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Evaluation von Netzwerken

Evaluation of Networks

Seminararbeit 2010 51 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitun
1.1. Einführung
1.2. Zielsetzung
1.3. Konzept der Arbeit

2. Begriffsbestimmungen und Verständnisgrundlage
2.1. Der Begriff Evaluation
2.2. Der Begriff Netzwerk
2.3. Der Begriff Netzwerkevaluation

3. Netzwerkevaluatio
3.1. Zweck, Chancen und Nutzen von Netzwerkevaluationen
3.2. Einflussfaktoren auf die Evaluation von Netzwerken
3.2.1. Exemplarische Systematisierungen nach Teller et al. und Sydow/Goebel
3.2.2. Einflussfaktoren weiterer Autoren
3.2.3. Zusammenfassung und Implikationen
3.3. Verfahren, Methoden und Techniken zur Evaluation von Netzwerken
3.3.1. Qualitativ
3.3.2. Quantitativ
3.3.3. Intermediär
3.4. Herausforderungen und Probleme bei Netzwerkevaluationen

4. Schlussbetrachtun
4.1. Zusammenfassun
4.2. Ausblick

A. Anhang
A.1. Übersicht über weitere Methoden der Netzwerkevaluation

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einflussfaktoren („Dimensionen der Netzwerkevaluation“) nach Teller et a

2. Einflussfaktoren („Potentielle Komponenten eines Evaluationsverfahrens“) nach Sydow/Goebe

3. Beispiel Präferenzmatrix

4. Beispiel zu möglichen Nutzen und Risiken einer Netzwerkteilnahme

5. Beispiel zur Auswertung einer Nutzen-Risiko-Analyse

Tabellenverzeichnis

1. Auswahl möglicher Evaluationsdefinitionen

2. Typisierungsmöglichkeiten interorganisationaler Netzwerke

3. Blickwinkel auf den Begriff der Netzwerkevaluatio

4. Vor- und Nachteile der internen und externen Evaluationsdurchführung

1. Einleitung

1.1. Einführung

„ The issue of network evaluation is, in many respects, more complicated than it seems. “

Sydow /Milward 2003, S. 3

Wie misst man den Erfolg von Netzwerken? Diese auf den ersten Blick als relativ harmlos da- herkommende Frage beschäftigt die Netzwerkforschung seit einiger Zeit sehr intensiv (vgl. Sydow 2008, S. 55 f.). Denn wie misst man den Erfolg, innerhalb eines Zusammenschlusses von mehreren verschiedenen Akteuren - und was bedeutet in diesem Zusammenhang überhaupt Erfolg? Definiert denn nicht jeder Akteur, nach seinen eigenen Interessen und Zielsetzungen, individuell, was Erfolg für ihn, innerhalb eines Netzwerkes, bedeutet? Oder warum sollte der Erfolg nicht vielmehr am Output/Outcome des Zusammenschlusses gemessen werden? Mit den vorhandenen Methoden und Instrumenten der betriebswirtschaftlichen Erfolgsmessung und -bewertung1 lassen sich diese Fra- gen nicht mehr hinreichend beantworten. Der Grund dafür liegt zum einen im Gegenstandsbereich der Instrumente, die sich nicht, oder nur sehr schwierig, auf die Ebene des Netzwerkes übertragen lassen (vgl. Aulinger 2008, S. 8). Aber auch vermögen es klassische Methoden und Instrumente nicht, die für Netzwerke spezifischen Erfolgsfaktoren2 angemessen zu berücksichtigen.

