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Zwischen Umweltschutz und Heimatschutz - braune Ideologien bei den GRÜNEN

Hausarbeit 2009 18 Seiten

Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungen

1.Einleitung

2. Zur Historie und Ideologie der Partei „DIE GRÜNEN“
2.1 Zur Vorgeschichte und dem Gründungsprozess der Ökopartei „DIE GRÜNEN“
2.1.1 Menschen, Ideologien und Flügelkämpfe
2.1.2 Die „Aktionsgemeinschaft Unabhängiger Deutscher“ (AUD) - August Haußleiter
2.1.3 Die „Grüne Aktion Zukunft“ (GAZ) - Herbert Gruhl
2.1.4 Die „Grüne Liste Schleswig Holstein“ (GLSH) - Baldur Springmann

3. Die GRÜNEN zwischen Melonenpartei und Haselnuss?
3.1 Die „Ablehnungsfront“
3.2 Die Parteilinke

4. Gute Ökos und böse Ökos? - Fazit

Literaturverzeichnis

Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„ Die GRÜNEN kämpfen nicht für Machterwerbs- und Stellvertreterpolitik. Die GRÜNEN stehen für eine Politik von unten, eine basisdemokratische Politik mit den Menschen und nicht über ihre Köpfe hinweg. Die GRÜNEN erstreben eine umfassende Demokratisierung der Gesellschaft. “ (Bundestagswahlprogramm 1987) 1

DIE GRÜNEN werden in der Wissenschaft oft als geistesgeschichtliche und ideologisch einzigartige Kombination einer ökologisch begründeten Verantwortungsethik und einer Begrenzungsutopie mit einer linken Emanzipationsphilosophie bezeichnet. Die Umständlichkeit dieser Deskription einer Partei birgt schon die Vielschichtigkeit derselbigen. Galt nach außen die Selbstbeschreibung „Ökologisch - basisdemokratisch - sozial - gewaltfrei“2, so wurden gerade die Gründungsjahre erschüttert von innerparteilichen Konflikten, die das Entstehen dieser Partei einzigartig machten. „Ökologisch - völkisch - alternativ - nationalistisch“ auch dieser Entwicklungspfad gehört zur Entstehung der GRÜNEN in Deutschland. Er passt jedoch nicht zu dem Bild einer aus sozialen Bewegungen heraus entstandenen Protestpartei, die sich ein basisdemokratisches Profil gab und damit schließlich 1998 erstmals Regierungsverantwortung übernahm.3 Die Entwicklung einer Partei verläuft immer in verschiedene Phasen. In der folgenden Hausarbeit möchte ich dazu die Vorgeschichte und Gründungsphase der GRÜNEN in den Vordergrund stellen.

Die GRÜNEN gelten noch heute als Protestpartei, die aus einer bunten, linksalternativen Umweltbewegung heraus entstanden ist. Umweltschutz, Öko und Bio sind gut und irgendwie links - das passt. Zu diesem Image haben zum Beispiel die Anti - Atomkraft Bewegung und die Forderung nach dem Ausstieg aus der NATO beigetragen. Doch Ökologie ist ein viel besetztes Thema und wird nicht zu letzt oftmals von Heimatschützern als Umweltschutz deklariert. Wert- und naturkonservativ? Das scheint mit den GRÜNEN nicht vereinbar. Doch ein Blick in die Historie soll zeigen, dass gerade die Gründungsjahre dieser Partei durchzogen waren von Konflikten zwischen vermeintlich „linken“ und „rechten“ Flügelkämpfern, deren Verständnisse von Ökologie sich zwar irgendwie ähnelte schlussendlich aber doch nicht kompatibel waren. Es gerät dabei oft in Vergessenheit, dass ehemalige NSDAP Mitglieder wie Baldur Springmann oder August Haußleiter bei der Gründung der GRÜNEN aktiv waren. Doch woher kamen diese Menschen? Was trieb sie zu den GRÜNEN? Und wie weit reichte ihr Einfluss bei der Gestaltung der Öko - Partei? Diesen Fragen möchte ich in der folgenden Hausarbeit nachgehen.

