele Stakeholder einbezogen werden, die alle eigene Perspektiven und Fragestellungen einbringen können, so steht am Anfang der partizipativen Evaluation stets eine bestimmte Ausgangsfrage (vgl. ebd., S. 37), die allerdings zur Disposition stehen sollte (vgl. ebd., S. 34). Um dies zu ga­rantieren, sollte ein Ausgangsvertrag aufgestellt werden, in dem unter anderem vereinbart wird, „dass die verschiedenen Stakeholder identifiziert werden und gleichberechtigt ihre Sichtweise zur Beantwortung der Frage als auch zur Frage selber einbringen können“ (Ul­rich und Wenzel 2003, S. 33).

Es muss ferner geklärt werden, wie auch Stakeholder berücksichtigt werden sollen, die nicht an der Evaluation teilnehmen wollen, ob Furcht vor Repressalien besteht (vgl. Guba und Lincoln 2001, S. 4).

Aus dem Vertrag muss außerdem klar hervorgehen, wer Auftrag und Geldgeber der Eva­luation sind, damit die Stakeholder von vornherein über die Macht- und Interessenverhält­nisse aufgeklärt sind (vgl. ebd., S. 4). Dieser Anfangsimpuls darf nicht unterschätzt wer­den, denn vor allem „der Beginn einer Evaluation entscheidet über Akzeptanz für oder Wi­derstand gegen ein solches Vorhaben und erfordert genaue Planung“ (Wenzel 2009, S. 317).

Auch der Zeitpunkt, zu dem die Evaluation durchgeführtwird, ist entscheidend, siehe etwa folgende Aussage von Hallie Preskill, Geschäftsführerin des Strategic Learning and Eva­luation Center des FSG (vgl. Strategic Learning and Evaluation Center 2010), die eine Evaluation am Corporate Education Development and Training Department der Sandia National Laboratories, einer „Forschungs- und Entwicklungseinrichtung des US Energiemi­nisteriums“ (Wikipedia 2010c), durchgeführt hatte (vgl. Christie 2006, S. 466):

[...]

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640849826
ISBN (Buch)
9783640849697
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168082
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Lehrstuhl für Pädagogik mit Berücksichtigung der Erwachsenenbildung und außerschulischen Jugendbildung
Note
1,0
Schlagworte
Evaluation Empire empirisch Studie Stakeholder demokratisch partizipativ

Autor

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Titel: Evaluation - Überblick des systematischen Stakeholdereinbezuges mit kritischer Reflexion des partizipativen Ansatzes