Die bisher fehlende Anpassung vorhandener Instrumente bzw. deren Neuentwicklung zur Erfolgs- messung in Netzwerken, wäre vermutlich gegenstandslos, könnte man davon ausgehen, dass es sich bei der Bildung von Netzwerken um einen kurzzeitigen Trend handeln würde. Dies scheint jedoch nicht so zu sein, da bis zum heutigen Tage eine zunehmende Verbreitung von Netzwerken in der Wirtschaft zu beobachten ist.3 Aus diesem Faktum ergibt sich ein Spannungsfeld, respektive Forschungslücke, die in den letzten Jahren auch von der Netzwerkforschung erkannt wurde (vgl. Sydow 2008, S. 55 f.). Dieses liegt im Bedeutungs- und Interessenzuwachs der Koordinations- form Netzwerk, unter dem gleichzeitigen Mangel an geeigneten Verfahren zur Evaluation dieser Kooperationsformen, begründet.

Dass eine Evaluation bzw. Erfolgsmessung von Netzwerken keinen Selbstzweck darstellen sollte, beweist hierbei das relativ hohe Niveau an festzustellenden Netzwerkversagen (vgl. Sydow 2008, S. 55). In diesem Zusammenhang stellt die fehlende Bereitschaft oder Fähigkeit zur Netzwerke- valuation nur einen kleinen Bereich an möglichen Gründen für das Versagen dar, der aber nicht zu unterschätzen ist. Viele der möglichen Ursachen für misslungene Netzwerkaktivitäten können im Rahmen der Evaluation mit untersucht werden. Dadurch lassen sich Lernprozesse im Netzwerk iniitieren, die eine Möglichkeit zur Verbesserung des Netzwerkes darstellen können.

Insoweit stellt sich die Frage, welche Erkenntnisse die Netzwerkforschung auf diesem Gebiet bis- her erarbeiten konnte, um das oben beschriebene Spannungsfeld zu lösen bzw. jedoch zumindest aufzuweichen.

1.2. Zielsetzung

Ziel dieser Arbeit ist es einen kurzen und prägnanten Überblick über das komplexe Themenfeld der Netzwerkevaluation zu geben. Hierzu sollen die in der Literatur bisher besprochenen Aspekte zur Evaluation von Netzwerken, anhand einer Literaturanalyse, gesichtet und aufgearbeitet wer- den. Damit soll versucht werden, den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Diskussion zu diesem Themenkomplex wiederzugeben. Aufgrund der Komplexität des Themenfeldes, kann jedoch ledig- lich das Ziel dieser Arbeit sein einen systematischen Überblick hierüber zu vermitteln, nicht aber alle Einzelheiten im Detail zu betrachten. Wo immer möglich soll das Verständnis jedoch durch geeignete Systematisierungen erleichtert werden. Insbesondere soll versucht werden, anhand der bisher vorhandenen Literatur, eine Antwort auf folgende Fragestellungen zu finden:

- Was ist unter dem Begriff der Netzwerkevaluation zu verstehen?
- Warum werden Netzwerkevaluationen durchgeführt und welche Vorteile bringen sie mit sich?
- Welche Faktoren beeinflussen die Evaluation von Netzwerken?
- Welche Methoden können für eine Evaluation von Netzwerken verwendet wer- den?
- Welche Probleme können bei der Evaluation von Netzwerken auftreten?

Die in dieser Arbeit erarbeiteten Erkenntnisse sollen darüber hinaus als Grundlage für eine spätere Masterarbeit dienen, in welcher eine Netzwerkevaluation empirisch durchgeführt werden soll.

1.3. Konzept der Arbeit

Aus der zuvor vorgestellten Zielsetzung leitet sich folgendes dreistufiges Vorgehen für diese Arbeit ab:

In einem ersten Schritt werden zunächst die für diese Arbeit wesentlichen Begriffe erläutert. Dies erscheint insbesondere bei den Begriffen Evaluation, Netzwerk und Netzwerkevaluation notwen- dig zu sein, da sich diese durch ein sehr heterogenes Begriffsverständnis auszeichnen. Eine Be- sonderheit des ersten Kapitels ist es, dass zwar verschiedene Begriffsfinitionen präsentiert werden, jedoch sich nicht auf eine autorenspezifische Definition festgelegt wird. Dies liegt in der Methodik der Art der Darstellung (Literaturanalyse) begründet und dient dem Zweck ein möglichst breites, aber systematisiertes Bild zum Themenkomplex wiederzugeben.