2. Zur Historie und Ideologie der Partei „DIE GRÜNEN“

2.1 Zur Vorgeschichte und dem Gründungsprozess der Ökopartei „DIE GRÜNEN“

Der folgende Abschnitt soll die Wege der Ökopartei von der Bündelung unterschiedlicher Protestbewegung zum Machtfaktor auf gesamtstaatlicher Ebene darstellen. Der Gründungsprozess der GRÜNEN war schwierig, kompliziert und zog sich über insgesamt drei Jahre hin.4 Er reicht zurück bis in die 1970er Jahre. Negativ beeinflusst von Technisierung- und Fortschrittsglauben entstand eine von Eskapismus geprägte Masse von Menschen, die auf „Zurück zur Mutter Natur“ Pfaden wandelten. Viele versuchten aus der Gesellschaft auszusteigen und ihr Heil in Blut- und Bodentheoremen, in volksheilkundlichen Erfahrungssätzen und allerlei Esoterik zu suchen. Diese Entwicklungen gelten als Sinnbild der Lebensreformbewegung dieser Zeit.5 Unterschiedlichste Wurzeln ließen die GRÜNEN von weit draußen kommend in die Parlamente und somit auch in das Institutionengefüge der Gesellschaft strömen. Die GRÜNEN sind ein exemplarisches Beispiel für einen aus Protestbewegungen entstehenden Zusammenschluss von Menschen, die gegen das Institutionensystem anrennen und sich schlussendlich doch integrieren. Sie galten schnell als „Anti-Parteien Partei“, in der alte Partei Organisationsformen unerwünscht waren. Hierarchien lehnte man ab, vielmehr setzte man auf das Rotationsprinzip der Abgeordneten und auf Transparenz auf allen Ebenen. So stringent diese Entwicklung klingt, so deutlich wird bei genauerer Betrachtung die wechselvolle Geschichte einer Partei, die sich gerade zu Gründungszeiten immer wieder mit „links - rechts“ Konflikten konfrontiert sah und deren Weg lange geprägt von Konfusion war.6

Gründungsanfänge finden sich in den verschiedenen Bundesländern in Form von unterschiedlichen Bürgerinitiativen, Umweltschutzvereinigungen und sozialen Gruppierungen, die Unmut zu artikulieren versuchten. Sucht man nach einer Geburtstunde, so ist diese in zwei Organisationsgründungen in Niedersachsen zu finden. Zunächst einmal in der Umformung der „Anti-Atomkraftwerk (AKW) -Bürgerinitiative“ Schwarmstedt zur „Umweltschutzpartei“ (USP) im Mai 1977. Desweiteren eine Gruppen der „freisozialen Wirtschaftslehre“ um den Lehrer Georg Otto aus Hildesheim. Anstoß für die Entstehung der USP war die militante Eskalation zwischen Anti-AKW Demonstranten und der Polizei im März 1977 in Grohnde. Die Grenzen der machtpolitischen Möglichkeiten von Bürgerinitiativen wurden deutlich und der Widerstand gegen die Atomenergie sollte unmittelbar in den politisch-parlamentarischen Raum getragen werden. Man wollte von nun an den „Stimmzettel zum Denkzettel“7 machen und auch die nicht in Initiativen aktiven Bürgerinnen und Bürgern zur politischen Meinungsäußerung gegen die Atompolitik bewegen. Das Programm der USP konzentrierte sich auf Umweltfragen, während die Hildesheimer Gruppe um Georg Otto ideologisch die freie Wirtschaftslehre der Theorie Silvio Gesells in den Mittelpunkten rückte. Diese Theorie beanspruchte einen „Dritten Weg“ zwischen westlichem Privat- und östlichem Staatskapitalismus gefunden zu haben.8 War die ideologische Ausrichtung dieser beiden Parteien verschieden, so waren beide Organisationsgründungen als Umweltparteien durchaus vergleichbar. Georg Otto sah in der Farbe Grün auch Farbe der „Freiwirtschaftlichen Bewegung“ und so schlossen sich die USP und die Hildesheimer Gruppe im September 1977 zusammen. Im November desselben Jahres entstand daraus die „Grüne Liste Umweltschutz Niedersachsen“ (GLU). Die GLU verabschiedete im April 1978 ein Programm für die Landtagswahl im Juni, in dem erstmals die Publikationen von Herbert Gruhl und Erhard Eppler auftauchten. Die Notwendigkeit einer „ökologisch orientierten Gesellschaft“, einer Umorientierung der Wirtschaft, die Ökologie als neuer politischer Leitwert sowie das Verlangen der Beendigung erkennungsdienstlicher Tätigkeiten gegen Atomkraftgegner waren zentrale Forderungen dieses Programms. Proklamiert wurde zudem auch das Rotationsprinzip für Amts- und Mandatsträger sowie eine Reduzierung der Abgeordnetendiäten. Die ersten Wahlergebnisse lagen bei 3,9 Prozent und gerade in den nukleartechnischen Brennpunktthemen lagen die GLU bei zweistelligen Ergebnissen.9 Wahlsoziologische Betrachtungen verorteten die meisten Stimmen bei Erst- und Jungwählern und der gebildeten Mittelschicht. Der Weg auf die politische Bühne hatte begonnen. Doch bereits in diesen Anfängen der GRÜNEN in der GLU Niedersachsen zeigten sich Konfliktherde zwischen linksalternativen und bürgerlichen Teilen der Partei. Es entstanden schnell weitere Grüne Listen, die sich - siehe Beispiel Niedersachsen überwiegend aus Bürgerinitiativen formierten. So etwa die „Bremer Grüne Liste“ (BGL) um die SPD Dissidenten Olaf Dinne und Peter Willers und die „Grüne Liste Schleswig Holstein“ (GLSH) um den Ökobauern Baldur Springmann. Gerade in Schleswig Holstein entstanden schnell heftige Dispute zwischen bürgerlichen Ökologen und Linksalternativen. Besonders der aus Hamburg wirkende „Kommunistische Bund“ (KB) war vielen Mitgliedern der GLSH - insbesondere Springmann ein Dorn im Auge und sollte schon bald zu eklatanten Auflösungserscheinungen der Grünen Liste führen. Den ehemaligen SPD Mitgliedern und Gründern der BGL war Basisdemokratie ebenso egal wie das Rotationsprinzip. Die Grünen Listen zersplitterten sich schon in ihren Anfängen in einen gemäßigten, bürgerlichen und einen linksalternativen, teils sogar radikalen Flügel. Einig war man sich in politischen Grundsatzfragen wie Ökologie und Atomkraft. Die Programmatiken der einzelnen Liste (wenn es denn eine gab) waren hingegen geprägt von Einzelpersonen, die subjektive Verständnisse von Politik und politischen Mitteln vertraten und ideologische Differenzen nicht ausräumen konnten. Besonders die Person Baldur Springmann wurde zum Gegenpol des linken Flügels. Seine Person werde ich im Abschnitt 2.1.5 genauer untersuchen. Zu der Entstehung der vielen Grünen Listen entstanden parallel einige bunte und alternative Listen, die sich deutlich von den eher bürgerlichen Ansätzen unterschieden. Diese Listen stellten sich gegen das etablierte Parteien- und Gesellschaftssystem und waren Teil einer „linksalternativen“ Initiativenkultur und der Entstehung einer „linksalternativen Wahlbewegung“.10 Hier waren auch die Wege zum KB in Hamburg und der maoistischen KPD in Westberlin nicht weit. Ihre Mitglieder bezogen diese Listen überwiegend aus den wachsenden Alternativen Szenen in den Groß- und Universitätsstädten.