In einem zweiten Schritt, der gleichzeitig den Schwerpunkt dieser Arbeit darstellt, werden verschiedene Bereiche aus dem Themenkomplex der Netzwerkevaluation wiedergegeben, beschrieben und teilweise systematisiert. Hierzu wird zunächst der Zweck und Nutzen von Netzwerkevaluationen vorgestellt sowie die Chancen dieser aufgezeigt. Es folgt eine Aufzählung von Faktoren die Einfluss auf die Evaluation von Netzwerken nehmen können. An dieser Stelle wird auch ihre Wirkung auf die Evaluation betrachtet. Anschließend werden verschiedene Methoden der Netzwerkevaluation dargestellt und nach den Gesichtspunkten qualitativ, quantitativ und intermediär systematisiert. Abschließend werden in diesem Kapitel mögliche Herausforderungen und Probleme bei der Durchführung von Netzwerkevaluationen dargestellt.

In einem dritten Schritt werden die aus der Literatur gewonnenen Erkenntnisse zum Themenkomplex der Netzwerkevaluation abschließend zusammengefasst und Ausblicke auf weitere Forschungspotentiale gegeben.

2. Begriffsbestimmungen und Verständnisgrundlagen

2.1. Der Begriff Evaluation

Sich den Themenkomplexen „Evaluation“4 bzw. „Evaluierung“5 anzunähern, bedeutet sich einem Feld heterogener Begriffs- und Verständniserläuterungen, mehr oder weniger bewusst, auszusetzen. Bereits im Jahr 1974 wies Weiss (1974, S. 19) darauf hin, dass Evaluation ein „vieldeutiges Wort“ sei, „mit dem die verschiedensten Arten von Beurteilungen gemeint sein können“. Diese Sichtweise, zur Bedeutungsvielfalt des Wortes, hat sich bis zum heutigen Tage wenig verändert6, klingt doch der Grundtenor auch bei anderen Forschern7 sehr ähnlich. Nach Einschätzung Kromreys liegt dies vor allem an folgenden Gründen (vgl. Kromrey 2001, S. 105):

- Eine kaum durchschaubare Vielfalt an Evaluationsmethoden und - verfahren sowie Forschungs- und Beratungsansätzen
- Ein unüberschaubares Spektrum an Evaluationsgegenständen
- Eine unüberschaubare Fülle an Evaluationsfragestellungen
- Eine inflationäre Begriffsverwendung8 in extrem unterschiedlichen Bedeutungszusammenhängen

Um der Gefahr, sich in den Tiefen und somit den Feinheiten der Evaluationswissenschaft zu ver- lieren, zu entfliehen, soll im Folgenden die Diskrepanz zwischen der alltäglichen und der wissen- schaftlichen Verwendung des Begriffes Evaluation kurz beleuchtet werden.9 Diese Abgrenzung erscheint sinnvoll, weil sie herausstellt, was „wissenschaftliche Evaluation“ von einem „einfachen Bewerten“ unterscheidet. Gegen Ende dieser Darstellung wird eine Auswahl an möglichen Eva- luationsdefinitionen präsentiert, die einen groben Überblick über das weite Feld an Definitionen gibt.

Dem umgangssprachlichen Verständnis nach ist Evaluation etwas äußerst unspezifisches, kann doch ein und der selbe Sachverhalt von unterschiedlichen Personen verschieden bis gar gegensätzlich „bewertet“ bzw. evaluiert werden. Anders formuliert: „Irgend etwas wird von irgend jemanden nach irgendwelchen Kriterien in irgendeiner Weise bewertet“ (Kromrey 2001, S. 106). Durch dieses „irgend .“ wird alles, was im Zusammenhang mit Evaluation steht, unpräzise und entzieht sich einer mehr oder weniger objektiven Nachvollziehbarkeit. Gegen diese Kritik muss eine wissenschaftliche Begriffsdefinition, durch Präzisierungen, immunisiert werden.10

Eine Immunisierung kann angestrebt werden, indem nicht „irgend etwas“ evaluiert wird. Der be- trachtete Evaluationsgegenstand muss vielmehr klar definiert und von anderen Gegenständen ab- gegrenzt werden. Ebenso sollte nicht „irgend jemand“ die Evaluation durchführen, da diese spezi- fisches Wissen über den zu evaluierenden Gegenstand erfordert. Dieses Wissen sollten Evaluato- ren11 mitbringen. Weiterhin sollte ein Evaluationsergebnis nicht auf „irgendeine Weise“ zustande kommen, sondern weitestgehend objektiviert werden. Beispielsweise dadurch, dass Kriterien nicht beliebig gewählt, sondern dem Evaluationsgegenstand entsprechend angepasst werden (vgl. Krom- rey 2001, S. 106 f.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Auswahl möglicher Evaluationsdefinitionen Quelle: Eigene Darstellung

Auch wenn an dieser Stelle nicht ins Detail gegangen wurde, sollte doch der wesentliche Unterschied zwischen dem alltagsprachlichen und dem wissenschaftlichen Verständnis von Evaluation bewusst gemacht worden sein - nämlich, dass es im wissenschaftlichen Verständnis besonders darauf ankommt den Evaluationsprozess weitestgehend zu systematisieren, bzw. diesen für eine kritische Auseinandersetzung12 zu objektivieren. Eine Abgrenzung des Evaluationsgegenstandes, eine Auswahl geeigneter Evaluatoren und die Erstellung eines systematischen Evaluationsdesigns sind hierbei nur wenige Punkte, unter einer Vielzahl weiterer, die im Rahmen des wissenschaftlichen Evaluierens ausgestaltet werden müssen.13

Auch die wissenschaftlichen Definitionen rund um den Begriff Evaluation sind sehr vielfältig. Von den öfters anzutreffenden Definitionen, rund um den Evalutionsbegriff, folgt in Tabelle 1 auf Seite 5 eine exemplarische Auswahl.

Anhand der Auflistung möglicher Evaluationsdefinitionen zeigt sich die angesprochene Heterogenität des Begriffes. Entsprechend der im Abschnitt 1.2 beschriebenen Berücksichtigung der Methodik einer Literaturanalyse, soll an dieser Stelle der Begriff Evaluation allgemein als Synonym für den wissenschaftlich präzisierten Begriff Bewertung verstanden werden.

2.2. Der Begriff Netzwerk

Um sich dem Begriff der Netzwerkevaluation langsam anzunähern ist es zunächst notwendig, neben dem in Abschnitt 2.1 bereits definierten Begriff der Evaluation, ebenfalls den Begriff Netzwerk zu definieren und genauer zu betrachten.

Bei dem Begriff Netzwerk handelt es sich um eine äußerst komplexe Terminologie, denn es gibt eine rege Vielfalt von ihnen. Jedes Netzwerk ist einzigartig und muss neu entwickelt sowie gestal- tet werden, weshalb letztendlich auch eine Fülle an Bezugsgrößen, Definitionen und Akzentset- zungen existieren (vgl. Bienzle et al. 2007, S. 9). Ebenfalls ist die Komplexität von Netzwerken abhängig von der Zahl der Kooperationspartner und der Intensität der Austauschbeziehungen (vgl. Sydow A 2010, S. 3). Somit sind allgemein die Möglichkeiten der Typologisierung von Netzwer- ken grenzenlos (vgl. Sydow B 2010, S. 379). So gibt es nicht nur Unternehmensnetzwerke, sondern beispielsweise auch Informationsnetzwerke, Nachbarschaftsnetzwerke, Ökologienetzwerke, Ter- roristennetzwerke, Forschungsnetzwerke und etliche mehr. Bei aller Unterschiedlichkeit weisen all diese genannten Netzwerke aber folgende Gemeinsamkeiten auf (vgl. Sydow 1992, S. 2):