Zu dem Entstehungsprozess der Ökopartei „DIE GRÜNEN“ aus verschiedenen Basis- und Bürgerinitiativen gesellten sich schon im Laufe des Jahres 1978 Kleinstparteien, wie zum Beispiel die „Aktionsgemeinschaft Unabhängiger Deutscher“ (AUD) um ihren langjährigen Vorsitzenden August Haußleiter sowie die „Grüne Aktion Zukunft (GAZ) um den ehemaligen CDU - Bundestagsabgeordneten Herbert Gruhl. Aus der AUD, der GAZ, der GLU und der GLSH entstand schließlich ein gemeinsamer Satzungs- und Koordinationsausschuss für die Europawahl 1979, der das Grundgerüst für die „Sonstige Politische Vereinigung (SPV) „DIE GRÜNEN“ bildete. Dieser Zusammenschluss erhöhte die institutionelle Absicherung der Bewegung und die Aussicht auf langfristigen Bestand.11 Das Bunt - alternative Spektrum blieb außen vor und der Einfluss der Linksalternativen war gering. Im Folgenden möchte ich die beiden Kleinparteien AUD, GAZ sowie die GLSH genauer untersuchen, da sich gerade anhand dieser Gruppen und ihren Gründern die ideologischen Differenzen in den verschiedenen Parteiflügeln aufzeigen und damit das zentrale Thema dieser Hausarbeit aufhängen lässt.

[...]


1 Vgl.Demirovic,Alex, In: Demokratie, Ökologie, ökologische Demokratie. Frankfurt/Main,1988. S. 3

2 Vgl. Kluge, Thomas (Hrsg.), In: Grüne Politik. Frankfurt/Main,1994. S. 163

3 Vgl. Raschke, Joachim. In: Die Zukunft der GRÜNEN.Frankfurt/Main,2001.S.10 2

4 Vgl.Kleinert,Hubert.In:Vom Protest zur Regierungspartei.Geschichte der Grünen.Frankfurt/Main,1992.S.31

5 Vgl.Walter,Franz.In:Charismatiker und Effizienzen. Frankfurt/Main,2009.S.237

6 Vgl.Kleinert,Hubert.In:Vom Protest zur Regierungspartei. Geschichte der Grünen.Frankfurt/Main,1992.S.10

7 Vgl. Kleinert,Hubert.In: Vom Protest zur Regierungspartei. Geschichte der Grünen.Frankfurt/Main,1992.S.15

8 Vgl. Kleinert,Hubert.In: Vom Protest zur Regierungspartei. Geschichte der Grünen.Frankfurt/Main,1992.S.16

9 Vgl. Schmidt,Giselher.In: Die GRÜNEN/Portrait einer alternativen Partei. Krefeld,1986.S.16 4

10 Vgl. Kleinert,Hubert.In:Vom Protest zur Regierungspartei.Geschichte der Grünen.Frankfurt/Main,1992.S.18

11 Vgl. Kluge, Thomas (Hrsg.), In: Grüne Politik. Frankfurt/Main,1994. S. 156

Details

Seiten
18
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640857326
ISBN (Buch)
9783640856138
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168157
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Institut für Parteien- und Kulturforschung/Institut für Demokratieforschung
Note
1,3
Schlagworte
Ökofaschismus Baldur Springmann Herbert Gruhl Bündnis 90/Die Grünen August Haußleiter Aktionsgemeinschaft Unabhängiger Deutscher (AUD) Grüne Aktion Zukunft (GAZ) Grüne Liste Schleswig Holstein (GLSH) Grüne Liste Umweltschutz Niedersachsen (GLU) Umweltschutz Heimatschutz Fundis Realos

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