- Alle besitzen ein gewisses Maß an Spontanität und Informalität,
- ein hohes Maß an Flexibilität und Kommunikation
- sowie ein Minimum an zentraler Kommunikation der weitgehend autonomen Netzwerkmitglieder.

Diese Gemeinsamkeiten sind essentiell für die weitere Betrachtung des Netzwerkbegriffs.

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit werden im Schwerpunkt Unternehmens-/ Organisationsnetz- werke betrachtet. Hier ist eine erste, aber sehr wesentliche Unterscheidung, die zwischen intraorga- nisationalen14 und interorganisationalen15 Netzwerken, wobei der weitere Fokus der Betrachtun- gen sich auf interorganisationale Unternehmens-/ Organisationsnetzwerke bezieht. Einen kleinen Überblick über die wichtigsten interorganisationalen Netzwerktypen gibt Tabelle 2 wieder.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Typisierungsmöglichkeiten interorganisationaler Netzwerke Quelle: Sydow A 2010, S. 380

Schon auf den ersten Blick gibt diese Tabelle die Komplexität und Vielschichtigkeit des Netzwerkbegriffs und der Netzwerktypen wieder, denn zu bedenken ist, dass die hier aufgeführten Netzwerktypen nicht allumfassend sind und sich nur auf interorganisationale Netzwerke beziehen. Zu erkennen ist jedoch auch, dass bei den meisten Netzwerktypen immer zwei Pole existieren, zwischen denen das jeweilige zu betrachtende Netzwerk angesiedelt ist.

Würde beispielsweise die räumliche Ausdehnung eines Netzwerks betrachtet werden, so ist das Netzwerk irgendwo zwischen den Polen lokal und global anzusiedeln. Liegt es z.B. nahe am Pol lokal, so würde man es als regionales Netzwerk bezeichnen. Aufgrund des begrenzten Umfangs dieser Arbeit sollen die Unterschiede der Netzwerktypen, auf dieser Ebene, im Folgenden aber unberücksichtigt bleiben.

Zweckdienlicher ist deshalb, trotz der schon kurz beschriebenen Einschränkungen für den in dieser Arbeit verwendeten Netzwerkbegriff, diesen genauer zu definieren und zu klären, was ein „gutes“ Netzwerk ausmacht.

Hierzu soll zunächst eine Definition von Sydow behilflich sein, nach der ein Netzwerk eine „Ko- operation in und/oder zwischen relativ autonomen, gleichwohl in ein Netz von Beziehungen ein- gebundenen Organisationen bzw. Unternehmungen oder Organisationseinheiten“ (Sydow A 2010, S. 1) ist. Ebenfalls wird in einer Netzwerkorganisation zwar, aufgrund zunehmend turbulenter Wettbewerbsumwelten, auf eine hierarchische Kontrolle verzichtet, hierarchische Elemente in in- terorganisationalen Beziehungen bleiben aber bestehen (vgl. Sydow A 2010, S. 1). Der Aspekt der interorganisationalen (zwischenbetrieblichen) Beziehungen ist hier besonders wichtig und erwäh- nenswert, da der wirtschaftliche Erfolg einer Unternehmung nicht nur auf ihren internen Stärken beruht, sondern auch darauf, wie die Beziehungen zu anderen Organisationen „gemanaged“ wer- den (vgl. Sydow 1992, S. 1).

Ergänzend zu Sydow definiert Ebel deshalb den Begriff des Netzwerks wie folgt: „Unter einem Netzwerk wird der Zusammenschluss verschiedener Institutionen verstanden, die sich im Rahmen von Kooperationsvereinbarungen zu einer Zusammenarbeit verpflichten, um Effektivitäts- und Effizienzgewinne durch erhöhte Koordination zu erlangen. Dabei handelt es sich um rechtlich und wirtschaftlich unabhängige Unternehmen, die je nach Schwerpunkten horizontal (gleiche Wertschöpfungsstufe), vertikal (im Sinne einer Wertschöpfungskette) oder lateral (als unterstützende Leistung) organisiert wird“ (Ebel 2009, S. 212).

Sowohl Sydow‘s als auch Ebel‘s Definition beschreiben den im weiteren Verlauf dieser Arbeit ver- wendeten Netzwerkbegriff und ermöglichen es, trotz der komplexen Terminologie und den gren- zenlos möglichen Typologisierungen von Netzwerken, eine einheitliche Ausgangsbasis zu schaf- fen. Zu beachten ist allerdings, dass sich diese Begriffsdefinitionen auf Unternehmens-/ Organisa- tionsnetzwerke beziehen.

Offen bleibt schließlich noch die Antwort auf die Frage, was ein gutes Netzwerk ausmacht. Dau- ser und Logmuß sagen hierzu, dass ein gutes Netzwerk auf Dauer angelegt sein muss und es auf Gegenseitigkeit, sprich jeder Teilnehmer trägt etwas bei und jeder hat auch einen Nutzen, beruht (vgl. Dauser /Longmuß 2010, S. 10). Ein gutes Netzwerk schafft es, sich an den ständig wechseln- den Anforderungen der Netzwerkumwelt auszurichten, um so überlebensfähig zu bleiben. Auch ist ein gutes Netzwerk auf Ergänzung und nicht auf Konkurrenz ausgerichtet, sodass ein Mehrwert nur dann erreicht werden kann, wenn die verschiedenen Beteiligten unterschiedliche Kompetenzen und Qualitäten mit einbringen. Ebenfalls muss der Netzwerknutzen freiwillig und ohne Hierarchie zustande kommen, wobei er nur solange existiert, wie der Nutzen für die Beteiligten den Aufwand überwiegt und eine Teilnahme als erfreulich empfunden wird. Somit ist es wichtig den Blick nicht nur auf die einzelnen Beteiligten zu richten, sondern auch auf die Beziehungen untereinander (vgl. Dauser /Longmuß 2010, S. 10). Hier spielen auch Reziprozität und gegenseitiges Vertrauen eine wesentliche Rolle. Werden all diese Kriterien erfüllt, so steht dem Erfolg eines Netzwerks kaum etwas im Wege.

Zusammenfassend ist der Begriff des Netzwerks sehr komplex und es existieren eine Vielzahl von Bezugsgrößen, Definitionen und Akzentsetzungen. Somit sind die Möglichkeiten der Typologisie- rung von Netzwerken grenzenlos. Im weiteren Verlauf der Arbeit werden unter dem Netzwerk- begriff Unternehmens-/ Organisationsnetzwerke verstanden, wo Netzwerkpartner zur Erreichung von Effektivitäts- und Effizienzgewinnen miteinander kooperieren. Es überwiegt, trotz einem Netz von Beziehungen, eine relative Autonomität der Netzwerkpartner und auf hierarchische Kontrollen wird verzichtet, wobei aber allgemeine hierarchische Elemente bestehen bleiben. Ebenfalls werden interorganisationale Beziehungen als wesentliches Element angesehen, da der Netzwerkerfolg von ihnen abhängig ist.

2.3. Der Begriff Netzwerkevaluation

In den Abschnitten 2.1 und 2.2 wurden die für die vorliegende Arbeit relevanten Begriffe, „Evaluation“ und „Netzwerk“, dargestellt und definiert. Als logischer Schritt dieses Vorgehens stellt sich nunmehr die Frage, inwieweit die Synthese zwischen den einzelstehenden Begriffen, deckungsgleich mit dem Begriff „Netzwerkwerkevaluation“ ist. Ist Netzwerkevaluation das systematische Sammeln, Analysieren und Bewerten von Informationen16 bezogen auf den Evaluationsgegenstand „Netzwerk“? Oder gibt es darüber hinaus noch andere Sichtweisen zu diesem Begriff? Dieser Fragestellung wird in diesem Abschnitt schwerpunktmäßig nachgegangen.

Nach Auffassung von Sydow und Goebel stellt Evaluation eine von vier17 Managementfunktio- nen/Managementpraktiken, im Rahmen des Netzwerkmanagements, dar.18 Konkret werden unter dieser Managementfunktion „jene Bewertungspraktiken subsumiert [ .], die auf einer systemati- schen Nutzung von mehr oder weniger formellen, organisatorisch verankerten Verfahren basie- ren“ (Sydow /Goebel 2001, S. 78). Im Rahmen der Darstellung der vier Managementfunktionen schreibt Sydow lediglich von Evaluation, verwendet aber nicht explizit den Begriff Netzwerke- valuation. Allerdings bezieht er diese Funktion später auf einen konkreten Netzwerktyp, nämlich den der Unternehmensnetzwerke (vgl. Sydow /Goebel 2001, S. 78). Aus dieser Sichtweise heraus wäre die Ableitung, dass die oben zitierte Aufgabe der Evaluation, im Rahmen des Netzwerkmana- gements, ebenfalls eine mögliche Definition des Begriffes Netzwerkevaluation darstellen könnte. Ohne Sydow an dieser Stelle jedoch zu weit auszulegen kann man sich weitere Gedanken dazu ersparen, denn Sydow definiert Netzwerkevaluation, an anderer Stelle, unter Berufung auf struk- turationstheoretische Annahmen19, „as a process of interaction in which managers, by reflexively monitoring the contextual embedded activities and their effects, try to control the outcome and eventually, the process of organizing with respect to particular criteria“ (Sydow /Windeler 1998, S. 269). Hierbei geht nach Sydow’s Evaluationsverständnis die Evaluation von Netzwerken über ein „reflexive monitoring“20 à la Giddens hinaus, da formelle Verfahren und Praktiken zur Anwendung kommen.

Eine etwas allgemeinere Definition, geben Teller et al. (2005, S. 133): „Netzwerkevaluation ist die Bewertung eines Netzwerks durch Personen, die dafür befähigt sind, in einem objektivierten Verfahren nach explizit auf den Sachverhalt begründeten Deskriptoren“ zu urteilen. Sie ist deshalb allgemeiner aufzufassen, da die Verfahren zur Bewertung nicht auf „organisatorisch verankerten Verfahren“ (Sydow /Goebel 2001, S. 78) beschränkt werden. Die Bereiche aus denen diese kommen können bleiben somit allerdings offen.

Noch sehr viel allgemeiner ist das Verständnis von Neugebauer und Rutten. Ihre Definition von Netzwerkevaluation kommt der Eingangs aufgestellten Vermutung nach der Synthese von „Eva- luation“ und „Netzwerk“ sehr nahe. Hiernach ist Netzwerkevaluation das Bewerten eines Gegen- standes, „bei der [ .] dieser Gegenstand dahingehend präzisiert“ wird, „dass es sich um die Bewer- tung eines (sozialen, formellen oder informellen) Netzwerks handelt“ (Neugebauer /Rutten 2008, S. 101 f.).

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der Begriff Netzwerkevaluation multikausal ist und daher sehr unterschiedlich erfasst werden kann. Beispielsweise kann Netzwerkevaluation verstanden werden als:

1. Tätigkeit oder Funktion die, dauerhaft oder einmalig, im Rahmen der Netzwerk- führung/des Netzwerkmanagements wahrgenommen wird (vgl. Sydow /Winde- ler 1998, S. 269).
2. Prozess der Durchführung einer Bewertung des Gegenstandes Netzwerk, mit Hilfe eines objektiven Verfahrens und am Evaluationsgegenstand orientierten Kriterien (vgl. Teller et al. 2005, S. 133; Neugebauer /Rutten 2008, S. 101 f.).

[...]


1 Bspw. den Instrumenten aus den Disziplinen des Strategischen Managements, dem Controlling oder der Organisationsforschung.

2 Z.B. Vertrauen, Transparenz, Reziprozität usw

3 Siehe bereits Sydow 1992 (S. V): „Die vertikal integrierte Großunternehmung wird substituiert durch einen Trend zum effizienten und flexiblen Netzwerk horizontal und vertikal verbundener Unternehmungen.“

4 Das Wort Evaluation leitet sich aus dem Lateinischen ab und bedeutet „Bewertung“ (vgl. Uhl (2000), S. 219).

5 Die Begriffe „Evaluation“ und „Evaluierung“ werden im Folgenden als Synonyme verwendet.

6 Stockmann meint sogar, dass die Bedeutungsvielfalt noch zugenommen habe (vgl. Stockmann (2007), S. 25).

7 Vgl. Stockmann (2006), S. 27; Kromrey (2001), 105 f

8 Kromrey spricht in diesem Zusammenhang auch vom häufig und gerne benutzen Modewort (vgl. Kromrey (2005), S. 64).

9 Für eine detaillierte Einführung zum Themenkomplex Evaluation aber auch Evaluationsforschung siehe: Kromrey (2001), Wottawa/Thierau (2003), Rossi/Lipsey/Freeman (2004), Bortz/Döring (2005).

10 Zu dieser Diskussion siehe auch: Uhl (2000), S. 219.

11 Als Evaluatoren werden hier Individuen oder Gruppen bezeichnet die eine Evaluation durchführen.

12 Eine kritische Auseinandersetzung bezieht sich jedoch nicht nur auf den Prozess, sondern auch auf die Ergebnisse desselben.

13 Dieser Themenkomplex wird ausführlicher im Abschnitt 3.2 auf Seite 14 behandelt.

14 Kooperationen innerhalb einer Unternehmung (intern).

15 Kooperationen mit anderen Unternehmungen (extern).

16 Vgl. mit der auf Seite 5 von Kempfert/Rolff (2005, S. 11) abgeleiteten Evaluationsdefinition.

17 Die anderen drei Managementpraktiken sind Selektion, Allokation und Regulation (vgl. Sydow B (2010), S. 394).18 Sydow stellt somit die Evaluationsaufgabe in den Gesamtkontext des Netzwerkmanagements. Nachfolgende Quellen bieten vertiefende Ausführungen zu den einzelnen Managementfunktionen: Sydow/Windeler (1994), insbesondere S. 5 f.; Sydow (2002), insbesondere S. 11 f.; Sydow (2006), insbesondere S. 406-414.

19 Vgl. Giddens (1984).

20 Unter einer reflexiven Überwachung wird „die alltägliche, mehr oder weniger systematische Beobachtung einer Handlungssituation, der Handlungsalternativen und der Handlungsfolgen durch einen individuellen oder kollektiven Akteur verstanden [ .], der auf der Grundlage der auf diese Weise gesammelten Informationen die Alternativen auswählen und auf die Situation einwirken will“ (Sydow (2008), S. 58).

Details

Seiten
51
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656072423
ISBN (Buch)
9783656072706
Dateigröße
820 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v168388
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg – Professur für Betriebswirtschaftslehre, insb. Organisationstheorie
Note
1,0
Schlagworte
Sydow Teller Chancen Probleme Systematisierungen Implikationen Netzwerke Koßmann Schmidt Unternehmen Organisationen

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Titel: Evaluation von Netzwerken